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Mittwoch, 19. Oktober 2022

Die offensichtlichste Trainerentlassung ist dann durch

 Schalke scheint sich zu denken: Hey, dieses "Wir entlassen nach 10 Bundesligaspielen den Trainer" Konzept hat doch in der letzten Saison schon so gut funktioniert... das machen wir nochmal. Was soll schon schiefgehen. Und weil wir den Dead Coach Bounce dringend am Wochenende brauchen, lassen wir Frank Kramer noch das Pokalspiel verwalten. Den Wettbewerb werden wir in der derzeitigen Verfassung des Vereines eh nicht gewinnen. 

Aber ganz ehrlich: Das war doch abzusehen. Also ja, alle reden davon, dass ihnen bewusst war, dass es eine schwierige Saison wird. Aber dann verpflichte ich doch keinen Kramer. Also nicht sofort, sondern erst nach 20 Spieltagen als Feuerwehrmann.

Der hat doch die Ausstrahlung eines Manuel Baums, der bei vielen auf der Liste der schlechtesten Bundesligatrainer aller Zeiten stehen dürfte. Das ist eine derart uninspirierte Verpflichtung. Und klar, Kramer hat Arminia Bielefeld zum Klassenerhalt geführt. Der hat halbwegs nachgewiesen, dass er mitten in der Saison eine Mannschaft retten kann. Und Schalke konnte diese Rettungsaktion aus der allerersten Reihe beobachten.

Wobei man diese "Leistung" auch gerade aufgrund der Schalker relativieren muss. Also Bielefeld hat halt auch deswegen die Klasse gehalten, weil man selber anscheinend so gar kein Interesse daran hatte, 2020/21 Bundesliga zu spielen. Und weil Werder Bremen seit Jahren zielgerichtet auf einen Abstieg hingearbeitet hat. Wenn diese beiden Vereine halbwegs ordentlich gearbeitet hätten... aber die wollten ja unbedingt gegen den Hamburger SV spielen und dafür muss man halt in Liga 2. Und gegen diese Konkurrenz hat Kramer sich "durchgesetzt". Als er dann selber eine Saison gestalten musste, schaffte er es nicht mal die komplett konfuse Hertha hinter sich zu lassen.

Das Problem von Rouven Schröder ist nicht primär, dass er mit den wenigen verfügbaren Mitteln keinen ordentlichen Kader zusammenstellen konnte. Wenn du als "großen offensiven Hoffnungsträger" nur Sebastian Polter verpflichten kannst, dann bist du halt am Arsch. Wenn Simon Terodde dein Fixpunkt im Angriff ist, dann wird es halt sehr schwer. Wenn all deine halbwegs brauchbaren Innenverteidiger für zusammen 12 Millionen verkauft werden müssen, wirst du halt keine stabile Abwehr stellen. Aber auf der anderen Seite hat er Alexander Schwolow gefunden und der hat zumindest bis zum Dienstag wirklich gut gespielt.

Der eigentliche Vorwurf geht aber an die uninspirierte Entscheidung auf dem Trainermarkt. Das kann man ja ganz konkret an der aktuellen Konkurrenz festmachen: Augsburg steht für all das, was Schalke fehlt: giftiges Verteidigen und ein klares, konstruktives Angriffsspiel. Und die sind nicht viel besser besetzt. Aber man hat mit Enrico Maaßen eine mutige und inspirierte Entscheidung auf dem Trainermarkt getroffen. Anstatt sich für einen mehrmals gescheiterten Kandidaten aus dem 2nd Hand Shop zu entscheiden, griff man zur neuen, innovativen Lösung. Ein weiteres Beispiel ist Daniel Farke: Den Gladbachern fehlt halt die Konstanz, aber im Großen und Ganzen ist die Mannschaft auf einem guten Weg. Um den großen Rahmen aufzumachen: Schalke hätte einen Steffen Baumgart gebraucht.

Derartige innovative Lösungen hatte Schröder nicht auf dem Schirm. Wollt ihr mir wirklich sagen, dass Maaßen den Schalkern abgesagt und Augsburg bevorzugt hätte, wenn man bei ihm angeklopft hätte? Und den hätte man nach 10 Spieltagen immer noch entlassen können und dann Kramer holen. Es ist ja nicht so, dass der die heißeste Aktie auf dem Trainermarkt war. Aber anscheinend war die wichtigste Qualifikation des Trainers, dass er keine eigenen Assistenten mitbringen will, damit die anstehende Entlassung dann günstiger wird. Und das sind halt Entscheidungen, die direkt zu einem Abstieg führen.

Freitag, 25. September 2020

Manchmal wird man einfach von der Realität überholt

 Und das an allen Fronten.

Da spielen die Bayern mit ihrer Stammelf nicht nur einen relativ sinnlosen Supercup in einem Risiko Gebiet... das Ding geht auch noch in die Verlängerung und ein 32 Jahre alter Robert Lewandowski muss 120 Minuten lang auf dem Rasen stehen. Ich ging ja davon aus, dass wie beim Deutschen Supercup (oder dem kurzzeitigen Projekt "Ligapokal") nach 90 Minuten direkt zum Elfmeterschießen gesprungen wird. Aber natürlich geht so was bei einem total wichtigen Pokal nicht...

Und dann... suspendiert Mainz 05 Adam Szalai und sagt ihm, er soll sich einen neuen Verein suchen. Worauf Szalai aber so gar keinen Bock hat, er will lieber den Konkurrenzkampf trotz der schwierigen Situation annehmen. Und da er ein wichtiges Tor im Pokal erzielt hat, ist das es ja auch nicht ausgeschlossen, dass Mainz von ihm profitiert.

Nur um mal so nen paar Zitate von den Beierlorzer und Schröder in den Raum zu werfen: Dass Szalai suspendiert worden ist, hat "ausschließlich sportliche Gründe." Sprich: Praktisch hat sich Szalai in dieser Vorbereitung nichts zu Schulden kommen lassen. Man hat nur Angst, dass "die erwartenden Konflikte in dieser Situation" eskalieren, reichte um ihn rauszuwerfen. Auf der Pressekonferenz war noch von sportlichen Gründen in der Gesamtbewertung die Rede.

Jetzt stellt euch mal vor, Szalai hätte ein spontanes Angebot von... nicht übertreiben... sagen wir Bayer Leverkusen. Dann würde er auch "sportliche Gründe der Gesamtbewertung" anbringen um einen Wechsel zu erzwingen. Und versuchen sich vom Training freistellen zu lassen. Oder einfach nicht kommen. Das sind dann immer diese "Spielerstreiks", die für den Werteverfall im Fußball stehen. Und dann folgt immer der kollektive Aufschrei, was für ein Arschloch der Spieler doch ist.

Es gibt ja wirklich ein praktisches Gegenbeispiel, bei dem man die Unterschiede in der Bewertung sehen kann. Beim Duelle Hannover - Karlsruhe stellte sich Philpp Hoffman spontan fest, "dass er sich nicht imstande sieht, heute aufzulaufen"... Weil er halt als Stürmer bei Union Berlin im Gespräch war. Und da kann man sich halt nicht aufs Tore schießen konzentrieren. Vollkommen nachvollziehbar...

Ist es natürlich nicht, aber in der allgemeinen Berichtserstattung war nicht Oliver Kreuzer, der Hoffmann seinen Traum von der Bundesliga verwehrt, das Arschloch, sondern natürlich der Spieler. Das ist ja auch vollkommen fair. Aber fair wäre es halt, wenn Schröder und Beierlorzer jetzt dieselbe Reaktion abbekommen.

Von Journalisten, Fans, Verantwortlichen, außen stehenden Beratern und Spielern wäre jetzt eine eindeutige: Einen Spieler einfach nur zu suspendieren, weil man ihn unbedingt loswerden will, geht gar nicht. Wie man das halt bei einem Spieler in derselben Situation auch machen würde. Aber da wird wie immer nichts kommen.