Montag, 5. Oktober 2026

Läuft doch alles nach Plan

Wenn der Plan lautet, dass man diese Nations-League-Sache so schnell wie möglich hinter sich bringen will. Denn dann ist ein dritter Platz doch perfekt. Da muss man nicht in die Relegation und auch nicht um den Titel mitspielen. Und von letzterem sind "wir" ja noch weit entfernt.

Praktisch halte ich die ganze Aktion doch für eher sinnlos. Also ja, wir wissen jetzt, dass der 2. Kader Jürgen Klopps Ideen besser umsetzt, als der erste. Schön zu wissen. Nur wird selbst dieser 2. Kader in der Formation nie wieder zusammenspielen.

Lustigerweise konzentriert sich die ganze Debatte jetzt auf Joshua Kimmich, weil die deutsche Nationalmannschaft ohne ihren Kapitän ja besser aussah, als mit ihm. Und das war ein absolut absehbares Problem. Wobei das eigentlich größere Problem doch darin besteht, dass Kimmich der einzige Führungsspieler im Kader ist. Wenn es einen offensichtlichen Nachfolger gäbe, könnte man Kimmich ganz leicht absetzen. Aber die Kandidaten sind entweder junge Freigeister (Musiala, Wirtz), häufig verletzt (Havertz) oder halt nur Rollenspieler in der Nationalmannschaft (Raum, Anton). Und ja, David Raum ist der Kapitän bei RB Leipzig. Anton ist, gemeinsam mit Nico Schlotterbeck der Stellvertreter bei Borussia Dortmund. Ich drücke das mal diplomatisch aus: Das sind halt Konstrukte, die unter gewissen Führungsschwankungen leiden. Das ist also nicht das verlässlichste Fachpersonal.

Viel schlimmer ist ja der Fakt, dass Havertz, Wirtz und Musiala mal wieder für 0 Sekunden gemeinsam auf dem Platz standen. Und das lag ja nicht an der verletzungsbedingten Abreise von Havertz, sondern das war so geplant. Aber hey, vielleicht bei nächster Gelegenheit. Da wird sich bestimmt noch etwas ergeben.

Es ist echt faszinierend, wie jetzt alle sagen, dass Klopps Plan halt noch Zeit braucht. Dass Klopp jetzt relativ viel Zeit verschwendet hat, ignorieren dabei die meisten. Und das einzige wirkliche Ergebnis ist die erwartbare Debatte um den Kapitän Kimmich und die Erkenntnis, dass man noch Zeit braucht, die man aber nicht hat.

Ich möchte hier nochmal festhalten, dass alle anderen großen Nationen das anders handhaben. Ein Harry Kane und Lamine Yamal haben bisher in allen 3 Spielen getroffen. Die sind auch fürs 4. Spiel eingeplant. Ganz praktisch hat nur Portugal auch einen Star nach Hause geschickt.

Und boah, ist Cristano Ronaldos Selbstwahrnehmung weit weg von der Realität. Und anscheinend hat er auch niemanden in seinem persönlichen Umfeld, der ihm das mal sagt. Schon vor der Weltmeisterschaft hieß es ja, dass die Portugiesen durchaus um den Titel mitspielen müssen, wenn sie nicht diesen, man muss es so benennen, ehemaligen Weltklassespieler durchschleppen müssten. Und die Spanier zeigten, wie auch später im Finale gegen Lionel Messi, dass man sich das nicht erlauben kann, wenn man gegen sie mithalten will.

Nebenbei könnte Cristiano Ronaldo den Portugiesen als absoluter Edeljoker ja durchaus helfen. Also als Zielspieler im Falle eines Rückstandes. Aber diese Rolle zu akzeptieren, lässt sein Ego nicht zu. Das will ich ihm nicht mal vorwerfen, denn dieses übertriebene Ego und der ungesunde Ehrgeiz sind ja Gründe, warum Ronaldo so lange so gut war. Aber auch hier muss man festhalten, dass Ronaldo ja nicht erst seit gestern praktisch im Vorruhestand ist. Dass es auf diesem allerhöchsten Niveau nicht mehr reicht, wurde eigentlich 2021 klar. Also auch wenn 6 Tore in der Champions League auf den ersten Blick überragend aussehen, so hat er am Ende doch nur in der Vorrunde getroffen und war in der K.‑o.‑Phase gegen Atlético Madrid kein Faktor mehr. 

Sein letztes Tor in der K.O. Phase erzielte er im Achtelfinale 2021 beim Ausscheiden gegen Porto. Im Halb- oder Viertelfinale traf er zuletzt im Jahr 2017. Was völlig absurd ist, weil er mit Real Madrid im Jahr darauf den Titel holte. Nur blieb er da gegen die Bayern und Liverpool ohne Scorerpunkt. Aber gut, geben wir ihm 2018 noch die Weltklasse, weil es ja absurd ist, von Spielern zu erwarten, dass er in diesen 3 Spielen trifft. Also an der Stelle muss man festhalten, dass er "nur noch" Weltklasse war, denn Messi und er waren in den Jahren davor in der "eigentlich unerreichbar" Kategorie. Das ist auch schon 8 Jahre her. Selbst die Optimisten haben 2022 erkannt, dass beide keine wirklich relevante Rolle im Vereinsfußball mehr einnehmen können.

Und beide sind dann auch in die Altherrenliga gewechselt. Nur will Ronaldo halt nicht akzeptieren, dass das eine Altherrenliga ist, in der er da spielt. Er will es auch nicht wahrhaben, dass kein einziger Champions League Teilnehmer sich noch für ihn interessiert. Und er ist noch einmal 2 Jahre älter, als Messi. Wenn Messi jetzt noch ein Turnier spielen würde, dürfte das genau so traurig enden, wie Ronaldos Nationalmannschaftskarriere. Aber Messi hat das erkannt. Er gönnt sich und seinen Fans noch einen letzten, aber bedeutungslosen Tanz. Dann ist endgültig Schluss. Damit beendet er seine Karriere selbstbewusst und mit einem epischen Highlight.

Es ist schon faszinierend, dass es in den letzten 4 Jahren niemand in Ronaldos engerem Umfeld geschafft hat, Ronaldo mitzuteilen, dass auch er Vater Zeit nicht besiegen kann. Also der Vorwurf geht echt mehr an sein Umfeld als an ihn selbst. Wobei das natürlich auch eine Frage nach dem Huhn und dem Ei ist, weil ein Ronaldo sich ja sein eigenes Umfeld bauen kann. 

Langfristig ist das natürlich völlig egal, weil Peak Cristiano Ronaldo eben so verdammt gut war. Für den Moment ist es aber einfach nur schade, dass diese Karriere ein so unwürdiges Ende nimmt. Aber die Schuld dafür muss man nur bei Ronaldo und seinem Umfeld suchen. 

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