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Mittwoch, 13. November 2024

Vollidiot des Jahres: Pellegrino Matarazzo.

 Nicht, dass der wirklich etwas falsch gemacht hat. Aber er war halt loyal. Im Profisport. Als Trainer, wo man immer das schwächste Glied in der Kette ist. Und das, obwohl das Ende lange absehbar war. Denn das war ja eine Trennung mit Ansage. Die einzige Überraschung ist, dass Matarazzo nicht als Erstes entlassen worden ist, sondern Peter Zeidler.

Um das mal kurz nachzuvollziehen: Pellegrion Matarazzo übernahm Hoffenheim im Februar 2023 von Andre Breitenreiter. Er hatte einen schwierigen Start mit 5 Niederlagen infolge und wäre fast direkt wieder entlassen worden. Aber er schaffte den Umschwung nach dem Absturz auf Platz 18 und führte die TSG zum souveränen Klassenerhalt. Platz 13 in der Endabrechnung.

In der folgenden Saison führte er Hoffenheim auf Platz 7, was zur Qualifikation für die erneuerte Europaleague reichte. Klar, es reichte auch nur, weil dieses Jahr fast die Hälfte aller Bundesligisten europäisch spielen dürfen. Es war aber auch die beste Platzierung seit 2009/10. Das war aber schon eine ordentliche Leistung. Vorallem, wenn man bedenkt, dass Hoffenheim 50 Millionen auf dem Transfermarkt erwirtschaftet durfte... Das Kader sollte also eigentlich schwächer sein, als in der Vorsaison.

Trotzdem wurde seine Arbeit schon im Sommer hinterfragt. Es fehlte einem jungen Kader halt an der nötigen Konstanz um noch mehr zu erreichen... Wer hätte das ahnen können?

Stattdessen ging zum dümstmöglichen Zeitpunkt Alexander Rosen. Der Manager wurde genau zu dem Moment entlassen, in dem er den größten Einfluss auf die Saison hatte: Mitten in die Verhandlungen des Transfersommers. Einfach nur, weil Dietmar Hopp und Roger Wittmann ihn nicht wollten. Die beiden wollten nebenbei schon im Februar einen anderen Trainer. Also nur um zu verdeutlichen, wie lange dieser Konflikt schon gärt und dass Materazzo schon die Skepsis von ganz oben entgegenkam, bevor er überhaupt aus dem Zug gestiegen war.

Eine Aktion, die so dumm war, dass Hopp die TSG Ultras gegen sich aufbrachte. Und dank der der Rest der Welt mitbekam, dass es diese Ultras überhaupt gibt. Die Ultras mussten nebenbei auch ihren Stimmungsboykott ankündigen, da der neutral und uninformierte Zuschauer sonst kaum einen Unterschied zu sonst gemerkt hätte. 

Das ist für einen Trainer eine richtig beschissene Ausgangslage. Denn die Spieler bekommen so was ja auch mit. Der einzige Unterstützer wurde abgesägt, die eigene Transferphase sabotiert und der Boss ganz oben ist mehr oder weniger dein direkter Gegenspieler.

Und dann... brachte die Brieftaube ein lukratives Angebot: Der Amerikaner sollte die eigenen Nationalmannschaft übernehmen. Nur die Herren, also deren 2. Beste Auswahl. Aber dafür sollte der die Mannschaft in ein Tunier in eigenem Land führen. Also quasi den Nagelsmann machen und denen die Heim-WM retten. Und Materazzo sagte denen ab.

Er blieb lieber in Hoffenheim, obwohl er wusste, dass der Boss ihn am liebsten ersetzen würde und dass eine schwierige Saison bevorsteht. Also obwohl abzusehen war, dass er die Saison nicht überstehen würde.

Für Hoffenheim war das nebenbei großartig. Auch wenn eine einvernehmliche Trennung im Sommer eigentlich wie die perfekte Lösung ausgesehen hätte, stünde man plötzlich in der Vorbereitung ohne Trainer und Manager da.

Die Kombination aus starker Vorsaison und Loyalität sollte eigentlich dafür sorgen, dass er bis zur Winterpause unkündbar ist. Stattdessesn wird er entlassen, obwohl er nicht mal auf einem Abstiegsrang steht.

Und natürlich sind die Leistungen, die Hoffenheim anbietet, nicht toll. Das war aber nach der konfusen Saisonvorbereitung auch nicht zu erwarten. Man steht aber über dem ominösen Strich und hat mit Bochum, Kiel und St. Pauli 3 herausragende Kandidaten, die noch deutlich schlechter sind, als man selbst. Es gibt also keinen Grund zur Panik.

Und natürlich zeigt die Tendenz gerade nach unten, das ist aber auch zu erwarten, wenn bei jeder Gelegenheit der Trainer hinterfragt wird. Das kommt alles einfach nicht überraschend.

Am Ende wird Materazzo für seine Loyalität bestraft und die Hoffenheimer kommen ohne größere Schäden davon. In einer gerechteren Fußballwelt würden die anderen Trainer jetzt geschlossen sagen "Nach Hoffenheim gehen wir nach der Nummer nicht.", aber da guckt, berechtigterweise, auch nur jeder auf sich selbst.

Mittwoch, 15. November 2023

Der Materrazo-Hoeneß tausch ist eine der absurdesten Geschichten der neueren Bundesligageschichte.

 Und sie könnte sich diese Saison wiederholen.

Also der Reihe nach. Der ganze Gedankengang, den ich jetzt ausführe, begann vor einigen Monaten, als ich darauf hinwies, dass der VfB Stuttgart in einem ziemlich fiesen Paradoxon steckte: Einerseits mussten sie ihren ursprünglichen Erfolgstrainer Pellegrino Materazzo nach 1 1/2 Jahren im permanenten Abstiegskampf irgendwann entlassen. Andererseits stand in dem Moment der Entlassung fest, dass er spätestens im Sommer bei einem Konkurrenten anheuern und diesen verstärken wird. Denn selbst in Stuttgart hat ja niemand infrage gestellt, dass Materazzo ein guter Trainer ist. Aber es hat dort halt nicht mehr funktioniert.

Aber er wartete gar nicht auf den Sommer, sondern heuert ziemlich direkt beim direkten Konkurrenten in Hoffenheim an. Das praktische Worst-Case-Szenario, denn man machte sich die Mission Klassenerhalt selber schwerer. Hoffenheim holte unter Pellegrino 1,69 und sicherten sich überraschend souverän den Klassenerhalt. Dies konnten sie am letzten Spieltag mit einem Unentschieden gegen die Stuttgarter.

Diese gingen einen eigentlich unnötigen Umweg über Bruno Labbadia, der eigentlich im verdienten Abstieg münden müsste, aber nur in die Relegation führte. Dies lag vor allem daran, dass ausgerechnet der ehemalige Hoffenheimer Sebastian Hoeneß am Ende übernehmen durfte. Bei Hoeneß war damals noch nicht ganz raus, ob er ein guter Trainer ist, weil er seine wirklichen Erfolge in der 3. Liga gefeiert hat. Und er wäre nicht der erste Trainer, der nur in den unteren Ligen gut aussieht. Jetzt kann man sich aber darauf einigen, dass er zumindest phänomenal viel Potenzial hat. Und wenn ich das von einem Hoeneß sage...

Beide Vereine mussten ihren an sich guten Trainer entlassen, weil es bei ihnen einfach nicht mehr gepasst hat. Das Schwierige an der Bundesliga ist ja, dass einem dies passieren kann, obwohl man an sich kompetente Leute angestellt hat. Manchmal nutzt ein Trainer sich einfach ab. Dann muss man reagieren, darf dabei aber nicht den Kopf verlieren. Hoffenheim hat dies direkt geschafft, Stuttgart am Ende auch.

Und jetzt... sind sie in ganz anderen Sphären unterwegs. Als sie liegen nach 11 Spieltagen auf Kurs Europacup. Letztes Jahr brauchte Stuttgart 28 Spieltage, um die 24 Punkte zu sammeln, die sie bereits jetzt auf dem Konto haben. Es würde mich schon wundern, wenn nicht mindestens einer der beiden nächstes Jahr durch Europa touren darf, schließlich trennen Freiburg auf Platz 8 und Stuttgart auf Platz 4 jetzt schon 10 Punkte. Auch wenn es dank der Aussetzer der Bayern und von RB Leipzig dieses Jahr eher ungewiss ist, dass die beiden Pokalfinalisten aus den Top 4 kommen, deswegen könnte Platz 7 nicht reichen. 

Es ist schon eine absurde Geschichte, dass beide Mannschaften von so einem Trainertausch profitieren. Und dass so ein Trainertausch überhaupt zustande kommt. Aber jetzt kommt meine dreiste Prognose: Das SOLLTE sich wiederholen, wenn sich 2 derzeitige Krisenvereine clever verhalten.

Wir reden offensichtlich von Union Berlin und dem 1. FC Köln, die mit Urs Fischer und Steffen Baumgart 2 der faszinierenderen Rohdiamanten auf der Trainerbank zu sitzen haben. Beide haben ihren Trainern auch durchaus viel zu verdanken. Union so viel, dass eine Entlassung eigentlich unvorstellbar ist. So viel dazu, ich habe den Post gestern um 3 geschrieben und wollte ihn um 13:12 veröffentlichen. Manchmal unternimmt die Realität alles, damit Passives Abseits Leser es eben nicht früher wissen.
Aber bei beiden läuft es halt richtig beschissen. Da passt gerade gar nichts zusammen. Unter normalen Umständen wären beide schon entlassen worden. Einer ist jetzt doch plötzlich weg.

Es kann auch einfach sein, dass Fischer mit dem neuen, relativ exquisiten Starensemble ein wenig überfordert ist. Er hat halt noch nie einen Spieler von der Marke Bonucci trainiert. Baumgarts intensive Art kann sich nach den Jahren einfach abgenutzt haben. Das wäre jeweils kein Vorwurf an die Trainer, das kann einem passieren.

Sein wir mal ganz ehrlich: Falls Union Berlin in der Winterpause (hier steht dann auf einmal ein noch) einen neuen Trainer sucht und falls Steffen Baumgart dann verfügbar ist, wird er der erste Name sein, der da fällt. Er passt mit seiner Mentalität und seiner Köpenicker Vergangenheit einfach zu gut zu diesem Verein, um nicht sofort gehandelt zu werden. 

Und falls sie in Köln im Winter nach einem neuen Trainer suchen, werden auch einige darauf hinweisen, dass der Fischer alles kann, was man gerade braucht. Wirklich absurd wäre es, wenn jeder abgebende Verein den Trainer unter der Bedingung abgibt, dass man den anderen haben kann. Oder wenn Union jetzt über drei Ecken in Köln anruft und fragt, ob Baumgart vielleicht verfügbar wäre, wenn sie dafür den Fischer haben können. Ob die Trainer dann zusagen oder erst mal Abstand gewinnen wollen, ist natürlich die nächste Frage.

Das ist natürlich nach wie vor ein extrem unwahrscheinliches Szenario. Schließlich könnten zumindest Baumgart noch den Umschwung schaffen. Vor allen Dingen müssten die beiden Trainersuchen ja so synchron passieren, dass nicht einer der beiden Parteien bereits Peter Neururer geholt hat. Und sich dann denkt: Verdammt, hätten wir doch noch 2 Wochen gewartet... Wobei ich es den Kölnern auch zutrauen würde, dass sie komplett in den Panikmodus zurückfallen, Baumgart direkt nach der Länderspielpause entlassen, weil das ja der beste Zeitpunkt ist und sich dann Labbadia holen... nur um in 3 Monaten zu merken, dass das ganz schön dumm war. Stuttgart ist schließlich auch rückfällig geworden, da kann Köln das auch.

Aber dass es für beide Mannschaften die beste Lösung wäre, ist zumindest mal eine Überlegung wert. Also war es anscheinend für mich, denn mir hat sich dieser Gedanke aufgedrängt.

Mittwoch, 12. Oktober 2022

Diese Entlassung tut richtig weh.

 Also allein schon, weil Armin Veh damit weiterhin Stuttgarts erfolgreichste Trainer der Moderne bleibt. (Und ja, Felix Magath war nie ein moderner Trainer). 2 Tage hätte Pellegrino Matarazzo noch im Amt halten müssen, damit er Veh überholt. Aber die Gefahr, dass man gegen Bochum gewinnt, obwohl sich eigentlich nichts geändert hat und man den dann noch 2 weitere Wochen behalten "muss", war halt zu groß.

Aber Materazzo brachte eine dringend benötigte Stabilität in den Verein. Er war der erste Trainer seit Bruno Labbadia, der länger als 2 Jahre oder deutlich mehr als 50 Spiele im Amt war. Labbadia wurde 2013 entlassen. Danach gab es laut Transfermarkt.de mit Interimslösungen 7 Trainer in 6 Jahren. Und keiner von denen erlebte mehr als eine Saisonvorbereitung. Also selbst Hannes Wolf übernahm mitten in der 2016/17er-Saison und musste im Januar 2018 wieder gehen. Aber der erlebte wenigstens 2 Winterpausen.

Da ist es auch kein Wunder, dass Matarazzo den Verein in der 2. Liga vorgefunden hat. Aber das war halt ein richtiger Glücksgriff. Also vor allem, wenn man bedenkt, dass er keinesfalls eine "sichere Anlage" war, sondern eher aus der Thomas Schneider, Alex Zorniger, Jürgen Kramny oder eben Hannes Wolf Kategorie kommt: Der VfB hat es seit Labbadia so oft mit nachgewiesenen Jugendtrainern versucht, dass man nicht zwingend erwarten konnte, dass sie weiterhin auf diese Karte setzen.

Materazzo führte den Verein zurück in die Bundesliga und dort souverän auf Platz 9. Er gab dem Verein eine klare Spielphilosophie und passte perfekt zu den von Sven Mislintat gescouteten Spielern. So erwirtschafteten die beiden während der Pandemie ein Transfer plus von 52 Millionen Euro. Für dieses Geld bekamen sie aber einen dramatischen Abstiegskampf bis zur allerletzten Sekunde... den man aber wenigstens auf das Verletzungspech schieben konnte, mit einem fitten Sasa Kalajdzic wäre ihnen das nie passiert.

Jetzt ist der Kader weitestgehend fit, steckt aber wieder ganz tief in der Scheiße, weil man den 2. großen Aderlass in Folge nicht verkraften kann. Da kommt dann selbst ein Materazzo an seine Grenzen. Aber man muss da nochmal festhalten: Dass Stuttgart selbst als Tabellenfünfzehnter noch Spieler im Wert von 38 Millionen verkaufen kann, sagt viel über die Arbeit des Duos Materazzo/Mislintat aus. Dass sie dies aber auch musste, ist dann bezeichnend für die Leute, die da vorher gewirtschaftet haben.

Irgendwann hat man auch keine andere Option mehr, als den Trainer zu entlassen. Und nach 1 1/2 Jahren im permanenten Abstiegskampf ist dieses "irgendwann" dann jetzt. Das ist einerseits richtig, andererseits auch richtig schlecht. Denn zunächst mal muss man für den kurzfristigen Effekt einen besseren Trainer finden, damit man die Klasse hält. Und danach muss man darauf hoffen, dass es nicht nur ein "Dead Coach Bounce" wird, sondern man tatsächlich auch einen ähnlich guten Trainer gefunden hat. Sonst droht einem wieder die "Jede Sommervorbereitung macht ein Neuer" Spirale, die langfristig in der 2. Liga enden muss.

Und auf der anderen Seite sind sich alle nach wie vor einig, dass Materazzo ein guter Trainer bleibt. Den spült man jetzt in den Arbeitsmarkt. Und ganz sachlich betrachtet, wird er jetzt überall im Gespräch sein, wo Thomas Tuchel ablehnt. Also falls ich nicht irgendjemanden übersehe, ist er die Nummer 3 der arbeitslosen deutschen Trainer. Deutlich vor Domenico Tedesco. Aber knapp hinter Peter Neururer. Adi Hütter dürfte nach seiner Leistung in Frankfurt noch genügend Kredit haben, dass er in einer ähnlichen Kategorie angesiedelt wird.

Das bedeutet halt auch, dass Materazzo im Sommer zur Konkurrenz wechseln wird. Also der wird definitiv ein gutes Angebot von einem ordentlichen Bundesligisten bekommen. Und das sind wiederum schlechte Nachrichten für Niko Kovac, der wahrscheinlich gerade der schlechteste Trainer bei einem halbwegs ordentlichen Verein ist. Noch schlimmer für den VfB wäre es ja, wenn er sich von Schalkes Mythos locken lässt und nach Gelsenkirchen locken lässt. Also zu einem auch auf längere Sicht direkten Konkurrenten für die Stuttgarter: Eine Mannschaft, die auch auf einen sicheren Mittelfeldplatz hofft. Um die Saisonziele optimistisch auszudrücken.