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Montag, 24. April 2023

Es ist schon absurd

 Wie katastrophal sich die Bayern präsentieren. Also auf allen Ebenen. Mittlerweile lässt sich ja selbst Yann Sommer von der allgemeinen Verunsicherung anstecken und winkt einen "Den hätte Neuer während der WM auch kassiert" Ball durch. Plötzlich diskutieren die tatsächlich über einen Wechsel zu Sven Ullreich, als wenn Sommer das Problem wäre.

Das Problem ist doch eher, dass niemand Sommer geschützt hat, als völlig unmotiviert auf den eingeprügelt wurde.

Thomas Tuchel als angebliches Trainer Upgrade wirkt nach 3 1/2 Wochen völlig ratlos. Und vor allem wirkt er so, als bräuchte er dringend ein Sabbatjahr: 3 Jahre ausgebrannt

Und am schlimmsten ist ja der Vorstand. Also allein schon deren Körpersprache. Da sitzen Herthas Vorstandsvorsitzender souveräner auf der Bank, und für den geht es wirklich um alles. Wenn man sich Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić so anguckt, könnte man denken, dass die Bayern in einer wirklich bedrohlichen Lage sind. Dass der Verein pleite geht, wenn sie nicht Meister werden. Dass Kahn dann von einer "Katastrophe" spricht, falls man nicht Meister wird, hilft auch nicht wirklich.

Vielleicht sollte man Kahn mal über den Sudan mit einem Fallschirm abspringen lassen, dann merkt wer, was wirkliche Katastrophen sind. Oder im Jemen. Oder in der Ukraine. Oder, oder, oder. Es gibt genügend wirkliche Katastrophen.

Und auch sportlich... das muss man nochmal so festhalten: 99 % aller Vereine der Welt würden liebend gerne mit den Bayern tauschen. Auch in dieser Saison. Sie haben immer noch die Qualifikation für die Champions League sicher, sitzen also weiterhin an den großen Fleischtöpfen. Sie sind in den letzten 20 Jahren nur 2 Mal nicht mindestens 2. geworden. In diesen 20 Jahren war man ebenfalls immer mindestens im Achtelfinale der Champions League. In 9 der letzten 10 Jahre stand man dort im Viertelfinale

Dazu steht man, im Gegensatz zur direkten Konkurrenz um den Champions League, finanziell auf gesunden Beinen. Einzig Manchester City und Real Madrid können eine ähnliche Bilanz vorweisen. Da erdreistet man sich von einer Katastrophe zu sprechen, weil man vielleicht ein Jahr lang seinen Briefkopf nicht ändern muss? Da wäre zum ersten Mal seit 2011 der Fall. Welch ein Elend.

Die einzige wirkliche Katastrophe ist ja der Fakt, dass Olli und Hasan diese Situation, mit ihrer absolut unmotivierten Trainerentlassung diese Situation selber herbeigeführt haben. Ihre eigene Panik hat die Problematik zumindest verstärkt. Und man schafft es halt auch nicht, das Erreichen des Viertelfinales als Erfolg zu verkaufen. Dabei ist es genau das. Das ist aber auch das Grundproblem der Bayern. Sie können sich öffentlich schlecht damit zufriedengeben, was sie diese Saison international erreicht haben. Theoretisch sollte jede Saison, in der man unter den besten 8 Europas war und sich wieder souverän für die Champions League qualifiziert, als solide bezeichnen. Und wenn man das ändern will, dann muss man halt seine Vereinspolitik ändern und mehr ins Risiko gehen.

Als die Bayern das letzte Mal vor dieser "Wahl" standen, haben sie ja genau das gemacht und damals gigantische 40 Millionen für Javi Martinez ausgegeben. Mittlerweile würde so ein Spieler halt 80 Millionen kosten und für den ordentlichen Angreifer, den man auch noch braucht, gibt man 100 Millionen aus.

Und ja, die Bayern müssen diese Spieler kaufen, denn ihre eigene Aus- und Weiterbildung läuft seit Jahren bescheiden. Man kann nicht darauf setzen, dass man selber einen Jan Fiete Arp zur Weltklasse entwickelt... um die drastischste Enttäuschung zu nennen. Da dies aber weder Flick, noch Nagelsmann oder Kovac hinbekommen haben, kann man dies nur bedingt Salihamidžić vorwerfen. Also da muss man halt mal die grundlegenden Probleme hinterfragen.

Nebenbei wird ja dem Manager mittlerweile auch gerne vorgeworfen, dass er schon 500 Millionen in den Kader investiert hat, man dies aber nicht sieht. Besser geworden ist der halt nicht. Und da sind wir wieder bei dem Anspruchsdenken. Denn das Problem ist halt: Er hat auch 300 Millionen an Transfererlösen erzielt. Und wenn man derzeit am Ende 200 Millionen Euro in Ablöse investiert, ist das halt mehr eine Instandhaltung... Also um das mal zu verdeutlichen: Manchester City hat im selben Zeitraum 1 Milliarde Euro in Ablösen gesteckt und etwas unter 500 Millionen Verlust gemacht. Real Madrid ist trotz einiger brillanter ablösefreier Transfers bei 640 Millionen Euro an Ablösen. Barcelona ist zwar angeblich pleite, steckte aber trotzdem auch über 1 Milliarde Euro in seinen Kader. Chelseas aktuelle Transferbilanz für diese Saison liegt bei -543 Millionen.

Das sind die Vereine, mit denen sich die Bayern sportlich messen wollen. Wenn sie das wirklich vorhaben, müssen sie auch entsprechend investieren. Oder sie sehen ein, dass dies wahnsinnig ist, dann müssen sie halt auch zugeben, dass das regelmäßige Erreichen des Viertelfinales ein echter und respektabler Erfolg ist. Das können sie aber anscheinend nicht. 

Nebenbei muss man da dann nochmal auf die Fans und ihre "Ziele dürfen verfehlt werden" Plakates ansprechen. Die schreiben danach nämlich irgendwas von Werten, was ich bei den Bayern immer wieder lustig finde. Schließlich sind Titel das einzige, was es von Wert bei diesem Verein gibt. 

Also klar, Uli Hoeneß und Karlheinz Rummenigge haben sich immer so aufgeführt, als hätte der Verein irgendwelche anderen Maßstäbe. Aber am Ende ging es immer nur darum, Titel für die Bayern zu holen. Wenn man dafür nebenbei die Seele an den Katar verkaufen muss und dadurch dabei mithilft, die WM in den Winter zu verlegen... dann ist das halt so. Und wenn man dann einen da schon leicht senilen Franz Beckenbauer vor Ort nach Sklaven suchen lassen muss. Ich finde es immer niedlich, wenn diese Erfolgsfans irgendwas von Werten schwadronieren.

Montag, 24. Oktober 2022

Haben die Bayern sich ihre Probleme selber erschaffen?

 Also ja, haben sie. Offensichtlich. Ich finde es aber immer noch faszinierend, wie Vereine freiwillig ihre Saison und die Chance auf einen Champions League Titel sabotieren, weil sie im Sommer irgendwo auf der Welt Märkte erschließen wollen. Weil sie unbedingt Freundschaftsspiele in Washington D.C. austragen müssen.

Nebenbei frage ich mich, ab wann Trainer und Spieler, die ja ständig über eine zu hohe Belastung jammern, solche Trips boykottieren. Und ob sie dann auch gewillt sind, dafür auf Gehälter zu verzichten. Aber das formuliere ich irgendwann mal aus.

Jetzt mal zunächst die Bayern: Die hatten im Sommer ein richtig großes Problem: Ihr offensiver Fixpunkt wollte weg. Robert Lewandowski wollte sich halt unbedingt den Lebenstraum Spanien erfüllen, da war es ihm am Ende sogar egal, dass es gar nicht Real wurde. 

Das ganze Spiel war aber jahrelang auf Lewandowski ausgerichtet. Der Mann sorgt ganz alleine dafür, dass Thomas Müller wie ein richtig guter Offensivspieler aussah. Seitdem Lewy aber keinen Bock mehr hat, geht auch bei Müller weniger. Also klar, auf den ersten Blick sieht das alles noch grandios aus. Die meisten Spieler würden für 7 Scorerpunkte in 8 Spielen ihre Seeler verkaufen. Aber diese Punkte wurden halt explizit gegen Gegner gesammelt, die sich explizit nicht gewehrt haben: Frankfurt, Wolfsburg, Bochum und Leverkusen. In den engen Spielen war Müller weitestgehend unsichtbar. In der Champions League hat er auch nur gegen Pilsen und nicht gegen Barca oder Inter ein Tor erzielt.

Dass es gerade für ihn schwieriger werden würde, war ja abzusehen, schließlich kann man an seiner Länderspielkarriere sehr gut abschätzen, wie seine Leistungskurve abfällt, wenn er keinen klassischen Mittelstürmer mehr um sich herum hat.

Das ist auch dieses Mal kein Vorwurf an Müller. Aber es wurde mittlerweile im Rahmen der Länderspiele offen darüber geredet, ob der eigentlich noch gesetzt sein muss. Das wollte ich doch gar nicht, der muss bei der WM auf jeden Fall spielen. Also für mein Tippspiel, in dem Deutschland nicht Weltmeister wird.

Aber Müller ist halt definitiv derjenige, dessen Arbeitsplatz sich durch den Abgang des Weltklasse-Stürmers am deutlichsten verändert hat. Und er hatte halt auch wenig Zeit, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen.

Denn an der Stelle muss man festhalten: Hasan Salihamidžić Plan in diesem Sommer war richtig gut. Also er hat den einen Weltklasse-Stürmer durch einen anderen ersetzt. Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass man Lewandowski durch Sadio Mané ersetzt wird, hätte ich den für bekloppt gehalten: Solche Spieler wechseln doch nicht in die Bundesliga!

Aber wenn Erling Haaland und Romelu Lukaku (beide haben formell gesehen diesen Sommer die Trikots gewechselt, deswegen erwähne ich sie und Harry Kane nicht) keine Optionen waren, dann ist Mané der beste Mann, den man verpflichten konnte.

Das Problem ist halt, dass dieser Spieler eine ganz andere Anlage hat, als Lewandowski. Was nichts an sich Schlechtes sein muss. Nur hat man leider darauf verzichtet, diese Spielweise in sein System zu integrieren. Da sind wir wieder bei dem ursprünglichen Problem: Man bevorzugte es im Sommer in der Weltgeschichte herumzureisen.

Was bei Mané nochmal doppelt schlimm war, weil er noch mal fix nach Marokko düsen musste, um eine persönliche Ehrung entgegenzunehmen. So kommt er dann auf 18.000 Kilometer. Jetlag inklusive.

Es ist an sich schon Wahnsinn im dank Coronaverschiebungen und Winter-WM noch enger gestrickten Terminkalender solche Reisen zu planen. Und ja, die 9 Wochen, in denen der Ball komplett ruhen musste, wirken immer noch nach, weil niemand auf Ansetzungen verzichten wollte und der Ball sonst nie 9 Wochen ruht. Aber wenn man dann noch den wichtigsten Spieler, auf dem die ganze Vorbereitung ausgerichtet sein sollte, lieber in ein Flugzeug setzt, als auf den Trainingsplatz zu stellen, ist man irgendwie auch selber Schuld.

Das Hauptproblem ist halt, dass Mané nicht so wirklich in die neue Mannschaft integriert ist, was, wie dargestellt, erwartbar war.Julian Nagelsmann weist jetzt schon darauf hin, dass es nicht wirklich besser werden wird, weil ja praktisch gar nicht trainiert, sondern nur regeneriert, wird.

Man stelle sich ein kurzes Altenativszenario vor, in dem die Bayern in diesem Sommer in der Heimat bleiben. Oder zumindest in derselben Zeitzone. Und in der Mané, selbst wenn er nach Marokko reist, keinen Jetlag bekommt und nur 5.200 km fliegen muss. Man hätte wesentlich mehr trainieren und damit viele Probleme lösen können.

Nebenbei dürften diese Probleme im Winter nur noch schlimmer werden, wenn sie dann den Großteil ihres Kaders nach Katar schicken werden, während Union Berlin nur Genki Haraguchi abstellen muss. Die Unioner dürften also zunächst mal die erste richtige Pause seit Pandemiebeginn genießen und können sich danach dann geschlossen und zielgerichtet auf die Rückrunde vorbereiten. Der SC Freiburg dürfte einen ähnlichen Wettbewerbsvorteil genießen. Die Chancen auf eine Sensationsmeisterschaft stünden noch nie so gut.

Aber hier ist das Problem: Die Bayern haben mit Eric Maxim Coupo-Moting doch eine Problemlösung in ihrem Kader. Und ja, die ersten Komiker fragen schon, ob Lewy den die ganzen Jahre nur aufgehalten. Hat er definitiv. Als der Deutsch-Kameruner hätte mit einem Stammplatz bestimmt 24 Tore pro Jahr erzielt.

Für die Bundesliga reicht dessen Niveau vollkommen aus. Und mit ihm als Mittelstürmer kann man auf die alten, antrainierten Verhaltensmuster zurückgreifen. Das wird reichen, um Meister zu werden. Man muss sich nur damit zufriedengeben, dass dies zu mit einem "frühen Ausscheiden" in der Champions League führen dürfte.

Denn sein wir mal ganz kurz ehrlich: Manchester City, Liverpool, Chelsea, Paris St. Germain und Real Madrid haben keine Angst vor Coupo-Moting. In diese Duelle mit einem 33-Jährigen eh auf diesem Niveau an seine Grenzen stoßenden Müller und einem guten Bundesligaangreifer zu gehen, ist sehr sehr naiv. Aber den Bayern geht es doch darum, sich mit diesen Mannschaften zu messen.

Nun wird dieser Champions League Sommer sowieso der extreme Wahnsinn und wahrscheinlich dadurch entschieden, welche Mannschaft die wenigsten Halbfinalteilnehmer im Dezember stellt. Was dann wieder den Bayern zugutekommen dürfte. Aber wenn es am Ende nicht reicht, weil Mané immer noch nicht richtig integriert ist, werden die Bayern nur auf die WM fluchen. Das ist halt viel einfacher, als die eigene Sommerplanung zu hinterfragen. Aber wenn man die Lage selbstkritisch analysieren würde, könnte man genau da anfangen.

Montag, 23. Mai 2022

Worst of des "Es gibt keinen Fußballgott... aber Pyrotechnik hilft" DFB Pokalfinales

 Machen wir uns nichts vor, der Gottesgegenbeweis ist durch. Also wenn es einen Fußballgott geben würde, springt der Ball von der Latte ins Tor und nicht raus. Und wir reden hier nicht mal über den Elfmeter, sondern über die 2 Alutreffer von Janik Haberer in der Verlängerung. Aber am Ende war das Aluminium halt auf der Seite des Dosenclubs... Wer hätte das gedacht.

Aber noch viel wichtiger: Pyrotechnik wirkt. Also eigentlich wollte ich ja schreiben, dass direkt nach dem ersten Böller Wurf der RB "Vereinsgeschichte"... dann musste ich aber gerade feststellen: War gar nicht das erste Mal... Hätten die Freiburg-Fans das vorher gewusst, hätten sie doch auch für gemeinsames Merch gestimmt. Das sind ja doch richtige Fans...

Aber nur um das festzuhalten: 5 Minuten, nachdem es in RB Block kurz knallte, erzielte die bis dahin ziemlich uninspirierte Mannschaft den Ausgleich... Man muss anscheinend nur die richtigen Trigger setzen.

Nur schade, dass sich die Öffentlichkeit eher darauf fokussiert, dass Heidi Klum und Bill Kaulitz als RB Fans im Stadion waren... Da wurde aus Kicker.de dann ganz kurz die Bunte... und als hätten die RB Fans nicht eh schon mit genügend Vorurteilen zu kämpfen, man muss da echt keine künstlichen Feindbilder aufbauen.

Nebenbei, Random Story Time, war es voll schön, wie sich die RB Fans Samstag Nacht um 2 ihre Innenstadt zurückgeholt haben. Also nicht von den Lok und Chemie Fans, die sind im großen Stadtbild egal. Aber es war halt Rammstein in der Stadt. Und es war schon faszinierend, wie diese Band 2 Tage lang das Stadtbild geprägt hat, weil man echt überall Leute mit entsprechendem Merch gesehen hat. Auch wenn man sich überhaupt nicht für diese Band interessiert, war es nicht zu ignorieren, dass die in der Stadt waren...

Aber ja, als ganz neutrale Beobachtung: Mittlerweile merkt man es in der Stadt, wenn RB spielt, denn dann prägen deren Farben die Innenstadt. Das war vor der Pandemie noch nicht so. Also das sollte man immer bedenken, wenn jemand sagt "Das nimmt doch keiner an, die haben doch gar keine Fans"...

Damit sollten wir uns um die eigentliche tragische Figur dieses Pokalfinales kommen: Nico Schlotterbeck. Das war realistisch gesehen seine letzte große Titelchance, die dann im Elfmeterschießen abzugeben, nachdem man eine Stunde lang in Überzahl gespielt hat, ist schon bitter. Aber vielleicht sind die Bayern ja gnädig und erlösen ihn in 3 Jahren...

Und sonst so? Was macht der Rest der Liga...

Nun ja, Hasan Salihamidžić lernt gerade die wichtige Lektion, dass Vertrauensperson seiner Spieler beleidigen nicht unbedingt eine hilfreiche Verhandlungstaktik ist. Wer hätte das gedacht? Es bringt dir gar nichts, wenn dein Verhandlungspartner jetzt gar nicht mehr mit dir reden will.

Aber hey, immerhin das "Wir reagieren wie ein Kind in der Pubertät, wenn uns jemand verlassen will" Prinzip hat Hasan vom Großmeister Uli Hoeneß gelernt. Da zeigt sich aber auch wieder wunderbar die Doppelmoral. Also wenn ein Berater seinem Klienten den Kopf in Richtung Bayern verdreht und ihm sagt: Du musst da unbedingt hin... auch wenn du nur Jan Fiete Arp bist. Oder Marcel Sabitzer... Also sowohl bei jungen Talenten, für die der Schritt viel zu früh kommt, als auch bei Ergänzungsspielern, die bei der Konkurrenz wesentlich wichtigere Rollen übernehmen würden, ist es richtig und vernünftig, wenn die Berater ihnen den Kopf verdreht. Aber wehe irgendein Berater kommt auf die Idee, dass man woanders hin wechsel könnte... das geht gar nicht. Das dürfen nur die Bayern.

 

Beim Rest der Liga setzt derweil schon wieder die große Trainerrotation ein. Gefühlt ist ja Pellegrino Matarazzo der einzige Trainer, der keinen Titel geholt hat und trotzdem bleiben durfte. Ich frage mich ja echt, inwieweit die allgemeine Panik auf die Borussia übergegriffen hat. Also die haben ja technisch gesehen 2 Probleme:

1.) Sie haben mit Edin Terzic einen dieser Kandidaten in der Hinterhand, der für alle Trainer suchenden Manager interessant ist. Also wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass Jörg Schmadtke bei Terciz angerufen hat, der dann Sebastian Kehl informiert hat und Kehl dann Marco Rose sofort zur Saisonanalyse gebeten hat... Und Terzic freundlich darum gebeten hat, noch 6 Stunden mit einer Antwort zu warten. 

2.) Wenn das mit Rose in der nächsten Saison nicht besser wird, ist Florian Kohfeldt plötzlich verfügbar... und dann redet man sich doch irgendwie ein, dass er ja das eine Jahr in Bremen ganz gute Arbeit gemacht hat... und Max Kruse kann man ja im Winter auch noch verpflichten... das wird schon all unsere Probleme lösen.

Und ja, das Worst-Case-Szenario ist, dass Terciz doch nur der nächste Kohfeldt ist und nur diese eine gute Saison im Tank hatte. Aber zum einen... hat man dann nicht das Original verpflichtet. Und zum anderen bedeutet dieses "Worst-Case-Szenario" sachlich gesehen immer noch, dass man unter den Top 4 landet, weil der Abstand zur Konkurrenz jenseits von RB und den Bayern so groß ist, dass selbst Kohfeldt die in die Champions League führen könnte. 

Und wenn das halt nicht klappt und Terciz nicht alle Probleme löst... dann holt man sich halt nächste Saison entweder Steffen Baumgart oder Bo Svensson. Oder aber die Terciz Geschichte funkioniert wirklich, und die beiden müssen sich einen anderen Karriereweg überlegen...

Donnerstag, 6. Mai 2021

Der Nächste Punktsieg für Salihamidzic

 Für den er auch wieder keinen Applaus bekommt. Aber still und heimlich. Also eigentlich.

DIE BAYERN KAUFEN DIE BUNDESLIGA KAPUTT!!!!1ELF!!!

Sein wir mal ganz kurz ehrlich: Es gab ein realistisches Szenario, wie die Vormachtstellung der Bayern aufgebrochen wird: Julian Nagelsmann formt mit ordentlichen finanziellen Mitteln eine Mannschaft, die ein wirklicher Herausforderer wird. Denn Nagelsmann macht seine Spieler offensichtlich besser. Nicht alle und nicht sofort, (siehe Hee-chan Hwang), aber doch meistens und nachhaltig. 

Also ich habe echt nicht verstanden, warum RB Leipzig ernsthaft darüber nachgedacht hat, Hwang zu verleihen, wenn es nichts Ungewöhnliches ist, dass junge Talente eine gewisse Anlaufzeit unter Nagelsmann brauchen UND sein Jahr in besonderen Maßen durch Covid ruiniert wurde. Da wäre meine Reaktion doch ein "Lasst den Jungen erst Mal eine ordentliche, komplette Vorbereitung unter Nagelsmann machen"...

Aber zurück zum Thema. Wenn Nagelsmann in Leipzig geblieben wäre, wäre er trotzdem vor 2025 ein Mal Meister geworden. Mindestens. Und das, ohne dass die Bayern großartig einbrechen würden. Auch wenn RB weiterhin 2 Starspieler pro Jahr abgeben müssen. Einfach, weil der Verein genügend großartige Talente findet und Nagelsmann die zu einer Mannschaft formen würde.

Das lässt sich ja auch ganz praktisch an dieser Saison ablesen. Denn obwohl man Timo Werner ersetzen musste und das praktisch nicht geschafft hat (RB wird doch deswegen dieses Jahr nicht Meister, weil ihnen ein Mittelstürmer von internationalem Format, der 20 Tore erzielt, fehlt), wird RB die beste Saison ihrer "Vereins"-Geschichte spielen und mehr als die 66 Punkte aus den letzten beiden Jahren holen.

An der Stelle wollte ich mal erwähnen, dass es Bayern-Fans gibt, die Leserbriefe an den Kicker schreiben, in dem sie die behaupten, dass die Bayern "in Nivaulosigkeit versinken", weil dieser Trainer "durch nichts bewiesen hat, dass er eine Mannschaft wie die des FC Bayern trainieren kann"... Ähm... ja genau.

Ob Jesse March das auch schaffen wird, steht in den Sternen. Genauso wie die Frage, ob Marco Rose wirklich gut genug ist um mit Dortmund die Meisterschaft zu holen. Und damit will ich nicht mal die Fähigkeiten von Rose infrage stellen. Der ist ein richtig guter Trainer. Nur: Das war Thomas Tuchel auch. Aber genau genommen haben nur die Trainer-Gottheiten Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp die Borussia zur Meisterschaft geführt. Und Matthias Sammer, dem die ganz große Trainerkarriere verwehrt blieb, der aber trotzdem eine absolute Ausnahmeerscheinung ist, die aber an ihrer übertriebenen Intensität gescheitert sein könnte

Was ich damit sagen will: Als "guter Trainer" wird man in Dortmund halt nicht Meister. Wenn die einen Trainer wie Nagelsmann hätten, würden sich die Bayern Sorgen machen. Ob Rose das ist, muss sich erst noch zeigen.

Aber praktisch haben die Bayern, und damit Hasan Salihamidžić, genau den einen Transfer getätigt, der ihre Vormachtstellung auf weitere Jahre sichern dürfte. Sie haben nicht mal mit der Wimper gezuckt, als RB 25 Millionen Ablöse aufgerufen hat, weil das einer dieser perfekten Bayern-Transfers ist: Man stärkt sich selbst und schwächt die direkte Konkurrenz. Immerhin stärkt man auch sich selbst und schwächt nicht nur die Konkurrenz. 

Man kann diesen Coup wohl am ehesten mit der Verpflichtung vom schon erwähnten Ottmar Hitzfeld im Jahr 1998 vergleichen. Denn 5 Meisterschaften und ein Champions League Titel unter Nagelsmann würden mich weniger überraschen als ein Scheitern dieses Projektes.

Und damit, um den Bogen zur Überschrift zu schlagen, beweist Salihamidžić halt, dass er das Bayern-Gen wenig überraschend wirklich besitzt. Denn sobald sich ihm eine derartige Möglichkeit bietet, schlägt er eiskalt zu. Ihm sind dann auch bestehende Verträge komplett egal, es wird offen und ehrlich mit Nagelsmann geflirtet. Und da ihm auch voll bewusst ist, dass sich RB für kein Geld der Welt einen wirklichen Ersatzmann verpflichten können, weil Jürgen Klopp halt kein Interesse hat, war er auch gewillt jede Ablöseforderung zu erfüllen.

Das ist jetzt auch alles kein Vorwurf an die Bayern. Sie haben sich diese Position hart erarbeitet, da ist es auch nur ihr gutes Recht hart daran zu arbeiten, in dieser Position zu bleiben. Man sollte aber auch anerkennen, wer da gerade die Arbeit macht, anstatt Petitionen zu unterschreiben, dass dieser Mann entlassen werden muss...

Aber diejenigen, die diese Petition unterschrieben haben, werden jetzt ja auch glauben, dass Oliver Kahn die Verhandlungen geführt haben wird... Obwohl es extrem unwahrscheinlich ist, dass Nagelsmanns direkter Vorgesetzter nicht auch der Verhandlungsführer war...

Sonntag, 18. April 2021

Nutzt Hansi Flick am Ende seinen Dead Coach Bounce möglichst effektiv aus?

 Wird er jetzt einfach Nationaltrainer, bevor es auffällt, dass er als Coach eigentlich gar nicht so gut ist? Und wie Jogi Löw eindrucksvoll bewiesen hat, muss man kein guter Trainer sein, um das Halbfinale bei einer WM zu erreichen. Oder Rudi Völler, nur um zu belegen, dass Löw da gar keine Ausnahmeerscheinung ist. Es ist halt die Norm, dass wir schlechte Trainer verpflichten.

Nur um das nochmal zu verdeutlichen: Hansi Flick hat in seinen 1 1/2 Jahren bei den Bayern mehr Titel gewonnen, als alle Nationaltrainer vorher zusammen. Das hält sogar, wenn man die Titel, die Franz Beckenbauer als Interimstrainer geholt hat, dazu zählt.

Aber ist Hansi Flick wirklich ein guter Trainer? Oder profitiert er nur davon, dass die Mannschaft keinen Bock mehr auf Niko Kovac hatte? Also das Phänomen "Dead Coach Bounce": Ein neuer Trainer muss nicht zwingend gut sein, um einen kurzfristigen positiven Effekt auszulösen. Er braucht nur eine Qualifikation: Dass er nicht mehr der Alte ist.

Wenn man Flicks Leistungen mal sachlich betrachtet... bleibt eine starke Leistung hängen: Er hat es geschafft, die Mannschaft perfekt auf das Top 8 Turnier in Lissabon einzustellen. Und gerade beim Viertelfinalgegner Barcelona zeigte sich ja, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Die Mannschaft auf genau diesen Punkt fit gemacht und richtig eingestellt zu haben, kann sich Flick ins Portfolio schreiben. Dass er dann auch davon profitiert hat, dass die Franzosen ihre Saison abgebrochen haben, sollte er lieber verschweigen.

Vor allem ist das eine super spezifische Leistung... die sich am ehesten als Nationaltrainer reproduzieren lässt. Aber es sagt halt wenig über seine tägliche Arbeit als Vereinstrainer aus. Und ja, als Bewerbung für den Posten als Löw-Nachfolger liest sich das super gut. Spontane These: Seine Arbeit als Nationaltrainer hat ihm bei den Finalturnier in der Champions League einen entscheidenden Vorteil gegenüber Thomas Tuchel gegeben, der diese Situation eben noch nie erlebt hat.

Aber was hat er in der täglichen Arbeit so geleistet? Nun ja, er hat die vorher aussortierten Thomas Müller und Jerome Boateng zu Stammspielern gemacht. Und genau genommen war es das schon. Es ist halt Müllers dunkles Geheimnis, dass jeder Trainer, der ihn aussortieren wollte, weil er vielleicht nicht mehr gut genug ist, hinterher postwendend die Kabine verloren hat. Also es ist schon faszinierend, dass sowohl Carlo Ancelotti als auch Kovac an derselben Personalie gescheitert sind: Sie wollten Müller zum Ergänzungsspieler machen. Und Pep Guardiola ist freiwillig gegangen, bevor das zum Problem wurde.

Auf die in der Kabine etablierten und vorher aussortierten Veteranen zu setzen ist jetzt aber kein brillanter Geniestreich... sondern DIE Standardzutat eines Dead Coach Bounce. Oder anders ausgedrückt: Niko Kovac hat erstmal genau dasselbe gemacht...

Und ja, Flick ist souverän Meister und Pokalsieger geworden. Und wird wieder Meister werden. Das sind halt Dinge, die man als Bayern Trainer kaum verhindern kann. Selbst Jogi Löw könnte das gelingen. Oder anders ausgedrückt: Niko Kovac hat das auch geschafft.

Aber, wenn man sich jetzt die Leistungen in dieser Saison kritisch hinterfragt... zeichnet sich ein dunkleres Bild. Klar, für die Meisterschaft in einer überforderten Liga wird es weiterhin reichen. Aber warum wird Flick nicht mal für das historische Aus gegen Holstein Kiel kritisiert? Dem ersten Ausscheiden gegen eine Unterklassige Mannschaft seit 2004. Und das Spiel gegen Kiel zeigt ja das eigentliche Problem der Bayern in dieser Saison sehr deutlich:

Selbst gegen einen Zweitligisten kassierte man 2 Gegentore. Nicht mal gegen unterklassige Gegner schaffte man es, souverän zu verteidigen. Und Flick hat es bis zu diesem Wochenende nicht geschafft, dieses strukturelle Problem zu lösen. Einfach mal ein stabileres, souveräneres System zu etablieren, welches dann vielleicht auch gegen Paris St. Germain mit Spielpraxis greift.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie mit Manuel Neuer den besten Torhüter der Welt in seinem Kasten hat. Der laut Kicker trotz (oder wegen?) der vielen Gegentore in der Hinrunde Weltklasse war. Man kann nur darüber spekulieren, wie viele Gegentore es gegeben hätte, wenn Alexander Nübel wirklich seine 10 versprochenen Spiele gemacht hätte.

Und das Spiel gegen Wolfsburg zeigt ja, dass es keinerlei Fortschritte gibt. Man ist immer noch an dem Punkt, dass ein 2:0 Vorsprung kein sicheres Ruhekissen ist. Auch wenn der Sportschau Kommentator mit seinem "Wirklich spannend wird es nach dem Spiel" Ansage die Zusammenfassung mal direkt ruiniert hat.

Dazu kommt, dass Robert Lewandowski eine selbst für ihn überragende Saison spielt. Also im Wesentlichen verlässt Flick sich auf seine 2 überragenden Akteure und hofft, dass die schon alles regeln... gönnt diesen Akteuren aber trotz deutlichen Vorsprüngen keine Verschnaufpausen. Und das, obwohl der Körper vom 3. überragenden Akteur Joshua Kimmich schon seine Ruhepause eingefordert hat.

Natürlich kann man jetzt behaupten, dass Lewandowski sich ja bei der Nationalmannschaft verletzt hat. Aber er hat sich halt auch direkt nach dem "Die 40 Tore knackt er auf jeden Fall" Statcurse von Serge Gnabry verletzt. Und es war bei dem Pensum auch eher die Frage ob als wann ihm was passiert. Es wäre eher eine Überraschung gewesen, wenn ein 32-jähriger dieses Pensum durchsteht, ohne auszufallen.

Vor allem wird Flick ja an jeder Stelle für seine Empathie gelobt. Aber anscheinend reichte diese Empathie nicht aus um Lewandowski so regelmäßige Pausen zu gönnen, dass Joshua Zirkzee bleiben will. Im Wesentlichen hat Flick seine Stars machen lassen, was sie wollen. Und so oft spielen lassen, wie sie wollten. Ein wirklich überragende Trainer hätte die Lewandowski-Zirkzee Situation so verwaltet, dass beide zufrieden sind. Und bei den endlosen Kantersiegen und 5 Wechseln hätte es ja genügend Möglichkeiten gegeben Lewandowski nach 70 Minuten vom Platz zu nehmen um ihn zu schonen und Zirkzee Spielpraxis zu geben. Als Empath sollte man das hinkriegen...

Aber das Entwickeln von Spielern stand nie auf Flicks Agenda. Es ist halt leichter sich über die Neuzugänge zu beschweren und sie links liegenzulassen, als sie zu fördern und zu integrieren. Aber als Vereinstrainer muss man halt auch das mal liefern.

Und die Bilanz bei der Spielerentwicklung... also nehmen wir hier mal den Spieler, der den größten Schritt nach vorne gemacht hat: Leon Goretzka. Der hat seinen entscheidenden körperlichen Entwicklungsschritt im Lockdown gemacht..., weil er selbstständig in dieser Zeit an seinem Körper gearbeitet hat. Aber mit Flick hatte das überraschend wenig zu tun. Eher im Gegenteil: Über einen Monat von Flick getrennt zu sein hat ihm sehr geholfen...

Auf der anderen Seite ist Alphonso Davies immer noch schnell. Aber auf Fortschritte beim Stellungsspiel wartet man seit einem Jahr vergebens. Sollte der von einem überragenden Trainer nicht mehr Hilfe bekommen? 

Vielleicht ist es für Jamal Musiala eine richtig gute Nachricht, dass er einen besseren Trainer bekommt... Und natürlich ist Musiala das eine Talent, welches unter Flick eine Entwicklung zeigt. Vielleicht ist der aber auch einfach so gut, dass ihm das selbst unter einem mäßigen Trainer gelingt.

Ich verweise hier auf Julian Brandt unter Heiko Herrlich bei Bayer Leverkusen: Nur weil sich eines deiner Talente halbwegs entwickelt, sollte man nicht ignorieren, dass all die anderen nicht vorankommen.

Und Zirkzee oder Jan-Fiete Arp haben halt nicht von Flick profitiert. Genauso wenig wie die Drittligameister aus der 2. Mannschaft, die man ja zumindest für die Kantersiege als Ergänzungsspieler einbauen könnte. Nennen wir mal demonstrativ Cuisance oder Richards als Beispiele für Junge Spieler, die schon vor Flick geflohen sind. 

Natürlich ist diese Darstellung überspitzt und einseitig. Aber genau so wird ja gerade an allen anderen Stellen über Hasan Salihamidciz berichtet, während die kritischen Stellen bei Flick komplett ausgeblendet werden. Dabei liegt die Wahrheit doch irgendwo in der Mitte. Und gerade die wacklige Defensive könnte man durchaus auch mal mit Flick in Verbindung bringen. Es ist schließlich seine Aufgabe ein stabiles System zu etablieren und daran scheitert er ganz offensichtlich... seit Monaten.

Und, wenn sich die Nagelsmann-Gerüchte bewahrheiten... sollte das Abstimmungsergebnis eindeutig in Richtung Brazzo ausschlagen. Denn dann findet man ein eindeutiges Upgrade auf der Trainerposition. Jemand, der defensive Stabilität und junge Talente entwickeln kann.

Mittwoch, 14. April 2021

Dass Hasan Salihamidzic jetzt der Idiot sein soll

Es ist echt faszinierend, wie schnell sich das Blatt in der Berichtserstattung und Wahrnehmung wendet. Und wie krass sich dann auf eine Seite geschlagen wird.

Also vor knapp 12 Monaten war Hasan Salihamidzic noch das Genie, dass Alphonso Davies entdeckt hat. Ein kanadisches Talent, um das die Bayern angeblich von ganz Europa beneidet werden... also, dass man einen derartigen Leistungsträger so günstig findet, ist schon außergewöhnlich.

Und er hat den Leroy Sané Transfer wesentlich günstiger hinbekommen, als viele erwartet haben. Auch wenn sein Transfersommer 2020 in der Summe natürlich eher dürftig aussieht. Man sollte aber auch an der Stelle bedenken, dass ein Transfersommer in Pandemiezeiten halt einfach komplizierter ist.

Also klar, für Hansi Flick ist es einfach die Verpflichtung von Dodo oder Serginio Best zu fordern. Der muss sich ja keine Gedanken darüber machen, wie diese Spieler finanziert werden. Aber Best ist halt am Ende zum FC Barcelona gewechselt... einem Verein, der derzeit so unseriös wirtschaftet, dass 20 Millionen Schulden mehr den Braten auch nicht mehr fett machen... der aber während der Pandemie auch kurz vorm Konkurs stand. Salihamidzic jetzt vorzuwerfen, dass er bei derartig unvernünftigen Aktionen nicht mitgeboten hat ist... nun ja... unvernünftig.

Wirklich albern wird es dann aber, wenn es um den Ersatzmann von Robert Lewandowski geht. Ernsthaft. Also erstens: Ein Angreifer, der in internationalen Topspielen einen Unterschied machen könnte, kostet selbst in der Pandemie mindestens 50 Millionen. Dieses Geld für einen Angreifer auszugeben, den man auf die Bank setzen will, ist schlicht Wahnsinn. Auch ohne Pandemie. In der Pandemie ist es einfach nicht vertretbar.

Dazu will Lewandowski ja bekannter Weise immer spielen, wenn er fit ist. Er hat ungefähr so viel Bock auf Rotation wie Manuel Neuer. Es ist eine Sache einen potenziell unzufrieden Ersatztorwart mit falschen Versprechungen ablösefrei zu ködern, um ihn dann auf die Bank zu setzen. Es ist etwas komplett anderes für so einen Spieler Millionen an Ablöse zu bezahlen...
 

Vielleicht sollte man all denjenigen, die jetzt einen würdigen Lewandowski Ersatz fordern, mal daran erinnern, dass der gerade Weltfußballer des Jahres geworden ist. Der kann also behaupten gerade der beste und wichtigste Spieler auf diesen Planeten zu sein. Natürlich ist das für uns Deutsche total ungewöhnlich, weil solche Preise normalerweise nicht in der Bundesliga spielen. Wir sind halt nur die Beste Liga, das bedeutet nicht, dass wir die besten Spieler haben. Aber, wenn man sich mal die anderen Weltfußballer der letzten Jahre anguckt...

Also wann immer ein Lionel Messi verletzt oder angeschlagen war, bekam der FC Barcelona auch extreme Probleme und schied zeitnah aus der Champions League aus... um hinterher darüber zu jammern, dass man Messis Ausfall nicht kompensieren kann. Daran hat sich bis heute, wo Messi minimal langsamer geworden ist, nichts geändert, weshalb Barca der internationalen Musik hinterherläuft, anstatt sie selber zu prägen.

Und natürlich war ein Cristiano Ronaldo sehr selten verletzt, aber Real Madrid versucht seit Jahren dessen Abgang irgendwie zu kompensieren... und selbst die kriegen das nicht hin. Aber Hasan werfen wir das jetzt vor... gute Idee.

Es ist nun mal unmöglich einen Spieler wie Lewandowski zu ersetzen. Warum wird dies also Salihamidzic vorgeworfen? Anstatt mal bei Hansi Flick nachzufragen, was eigentlich aus Jan Fiete Arp wird? Oder warum Joshua Zirkzee verkauft werden musste? Warum hat dieses Trainergenie es eigentlich nicht geschafft diese Talente in die Position zu bringen, dass sie Lewandowski zumindest in der Liga vertreten können? Und klar, auf den Ausgang eines Viertelfinales haben sie genau so viel Einfluss wie Eric-Maxim Choupo-Moting: mit viel Glück macht er das entscheidende Tor, es ist aber eher unwahrscheinlich, dass er in 2 Spielen genügend Tore zum Weiterkommen erzielt. Aber bei Choupo-Moting mit seinen 32 Jahren kann man das nicht mehr als wichtige Erfahrung, die er als junger Spieler mal machen muss, einordnen... Dadurch würde das Ausscheiden dann zu einer reinen und schmerzhaften Zeitverschwendung verkommen.

Nur um mal zu verdeutlichen, dass man das Narrativ durchaus so drehen könnte, dass Flick der Vollpfosten ist. Und praktisch haben beide zusammen den Champions League Sieg errungen. Weil halt Salihamidzic mit dem Kader das Fundament gelegt hat. Und ich habe "Brazzo" ja auch zunächst belächelt, aber der Davies Transfer ist halt schon eine Ansage. Und die soll auf seinem Mist gewachsen sein. Jetzt haben die beiden leitenden Angestellten ein persönliches Problem miteinander. So was kommt vor, es sei an der Stelle demonstrativ Slomka und Schmadkte erwähnt, die in Hannover brillante Arbeit ablieferten, sich deswegen aber trotzdem nicht ausstehen konnten. Für die Bayern ist das eine bescheidene Situation, weil sie sich am Ende eventuell für einen der Beiden entscheiden müssen... Am Ende ist es wahrscheinlich einfacher einen guten Trainer zu finden als einen brauchbaren Manager. Obwohl... Adi Hütter hat schon unterschrieben, Fredi Bobic noch nicht... vielleicht wird der Hütter seine Unterschrift noch bereuen, wenn plötzlich ein Posten in München frei wird...

Aber im öffentlichen Narrativ ist ja Salihamidzic der einfach zu Ersetzende. Das hat zumindest Lothar Matthäus so gesagt, und wenn einer Ahnung davon hat, wie ein Bundesligist geführt wird, dann ist es Loddar...

Meine ganz persönliche Hoffnung ist ja, dass die Bayern einem Positionstausch von Löw und Flick zustimmen. Das wäre einfach zu großartig... Wird aber nicht passieren, solange Thomas Müller in der Kabine Einfluss nimmt. Schade eigentlich...

Dienstag, 5. Juli 2011

die wirklich wichtigen Nachrichten

werden natürlich auch in der Sommerpause bearbeitet. Ich stecke gerade mitten im Prüfungsstress, was sich aber zum Glück mit der Sommerpause, in der eh nicht so viel los ist, überschneidet. Aber derzeit ist es halt nicht ganz so einfach die Zeit zum schreiben zu finden. Dennoch gibt es Nachrichten, die einschlagen wie Bomben:
Wolfsburg schnappt sich Salihamidzic!!! Das hätte ich mir nicht erträumen lassen. All die Abgänge (und allein der Hamburger SV hat ja genug) die ich vermissen werde, können durch diesen einen Transfer kompensiert werden.
Es ist einer dieser Transfers, die nur Felix Magath bringen kann. Schon in den Jahren bei den Bayern hat eigentlich kaum jemand verstanden, was er in dieser Mannschaft verloren hat. Aber jede gute Mannschaft braucht halt auch einen Giftzwerg. Bei Juventus Turin wurde er zuletzt aussortiert und saß nur noch auf der Tribüne. Aber Magath ist auch in der Lage aus ihm wieder einen brauchbaren Spieler zu machen...
Und seine Erfolge sprechen schließlich für Hasan. Schließlich hat er in 2 Champions League Finalen gespielt. Nun könnte man behaupten, dass er in Barcelona beim Stand von 1:0 eingewechselt wurde, um Zeit zu schinden, was nicht so wirklich funktioniert hat...
Aber jetzt ist er endlich wieder zurück in der Bundesliga... und schon allein dafür, dass ich deswegen nochmal das Champions League Finale 1999 ausgraben konnte... muss ich mich bei Felix Magath bedanken.