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Montag, 24. April 2023

Es ist schon absurd

 Wie katastrophal sich die Bayern präsentieren. Also auf allen Ebenen. Mittlerweile lässt sich ja selbst Yann Sommer von der allgemeinen Verunsicherung anstecken und winkt einen "Den hätte Neuer während der WM auch kassiert" Ball durch. Plötzlich diskutieren die tatsächlich über einen Wechsel zu Sven Ullreich, als wenn Sommer das Problem wäre.

Das Problem ist doch eher, dass niemand Sommer geschützt hat, als völlig unmotiviert auf den eingeprügelt wurde.

Thomas Tuchel als angebliches Trainer Upgrade wirkt nach 3 1/2 Wochen völlig ratlos. Und vor allem wirkt er so, als bräuchte er dringend ein Sabbatjahr: 3 Jahre ausgebrannt

Und am schlimmsten ist ja der Vorstand. Also allein schon deren Körpersprache. Da sitzen Herthas Vorstandsvorsitzender souveräner auf der Bank, und für den geht es wirklich um alles. Wenn man sich Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić so anguckt, könnte man denken, dass die Bayern in einer wirklich bedrohlichen Lage sind. Dass der Verein pleite geht, wenn sie nicht Meister werden. Dass Kahn dann von einer "Katastrophe" spricht, falls man nicht Meister wird, hilft auch nicht wirklich.

Vielleicht sollte man Kahn mal über den Sudan mit einem Fallschirm abspringen lassen, dann merkt wer, was wirkliche Katastrophen sind. Oder im Jemen. Oder in der Ukraine. Oder, oder, oder. Es gibt genügend wirkliche Katastrophen.

Und auch sportlich... das muss man nochmal so festhalten: 99 % aller Vereine der Welt würden liebend gerne mit den Bayern tauschen. Auch in dieser Saison. Sie haben immer noch die Qualifikation für die Champions League sicher, sitzen also weiterhin an den großen Fleischtöpfen. Sie sind in den letzten 20 Jahren nur 2 Mal nicht mindestens 2. geworden. In diesen 20 Jahren war man ebenfalls immer mindestens im Achtelfinale der Champions League. In 9 der letzten 10 Jahre stand man dort im Viertelfinale

Dazu steht man, im Gegensatz zur direkten Konkurrenz um den Champions League, finanziell auf gesunden Beinen. Einzig Manchester City und Real Madrid können eine ähnliche Bilanz vorweisen. Da erdreistet man sich von einer Katastrophe zu sprechen, weil man vielleicht ein Jahr lang seinen Briefkopf nicht ändern muss? Da wäre zum ersten Mal seit 2011 der Fall. Welch ein Elend.

Die einzige wirkliche Katastrophe ist ja der Fakt, dass Olli und Hasan diese Situation, mit ihrer absolut unmotivierten Trainerentlassung diese Situation selber herbeigeführt haben. Ihre eigene Panik hat die Problematik zumindest verstärkt. Und man schafft es halt auch nicht, das Erreichen des Viertelfinales als Erfolg zu verkaufen. Dabei ist es genau das. Das ist aber auch das Grundproblem der Bayern. Sie können sich öffentlich schlecht damit zufriedengeben, was sie diese Saison international erreicht haben. Theoretisch sollte jede Saison, in der man unter den besten 8 Europas war und sich wieder souverän für die Champions League qualifiziert, als solide bezeichnen. Und wenn man das ändern will, dann muss man halt seine Vereinspolitik ändern und mehr ins Risiko gehen.

Als die Bayern das letzte Mal vor dieser "Wahl" standen, haben sie ja genau das gemacht und damals gigantische 40 Millionen für Javi Martinez ausgegeben. Mittlerweile würde so ein Spieler halt 80 Millionen kosten und für den ordentlichen Angreifer, den man auch noch braucht, gibt man 100 Millionen aus.

Und ja, die Bayern müssen diese Spieler kaufen, denn ihre eigene Aus- und Weiterbildung läuft seit Jahren bescheiden. Man kann nicht darauf setzen, dass man selber einen Jan Fiete Arp zur Weltklasse entwickelt... um die drastischste Enttäuschung zu nennen. Da dies aber weder Flick, noch Nagelsmann oder Kovac hinbekommen haben, kann man dies nur bedingt Salihamidžić vorwerfen. Also da muss man halt mal die grundlegenden Probleme hinterfragen.

Nebenbei wird ja dem Manager mittlerweile auch gerne vorgeworfen, dass er schon 500 Millionen in den Kader investiert hat, man dies aber nicht sieht. Besser geworden ist der halt nicht. Und da sind wir wieder bei dem Anspruchsdenken. Denn das Problem ist halt: Er hat auch 300 Millionen an Transfererlösen erzielt. Und wenn man derzeit am Ende 200 Millionen Euro in Ablöse investiert, ist das halt mehr eine Instandhaltung... Also um das mal zu verdeutlichen: Manchester City hat im selben Zeitraum 1 Milliarde Euro in Ablösen gesteckt und etwas unter 500 Millionen Verlust gemacht. Real Madrid ist trotz einiger brillanter ablösefreier Transfers bei 640 Millionen Euro an Ablösen. Barcelona ist zwar angeblich pleite, steckte aber trotzdem auch über 1 Milliarde Euro in seinen Kader. Chelseas aktuelle Transferbilanz für diese Saison liegt bei -543 Millionen.

Das sind die Vereine, mit denen sich die Bayern sportlich messen wollen. Wenn sie das wirklich vorhaben, müssen sie auch entsprechend investieren. Oder sie sehen ein, dass dies wahnsinnig ist, dann müssen sie halt auch zugeben, dass das regelmäßige Erreichen des Viertelfinales ein echter und respektabler Erfolg ist. Das können sie aber anscheinend nicht. 

Nebenbei muss man da dann nochmal auf die Fans und ihre "Ziele dürfen verfehlt werden" Plakates ansprechen. Die schreiben danach nämlich irgendwas von Werten, was ich bei den Bayern immer wieder lustig finde. Schließlich sind Titel das einzige, was es von Wert bei diesem Verein gibt. 

Also klar, Uli Hoeneß und Karlheinz Rummenigge haben sich immer so aufgeführt, als hätte der Verein irgendwelche anderen Maßstäbe. Aber am Ende ging es immer nur darum, Titel für die Bayern zu holen. Wenn man dafür nebenbei die Seele an den Katar verkaufen muss und dadurch dabei mithilft, die WM in den Winter zu verlegen... dann ist das halt so. Und wenn man dann einen da schon leicht senilen Franz Beckenbauer vor Ort nach Sklaven suchen lassen muss. Ich finde es immer niedlich, wenn diese Erfolgsfans irgendwas von Werten schwadronieren.

Dienstag, 4. Januar 2022

Machen die Bayern gerade ihren Lieblingsfehler?

 Ok, manchmal verpasst man doch etwas, wenn man keinen Kicker mehr kauft. Auch wenn die Aussagen, auf die ich mich beziehe, von Sky90 kommen... Details. Sie sind jedenfalls schon vom 6. Dezember, tauchen aber erst jetzt auf meinem Radar auf...

Im Wesentlichen sagt Oliver Kahn da, dass man keinen Erlin Haarland braucht, weil Robert Lewandowski ja "einige Jahre noch so viele Tore erzielen kann." Das ist gut für Robert. Anscheinend wollen  die Bayern ihm wirklich die Möglichkeit geben, Gerd Müller einzuholen. Dafür braucht er halt noch ziemlich genau 2 Jahre.

Und versteht mich nicht falsch: Ich glaube auch, dass dies funktionieren wird. Für die Bundesliga ist die Aussage von vollkommen zutreffend. Die Bayern sind halt so viel besser als der Rest der Liga, dass Lewy auch mit 40 noch die 25 Tore Marke knacken kann. Er wird die Bayern dann auch in 4 von 5 Fällen zur Meisterschaft schießen. Hey, so schlecht wie die Konkurrenz ist, kann er den Spaß durchziehen, bis er 50 ist.

Aber reicht den Bayern das? Also Lewandowski wird im Sommer 35. Das ist ungefähr das Alter, in dem Cristiano Ronaldo aufgehört hat in einem Champions League Halbfinale mitzuspielen. Mit 36 könnte er jetzt eher das Problem als die Lösung für Manchester United sein. Es dürfte jedenfalls spannend werden, wie Ralf Rangnick ein engmaschiges Offensivpressing aufziehen will, wenn einer seiner Stammspieler seinen letzten Defensivzweikampf 2014 geführt hat. 

Und versteht mich nicht falsch: Cristiano Ronaldo ist immer noch gut. Er ist für 90 % aller Vereine eine Verstärkung. Aber halt nur für die Vereine, die nicht um den Champions League Titel mitspielen können. Was ich nebenbei schon diesen Sommer angedeutet habe

Die Bayern wollen doch aber angeblich um diesen Titel mitspielen... sie dürften jetzt aber mit Lewandowski in eine Falle tappen, die sie schon kennen sollten.

Und ich muss hier nicht mal Thomas Müller anbringen, von denen ich behaupte, dass er auf dem absoluten Spitzenniveau seit 2015 hauptsächlich ein Mitläufer ist. Es gibt ein viel krasseres Beispiel: Franck Ribery. Der war in der Bundesliga immer noch die Hauptattraktion, als er international vollkommen irrelevant war. Also nur, um das mal mit Zahlen zu unterlegen: Franck Ribery hat in den letzten 4 Champions League Jahren 1 Tor erzielt. Einen bedeutungslosen Schlusspunkt bei einem Schützenfest am 5. Gruppenspieltag. Schon im Jahr davor traf er fast ausschließlich bei 7:0 Schützenfesten... Faszinierender Weise konnten die Bayern Riberys Leistungen sogar kompensieren und erreichten trotzdem 3 Mal das Halbfinale... Wobei, bei näheren Hinsehen setze man sich gegen FC Sevilla, Benfica Lissabon und den FC Porto durch. Als jeweils Mannschaften, die bei allem Respekt eher um den Europa League Titel mitspielen wollen. Es ist schon Wahnsinn, wie viel Losglück man haben kann... Aber im Wesentlichen liefen die letzten Ribery Jahre auf folgendes hinaus: Sobald man auf die echte Elite traf, war Feierabend. Wenn dies schon im Achtelfinale passierte, hatte man Pech. Aber im Normalfall wird ja neu gelost, wenn die Bayern einen starken Gegner bekommen.

Die Bayern dürften jetzt wieder in genau derselben Situation sein. Also zumindest, solange sie weiterhin international ihre Offensive an Thomas Müller und Robert Lewandowski ausrichten. Realistisch gesehen haben sie noch diesen Sommer, danach werden sie sich aus dem Umkreis der Titelfavoriten endgültig verabschieden. Das wird uns aber niemand verraten, weil der Kicker und Co uns immer bis kurz vorm Ausscheiden erzählen werden, wie vielversprechend dieser Versuch ist. Und wie bei Ribery wird man dann im Jahr 2025 feststellen, dass man für den internationalen Vergleich 3 Jahre zu lange an beiden festgehalten hat.

Dabei gäbe es sogar eine einfache Lösung für dieses Problem: Man holt einfach Haaland und Florian Wirtz für insgesamt 220 Millionen Ablöse... und setzt Müller und Lewy auf die Bank. Wenn sie das nicht wollen, lässt man sie gehen. Mit diesen beiden Neuzugängen wären die Bayern für die nächsten 10 Jahre Champions League gerüstet. Also vorausgesetzt, dass man sie dann auch halten kann und sie nicht doch irgendwann nach England wollen. Oder vorausgesetzt, dass man sie überhaupt verpflichten kann, weil beide ja bekannter Weise in ihrer Kindheit in Newcastle Bettwäsche geschlafen haben... Auch wenn beide zu jung sind, um Alan Shearer zu kennen. Details.
Aber die blinde Loyalität verhindert ja, dass man diese Transfers überhaupt angeht.

Das ist nebenbei nur bedingt ein Vorwurf. Diese beiden Leistungsträger abzusägen, auch wenn es zeitnah richtig wäre, ist eine eiskalte Entscheidung. Es wäre bei aller Notwendigkeit ein richtiger Arschloch-Move. Wenn die Bayern das jetzt durchziehen würden, gäbe es von allen anderen den "Die Bayern kaufen die Bundesliga kaputt!" Vorwurf, auch wenn das sachlich gesehen die einzige Variante ist, wie Wirtz und Haaland auch 2024 noch in Deutschland spielen... und auf der anderen Seite werden sei von ihren eigenen Fans dafür kritisiert, dass sie die Vereinslegenden absägen... Auch wenn erster Vorwurf sowieso kommt und man an der "Koan Neuer" erkennen kann, wie lange so eine Kritik anhält... ernsthaft, kann sich noch irgendjemand daran erinnern, dass die Bayern Fans ursprünglich versucht haben den Neuer Transfer zu verhindern?
Jedenfalls haben die Bayern das bisher praktisch nur bei Bastian Schweinsteiger hinbekommen. Den hat man genau in dem Moment gehen lassen, als er nicht mehr den höchsten Ansprüchen genügt hat, womit sich Manchester United dann herumschlagen mussten. Und dann noch bei Mats Hummels und Jerome Boateng, aber es bleiben eher die Ausnahmen, dass solche Spieler frühzeitig weggeschickt werden.

Nebenbei sieht man ja gerade bei Franck Ribery, wie krass man als Bayern alternde Starspieler mitschleppen kann, ohne dass dies für die Liga Konsequenzen hat. Man wird trotzdem souverän Meister, auch wenn Ribery ohne die Bayern eher wie ein mittelmäßiger Mitläufer bei einem italienischen Abstiegskandidaten aussieht. Dasselbe würde definitiv auch Thomas Müller passieren. Da er aber bei den Bayern spielt und die Konkurrenz in Ehrfurcht erstarrt, sammelt er weiter individuelle Rekorde und wir reden uns ein, dass er Weltklasse ist. Nur um uns dann entsetzt umzugucken, wenn er in den entscheidenden Momenten wie gegen England doch wieder versagt

Andererseits ist es halt auch einfach, diesen Vereinen dann die Loyalität, und darum geht es am Ende, vorzuwerfen. Es ist ja allgemein keine Seltenheit, dass verdiente Spieler eher ein Jahr zu spät weggeschickt werden, als zu früh.

Das wirkliche frustrierende ist doch: Während andere Vereine in den Abstiegskampf rutschen, wenn sie solche Fehler begehen, ist es bei den Bayern einfach egal, weil ihr Vorsprung vor der Nationalen Konkurrenz so unfassbar groß geworden ist...

Mittwoch, 15. Juni 2016

Worst of des "Quo Vadis, Favoriten?" ersten Spieltages

Jetzt... wo alle ein Mal gespielt haben... oder sich zumindest ein Mal an den Eiern gekrault haben... denn wirklich Spielen konnte man dass ja meistens kaum nennen...

Ich meine... (Warnung, gleich könnte es einen Systemabsturz geben) Wales und Ungarn sind Tabellenführer. DAS ist doch genau die EM, von der wir alle geträumt haben...

Und das ausgerechnet Ungarn wirklich als einzige Mannschaft zielstrebig aufs 2. Tor gegangen ist... nur mal so als Anschauungsunterricht für die Engländer... oder die Schweizer...

Die größte Endtäuschung dieser EM ist halt für mich, wie wenig Zug gerade die vermeintlichen Favoriten Richtung Tor entwickeln. Solche Aktionen wie zum 1:0 von Nani oder zum 2:0 von Schweinsteiger sollten eigentlich völlig normal sein... und viel häufiger vorkommen...
Vor allem sollte es für die Favoriten auch einfacher werden, sich diese Szenen in den 2. Halbzeiten zu erspielen... Wenn die Außenseiter sich Müde verteidigt haben... aber da kommt ja regelmäßig nix...

Außer mal ne Einzelaktion wie bei Dimitri Payet...

Auf Platz 1 der größten Endtäuschungen steht natürlich die Verteidigung der Belgier beim 2:0 für Italien. Klar, dass sieht toll heraus gespielt aus. Aber seid mal ehrlich: Das ist doch einer dieser Spielzüge, wo man sich als Spieler fragt: Warum studieren wir das gegen Hütchen ein? Sobald wir auf einen Gegner treffen, werden wir das nie anwenden können... Nur dass Hütchen das in diesem Moment besser verteidigt hätten... die hätten zumindest nicht das Abseits aufgehoben...

Hoffen wir mal, dass das jetzt am 2. Spieltag, wenn die Mannschaften nicht mehr auf knappe Niederlagen spielen können, besser wird...

Immerhin... wissen wir jetzt, warum Lukas Podolski doch wieder im Kader ist... einer muss ja den Bundestrainer verteidigen... und hey... Recht hat er... also technisch gesehen... war der Satz "Wir sind eine Nation von 82 Millionen Bundestrainern" noch nie so korrekt wie in diesem Moment...

Aus Solidarität wird sich unsere Startformation bei der Hymne am Sack kratzen... Mitsingen will da ja eh keiner... da kann man die Zeit auch für ein Statement nutzen...

Oliver Kahn: Dieser Mensch ist ja ein unglaubliches Phänomen für mich. Also dass er es wirklich zum sympathischsten Experten der EM geschafft hat... wir reden von dem Typen, der regelmäßig mit Bananen beworfen worden ist... und der geradezu krankhaft Verbissen war.
Dass scheint aber zu lange her zu sein... also selbst der Oli scheint sich nicht mehr daran zu erinnern, dass er extrem viele Aussetzer in seiner Karriere hatte, die sich nur mit übertriebener Verbissenheit erklären lassen.
Und das faszinierendste ist ja: Man kann den Tag, an dem diese Entwicklung als Persönlichkeit losgetreten wurde, genau datieren: den 10.April 2006. Falls ihr euch nicht mehr daran erinnert: Jürgen Klinsmann hatte sich 3 Tage davor für Jens Lehmann als Stammtorwart für die Heim-WM entschieden. Und alle gingen davon aus, dass Kahn darauf hin seinen Rücktritt erklären wird. Mit einem großen "Fuck You Klinsi"... stattdessen verblüffte er mit einem "Es geht um etwas Größeres." Und wer nicht damals schon dabei war, kann sich gar nicht vorstellen, was für ein Schock das für ganz Deutschland war...

Warum erzähle ich euch das? Nun ja... weil Kahn gestern eine Entwicklung in der Persönlichkeit bei Cristiano Ronaldo vermisst. Weil der halt immer noch in seiner Version der übertriebenen Verbissenheit ist. Und diese höhere Gelassenheit noch nicht erreicht hat... Mit seinen 31 Jahren...
Was Kahn vergessen hat... als er zu dieser "Es geht nicht nur um mich" Erkenntnis kam, war er auch schon 37 Jahre alt...
Man könnte fast behaupten, dass Ronaldo mit 31 Jahren weiter ist als Kahn mit 31 Jahren... zumindest müsste der Portugiese nicht 2 Mal pro Saison mit glatt Rot vom Platz fliegen.

Und ein Oliver Kahn wir dir auch sagen, dass er ohne diesen übertriebenen Ehrgeiz nie so lange so gut gewesen wäre. Genau so geht es jetzt halt Ronaldo.
Und ja, bei dem drückt sich das anders aus als bei Kahn. Aber halt auch nur anders und nicht schlimmer...

Dienstag, 31. Januar 2012

Michael Ballack hat etwas ganz entscheidenes nicht begriffen

Wenn er sich bei der Ballack-Löw-Intrige wirklich weiterhin als Opfer darstellen will, kann er sich jetzt nicht so verhalten, dass er Jogi Löw am Ende mit seiner Entscheidung recht gibt.
Um mal für alle die Chronologie darzustellen: Eigentlich sollte das Wolfgang Hölzhäuser Interview im Kölner Express mit Michael Ballack und nicht über Michael Ballack geführt werden. So als Steilvorlage für ein "Es geht hier nicht um die Person Oliver Kahn, sondern um ein Fußball-WM in Deutschland"... Als Ballack erfuhr, dass er am Samstag nicht spielen würde, sagte er diese Interview ab und so "nutzte" Holzhäuser diesen Termin um die Idee der Diplomatie endgültig zu beerdigen. Dass Berater Michael Becker gleichzeitig behauptete, Ballack sei ein "Bauernopfer", weil Leverkusen sich nicht traut den Trainer zu entlassen... gab der ganzen Geschichte dann wohl den Rest...
Damit muss (auch wenn Robin Dutt anderes verlauten lässt) das Spiel gegen den FSV Mainz sein letztes für Leverkusen gewesen sein... und damit endet seine Bundesliga-Karriere genau so wie seine Nationalmannschaftskarriere...
Offensichtlich hat Ballack den Zeitpunkt zum Absprung verpasst. Oder zumindest den Zeitpunkt seine Ansprüche etwas zurückzustellen... weil er halt auch seinen eigenen Ansprüchen genau genommen nicht mehr genügt. Und wenn er das gemerkt hätte, hätte er dieser Bayer-Elf (genauso wie der Nationalelf) durchaus noch helfen können.
Natürlich ist es schwierig sich dies einzugestehen. Schließlich war Michael Ballack (und sein Kumpel Thorsten Frings hatte irgendwie dasselbe Problem) jahrelang der beste Deutsche Feldspieler. Und wer war halt 10 Jahre lang "Capitano", Leitwolf und Führungsspieler, bevor wir darüber Debatten geführt haben... Aber wenn sich einer der zumindest erfolgreicheren Ex-Spieler (Rudi Völler hat schließlich all die Titel, die Ballack nie holen wird... Champions League Sieger und Weltmeister...) für einen Einsetzt und man diese Geste dann einfach ignoriert... weil alles andere ein Eingestehen des Alt werdens wäre...
Ballack ist nicht der erste Weltklasse-Athlet, der versucht sich sein eigenens Alt werden nicht einzugestehen. Und wenn man jahrelang wie selbstverständlich vorne weg marschiert ist, kann man das von heute auf morgen wahrscheinlich einfach nicht abstellen. Andererseits... Oliver Kahn hat es geschafft... Und Kahn war wiederum ein Profi, der immer so verbissen aufgetreten ist, dass man das von ihm am wenigsten erwarten konnte...
Aber wahrscheinlich hatte Kahn genügend Leute in seinem Umfeld, die ihm oft genug gesagt haben: "hey, es geht hier nicht um Oliver Kahn, sondern um eine Fußball-WM in Deutschland..." so oft, bis er es ihnen irgendwann geglaubt hat...
Und ganz ehrlich: vor 2006 hätte ich nie gedacht, dass ich Oliver Kahn mal als ein Positiv-Beispiel anbringen würde... Aber dieses "sein Ego zurücknehmen" hat ihm am Ende beinah mehr Respekt eingebracht als all die Titel (und das sind verdammt viele), die er vorher gesammelt hat. Michael Ballack hat sich für den umgekehrten Weg entschieden...

Donnerstag, 25. August 2011

Phillip Lahm ist entsetzt

und wurde natürlich völlig falsch verstanden. Die Darstellungen über die Trainer, unter denen er gearbeitet hat, seinen "verkürzt und überzogen rübergekommen."
Ganz ehrlich: wenn das einem Mario Götze passiert wäre, der nicht absehen konnte, was passiert, wenn er in einer Bild-Serie all seine Ex-Freundinen vorführt... aber Phillip Lahm? Der will uns wirklich erzählen, dass er nicht wusste, dass ein Vorabdruck seines Buches in der Bild verkürzt und überzogen dargestellt wird? Wie lange ist Lahm jetzt schon Fußball- und damit irgendwie auch Medienprofi? Nur weil er immernoch aussieht wie ein Grundschüler (und irgendwie auch immernoch auf den Stimmbruch wartet...), heißt das nicht, dass er sich auch naiv wie einer anstellen darf.
Nur so nebenbei: Ist es eigentlich Zufall, das Lahm nur wenige Wochen nach der Führungspersönlichkeiten-Kritik von Oliver Kahn gefühlt sein persönliches Matthäus-Tagebuch veröffentlicht? Hat er wirklich so viel Freizeit (oder genügend Ghostwriter...), dass er dieses Buch in 7  Tagen schreiben konnte? Oder reden Oli und Phillip am Ende doch miteinander und der Persönlichkeitenvorwurf war Schritt eins der Promo für das Buch?