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Dienstag, 30. September 2025

Die absurde Karriere des Horst Steffen

Es ist schon absurd. Wir haben gerade vier Ex-Profis mit durchaus vergleichbaren Spieler-Biografien auf den Trainerbänken sitzen. Alle vier absolvierten zwischen 180 und 254 Bundesligaspiele. Sie spielten nie für die ganz großen Vereine. Einer ist bereits ein etablierter Bundesligatrainer, die anderen verdienen sich jetzt gerade die ersten Sporen. Aber ihr Weg zu diesem Posten war extrem unterschiedlich.

Die Rede ist von Steffen BaumgartEugen Polanski, Sandro Wagner und Horst Steffen.

Baumgart fällt, was mich selbst doch überrascht, in die Kategorie "Marius Ebbers Angreifer": Er hat mehr Zweitliga- als Bundesligatore erzielt. Polanksi hatte eine interessante Karriere, weil er unter Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel spielen durfte. Steffen spielte in Uerdingen, nachdem Bayer da ausgestiegen ist. Und für den MSV Duisburg. Mehr "Arbeiterkarriere" kann man als Bundesligaprofi nicht machen. Wagner ist so ein bisschen der Ausreißer, da er in der einen Saison beim FC Bayern mehr Europacup Spiele absolviert hat, als die andern 3 zusammen... Zumindest, wenn man den UI Cup rausrechnet.

Als Trainer ist die Biografie von Baumgart spannend, da sie seine Spielerkarriere spiegelt. Er startete in der 2. Liga der ehemaligen DDR. Danach in der NOFV Oberliga und in der 2. Liga, bevor er mit Hansa Rostock aufstieg. Er hat sich buchstäblich nach oben gearbeitet. Auch als Trainer arbeitete er in der Landesliga beim SSV Köpenick-Oberspree. Beim Berliner AK 07 arbeitete er in der Regionalliga. Und danach startete er mit Paderborn von der dritten in die erste Liga durch... Eigentlich von der 4., sportlich war man abgestiegen. Sowohl als Trainer, als auch als Spieler, wollte den niemand in der ersten Liga sehen, er hat sich davon aber nicht aufhalten lassen. Jetzt hat er sich zumindest so weit etabliert und stabilisiert, dass er noch haufenweise Angebote von verzweifelten Abstiegskandidaten bekommen wird, wenn Union Berlin ihn irgendwann entlassen wird. Von seinem ersten, sachlich gesehen gescheiterten Experiment in Magdeburg bis zum Bundesligadebüt vergingen 10 Jahre. Von seinem Karriereende, ebenfalls in Magdeburg, bis zum ersten Spiel an der Seitenlinie vergingen etwa 12 Jahre. Das ist schon unfassbar viel.

Denn normalerweise sieht die Trainerkarriere der ehemaligen "Bundesliga-Stars" sieht ja eher wie die von Eugen Polanski aus: Man kommt nach seiner aktiven Karriere bei einem seiner Ex-Vereine unter. In Polanskis Fall war das sein Jugendverein Borussia Mönchengladbach. Dort arbeitet man sich von der U17 bis zur 2. Mannschaft hoch und wartet ganz entspannt ab, dass eine Krise Panik auslöst. Und wenn das nicht klappt, rutscht man zurück ins zweite Glied und wartet entspannt auf die nächste Krise. Jahrzehntelang war dies die einzige wirkliche Variante, einen Fuß in die Bundesligatür zu bekommen. Dann fiel irgendwann den gut geführten Vereinen auf, dass man doch richtige Experten als Jugendtrainer braucht und dadurch wurden dann Thomas Tuchel und Hannes Wolf in die Liga gespült. Um ein Positiv- und ein Negativbeispiel zu nennen. Im Normalfall dauert dieser Vorgang so 7 Jahre.

Sandro Wagner ist auch hier ein Sonderfall, weil er ja praktisch von der Kommentatorenkabine auf die Trainerbank gelobt worden ist.

Und dann gibt es halt Horst Steffen. Die Vereine, bei denen er Eindruck hinterlassen hat, sind in der Versenkung verschwunden. Da kann man dann schlecht als Jugendtrainer anfangen. Er war tatsächlich auch in Gladbach, aber anscheinend hat man ihn da nicht zugetraut, höhere Aufgaben zu übernehmen.

Danach begann dann seine "Wanderschaft" bei den Stuttgarter Kickers, Preußen Münster und dem Chemnitzer FC. Bei nur einer einzigen Vertragsverlängerung deutete wenig auf eine langfristige und erfolgreiche Trainerkarriere hin. Es sah eher so aus, als würde Steffen sich dank seines guten Namens bei unterklassigen Vereinen die Altersvorsorge sichern.

Der nächste Schritt dieser Rentensicherungsmaßnahme war 2018 die SV Elversberg. Danach kommt dann wahrscheinlich nicht mehr viel... Aber plötzlich startete man komplett durch. Es ging von der Regionalliga in die Relegation zur höchsten deutschen Spielklasse. Und vor allem hatte man auch langfristigen Erfolg. 7 Jahre am Stück ging es praktisch nur aufwärts. Das schafft man sonst nur mit Investoren-Millionen. Das war so nicht zu erwarten.

Nun stellt sich die entscheidende Frage: War Steffen schon immer ein guter Trainer, der durch chaotische Vereine aufgehalten wurde? Also die Stuttgarter Kickers und der Chemnitzer FC sind jetzt nicht die stabilsten Vereine... Oder hat er einfach nur all diese Jahre gebraucht, um das Trainerhandwerk zu erlernen und sich zu verbessern. 

Wir reden hier nebenbei von unfassbaren 22 Jahren zwischen der letzten Station als Spieler und der ersten als Bundesliga-Trainer.
Und wenn das Potenzial schon immer da war, warum hat vorher niemand zugeschlagen? Ich meine, wir hatten doch einige richtig schlechte Trainer, denen trotzdem immer wieder einen Job angeboten wurde. Michael Frontzeck stand bei 3 unterschiedlichen Bundesligisten an der Seitenlinie: Alemannia Aachen, Arminia Bielefeld und Borussia Mönchen... wartet mal... kurz Zeitlinien abchecken. Horst Steffen und Michael Frontzeck begannen beide am 1.7.2009 in Gladbach. Man hätte sich damals auch einfach für den anderen entscheiden und Frontzeck zur U17 schicken können... Aber nur einer der beiden hat mit Max Eberl zusammengespielt.

Oder Horst Steffen zumindest als Interimstrainer befördern können, als man Frontzeck 2011 völlig überraschend entlassen musste. Wobei man zur Verteidigung von Max Eberl sagen muss: Er holte einen gewissen Lucien Favre, der sich für Gladbach als sehr guter Griff entpuppte. 

Es ist aber schon absurd, dass sich Steffen praktisch in derselben Situation befand, wie Polanski jetzt, nur dass er damals dann "übergangen" wurde. Dass er danach dann den Weg über die Dörfer gegangen ist, um doch zum Bundesligatrainer zu werden, dürfte ein einzigartiger Vorgang sein. Auch die 22 Jahre, die das gedauert hat, wird niemand jemals überbieten. Vor allem bei den Millionengehältern, die heutzutage jeder Bundesligaspieler überwiesen bekommt, dürften verhindern, dass nochmal jemand so hartnäckig an dieser Vision arbeitet.

Vor allem zeigt dies aber mal wieder eins: Es ist wichtiger, die richtigen Leute zu kennen, als ein wirklich guter Trainer mit einer erfolgreichen Vita zu sein. Und dass man unter den richtigen Trainern gespielt hat... Also Polanskis relevante Vorqualifikation ist ja, dass er von Jupp Heynckes, Thomas Tuchel, Julian Nagelsmann und Huub Stevens gelernt haben könnte. Während Horst Steffen "nur" bei Friedhelm Funkel zur Schule ging... sowohl in Uerdingen, als auch in Duisburg... und bei Wolfgang Frank... 9 Spiele lang... Moment mal: haben wir tatsächlich noch einen Schüler von Wolfgang Frank ausgegraben? Unfassbar.

Also für alle, die das vergessen haben: Wolfgang Frank war quasi der Mentor von Jürgen Klopp. Und dessen Erfolg hat dazu beigetragen, dass all seine Ex-Spieler mit Angeboten überhäuft wurden. Marco Rose, Sandro Schwarz, Thorsten Lieberknecht und Jürgen Kramny sind die anderen "Lehrlinge". So richtig erfolgreich in der Bundesliga war aber nur Rose... 

Dass dieser Beitrag bei Wolfgang Frank endet, habe ich selber nicht kommen sehen. Was auch nur beweist: Es ist einfach nicht zu erklären, warum es 22 Jahre gedauert hat, bis Steffen endlich in der Bundesliga coachen darf.

Dienstag, 29. Januar 2013

Vollidioten der Woche, Extended Edition

Und ja, damit sind wir direkt bei 1899 Hoffenheim... und Eugen Polanski. Ich versteh es einfach nicht...

Also von Mainz 05 zu den Bayern zu wechseln ist das eine... auch wenn ich nicht glaube, dass Jan Kirchhoff sich dort wirklich durchsetzen wird... aber er stellt sich der größtmöglichen Herausforderung. Und er verbessert seine sportliche Perspektive. Selbst wenn er sich bei den Bayern nicht durchsetzt, wird er hinterher immer noch ein besserer Spieler sein... Und einen guten Vertrag angeboten bekommen...

Polanski wiederum... verlässt einen der besten Trainer Deutschlands... in einem der stabilsten Systeme des Landes... als ein nicht unwesentlicher Teil eines an seinem Limit spielenden Teams.... dieses Limit könnte nächste Saison durchaus Europa League heißen... Und er wechselt in einer Nacht und Nebel Aktion zu DEM neuen Chaosclub der Liga? Dessen persönliches Limit das erreichen der Relegation sein dürfte? Nun hat der Kicker am Montag einen sehr interessanten Artikel über die finanzielle Situation von Ex-Profis veröffentlicht... und das es vielen davon nach dem Ende ihrer Karriere nicht wirklich so gut geht, wie sie es vorher dachten... Aber sind die paar Tausend Euro im Jahr das wirklich wert? Und steigert er seinen Marktwert (Polanski ist zwar gefühlt schon Ewigkeiten dabei, aber trotzdem erst 26... also wird das nicht sein letzter großer Vertrag gewesen sein...) in dem er behaupten kann: Ich habe mal Relegation gespielt...

Wenn er zu einem Verein wie Schalke 04 wechselt, die einfach mal so ziemlich jedes Jahr mindestens Europa League spielen und sich halt Spieler von der Qualität eines Klaas Jan Huntelaars leisten können... Oder zu einem Verein mit einem klaren Konzept und einer klaren Richtung (aber da kommt er ja her...)

Seit Polanskis Wechsel zu den Mainzern gab es dort genau EINEN Cheftrainer. Thomas Tuchel. Bei den Hoffenheimern versuchten sich in dem selben Zeitraum Ralf Rangnick, Martin Pezzaiuoli, Holger Stanislawski, Markus Babbel, Frank Kramer und Marco Kurz für die Aufstellungen in Hoffenheim verantwortlich. Das sind 6 verschiedene Trainer... und ungefähr so oft hat Dietmar Hopp seinen Kurs ändern lassen... Und nur so nebenbei: so wie Augsburg und Hoffenheim in die Rückrunde gestartet sind, ist ein Otto Rehagel-Comeback nicht ausgeschlossen... Selbst wenn der Klassenerhalt geschafft werden sollte: bei der Konstanz wird es noch eine Weile dauern, bis es in Hoffenheim wirklich wieder vorwärts geht...

Also: warum tue ich mir das als Profi freiwillig an... Selbst wenn, wie im Kicker Interview angedeutet, seine Perspektiven unter Tuchel nicht die besten gewesen sein sollen (im selben Kicker steht nebenbei, dass Tuchel sein "Herz des Teams" nur gehen lassen würde, wenn sofort ein passender Ersatz kommt)...
Aber hey, mit Spielern, die am Donnerstag noch in einem anderen Trikot trainieren, als sie Samstags im Spiel tragen... werden das Söldner-Problem in Hoffenheim schon lösen...

Und damit sind wir beim 2. Vollidioten; Marvin CompperDer war mit seiner Streik-Aktion auch noch erfolgreich und hat seinen Wunschtransfer nach Florenz bekommen. Für 200.000 Euro Ablöse... Und ja, da fehlt keine 0... mittlerweile wird man für so wenig Geld schon schwach. Für den letzten sich frei streikenden Spieler hat man wenigstens noch 9 Millionen bekommen... (wir sehen nebenbei, dass das kein neues Phänomen  ist...)
Aber ganz ehrlich: ist ein Projekt wie Hoffenheim wirklich auf das bisschen Kohle angewiesen? Hätte nicht gerade Hoffenheim sagen können: Ok, dann halt nicht, dann sitzt du halt den Rest deines Vertrages auf der Tribüne ab? Und wenn dein Marktwert hinterher im Arsch ist und du keine Angebote mehr bekommst... selbst Schuld, DU hast UNS gesagt, dass du keinen Bock mehr hast...
Andererseits... wäre es viel zu wahrscheinlich gewesen, dass der nächste Manager mit dem Übernächsten Trainer diese Entscheidung wieder rückgängig gemacht hätte...

Nur um Mal das allgemeine Chaos (und die Verzweiflung) in Hoffenheim zu verdeutlichen: Polanskis Startelf-Debüt kam nach einer einzigen Trainingseinheit mit den neuen Kollegen... so was gibt es nicht mal in der Kreisklasse... (Zumindest nicht legal, weil die mindestens 3 Wochen brauchen um dir deinen Pass zuzuschicken...) Aber Polanski zeigte sich überraschend gut integriert: In der 67. Minute kam er zum ersten Mal (natürlich von seinem Torwart irritiert) bei einer Standartsituation zu spät und hatte somit Teilschuld am 2:1...