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Freitag, 27. September 2024

Was man sich nach einem Urlaub immer fragt:

Wer hat in der Woche eigentlich das Dümmste gesagt. Das ist immer ein guter Einstieg, wenn man ein Weilchen raus war.

Nach 2 Wochen mit einem quasi kaputten Laptop habe ich meinen Arbeitsplatz echt vermisst. Hier kann ich problemlos nachprüfen, ob Diego Maradona eigentlich im Stadio Bernabeau getroffen hat. Hat er. Es ist nebenbei lustig, wie diese Random Fun Facts von Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs dann von allen anderen übernommen wird... ohne dass Zeigler dafür als Originalquelle angegeben wird. Seitdem Arnd am Sonntagabend erwähnt hat, dass Maradona und Undav als einzige Spieler in Meppen und Madrid getroffen haben, ging das mehrmals durch meine Timeline... Aber Quellenangabe ist ja für Noobs...

Aber zu den dümmsten Aussagen. Der erste Kandidat war Claus-Dieter Wollitz: Der beschwerte sich über den Zustand der Trainingsplätze, auf denen er arbeiten muss. Kann man machen, wenn man damit seinen eigenen Verein kritisiert. Aber wenn man sich bei der Stadt Cottbus beschwert, dass der Ausweichsplatz in der Parzellanstraße nicht den Ansprüchen genügt. Ähm... Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, ein professionelles Trainingsumfeld bereitzustellen. Es ist deren Aufgabe Plätze für den Breitensport bereitzustellen.
Das ist aber nicht mal das wirklich lächerliche. Der Grund, warum der Trainingsplatz in so einem bescheidenen Zustand vorgefunden wurde, war das Monats-Hochwasser. Die hatten einfach mit extremen Regenfällen zu kämpfen, die dazu führten, dass der Platzwart den Rasen nicht betreten konnte oder sollte. Cottbus trainierte trotzdem. Frei nach dem Motto "Nach uns die Sintflut"... Dass die Stadt Cottbus aber andere akute Probleme hatte und deswegen seine Energie nicht in seinen Verein stecken kann, hat Wollitz nicht auf dem Schirm.
Also falls ihr dachtet, dass nur die Champions League Vereine völlig abgehoben sind: Wollitz kann das auch als Drittliga-Aufsteiger.

Platz 2 geht an Sepp Meier, der sich direkt nach dem Ausfall von Marc-André ter Stegen ein Comeback von Manuel Neuer ausspricht. Was eine echte Option wäre, wenn Neuer von Julian Nagelsmann ausgebootet worden wäre. Wenn er sich nach dem Turnier auf ter Stegen als neue Nummer 1 festgelegt hätte... aber Neuer ist zurückgetreten. Von sich aus. Der hat seinen Platz freiwillig geräumt.
Und er hat halt (zumindest theoretisch, denn ob die wirklich so stattfindet, wie geplant, muss man noch sehen) eine Klub-WM vor der Brust. Was aber auch das einzige relevante Turnier ist, dass ter Stegen eventuell verpassen könnte...
Natürlich hat Neuer die Tür für ein Comeback nicht gänzlich geschlossen. "Man sollte so etwas nie ausschließen" ist sein Zitat zu dem Thema. Aber der wird nicht für die Qualifikationsspiele und die Nations League zurückkommen. Bedeutet ganz praktisch: Wenn sich ter Stegen im Januar 2026 schwer verletzt hätte, würde Neuer über ein Comeback nachdenken. Für den, aus seiner Sicht, belanglosen Scheiß wird er sich das nicht antun und geht lieber Skifahren.

Aber selbst das ist noch nicht das Dümmste

Dieser Preis geht an den Überexperten Lothar Matthäus. Dessen Reaktion auf die ebenfalls schwere Verletzung von Rodri war ein: Dann rotiert doch einfach. Ottmar Hitzfeld hat das "bereits Ende der 90er als Bayern-Trainer praktiziert."

Lasst uns mal im Detail auseinandernehmen, warum diese Aussage so unfassbar dämlich ist. Als allererstes muss man da mal eines festhalten: Eine Rotation zur Belastungssteuerung ersetzt keinen Urlaub. Man kann dadurch vielleicht kurzfristige Verletzungen vermeiden, aber die langfristigen Abnutzungserscheinungen werden dadurch nur bedingt vermindert. Auch als Profi braucht man mal so 2-3 Wochen Urlaub, in denen man komplett runterfahren kann. Und dann müsste man eine ordentliche Vorbereitung mit vernünftigem Aufbautraining einschieben. All dies ist mittlerweile praktisch nicht mehr möglich. Also ein Mal alle drei Jahre kann man grob damit rechnen... Das ist einfach nicht gesund.

Das bringt mich direkt zur nächsten Frage: Wann soll Pep Guardiola seinen wichtigsten Spieler raus rotieren? Gegen Chelsea, einem der reichsten Klubs der Welt? Gegen West Ham, die auch 140 Millionen in Ablöse ausgegeben haben? Gegen Brentford, die stark in die Saison gestartet sind? Gegen Inter Mailand, den italienischen Meister? Oder gegen Arsenal London, einem aufstrebenden, direkten Konkurrenten? Einzig gegen den Aufsteiger aus Ispwich Town wäre eine Rotation wirklich möglich gewesen.
Nebenbei... hat Rodri viel ausgesetzt. Bei 2en war er offiziell noch verletzt, gegen West Ham saß er komplett auf der Bank. Und gegen Brentford wurde er zur Pause eingewechselt. Er stand wirklich nur gegen Inter Mailand über die komplette Spielzeit auf dem Platz. Trotzdem hatte sein Körper sofort einen Totalausfall, von dem er sich jetzt 10 Monate lang erholen muss... Also nur um zu verdeutlichen, dass eine Rotation keinen Urlaub ersetzen kann...

Nebenbei hat Guardiola ja auch schon bekannt gegeben, dass er auf den nicht mehr League Cup scheißen wird und da konsequent seine B-Elf aufstellen wird. Der rotiert also schon, wenn er denn kann. Und wisst ihr, was das erste Ergebnis dieser Einstellung "pro Rotation, gegen diesen Pokal" ist? Der Wettbewerb in Deutschland nicht mehr ausgestrahlt wird. DAZN hat die Rechte abgegeben, niemand wollte sie übernehmen. Das ist doch genau das, was alle gewollt haben...

Damit kommt auch ein weiterer, verdammt wichtiger Punkt: Rotieren in der Premiere League ist etwas ganz anderes, als Rotieren in der Bundesliga. In der einen Liga werden die Bayern mit im Durchschnitt 8 Punkten Vorsprung Meister. In der anderen kann man mit 92 Punkten nur Vizemeister werden

2 der 4 Meisterschaften vom angesprochenen Ottmar Hitzfeld wurden mit mehr als 10 Punkten Vorsprung gewonnen. Die anderen waren überraschend knapp. Aber gerade die 2001 Saison beweist, wie viel anders die Bundesliga ist: Bayern wurde mit 7 Niederlagen Meister. Wisst ihr, wie oft sich der Meister in der Premiere League 7 Niederlagen erlaubt hat? NOCH NIE! Und das, obwohl da 20 Mannschaften mitspielen. Zwischenzeitlich waren es sogar mal 22 Teams. Man kann sich in dieser Liga einfach keinerlei Punktverluste erlauben. Wenn man davon ausgehen kann, dass die Konkurrenz schon in Unterhachingen patzen wird, kann man das alles wesentlich entspannter angehen.

Die 5 Niederlagen aus der 1999/2000er-Saison... hätten in der Premiere League letztes Jahr für Platz 4 gereicht. Bayern holte "damals" im Schnitt 2,14 Punkte. Liverpool holte letzte Saison 2,15. Glaubt Lothar Matthäus wirklich, dass Hitzfeld rotiert hätte, wenn die Qualifikation für die Champions League in Gefahr geraten wäre? Oder wenn er damit regelmäßig den Titel verspielen würde? Natürlich nicht. Und ein unglückliches Unentschieden mit dem 2. Anzug gegen Brentford kann dir in England halt die Meisterschaft kosten.

Das ist aber noch nicht alles. Auf die Rotation zu setzen, macht auch einfach mal die Liga kaputt. Ganz praktisches Beispiel: Im Wesentlichen sagt Matthäus, dass die Bayern Marcel Sabitzer behalten sollte, auch wenn sie den eigentlich nur als Rotationsspieler brauchen. Denn als Stammspieler hat er sich ja nicht durchgesetzt. Sabitzer war, auch wenn er für die Bayern keine direkte Bedrohung darstellt, ein verdammt wichtiger Spieler der Dortmunder bei ihrem Husarenritt ins Champions League Finale. Sein Notenschnitt in diesem Wettbewerb lag bei 2,75.

Am Extremsten ist es ja gerade bei Chelsea London, die laut Memes als einzige auf den neuen Rahmenterminkalender vorbereitet sind. Was auch nur bedeutet: Chelsea wurde für ihre "Kaderplanung" entweder ausgelacht oder kritisiert. Und vor allem sitzen jetzt bei Chelsea einige Kandidaten auf der Tribüne, die anderen Vereinen durchaus helfen könnten. Ich verweise ganz direkt auf Ben Chillwell, der für die Liga und Champions League nicht wirklich eingeplant ist, aber überraschend doch im Pokal randurfte... Wenn jetzt alle Champions League Teilnehmer auf 40+X Kader setzen, bedeutet das ganz praktisch, dass der Rest der Liga schwächer wird und die Schere noch weiter auseinander geht.

Die Bayern holen sich ja mittlerweile verdammt viele Ergänzungsspieler aus dem Ausland. Joao Palhinha, Sacha Boey, Eric Dier, Mathys Tel, Ryan Gravenberch, Noussair Mazraoui, Matthijs de Ligt, Sadio Mané und Bryan Zaragoza sein da mal demonstrativ genannt. Gefühlt die Hälfte dieser Spieler sind auch schon wieder weg. Man hat aber allein in den letzten 2 Jahren Alexander Nübel, Sabitzer, Paul Wanner, Armindo Sieb, Frans Krätzig und Jopsip Stanisic an die Bundesliga abgegeben. Wenn auch oft nur auf Leihbasis, Die Stanisic Leihe könnte ihnen die Meisterschaft gekostet haben. Ich habe mich ja mental schon darauf vorbereitet, dass der sich jetzt mit der Rolle als Ergänzungsspieler zufriedengibt und deswegen irgendwann Rekordmeister wird. Weil er als einziger 15 Jahre infolge diesen Titel geholt hat...
Aber wenn man sich anschaut, wie der Wanner gerade in Heidenheim abliefert, dann ist das definitiv etwas Gutes für die gesamte Liga. Wenn die Bayern für die Klub-WM ihren Kader aufblähen müssen, behalten die den, damit er 10 Bundesligaspiele gegen Bochum, Mainz und eben Heidenheim machen kann...

Dazu kommt, als letzte Ebene, dass die Spieler ja nur bedingt Bock auf die Rotation haben. Also klar, aus Loddas Perspektive war das kein Problem, weil er im Champions League Finale seinen Platz in der Startelf sicher hatte. Fun Fact: Der für ihn eingewechselte Rotationsspieler Thorsten Fink begeht den entscheidenden Fehler vor dem 1:1...

Aber ein Sabitzer hatte eben wenig Bock darauf, nur der "Notnagel" für die "unwichtigen Spiele" zu sein. Deswegen ist der nach 1 1/2 Jahren weitergezogen.
Als historisches Beispiel sei hier Ciriaco Sforza erwähnt, der es auch bei seinem 2. Versuch beim Rekordmeister "nur" zum Rotationsspieler unter genau eben Hitzfeld geschafft hat. Der beim schon verlinkten Champions League Finale nicht mal im Kader stand, obwohl er fit war. Nach 2 Jahren ging es zurück nach Kaiserslautern.

Einen Lothar mag das überraschen, dass Profis in den wirklich wichtigen Spielen auf dem Platz stehen wollen. Dass bis auf wenige Ausnahmen, alle irgendwie unzufrieden sind, wenn sie im Finale nur auf der Bank sitzen. Alexander Zickler ist der einzige Name, der mir aus dem Stehgreif einfällt und der diese Rolle perfekt angenommen hat. Alle anderen suchen sich dann nach 2 Jahren einen Verein, der sie in einem möglichen Finale aufstellen würde. Matthäus selbst war ja so überragend, dass ihm das nie passiert ist. Aber ohne den ultimativen Ehrgeiz, dass man im Finale auch spielen will, wird man einfach nicht gut genug, um auf dem Bayern Radar aufzutauchen. 

Seinen Kader an der Rotation auszurichten sorgt also für:
Bedingt zufriedene Spieler, die relativ schnell weiterziehen.
Aufgeblähte Kosten, weil die ja alle trotzdem Millionen verdienen müssen und Millionen an Ablöse kosten.
Eine direkte Schwächung der Konkurrenz.

Gleichzeitig löst sie das Problem mit dem Urlaub, der dringend benötigt wird, nicht. Aber hey, Lodda hat für Gesprächsstoff gesorgt. Genau so wie Meier und Wollitz. Und nur darum geht es am Ende doch.

Mittwoch, 16. März 2022

Es gibt ja nichts, was mich so nervt...

 wie Experten, die sich offensichtlich nicht mit ihrem Gebiet beschäftigen. Und gerade im Fußball passiert das viel zu häufig. Da ist oftmals die einzige Qualifikation, die man braucht, um Weisheiten in Mikrofone zu erbrechen: Er hat selber ganz ordentlich gespielt. Und je ordentlicher man gespielt hat, umso dümmer dürfen seine Kommentare sein. 

An und für sich ergibt das ja auch Sinn. Also selber gespielt zu haben, gibt einem schon eine einzigartige Perspektive. Auch wenn man immer anerkennen sollte, dass das Spiel sich seit den 90ern weiterentwickelt hat. Also mein größtes Problem ist ja, wenn die "alten Säcke" behaupten, dass Trainer wie Pep Guardiola mit ihren ständigen taktischen Anforderungen und Änderungen die Spieler überfordern. Das mag in den statischen Zeiten des Fußballs gegolten haben. Also früher als man als Vorstopper 90 Minuten lang an einem Diego Maradonna hing. Als die taktische Anweisung lautete: Wenn der auf Klo geht, folgst du ihm trotzdem. Mittlerweile wird man aber schon als 16-Jähriger viel variabler ausgebildet. Und natürlich fällt es einem dann einfacher, sich während der 90 Minuten auf neue Anweisungen einzustellen. Man ist es halt mittlerweile auch gewöhnt. Und ja, dieses "Das Spiel hat sich weiterentwickelt" sollte viel häufiger zu tragen kommen.

Viel schlimmer ist es aber, wenn man sich zu internen Abläufen äußert. Auch das ergibt ja auf der ersten Ebene Sinn: Man hat selber jahrelang mit Mitspielern. Managern und Trainern zu tun gehabt. Da kann man sich schon eine Meinung zu aktuellen Abläufen bilden. Aber auch da sollte man zugeben, dass man mittlerweile vielleicht einfach isoliert ist.

Und niemand ist so isoliert, wie Lothar Matthäus. Der hat es ja irgendwie geschafft, alle Brücken mit seinen ehemaligen Vereinen und dem DFB niederzubrennen, obwohl er eigentlich der designierte Nationaltrainer in Ausbildung war. Ob das jetzt alles Loddars Schuld ist, soll jetzt erstmal zweitrangig sein. Aber es gibt, glaube ich, keinen Experten, der so wenige Kontakte zu den Vereinen hat. Also es gab ja die legendäre Ansage von Uli Hoeneß, dass der nicht mal als Greenkeeper angestellt wird. Nun ist mittlerweile viel Gras über diese Aussage gewachsen, aber Angestellter bei den Bayern wird Matthäus trotzdem nicht mehr werden.

Dennoch äußert er sich zu den Vorgängen in München und kritisiert die Leute, die das geschafft haben, was ihm verwehrt blieb: Hoeneß Nachfolger zu werden. Und das geht ja mal gar nicht. Also werden Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić regelmäßig kritisiert. Und die Kritik ist recht simple: Robert Lewandowski muss ein neuer Vertrag angeboten werden. Dass man den so in der Luft hängen lässt, hätte es früher nicht gegeben!!! Und das wird dann immer wieder wiederholt, solange bis man es glaubt. Hier ist die Version von vor 8 Tagen.

Das Problem ist aber: Diese Aussage sollte Matthäus als Experte auf ewig aus dem Verkehr ziehen, denn sie beweist, dass er sich einfach nicht mit Fußball oder den Bayern beschäftigt. Denn Kahn und Salihamidžić führen ja die Vereinsphilosophie von Hoeneß und Rummenigge nahtlos fort. Sie halten sich genau an die Vorgaben ihrer Mentoren. Was auch wenig überraschend ist. Diese Vorgaben lauten aber halt: keine langfristigen Verträge für alternde Stars. Wer älter als 32 ist, bekommt maximal ein 2 Jahres Angebot. Danach verlängern wir immer um ein Jahr. Und Robert Lewandowski ist 33 und hat noch einen Vertrag bis 2023. Danach sieht man von Saison zu Saison. Man hält sich also konkret ans Protokoll. Jetzt zu behaupten, dass es das früher nicht gegeben hätte, ist einfach nur dumm.

Vor allem, weil Salihamidžić ja selber weiß, wie das bei den Bayern läuft. Der gehört nämlich zu der langen Liste von Spielern, die den Verein ablösefrei verlassen "durften."

Also ich werfe hier mal ein paar Namen in den Raum: Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Miroslav Klose, Franck Ribery, Arjen Robben und Luca Toni. Alles mehr oder weniger große Bayern Legenden. Und alle verließen den Verein mit Anfang oder Mitte 30. Einzig Schweinsteiger brachte eine Ablöse ein. Als Bayern München lässt man solche Spieler lieber ablösefrei ziehen, als ihnen frühzeitig langfristige Verträge anzubieten, die man dann auch ausbezahlen muss, wenn der Spieler seine Leistung nicht mehr bringt. Und der Erfolg gibt ihnen ja recht.

Und klar, man hat dann, siehe Ribery, der am Ende einfach nicht mehr gut war, den Hang dazu, diesen Spielern immer wieder Ein-Jahres-Verträge anzubieten, auch wenn sie für die Champions League Ansprüche nicht mehr gut genug sind. Aber man hat halt am Ende mit diesen Spielern von Jahr zu Jahr verhandelt. 

Ich bleibe ja dabei: Der Uli Hoeneß Move wäre es, Thomas Müller für überteuertes Geld nach Newcastle zu verkaufen und sich Wirtz und Haaland zu holen. Und Haaland lässt er dann ein Jahr mit Lewy zusammen spielen. So wie er es mit Luca Toni und Mario Gomez gemacht hat. Oder mit "Robbery" und Gnabry/Sané. Es gibt mehr als genügend Beispiele, wo "Legenden" wie Lewandowski dann doch ganz pragmatisch durch jüngere, aufstrebende Spieler ersetzt worden sind. 

Der Umgang mit Robben und Ribery beweist ja eher, dass die von Sentimentalitäten geprägten Entscheidungen dem Verein genau genommen nicht helfen. Denn erst als man die beiden 2 Jahre zu spät gehen ließ, spielte man auch wieder um den Champions League Titel mit. Und klar, in der Liga ist das vollkommen egal. Aber an der Liga richtet man ja nicht seine Vereinspolitik aus.

Zu behaupten, dass es das früher nicht gegeben hätte, ist einfach faktisch falsch. Und wenn man immer wieder falsche Aussagen wiederholt, sollte man irgendwann einfach kein Experte mehr sein...

Freitag, 15. Oktober 2021

Und der Preis für die sinnloseste Expertenmeinung geht an:

 Lothar Matthäus. Hey, immerhin wird der von Pay-per-View Kunden bezahlt. Da geht das ja gerade noch so.

Aber ernsthaft... Simon Terodde in die Nationalmannschaft? Also klar, ICH bin da voll dafür. Ich will aber auch, dass Deutschland wieder frühzeitig ausscheidet.

Die Logik von Matthäus ist ja auch bestechend. Wir haben halt nur Nils Petersen und David Selke, die als klassischer Mittelstürmer agieren können. Das ist ein Ausbildungsproblem... Aber nebenbei vergisst er Luca Waldschmidt. Und vor allem muss man mal eines festhalten: Diese "tief stehenden Gegner" sind im Wesentlichen die zweitklassige Konkurrenz. Also, bei allem Respekt, Mazedonien und Rumänien. Extra dafür einen Spieler zu nominieren ist einfach albern. Klar, Jogi Löw hat das mit Sandro Wagner gemacht, aber als er sich dann vor dem Turnier dazu entschied, doch nur richtige Nationalspieler mitzunehmen, sorgte das für viel Kopfschütteln. Und ganz ehrlich: Derartige Konkurrenz muss man auch ohne Terodde besiegen. Das schafft Hansi Flick ja sogar recht souverön. Also meistens.

Die entscheidende Frage, auf die man als Deutsche Nationalmannschaft praktisch immer 2 Jahre lang hinarbeitet, ist ja folgende: Welche Spieler können uns gegen Frankreich, Italien, Spanien und derzeit England helfen? Das sind die Spiele, in denen am Ende entschieden wird, wer den Titel holt. Glaubt irgendjemand, dass ein Terodde in diesen Spielen den Unterschied ausmacht? Ein Giorgio Chiellini lacht den doch aus. Der schafft es nicht mal sich gegen Augsburg und Mainz durchzusetzen.

Das ist halt auch ein entscheidender Unterschied zum von Matthäus angebrachten Jonas Hector: Hector war ein gestandener Bundesligaprofi. Der hätte nach dem unnötigen und etwas überraschenden Abstieg locker zu einem anderen, ambitionierteren Bundesligisten wechseln können, aber er entschied sich dafür, seinem Verein die Treue zu halten und den Betriebsunfall zu reparieren. Und dafür wollte Jogi Löw ihn nicht bestrafen. Bei all den fragwürdigen Personalentscheidungen war das eine der wenigen nachvollziehbaren.

Terodde dagegen ist ein Söldner. Und das neue Paradebeispiel für den Titel "Marius Ebbers Angreifer": Ein Spieler, der seine Chance in der Bundesliga bekommen hat und sich da einfach nicht durchsetzen konnte. Der ist halt einfach nicht gut genug. Und klar, um in der 2. Liga zu dominieren, reicht es. Aber ein halbes Jahr nach dem Aufstieg ist er halt weg. Oder sitzt nur noch auf der Bank... was er nachweislich nicht so gerne macht wie der von Matthäus als Vergleich angesprochene Eric-Maxim Choupo-Moting. Wobei man hier natürlich zugeben muss, dass dies in der Nationalmannschaft anders aussehen dürfte. 

Aber ein Problem gibt es halt trotzdem: Einen Platz im Kader beansprucht er dann trotzdem für sich. Und die sind halt auch sehr begrenzt. Also gehen wir das mal kurz durch: Thomas Müller wird Lodda ja nicht aus der Mannschaft kicken wollen, auch wenn die wenigen Leser dieses Blogges wissen, dass dies das vernünftigste wäre. Aber um zu merken, dass Müller in den großen Spielen Scheiße ist, müsste sich unser Rekordnationalspieler ja mit dem Spiel beschäftigen, das kann man von ihm nicht erwarten.

Timo Werner? Klar, der spielt im Nationaldress häufig unglücklich. Der leidet auch am meisten darunter, dass es in diesem Land keinen Mittelstürmer gibt. Den wird aber niemand komplett streichen. Also außer die Fans vergraulen den vielleicht endgültig und er lässt sich mit Erdogan ablichten...

Dann kommen die etablierten Kräfte auf den Außen. Also Gnabry, Sané und Reus. Auf keinen von denen wird ein vernünftiger Bundestrainer freiwillig verzichten.

Bleibt also die Garde der Talente, die spätestens 2024 Stammspieler sein sollen: Havertz, Wirtz, Musiala und Adeyemi.  Und Ilkay Gündogan. Wie gut es "uns" tut nach Gründen zu suchen, den nicht aufzustellen, hat man bei der EM gesehen.

Und ja, ich erwähne Gündogan, weil im aktuellen Transfermarkt.de Kader Jonas Hofmann steht, der auch schon 29 ist und bei dem ich sagen würde "Auf den könnte man auch verzichten!" Aber der fährt halt auch nur mit, weil es am Ende wieder 3 Absagen gab. Und der ist immer noch mindestens eine Liga besser als Terodde.

Das soll nebenbei alles keine Beleidigung für Terodde sein. Der hat wahrscheinlich das maximale aus seiner Karriere rausgeholt. Dieses Maximum lautet aber "Sehr guter Zweitligastürmer". Und so zweitklassig, dass Deutschland solche Spieler braucht, kann unsere Nationalmannschaft gar nicht sein. Trotz Löw und Oliver Bierhoff, die die hervorragend heruntergewirtschaftet haben.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Das werden wir unsern Kindern erklären müssen: Lothar Matthäus

Das Mesut Özil sich das Jubeln über den Führungstreffer verkneift, sagt glaub ich alles über das Länderspiel aus... ich wusste gar nicht, das Özil auch halb Aserbaidschaner ist...
und woran erkennt man, dass das Transferfenster geöffnet wurde? Mladen Petric sitzt mal wieder auf gepackten Koffern.
also weiter mit meiner kleinen Serie
Lothar Matthäus, Länderspiele 150
Debüt: vor unserer Zeit

Ok, um das ganze richtig anzufangen: Loddar ist unser Rekordnationalspieler. Und er war unbestritten einer der besten Fußballer der frühen 90er Jahre. Gegen 2 Wahlen zum Fußballer des Jahres kann man eigentlich nichts sagen. Da muss man schon Sport1.de-User sein und Lionel Messi für überbewertet halten...
Dennoch steht Matthäus auch für die Verzweiflung der Deutschen Nationalmannschaft. Nur um mal zusammenzufassen, wie das ungefähr lief: Berti Vogts hatte eigentlich keine Verwendung mehr für Loddar. Matthias Sammer hatte ihn als besten Libero der Gegenwart abgelöst (was auch daran liegen könnte, dass die Deutschen 96 als einzige noch mit Libero antraten...) und der letzte große Erfolg wurde ohne den damals schon 35 jährigan Rekordnationalspieler.
1998 begannen dann die nie mehr endenden Verletzungen von Matthias Sammer und die erste Bild-Kampagne pro Matthäus, die ihn zurück ins Nationalteam brachten. Wahrscheinlich das erste "Danke schön" für sein "geheimes Tagebuch", mit dem er in der Bild Münchener Mannschaftsinterna veröffentlichte. Ein einfach nur überaltertes Team mit 4 Weltmeistern von 1990 verlor dann im Viertelfinale gegen Kroatien. Die logische Konsequenz dieser Erkenntnis: Der älteste dieser Weltmeister muss die Nationalmannschaft zur EM führen.
Aber es wird schlimmer, Loddar setzte sich vor der EM nach Amerika ab, weil ihn die Bayern nicht mehr wirklich wollten/brauchten. In Amerika glänzte er mit einem Englisch, dass noch Jahre später legendär ist. Anscheinend arbeitete er aber mehr an seinem Englisch als an seiner Fitness und kehrte in schlechter Verfassung zurück zur deutschen Nationalelf. Dennoch sollte er die deutsche Mannschaft zum Titel führen. Leider hätte man dafür den Lothar Matthäus vom legendären Jugoslawienspiel aus dem Jahre 1990 gebraucht... wobei nicht mal das stimmt: man hätte den Lothar auf dem Höhepunkt seines Schaffens gebraucht, um überhaupt die Vorrunde zu überstehen. So wurde diese zweifelslos großartige Karriere durch einen Dreierpack von Sergio Conceicao im letzten Gruppenspiel beendet... Für das Turnier (gemessen an den deutschen Ansprüchen) viel zu früh, für Lothars Karriere mindestens 2 Jahre zu spät.
Und der Fakt, dass dieser steinalte Matthäus, obwohl eigentlich nicht zu übersehen war, wie stark der Zahn der Zeit an ihm nagte, zum einzigen Hoffnungsträger dieser Truppe wurde, zeigt wie verzweifelt die deutsche Notionalelf war und wie wenige Talente in dieser Phase nachkamen.