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Donnerstag, 5. Februar 2026

Noch mehr Gedanken zur Situation bei Werder Bremen

 Dallein schon, damit ich den "Haben die auch Das Bo angerufen?" Witz nicht liegen lassen muss... Türlich, Türlich

Aber es gibt ja schon neue Entwicklungen: Daniel Thioune macht es. Und der ist im Wesentlichen die schlechtere Version von Horst Steffen.

Um den Anstoss 3 Vergleich zu bringen: Steffen hatte in Elversberg das Level Zweite Liga durchgespielt. Er führte die Mannschaft auf Platz 3, was praktisch zum Aufstieg reichen sollte und weit über dem liegt, was Elversberg mit seinen bescheidenen Mitteln erreichen sollte. Und er hatte dort langfristigen Erfolg. Schon die dritte Liga hat er dort durchgespielt. Insgesamt führte er den Verein von der Regionalliga bis beinah in die Bundesliga. Das ist schon beeindruckend.

Daniel Thioune scheiterte am Ende immer wieder an dem Level "2. Liga". Er führte den Hamburger SV ganz souverän auf den vierten Platz und erhielt damit damals deren legendäre "Unaufsteigbar" Serie. Das wurde aber nicht wirklich wertgeschätzt und er musste nach einer Saison wieder gehen. Und er führte Fortuna Düsseldorf auf den Relegationsrang. Also ja, nach meiner Überzeugung müsste auch Thioune ein Aufstiegscoach sein. Man muss aber ganz sachlich festhalten, dass es ein Unterschied ist, ob man Düsseldorf als Traditionsverein mit für die 2. Liga sehr guten Mitteln auf Platz 3 führt, oder eben Elversberg. Auch wenn Vincent Wagner das Werk von Steffen gerade weiterführt und der Erfolg dort also nicht nur auf der Arbeit des Trainers basiert: Steffen hat die beeindruckendere Vorleistung erbracht.

Der wohlwollendste Kommentar zu Thioune war nebenbei: Der hat doch in Düsseldorf einen guten Job gemacht, er hat sich halt nur das Rückspiel in der Relegation gegen Bochum vercoacht... ähm... "Dinge über die Relegation regeln" ist gerade DER Gameplan für Werder. 

Nebenbei hat sich Thioune nirgends wirklich lange gehalten. 2 1/2 Jahre in Düsseldorf das Saisonziel "Aufstieg" verpassen sind da schon das Karrierehighlight. Und ja, Düsseldorf hatte jeweils laut Transfermarkt.de einen der besten Kader der Liga. Trotz HSV, Schalke und Hertha. Im Wesentlichen hatte Thioune 3 Jahre (eine Saison mit dem HSV, 2 volle mit Düsseldorf) die Gelegenheit, sich die Bundesliga "freizuschalten" und er ist jeweils daran gescheitert. Die dritte Saison hat er dann so in den Sand gesetzt, dass Düsseldorf in den Abstiegskampf rutschte und er entlassen wurde.  Wenig deutet darauf hin, dass der unbedingt in die Bundesliga muss.

Oder anders ausgedrückt: Wenn man im Sommer eine Ablöse für Thioune bezahlt hätte, wäre Clemens Fritz mit der Frage "Warum holst du nicht Steffen?" konfrontiert worden. Der ist nicht nur jetzt die Dritte Wahl, sondern er wäre es auch im Sommer gewesen. Was macht jetzt wirklich Hoffnung, dass Thioune mehr aus dieser Mannschaft rausholt, als Steffen?

Klar, ein Dead Coach Bounce kann Wunder bewirken. Kurzfristig kann es einen Aufschwung geben. Aber es wäre schon ein Wunder, wenn Thioune in 2 Jahren immer noch Trainer an der Weser ist. Aber darum geht es ja gar nicht, es geht gerade nur um den Dead Coach Bounce und irgendwie die Klasse zu halten.
Das ist ja der offensichtliche Grund, warum Clemens Fritz jetzt auch gehen sollte. Und ja, genau jetzt, damit man anfangen kann, den Sommer zu planen. Denn wenn man sich als Manager in die Situation manövriert hat, in der man nur noch und ausschließlich in 3 Monats-Zyklen denken kann, dann hat man vorher verdammt viele Fehler gemacht.

Nebenbei hat Arnd Zeigler eine interessante Statistik gezeigt (der relevante Teil kommt bei 9:42): Im Wesentlichen wurde Horst Steffen entlassen, weil er gegen den Hamburger SV verloren hat. Und gegen die Top 8 in der Tabelle. Gegen die eigentliche Konkurrenz ist Steffen ungeschlagen. Und natürlich ist das etwas zu kurz gedacht, denn man hat halt gegen Köln, Augsburg und Gladbach "nur" Unentschieden gespielt. Wenn er eines dieser Spiele gewonnen hätte, wäre er noch im Amt. Und man hat jetzt 2 Spiele gegen Freiburg und Bayern vor der Brust. Vincent Kompany zittert schon, schließlich wartet er seit 2 Spielen auf einen Sieg... Wenn er am Wochenende nicht gewinnt und dann im Pokal ausscheidet, könnte es plötzlich eng für ihn werden. Aber viel wichtiger ist: Ein bisschen mehr Gelassenheit hätte eben nicht geholfen, weil noch 2 Niederlagen im Programm stehen, bevor es planmäßig wieder besser wird.

Aber im Wesentlichen hat Fritz da einen Kader gebastelt, der mit der Top 8 der Liga nicht mithalten kann. Dann gab es eine ungünstige Konstellation, in der Werder in 9 von 12 Spielen gegen die Top 8 antreten musste. Und die Spiele gegen St. Pauli, Heidenheim, Union Berlin und Mainz bekommt dann ein anderer Trainer. In der Hinrunde holte man gegen diese Gegner unter Steffen 11 Punkte. Wenn man die in der Rückrunde auch holt, hat man 30 Punkte, was letztes Jahr für den direkten Klassenerhalt gereicht hätte. 
Vor allem muss Thioune erstmal mehr als diese 11 Punkte holen. 

Aber die Eigenheiten des Spielplans sind hier echt faszinierend. Denn wenn man die Spiele gegen die Europacup-Teilnehmer aus dem Breisgau und Bayern hinter sich hat, wird der Spielplan dramatisch einfacher. Von den dann folgenden 8 Gegnern kommt nur RB Leipzig aus der oberen Tabellenhälfte. Bevor es dann zum "Finale" mit Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund in 3 von 4 Spielen wieder knüppeldick kommt. 
Dass der Spielplan so in "Wir spielen erst gegen die Deppen, dann gegen die Guten" geteilt wurde, ist schon ungewöhnlich. Und am Ende ist Steffen auch genau darüber gestolpert.

Bei einem kompetenteren Manager würde ich davon ausgehen, dass er diese Eigenheiten des Spielplanes im Blick hat. Aber hätte dieser kompetentere Manager dann Thioune den Bayern zum Fraß vorgeworfen? Wahrscheinlich hätte ein besserer Manager sich eher darum gekümmert, dass der Trainer, der nach dem Bayern Spiel auf der Bank sitzt, einen vernünftigen Kader zur Verfügung hat... Apropos:

Wenn man den Fokus dann etwas weiter stellt, zeigt die direkte Konkurrenz, wie es "richtig" geht. Mainz reagiert auf die Fehler im Sommer und die allgemein schwierige Lage mit der Verletzung von Benedict Hollerbach. Wobei der Begriff "Fehler" hier immer noch schwierig ist, weil einen Ersatz für Jonny Burkhardt zu finden eine dieser unlösbaren Aufgaben für die Mainzer ist. 

5 Millionen nahm man in der Summe in die Hand. Es wurde mit Philip Tietz ein Stürmer geholt, der in den letzten 2 Bundesliga-Jahren 15 Tore geschossen hat. Also mehr Tore als all die Mittelstürmer in Bremen zusammen... in ihrer gesamten Karriere. Man hat die persönlichen Kontakte des Trainers zu Sheraldo Becker genutzt. Man hat einen erfahrenen Innenverteidiger günstig ausgeliehen. Und man hat sich mit Silas ein günstiges Rehabilitationsprojekt geholt.

Abgesehen von Becker sind das alles Transfer, die auch Werder hätte tätigen können. Und nur auf den Außenbahnen ist Werder so gut aufgestellt, dass sie Silas nicht brauchen. All die anderen Spieler hätten auch Werder gut zu Gesicht gestanden. Aber Fritz war ja schwer damit beschäftigt, den Fehler mit Horst Steffen zu reparieren. Also den Fehler des Zeitpunkts der Entlassung.

Wie ich gestern schon ausgeführt habe: Horst Steffen ist nicht das Problem an der Weser. Je intensiver man sich mit der Situation beschäftigt, umso deutlicher wird das. 

Dienstag, 3. Februar 2026

Horst Steffen ist nicht das Problem

 Und das wird gerade deutlich.

Mein eigentliches Highlight der Samstags-Sportschau war ja die Feststellung, dass man den Trainer ja jede Woche entlassen kann. Für Clemens Fritz, der anscheinend dachte, dass das nur nach Spielen gegen Werder Bremen geht, war dies anscheinend eine wichtige Neuigkeit. Dabei versuchte er seit Wochen den Trainer davon zu überzeugen, ein Testspiel gegen die eigene 2. Mannschaft auszutragen. Oder ein Spiel gegen die Damenmannschaft. Hauptsache gegen Werder.

Nachdem er dann die neue Information verarbeitet hat, entließ er Horst Steffen einfach so. Und ja, der negative Trend von 10 Ligaspielen ohne Sieg gibt ihm die Grundlage für so eine Entscheidung. Der Aufschwung in Mainz gibt ihm die Notwendigkeit. Und die Erkenntnis, dass ein Dead Coach Bounce wirklich helfen kann.

Nur entscheidet sich Fritz für den dümmstmöglichen Zeitpunkt: Direkt nach der Winterpause und kurz vor dem Ende des Transferfensters. Eigentlich sollte Fritz jetzt alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den doch recht bescheidenen Kader aufzubessern. Denn es ist ja keine ganz große Überraschung, dass Werder steht, wo sie stehen.

Also ganz offensichtlich: Die 3 fitten Mittelstürmer Keke Top, Jovan Milosevic und Salim Musah sind im Schnitt 20 Jahre alt. Sie kommen zusammen auf 4 Bundesligatore... für die gesamte Karriere. Dafür haben sie ein relatives Überangebot an Flügelstürmern, die aber alle nicht wirklich torgefährlich sind. Das ist ja auch logisch, schließlich würden sie nicht in Bremen spielen, wenn sie komplette Fußballer wären. 

Und ja, Fritz ist im Sommer das Risiko mit Victor Boniface eingegangen und das hat nicht funktioniert. Das war wahrscheinlich auch die einzige Option, die er hatte. In logischer Konsequenz sollte die gesamte Energie und jeder vorhandene Cent in einen Stürmer gesteckt werden.

Das wäre auch machbar, wenn Fritz wenigstens eine Interimslösung parat hätte. Aber trotz des seit Monaten andauernden Niedergangs ist anscheinend "Die Co-Trainer von Steffen übernehmen, während ich panisch verhandle" die einzige Option.

Dann stellt er als nächstes fest, dass Mainz relativ wenig Interesse daran hat, einen direkten Konkurrenten zu stärken und ihnen günstig Bo Henriksen zu überlassen. Das konnte man ja nicht ahnen. Und als Nächstes guckt sich Bo Svennson die Lage an der Weser an und sagt dankend ab. Das kann ich ihm jetzt schlecht verübeln, aber dass das alle wissen, ist schon schlecht.

Denn jetzt weiß jeder Trainer, der dieses sinkende Schiff übernimmt, dass er keinen brauchbaren Stürmer mehr verpflichten kann und das er nur die 3. Wahl ist. Wie kann man als Manager so kopflos agieren?

Der Retter könnte jetzt Dieter Hecking werden... weil er das ja in Bochum letztes Jahr so gut hinbekommen hat. Da würde Peter Neururer mehr Schwung reinbringen. Und die innovativere Lösung wäre es auch.

Hier zeigt sich aber das Grundproblem von Werder: Man sucht auch nach 14 Jahren noch nach einem Nachfolger für Klaus Allofs. Der war gemeinsam mit Thomas Schaaf das Gesicht der letzten erfolgreichen Epoche. Und Werder hat halt die Angewohnheit, irgendwelche verdienten Ex-Profis in die Rolle des Managers zu schieben. Clemens Fritz ist ja nur in dieser Position, weil irgendwann allen aufgefallen ist, dass Frank Baumann nicht die Lösung sein kann. Und obwohl Fritz mit Baumann Hand in Hand den Niedergang moderiert hat, wurde er trotzdem in den Chefsessel befördert. Der war ja schon immer da, da kann es an ihm nicht gelegen haben.

Jetzt haben wir die erste echte Krise seit der letzten Beförderung im Sommer 2024 und Fritz ist einfach nur überfordert. Aber weil sonst niemand helfen kann, muss er jetzt das Ruder rumreißen und irgendwie einen Trainer finden, der zumindest die Saison halbwegs vernünftig zu Ende bringt. In der naiven Hoffnung, dass dann im Sommer alles irgendwie besser wird.

Die einzige gute Nachricht. Man muss ja nur Heidenheim und St. Pauli hinter sich lassen, das werden sie schon irgendwie schaffen. 

Donnerstag, 27. Februar 2025

Das kann ja so nicht geplant gewesen sein.

Es ist ja alles wie immer: Wenn man ein Mal nicht aufpasst, wird schon wieder irgendeine Änderung vorgenommen, um die Übersättigung des Marktes weiter voranzutreiben. Anscheinend ist dem DFB aufgefallen, dass man ja noch eine freie Woche im Rahmenterminkalender hat. Eine Woche, in der tatsächlich nichts ansteht und man einfach mal runterfahren könnte... oder...

Man teilt das DFB-Pokal-Viertelfinale auf 2 unterschiedliche Wochen auf... und lässt zwischen den Spielen 20 Tage ins Land streichen.  Da kann dieser Wettbewerb ja mal so richtig strahlen. Da kann man dann bestimmt haufenweise gute Bundesligaspiele im frei empfangbaren Fernsehen senden.

Stattdessen bekommt man... Arminia Bielefeld gegen Werder Bremen und RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg...

Und versteht mich bitte nicht falsch: Dieses David gegen Goliath macht ja die Würze im Pokal aus. Dass Bielefeld jetzt im Halbfinale steht, ist etwas Wunderschönes. Aber brauchen wir dafür wirklich 2 Tage, an denen wirklich nur in Bielefeld gespielt wird und der Ball jetzt ruht? Wäre es wirklich schlimm gewesen, wenn diese Sensation zeitgleich (oder wenigstens am selben Tag wie) Stuttgart - Augsburg stattgefunden hätte?

Ich musste nebenbei wirklich nachschlagen, wer die anderen Pokalteilnehmer waren, weil das so verdammt lange her ist, dass in meinem Kopf wirklich kein Zusammenhang zwischen dem einen und den anderen Pokalspielen entstand. Das kann nicht gut sein. 

Wie schlimm ist die Lage? Das ehemalige Fachmagazin muss eine übertriebene Headline über Werder Bremen veröffentlichen, damit sie irgendwie Traffic generieren. Und die verstecken sie dann hinter einer Paywall. Werder Bremen ist dabei das Paradebeispiel für ein sogenanntes "Small Market" Team. Also die Mannschaften, die der Liga schon guttun, die aber eigentlich nur in den Vordergrund geraten, wenn sie richtig Scheiße bauen. Das liegt in Bremen auch an der einfach nur seriösen und rationalen Arbeit, die da angeboten wird. Aber es liegt halt auch daran, dass Werder im kleinsten Bundesland beheimatet ist. 

Dabei hat der Kicker irgendwie recht: Die Unzufriedenheit ist quasi spürbar, wenn Leonardo Bittencourt öffentlich einen seiner Mitspieler so direkt angreift. Und man ist gerade dabei, sich eine an sich ordentliche Saison mit Potenzial nach oben zu versauen. Da aber schon vom Untergang zu reden, ist völlig übertrieben. Gerade wenn man bedenkt, dass Werder de facto erst das dritte Jahr infolge Bundesliga spielt. Früher wäre man als Kicker damit sachlicher umgegangen. In diesem ominösen Früher war dies aber auch nicht das einzige Spiel, über das man berichten musste.

Es ist aber durchaus spannend, wie es jetzt bei Werder weitergeht. Ole Werner muss jetzt seinen nächsten Schritt auf der "Das ist wirklich ein guter Trainer" Leiter gehen. Bisher hat er Werder zum Aufstieg geführt, den Klassenerhalt gesichert und dann als Mittelfeldteam stabilisiert. Das ist eine gute Zwischenbilanz für einen Verein, der sich im dauerhaften und gar nicht mehr so schleichenden Niedergang befand. Jetzt steht aber die Frage im Raum, ob er während der Saison in einer richtig beschissenen Phase einen Stimmungsumschwung herbeireden kann. Wobei, reden will der ja gar nicht... Und Werder hat ja nur 1 seiner letzten 9 Pflichtspiele gewonnen. Jetzt wird sich zeigen, ob Werner das Schiff wieder auf Kurs bekommt. Obwohl er das ja in einer recht entspannten Ausgangslage machen kann, denn ein Abstieg erscheint ja ausgeschlossen. Nebenbei hat Werder genau die 30 Punkte, die man im Vorjahr zum selben Zeitraum auch hatte. Und letztes Jahr konnte Werner in Ruhe arbeiten. Wie Werder allgemein arbeitet, halte ich eine Entlassung für ausgeschlossen. Wenn er diesen U-Turn aber anleiten kann, hat Werder seinen Trainer für die nächsten 10 Jahre gefunden und kann stabil weiterplanen.

 

Das andere Halbfinale hat auch nur bewiesen, wie real der "El Plastico" doch ist. Wenn irgendein anderer Verein aufgrund eines fragwürdigen Elfmeters ausgeschieden wäre, würde es einen riesigen Aufschrei geben. Wenn ausgerechnet RB davon profitiert, würden alle von der Fußballmafia DFB fantasieren. Da es aber nur die Werkself aus Wolfsburg war, interessiert das halt keinen.

Lustigerweise haben die Wolfsburg Ultras ja zum Boykott aufgerufen, weil sie ich keine extra App holen wollten... Ich wusste auch nicht, dass es Wolfsburg Ultras gibt, aber anscheinend existieren die. Aber wenn die dann irgendwas raushauen, interessiert das einfach keinen. Aber die sind halt auch ohne Boykott-Aufrufen nur auf Platz 17 der "Auswärtsfans" stehen, nimmt man einfach keinen Unterschied wahr. Die deutlichste Reaktion kam wahrscheinlich direkt von VW... die sich dachten: Cool, dann könnt ihr ja doch bei uns am Fließband stehen.

Wobei ich an der Stelle nochmal den Einschub bringen muss, dass trotzdem über 40.000 Leute im Stadion waren. Abgesehen vom Gästeblock war das Stadion also quasi voll. Und man hat auch in der ganzen Stadt gemerkt, dass gestern Abend RB gespielt hat, selbst wenn einen das Spiel nicht interessiert hat. Selbst ich, der zu einem Konzert wollte, habe davon profitiert, weil ich eine der "Die fahren nur, wenn Fußball ist" Verbindungen nehmen konnte. Ich erwähne das hier als "Augenzeuge" so explizit, um dem "Die lösen doch keine Emotionen aus" Gelaber der Traditionsfans entgegenzuwirken: In Leipzig tun sie das mittlerweile. Es ist mittlerweile auch völlig normal, dass man am allgemeinen Stadtbild wahrnimmt, ob RB ein Heimspiel hat, oder nicht. So wie das bei allen anderen Bundesligisten auch der Fall ist. Das war in den ersten Bundesligajahren noch deutlich anders. Da hat sich aber einiges getan.

Allgemein steht RB jetzt vor der Frage, ob sie sich von der theoretischen Chance auf einen Titel blenden lassen und Marco Rose behalten, oder ob sie doch in die Champions League wollen. Rose selber sieht es ja positiv, dass man in der Jägerrolle ist, weil die Gejagten in dieser Bundesliga ja eh nie gewinnen. 

Fakt ist: Gegen Wolfsburg war man besser als in den letzten Wochen, aber eben auch nicht wirklich gut. Rose holt gerade relativ gesehen noch weniger aus seiner Mannschaft, als Ole Werner. Nach den angebotenen "Vorleistungen" muss RB jetzt hoffen, dass sie auf Bielefeld treffen, denn gegen die Anderen sind sie derzeit definitiv nur Außenseiter. Und auf einen dieser anderen müssen sie dann im Finale spielen. Und Wolfsburg war jetzt auch nicht in überragender Form. Im Gegenteil: Der Fakt, dass die nur 1 ihrer letzten 7 Bundesligaspiele gewonnen haben, ist der Grund, warum Leipzig wenigstens noch auf Platz 6 steht...

Es ist irgendwie faszinierend, dass Rose jetzt weitermachen darf, weil man einen fragwürdigen Elfmeter bekommen hat. Denn darauf läuft es ja hinaus. Gerade bei RB hätte ich eine derartige Abhängigkeit von zufälligen Ereignissen nicht erwartet... aber die wollen anscheinend doch ein richtiger Bundesligist werden und dafür muss man halt dumme Entscheidungen treffen. 

Der Fakt, dass Wolfsburg ebenfalls so schwach ist, hat Rose jetzt doppelt den Job gerettet, weil er sie im direkten Duell schlagen konnte und sie in der Liga trotz der eigenen Negativserie immer noch hinter RB stehen. Das ist doch eine gute Arbeitsgrundlage...

Donnerstag, 25. April 2024

Um nochmal bei den Negativserien nachzuharken

 Also als kurze Erinnerung: Am Samstag hab ich hier ausgeführt, wie viele Bundesligisten gerade bei höchstens einem Sieg in den letzten 5 Spielen sind. Wie viele Mannschaften die Rückrunde ziemlich verkacken.

Dann habe ich die These aufgestellt, dass das auch daran liegt, dass viele Mannschaften die Saison schon abgehakt hatten. Sie gingen davon aus, dass sie nicht in den Abstiegskampf rutschen werden, aber nach oben geht auch nichts mehr... also rutschen die doch in den Abstiegskampf.

Und dann habe ich kurz ausgeführt, dass das ja immer wieder passiert. Das zum Beispiel Werder Bremen zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre eine grausame Rückrunde angeboten wird.

Dabei fiel mir dann ein Gedanke auf: Es gibt eine einzige Mannschaft, der das nie passiert. Oder zumindest so gut wie nie. Die eigentlich auch immer frühzeitig ihr eigentliches Saisonziel "Nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben" frühzeitig erfüllen. Die dann aber trotzdem...

Also 2023 beenden sie die Saison mit 4 Siegen und 2 Unentschieden aus den letzten 10 Spielen.
2022 sind es ebenfalls 4 Siege, aber nur ein Unentschieden.
2021 sind es "nur" 3 Siege und 2 Unentschieden.
2020 sind es wieder 4 Siege und 3 Unentschieden...
Man erkennt da ein gewisses Muster.
2019 war der eine "schwächere Endspurt", in dem man "nur" 2 Siege und 3 Unentschieden holte.
Diese Mannschaft beendete die Saison immer zwischen Platz 5 und 13. Platz 13 war offensichtlich die Saison, in der man den Endspurt "verkackt" hat.

Die Rede ist offensichtlich vom SC Freiburg unter Christian Streich. Wer hätte es gedacht: Natürlich liefert der beste aktive Trainer diese konstante Bilanz hin. Aber es ist schon bemerkenswert, dass die Freiburger nicht nur immer wieder gut in die Saison starten, sondern hinten raus nie wirklich die Spannung verlieren. Dass die, auch wenn es nur noch um Platz 8 geht, trotzdem nicht den Betrieb einstellen. 

Das liegt auch ganz offensichtlich daran, dass Streich seine Spieler über die Saison hinweg weiterentwickelt. In der aktuellen Saison ist es Merlin Röhl, der über das Jahr hinweg vor unseren Augen zum Stammspieler reifte. Und Noah Atubolu wird mit immer souveräner. Und man könnte da jedes Jahr durchgehen. Man muss ja nur die Abgänge wie Kevin Schade,  Mark Flekken, Luca Waldschmidt und Nico Schlotterbeck durchgehen. Oder an Vinzenco Grifo denken, der bisher nur unter Christian Streich und in dessen System ein guter Bundesligaspieler war... und entsprechend schnell zum SC zurückkehrte.

Es ist auch einfach ein echt unfairer Wettbewerbsvorteil, dass der SC Freiburg jahrelang auf diesen überragenden Trainer bauen durfte. Denn normalerweise, wie man ja ganz praktisch in Mainz sehen konnte, gehen diese Trainer dann doch zeitnah nach Dortmund. In Freiburg konnte man sich 15 Jahre lang darauf verlassen, dass die Mannschaft übers Jahr hinweg einfach besser wird. Und dass man nicht noch spontan in den Abstiegskampf rutscht, weil man die Saison zu früh abschließt.

Über Christian Streich gibt es endlos viele Lobeshymnen, aber den "Seine Mannschaften brechen nebenbei nie ein" Aspekt wurde dabei nie angesprochen.

Und nebenbei bekommen andere Trainer da viel zu oft einen "Freifahrtschein". Also nehmen wir mal unser Lieblingsbeispiel: Werder Bremen. Die verlieben sich ja immer wieder nach einem guten halben Jahr in ihren Trainer, weil sie krampfhaft auf der Suche nach Stabilität und den nächsten Thomas Schaaf sind. Deswegen durfte Florian Kohfeld im Amt bleiben, als er die Mannschaft souverän in die Relegation geführt hat. Letzte Saison musste sich Ole Werner keine kritischen Fragen gefallen lassen, als er die Saison mit einem Sieg aus 11 Spielen "ausklingen" ließ. Als Aufsteiger kann das ja mal passieren. Jetzt ist Werder schon wieder bei nur einem Sieg aus 9 Spielen. Aber solange sie nicht direkt in den Abstiegskampf rutschen, wird sich Werner keine Gedanken um seinen Job machen müssen.

Obwohl er jetzt in der 2. Saison infolge nachweist, dass er eine Mannschaft während der Saison nicht wirklich besser macht. Denn wenn ihm das gelingen würde, kämen ja solche Serien nicht zustande. Dabei wäre es gerade für eine Mannschaft wie Werder Bremen essenziell, einen Trainer zu finden, der genau das kann. Denn man gehört ja zu diesen designierten "Grauen Mäusen", die nicht auf dem Transfermarkt fett einkaufen können, sondern müssen zwangsweise auf die Entwicklung in ihrem eigenen Kader setzen. Sowohl um garantiert eine sorgenfreie Saison zu spielen (und eventuell mal nach oben zu schielen), als auch um das nötige Kleingeld auf dem Transfermarkt zu generieren.

Trotzdem wird Werder die Stabilität mehr schätzen, als die Chance auf eine Weiterentwicklung. Sie werden so lange mit Platz 13 zufrieden sein, bis sie irgendwann reagieren müssen, weil doch der Abstieg droht.

Und versteht mich nicht falsch: Ich fordere jetzt keine Entlassung von Werner. Aber man sollte sich nach der Saison damit auseinandersetzen. Die letzten beiden Saisons analysieren, die Gemeinsamkeiten in der schwachen Rückrunde erkennen und dann darüber nachdenken, ob man sich dann neu orientiert. Oder ob man Werner noch eine Saison gibt, in dem er diese offensichtlichen Probleme löst.

Aber nach der Saison die Trainer auszutauschen, wird ja kaum gemacht. Also klar, die Bayern versuchen das gerade. Und sie haben das mit Pep Guardiola 2 Mal gemacht: Als sie ihn geholt haben und als er ging. Und dann gab es die eine Saison, in der Wolfsburg, Frankfurt und Gladbach die Trainer im Kreis getauscht haben. Aber normalerweise wechselt man die Trainer, wenn während der Saison was schiefläuft... und nicht wenn man nach der Saison feststellt, dass es keine Weiterentwicklung gibt. Also wie das die Amerikaner machen, bei denen die Trainer am sogenannten "Black Monday" entlassen werden: dem ersten Montag nach der regulären Saison. Aber die haben halt auch keinen Abstiegskampf, da ist so was einfacher.

Die andere Seite des Problems ist natürlich, dass Ole Werner kein schlechter Bundesligatrainer ist. Er dürfte schon den Durchschnitt darstellen. Er macht ja wenig wirklich verkehrt, er macht dich nur nicht besser. Und wenn sich der neue Kandidat dann als "schlechter Bundesligatrainer" entpuppt, hat man das Problem. Da hält man doch lieber so lange wie möglich an dem Durchschnitt fest.

Was aber auch nur bedeutet: Werder wird so lange im derzeitigen "Graue Maus" Status bleiben, bis sie irgendwann in den Abstiegskampf rutschen. Wirkliches Bestreben, da progressiv herauszukommen, ist wieder mal nicht in Sicht. 

Werder Bremen ist da natürlich kein Einzelbeispiel. Borussia Mönchengladbach ist mit Gerado Seoane in derselben Position. Und beides sind allgemein Mannschaft, die schon noch die wirtschaftliche Potenz (und eine entsprechend große Fanszene) haben, um souverän in der Bundesliga mitzuspielen, denen aber die Investitionsmöglichkeiten fehlen, um wirklich und konstant oben anzugreifen. Und beide sind, ganz sachlich gesehen, auf der Suche nach ihrem Christian Streich. Der letzte "Streich-Kandidat" der beiden dürfte Lucien Favre von 2010 bis 2014 gewesen sein. Aber Favres überraschender Rücktritt im Jahr 2015 belegt ja auch nur, wie schwer es ist, so einen Trainer zu halten. Seitdem wird auf der Trainerbank munter rotiert, aber keiner konnte konstanten Erfolg verbuchen.

Aber, so fair muss man sein, mit Adi Hütter, Daniel Farke und eben Seoane holte man zuletzt 3 Mal infolge einen neuen Trainer zum Trainingsauftakt. Die sind also gewillt, nach einer durchschnittlichen Saison nach Verbesserungsmöglichkeiten auf der Trainerbank zu suchen. Jetzt kann Werder darauf zeigen und behaupten "Seht ihr, das bringt doch auch nichts", während Gladbach sagen kann "Wir haben uns wenigstens bemüht"... alles nur ne Frage der Perspektive.

Donnerstag, 19. Januar 2023

Wo waren wir nochmal? Teil 3: Für wen geht es um nichts?

 Oder nur darum, dass es um nichts mehr geht.

Natürlich ist es eigentlich noch viel zu früh, um eine Saison abzuschreiben oder als Erfolg zu erklären. Aber nach 15 Spieltagen hat so eine Tabelle doch schon einiges an Aussagekraft. Die Mannschaften stehen nicht mehr rein zufällig dort, wo sie stehen.

Gleichzeitig haben die Mannschaften, die auf dieser Liste auftauchen, entweder so viele Schwachstellen, dass ein deutlicher Aufschwung unwahrscheinlich ist, oder ein zu großes Polster, um nochmal ganz unten reinzurutschen. Also zumindest theoretisch, praktisch wird es trotzdem jemand schaffen. Wahrscheinlich eher nach unten.

Die wichtigste Frage ist ja dabei, ob Borussia Mönchengladbach gerade entschieden hat, die Saison praktisch aufzugeben. Denn Yann Sommer war halt in den letzten Jahren der beste Torhüter der Liga, was auch daran lag, dass Manuel Neuer häufig verletzt war. Egal, wie gut Jonas Omlin ist, er wird ein Downgrade darstellen. Wie das halt so ist, wenn man von der Schweizer Nummer 1 auf die Schweizer Nummer 4 umsteigt. Man steigt nicht direkt von Rolex auf Cassio um, aber weit weg davon ist es nicht.
Ohne die sicherste Bank der Liga ganz hinten wird es schwer für die Gladbacher in den Kampf um Europa einzugreifen.

Danach folgt Werder Bremen, die ja auch einfach glücklich damit sein werden, eine sorgenfreie Saison zu spielen. Das ist halt der Segen eines Aufsteigers: Alle sind so froh, dass man wieder dabei ist, dass man einfach jede Sekunde der ersten Saison genießt. Gerade wenn man, wie die Hanseaten, in den letzten Jahren im Kampf um Ab- oder Aufstieg gesteckt hat.

In Mainz stellt man mittlerweile fest, dass diese Euphorie sich nicht ewig halten lässt. Dort hat man sich daran gewöhnt, dass man in 7 von 10 Jahren eine sorgenfreie Saison spielt. Dann rutscht man halt ein Mal oben und 2 Mal unten rein. Das ist so grob die Zusammenfassung der letzten Jahre. Das Problem daran: Man merkt halt mittlerweile, dass das auf Dauer nicht wirklich befriedigt. Dies merkt man zum Beispiel daran, dass der Zuschauerschnitt mal bei 31.000 lag. Jetzt kommen eher weniger, auch wenn der Trend dieses Jahr wieder nach oben zeigen könnte. Man hat sich halt so sehr dran gewöhnt, was man da geboten bekommt, dass man nicht mehr hingeht. Im Jahr 2000 hätte man das sofort unterschrieben, in der 17. Bundesligasaison begeistert es halt nicht mehr. Jetzt müsste eigentlich irgendwann der nächste Entwicklungsschritt kommen, der bei einem kleinen Verein wie Mainz aber auch extrem unwahrscheinlich ist. Ihnen fehlt halt das Geld und die Infrastruktur, um wirklich oben anzugreifen und das werden sie auch nicht mehr aufholen. Jetzt muss man sich halt ideologische Ziele setzen... wie zum Beispiel den TSV 1860 München in der ewigen Tabelle zu überholen. Die haben noch 183 Punkte Vorsprung, das ist also eher ein auf Jahre ausgelegtes Projekt.

Hoffenheim hat de facto exakt dasselbe Problem, nur dass es noch weniger Menschen interessiert. Mainz ist wenigstens ein Karnevalsverein: irgendwie kultig und legendär. Wenn die in den Abstiegskampf rutschen, sind alle Fans der unbeteiligten Vereine für sie. Wenn Hoffenheim unten reinrutscht, hoffen alle, dass es sie erwischt. Alle, außer die 21.000 Hoffenheim Fans. Die kurze Phase, in der man hoffen konnte, dass Hoffenheim die Liga mit wirklich guten Fußball aufmischt, ist vorbeigezogen. Jetzt ist man im Wesentlichen ein Aus- und Weiterbildungsverein ohne Seele. Und die Spieler gehen so früh, dass kaum eine Bindung entstehen kann. Georginio Rutter war 2 Jahre oder 64 Spiele lang da. Er ging unter Tränen, aber wenn der dann irgendwann in der RTL-Liveübertragung auftaucht, wird es eine Randnotiz sein, dass er mal in der Bundesliga gespielt hat. David Raum ist nach nur einer Saison weitergezogen. Da lacht doch selbst Borussia Dortmund drüber.

An den Hoffenheimern sieht man nebenbei das heimliche Problem einer "sorgenfreien Saison": Wie halte ich die Spannung hoch, wenn es eigentlich um nichts mehr geht. Wobei es ja letztes Jahr sogar um etwas gegangen wäre, man lag zwischenzeitlich auf Platz 4. Aber man verabschiedete sich mit 9 sieglosen Spielen in Folge in die Sommerpause, was Sebastian Hoeneß am Ende den Job kostete, obwohl er 25 Spieltage lang alles richtig gemacht hat. Aber am Ende war die Luft halt völlig raus, was einer Mannschaft, die nur Bundesliga spielt, einfach nicht passieren darf. So was passiert aber häufiger, als einem lieb sein kann.

Da trennt sich nebenbei auch der gute Trainer vom Scharlatan. Also es ist definitiv nicht einfach den Fokus hochzuhalten, wenn die absolute Notwendigkeit fehlt. Gleichzeitig hat man aber auch den absoluten Luxus, dass man sich um die Entwicklung seiner Mannschaft und der einzelnen Spieler kümmern kann, weil man relativ unabhängig von dem Einzelergebnis ist. Wer unter diesen Umständen seine Spieler wirklich besser macht und damit eine bessere Rückrunde spielt, sollte mal von anderen Vereinen mal eingeladen werden.

Deswegen mache ich mir auch echt wenig Sorgen um den 1. FC Köln. Die haben "nur" 3 Punkte Vorsprung, könnten also noch in den Abstiegskampf rutschen. Die haben aber mit Steffen Baumgart den besten Trainer aller Mannschaften in der unteren Tabellenhälfte. Gerade jetzt, wo sie knapp aber elegant aus der Europa Conference ausgeschieden sind und sie sich wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. Köln hat tatsächlich unter der Zusatzbelastung gelitten: Nach den Europacup Reisen konnten sie nur ein Spiel gewinnen: am 10. Spieltag gegen Augsburg. Man holte in diesen 8 Spielen 7 Punkte. In den restlichen 7 Spielen holten sie 10 Punkte. Das eine klingt nach Abstiegskampf, das andere nach gesichertem Mittelfeld. Wir werden in der "Rückrunde" mehr von dem Anderen bekommen.

Bleibt als absolute Wildcard Bayer Leverkusen. Die Mannschaft ist als einzige gut genug besetzt, um von einem Angriff auf Europa zu träumen. Gerade, wenn Florian Wirtz wieder ins Laufen kommt. Aber es ist halt auch naiv, auf einen frisch von einem Kreuzband genesenen 19-Jährigen zu setzen. Wie lange es dauern wird, dass Wirtz wieder sein gewohntes Niveau erreicht, kann niemand absehen. Dazu kommt, dass es Bayer ja nicht wegen der mangelnden Qualität so weit unten steht. Der Einbruch hatte ja andere Gründe. Ob ein einfacher Trainerwechsel zu Xabi Alonso, einem de facto Novizen, all diese Probleme gelöst hat, kann auch keiner abschätzen.
Aber wir werden das gleich erfahren. Denn zum Auftakt geht es direkt gegen Gladbach und Dortmund. Dazwischen kommt noch der heimliche Charaktertest gegen Bochum. Wenn sie den Abstiegskandidaten nicht übersehen und aus diesen 3 Spielen 7 bis 9 Punkte holen, können sie die Saison vielleicht noch retten. Sonst steht ihnen eine sehr lange Rückrunde mit Spekulationen um die Zukunft von Wirtz und Frimpong und dem quasi sicheren Abgang von Diaby bevor.

Das wirklich Überraschende an diesem Beitrag ist: Für 5 bis 6 Mannschaften steht jetzt schon eigentlich fest, dass es für sie um nichts mehr gehen dürfte. Das ist ein Drittel der Liga. Aber wenn man ehrlich ist, dürfte das auch relativ normal sein. Sind wir mal gespannt, wer von denen die Rückrunde richtig verkackt, damit wir wenigstens was zu lachen bekommen. Oder die Abstiegskandidaten einen weiteren Hoffnungsschimmer bekommen. Um die kümmern wir uns morgen.

Donnerstag, 9. Dezember 2021

Eigentlich sind Schalke, Bremen und Hamburg das Problem.

 Und im weiteren Sinne der 1.FC Nürnberg. Vielleicht sogar 1860 München. Und wo wir schon dabei sind: Düsseldorf sollte eigentlich auch besser dastehen. Oh und der 1.FC Kaiserslautern... Und eigentlich auch Hannover 96, wo wir schon dabei sind.

Aber hauptsächlich Schalke 04, Werder Bremen und der Hamburger SV. Natürlich. Das wird auch niemanden überraschen.

Es ist schon faszinierend, wie viele Vereine sich strategisch heruntergewirtschaftet haben. Nehmen wir mal als Erstes den 1.FC Nürnberg: Die haben ein zur WM renoviertes, modernes Stadion und ziehen jedes Jahr 28.000 plus X Zuschauer an. Da muss sich manch ein Bundesligist ordentlich für strecken. Also der VfL Wolfsburg zum Beispiel. Das letzte Mal, als sie Bundesliga spielen durften, zogen sie als abgeschlagenes Schlusslicht 40.000 Zuschauer an. Das Potenzial in dieser Region ist überwältigend. Aber anscheinend schafft niemand es, dieses Potenzial konstant umzusetzen, weshalb Nürnberg immer wieder absteigt.

Nun mag es auf den ersten Blick unfair wirken, Nürnberg in denselben Topf wie Werder zu werfen, aber deren letzter Titel ist aus dem Jahr 2007. Was auch nur bedeutet: Vor 14 Jahren haben die noch international gespielt. Doch wie immer haben sie es nicht geschafft diesen Erfolg in langfristigen Wachstum umzuwandeln, sondern stieg direkt ab. Damit ist man der einzige Verein der Welt, die als amtieren Meister und als amtierender Pokalsieger abstieg. Das habe ich nebenbei nicht recherchiert, das behaupte ich einfach mal. Diese Statistik ist halt so absurd, dass kaum jemand sie erreichen kann. 

Natürlich ist der FC Nürnberg andererseits halt auch der immer noch lebende Beweis, dass es solche Abstürze schon immer gab. Schließlich stammt der Abstieg als amtierender Meister aus dem Jahr 1969. Aber bisher waren solche Vorfälle eher die Ausnahme und konnten kompensiert werden.

Da aber zwischenzeitlich gefühlt die halbe Liga gezielt auf Derbys in der 2. Liga hinarbeitete... Also Hannover waren ja die ersten, denen ich einen geplanten Abstieg vorgeworfen habe. Der Niedergang von Werder Bremen wurde ja auch ausführlich und frühzeitig kritisch begleitet. Das einzige Alleinstellungsmerkmal der HSVs ist ja mittlerweile, dass man noch nie aufgestiegen ist. Und Schalkes Absturz lässt sich am besten als gezielte Sabotage von Christian Heidel beschreiben. Das sind halt 4 Hall of Shame Abstiege in 5 Jahren. 

Natürlich sind das alles bedauerliche Einzelfälle. Also einzeln betrachtet sind sie schwer zu vergleichen. Hannover Kind scheiterte ja damals daran, dass er die 2 Ausnahmejahre mit den Europacup Teilnahmen als neuen Standard betrachtete und deswegen sehr schnell unzufrieden wurde. Werder nahm da die gegenteilige Rolle ein und war viel zu schnell mit viel zu wenig zufrieden, bis man sich irgendwann auch mit einem Abstieg arrangierte. Hamburg war halt die pure Hyperaktivität und pures Chaos. Schalke hat einfach mal richtig bescheiden gewirtschaftet. 

Aber Fakt ist halt: Alle 4 fehlen der Bundesliga. Also Schalke, Werder und Hamburg hatten halt die Strahlkraft um Raul, Diego und Rafael van der Vaart anzuziehen. Die haben in diesem Jahrtausend auch schon richtig gute Jahre abgeliefert. Und lange Zeit waren selbst die durchwachsenen bis furchtbaren Jahre immer noch bundesligatauglich.

Jetzt stelle man sich vor, diese Vereine hätte seriös und zielorientiert weiter gewirtschaftet und sich zumindest stabilisiert. Und wir hätten eine Saison, wo alle 4 irgendwo zwischen Platz 6 und 14 eintrudeln, was man von allen eigentlich erwarten kann. Dann wäre Augsburg praktisch nicht mehr zu retten. Unions widerstandsloser Durchmarsch ins europäische Geschäft wäre kaum möglich gewesen. Mainz und Freiburg (also 2 Vereine, die sich zumindest die meiste Zeit wehren) würden knietief in der Scheiße stecken. Die Hertha müsste sich ernsthafte Sorgen machen. Und sowohl der Kampf ums internationale Geschäft, als auch der Abstiegskampf wäre wirkliche Schlachten. Es könnten wirklich kompetent geführte Mannschaften erwischen, was jetzt an beiden Fronten quasi ausgeschlossen ist...

Auch wenn sich der Zyniker in mir darüber gefreut hat, diese Niedergänge hier zu begleiten, so muss der Fußballliebhaber in mir doch zugeben, dass die potenzielle Qualität dieser Vereine der Liga jetzt fehlt. Wirklich drastisch fehlt. Der Verlust ist für den Rest der Liga einfach nicht mehr zu kompensieren.

Und klar, der Abstiegskampf war wegen der Inkompetenz einiger Experten (wie unter anderem auf der VfB Stuttgart und dem 1.FC Köln, aber da zeigen die jüngsten Entwicklungen wenigstens derzeit in die richtige Richtung) schon immer absurd. Er wurde viel zu oft viel zu wörtlich genommen. Aber mittlerweile erreichen wir halt echt eine neue Ebene der Grausamkeit. Nicht nur, aber auch wegen den völlig überforderten Fürthern.

Aber die sind ja nur dabei, weil der HSV unaufsteigbar ist...

Die spannende Frage ist ja: Wie kriege ich jetzt raus, ob es dieses Problem auch im Ausland gibt? Also ob es da auch so viele Vereine gibt, die unmotiviert und unnötigerweise abgestürzt sind... Mal gucken...

Sonntag, 23. Mai 2021

Passives Abseits Hall of Shame: Herzlichen Glückwunsch Werder!

 Euer letztes Bundesligator könnte zum "Tor des Monats" im Mai gewählt werden. War ein wirklich schöner Distanzschuss von Niclas Füllkrug. Und das war doch das einzige Saisonziel, welches man unbedingt erreichen wollte.

Der Einbruch am letzten Spieltag war ja nur eine wunderbare Schlusspointe einer jahrelangen Entwicklung. Also ich würde mal behaupten: Der letzte Verein, der so zielgerichtet auf einen Abstieg hingearbeitet hat, war Hannover 96. Die dafür ebenfalls einen Hall of Shame Eintrag bekommen haben. Werder Bremen lässt diesen "geplanten Abstieg" von Hannover wie einen Unfall aussehen.

Das Grundproblem, welches hier schon oft erörtert wurde, ist und bleibt, dass Werder sich mit viel zu wenig viel zu zufriedengegeben hat. Florian Kohfeldt wurde zum Übertrainer verklärt, weil er den Europapokal knapp verpasst hat. Ein 8. Platz ist halt nicht überragend, sondern nur anständig. Und keine Leistung, für die man dann 23 Monate lang unantastbar bleiben muss. Aber bei Werder ist genau das passiert.

Man hätte die letzte Saison, in der man sich schon nur durch 2 Unentschieden (immerhin nutzte man sich dank der Europapokal Arithmetik, Saisonziel erreicht...) in der Relegation rettete, vernünftig analysieren müssen. Vor allem hätte man die Vorsaison, die man mit Platz 8 beendete, richtig einordnen müssen: Das Genie hinter dem Offensivfußball aus der Saison 2018/19 war nicht Kohfeldt, sondern Max Kruse. Der wollte sich unbedingt für die Champions League bewerben und hat eine dementsprechend starke Saison hingelegt. Contract Year Phenomenon nennen die Amerikaner das. Nur das dieses Mal nicht der Spieler mit einem fetten Vertrag belohnt wurde, sondern der Trainer.

Und man kann ja gerade bei Union Berlin wunderbar nachvollziehen, welchen Einfluss ein Kruse auf eine mittelmäßige Bundesligamannschaft hat.

Ich habe mich ja schon beim verlinkten Hannover Artikel auf "Game of Thrones" bezogen. Machen wir das wieder. Kohfeldt ist halt wie Benioff und Weiss: Als die sich auf das Werk von Georg R.R. Martin berufen konnten, sahen sie wie Genies aus. Als sie selber Dialoge und Plotlines für die Show erschaffen mussten, weil sie das Originalmaterial aus der Buchserie überholt haben, stießen sie sehr schnell an ihre Grenzen. Die nachlassende Qualität wurde aber zunächst einfach ignoriert und die wenigen Kritiker als notorische Nörgler abgetan... bis die Serie dann in der totalen Katastrophe "Season 8" endete... Und die Kritiker fragten sich nur, warum alle plötzlich so entsetzt sind, die Katastrophe wurde doch vorher angekündigt... Man hätte nur aufpassen müssen.

Genauso lief es jetzt doch bei Werder. Und ja, der Einzige, der darauf hingewiesen hat, dass Kohfeldt einfach nicht so gut ist, wie alle behaupten... war ich. Passives Abseits Leser wissen es früher. Faszinierender Weise kam eine detaillierte, im Nachhinein bestätigte, Einordnung des Trainers Kohfeldts vor genau einem Jahr raus. Wenn Frank Baumann meinen Blog lesen würde, hätte sich Werder einiges ersparen können. Genug Selbstbeweihräucherung, vor allem, weil ich ja selber wirklich lieber widerlegt worden wäre.

Die wirklich schlechte Nachricht für Werder ist ja, dass Frank Baumann nicht von sich aus zurücktritt... und Entlassungen sind halt echt nicht deren Stil. Es ist also durchaus vorstellbar, dass Baumann wirklich den Neuaufbau in Angriff nehmen soll, damit Werder sich dann nächstes Jahr dafür feiern kann, dass man den Aufstieg knapp verpasst hat. Während der Hamburger SV wieder an einem vorbeizieht (und Vierter wird...)

Der HSV ist auch ein interessanter Vergleich. Denn natürlich kann man denen Aktionismus und eine schädliche, aus dem Inneren kommende, Unruhe vorwerfen. Aber die haben wenigstens ALLES versucht um den Niedergang abzuwenden. Wahrscheinlich haben sie sogar zu viel versucht. Werder ist dagegen mit einer absurden Entspanntheit abgestiegen. 

Mit einem Vorstand, der schulterzuckend danebenstand und sich dachte "Das wird schon irgendwie werden." Der es immer verweigerte im größeren Kontext zu denken und die gezeigten Leistungen richtig einzuordnen Paradebeispiel: Ein 0:0 in einem Heimspiel gegen nur 3 Auswärtstore im Jahr erzielende Leverkusener wurde gefeiert. Und man ging halt davon aus, dass es schon mindestens 2 dümmere Mannschaften geben wird.

Der Trainer war zunehmend überfordert und schaffte es über Jahre nicht einen halbwegs vernünftigen Ersatz für Max Kruse zu entwickeln. Und Werder hat sich halt in die Lage gewirtschaftet, dass man solche Spieler entwickeln und nicht mehr verpflichten kann. So blieb dann Yuya Osako ein elementarer Bestandteil der Angriffsbemühungen, obwohl bei dem keine wirklichen Fortschritte zu erkennen waren. Aber irgendwie glaubten halt alle, dass der mittlerweile 31-jährige nochmal einen wirklichen Sprung nach vorne machen kann und zum Fixpunkt in einer Bundesliga-Offensive werden kann. Oder Kohfeldt hat wirklich einen guten Bundesligastürmer in ihm gesehen. Am Ende überschätzte man die 2 Tore gegen sich auflösende Kölner am letzten Spieltag der letzten Saison gnadenlos. Das war nebenbei laut Kicker das einzige "gute Bundesligaspiel", welches Osako seit dem 10.11.2019 in seinem Lebenslauf stehen hat. Und ja, der ist gut in die Saison gestartet. Aber er ist dann unter Kohfeldts Führung komplett eingebrochen. Da ist entweder der Trainer nicht in der Lage ein ordentliches System um vielleicht an sich gute Spieler zu entwickeln. Oder er hält einfach zu lange an untauglichen Spielern fest. 

Auch die "Lösung" für die Offensivprobleme ist interessant: Man lieh sich Davie Selke aus. Einen Rückkehrer als Hoffnungsträger. Dass Selke sowohl bei Hertha als auch bei RB Leipzig gescheitert ist und aussortiert wurde, ignorierte man einfach. Das lag ja daran, dass diese Vereine keinen guten Trainer hatten, der Selkes Stärken einbauen konnte. Die eine gute Nachricht für Werder ist ja, dass sie jetzt nicht die 10 Millionen Euro Ablöse für Selke überweisen muss. Aber hey, als letzten relevanten Beitrag im Werder-Trikot sicherte er sich den Titel "Gomez der Woche"... beim Stand von 1:0 für Gladbach ließ er halt eine 100%ige Chance liegen...

Am Ende kommt eine Mannschaft raus, die ganz gelassen 2 Punkt aus den letzten 12 Spielen holte. Nach dem 23. Spieltag war man eigentlich schon gerettet. 9 Punkte Vorsprung bei einem Spiel weniger sind eigentlich nicht zu verspielen. Nur so als Vergleich: Der Abstand zu Platz 7 waren nur 8 Punkte. Aber anstatt sich mit einem starken Saisonfinish das Selbstvertrauen für höhere Ziele in der nächsten Saison zu holen, schaltete man in den entspannten Verwaltungsmodus. Oder man brach komplett ein, je nachdem wie man es sehen will. Egal was es am Ende war, Kohfeldt konnte es nicht verhindern, was seine Aufgabe war.

Nebenbei ist das "Nachlassen zum Saisonende" ja kein neues Phänomen. Letztes Jahr holte man in der Rückrunde 3 Siege. Den ersten gegen am Ende absteigende Düsseldorfer. Den nächsten gegen bereits abgestiegene Paderborner, die halt mit der Liga am Ende überfordert waren. Einen gegen schon gerettete Kölner am letzten Spieltag. Im Wesentlichen rettete man sich mit 2 Siegen aus 18 Spielen (inklusive Relegation). Und diese 2 Siege kamen gegen in dem Moment nicht bundesligataugliche Gegner. Aber hey, bei diesen Siegen erzielte man überragende 11 Tore. Aber wie immer verweigerte man es, diese Ergebnisse ordentlich einzusortieren und ließ sich blenden...

In der Saison 2017/18 "rettete" man sich mit einer Serie von 5 sieglosen Spielen in Folge, bevor man am letzten Spieltag bedeutungslose 3 Punkte gegen Mainz einfuhr. Wirklich stark war man zum Saisonende ausschließlich 2018/19. Also, auch wenn ich mich wiederhole, in der einen Saison, in der Max Kruse richtig Bock hatte.

Dabei wäre es doch ein Anzeichen für gute Trainingsarbeit, wenn sich die Mannschaft im Verlauf der Saison steigert und ein starkes Saisonfinish hinlegt. Werder ist das in 4 Jahren ein Mal geglückt. Und dann gucken alle überrascht, wenn Kohfeldt auch im 4. Jahr den Bock nicht umstoßen kann. 

Das wirklich bezeichnende in dieser Serie von 12 Spielen mit 2 Punkten ist ja... die Leistung von Ralf Fährmann. Also während Werder auf einem guten Weg war das bessere Torverhältnis zu verspielen und mit 0:4 zurücklag, trieb Fährmann die Kölner in den Wahnsinn. Es würde mich nicht überraschen, wenn der zum Spieler des Spieltages gekürt wird. Oder zumindest in die Elf des Tages kommt. Und nachdem er sich dann doch einmal geschlagen geben musste, stürmte er wild entschlossen nach vorne und hätte nach eine Ecke fast noch den Ausgleich erzielt.

Bezeichnender kann die Bundesliga-Geschichte von Werder nicht enden (und genau das könnte ja bei der finanziellen Lage des Vereines jetzt passiert sein): Ein Schalker, dessen Mannschaft im Jahr 2021 sonst überhaupt nichts gerissen hat, ist am Ende der einzige, der sich gegen den Abstieg der Bremer stemmt. Mit allem was er hat und dem Mut der Verzweiflung.

Um nochmal festzuhalten wie erbärmlich das Saisonfinish von Werder war: Wenn Fährmann am Ende das 1:1 köpft, wäre es nur fair gewesen, wenn die Werder-Profis ihre gesamte Prämie für den Klassenerhalt an ihn überweisen... und man hätte über eine Statue vorm Stadion nachdenken müssen. Von Werder selber kam derweil bis es praktisch viel zu spät war gar nichts...

Und ja, natürlich gehe ich davon aus, dass Werder sich in der Relegation trotzdem gerettet hätte, egal gegen wen es geht. Aber meine extreme Ablehnung gegen diesen kommerziellen Auswuchs ist ja auch mehr als gut dokumentiert... Immerhin hatte Werder den Anstand diesen letzten Rettungsring nicht schon wieder zu ergreifen.

Montag, 10. Mai 2021

Worst of des "Die Formalität ist erledigt." Wochenendes

Die Bayern sind Meister. Große Überraschung. Ganz stilecht wurden sie es natürlich vor dem eigenen Anpfiff, quasi beim Aufwärmen. Wenn das keine wunderbare Symbolik ist, weil ja die Bundesliga mittlerweile nicht mehr als ein Aufwärmprogramm für die Champions League ist.

Wobei ich an der Stelle schon mal das erstren WTF an den Kicker schicken muss. Denn die schreiben von einem frühen Aus in der Champions League. Ähm... hallo? Ernsthaft, die Bayern waren mal wieder unter den Top 8 Europas und sind dann knapp gescheitert. Wer da wirklich von einem frühen Ausscheiden spricht, legt die Messlatte so hoch, dass die Saison meistens in Enttäuschungen enden muss.

Aber das spiegelt ja auch nur das Grundproblem, welches ich hier dargelegt habe wieder: Mit Chelsea, Manchester City, Manchester United, dem FC Liverpool, Juventus Turin, Barca, Real Madrid und eben den Bayern gibt es 8 Vereine, die quasi das Halbfinale der höchsten Liga erreichen müssen. Bei einigen von denen ist es sogar finanziell Notwendig. Es gibt aber nur 4 Plätze. Deswegen brauchen die ja auch die Super League

Man könnte natürlich auch so Wirtschaften und Kommunizieren, dass schon das Erreichen der Top 8 als ordentliches Ergebnis dargestellt wird. Aber wer will das schon...

Der Rest der Liga... nun ja... eigentlich sollte Platz 4 ja vergeben sein, aber es ist Borussia Dortmund. Zum gefühlt 5. Mal in dieser Saison lese ich, dass die jetzt "endlich den Fußball spielen, den man erwarten konnte"... Bis jetzt war das immer genau der Moment, in dem sie rückfällig geworden sind. Es würde mich also nicht überraschen, wenn Eintracht Frankfurt mit 2 Unentschieden in die Champions League einzieht. Das wäre auch die deutscheste Art in der "besten Liga" Vierter zu werden.

Gleichzeitig versucht Borussia Mönchengladbach krampfhaft die Teilnahme an der Europa Conference League zu vermeiden. Da sollen doch die Osteuropäer scheinen, also schicken wir doch lieber Union Berlin... Gerade an diesem Wochenende lieferten die Gladbacher beeindruckende Argumente für die "Gerd Müller würde heute 80 Tore erzielen" These. Was auch nur bedeutet, dass es eine Frage gibt, in der ich mit Franz Beckenbauer übereinstimme. Gladbach hat also so kolossal versagt, dass ich einer Meinung mit dem Kaiser bin. DAS muss man erst Mal schaffen.

Wirklich spannend ist aber tatsächlich der Abstiegskampf. Auch wenn hier festzuhalten gilt: Es wäre wesentlich spannender, wenn der Tabellen-15. in die Relegation müsste. Dann würde nur das Torverhältnis den direkten Abstiegsplatz und das rettende Ufer trennen... und für den 1.FC Köln würde sich wenig ändern.

Ganz stilecht "plant" Werder Bremen anscheinend, mit 12 sieglosen Spielen in Folge über die Relegation den Klassenerhalt einzufahren. Es ist echt faszinierend, wie sie sich in Bremen für Selbstverständlichkeiten feiern und ihre Leistungen im luftleeren Raum beurteilen. Also schon das DFB-Pokal-Halbfinale: Das bisher alle Mannschaften nach der Bekanntgabe des Trainerwechsels eine Niederlage einstecken mussten und Werder die einzige Mannschaft war, die diese Unruhe nicht ausnutzen konnte, wird vollkommen ignoriert.

Jetzt feiert Florian Kohfeldt nach einem torlosen Unentschieden gegen Leverkusen "die kämpferische Leistung und die Mentalität, die an den Tag gelegt wurde." Sollte das nicht selbstverständlich sein? Vor allem wirkt man schon viel zu zufrieden, weil man in einem Heimspiel gegen Bayer wenig bis nichts zugelassen hat. Obwohl Bayer seit dem Hannes Wolf den Trainerposten übernommen hat, die Angriffsbemühungen weitestgehend eingestellt hat und nur noch mit 4 Offensivspielern auftritt. Aber hey, gegen eine Safety First Mannschaft steht man hinten gut, das ist doch schon mal ein Fortschritt.

Aber in Bremen sieht man halt nur den Tabellenplatz des Gegners und denkt sich "Geil, gegen eine Spitzenmannschaft einen Punkt geholt." Wenn man aber genauer hinguckt und bemerkt, dass die Werkserlf 2021 erst 3 Auswärtstore erzielt hat. Seit 4 Auswärtsspielen ist man schon ohne Treffer. Und ja, die Frage, wie man so Platz 6 hält, darf gestellt und mit "beste Liga" beantwortet werden. 

Dass Werder schon fast stolz darauf ist gegen eine derart inkompetente Mannschaft "nur" 4 Torchancen zuzulassen, zeigt halt das Grundproblem dieses Vereins: Man gibt sich nach wie vor mit viel zu wenig zufrieden und schraubt die Ansprüche so weit runter, dass irgendwann der Klassenerhalt als Sensation gefeiert wird. Ich habe letztens irgendwo (ich glaube auf Facebook) einen Kommentar gelesen, dass der Klassenerhalt für Werder ja "keine Selbstverständlichkeit" sei. Doch, ist er. Also Freiburg, Mainz, Augsburg, Köln, Bielefeld, Suttgart als Aufsteiger und Union Berlin haben alle wesentlich schlechtere Voraussetzungen als Werder. Von diesen 7 Mannschaften sollte man 5 locker hinter sich lassen. Das muss eigentlich der Anspruch in der Hansestadt sein. Ist es aber nicht.

Aber hey, am Ende hilft ihnen ja... der bedauerliche Einzelfall des Wochenendes. Dieses Mal kein Rassismus. Hey, Fußballdeutschland hat es geschafft 6 Tage ohne dämlich-rassistische Aussage auszukommen! Und es gibt auch keinen neuen Skandal aus dem DFB-Präsidium. Das muss man doch mal feiern dürfen. Am besten, in dem man zu den eigentlichen bedauerlichen Einzelfällen zurückkehrt:

Denn eines bleibt festzuhalten: Marco Fritz hat auf skandalöse Art und Weise in den Abstiegskampf eingegriffen. Unterstützt von Sören Storks. Während ich denen beim Elfmeter noch gönne. Also das kann man als eine dieser Stellen auslegen, wo die Entscheidung auf dem Platz stehen bleibt. Den muss man natürlich nur geben, wenn man durch die Köln Brille guckt, aber immerhin kann man ihn genau dann geben. Aber warum das Handspiel von Jonas Hector beim Stand von 1:2 nicht überprüft worden ist. Holy Shit. Genau diese Inkonsequenz ist doch der Grund, warum der VAR keine Akzeptanz findet. Es ist das Gegenbeispiel zur kontroversen, aber regel technisch richtigen, Entscheidung im DFB Pokal gegen Paderborn: An der einen Stelle wird so lange gesucht, bis man etwas findet, an der anderen wird die Review Area nicht mal betreten.

Und klar, am Ende ist es verdammt eng. Aber das ist halt wieder eine dieser Stellen, wo die Schiedsrichter eine exklusive Sicht auf das Regelwerk haben und als einzige ein Handspiel sehen. Und wir haben doch genau für solche Fehlentscheidungen im Saisonfinale den VAR eingeführt. Warum kommt er dann, wenn er am dringendsten gebrauch wird, nicht zum Einsatz?

Schalke 04: Ach, ich werde sie vermissen. DIE sinnloseste Debatte der letzten Woche war ja, ob es nicht Wettbewerbsverzerrung sein könnte, wenn Schalke sich jetzt gehen lässt und abschenkt. Da frage ich mich ja immer: Gucken die eine andere Bundesliga als ich? Also, wenn Schalke sich plötzlich zusammenreißen und ordentlichen Fußball spielen würde... DAS wäre Wettbewerbsverzerrung, denn das haben sie ja bisher konsequent vermieden. Und man muss die Saison schon in diesem Modus Anti-Operandi zu Ende bringen. Alles andere wäre unfair.

Und ja, was die in der ersten Halbzeit gegen Hoffenheim abgeliefert haben, war ein Skandal: Die Andeutung, dass es ja doch gegangen wäre, wenn man sich richtig bemüht hätte. Zum Glück war das nach 45 Minuten vorbei. Andererseits ging es gegen Hoffenheim. Stand jetzt hat Schalke 30 % seiner Tore gegen den Dorfverein erzielt. 6 von 20. Wenn die jede Woche gegen die spielen dürften, wäre sogar die Champions League drin.

Noch absurder wird es ja, wenn man die bayrische Provinz aus Augburg dazu zählt. Also gegen diese beiden Vereine erzielte man 9 seiner 20 Tore und holte damit 7 seiner 13 Punkte. Und wo ich schon dabei bin: Man lag ja als Schalke so gut wie nie in Führung. Also gegen Stuttgart von der 30. bis zur 56. Minute das 1:0 zu halten war ja schon fast DAS Saisonhighlight. Gegen (natürlich, die waren ja am Ende stolz gegen Schalke überhaupt was geholt zu haben) Werder führte man von der 38. bis zur 77. Minute. Und das war es schon. 65 Minuten.

Also außer man rechnet die Spiele gegen Hoffenheim und Augsburg mit ein, da führte man in Augsburg von der 52. bis zur 93. Minute. Und im Rückspiel seit der 4. Minute bis zum Abpfiff in der 94.. Und gegen Hoffenheim ging man beim historisches verhindernden Hinspielsieg in der 42. Minute in Führung. Und auch im Rückspiel sah es von der 12. bis zur 51. Minute gar nicht schlecht aus. Sprich: gegen diese beiden Mannschaften lag man insgesamt 208 Minuten lang in Führung. Das ist Stand jetzt 3,2-mal so lang, wie gegen den gesamten Rest der Liga.

Das ist eine dieser "Fußball ist mit Logik nicht zu erklären" Statistiken. Also es ist völlig absurd, wie schlecht Schalke im Vergleich mit dem Rest der Liga ist. Wenn es Augsburg und Hoffenheim nicht gegeben hätte, hätten die Schalker wirklich ALLE Tasmania Berlin Rekorde gebrochen. Aber gegen diese beiden Mannschaften sieht diese Trümmertruppe dann plötzlich zumindest statistisch wie eine kompetente Bundesligamannschaft aus... eine Mannschaft, die im 57 % ihrer Spielzeit in Führung liegt. Um diese 57 % weiter in Relationen zu setzen: In den restlichen 27 Spielen lag man 2,67 % der Spielzeit vorne. Da fehlen einem echt die Worte...

Aber dann fällt einem auf, dass Schalke im Jahr 2021 schon 6 Auswärtstore erzielt hat. Das sind, kurz hochgescrollt, DOPPELT so viele wie der Tabellensechste.

Dienstag, 7. Juli 2020

Rapid Relegation Reaction

Immerhin... die allergrößte Peinlichkeit hat Werder Bremen sich in der 94. Minute erspart: Den Klassenerhalt in der Relegation ohne selbst erzieltes Tor zu schaffen. Das wäre auch mehr als passend gewesen, schließlich hat Bremen, wenn man die Spiele gegen hilflose Paderborner und vollkommen unmotiviererte Kölner (aka 2 Spiele am Rande der Wettbewerbsverzerrung) rausrechnet, in der Bundesligasaison 31 Tore erzielt. Das ist ein Wert, der praktisch nie zum Klassenerhalt reicht (außer man ist der Hamburger SV).
Nebenbei passierte einem all das, während man von einem überragenden Trainer, der für ansehnliches Offensivspiel steht, trainiert wurde... Trotzdem erzielte man vor dem Köln Spiel im Jahr 2020 in 8 Heimspielen EIN EINZIGES TOR! Eines.
Und weil das alleine nicht reichte, blieb das vom Offensivgenie Florian Kohfeldt trainierte Team gegen einen aufstrebenden Zweitligisten 180 Minuten lang ohne eigenen Treffer.
Das sind alles Dinge, bei denen man zugeben muss: Nicht mal der HSV hat das geschafft...

Und das bringt mich zu dem eigentlichen Skandal dieser Relegation. Also ja, auch der HSV hat es mal geschafft, nur dank der auswärts erzielten Tore die Klasse zu halten. Aber die haben wenigstens in einem ausverkauften Stadion vor einer hitzigen Kulisse gespielt. Nicht vor kurzzeitig 50 Fans, die wieder aus dem Stadion gebracht werden mussten.

Nur um das mal festzuhalten: Werder Bremen hält auf Grund der Auswärtstore eines Geisterspieles die Klasse. Nachdem die Bundesliga mit im Durchschnitt 2,3 Heimsiegen pro Spieltag eindeutig nachgewiesen haben, dass der Heimvorteil in der Corona Krise vollkommen irrelevant ist.

Ich bin ja praktisch seit Einführung der Relegation dafür, dass der Zweitligist einen relevanten Vorteil bekommt. Einfach als Anerkennung dafür, dass statistisch gesehen 3 von 4 Relegationsteilnehmer (Kiel, Union und Heidenheim definitiv) ihre historisch beste Saison gespielt haben. Dieser Vorteil wäre für mich sehr einfach zu definieren und umzusetzen: Steht es nach Hin- und Rückspiel Unentschieden, steigt der Zweitligist auf. Und ja, die "Europapokal Auswärtstor Regel" wird dafür auch ausgesetzt.

Es wäre auch einfach fairer, wenn der Zweitligist bei 2 torlosen Unentschieden den Aufstieg feiert. Also rein logisch gesehen. Denn der hat ja, wie schon erwähnt, eine herausragende Vorleistung gebracht. Während der Bundesligist meistens die schlechteste Saison seit 50 Jahren spielt. Wenn man dann also dem Bundesligisten eine weitere Chance gibt, sollte man wenigstens auch diesen Verein dazu zwingen, das Spiel aktiv zu gestalten. Das Geschehen selbst in die Hand zu nehmen. Was man auf Grund seiner deutlich besseren finanziellen Möglichkeiten auch eh können sollte.

Fun Fact: Mit dieser Regelung wäre der HSV 2 Mal an der Relegation gescheitert. Und jetzt Werder. Aber ich bin ja der einzige, der glaubt, dass man den Abstieg verdient hat, wenn man die schlechteste Saison seiner Vereinsgeschichte spielt...

Nebenbei wollte ich mal erwähnt haben, dass selbst die Schnarchnasen von der Uefa erkannt haben, dass die Auswärtstorregel nicht mehr zeitgemäß ist. Also selbst wenn Fans im Stadion sind. Ohne ist es vollkommen albern deswegen die Klasse zu erhalten. Wenn selbst die Uefa so was erkennt und ändern will... warum kriegt es dann die DFL nicht hin... Und ja, es wäre kein Problem gewesen beim Re-Start bekannt zu geben, dass die Relegation, wenn sie schon statt finden muss, dieses Mal ohne "Auswärtstor-Regel" kommt und es bei Gleichstand in die Verlängerung geht... weil der Heimvorteil "Fanunterstützung" halt ausfällt. Aber die denken ja mal wieder nur bis zur eigenen Nasenspitze...

Aber hey, immerhin wurde die Leihe von Davie Selke verlängert... und man muss 11 Millionen Euro Ablöse für Bittencourt und Toprak zahlen, hat sein Transferbudget praktisch schon aufgebraucht... Anders ausgedrückt: Wenn Kohfeldt nicht deutliche Fortschritte macht, wird das nächste Saison kaum besser werden.
Oder... die Gerüchte in Hoffenheim Bewahrheiten sich und dort hat man wirklich Interesse an diesem Jahrhunderttalent. Das könnte echt die eleganteste Lösung sein: Man kann den Trainer wegloben, Kohfeldt kann in einem neuen Umfeld und mit einem besseren Kader wirklich nachweisen, ob er so gut ist, wie viele glauben und Bremen kann den Neustart mit sagen wir Markus Weinzierl wagen. Also sie müssen darauf hoffen, dass sie die Augsburger Version von Weinzierl bekommen.

Nebenbei ist es echt lustig, dass die Relegation und das DFB Pokalfinale exakt gleich endeten: Mit einer minutenlangen Diskussion, ob das jetzt für einen Handelfmeter reicht oder nicht. Obwohl die Elfmeter vollkommen irrelevant waren. Ok, Werder hätte sich ein wenig besser fühlen können, wenn sie wenigstens ein Relegationsspiel gewonnen hätten. Das war aber die einzige Auswirkung dieser beiden Elfmeter. Obwohl... angeblich kann Bayer Leverkusen ja "stolz" auf seine Leistung sein, weil man immerhin 2 Tore gegen die Bayern erzielt hat, aber dazu morgen mehr.,.

Und während es in Heidenheim wenigstens nur eine Minute dauerte... vergingen in Berlin zwischen dem Handspiel und der Ausführung des Elfmeters 3 Minuten. Das ist einfach viel zu lange.
Absurder Weise hätte man auch einfach fix die Einstellung, die nachweist, dass die Abseitsentscheidung falsch war, einschieben können, den Vorteil nach dem fragwürdigem Handspiel weiter laufen lassen und dank der Torlinientechnologie den Treffer geben.
Also nur um das nochmal festzuhalten: Die haben 3 Minuten nach der Einstellung gesucht, die ein fragwürdiges Handspiel als Teil einer eh schon komplizierten Regel nachzuweisen... und wenn sie zu dem Schluss gekommen wären "War kein Handspiel", hätten sie dann noch 5 Sekunden gebraucht um die Abseitsstellung zu klären... Da wir in Deutschland sind, hätte man erst den Abstoß ausführen lassen, bevor der Schiedsrichter dann doch nochmal zurück zum Videowürfel geht... Weil wegen beste Liga und so.

Das sind die wirklichen Gründe, warum der VAR immer wieder so schlecht aussieht. Anstatt bei den einfachen und sinnvollen Entscheidungen einzugreifen, wird er bei Grauzonen und Unklarheiten angewendet. Und selten lag beides so dicht beieinander wie in diesen Sekunden.
Das echt keiner der Leute vor den Kameras auf die Idee kam: "Hey, lasst mal fix checken, ob das wirklich Abseits war, das kriegen wir schnell raus." Obwohl das offensichtlich die einfache und praktikablere Lösung war. Aber da landen wir wie immer beim Qualitätsproblem der Schiedsrichter: Ein guter VAR hätte den Schiedsrichter gefragt "Hat die Torlinientechnik angeschlagen? Ja? Dann lasst mal kurz das Abseits klären." Wir haben aber halt keine guten Schiedsrichter mehr.

Freitag, 26. Juni 2020

Vorschau auf den letzten Spieltag...

Oder: Der eigentliche Grund, warum ich gerade ständig auf dem guten Florian Kohfeldt rumhacke.

Denn wenn man sich den 34. Spieltag mal genau anguckt, fällt einem auf, dass es nur noch 2 relevante Entscheidungen gibt. Also abgesehen davon, dass uns alle einreden wollen, dass es wirklich wichtig ist, wann Hoffenheim oder Wolfsburg in die Vorbereitung einsteigen müssen. Spoiler: Es sollte egal sein. Wenn der Tabellen-7. die nächste Saison in den Sand setzt, wird das ganz andere Ursachen als die frühe Vorbereitung haben.

Im wesentlichen gibt es das eine Fernduell um die ganz großen Fleischtöpfe. Also Bayer Leverkusen muss gegen Mainz gewinnen und hoffen, dass Gladbach gegen die Hertha verliert. Und das ist nebenbei ein gutes Symptom für die Bundesliga. Also alle beide haben zumindest phasenweise den Fußball gezeigt, den man von einem Champions League Teilnehmer erwartet. Es wird also dieses mal nicht der am wenigsten dumme (also halt Schalke) an dem wichtigsten Vereinswettbewerb der Welt teilnimmt, sondern eine Mannschaft, die sich das wirklich mit guten Leistungen verdient hat... Es bleibt zu hoffen, dass dies regelmäßig so läuft, aber dafür müssten Leverkusen, Gladbach UND halt Schalke mehr Konstanz in ihre Saisons bringen. Dazu vielleicht später mehr.

Und dann ist da halt noch der ganz große Abstiegsgipfel:
Düsseldorf muss zu Union Berlin und Werder Bremen darf gegen den 1.FC Köln antreten. Beide Spiele (da es ja gerade praktisch keinen Heimvorteil mehr gibt, was durch im Schnitt 2 Heimsiege pro Spieltag belegt wurde) laufen nach derselben Konstellation ab: Die Mannschaft, für die es um alles geht, spielt gegen einen Gegner, der eigentlich nur noch auf die Sommerpause wartet. Dieser Gegner ist auch noch jeweils ein Aufsteiger, der den frühzeitigen Klassenerhalt durchaus als vorzeigbaren Erfolg feiern kann.
Und in diesen beiden Spielen wird dann entschieden, wer in der Relegation auf Heidenheim oder den Hamburger SV trifft.

All die anderen Spiele sind vollkommen egal. Die müssen halt gespielt werden, aber es darf halt offen darüber nachgedacht werden, ob ein Mario Götze da aufläuft. Vielleicht probiert Schalke ja noch seinen dritten Torwart in dieser Saison aus, schlechter kann es dadurch ja nicht werden.

Was mich ja wie immer zu dieser "Jahreszeit" zu der Frage bringt: Warum muss der 34. Spieltag eigentlich eine einheitliche Anstoßzeit haben? Also wie wahrscheinlich ist es denn bitte, dass man wirklich 9 relevante Duelle hat? Irgendwann wird die DFL so clever oder dreist sein, ein Abstiegsduell auf 18:30 zu legen. Nur um dann die Sportschau so richtig zu ficken.
Natürlich wirkt das erst Mal albern... aber wie viel Geld wird nochmal für die Relegation gezahlt? Da kann man sich auch grob ausrechnen, wie viel Geld Sky oder DAZN auf den Tisch legen, um eine getrennte Abstiegs-Konferenz am letzten Spieltag zu zeigen. Und im Gegensatz zur Relegation macht man dadurch praktisch nichts kaputt.

Wenn es jedenfalls am Ende nur um Werder und Düsseldorf geht, muss man halt auch irgendwie eines anerkennen... zumindest wenn man die Grünweiße Vereinsbrille absetzt: Werder Bremen ist der Bösewicht. Da, ich habe es gesagt. Und ja, Werder war jahrelang immer der Sympathieträger unter den Bundesligisten.  Der eine Verein, der durch seriöses wirtschaften, bodenständiges arbeiten (ist das nicht dasselbe) und attraktiven Fußball die großen Aktiengesellschaften und Gazprom Vereinen auf die Pelle rückte. Und die es zur Jahrtausendwende ja auch regelmäßig geschafft haben.
Sie waren auch bei deutlich erkennbaren negativen Tendenzen über die letzten Jahre immer der Gegenentwurf zum Hamburger SV. Den großen Rivalen aus der anderen Hansestadt. Und wenn sie sich nach einer derartigen Gurkensaison tatsächlich noch retten... und danach gemeinschaftlich auf die Schultern klopfen... ist die Transformation komplett. Am besten durch einen fragwürdigen Handelfmeter in der Nachspielzeit in Heidenheim.

Und ja, das Werder auf Platz 17 steht ist ein Zeugnis für ein Totalversagen. Also nicht nur der Trainer, auch Management und Mannschaft haben eifrig dazu beigetragen, dass es so weit kommen konnte.

Auf der anderen Seite steht halt Düsseldorf. Gut, die haben sich auch kurz unsympathisch gemacht, weil sie die neuste Vereinsikone Friedhelm Funkel halt doch entlassen haben. Und direkt danach Uwe Rösler als Nachfolger parat hatte... während man sich ja erst ganz am Ende zur Entlassung durch gerungen hat. Also klar, dem Vorstand würde ich auch den Abstieg gönnen.
Aber was Uwe Rösler und seine Mannschaft an Nackenschlägen weg gesteckt haben. Da trifft man gegen Dortmund 2 mal den Pfosten und verliert dann in der Nachspielzeit. Und dann holt man die Woche drauf ein 0:2 Rückstand in Leipzig auf. Und liegt am 33. Spieltag wieder zurück, holt aber trotzdem den nächsten Punkt. Das sind alles so Szenarien, in denen Bremen im Jahr 2020 zusammengebrochen wäre... oder ist.

All das mit recht bescheidenen fußballerischen Mitteln. Nur um das mal zu verdeutlichen: Rouwen Hennings ist der 2. beste Deutsche Torjäger der Saison. Wenn er so was in Freiburg oder Hoffenheim abliefern würde, wäre er jetzt Nationalspieler. Dass dieser "Marius Ebbers Angreifer" im Spätherbst seiner Karriere 15 Tore erzielt hat, gleicht einem Wunder. Nur um das zu verdeutlichen: Wenn er am Wochenende noch mal trifft, wird er zum erfolgreichsten Düsseldorfer Torjäger aller Zeiten. Vor einem gewissen Klaus Allofs. Eigentlich sollten beim Schreiben dieser Zeilen ein Bluescreen entstehen.

Normaler Weise vertrete ich ja die These, dass es absolut erbärmlich ist, wenn man dem Tabellen-16. noch mal einen Rettungsanker zu wirft. Denn normaler Weise muss man richtigen Scheiß spielen um diesen Tabellenplatz "zu erreichen". Man muss eine grausame Saison weit unter seinen eigentlichen Möglichkeiten spielen. Deswegen habe ich schon vor Jahren für eine Relegation zwischen dem 15. und dem 4. argumentiert. Das würde die meisten Saisonfinale wesentlich spannender und emotionaler machen. Also wenn Relegation schon sein muss.

Aber Düsseldorf lässt mich dieses Jahr echt ein wenig daran zweifeln. Denn wie die Mannschaft all die Nackenschläge weg steckt und immer wieder zurück kommt, ist schon beeindruckend.

Und ja, natürlich ist es ein schlechtes Zeichen für die Liga als Ganzes, wenn da Mannschaften rumgurken, deren maximales Leistungsniveau Platz 16 zu sein scheint. Aber das ist ja ein Problem, welches wir seit Jahren haben. Immerhin wert sich einer dieser beiden Mannschaften, deren Leistungshorizont praktisch Platz 16 ist, dieses Jahr so richtig. Das darf man auch mal anerkennen.

Nun ist dieser Blog nicht zwingend auf "Anerkennung" aufgebaut... sondern auf verdammt viel Zynismus. Deswegen wird hier halt ausführlich das Versagen in Bremen aufgearbeitet und nicht die Hingabe der Düsseldorfer honoriert.

Meine persönliche Prognose lautet jedenfalls: Union wert sich mit allem, was sie haben und Felix Kroos trifft in der 89. Minute zum 0:1... und Köln präsentiert sich desolat, weil es denen egal ist. Und dann gurkt sich Werder gerade so durch die Relegation gegen Heidenheim. Denn genau genommen läuft es doch immer genau so, wenn einer der Großen unten rein rutscht...

Mittwoch, 24. Juni 2020

2 weitere lustige Kohfeldt Details

Weil sein Ausdruck von Panik ja nicht belastend genug war. Aber ganz ehrlich: Man hatte als Neutraler Zuschauer echt das Gefühl, dass ihm während des Spieles gegen Mainz tatsächlich bewusst wurde, wie übel er diese Saison verkackt hat. Und da denke ich mir schon: Das hätte ihm früher auffallen können.

Aber es gibt ja immer noch Leute, die Florian Kohfeldt verteidigen. Die den für einen immer noch guten Trainer halten. Das basiert aber im Wesentlichen auf 2 Scheinargumenten. die bei genauerer Betrachtung null und nichtig sind. Lasst uns die mal genauer betrachten.

Erst Mal das Offensichtliche: Kohfeldt war Jahrgangsbester! Und das, obwohl er im selben Jahr seine Trainerlizenz gemacht hat, wie ein gewisser Julian Nagelsmann. Da muss der doch genau so gut sein wie Nagelsmann. Mindestens. Schließlich ist unsere Trainerlizenz patentiert und perfekt.

Hier ist ein ganz großes Problem: Diese Noten bedeuten echt noch weniger, als der Abischnitt. Eher im Gegenteil: Jahrgangsbester zu werden, scheint eher ein Fluch zu sein. Guckt euch einfach mal die Listen der Jahrgangsbesten an... Wenn das die wichtigste Ausschlusskriterium ist, kann Werder im Sommer als Kohfeldt Nachfolger Karsten Baumann verpflichten. Oder Dirk Schuster. Oder Holger Stanislawski. Würde irgendjemand im Jahr 2020 behaupten, dass das gute Trainer sind? Oder sind das nicht eher alles gescheiterte Talente? Alle 3 sind weit weg von einem Vertrag in der Bundesliga. Stanislwaski so weit, dass er lieber Filialleiter bei ReWe wurde.

Nur um das mal zu verdeutlichen: Ein gewisser Hansi Flick wurde 2003 als Jahrgangsbester ausgezeichnet. Gemeinsam mit Thomas "da lach ich mir doch den Arsch ab" Doll. Dass Hansi Flick jetzt aber in jedem Kicker mit Jupp Heynckes verglichen wird, hat absolut nichts mit seiner Trainerausbildung zu tun...
Es liegt hauptsächlich daran, dass Heynckes dies selber befeuert. Wahrscheinlich, weil er selber nur unfassbar glücklich ist, dass das mit Flick funktioniert hat und er nicht selber noch mal ran musste.

Im Wesentlichen hat sich Flick über jahrelange Co-Trainer-Tätigkeiten in die glückliche Position geschummelt, dass er jetzt Bayern-Trainer ist. Und der Fakt, dass er mal Jahrgangsbester war, ist dafür und dabei so irrelevant, dass es niemand jemals angebracht hat.

Unsere Trainerausbildung ist weit weg davon eine Erfolgsgarantie für die spätere Karriere zu sein. Ob ein Trainer wirklich was taugt, kriegt man erst in der Praxis raus. Und dann genau genommen auch erst in der ersten Krise.


ABER Kohfeldt ist ja nicht nur Jahrgangsbester. Er ist ja auch Trainer des Jahres! Das muss doch etwas bedeuten...

Nun ja... hier ist das faszinierende an diesem Titel: Er wurde gar nicht zu "DEM TRAINER DES JAHRES" ausgezeichnet. Also wenn man den Begriff einfach so googlet, landet man hier: bei der vom Kicker-Sportmagazin initiierten und seit 2002 durchgeführten Wahl. Selbst diese Wahl ist ja eigentlich bedeutungslos. Also die verteilen solche Titel ja gerne um sich selbst Relevanz zu geben. Und Themen zu generieren, über die man dann schreiben kann.
Praktisches Beispiel: Die Geschichte des Balon d'Or. Also 2010 verschmolzen der Preis der Medien und der Preis der Fifa zu einem Titel, so dass einen Weltfußballer gibt. Dann viel den Printmedien unter der Federführung von France Football auf, dass es gar nicht so cool ist, wenn man selber einen Titel weniger hat. Also wurde der UEFA Best Player Award eingeführt und der Ballon d'Or wieder von der Fifa gelöst. So dass jetzt 3 Mal pro Jahr abgestimmt wird, ob Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi jetzt der Beste Spieler der Welt ist.
Und man kann dann nochmal eine extra Schlagzeile aufmachen, wenn ein Spieler wirklich alle 3 Preise gewinnt. Auch wenn der Mehrwert des einzelnen Preises egal ist. Aber irgendwie muss man ja die Seiten füllen...

Und praktisch ist es genau so bei der Wahl zum Trainer des Jahres. Praktisch denkt sich der Kicker: Cool, das sieht dank des Verbandes Deutscher Sportjournalisten legitim aus. Und wir wissen genau, wie wir die Kicker-Ausgabe Nummer 25 gestalten können. Kapitel 1 des Sommerlochs gefüllt, jetzt brauchen wir nur noch einen Spieler des Jahres. Und ja, ich hetze nur dagegen, weil ich nicht abstimmen darf... Aber Details... Im Wesentlichen geht es bei solchen Preisen darum, Inhalte zu generieren, Interviewtermine drum herum zu fixieren und sich selber als Medien Relevanz einzureden. Praktisch bringt einem so ein Titel aber nichts.

Das ist ja noch nicht mal das lustigste daran. Also ja, ich dachte auch, dass Florian Kohfeldt genau diesen Titel gewonnen hat. Einen Preis für Meistertrainer oder diejenigen, die es mal werden wollen. (und... nun ja... Dirk Schuster...) Hat er aber gar nicht.

Kohfeldt hat einen Preis gewonnen, nachdem man sehr spezifisch suchen muss, wenn man zu einer List der Titelträger kommen will: Den Trainerpreis des Deutschen Fußballs. Vergeben wird das Ding seit 2009 vom DFB. Und die Kriterien für den Preis sind... schwammig. Also entweder man bringt "herausragende Leistungen im Spielbetrieb"... oder man zeigt "besonderes gesellschaftliches Engagement"... Eines von beidem wäre nett. An sonsten noch irgendwas mit Jugendarbeit.
Es weiß nebenbei auch niemand genau, wie dieser Preis verteilt wird und wer da abstimmt. Nur so als Randinformation.

Meine persönliche Theorie: Der DFB wollte die Arbeit von Horst Hubresch irgendwie honorieren. Also nicht nur, aber auch finanziell. Schließlich hat der in der Jugendarbeit beim DFB um 2009 herum Großes geleistet... und war dem DFB gegenüber immer loyal. Oder es ist einfach aufgefallen, dass man vergessen hat ihm eine Titelprämie in den Vertrag zu schreiben und man musste dies irgendwie elegant regeln...
Da dachte sich jemand: "Wir haben noch nen Budgetposten 'Sonstiges und Preise'... lasst uns einen Preis mit 50.000 Euro dotieren und den an Hubresch verteilen. Danach müssen wir das noch nen paar Jahre weiter machen, aber lasst uns darauf achten, dass wir nicht die offensichtlichen Kandidaten nehmen, sondern auch Trainerinnen wie Maren Meinert, die in der Jugendausbildung bei den DFB Damen wichtige Rollen spielt."
"Geile Idee. Wie lange müssen wir das machen, damit es keinen auffällt?"
"10 mal, also bis einschließlich 2018."

Und das würde jetzt vollkommen absurd klingen, wenn es einen Preisträger für das Jahr 2019 gäbe... der wurde aber noch nicht bekannt gegeben.

Nur um nochmal zu verdeutlichen, wie irrelevant dieser Preis tatsächlich ist: Wenn ich Trainerpreis des Deutschen Fußballs 2019 google, weil man rauskriegen will, wann und wie der aktuelle Preisträger bekannt gegeben wird... finde ich 6 Einträge zu Kohfeldt, einen zu Julian Nagelsmann und einen zur aktuellen Saison von Werder Bremen. Dass dazwischen ein Hannes Wolf diesen Titel geholt hat, interessiert keinen. Gut, das mag daran liegen, dass ich zu häufig Kohfeldt gegoogled habe... Aber ihr könnt ja mal rauskriegen, ob ihr andere antworten bekommt und das in die Kommentare schreiben...
Und da ist er, der erste "Schreibt es in die Kommentare" Teil! Nach all den Jahren...

Jedenfalls ist es im Umfeld von Werder Bremen so oft erwähnt worden, dass Kohfeldt diesen Preis gewonnen hat, dass jetzt alle denken, dass es ja von Bedeutung sein muss. Auch wenn der Preis am Ende eher mit dem Echo für Farid Bang und Kollegah vergleichbar sein könnte...


Also ja... der Mythos "Kohfeldt muss ein guter Trainer sein" basiert auf einer guten Abschlussnote, die aber vollkommen irrelevant und einem Preis, bei dem keiner genau weiß, warum er existiert, wer da abstimmt und ob er überhaupt noch existiert. Das weckt doch vertrauen.

Samstag, 23. Mai 2020

Das Kohfeldt Paradoxon

Bevor das Tagesgeschehen diese Geschichte überholt... schreibt man lieber etwas, am Samstag.

Meinem derzeitigen Lieblingstrainer Florian Kohfeldt ist etwas unfassbares gelungen: Er hat anscheinend den Rückhalt der Medien verloren. Und wie hat er das geschafft? Nun ja, er hat offenbar das, was der Kicker über ihn geschrieben hat und was seine Vorgesetzten bei Werder Bremen ihm die ganze Zeit über gesagt haben, tatsächlich geglaubt... und jetzt im Wesentlichen eins zu eins zurück gegeben.
Wobei er ja genau genommen wenig neues sagt. Also dass er seinen Stuhl räumen würde, wenn Werder jemand besseres findet, fiel, glaube ich, vor Monaten schon. Dass er sich immer noch für den Besten Trainer für Werder hält, ist weder größenwahnsinnig noch "tollkühn"... es ist praktisch der einzige Weg, wie er als Bundesligatrainer seine Arbeit machen kann. Also wenn er selber diesen Glauben an seine Arbeit und damit auch an sich nicht mehr vermitteln kann, dann wird seine Mannschaft ihm auf keinen Fall folgen.

Nur um an der Stelle nochmal meine persönliche Position zu Kohfeldt zu verdeutlichen: Ich halte den Mann offensichtlich für überschätzt. Das bedeutet aber nicht, dass ich ihn für einen schlechten Trainer halte. Es ist halt verdammt leicht überschätzt zu werden, wenn alle so tun, als wäre man der nächste Jürgen Klopp oder, weil es halt logisch ist, der nächste Thomas Schaaf. Dabei ist er realistisch eher der nächste Bruno Labbadia.
Und ja, ich musste meine Position zu Labbadia neulich auch revidieren. Also Hertha BSC Berlin den als neuen Trainer vorgestellt hat, dachte ich "Unnötig, denn die Klasse halten sie auch so... aber an sich ein guter Move von Hertha"... Aber Labbadia dürfte die Rückschläge in Form von Entlassungen halt auch gebraucht haben. Und jetzt ist er mindestens ein sehr solider Bundesligatrainer.

Kohfeldt ist halt ein interessantes Trainertalent. Er bringt hervorragende Anlagen mit. Und er hat den Anspruch selbst unter schwierigen Umständen wirklichen Fußball spielen zu lassen. Aber er hat diese Saison halt auch richtig in den Sand gesetzt. Wenn man es nicht schafft seine Talente weiter zu entwickeln und bei Standards immer dieselben Fehler macht, muss man das genau so nennen. Und mir kann keiner erzählen, dass Werder wirklich den 2. schlechtesten Kader der Liga hat. Auch mit den Verletzungssorgen gibt es andere, die schwächer besetzt sind. Aber Kohfeldt hat es nie geschafft das vorhandene Potenzial auf den Rasen zu bringen.

Werder Bremen selber hat ja in den letzten Tagen den Christian Streich Vergleich ins Spiel gebracht. Ok, lasst uns das mal machen: Also Streich hat unter schwierigsten Voraussetzungen nach einer Hinrunde mit 13 Punkten den direkten Klassenerhalt gefeiert. Ohne jegliche Relegation, weil der SC Freiburg so was halt nicht braucht. In der Rückrundentabelle war er auf Platz 7. Im Jahr darauf hat er Freiburg in die Europa League geführt. Zum 2. Mal in der Vereinsgeschichte. Nur ein Mal stand man in der Bundesligaabschluss-Tabelle besser da... da dies vor der Einführung der 3 Punkte pro Sieg Regel war, kann Streich behaupten: Nie holte ein Freiburger Trainer in einer Saison mehr Punkte. Wobei auch festzuhalten bleibt: An die 27 Punkte seiner ersten Halbserie kam er dabei gar nicht ran... Nach 1 1/2 historisch spielte Freiburg eine ganz normale Saison, was für einen Verein wie dem SC Freiburg halt Platz 14 bedeutete. Aber dieser "Rückfall aufs Normale Niveau". Erst nach 1 1/2 historisch guten Jahren und einer normalsterblichen Saion stieg der SC Freiburg dann ab.
Hierbei muss man aber auch mal dringend erwähnen, dass ein Abstieg mit dem SC Freiburg etwas ganz anderes ist als ein Abstieg mit Werder Bremen.

Und das wird einem halt beim Vergleich deutlich. Denn Kohfeldt startete genau so beeindruckend wie Streich mit 29 Punkten in 17 Spielen. Seine erste Mission als Retter erledigte er mit Bravour. Dass kann ein Bruno Labbadia allerdings auch von sich behaupten. Oder, oder, oder. Es gibt genügend "Dead Coach Bounces."
Das Jahr darauf führte er Werder dann ins Mittelmaß. Das ist ordentlich. Aber halt auch nicht mehr. Vor allem wenn man bedenkt, dass er den "Klassenerhalt" mit einer Serie von 5 Spielen ohne Sieg endgültig sicherte.
Und letztes Jahr hätte er seine Mannschaft, auf dem Rücken eines überragenden Individualisten im "Contract Year Modus" fast nach Europa geführt. Es war am Ende echt knapp. So, wie Werder sich derzeit präsentiert, sollten sie echt froh sein, dass sie nicht nebenbei noch über die europäischen Dörfer tingeln müssen...

Und hier ist das entscheidende Problem im Streich-Vergleich: Mit Werder die Europa League zu erreichen ist keine überragende Leistung. Also historisch betrachtet. Eigentlich sollte es für einen jahrelangen Werder Trainer der Mindestanspruch sein, Werder ein Mal alle 4 Jahre nach Europa zu führen.

Nehmen wir da mal zur Verdeutlichung seinen Emotionalen Vorgänger Thomas Schaaf als Vergleich: Der führte Werder bereits im ersten vollen Jahr fast nach Europa. Und dann 2 Mal in Folge auf Platz 6, was ein Mal zur Teilnahme an der Europa League reichte. Werder hatte damals Probleme mit der Balance zwischen Offensive und Defensive... und brach in der Rückrunde immer ein. Aber trotzdem war jede der ersten 3 Jahre in der Abschlusstabelle erfolgreicher als alles, was Kohfeldt jemals abgeliefert hat. Und danach wurde Werder dann Doublesieger. Und Thomas Schaaf wurde zum Heiligen. Danach durfte er sich dann praktisch einen auf Jahre angelegten schleichenden Niedergang leisten, ohne dass irgendjemanden auffiel, dass der moderne Fußball irgendwie an Schaaf vorbei gezogen ist... Nen bischen, als spontaner Vergleich, wie bei Arsene Wenger und Arsenal London...

Kohfeldt darf dagegen ohne historische Vorleistungen eine der schlechtesten Werder-Saisons aller Zeiten spielen lassen, ohne dass er irgendwie in Frage gestellt wird. Und bis Mitte Mai wurde er ja nicht mal von den Medien oder den Alteingesessenen in Frage gestellt.
Aber mal als spekulative Frage: Glaubt irgendjemand, Thomas Schaaf hätte Werder anstatt zur Meisterschaft auf Platz 17 führen dürfen ohne entlassen zu werden?

An der Stelle fällt mir dann auf: Kohfeldt ist gar nicht das Problem, er ist das Symptom. Die Personalie, an der halt allen deutlich wird, dass bei Werder eigentlich fundamental etwas falsch läuft. Dass die eigene Genügsamkeit und die mangelnden Ansprüche zu einer kaum noch aufzuhaltenden Negativspirale, die über kurz oder lang in Liga 2 enden wird, geführt hat.

Denn hier kommt mal das kurze Realitäts-Update: Eigentlich sollte sich Bremen mit Borussia Mönchengladbach vergleichen. Mindestens. Denn eigentlich hat man dank der doch überraschend zahlreichen Abstiege der Gladbacher einen extremen Vorsprung. Den man auf beeindruckende Art und Weise verspielt hat.
Und ja, auch Gladbach steht für ruhiges, kontinuierliches Arbeiten und seriöses Wirtschaften in einem familiären Umfeld. Nur wird in Gladbach ein Dieter Hecking für Arbeit, die sich im normalen Rahmen des erwartbaren Erfolges bewegt, nicht zum Heiligen verklärt... sondern am Ende einfach ersetzt um neue Impulse zu setzen.

Die bittere Realität lautet: Man kann sich noch nicht mal mit dem FC Augsburg messen. Also zumindest was die Europa League Teilnahmen der letzten 10 Jahre betrifft.
Eigentlich sollte es Bremens Anspruch sein, dass man zumindest selber diese eine Mannschaft ist, die in die Internationalen Plätze rein rutscht, wenn die wirtschaftlich stärkeren Teams dies verkacken. Stattdessen haben Augsburg, Mainz, Freiburg und Hannover diese Rolle übernommen. Genau genommen auch Eintracht Frankfurt, die jetzt versuchen sich auf dem Erfolg der letzten Jahre eine konstante Basis für eine bessere Zukunft zu erarbeiten. Also genau das, was Werder in den letzten 20 Jahren verkackt hat...

Bremen sollte eigentlich über diesen Mannschaften stehen. Stattdessen vergleicht man sich mit dem SC Freiburg, deren Anspruch es ist zu den 25 besten Mannschaften in Deutschland zu gehören. Wo eine schlechte Saison eigentlich erst beginnt, wenn man nicht zur Spitzengruppe der 2. Liga gehört, wo aber ein Abstieg halt auch mal passieren kann. Werder sollte aber den Anspruch haben zu den 10 besten Mannschaften in Deutschland zu gehören. Die Voraussetzungen dafür sollten immer noch gegeben sein. Zumindest wenn man den Abstieg noch vermeidet. Aber stattdessen gibt man sich mit wesentlich weniger zufrieden.
Und so erhöht man dann auch einen Trainer, der ganz normale Ergebnisse erzielt, zur Legende... und wundert sich, dass die Leistungen nicht besser werden, wenn man die Ansprüche runter schraubt.

Das ist halt Schade, weil Werder eigentlich echt der einer der sympathischen Bundesligisten ist. Eigentlich stehen wir alle auf offensiv ausgerichteten Fußball und seriös geführte Vereine. Selbst ich, der ja eigentlich vom Zynismus lebt und gar nichts zu schreiben hätte, wenn alle Vereine wie Werder geführt werden würden.
Aber, als interessante These, wahrscheinlich wurde Kohfeldt deswegen so viel verziehen, anstatt diese Saison als das zu beschreiben, was sie eigentlich ist: Eine extrem schlechte Trainerleistung. Deswegen will auch keiner glauben, dass Kohfeldt irgendwie Schuld an der mangelnden Fitness hat. Irgendwie wissen wir alle, dass es für die Liga im Allgemeinen das beste wäre, wenn Werders Weg zum Erfolg führt. Denn wenn man gute Trainer in einem ruhigen Umfeld ihre Arbeit machen lässt, muss dies zwangsweise zu einem besseren Produkt auf dem Rasen führen.

Nur wird halt allen langsam deutlich, dass die Arbeit von Kohfeldt unangemessen wenig Früchte trägt.
Das wirkliche Problem für Werder lautet aber: Wenn man jetzt Kohfeldt einfach entlässt, aber an sonsten genau so Selbstzufrieden weiter macht, wird das genau so wenig helfen, wie ein Wiederaufstieg mit Kohfeldt, für den man sich dann auf die Schulter klopft. Nur wenn man selber sein Weltbild wieder richtig ausrichtet, wird es in Bremen wirklich vorwärts gehen.