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Freitag, 13. Oktober 2023

Heute in der beliebten Serie

 Alte, weiße Männer erklären uns die Welt: Paul Breitner bei Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs

Und ja, Paul Breitner war mal einer der klügsten Köpfe im Fußball. Und eine Stilikone, nur um im Nebensatz festzuhalten, dass es die auch damals schon gab. Aber den 1998 zum Nationaltrainer zu machen, weil er früher mal ein guter Nationalspieler war und halbwegs intelligente Dinge gesagt hat, wäre halt so ein richtiger DFB Move. Aber dann wollte der beim DFB so richtige Dinge ändern, deswegen wurde er nach 17 Stunden doch wieder abgewählt. Denn beim DFB galt schon damals das Motto: Halt Stopp, das bleibt hier alles so, wie es ist.

Die ganze Geschichte um die Personalie Breitner vs Ribbeck damals war auch wirklich interessant. Aber dann reden die natürlich auch über Julian Nagelsmann und da fallen dann Sätze wie: er muss aufpassen, "dass er sich nicht ansatzweise in die Rolle der Nummer 1 der Nationalmannschaft hievt." Er nennt Helmut Schön den perfekten Bundestrainer, weil der "nur begleitend geführt". Und natürlich wird Nagelsmann kein Grundlagentraining machen.

Aber die Zeiten, in denen ein Bundestrainer nur "für Stimmung zu sorgen" hat, sind einfach vorbei. Wenn Nagelsmann sich zurückhält und der Mannschaft einfach nur eine "Geht's raus und spielt Fußball" Anweisung gibt, wird das Projekt krachend scheitern.
Nebenbei ist diese Ansage von Franz Beckenbauer ja auch ein übertriebener Mythos, denn die Deutschen hatten ja im WM Finale 1990 einen ganz klaren Plan, wie sie Diego Maradona aus dem Spiel nehmen wollen. Und dieser Plan wurde wunderbar umgesetzt.

Aber wenn ein Nagelsmann sich jetzt vor einem Spiel gegen Spanien zurücknimmt, dann spielen die Spanier "uns" schwindelig. Dann lassen die den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren und schießen irgendwann das entscheidende Gegentor. Wenn die deutsche Mannschaft sich erst nach dem eigenen Ballgewinn damit beschäftigt, wie sie jetzt in die Umschaltmomente funktionieren sollen und diese dann improvisiert, werden sich alle Gegner hinter den Ball versammeln und es der deutschen Mannschaft richtig schwer machen, zu Chancen zu kommen. Und dann muss Nagelsmann hinterher erklären, warum das Angriffsspiel so träge ist. Wenn er dann behauptet, dass er auf Paul Breitners Ideen gehört hat, lachen ihn alle aus.

Und natürlich galt das in den 70ern. Aber das ist 50 Jahre her. Dass Breitner zum letzten Mal in einer leitenden Funktion gehandelt wurde, ist 25 Jahre her. Der Fußball hat sich seit dem extrem entwickelt.

Natürlich ist die Position eines Nationaltrainers eine besondere, weil er halt für das vorhandene Personal ein passendes Spielsystem zusammenbasteln muss. Wenn er da einen im Verein eingespielten Block hat, dann kann er denen schlecht eine komplett neue Idee aufzwingen. Aber noch viel schlimmer: Wenn er auf einer einzelnen Position schwach besetzt ist, dann muss er eine Möglichkeit finden, diese Schwachstelle zu kaschieren.

Nehmen wir hier mal das offensichtlichste Beispiel: Benedikt Höwedes bei der WM 2014. Und das soll wie immer keine Kritik an dem gleich genannten Spieler sein. Eher im Gegenteil: Dass Höwedes die für ihn ungewohnte Rolle als Linksverteidiger angenommen und so souverän ausgeführt hat, war eine herausragende Leistung, die aber kaum jemanden aufgefallen ist, weil er einfach nur für Stabilität gesorgt hat.

Höwedes war vielleicht der 25. beste Linksverteidiger des Turniers. Schließlich hatten die Brasilianer Marcelo und Maxwell dabei. Er wäre auf keiner "Die 100 besten Linksverteidiger der Welt" Liste aufgetaucht. In der Kicker Rangliste vor dem Turnier wurde er als Innenverteidiger "im Blickfeld" aufgelistet. Es gab also 11 bessere Innenverteidiger als ihn. In der Rückrunde war er lange verletzt und wäre ohne das Turnier nie auf die benötigten benoteten Einsätze gekommen... Aber dann wurde er in der Kicker-Rangliste als Außenverteidiger in die internationale Klasse verschoben, obwohl er da in der Bundesliga nie gespielt hat. Also nur um mal festzuhalten, wie dumm diese Rangliste sein kann.

Er hat nebenbei während der WM einen Scorerpunkt gegen Ghana errungen und nur beim absurden Schützenfest gegen Brasilien in der Note eine 2 vor dem Komma gehabt. Selbst seine Turnierbilanz weist in keinster Weise auf eine internationale Klasse hin. Aber er ist halt Weltmeister und die gesamte Startelf musste hinterher mindestens auf dieses Niveau gehoben werden. Kann ja gar nicht anders sein. Nur um mal festzuhalten, dass der Kicker schon immer richtig Scheiße war, wenn es um die Beurteilung deutscher Nationalspieler ging.

Nebenbei wissen wir mittlerweile alle, dass die verantwortlichen Personen Jogi Flick und Hansi Löw eher mittelmäßig begabte Trainer sind. Um es mal optimistisch auszudrücken. Dennoch haben sie es in ihrem einen lichten Moment geschafft, eine Taktik zusammenzuschustern, die die Schwächen auf der Linksverteidiger Position überdecken. Sowohl mit als auch gegen den Ball. Nebenbei haben sie das Problem, dass alle Linksverteidiger schlecht aussehen, weil Lukas Podolski vor ihnen spielt, auch endlich gelöst.

Wenn Löw und Flick sich an der Stelle zurückgenommen hätten... Und nebenbei haben sie sich, nach dem sie beinah gegen Algerien ausgeschieden sind, auch einfach mal durchgesetzt und haben Philipp Lahm auf die Rechtsverteidiger Position gesetzt. Denn mit 2 im besten Fall durchschnittlichen Außenverteidigern wird man nicht Weltmeister, einen kann man kaschieren.

Also nur um mal anhand konkreter Beispiele festzumachen, dass es einfach nicht mehr funktioniert, wenn man sich zurücknimmt und die Spieler selber nach Lösungen suchen lässt. Und wenn ich Jogi Löw und Hansi Flick als Argumente gegen die Aussagen von Paul Breitner nehmen kann, dann wisst ihr, wie krass der danebenlag.

Mittwoch, 13. September 2023

Der DFB hat Flick zu früh entlassen!

 3 Tage vor dem Turnier wäre besser gewesen, dann hätte der "Dead Coach Bounce" auch wirklich was gebracht. So wird der ja praktisch verschwendet.

Also ja, dieses Spiel gegen unmotivierte Franzosen, die Kylian Mbappé komplett auf der Bank ließen, ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass man manchmal einfach den Trainer auswechseln muss, um einen kurzfristigen Erfolg zu verbuchen. 

Denn das, was Rudi Völler, Sandro Wagner und Hannes Wolf da auf den Platz gezaubert haben, war ja kein Hexenwerk. Sie waren einfach nur nicht Hansi Flick und damit waren die Spieler dann plötzlich wieder motiviert. Aber die ersten Experten wollen jetzt, dass Wagner und Wolf komplett übernehmen. Wegen eines guten Spieles. Das wären wieder 2 Trainer, die keinerlei Erfolge vorweisen können und weil sie im richtigen Moment gerade im Büro saßen in dieses Amt stolpern. Das ist doch genau der Fortschritt, den der DFB jetzt braucht.

Nebenbei kann es jetzt sein, dass Hansi Flick jetzt Julian Nagelsmann verhindert. Denn Flick war ja bis zum Ende so arrogant, dass er nicht zurücktreten wollte. Für ihn persönlich ist das clever, denn er steht jetzt ja weiterhin auf der Gehaltsliste. Das sind 4,5 Millionen Euro, die das Budget des klammen Verbandes belasten. Da kann man sich einen Nagelsmann einfach nicht leisten

Die großartigste Geste kommt da nebenbei von Uli Hoeneß, der Julian Nagelsmann ablösefrei gehen lassen würde. Was für ein großzügiger Mensch. Dem würde es tatsächlich reichen, wenn er die 6 Millionen Euro Gehalt von seiner Liste streichen könnte und er würde auf keine weitere Kompensation bestehen. Wie edel.

Oh und nebenbei würde er auch verhindern, dass Nagelsmann im November in Dortmund übernimmt. Wobei natürlich fraglich ist, ob die Dortmunder Fans ein ehemaliges "Bullenschwein" als Cheftrainer akzeptieren würden. Dennoch profitieren die Bayern von einem Nationaltrainer Nagelsmann. Das muss man auch einfach mal so festhalten.

Der lustigste Satz zur Entlassung von Flick kam nebenbei von İlkay Gündoğan. Der hat jetzt nämlich das Gefühl, dass er den Trainer vielleicht doch ein wenig im Stich gelassen hat. Ich sag das mal so: Es hätte schon geholfen, wenn er gegen Polen einfach aufgelaufen wäre. Ganz sicher. 

Nebenbei ist es echt entlarvend, was Bernd Neuendorf gerade so von sich gegeben hat. Also eigentlich müsste der jetzt auch zurücktreten, weil er offensichtlich unfähig ist, eine Führungsposition zu übernehmen. Denn er hat sich von Flick beweihräuchern lassen und fest daran geglaubt, dass schon alles gut wird, wenn alles so bleibt, wie es ist. Am Ende muss er es verantworten, dass Flick nicht bei all den anderen Gelegenheiten entlassen worden ist. 

Und dass man nach der WM noch daran geglaubt hat, kann man ihm ja vielleicht verzeihen. Aber dass es nach den Testspielen im Juni und 5 mäßigen bis enttäuschenden Testspielen in Folge so nicht weitergehen kann, muss der doch sehen.

Als gratis Bonusfeature baut er bei den Frauen jetzt den gleichen Scheiß, wie bei den Männern. Immerhin herrscht da Gleichberechtigung. Also auch Martina Voss-Tecklenburg ist nach wie vor im Amt. Auch da hat er sich einreden lassen, dass das Problem nicht auf der Bank saß. Dass es irgendwelche anderen Erklärungen gab, die die alte Trainerin lösen kann. Obwohl wir jetzt 2 Beweise haben, dass dies schlicht nicht funktioniert.

Aber hey, ich mag den Neuendorf echt. Also der macht in den Interviews teilweise echt sinnvolle Aussagen und dann trifft er auch noch die strategisch richtigen Entscheidungen. Also für meine "Wir verkacken möglichst krass" Strategie, aber das ist doch perfekt.

Montag, 11. September 2023

Es ist tatsächlich passiert

 Das unvorstellbare: Ein Deutscher Nationaltrainer wird entlassen. Er tritt nicht zurück, denn Hansi Flick fand ja bis zum Ende, dass "wir das gut machen" und er der richtige ist. Das sahen aber am Ende nur noch die Deutschen so, die sich über ein Vorrundenaus gefreut hätten. Also da war ich echt mal seiner Meinung.

Also um mal den eigentlichen Skandal an dieser Personalie zu verdeutlichen: Flick hatte nicht mal den Anstand, zurückzutreten. Trotz eines verkackten Turniers und einer historischen Pleitenserie. Obwohl die Leistungskurve unfassbarer weise weiter nach unten zeigt und jede Niederlage noch peinlicher wird, als das Spiel davor, stellt der sich vor die Mikros und behauptet, dass er einen guten Job macht. Wenn der Mann einen Funken von Selbstreflexion gehabt hätte, wäre er im Juni mit einem "Tut mir leid, ich schaff's nicht" zurückgetreten. Stattdessen wartet er, bis er rausgeworfen wird. Was erstmal wie ein kleines Detail wirkt, das bedeutet aber auch, dass der DFB ihm jetzt eine Abfindung bezahlen muss... oder ihm weiterhin das Gehalt überweist, bis jemand anderes ihn verpflichtet. Natürlich könnte der DFB hier einige Sicherheitsmechaniken eingebaut haben... aber wir reden hier von einer deutschen Organisation, die alle 15 Jahre mal einen neuen Vertrag mit einem neuen Trainer aushandelt. Ich bezweifele, dass die sich auf eine mögliche Entlassung vorbereitet haben. Das sind halt Millionen von Euros, die man auch in die Breitenförderung stecken könnte...

Aber ja, mit 280 Tagen Verzögerung hat man beim DFB endlich eine richtige und konsequente Entscheidung getroffen. Besser spät, als nie.  Aber es ist einfach unfassbar, was Flick so alles "überlebt" hat, ohne dass er von Bord gehen muss.

Und im Gegensatz zu Jogi Löw hatte er halt als Cheftrainer keine erfolgreiche Vorgeschichte im Verband im Lebenslauf stehen. Also dass man einem Weltmeistertrainer solche Aussetzer vertraut, ist vielleicht nachvollziehbar, schließlich stand man zu häufig gemeinsam in einem Halbfinale...
Aber Flicks einziger Erfolg als Cheftrainer war die von Sekunde zu Sekunde absurder werdende Pandemie Saison. Also der ultimative Dead Coach Bounce der Geschichte. Anscheinend war die Mannschaft so was von froh, dass Niko Kovac sie nicht mehr trainierte, dass jeder noch so inkompetente Trainer die ins Champions League Finale geführt hätte. Das wurde hier nebenbei bereits ausgeführt, bevor Flick Nationaltrainer wurde... PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher. Also es ist echt faszinierend, dass die "Er bekommt die Restverteidigung nicht in den Griff und kassiert zu viele Gegentore" Problem schon in der 2. Bayern-Saison existiert hat.

Das konnte man als DFB natürlich nicht ahnen, deswegen war es an sich richtig, Flick zu holen. Wie ich bereits mehrmals ausgeführt habe, hat der alleine mehr Vereinstitel geholt, als alle anderen Nationaltrainer zusammen. Dass man bedingungslos an dem festhält, ist das eigentliche Problem.

Also um mal das offensichtliche anzusprechen: Der DFB sollte den Inhalt der Amazon Prime Serie schon seit Januar kennen. Bei der eigenen Auswertung sollten doch all die Dinge, die wir jetzt sehen können, zum Vorschein gekommen sein. Und selbst wenn man so blind ist, dass man das alles nicht gesehen hat, dann hat man doch die Vorschau vor 3 Monaten zugesendet bekommen...
Und nach allem, was wir von der Doku wissen, ist Flick bei 2 elementaren Aufgaben komplett gescheitert: Es ist ihm nicht gelungen, die Mannschaft aufs gemeinsame Ziel zu fokussieren und als Führungsperson zu vereinen. Dazu sind seine Motivationsmaßnahmen gescheitert. Das ist halt einfach mal ein elementares Versagen des Trainers.

Des Weiteren hat man als Deutschland ja frische Erfahrungswerte hat, dass das Festhalten am Trainer in dieser Situation die Probleme nicht löst. Denn wie bereits erwähnt hat selbst Jogi Löw es nicht geschafft, den Kurs zu korrigieren. Wenn selbst ein Trainer mit jahrzehntelanger Turniererfahrung, der die Mannschaft bis zum krassen Aussetzer immer ins Halbfinale geführt hat, diesen Tiefschlag nicht verarbeiten kann, wie soll es dann ein Frischling wie Flickhinbekommen?

Dessen gesamte Erfahrung als Cheftrainer sich nebenbei auf 18 Monate beim Rekordmeister runterbrechen lassen... und 5 Jahre in Hoffenheim, bevor die den Profifußball erreichten. Aber hey, er hat den Trainerlehrgang als Jahrgangsbester absolviert. Gemeinsam mit Thomas Doll. Damit reiht er sich am Ende doch nahtlos in die beeindruckende Reihe der in der Realität versagenden Streber wie Karsten Baumann, Michael Frontzeck, Andre Schubert, Robin Dutt, Dirk Schuster, Holger Stanislawski, Frank Kramer, Florian Kohfeldt und Domenico Tedesco ein. Diese Liste von RP ist nicht mehr ganz aktuell, aber es ist trotzdem faszinierend, wie wenige der Jahrgangsbesten hinter wirklich einen festen Platz in der Bundesliga gefunden haben. Vielleicht sollte man mal die Trainerausbildung grundlegend hinterfragen, wenn es dir eher schadet, diesen Kurs mit sehr gut zu absolvieren, muss irgendwas falsch laufen.

Also ja: Es ist nach wie vor nicht nachvollziehbar, warum Flick nicht direkt nach der WM entlassen wurde. Dass er die Testspiele im Sommer auch noch überstanden hat, ist völlig absurd. Dass er die "Keine Experimente mehr" Phase mit Niklas Süle als Linksverteidiger beginnt, obwohl er einen Robin Gosens auf der Bank hat... da hat er wohl doch mitbekommen, dass Gosens jetzt für Union Berlin aufläuft, damit ist der halt keine Option mehr. Und dann überkorrigiert er die Gündoğan Entscheidungen. Also um das an der Stelle mal festzuhalten: Dem Deutsch-Türken endlich die Schlüssel für den Saftladen zu übergeben und das System komplett an ihm auszurichten, war eine überfällige Entscheidung. Das hätte bereits 2021 passieren müssen, als wir aber lieber einen alternden Thomas Müller in die Rolle pressten, die Gündoğan bei Manchester City übernehmen kann. 

Aber Gündoğan ist halt auch eines der entscheidenden Symptome, woran es in dieser Mannschaft krankt: Die fehlende Verpflichtung zur Nationalelf, die sich über die Jahre eingeschlichen hat. Das begann mehr oder weniger mit Toni Kroos, der am Ende nur noch angereist ist, wenn er selber Bock hatte und trotzdem ein Fixpunkt zur WM sein sollte. Und der dann verdammt früh in den Ruhestand gegangen ist. Letzteres ist wenigstens konsequent.
Aber Gündoğan hat halt zuletzt immer wieder entschieden, dass seine "persönlichen Probleme" oder das Ausnüchtern des Katers wichtiger ist, als dieser Mannschaft auf dem Platz zu helfen. Sind ja nur bedeutungslose Testspiele, da kann ich mich ja auch auf die Bank setzen. Ich muss schließlich noch entscheiden, ob ich nächstes Jahr für City oder für Barca spielen will, da kann ich mich nicht von Polen ablenken lassen.
Und DEN machen wir jetzt plötzlich zum Kapitän? Also als Belohnung dafür, dass er die ersten 4 Partien nach der Katastrophe erstmal ausgelassen hat?
Man kann ja Joshua Kimmich viel vorwerfen. Also vor allem, dass er nur seine eigene Version von einem Mittelfeldspieler auf den Platz bringen will und sich de facto weigert, die Rolle des absichernden 6ers zu übernehmen. Aber Kimmich hat sein Gesicht und seinen Arsch in all den Freundschaftsspielen hingehalten. Der war immer bereit für Deutschland aufzulaufen, obwohl auch er ein Wahnsinnspensum wie Gündoğan abspulen musste. Und dann führt Flick das endgültig ad absurdum und demontiert den einzigen Spieler, der immer für ihn da war...
Dabei hätte es doch einen Mittelweg gegeben: Festzulegen, dass Gündoğan auf der 10 übernimmt und wir uns ab sofort um ihn herum einspielen und Kimmich weiterhin die Binde tragen lassen... Nebenbei sollte Empathie Flicks große Stärke sein. Nur so am Rande.

Jetzt kommt aber die letzte Pointe: Man hätte Flick in jedem Moment der letzten 280 Tage entlassen können oder müssen. Man hatte genügend Freiraum und Zeit. Oder man hätte sich wenigstens am Sonntag schnell und konsequent zum notwendigen Schritt durchringen können und morgens um 11 bekannt geben, was wir eh alle geahnt haben. Damit das dann direkt im Doppelpass ausdiskutiert werden kann.
Stattdessen... haut man die Nachricht direkt in die letzten Minuten eines sensationellen WM-Finales im Basketball. Einem Finale, dass Deutschland gerade gewinnt. Weil das irgendwie an die Bild durchgesickert ist. Und die meisten Menschen bekommen ihre Bildung aus der Bild. Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht, aus Angst, Hass, Titten und Trainerentlassungen. Deswegen musste man mit dieser Nachricht in die Crunch Time dieses Finales hineinplatzen. Das ging halt nicht anders. Also Flick vorher zu entlassen, war halt keine Option. 

Das ist natürlich eine kleine Randnotiz. Also für beide, denn das wird im Jahresrückblick das letzte Mal erwähnt werden und danach wird man nur noch über den sensationellen Titel sprechen. Trotzdem beweist es irgendwie, wie weit weg von dieser Welt der DFB agiert. Die gesamte Flick-Personalie im Jahr 2023 zeigt uns nur, wie kaputt dieser Verband ist. Und auch jetzt wird man ja keinen Matthias Sammer holen, weil der erst mal alle entlassen würde...

Dienstag, 5. September 2023

Er ist wirklich zurück!

 Das macht doch wirklich Hoffnung! Und alle Gastronomen des Landes so: NEIN!!! Mein Public Viewing!

Thomas Müller steht nach 9 Monaten wieder im Kader der deutschen Nationalmannschaft. Das ist doch genau der Hoffnungsträger, den man nach den enttäuschenden Ergebnissen gebraucht hat. Und für mich persönlich ist das halt wirklich das Best Case Szenario. Denn wenn es jetzt mit Müller wieder läuft, sind das alle Argumente, die man braucht, um sich den auch für die EM in den Kader zu saufen. 

Mal so nebenbei: Ursprünglich habe ich ja immer gesagt, dass Müller zu nominieren nicht zwingend verkehrt sein muss. Also als Nummer 18 und als Führungsspieler in der Kabine. Nur sind jetzt ja die ersten "Leaks" aus der WM Doku angekommen und da kommt dann irgendwie raus, dass Müller auch nur bedingt der Spieler ist, der in der Kabine für eine fokussierte Ruhe sorgt. Der rechtzeitig einschreitet, bevor akut werden. Das ist jetzt auch so nicht wirklich überraschend, denn dass es in der deutschen Kabine nicht funktioniert haben kann, ist ja offensichtlich.

Das wirklich schöne ist ja, dass es Alternativen geben könnte. Also Kevin Behrens ist bei 4 Saisontoren. Nicht, dass der bei der EM ein Unterschiedspieler sein wird, aber das wird Müller doch auch nicht. Also drücken wir es so aus: Bei Müller wissen wir seit Ewigkeiten, dass der bei der EM nichts reißt. Behrens darf jetzt Champions League Luft schnuppern, aber für die Nationalelf reicht es trotzdem nicht.
Und natürlich ist der auch schon 32. Aber dass in diesem Land keine guten Stürmer ausgebildet werden, ist ja das eigentliche Problem. Also man muss auch einfach festhalten, dass die wirklichen Alternativen zu Müller rar gesät sind, wenn man bei Behrens anfangen muss, der letzte Saison 2 Tore erzielt hat und hauptsächlich als Joker zum Einsatz kam. Aber so ist die Lage im Land halt.

Dass Flick die Union-Spieler ignoriert, das andere. . Und das mit einigen deutschen Leistungsträgern wie Behrens, Rani Khedira oder Robin Knoche. Klar, das sind alles auch Spieler, die woanders aussortiert wurden... aber die haben halt trotzdem in Berlin ihre Rolle gefunden. Einem Verein, der für alles steht, was der deutschen Nationalmannschaft fehlt. Nominiert wird aber "nur" Robin Goosens, weil Hansi Flick anscheinend noch nicht mitbekommen hat, dass der zur Union gewechselt ist. Und bei Pascal Groß beweist Flick ja, dass er Entwicklungen im Alter wahrnehmen kann. Also falls der Mann das nicht mitbekommen hat: Union hat sich für die Champions League qualifiziert

Aber der größere Aufreger ist doch, dass Leon Goretzka nicht nominiert wurde. Dabei ist der doch wieder Stammspieler bei den Bayern!!! Also gut, er sollte eigentlich durch Palhinha ersetzt werden, dessen Namen ich bis vor 5 Tagen noch nie gehört habe. Dabei kam der doch bei der WM in der Vorrunde als letzter Einwechselspieler zum Zug. Der aber plötzlich über 60 Millionen Euro wert sein soll, weil er ein Jahr lang in der Premiere League gereift ist. Also um dem Bayern-Präsidenten Herbert Hainer zu erklären, warum diese Entscheidung tatsächlich Sinn ergibt: Goretzka ist ein Spieler, dem ihr offensichtlich selber nicht traut. Aber für Deutschland reicht's. 

Vor allem ist das jetzt ja mal eine tatsächliche Anwendung des Leistungsprinzips. Ja, ohne schwäbische "sch"s. Dem tatsächlichen, aber wahrscheinlich abgeschafften.

Also um das mal ganz deutlich zu sagen: Leon Goretzka war der Spieler, der unter dem Wahnsinnsspielplan während der Pandemie am meisten gelitten hat. Ihr wisst schon, dieser extremen Dauerbelastung, über die niemand reden will. Denn Goretzka ist der Bayern-Spieler, der am meisten über die Physis kommt.
Dessen Leistungskurve zeigt seit Jahren deutlich nach unten. Nach dem Restart kam er noch auf 6 Scorerpunkte in 10 Spielen. Als zentraler Mittelfeldspieler. Er war Leistungsträger beim Champions League Finale Turnier. Er verdrängte einen Kimmich im Finale auf die Rechtsverteidiger Position

Auf die ganze Saison gesehen kommt er in der Bundesliga auf einen Notenschnitt von 2,71. Ein Jahr später waren es "nur noch" 2,77. 12 Scorerpunkte in der Liga und 5 in der Champions League. Das kann man definitiv noch vorzeigen. Letztes Jahr fiel er dann auf bedenkliche 3,18. Besorgniserregende 6 Scorerpunkte in der Liga. Davon lächerliche 2 in der Rückrunde. Er hat 2-mal die Note 2,5 im Rückrunden-Zeugnis stehen... und dafür aber auch 2 glatte 5er. Damit gilt man definitiv als Versetzungsgefährdet. Und das sind im Wesentlichen die Leistungen, nachdem man jetzt nominiert wird, wenn man ganz ehrlich ist. Denn die bisherigen 2 Bundesligaspiele haben relativ wenig Aussagekraft.

Natürlich gehe ich absolut davon aus, dass Goretzka zu seiner 2,7er-Durchschnittsnote zurückkehren wird. Deswegen bin ich ja so brutal pessimistisch, wenn es um diese neue Saison geht: Goretzka und Kimmich werden das im zentralen Mittelfeld zumindest in der Bundesliga rocken. Aber nach der extrem schwachen Rückrunde muss auch ein Goretzka erstmal nachweisen, dass das jetzt kein kurzes Aufbäumen ist, sondern er wirklich wieder zur alten Stärke gefunden hat. Da ist es auch nachvollziehbar, dass Flick da erstmal skeptisch bleibt. 

Oh und so ganz nebenbei hat Pascal Groß 17 Scorerpunkte bei Brighton gesammelt und sich mit dieser Mannschaft überraschend für die Europa League qualifiziert. In der besten Liga der Welt. Kai Havertz kommt da nur auf 8. Das hat hier natürlich niemand mitbekommen, weil das abseits unserer Wahrnehmung passierte. Also hier heißt es wirklich "niemand", weil auch ich davon ausging, dass Brighton so ungefähr 15. geworden wäre. Und auch in die neue Saison startet er mit 3 Siegen aus 4 Spielen. Wenn er das für Union machen würde, würden sich alle fragen, warum der nicht nominiert wird.

Donnerstag, 22. Juni 2023

Läuft wie ein Länderspiel

 Oder: Anscheinend kann man als Bundestrainer einfach nicht entlassen werden. Und zurücktreten ist für Hansi Flick auch keine Option, obwohl bei seiner "Vorleistung" selbst CSU-Abgeordnete über einen Rücktritt nachdenken würden.

Um das mal ganz deutlich zu sagen: Irgendjemand muss nach diesem Lehrgang entlassen werden. Und wenn es nur irgendeine Dam ist, die man als Bäuerinopferin raushauen kann. Also einfach nur, weil dieser Lehrgang, wie Niclas Füllkrug es deutlich ausgesprochen hat, vollkommen sinnlos war. Eine reine Zeitverschwendung. Alles, was wir jetzt wissen, ist ja, dass es so nicht weitergehen kann.. Und wer das vorher noch nicht wusste, sollte beim DFB keinerlei Entscheidungsgewalt haben.

Wobei man da nochmal festhalten muss: Dass Füllkrug relativ wenig gespielt hat, ist wahrscheinlich die richtigste Entscheidung, denn es geht ja immernoch darum, dass Havertz, Gündogan, Kimmich und Musiala sich endlich einspielen können.

Da war die Aufstellung gegen Kolumbien schonmal grundlegend interessant. Also die Frage, ob Gündogan als Halbstürmer hinter Havertz funktionieren kann, muss dringend mal geklärt werden. Es wäre natürlich hilreich gewesen, wenn er dann auch einen Kimmich hinter sich gehabt hätte.

Man muss ja auch mal festhalten, dass Gündogan bei Man City genau diese Rolle durchaus gespielt hat. Also wenn die Automatismen stimmen, wäre das durchaus eine vorstellbare Aufstellung. Vielleicht mit Musiala rechts neben Gündogan, vielleicht mit Musiala neben Kimmich. Oder man stellt fest, dass man doch einen noch richtigen Stürmer braucht und zieht Havertz zurück neben Gündogan und bringt doch Füllkrug. Aber das hätte man alles genau jetzt ausprobieren müssen. Also 3 Spiele lang und nicht nur 60 Minuten.

Stattdessen hat Hansi Flick dem Präsidenten Neubauer versichert, "dass wir im September eine Mannschaft sehen werden, die anders auftritt als zuletzt." Dabei muss man festhalten, dass "anders" nicht dringend "besser" bedeutet. Noch hat man nur gefühlt alle Möglichkeiten, sich in Testspielen zu blamieren, durchgespielt. Da geht bestimmt noch was.

Der Hauptgrund, warum man Flick entlassen sollte, steckt für mich nebenbei in einer beinah nebensächlichen Aussage: "Ich werde kompromisslos meinen Weg gehen." Wenn Flick das, was er gerade anbietet, als kompromisslos bezeichnet, dann ist der Mann einfach zu dumm um diesen Posten zu übernehmen. Denn anscheinend fehlen ihm dann grundlegende Deutschkenntnisse.

Kompromisslos wäre es gewesen, einen Gündogan hin und wieder aufzustellen und nicht 4 Länderspiele am Stück pausieren zu lassen. Also ohne, dass der jemals offiziell verletzt war. An der Stelle muss halt noch ein kleiner Disclaimer rein, weil wir nicht genau wissen, wie die "familiären Probleme" die Gündogan hatte, ausgesehen haben. Aber wenn es was wirklich ernstes gewesen wäre, hätte man das ja durchaus kommunizieren können. Für mich klingt das halt nach "Oh, die Jugendweihe meines 3. Cousins ist so wichtig, dass ich da mal die Beine hochlegen muss."

Und es gibt halt keinerlei Entschuldigungen dafür, dass Gündogan gegen Polen nicht im Einsatz war. Oder dass Kimmich und Gündagon insgesamt 0 Sekunden lang gemeinsam auf dem Platz standen. Das sind alles Kompromisse, die Flick eingegangen ist. Damit ist seine Aussage widerlegt. 

Was die deutsche Nationalmannschaft halt eigentlich bräuchte, ist eine einfache Zusage: Wer zum Turnier will, muss vorher bei allen Testspielen anwesend sein. Selbst wenn du irgendwelche Verletzungen hast, kommst du zum Lehrgang. Und wenn du einsatzfähig bist, dann spielst du. Wenn du darauf keinen Bock hast, dann sage das gleich, dann planen wir mit anderen. Natürlich hätte das dazu geführt, dass Gündogan zurücktritt und Thomas Müller bleibt, aber immerhin wüsste man dann, wer wirklich Bock hat.

Und dieses ewige Rumgeeiere mit den Testspielen in "Die werden so nie wieder gemeinsam auflaufen" Formationen wäre endlich vorbei. Denn der eigentliche Schluss ist doch, dass man sich das nicht mehr leisten kann. Früher ging das, jetzt braucht man die Testspiele, um sich einzuspielen.

Noch viel dringender als Hansi Flick müsste nebenbei Rudi Völler entlassen werden. Denn der beweist gerade, dass er nur einen Gehaltsscheck einsteckt, ohne irgendetwas zu machen oder zu bewirken. Er labert halt am Ende nur Scheiße... was niemanden überraschen sollte. Eigentlich sollte er doch diesen Sauhaufen auf Vordermann bringen. Und vor allem sollte er derjenige sein, der jetzt die konsequente Entscheidung trifft und Flick rauswirft. Stattdessen verteidigt er Flick und schiebt den Spielern die Schuld zu. Also er spricht ihnen die grundlegend notwendige Qualität ab.

Schlüsselzitat: "Hansi Flick ist wirklich die ärmste Sau, weil er diese Spieler zur Verfügung hat." Das ist wahrscheinlich das dümmste, was Rudi je gesagt hat... und der gilt in diesem Blog als Hall of Shamer. Wir müssen nochmal festhalten, dass Rüdiger, Havertz, Gündogan, Goosens und all die Bayern-Stars in den letzten 4 Jahren in einem Finale der Champions League standen. Der Kader ist immernoch verdammt gut besetzt.
Vor allem ist es aber einzig Flicks Schuld, dass Kimmich und Gündogan nie gemeinsam auf dem Platz standen. Und natürlich klinge ich dabei wie eine kaputte Schallplatte, aber das ist halt die entscheidende Personalie im Zentralen Mittelfeld. 

Oder anders ausgedrückt: Er hätte bessere Spieler zur Verfügung gehabt, er hat sich nur geweigert, diese gemeinsam aufzustellen. Damit ist auch Völlers Aussage widerlegt. Damit ist auch der nutzlos und gehört entlassen.

Samstag, 17. Juni 2023

Wegen großer Nachfrage verlängert:

 Bescheidene Leistungen und beschissene Ergebnisse der DFB-Elf. Wobei die Nachfrage ja nicht mal vorhanden ist, schließlich haben seit 2020 (oder dem bedeutungslosen Testspiel nach einer heftigen 0:6 Pleite gegen Spanien) so wenige Menschen ein Länderspiel gesehen. Aber was soll ich sagen: Mich hat's gefreut. Das einzige, was die Situation noch besser machen könnte, sind Gerüchte über eine Rückkehr von Thomas Müller... Oh, warte, diese Gerüchte gibt es auch schon. Nice.

Lasst mich das mal so sagen: Falls Rudi Völler seinen Job wirklich ernst nimmt, entlässt er Hansi Flick postwendend, wenn der wirklich den Müller zurückholt. Er veröffentlicht dann folgendes Statement:

Müller war für Deutschland:
- Der schlechteste Offensivspieler bei der EM in Frankreich.
- Der schlechteste Offensivspieler bei der WM in Russland.
- Der schlechteste Offensivspieler bei der EM in Europa.
- Der schlechteste Offensivspieler bei der WM in Katar.
Es könnte ein Zusammenhang zwischen den immer dürftiger werdenden Ergebnissen und Müllers Leistungen bestehen. Deswegen muss man einfach mal was Neues ausprobieren. Vor allem, weil wir genügend junge und talentierte Optionen haben. Wenn der Trainer das nicht sieht, ist er einfach der falsche Mann auf dieser Position und wir müssen uns neu umgucken, auch wenn das drastisch wirkt.

Wobei... eigentlich sollte man Flick aufgrund seiner Experimente direkt entlassen. Also lasst uns mal eines festhalten: Der Mann hat gerade genaugenommen eine einzige Aufgabe: Ein System finden, in dem Gündoğan, Musiala, Havertz und Kimmich gemeinsam existieren können. Diese 4 sind die mit Abstand besten "Offensivspieler", die diese Mannschaft zu Verfügung stehen. 

Das ist halt auch problematisch, weil alle 4 am liebsten Zentral spielen. Und weil Kimmich und Gündoğan als Doppelsechs vielleicht zu offensiv denken. Also muss man sich mit der Frage beschäftigen, wen von denen man auf die Außen zieht. Genauso wichtig ist die Frage, ob Havertz als alleiniger Mittelstürmer funktioniert, oder ob man für den einen Partner braucht. Das bekommt man aber alles nur raus, wenn die 4 auch mal gemeinsam spielen. Die müssen dringend eine Synergie entwickeln. Denn anscheinend ist es keine Selbstverständlichkeit, dass diese guten Fußball sich auch gut ergänzen.

Tom Bartels hat ja richtig erkannt, dass das deutsche Offensivspiel im Wesentlichen aus "Wir geben Musiala den Ball und hoffen, dass dem was einfällt" bestand. Dieses Problem wird man aber nicht beheben, in dem man einen anderen Schlüsselspieler auf die Bank setzt. Aber dieses Problem zu beheben ist wesentlich wichtiger, als die Frage, ob man mit Dreier oder mit Viererkette spielt, weil für diese 4 eine eingespielte und stabile Formation finden, ja auch das "Die Gegner laufen ständig in Überzahl auf unsere Verteidiger zu" Problem lösen würde.

Es ist ja auch darauf hingewiesen worden, dass die Teamkollegen von Gündoğan schon wieder im Einsatz waren, während der sich noch die Eier kraulen durfte. Irgendwann muss man auch mal anfangen, auf die EM hinzuarbeiten und aufhören, Rücksicht auf die Vereine zu nehmen.

So wie Flick sich bisher präsentiert hat, wird er jetzt ja als nächstes Kimmich und Musiala eine Pause gönnen, auch wenn er sich das eigentlich nicht mehr leisten kann. Dann werden die 3 Schlüsselspieler im Zentralen Mittelfeld vielleicht mal eine Halbzeit gemeinsam auf dem Platz gestanden haben. Was auch nur bedeutet: Diese Testphase wurde komplett verschwendet.

Da muss die Frage, inwieweit man sich das noch leisten kann, erlaubt sein. Also Deutschland hat bei den letzten 3 Turnieren kein einziges K.O. Spiel gewonnen. Sie standen selbst bei der EM, wo die besten Gruppendritten weiterkamen, kurz vor dem Ausscheiden. Diese Blamage wurde nur durch einen Goretzka-Treffer in der 84. Minute verhindert.

Eine der wenigen Punkte, bei denen ich Jogi Löw gelobt habe, war ja seine Belastungssteuerung in den Testspielen. Damals haben aber die Leistungen bei den Turnieren gestimmt, deswegen konnte man sich das erlauben. Vor allem konnte man damals halt auch auf Boateng, Hummels, Lahm, Schweinsteiger, Kroos, Müller und Klose setzen. Dazu brachte man einen Götze von der Bank. Man hatte einen stabilen Kern aus Bayern-Profis, die sich im Verein einspielen konnte. Der einzige "Fremdkörper" im Offensivspiel war Mesut Özil. Da hatte man halt eine ganz andere Basis.

Jetzt spielen 2 der Schlüssel halt bei Man City und Chelsea. Man trifft sich wirklich nur zu den Lehrgängen... oder noch nicht mal dort. Wir schießen uns halt selber konsequent in den Fuß, weil wir unsere genialen Füße nicht gemeinsam aufstellen. Es ist schon faszinierend, wie konsequent sich der Flick weigert, einfach mal seine 4 besten Spieler aufzustellen. So in 2 aufeinanderfolgenden Spielen. 

Was ich mich an der Stelle auch frage: Hören die Fans der anderen Nationen auch ständig den "Eine Mannschaft, die so noch nie zusammengespielt hat und wohl auch nie wieder zusammen spielen wird" Satz hören? Das fällt ganz selbstverständlich in jedem Freundschaftsspiel mit deutscher Beteiligung und wird immer als Ausrede genommen, wenn nicht alles funktioniert und die Automatismen fehlen. Und wenn dann genau diese Automatismen auch bei dem Turnier fehlen, gucken alle geschockt. 3 Turniere in Folge.

Ganz ehrlich: Man hätte nach einem der letzten 3 enttäuschenden Ergebnisse einfach mal aufhören müssen, auf die Vereine Rücksicht zu nehmen. Einfach mal jede Gelegenheit nutzen, um die besten Spieler aufzustellen, damit man dadurch dann endlich mal die grundlegenden Probleme abstellen kann. Und wer dann darauf keinen Bock hat, wie Toni Kroos, der muss halt zurücktreten.

An der Stelle muss man nochmal erwähnen, dass ein Luka Modrić trotz seines hohen Alters und der anstrengenden letzten Jahre 119. Minuten gegen die Niederlande auf dem Platz stand. Der Mann gönnt sich mit 37 Jahren weniger Pausen, als Gündoğan mit 32. Und Modrić ist ja nicht der einzige "alte Sack" in der Mannschaft. Man muss auch einfach mal festhalten, dass die Motivation der Kroaten, sich für die Nationalmannschaft den Arsch aufzureißen, einfach eine andere ist. Wenig überraschend haben die auch wesentlich mehr Erfolge vorzuweisen, als die Deutschen, obwohl sie definitiv in der Breite den schlechteren Kader haben. 

Mittlerweile sollte halt jeder erkannt haben, dass "wir" nicht mehr den Vorsprung haben, um Zeit in sinnlosen Experimenten zu verschwenden. "Früher" ging das, aber die Zeit ist einfach vorbei.

Dienstag, 13. Juni 2023

So schlecht können die doch gar nicht sein.

 Also ehrlich.

Und dabei geht es nicht mal um das einzelne Spiel. Ein 3:3 am Ende einer langen Saison... Shit Happens. Aber grundlegend... Ganz ehrlich.

Das letzte überzeugende Ergebnis der Deutschen war ein 5:2 gegen Italien. Das ist ziemlich genau ein Jahr her. Wobei überzeugend hier auf eine Frage der Perspektive ist: Die einen behaupten, dass man gegen den amtierenden Europameister 5 Tore erzielt hat, die anderen, dass man gegen eine Mannschaft, die die WM verpasst hat, 2 Tore kassiert hat. Beide Aussagen sind zutreffend.

Aber seit diesem Spiel... ok, gegen Spanien hat man zumindest ordentlich gespielt. Gegen Costa Rica hat man ja immerhin gewonnen. Aber wirklich gute und überzeugende Ergebnisse... gab es einfach nicht.

Und klar, Hansi Flick begann "seine Amtszeit" mit einem legendären Lauf... weil er halt gegen Liechtenstein, Armenien, Island, Rumänien und Nordmazedonien antreten durfte. Und dann nochmal Liechtenstein. Das war wahrscheinlich das leichteste Auftaktprogramm aller Nationaltrainer. Aber seit dem...

Gab es ein 2:0 gegen Israel, die nur politisch zur UEFA gehören. Und das schon verlinkte 5:2 gegen Italien. Das waren alle Siege, die man gegen UEFA-Mitglieder erringen konnte. Dazu kommen 7 Unentschieden gegen Holland, Italien, England (2-mal), Ungarn, Spanien und jetzt die Ukraine. Und Niederlagen gegen Ungarn und Belgien. 2 Siege, 7 Unentschieden und 2 Niederlagen... das klingt im besten Fall nach Mittelmaß. 

Und auch gegen die restliche Konkurrenz... hat man sich ja nicht mit Ruhm bekleckert. Ein 1:0 gegen den Oman. Die legendäre Niederlage gegen Japan. Ein wackliges 2:4 gegen Costa Rica. Ein 2:0 gegen Peru. Das reicht alles einfach nicht. Das Problem bleibt dabei immer dasselbe: Die Defensive leistet sich zu viele Ausreißer. Einzig gegen Israel, Peru und dem Oman stand hinten die 0. 

Dabei hat die Mannschaft ja immer noch ein unfassbares Potenzial. Kai Havertz, İlkay Gündoğan (2-mal), Robin Gosens (wenn auch nur als Einwechselspieler), Antonia Rüdiger und all die Bayern standen in den letzten Jahren in einem Champions League Finale. Und klar, ich weise an anderer Stelle regelmäßig darauf hin, dass man den Champions League Sieg mit einem Sternchen versehen sollte. Aber als absolute Gurkentruppe holt man diesen Titel halt auch nicht.

Aber wir haben halt einen Trainer, der lieber auf Füllkrug statt auf Havertz setzt. Auch wenn das natürlich emotionale Gründe hat. Oh und der Musiala und Wirtz auf die Bank setzt, weil er unbedingt mit Dreierkette spielen muss. Immerhin musste er die Gündoğan Frage nicht beantworten. Und ja, Stand 2023 sollte man Kimmich auf die Bank setzen und Gündoğan spielen lassen. Aber der hat halt Charakter, der andere nicht...

Und als Einzelfall wäre das alles kein Problem. Das kann mal passieren. Man kann auch mal seine jungen Spieler schonen, weil ja gerade ein Musiala eh zu viel gespielt hat. Wobei das ja auch für Kimmich und Goretzka zutrifft und die waren unverzichtbar. Aber mit der vorherigen Bilanz.

Hansi Flick hat sich halt wirklich in die Situation manövriert, dass diese an sich belanglosen Freundschaftsspiele plötzlich eine reale Bedeutung haben. Denn für eine Aufbruchsstimmung bei der Heim-EM müsste man schon mal so ein paar begeisternde Spiele anbieten. Aber das krasse Gegeneil ist der Fall.

Kurzer Nachtrag: Mir fiel beim über die Ergebnisse schauen gerade auf, dass die echt ein Freundschaftsspiel in den USA angesetzt haben. Ich freue mich jetzt schon darauf, wie all die Vereine dann rumheulen werden, dass man ja nicht solche Trips machen kann, nur um die Reichweite und den Umsatz zu steigern. Also als Nationalmannschaft darf man das nicht, wenn die Bayern das machen, ist das was anderes...

Mittwoch, 29. März 2023

Wie dämlich ist eigentlich der DFB?

 Ok, etwas haben diese Testspiele doch noch bewiesen: Der deutsche Fußball wird von inkompetenten Vollidioten geführt. Deswegen hat man sich ja auch für Rudi Völler entschieden. Aber Gute Besserung an der Stelle. Also an Rudi, beim DFB soll das bitte so bleiben.

Mir ist beim Feed durchscrollen gerade ein dummes Meme entgegengekommen. Das lautete ungefähr: Die Bayern würden Hansi Flick jetzt entlassen. Und meine erste Reaktion wäre: Die Bayern hätten Flick schon am 24.11. entlassen. Dem Tag nach der unglücklichen Niederlage gegen Japan

Lasst es mich anders ausdrücken: Hansi Flick hat die WM dermaßen verkackt, dass selbst Frank Baumann und Werder Bremen den entlassen hätten. Vielleicht sogar, Götterdämmerung incoming, der SC Freiburg. Denn ein Vorrundenaus kommt einem Abstieg gleich.

Und ja, ich weiß, Christian Streich ist schon mal abgestiegen, aber das ist Jahre her. Mittlerweile hat sich der Verein so weit weiterentwickelt, dass Streich wahrscheinlich selber gehen würde, bevor ein weiterer Abstieg eintritt.

Der DFB ist der einzige große Verein, bei dem man derartig verkacken und trotzdem weiterwursteln darf. Also ich hab das mal recherchiert. Hier sind die anderen Nationen, die trotz Vorrundenaus ihren Trainer behalten haben: Serbien, Kamerun, Kanada, Costa Rica, Saudi-Arabien, Wales und Dänemark. Was fällt da auf? Das sind fast alles "Wir sind froh, dass wir dabei sind" Länder. Also außer Dänemark, die nach der überraschend erfolgreichen EM vorher eine zu hohe Erwartungshaltung hatten. Aber Kasper Hjulmand war vorher halt für das erfolgreichste Turnier seit 30 Jahren verantwortlich.

Random Fun Fact: Dänemark hat gerade sein Quali-Spiel gegen Kasachstan verloren. Nur um festzuhalten, dass es auch da bescheiden läuft. Aber zum Glück muss man ja nur in einer Gruppe mit Slowenien, Nordirland, Finnland, Kasachstan und San Marino Zweiter werden...

Man kann das nebenbei wunderbar an den Belgiern nachvollziehen. Ohne dass Domenico Tedesco jetzt Begeisterungstürme auslöst, aber immerhin ist es ein neuer Name, der da die Verantwortung trägt und der jetzt einen guten Start hingelegt hat. Ein neues Gesicht, eine neue Ansprache, neue Aufnahmekriterien. Wenn man etwas dermaßen in den Sand setzt, dann ist das halt einfach notwendig und logisch.

Aber halt nicht beim DFB. Da wird die Lage kritisch analysiert und man macht dann weiter so. Also man versucht es weiter so. Und als Dank bekommt man einer der schlechtesten Halbzeiten aller Zeiten. Zumindest klingt so die Zusammenfassung der ersten 30 Minuten. 

Und das Faszinierende daran ist ja: Man hätte ja lernen können. Es ist ja nicht das erste Vorrundenaus. Genaugenommen könnte man sogar Berti Vogts als Lehrbeispiel nehmen. Also damals, 1998, als ein Ausscheiden im Viertelfinale noch als katastrophales Ergebnis eingestuft wurde. Auch damals entschied man sich in klassischer DFB-Manier fürs Weiterwursteln... nur musste man dieses Projekt nach eine "ernüchternd verlaufenden Lehrgang", in dem man gerade so Malta besiegen konnte, beenden. Klingt bekannt?
Vielleicht ist Didi Hamanns "Flick muss entlassen werden" Forderung doch gar nicht so absurd.

Natürlich könnte man auch das aktuellere Beispiel nehmen: Selbst Weltmeistertrainer Jogi Löw war nach dem Vorrundenaus so beschädigt, dass er die EM nicht retten konnte. Man hat in jüngster Verbandsgeschichte genau dieses Experiment schonmal ausprobiert, man erwartet jetzt aber einen anderen Ausgang... weil... ähm... Hansi Flick doch diese eine starke Saison betreut hat. Andere nennen so etwas wahnsinnig.

Man muss an der Stelle auch nochmal festhalten: Flicks gesamte Erfolge basieren auf einem Dead Coach Bounce... und dem Fakt, dass man gegenüber den französischen Gegnern einen extremen Wettbewerbsvorteil hatte, weil die eigene Liga fortgesetzt, die französische aber abgebrochen wurde.

Es gibt keinerlei Nachweise, dass Flick interne Probleme erkennen und lösen kann. Also zumindest nicht in vorderster Front. Aber jetzt gehen wir alle davon aus, dass er das schon hinbekommen wird... Vor einer HEIM-EM, die das größte Sportevent seit 18 Jahren werden soll... (Und so wie die Fifa gerade tickt und der DFB sich dort präsentiert, wird es das einzige Turnier auf deutschem Boden für mindestens 50 Jahre werden... just saying.)

Aber beim DFB wird halt eine Kultur gepflegt, bei der Leistung und Ergebnisse sekundär sind. Man braucht irgendwelche anderen Fähigkeiten. Also hauptsächlich eine Vergangenheit im Verband, der Rest ist egal. Und natürlich war das schon immer so, aber früher (also genau genommen in den 70ern und in den 90ern) war der Vorsprung vor den anderen Nationen so groß, dass man sich das leisten konnte. Diese Zeiten sind haöt vorbei.

Aber genau diese Anti-Kultur führt dann zu den bescheidenen Ergebnissen. Wir reden ja nicht von einem einzigen Turnier, wir reden von 3 Turnieren in Folge, die komplett verkackt wurden. Und wir reden hier von einer Nation, die sonst immer mindestens das Halbfinale erreicht hat. Also bei jedem 2. Turnier. Wenn man die WM 1994 in den Sand gesetzt hat, konnte man sich die Tickets fürs EM Finale 2 Jahre später schon mal reservieren und die Flüge nach London. Und wir wollen nochmal festhalten: "In den Sand gesetzt" bedeutete damals ein Aus im Viertelfinale. Von so einem beschissenen Turnierverlauf träumen die Gastronomen mittlerweile... denn das letzte K.O. Spiel wurde am 2.7.2016 gewonnen... nach Elfmeterschießen. Da war Putin noch ein lupenreiner Demokrat und Donald Trump noch nicht im Amt. 

Gerade da wird der Bayern-Vergleich halt wirklich interessant: Ja, Oliver Kahn hätte Hansi Flick trotz gemeinsamer, erfolgreicher Vergangenheit entlassen, wenn er beim DFB was zu sagen hätte, denn die aktuelle Leistung steht da halt über allem. Und wenn man keine Leistung bringt, wird man halt vom Hof gejagt und der Nächste übernimmt. Diese absolute "es gibt keine Ausreden" Mentalität hatte der deutsche Fußball früher auch, jetzt gibt es sie aber nur noch bei den Bayern. Deswegen galt man ja immer als "Turniermannschaft". Deswegen hat sich die grottenschlechte "Das werden wir unseren Kindern erklären müssen" Generation um die Jahrtausendwende trotzdem in ein WM-Finale gekämpft... oder gemogelt, je nach Betrachtungsweise.
Aber um das mal festzuhalten: Die Generation Hamann, Ramelow, Nowotny, Wörns war ganz sachlich erfolgreicher, als die Generation Kimmich, Goretzka Rüdiger, Gündoğan. Zumindest bisher, ein Turnier haben die ja noch.

Diese Haltung ist uns aber in den letzten Jahren abhandengekommen. Sie wurde durch eine arrogante Selbstgefälligkeit ersetzt. Und das wird ja von ganz oben vorgelebt: Es ist halt nicht so schlimm, komplett zu versagen. Man kann das ja in Ruhe erklären und dann findet man schon Gründe und es lag gar nicht an einem selbst. Es wird schon reichen, wenn man Oliver Bierhoff austauscht, diese ganze Wohlfühloase liegt nur an ihm.

Nebenbei muss man jetzt auch mal erwähnen, wie, genaugenommen, katastrophal und schizophren die kurzfristigen Entscheidungen waren, die Flick gerade getroffen hat. Und wie die auch nur beweisen, dass er doch eher wenig gelernt hat. Also Flick hat ja angekündigt, dass er keine Rücksicht auf das Spitzenspiel am Wochenende (oder auf die Ligen im Allgemeinen) nehmen wird. Trotzdem verzichtet er auf Rüdiger, Schlotterbeck, Musiala, Gündoğan, Havertz. Alles Spieler, die man hätte aufstellen können, wenn man wirklich gewollt hätte. Oder zumindest als Einwechselspieler wären auch Musiala und Havertz eine Option gewesen. Und gerade wenn man bedenkt, dass die DFB-Elf ganz dringend eine souveräne Defensivleistung gegen eine ordentliche Angriffsreihe gebraucht hätte, um die bösen Geister der WM zu vertreiben, ist es einfach nur fahrlässig, seine beiden besten Innenverteidiger nach Hause zu schicken. Aber wenn die Ergebnisse bei der WM egal sind, dann sind die Ergebnisse in Testspielen doch erst recht egal. 

Ganz ehrlich, als ich die Ansetzungen sah, dachte ich: Man gönnt sich das Spiel gegen Peru für die Experimente und richtet alles auf den Härtetest gegen den Weltranglistenvierten aus. Stattdessen kraulen sich Rüdiger und Schlotterbeck zu Hause die Eier. Nachdem Schlotterbeck nachgewiesen hat, dass er gegen schwache Südamerikaner gut aussieht... was aber niemand bezweifelt hat. Es wäre doch wesentlich sinnvoller gewesen, herauszufinden, wie der sich gegen Lukaku schlägt.

Natürlich habe ich erst gestern geschrieben, dass diese Spiele keine Auswirkung auf die EM haben werden. Das war aber mehr auf der individuellen Ebene gemeint. Da kann man ja auch die "Wachstumsschmerzen" bei Marius Wolf wunderbar anbringen: Der hat gezeigt, dass er in einem fremden Umfeld und gegen einen starken Gegner defensiv überfordert ist. Das ist eine wichtige Erkenntnis, an der er jetzt 1 1/2 Jahre arbeiten kann.

Und da ging ich nicht davon aus, dass man sich 30 Minuten lang komplett demontieren lässt. Dass man sich so komplett überforder präsentiert, sobald Belgien das Tempo anzieht. Aber stattdessen freuen sich alle, wie gut die Deutschen aussahen, als die Belgier den Fuß vom Gaspedal nahmen. Was geht hier eigentlich ab?

Wo ich gerade rausfinden wollte, warum Rüdiger nicht dabei war, ist mir folgendes aufgefallen: Die ersten beiden Google-Fragen zu ihm lauten "Warum hat Rüdiger einen deutschen Namen?" und "Wie heißt Rüdiger richtig?" Dazu fällt mir nur eines ein: Deutschland, du bist rassistisch! Einschub Ende.

Wenn man die Spiele jetzt im Nachhinein betrachtet, wurde diese Länderspielpause einfach verschwendet. Leichtfertig verschwendet. Obwohl die letzten Turniere nicht den Anlass geben, dass man sich das leisten kann. Und natürlich können wir nicht beurteilen, was die trainiert haben. Laut Hansi Flick, wie man sich im Gegenpressing verhalten soll, was dann aber gegen Belgien so gar nicht funktioniert hat. 

Allgemein verstärken die Reaktionen der Spieler nach dem Abpfiff, dass halt jegliches Leistungsverständnis in diesem Verband fehlt. Ja, war schon dumm, dass wir uns am Anfang so haben vorführen lassen, aber wenigstens haben wir eine Reaktion gezeigt, als Belgien in den Schongang schaltete...

Als letzter Gedanke wollte ich nochmal erwähnen: Man hätte, im Gegensatz zu sonst immer, sogar eine Alternative gehabt: Thomas Tuchel war vertragslos. Also normalerweise hat man ja das "Problem", dass die guten Trainer alle in einer festen Beziehung sind, wenn man nach dem überraschenden Ausscheiden einen neuen Verantwortlichen suchen muss. Und man hat beim DFB ja auch eine panische Angst davor, so was vor einem Turnier anzusprechen und zu klären. Jetzt hätte man die einzigartige Gelegenheit gehabt, einen Tuchel zu fragen, ob er sich die Heim-EM und die WM danach zutraut. Man hätte ihn für dieses Projekt begeistern können, eigentlich sogar müssen. Man hat es aber nicht mal versucht. Und ja, es wäre wirklich beängstigend, wenn ein Tuchel gesagt hätte: Ich mache das jetzt für 3 1/2 Jahre, danach kann dann der Nächste.

Es ist eigentlich faszinierend, dass die Deutschen überhaupt jemals was gerissen haben, wo ihre Führungsetage doch so was von inkompetent ist. Und obwohl da ständig vom "Umdenken" geredet wird, bleibt am Ende alles beim Alten.

Montag, 15. November 2021

Jogi Löw war nicht der Beste Trainer aller Zeiten

Damn, ich bin dann doch getriggert. Aber zum hoffentlich letzten Mal. Irgendwann muss das ja mal vorbei sein.

Und mir ist auch bewusst, dass das am Ende nur Hansi Flick so gesagt hat. Aber dadurch ist es halt in jede Schlagzeile gekommen und dann werden Umfragen gestartet und die landen bei 60 % Zustimmung... Wie wenig Perspektive kann man denn haben.

Also zunächst mal: Alle unter 27-Jährigen sollten sich vielleicht mal zurückhalten. Also als Jogi Löw in der Nationalmannschaft anfing, wart ihr 10 Jahre alt. Und klar, Jürgen Klinsmann war die ersten 2 Jahre Teammanager. Aber praktisch kennt ihr einfach keinen anderen Bundestrainer. Er mag damit der beste Bundestrainer sein, den ihr je gesehen habt. Aber das ist ein wenig wie zu behaupten, dass Angela Merkel die beste Bundeskanzlerin ist, die ihr je erlebt habt. Ja, das stimmt noch so. Das hat aber trotzdem 0 Wertigkeit. Und nur, weil wir die Ansprüche an Löw so weit runtergeschraubt haben, dass der einfach weiterwurschteln durfte, wenn er keine Erfolge hat...

Das Erste, was ja angebracht wird, ist seine Peak Turnier Bilanz:

2006 als Co-Trainer Dritter.
2008 direkt ins Finale.
2010 wurde er wieder Dritter.
2012 Halbfinale.
2014 Weltmeister.

4 Turniere in Folge mindestens ins Halbfinale! Wie gut! Überragend! Ja... für alle anderen Nationen. Für Deutschland ist, so absurd das klingt, eine Halbfinalteilnahme nichts Besonderes. Ich mache das mal ganz praktisch deutlich:

1972: EM Titel.
1974: WM Titel.
1976: EM Finale, der 3. Titel in Folge wurde von Uli Hoeneß in den Belgrader Himmel gejagt.
1978: 6. Der eine Ausreißer nach unten. Danach wurde direkt der Trainer Helmut Schön entlassen.
1980: Europameister.
1982: Finale.

Das sind 5 von 6 Turnieren, in denen Deutschland im Finale stand. Aber Jogi hat uns ja immer souverän ins Halbfinale geführt. Das ist halt wie Vize-Meister mit Bayern München werden.

Aber... wahrscheinlich muss ich den Rahmen noch weiter fassen als "U-27."... denn Löws Vorgänger waren ja Rudi Völler, Erich Ribbeck und Berti Vogts. Auch alles nur bedingt gute Trainer.

Wo TV Total gerade zurückkommt, kann ich euch, nur mal für Kontext, hier ein Video posten, wie damals über Vogts hergezogen wurde:

Und es gab sogar eine Schalalalala Version. Und ihr glaubt, ihr habt es schwer...

Niemand würde Berti Vogts den besten Nationaltrainer aller Zeiten nennen. Aber hier kommt das völlig absurde: Wenn man die extrem hohen Deutschen Ansprüche als Maßstab nimmt, hat Vogts: 2 Finalteilnahmen und einen Titel. 1992 verlor man überraschend gegen Dänemark, 1996 holte man den Titel in England

Das ist ganz praktisch dieselbe Bilanz, die Jogi Löw vorweisen kann. Nur, dass der wesentlich mehr Turniere gebraucht hat. Nur stand Berti in 2 von 4 Turnieren im Finale, Jogi in 2 von 7. Also schon vor seinem Absturz war Löw nicht wirklich besser als seine Vorgänger. Nur war die Zeit vor Klinsi und Löw halt so grausam, dass wir komplett vergessen haben, wie dominant die deutsche Nationalmannschaft mal war. Und jetzt kann man diesen Absturz nicht einfach aus der Bewertung entfernen...

Also die letzten 3 Turniere waren halt:
2016: Halbfinalteilnahme
2018: Das erste Vorrundenaus bei einer WM. (Wir wollen nochmal festhalten, dass Welt- und Europameister Schön nach einem 6. Platz gehen musste, Löw wurde offiziell 22.)
2021: Achtelfinalaus bei der EM. Also technisch gesehen ebenfalls zum ersten Mal. Platz 15, was laut Wikipedia offiziell genauso gut war wie die EM 2000.)

Das heißt auch praktisch: "Wir" haben 3 Turniere in Folge kein Finale erreicht. DREI!. Wisst ihr, wie selten das ist? Also dank der absurden WM 2002, die uns die richtig grausamen Jahre gerettet hat? Nun ja... lasst uns mal kurz nachzählen, wie oft das wirklich passiert ist.

1.) Zu Hitlers Zeiten und danach. Also von 1930 bis 1950 spielte Deutschland in 0 von 4 Finalen.
2.) Von 1958-1964: Nach dem ersten Weltmeistertitel wurde man in Schweden "nur" 4. Am "Europa Nationenpokal" nahm man nicht teil. Das sind technisch gesehen 4 Turniere. Aber man muss an der Stelle erwähnen, dass die Europameisterschaft noch nicht annähernd das war, was sie heute ist. Also Sepp Herberger empfand diesen Wettbewerb als "reine Zeitverschwendung"... Der war guter Deutscher und nur an der Welteroberung interessiert... 

Danach beginnen dann schon dominanten, oben bereits erwähnten 70er und 80er Jahre, die eigentlich durch das WM-Finale 1966 eingeleitet worden sind. Und nach den 4 Finalen in 5 Turnieren ging das ja fast nahtlos so weiter: WM Finale 86, Weltmeister 90, EM Finale 92, Europameister 96, WM Finale 2002. Dann kam halt Jogi Löw.

Also ja, wenn wir an Turnieren teilnehmen wollen, dann qualifizieren wir uns seit 1950 konstant in jedem 3. Turnier fürs Finale. Vollkommen egal, wie die Umstände sind. Oder wie finster der Trainer eigentlich ist. Und selbst, wenn man die "Interessiert uns nicht, wir nehmen da nicht teil" Turniere mitzählt, hat Löw es trotzdem als erster Trainer in 55 Jahren geschafft, bei 3 Versuchen in Folge kein Finale zu erreichen.

Nebenbei sind abgesehen von Sepp Herberger alle Trainer entlassen worden, bevor es überhaupt so weit kommen konnte. Da reichte ein schlechtes Turnier, um rausgeworfen und durch einen anderen schlechten Trainer ersetzt zu werden. Siehe Schön und Derwall. 

Die einzigen Trainer, die sich nach einem Aus im Viertelfinale (oder früher) im Amt halten konnten, waren Berti Vogts und Jogi Löw.

Natürlich ist die Messlatte bei anderen Nationaltrainern gar nicht soo hoch. Wir haben halt eine krankhafte Obsession mit schlechten Nationaltrainern. Also genauer: Nationaltrainern, die auf Vereinsebene nie irgendwas holen. Um das nochmal zu erwähnen: Hansi Flick hat in 1 1/2 Jahren bei den Bayern mehr Vereinstitel gewonnen, als alle anderen Nationaltrainer zusammen. Hauptsächlich, weil "wir" beim DFB in Sachen Trainersuche und perspektivische Planung richtig beschissen aufgestellt sind. Aber trotzdem hatten wir einige Nationaltrainer, die zumindest erfolgreicher waren. Und auf der anderen Seite hat Löw die schlechteste Phase der Deutschen Nationalmannschaft seit 1952 zu verantworten... Dabei haben wir die "Der Abstieg aus der Nations League wurde nur durch eine Formatänderung verhindert" noch nicht mal erwähnt.

Um das noch mit einem praktischen Vergleich zu beenden: Zu behaupten, dass Jogi Löw der beste Nationaltrainer aller Zeiten ist, ist ungefähr so sinnvoll wie die über Felix Magath bei den Bayern zu behaupten. Beide haben im Rahmen ihrer Anstellung nichts Außergewöhnliches geleistet.

Wo ich schon bei "nichts Außergewöhnlichen" bin: Können wir aufhören, Hansi Flicks Siegesserie zum Auftakt zu feiern? Ja, der hat jetzt 7 Spiele mit 31:2 Toren gewonnen. Aber der stärkste Gegner war Rumänien. Die sind gerade auf Platz 40 in der Fifa Weltrangliste. Und die hat man trotz Rückstand gerade so besiegt... Die restliche "Konkurrenz" taucht nicht mal auf Seite 1 auf. Es hatte garantiert noch nie ein Bundestrainer ein derart einfaches Startprogramm, weil die meisten ja mit Testspielen gegen anständige Gegner beginnen. Wenn Hansi Flick eines dieser Spiele nicht gewonnen hätte, hätte er auch direkt wieder zurücktreten können.

Aber wie schon bei Löw, der sich halt auch nur an seinen Vorgängern Ribbeck und Völler messen lassen muss, haben wir die Messlatte so niedrig angelegt, dass jetzt alle total begeistert sind, wenn "wir" international drittklassige Konkurrenz besiegen...

Samstag, 9. Oktober 2021

Zum Glück rettet uns Thomas Müller

 Gut, dass wir den haben. Was würden wir nur ohne den machen...

Also ganz ehrlich: Ich habe in all den Jahren noch nie einen Liveticker aufgemacht, gesehen, dass die deutsche Nationalmannschaft zurückliegt und gedacht: Ach, ist egal... Aber genau das ist sowieso schon das Grundszenario.

Denn schon nach der Niederlage gegen Nordmazedonien stand irgendwie fest: Gruppenerster werden die trotzdem. Und damit qualifizieren sie sich sicher für die WM. Denn der Rest der Gruppe ist halt ein absolutes Traumlos. Rumänien, Island, Armenien und eben Nordmazedonien sind halt alle ungefähr auf einem Level. Und ja, man hat absolutes Glück, dass man auf die Isländer nach ihrem absoluten Höhenflug getroffen ist. Deswegen nehmen sich diese 4 Mannschaften halt konstant gegenseitig die Punkte weg. So war Deutschland auch im Rückstand noch Tabellenführer. Wenn man jetzt eine glasklare zweitbeste Mannschaft gegeben hätte... wie Russland, Serbien, Schweden oder die Schweiz in ihren jeweiligen Gruppen. Eine Mannschaft, bei der man davon ausgehen kann, dass sie einerseits ihre Spiele durchgehend gewinnt. Andererseits vielleicht auch ein Unentschieden gegen Deutschland holt. DANN würde jeder Ausrutscher Konsequenzen haben und man müsste vielleicht in die Playoffs. So ist es aber absolut egal, wie dumm man sich anstellt. Und das war auch gleich klar, weshalb es bisher einfach war die WM Quali zu ignorieren.

Jetzt kommt aber Thomas Müller und rettet uns! Dieser Volksheld! Gebt dem einen Orden! Und eine Stammplatzgarantie! Vor allem eine Stammplatzgarantie.

Meine persönliche Vorhersage ist ja, dass Müller in genau dieser Qualifikations-Konstellation 5 Tore erzielen wird. 3 am Dienstag gegen Nordmazedonien. Wenn er gegen Liechtenstein ran darf, erhöhe ich auf 8. Das sind halt auch genau die Ansetzungen, in denen Müller strahlt.

Und dann stimmen alle die Lobeshymnen an, wie gut es doch ist, dass Müller wieder dabei ist. Wie der all die Probleme löst. Einfach nur, weil die Mannschaft gerade in einem derart erbärmlichen Zustand ist, dass sie selbst gegen Nordmazedonien und Rumänien Probleme bekommt. 

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Müller wird dann auch bei der WM 3 Tore erzielen. In der Vorrunde gegen Venezuela. Oder Saudi Arabien. Oder Tunesien. Ich geb ihm sogar noch ein Tor im Achtelfinale gegen Mexiko. Dann werden alle auf den "Müller macht uns zum Weltmeister" Zug aufspringen... und völlig ignorieren, dass es egal ist, wer gegen Rumänien oder Mexiko trifft. 

Ich werde dann vollkommen tiefenentspannt bleiben. Denn ich weiß, wie Müllers Bilanz seit 2014 gegen England, Frankreich und Co aussieht. Und dass er in den Spielen, in denen der Titel wirklich vergeben wird, untertauchen wird. Alles, was bis zum Viertelfinale passiert, ist halt nicht mehr als ein freundliches Vorgeplänkel.

Aber da Hansi Flick ungeschlagen in dieses Viertelfinale einziehen wird, werden sich dann nach dem Ausscheiden alle nur darauf stürzen, wie unglücklich und unvorhersehbar das "Scheitern" in dieser Runde oder im Halbfinale war. Und nicht darauf, dass man einen Spieler zum Fixpunkt hochgejubelt hat, bei dem abzusehen war, dass da in den entscheidenden Momenten nichts kommen wird. Weil halt abgesehen von dem einen Schützenfest gegen Barcelona in der Pandemie in diesen entscheidenden Momenten seit 2014 von ihm nie etwas kam. Ich freu mich drauf.

Und wer jetzt einen Vorführeffekt befürchtet: Der ist schon bei der EM ausgeblieben.

Das ist nebenbei nur sehr bedingt eine Kritik an Hansi Flick. Also der kann ja quasi gar nicht anders. Wenn der jetzt sagen würde "Ich setze den Müller konstant auf die Bank... da gehört er hin", würde ihm so viel Gegenwind entgegenkommen... Aber dass in den deutschen Medien niemand darauf hinweist, wie lange es her ist, dass Müller ein wichtiges und gutes Spiel für die Deutsche Nationalmannschaft abgeliefert hat... fasziniert mich einfach. Also es beweist einfach, wie weit weg die deutsche Fachpresse von "sachlich und kritisch" ist...

Sonntag, 18. April 2021

Nutzt Hansi Flick am Ende seinen Dead Coach Bounce möglichst effektiv aus?

 Wird er jetzt einfach Nationaltrainer, bevor es auffällt, dass er als Coach eigentlich gar nicht so gut ist? Und wie Jogi Löw eindrucksvoll bewiesen hat, muss man kein guter Trainer sein, um das Halbfinale bei einer WM zu erreichen. Oder Rudi Völler, nur um zu belegen, dass Löw da gar keine Ausnahmeerscheinung ist. Es ist halt die Norm, dass wir schlechte Trainer verpflichten.

Nur um das nochmal zu verdeutlichen: Hansi Flick hat in seinen 1 1/2 Jahren bei den Bayern mehr Titel gewonnen, als alle Nationaltrainer vorher zusammen. Das hält sogar, wenn man die Titel, die Franz Beckenbauer als Interimstrainer geholt hat, dazu zählt.

Aber ist Hansi Flick wirklich ein guter Trainer? Oder profitiert er nur davon, dass die Mannschaft keinen Bock mehr auf Niko Kovac hatte? Also das Phänomen "Dead Coach Bounce": Ein neuer Trainer muss nicht zwingend gut sein, um einen kurzfristigen positiven Effekt auszulösen. Er braucht nur eine Qualifikation: Dass er nicht mehr der Alte ist.

Wenn man Flicks Leistungen mal sachlich betrachtet... bleibt eine starke Leistung hängen: Er hat es geschafft, die Mannschaft perfekt auf das Top 8 Turnier in Lissabon einzustellen. Und gerade beim Viertelfinalgegner Barcelona zeigte sich ja, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Die Mannschaft auf genau diesen Punkt fit gemacht und richtig eingestellt zu haben, kann sich Flick ins Portfolio schreiben. Dass er dann auch davon profitiert hat, dass die Franzosen ihre Saison abgebrochen haben, sollte er lieber verschweigen.

Vor allem ist das eine super spezifische Leistung... die sich am ehesten als Nationaltrainer reproduzieren lässt. Aber es sagt halt wenig über seine tägliche Arbeit als Vereinstrainer aus. Und ja, als Bewerbung für den Posten als Löw-Nachfolger liest sich das super gut. Spontane These: Seine Arbeit als Nationaltrainer hat ihm bei den Finalturnier in der Champions League einen entscheidenden Vorteil gegenüber Thomas Tuchel gegeben, der diese Situation eben noch nie erlebt hat.

Aber was hat er in der täglichen Arbeit so geleistet? Nun ja, er hat die vorher aussortierten Thomas Müller und Jerome Boateng zu Stammspielern gemacht. Und genau genommen war es das schon. Es ist halt Müllers dunkles Geheimnis, dass jeder Trainer, der ihn aussortieren wollte, weil er vielleicht nicht mehr gut genug ist, hinterher postwendend die Kabine verloren hat. Also es ist schon faszinierend, dass sowohl Carlo Ancelotti als auch Kovac an derselben Personalie gescheitert sind: Sie wollten Müller zum Ergänzungsspieler machen. Und Pep Guardiola ist freiwillig gegangen, bevor das zum Problem wurde.

Auf die in der Kabine etablierten und vorher aussortierten Veteranen zu setzen ist jetzt aber kein brillanter Geniestreich... sondern DIE Standardzutat eines Dead Coach Bounce. Oder anders ausgedrückt: Niko Kovac hat erstmal genau dasselbe gemacht...

Und ja, Flick ist souverän Meister und Pokalsieger geworden. Und wird wieder Meister werden. Das sind halt Dinge, die man als Bayern Trainer kaum verhindern kann. Selbst Jogi Löw könnte das gelingen. Oder anders ausgedrückt: Niko Kovac hat das auch geschafft.

Aber, wenn man sich jetzt die Leistungen in dieser Saison kritisch hinterfragt... zeichnet sich ein dunkleres Bild. Klar, für die Meisterschaft in einer überforderten Liga wird es weiterhin reichen. Aber warum wird Flick nicht mal für das historische Aus gegen Holstein Kiel kritisiert? Dem ersten Ausscheiden gegen eine Unterklassige Mannschaft seit 2004. Und das Spiel gegen Kiel zeigt ja das eigentliche Problem der Bayern in dieser Saison sehr deutlich:

Selbst gegen einen Zweitligisten kassierte man 2 Gegentore. Nicht mal gegen unterklassige Gegner schaffte man es, souverän zu verteidigen. Und Flick hat es bis zu diesem Wochenende nicht geschafft, dieses strukturelle Problem zu lösen. Einfach mal ein stabileres, souveräneres System zu etablieren, welches dann vielleicht auch gegen Paris St. Germain mit Spielpraxis greift.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie mit Manuel Neuer den besten Torhüter der Welt in seinem Kasten hat. Der laut Kicker trotz (oder wegen?) der vielen Gegentore in der Hinrunde Weltklasse war. Man kann nur darüber spekulieren, wie viele Gegentore es gegeben hätte, wenn Alexander Nübel wirklich seine 10 versprochenen Spiele gemacht hätte.

Und das Spiel gegen Wolfsburg zeigt ja, dass es keinerlei Fortschritte gibt. Man ist immer noch an dem Punkt, dass ein 2:0 Vorsprung kein sicheres Ruhekissen ist. Auch wenn der Sportschau Kommentator mit seinem "Wirklich spannend wird es nach dem Spiel" Ansage die Zusammenfassung mal direkt ruiniert hat.

Dazu kommt, dass Robert Lewandowski eine selbst für ihn überragende Saison spielt. Also im Wesentlichen verlässt Flick sich auf seine 2 überragenden Akteure und hofft, dass die schon alles regeln... gönnt diesen Akteuren aber trotz deutlichen Vorsprüngen keine Verschnaufpausen. Und das, obwohl der Körper vom 3. überragenden Akteur Joshua Kimmich schon seine Ruhepause eingefordert hat.

Natürlich kann man jetzt behaupten, dass Lewandowski sich ja bei der Nationalmannschaft verletzt hat. Aber er hat sich halt auch direkt nach dem "Die 40 Tore knackt er auf jeden Fall" Statcurse von Serge Gnabry verletzt. Und es war bei dem Pensum auch eher die Frage ob als wann ihm was passiert. Es wäre eher eine Überraschung gewesen, wenn ein 32-jähriger dieses Pensum durchsteht, ohne auszufallen.

Vor allem wird Flick ja an jeder Stelle für seine Empathie gelobt. Aber anscheinend reichte diese Empathie nicht aus um Lewandowski so regelmäßige Pausen zu gönnen, dass Joshua Zirkzee bleiben will. Im Wesentlichen hat Flick seine Stars machen lassen, was sie wollen. Und so oft spielen lassen, wie sie wollten. Ein wirklich überragende Trainer hätte die Lewandowski-Zirkzee Situation so verwaltet, dass beide zufrieden sind. Und bei den endlosen Kantersiegen und 5 Wechseln hätte es ja genügend Möglichkeiten gegeben Lewandowski nach 70 Minuten vom Platz zu nehmen um ihn zu schonen und Zirkzee Spielpraxis zu geben. Als Empath sollte man das hinkriegen...

Aber das Entwickeln von Spielern stand nie auf Flicks Agenda. Es ist halt leichter sich über die Neuzugänge zu beschweren und sie links liegenzulassen, als sie zu fördern und zu integrieren. Aber als Vereinstrainer muss man halt auch das mal liefern.

Und die Bilanz bei der Spielerentwicklung... also nehmen wir hier mal den Spieler, der den größten Schritt nach vorne gemacht hat: Leon Goretzka. Der hat seinen entscheidenden körperlichen Entwicklungsschritt im Lockdown gemacht..., weil er selbstständig in dieser Zeit an seinem Körper gearbeitet hat. Aber mit Flick hatte das überraschend wenig zu tun. Eher im Gegenteil: Über einen Monat von Flick getrennt zu sein hat ihm sehr geholfen...

Auf der anderen Seite ist Alphonso Davies immer noch schnell. Aber auf Fortschritte beim Stellungsspiel wartet man seit einem Jahr vergebens. Sollte der von einem überragenden Trainer nicht mehr Hilfe bekommen? 

Vielleicht ist es für Jamal Musiala eine richtig gute Nachricht, dass er einen besseren Trainer bekommt... Und natürlich ist Musiala das eine Talent, welches unter Flick eine Entwicklung zeigt. Vielleicht ist der aber auch einfach so gut, dass ihm das selbst unter einem mäßigen Trainer gelingt.

Ich verweise hier auf Julian Brandt unter Heiko Herrlich bei Bayer Leverkusen: Nur weil sich eines deiner Talente halbwegs entwickelt, sollte man nicht ignorieren, dass all die anderen nicht vorankommen.

Und Zirkzee oder Jan-Fiete Arp haben halt nicht von Flick profitiert. Genauso wenig wie die Drittligameister aus der 2. Mannschaft, die man ja zumindest für die Kantersiege als Ergänzungsspieler einbauen könnte. Nennen wir mal demonstrativ Cuisance oder Richards als Beispiele für Junge Spieler, die schon vor Flick geflohen sind. 

Natürlich ist diese Darstellung überspitzt und einseitig. Aber genau so wird ja gerade an allen anderen Stellen über Hasan Salihamidciz berichtet, während die kritischen Stellen bei Flick komplett ausgeblendet werden. Dabei liegt die Wahrheit doch irgendwo in der Mitte. Und gerade die wacklige Defensive könnte man durchaus auch mal mit Flick in Verbindung bringen. Es ist schließlich seine Aufgabe ein stabiles System zu etablieren und daran scheitert er ganz offensichtlich... seit Monaten.

Und, wenn sich die Nagelsmann-Gerüchte bewahrheiten... sollte das Abstimmungsergebnis eindeutig in Richtung Brazzo ausschlagen. Denn dann findet man ein eindeutiges Upgrade auf der Trainerposition. Jemand, der defensive Stabilität und junge Talente entwickeln kann.

Mittwoch, 14. April 2021

Dass Hasan Salihamidzic jetzt der Idiot sein soll

Es ist echt faszinierend, wie schnell sich das Blatt in der Berichtserstattung und Wahrnehmung wendet. Und wie krass sich dann auf eine Seite geschlagen wird.

Also vor knapp 12 Monaten war Hasan Salihamidzic noch das Genie, dass Alphonso Davies entdeckt hat. Ein kanadisches Talent, um das die Bayern angeblich von ganz Europa beneidet werden... also, dass man einen derartigen Leistungsträger so günstig findet, ist schon außergewöhnlich.

Und er hat den Leroy Sané Transfer wesentlich günstiger hinbekommen, als viele erwartet haben. Auch wenn sein Transfersommer 2020 in der Summe natürlich eher dürftig aussieht. Man sollte aber auch an der Stelle bedenken, dass ein Transfersommer in Pandemiezeiten halt einfach komplizierter ist.

Also klar, für Hansi Flick ist es einfach die Verpflichtung von Dodo oder Serginio Best zu fordern. Der muss sich ja keine Gedanken darüber machen, wie diese Spieler finanziert werden. Aber Best ist halt am Ende zum FC Barcelona gewechselt... einem Verein, der derzeit so unseriös wirtschaftet, dass 20 Millionen Schulden mehr den Braten auch nicht mehr fett machen... der aber während der Pandemie auch kurz vorm Konkurs stand. Salihamidzic jetzt vorzuwerfen, dass er bei derartig unvernünftigen Aktionen nicht mitgeboten hat ist... nun ja... unvernünftig.

Wirklich albern wird es dann aber, wenn es um den Ersatzmann von Robert Lewandowski geht. Ernsthaft. Also erstens: Ein Angreifer, der in internationalen Topspielen einen Unterschied machen könnte, kostet selbst in der Pandemie mindestens 50 Millionen. Dieses Geld für einen Angreifer auszugeben, den man auf die Bank setzen will, ist schlicht Wahnsinn. Auch ohne Pandemie. In der Pandemie ist es einfach nicht vertretbar.

Dazu will Lewandowski ja bekannter Weise immer spielen, wenn er fit ist. Er hat ungefähr so viel Bock auf Rotation wie Manuel Neuer. Es ist eine Sache einen potenziell unzufrieden Ersatztorwart mit falschen Versprechungen ablösefrei zu ködern, um ihn dann auf die Bank zu setzen. Es ist etwas komplett anderes für so einen Spieler Millionen an Ablöse zu bezahlen...
 

Vielleicht sollte man all denjenigen, die jetzt einen würdigen Lewandowski Ersatz fordern, mal daran erinnern, dass der gerade Weltfußballer des Jahres geworden ist. Der kann also behaupten gerade der beste und wichtigste Spieler auf diesen Planeten zu sein. Natürlich ist das für uns Deutsche total ungewöhnlich, weil solche Preise normalerweise nicht in der Bundesliga spielen. Wir sind halt nur die Beste Liga, das bedeutet nicht, dass wir die besten Spieler haben. Aber, wenn man sich mal die anderen Weltfußballer der letzten Jahre anguckt...

Also wann immer ein Lionel Messi verletzt oder angeschlagen war, bekam der FC Barcelona auch extreme Probleme und schied zeitnah aus der Champions League aus... um hinterher darüber zu jammern, dass man Messis Ausfall nicht kompensieren kann. Daran hat sich bis heute, wo Messi minimal langsamer geworden ist, nichts geändert, weshalb Barca der internationalen Musik hinterherläuft, anstatt sie selber zu prägen.

Und natürlich war ein Cristiano Ronaldo sehr selten verletzt, aber Real Madrid versucht seit Jahren dessen Abgang irgendwie zu kompensieren... und selbst die kriegen das nicht hin. Aber Hasan werfen wir das jetzt vor... gute Idee.

Es ist nun mal unmöglich einen Spieler wie Lewandowski zu ersetzen. Warum wird dies also Salihamidzic vorgeworfen? Anstatt mal bei Hansi Flick nachzufragen, was eigentlich aus Jan Fiete Arp wird? Oder warum Joshua Zirkzee verkauft werden musste? Warum hat dieses Trainergenie es eigentlich nicht geschafft diese Talente in die Position zu bringen, dass sie Lewandowski zumindest in der Liga vertreten können? Und klar, auf den Ausgang eines Viertelfinales haben sie genau so viel Einfluss wie Eric-Maxim Choupo-Moting: mit viel Glück macht er das entscheidende Tor, es ist aber eher unwahrscheinlich, dass er in 2 Spielen genügend Tore zum Weiterkommen erzielt. Aber bei Choupo-Moting mit seinen 32 Jahren kann man das nicht mehr als wichtige Erfahrung, die er als junger Spieler mal machen muss, einordnen... Dadurch würde das Ausscheiden dann zu einer reinen und schmerzhaften Zeitverschwendung verkommen.

Nur um mal zu verdeutlichen, dass man das Narrativ durchaus so drehen könnte, dass Flick der Vollpfosten ist. Und praktisch haben beide zusammen den Champions League Sieg errungen. Weil halt Salihamidzic mit dem Kader das Fundament gelegt hat. Und ich habe "Brazzo" ja auch zunächst belächelt, aber der Davies Transfer ist halt schon eine Ansage. Und die soll auf seinem Mist gewachsen sein. Jetzt haben die beiden leitenden Angestellten ein persönliches Problem miteinander. So was kommt vor, es sei an der Stelle demonstrativ Slomka und Schmadkte erwähnt, die in Hannover brillante Arbeit ablieferten, sich deswegen aber trotzdem nicht ausstehen konnten. Für die Bayern ist das eine bescheidene Situation, weil sie sich am Ende eventuell für einen der Beiden entscheiden müssen... Am Ende ist es wahrscheinlich einfacher einen guten Trainer zu finden als einen brauchbaren Manager. Obwohl... Adi Hütter hat schon unterschrieben, Fredi Bobic noch nicht... vielleicht wird der Hütter seine Unterschrift noch bereuen, wenn plötzlich ein Posten in München frei wird...

Aber im öffentlichen Narrativ ist ja Salihamidzic der einfach zu Ersetzende. Das hat zumindest Lothar Matthäus so gesagt, und wenn einer Ahnung davon hat, wie ein Bundesligist geführt wird, dann ist es Loddar...

Meine ganz persönliche Hoffnung ist ja, dass die Bayern einem Positionstausch von Löw und Flick zustimmen. Das wäre einfach zu großartig... Wird aber nicht passieren, solange Thomas Müller in der Kabine Einfluss nimmt. Schade eigentlich...

Donnerstag, 14. Januar 2021

Endlich ein Grund für Hoffnung?

 Vielleicht wird es ja dieses Mal was. Also vielleicht gibt es diese Saison zumindest ein spannendes Saisonfinale...

Ich muss ja zugeben: Ob die Bayern am Ende Meister werden oder nicht, ist mir relativ egal. Es wäre aber schön, wenn man der Titel nicht schon nach 25 Spieltagen quasi fest steht. Und dann irgendwann am 30. endgültig festgezurrt wird. Ein Traum wäre natürlich eine Entscheidung zum Saisonfinale.

Wobei mir gerade bewusst wird, dass Dortmund am 34. Spieltag der 2018/19 Saison hätte Meister werden können... Und zur Pause lagen die Bayern "nur" 1:0 vorne... das dürfte das spannendste Saisonfinale des gesamten Jahrzehnts gewesen sein. Aber die Dominanz der Bayern ist im Großen und Ganzen so erdrückend, dass von diesem "Finale" wenig hängen geblieben ist.

Aber zum eigentlichen: Gibt es berechtigte Hoffnung, dass die Bayern jetzt wirklich Probleme bekommen, weil sie zum ersten Mal seit 2004 bei einem Zweitligisten verloren haben? Also historisch gesehen müsse Werder Bremen jetzt Meister werden. Denn genau das geschah das letzte Mal, als dieses Szenario eintrat. Und weil das nicht reicht: Auch 1992/93 schieden die Bayern in der 2. Runde des DFB Pokals aus... im Elfmeterschießen... und Meister wurde Werder Bremen. Und 1988 stand es nach 120 Minuten gegen Borussia Mönchengladbach 2:2. Elfmeterschießen gab es damals anscheinend noch nicht aber Meister wurde, ihr habt es erraten, Werder Bremen. Die können das Meister-Merch schon mal vorbestellen. 

Aber sachlich gesehen stehen die Bayern jetzt besser da als in den letzten beiden Jahren. Und da wurden sie am Ende auch souverän Meister. Und es ist ja nicht so, dass der Spielplan der anderen wirklich entspannter ist.

Gerade wenn ich mir RB Leipzig angucke, denke ich jedes Mal: Die betreiben viel zu viel Aufwand um die Spiele dann gerade so 1:0 zu gewinnen. Also der Kicker drückt das mit einer Chancenverwertung von 25% aus. Gut genug für Platz 15 in der Bundesliga. (Fun Fact: Die Chancentabelle, auf die sich der Kicker beruft, findet man natürlich nicht Online. Aber eine lustige Slideshow von 2016. War ja auch mal wieder Zeit, dass man irgendwas Einfaches bei Kicker.de nicht findet...) Und es ist ja nicht davon auszugehen, dass Yussuf Poulsen zu einem eiskalten Vollstrecker wird. Ich bin ja irgendwie davon überzeugt, dass Poulsen der Thomas Müller der Leipziger ist: Also der ist halt da, weil er schon immer da ist und deswegen in der Kabine wichtig... aber auf dem Platz sollte man ihn vielleicht mal ersetzen. Vielleicht verfasse ich dazu mal einen vollständigen Artikel. Aber es fehlt halt ganz vorne noch der letzte Funken Vollstrecker-Qualität, die dann auch dazu führt, dass man regelmäßig ab Minute 60 in den Verwalten-Modus wechseln kann.

Dortmund liegt halt trotz der Schwächephase des Rekordmeisters 5 Punkte hinter dem Tabellenführer. Das sind immer noch die Dortmunder, denen 9 Punkte Vorsprung nicht gereicht hat. So schnell kriegt man den Favre Einfluss nicht aus dieser Mannschaft heraus.

Und Bayer Leverkusen? Ähm... dann doch eher Werder. 

Die Konkurrenz mach also nur wenig Hoffnung. Also die hätten ja vor allem die Schwächephase auch ausnutzen müssen, haben es aber nicht getan. Und praktisch gesehen ist das Ausscheiden im Pokal für die Meisterschaftsambitionen ja etwas Gutes. Schließlich hat man jetzt 3 eigentlich fest verplante Termine, in die man jetzt Trainingseinheiten legen kann. Also ja: Je früher die Bayern aus den anderen Wettbewerben ausscheiden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Meister werden.

Aber genau genommen wird diese Meisterschaft woanders entschieden: auf der Trainerbank. Also genau jetzt werden wir herausbekommen, ob Hansi Flick wirklich ein Guter Trainer ist, oder nur von einem historisch einzigartigen Dead Coach Bounce profitiert. 

Also ganz nüchtern betrachtet hat Hansi Flick, nachdem er das Ruder übernommen hat, ja 2 Dinge geändert: Er hat Jerome Boateng und Thomas Müller zurück in die Stammformation befördert. Gerade durch Müller hat er dann die Kabine auf seine Seite gezogen. Und der Rest regelte sich dann zumindest in der Liga wie immer von alleine. Und dann, Ehre wem Ehre gebührt, die Mannschaft fürs Finalturnier fit und motivert zu bekommen. Gerade bei Barcelona hat man gesehen, dass dies keien Selbstverständlichkeit ist. 

Aber jetzt muss Flick halt etwas machen, was er bisher kaum nötig hatte: richtige Trainerarbeit. Also er muss selber die Neuzugänge, von denen keiner so richtig zündet, in diese Mannschaft integrieren. Und dafür sorgen, dass sie zumindest so gut sind, dass es für Holstein Kiel reicht. Oder für den Rest der Liga. Damit die wirklichen Leistungsträger ihre Ruhepausen bekommen können.

Er muss auch dringend dafür sorgen, dass Leroy Sané sich zurechtfindet. Und ja, das ist die Aufgabe eines Trainers. Dazu muss er ein Verteidigungskonzept entwickeln, welches seine überspielten Stars auf dem Rasen umsetzen können. Das kann Joshua Kimmich nicht alleine regeln. Ok, ich gehe davon aus, dass Kimmich das regeln wird. 

Das Ganze ist nebenbei in einem etwas größeren Rahmen wirklich interessant. Also bei der großen "Die Bayern gewinnen dieses Jahr alle Titel" Gala wurde ja die Frage in den Raum gestellt, wie es denn sein kann, dass Hansi "Ich war im Sommer noch nicht mal leitender Angestellter" Flick nicht Trainer des Jahres werden konnte. Sondern ein gewisser Jürgen Klopp. Der hat doch "nur und ausschließlich" die Premiere League gewonnen. Das kann doch nicht mehr wert sein, als all die Titel die Flick geholt hat.

Nun ja. Bei genauerer Betrachtung hat Klopp viel mehr vollbracht. Dafür muss man den Fokus allerdings etwas weiter stellen: Also bereits 2019 hat Klopp mit Liverpool historisches geschafft: Champions League Sieger und 97 Punkte in der definitiv besten Liga der Welt geholt. Und dann schaffte er es den großen Leistungsabfall trotz überspielten Kader mit Klub-WM Teilnahme und Corona Pause die Leistung in der Liga nochmal zu toppen. Wie Klopp es geschafft hat die Gier und den Einsatz bei Liverpool hochzuhalten, ist eine beeindruckende Trainerleistung. Und Hansi Flick zeigt ja gerade, wie schwierig es ist dies zu tun. 

Und das ist auch kein Vorwurf an Flick. Es haben genügend andere auch durchaus fähige Trainer dieselben Probleme. Aber hinterher so zu tun, als hätte der Klopp letztes Jahr nichts geleistet...

Natürlich kann man jetzt Klopp vorwerfen, dass seine Stürmer bei diesem einen absurden Heimspiel gegen Altetico Madrid absurden Chancenwucher betrieben haben... Und deswegen trotz 34:10 Torschüssen nach Verlängerung ausgeschieden ist. Aber das war echt das einzige relevante Spiel, in dem Liverpool über 2 Jahre hinweg nicht die notwendige Leistung gezeigt hat. Aber ein derart pervers hohes Niveau über 2 Jahre zu halten, ist schon einzigartig. Also selbst Pep Guardiolas Ensemble hat 18 Punkte weniger geholt.

Wenn Flick jedenfalls wirklich so gut ist, dass er ein ernsthafter Kandidat für den Titel "Bester Trainer der Welt" ist, korrigiert er den Kurs und führt die Bayern souverän zur nächsten Meisterschaft. Ob er das ist, werden wir in den nächsten 8 Wochen herauskriegen.

Dienstag, 12. November 2013

Who watches the Watchmen?

Hey, Oliver Bierhoff liefert mir mit seiner "Die Nationalelf ist quais die 4. Macht im Staat" Aussage quasi die Vorlage... Und für diejenigen, die Watchmen nicht gesehen (oder gar gelesen haben): Die Vierte Macht im Staat sind quasi die Superhelden... und unsere Superhelden sind nun mal unsere Nationalspieler... Wer sonst könnte in (den richtigen) 90 Minuten ein Wirtschaftswunder auslösen? Denn wenn unsere Nationalmannschaft erfolgreich ist, geht es uns gut. Das war schon zu Adolfs Zeiten so... ok, nicht ganz, aber fast.

Nun haben die Verantwortlichen für diese 4. Macht gerade quasi komplett ihre Verträge verlängert... Wie viel Sinn das macht, wenn jetzt schon spekuliert wird, ob Jogi Löw nach einem Triumph zurücktreten und bei Misserfolg entlassen wid... könnte man mal durchdenken... denn genau genommen gibt es in diesem Turnier nur Titel oder Musserfolg... die Deutsche Mannschaft ist halt so gut besetzt, dass es dazwischen wenige Optionen gibt...

Aber hey, um die Vertragsverlängerungen soll es heute noch gar nicht gehen... sondern um die Beförderung von Hansi Flick zum Sportdirektor nach der WM... denn wer kontrolliert jetzt eigentlich unseren Bundestrainer?

Dass unsere Präsidenten sich seit Jahren nur an dem (zugegebener Maßen) tollen Fußball berauschen ist keine Neuigkeit... die fehlenden Titel werden sie aber auch nach der WM immer noch nicht mit dem Trainer in Verbindung bringen...

Wenn es in den letzten 8 Jahren Widerstand gab, dann vom Sportdirektor... und beide haben im Endeffekt entnervt aufgegeben, nach dem sie grundlegende Arbeitsweisen von Jogi hinterfragt haben... da aber nicht wirklich weit mit kamen...

Dass ein Matthias Sammer die Füße nicht still halten würde und sich mit einem belanglosen Schreibtisch-Job zufrieden geben würde, war ja allen immer klar... ursprünglich dachte man, Sammer bringe sich als Nachfolger Löws in Position... ich persönlich glaube ja, dass Sammer selber erkannt hat, dass er für die tägliche Arbeit als Trainer von sich und seinen Spielern einfach zu viel verlangt... es kann kein Zufall sein, dass sowohl seine Karriere als auch seine Trainertätigkeit immer wieder von verletzungsbedingten Ausfällen geprägt war... Aber als er gemerkt hat, dass seine Anstöße bei der Nationalmannschaft im wesentlichen ignoriert werden, traf er halt bei einem Uli Hoeneß auf offene Ohren... auch dort gibt es jede Menge Reibungen, aber Sammer wird nicht einfach ignoriert und die Bayern sind besser als je zuvor...

Aber wenn es nur der Sammer wäre... wenn aber selbst ein sachlicher Analyst wie Robin Dutt nach dem ersten großen Turnier feststellt, dass er als Sportdirektor nichts bewegen kann... und dann lieber ins triste Bremen wechselt... kann das kein gutes Zeichen sein...

Aber jetzt macht es ja Hansi Flick... Und damit dürfte zumindest Öffentlich jegliche Kritik und Gegenbewegung zu Löw gestorben sein... dabei will ich gar nicht in Frage stellen, dass Flick intern einen Löw kritisch beraten hat kann wird und soll... er ist schließlich der Co-Trainer... Aber dass er, der seine gesamte Karriere und seinen Ruf Jogi Löw verdankt, auf ein Mal diesen öffentlich kritisch hinterfragen wird... Und, wenn wir zum 5. Mal in Folge ohne erkennbare Fortschritte an Spanien oder Italien scheitern sollten, der Mann ist, der Löw dann entlässt... das glaubt doch keiner... Im Gegenteil, Löw hat sich des letzten offensichtlichen Gegenwindes erledigt... Ein Matthias Sammer wird bezweifeln, dass man in diesem Umfeld die bestmögliche Leistung abrufen kann... aber hey, tun wir kurz so, als hätte der Ahnung vom Sportdirektor sein...