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Donnerstag, 25. April 2024

Um nochmal bei den Negativserien nachzuharken

 Also als kurze Erinnerung: Am Samstag hab ich hier ausgeführt, wie viele Bundesligisten gerade bei höchstens einem Sieg in den letzten 5 Spielen sind. Wie viele Mannschaften die Rückrunde ziemlich verkacken.

Dann habe ich die These aufgestellt, dass das auch daran liegt, dass viele Mannschaften die Saison schon abgehakt hatten. Sie gingen davon aus, dass sie nicht in den Abstiegskampf rutschen werden, aber nach oben geht auch nichts mehr... also rutschen die doch in den Abstiegskampf.

Und dann habe ich kurz ausgeführt, dass das ja immer wieder passiert. Das zum Beispiel Werder Bremen zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre eine grausame Rückrunde angeboten wird.

Dabei fiel mir dann ein Gedanke auf: Es gibt eine einzige Mannschaft, der das nie passiert. Oder zumindest so gut wie nie. Die eigentlich auch immer frühzeitig ihr eigentliches Saisonziel "Nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben" frühzeitig erfüllen. Die dann aber trotzdem...

Also 2023 beenden sie die Saison mit 4 Siegen und 2 Unentschieden aus den letzten 10 Spielen.
2022 sind es ebenfalls 4 Siege, aber nur ein Unentschieden.
2021 sind es "nur" 3 Siege und 2 Unentschieden.
2020 sind es wieder 4 Siege und 3 Unentschieden...
Man erkennt da ein gewisses Muster.
2019 war der eine "schwächere Endspurt", in dem man "nur" 2 Siege und 3 Unentschieden holte.
Diese Mannschaft beendete die Saison immer zwischen Platz 5 und 13. Platz 13 war offensichtlich die Saison, in der man den Endspurt "verkackt" hat.

Die Rede ist offensichtlich vom SC Freiburg unter Christian Streich. Wer hätte es gedacht: Natürlich liefert der beste aktive Trainer diese konstante Bilanz hin. Aber es ist schon bemerkenswert, dass die Freiburger nicht nur immer wieder gut in die Saison starten, sondern hinten raus nie wirklich die Spannung verlieren. Dass die, auch wenn es nur noch um Platz 8 geht, trotzdem nicht den Betrieb einstellen. 

Das liegt auch ganz offensichtlich daran, dass Streich seine Spieler über die Saison hinweg weiterentwickelt. In der aktuellen Saison ist es Merlin Röhl, der über das Jahr hinweg vor unseren Augen zum Stammspieler reifte. Und Noah Atubolu wird mit immer souveräner. Und man könnte da jedes Jahr durchgehen. Man muss ja nur die Abgänge wie Kevin Schade,  Mark Flekken, Luca Waldschmidt und Nico Schlotterbeck durchgehen. Oder an Vinzenco Grifo denken, der bisher nur unter Christian Streich und in dessen System ein guter Bundesligaspieler war... und entsprechend schnell zum SC zurückkehrte.

Es ist auch einfach ein echt unfairer Wettbewerbsvorteil, dass der SC Freiburg jahrelang auf diesen überragenden Trainer bauen durfte. Denn normalerweise, wie man ja ganz praktisch in Mainz sehen konnte, gehen diese Trainer dann doch zeitnah nach Dortmund. In Freiburg konnte man sich 15 Jahre lang darauf verlassen, dass die Mannschaft übers Jahr hinweg einfach besser wird. Und dass man nicht noch spontan in den Abstiegskampf rutscht, weil man die Saison zu früh abschließt.

Über Christian Streich gibt es endlos viele Lobeshymnen, aber den "Seine Mannschaften brechen nebenbei nie ein" Aspekt wurde dabei nie angesprochen.

Und nebenbei bekommen andere Trainer da viel zu oft einen "Freifahrtschein". Also nehmen wir mal unser Lieblingsbeispiel: Werder Bremen. Die verlieben sich ja immer wieder nach einem guten halben Jahr in ihren Trainer, weil sie krampfhaft auf der Suche nach Stabilität und den nächsten Thomas Schaaf sind. Deswegen durfte Florian Kohfeld im Amt bleiben, als er die Mannschaft souverän in die Relegation geführt hat. Letzte Saison musste sich Ole Werner keine kritischen Fragen gefallen lassen, als er die Saison mit einem Sieg aus 11 Spielen "ausklingen" ließ. Als Aufsteiger kann das ja mal passieren. Jetzt ist Werder schon wieder bei nur einem Sieg aus 9 Spielen. Aber solange sie nicht direkt in den Abstiegskampf rutschen, wird sich Werner keine Gedanken um seinen Job machen müssen.

Obwohl er jetzt in der 2. Saison infolge nachweist, dass er eine Mannschaft während der Saison nicht wirklich besser macht. Denn wenn ihm das gelingen würde, kämen ja solche Serien nicht zustande. Dabei wäre es gerade für eine Mannschaft wie Werder Bremen essenziell, einen Trainer zu finden, der genau das kann. Denn man gehört ja zu diesen designierten "Grauen Mäusen", die nicht auf dem Transfermarkt fett einkaufen können, sondern müssen zwangsweise auf die Entwicklung in ihrem eigenen Kader setzen. Sowohl um garantiert eine sorgenfreie Saison zu spielen (und eventuell mal nach oben zu schielen), als auch um das nötige Kleingeld auf dem Transfermarkt zu generieren.

Trotzdem wird Werder die Stabilität mehr schätzen, als die Chance auf eine Weiterentwicklung. Sie werden so lange mit Platz 13 zufrieden sein, bis sie irgendwann reagieren müssen, weil doch der Abstieg droht.

Und versteht mich nicht falsch: Ich fordere jetzt keine Entlassung von Werner. Aber man sollte sich nach der Saison damit auseinandersetzen. Die letzten beiden Saisons analysieren, die Gemeinsamkeiten in der schwachen Rückrunde erkennen und dann darüber nachdenken, ob man sich dann neu orientiert. Oder ob man Werner noch eine Saison gibt, in dem er diese offensichtlichen Probleme löst.

Aber nach der Saison die Trainer auszutauschen, wird ja kaum gemacht. Also klar, die Bayern versuchen das gerade. Und sie haben das mit Pep Guardiola 2 Mal gemacht: Als sie ihn geholt haben und als er ging. Und dann gab es die eine Saison, in der Wolfsburg, Frankfurt und Gladbach die Trainer im Kreis getauscht haben. Aber normalerweise wechselt man die Trainer, wenn während der Saison was schiefläuft... und nicht wenn man nach der Saison feststellt, dass es keine Weiterentwicklung gibt. Also wie das die Amerikaner machen, bei denen die Trainer am sogenannten "Black Monday" entlassen werden: dem ersten Montag nach der regulären Saison. Aber die haben halt auch keinen Abstiegskampf, da ist so was einfacher.

Die andere Seite des Problems ist natürlich, dass Ole Werner kein schlechter Bundesligatrainer ist. Er dürfte schon den Durchschnitt darstellen. Er macht ja wenig wirklich verkehrt, er macht dich nur nicht besser. Und wenn sich der neue Kandidat dann als "schlechter Bundesligatrainer" entpuppt, hat man das Problem. Da hält man doch lieber so lange wie möglich an dem Durchschnitt fest.

Was aber auch nur bedeutet: Werder wird so lange im derzeitigen "Graue Maus" Status bleiben, bis sie irgendwann in den Abstiegskampf rutschen. Wirkliches Bestreben, da progressiv herauszukommen, ist wieder mal nicht in Sicht. 

Werder Bremen ist da natürlich kein Einzelbeispiel. Borussia Mönchengladbach ist mit Gerado Seoane in derselben Position. Und beides sind allgemein Mannschaft, die schon noch die wirtschaftliche Potenz (und eine entsprechend große Fanszene) haben, um souverän in der Bundesliga mitzuspielen, denen aber die Investitionsmöglichkeiten fehlen, um wirklich und konstant oben anzugreifen. Und beide sind, ganz sachlich gesehen, auf der Suche nach ihrem Christian Streich. Der letzte "Streich-Kandidat" der beiden dürfte Lucien Favre von 2010 bis 2014 gewesen sein. Aber Favres überraschender Rücktritt im Jahr 2015 belegt ja auch nur, wie schwer es ist, so einen Trainer zu halten. Seitdem wird auf der Trainerbank munter rotiert, aber keiner konnte konstanten Erfolg verbuchen.

Aber, so fair muss man sein, mit Adi Hütter, Daniel Farke und eben Seoane holte man zuletzt 3 Mal infolge einen neuen Trainer zum Trainingsauftakt. Die sind also gewillt, nach einer durchschnittlichen Saison nach Verbesserungsmöglichkeiten auf der Trainerbank zu suchen. Jetzt kann Werder darauf zeigen und behaupten "Seht ihr, das bringt doch auch nichts", während Gladbach sagen kann "Wir haben uns wenigstens bemüht"... alles nur ne Frage der Perspektive.

Dienstag, 19. März 2024

Eigentlich ist es doch nur schön.

 Zu schön, um wahr zu sein. Der SC Freiburg und Christian Streich halt.

Streich beendet jetzt im Sommer seine Karriere selbstbestimmt. Der hat ja mittlerweile auch alles erlebt, was man in dem Verein erleben kann. Und wenn man seine Arbeit als Jugendtrainer hinzuzieht, hat er auch genügend Titel gewonnen. Der SC Freiburg hat genügend Zeit, um mit Julian Schuster einen Nachfolger zu finden. Und das allerwichtigste: Beide gehen in Frieden und Eintracht auseinander. Und Streich hinterlässt ein bestelltes Feld mit einem mehr als bundesligatauglichen Kader.

Man beendet die Ära mit einer guten, aber nicht überragenden, Saison, was auch für den Nachfolger gut ist, da er sich nicht auch noch an kurzfristig überhöhten Erwartungen messen lassen muss. Sondern nur den besten Trainer aller Zeiten ersetzen, was natürlich schwer genug wird.

Aber das ist alles so was von keine Selbstverständlichkeit. Selbst für Streich persönlich nicht, schließlich wäre der fast mal gewechselt. Zu Schalke 04. Das wären spannende 9 Monate geworden. 

Man muss das nur mal mit der persönlichen "Konkurrenz" von Streich vergleichen. Fangen wir beim Offensichtlichsten an: Volker Finkes Abgang wurde im Dezember 2006 bekannt gegeben... Als der SC Freiburg auf Platz 13 stand. Das klingt wie eine Überreaktion, bis einem bewusst wird, dass es Platz 13 in der 2. Liga war. Die standen kurz davor, in den Abstiegskampf im Unterhaus zu geraten. Und der Wiederaufstieg gelang erst in der 4. Zweitligasaison. Anders ausgedrückt: Das Ende der Ära Finke fällt in die schlechteste Phase, die der SC Freiburg in diesem Jahrtausend erlebt hat... Es war das erste und bisher einzige Mal, dass der SC Freiburg den Wiederaufstieg verpasste. Natürlich versuchten die Fans den Vorstand umzustimmen, aber sachlich gesehen musste Finke einfach entlassen werden, damit es beim SC Freiburg wieder aufwärts gehen kann.

Otto Rehagel, der den Bundesligarekord mit Werder Bremen aufgestellt hat, ging ebenfalls selbstbestimmt... direkt zum größten Widersacher nach München. Er ging auch, weil Werder ihm nicht die personellen Wünsche erfüllen konnte. In seinem letzten Spiel für Werder verspielte er ausgerechnet im Olympiastadion die Meisterschaft... nur um dann herauszufinden, dass König Otto so gar nicht nach München passt. Ein harmonisches Ende sieht definitiv anders aus.

Aber immerhin ging er, als Werder noch wettbewerbsfähig war. Thomas Schaaf verpasste irgendwann als Trainer den Anschluss an die neueren Entwicklungen und Werder darauf hin auch den Anschluss an die Spitze. Schaaf war es, der die Entwicklung zum Abstiegskandidaten einleitete, andere vollendeten diesen Weg dann nur. In seiner letzten Rückrunde holte man nur 2 Siege. Schaaf trat vor dem 34. Spieltag zurück. 83 Tage, bevor er Rehagels Rekord eingestellt hätte. 

Werder hielt zu lange an der einstigen Ikone fest und konnte sich davon nie erholen. Trister kann eine derartige Traumehe eigentlich nicht enden... Es sei denn, man holt, nachdem man wieder viel zu lange mit der Entlassung von Kohfeldt gewartet hat, Schaaf als Feuerwehrmann für den letzten Spieltag zurück, um mit einem 2:4 den Abstieg zu besiegeln. Natürlich entscheidet sich Werder für die 2. Option.

Bleibt natürlich noch Frank Schmidt in Heidenheim. Aber was dort passiert, widerspricht eh jeder Logik. Was da abgeht, würde bei Anstoss 3 als unrealistisch eingestuft werden.
Aber wo wir schon bei aktuellen Namen sind: auch Steffen Baumgart und Urs Fischer wurden am Ende eiskalt entlassen, als sie ihren Mannschaften keine Impulse mehr geben konnten. Bo Svensson wurde ebenfalls unter Tränen entlassen... musste aber entlassen werden, damit man überhaupt eine Chance hat.

Streich klebt jetzt nicht an seinem Stuhl. Er jagt keine eigentlich irrelevanten Rekorde. Die 1000 Tage, die ihm auf Finke fehlen, sind halt auch ein Brett. Er geht, bevor die Geschichte eine tragische Wendung nehmen kann. Er konnte den Betriebsunfall Abstieg so schnell reparieren, dass sich niemand mehr daran erinnern kann, dass Freiburg überhaupt mal abgestiegen ist. Stattdessen erreichte er zuletzt 2 Mal in Folge den Europacup. Und man wird sich völlig zurecht ausschließlich an die guten Zeiten erinnern... weil das ganze halt auch in einer guten Zeit endet.

Das ist ein wunderschönes, aber auch völlig absurdes Ende.

Montag, 25. September 2023

Worst of eines relativ langweiligen Bundesligaspieltages

 Was soll man dazu schon schreiben? Die ersten 5 in der Tabelle haben allesamt ihr erwartbaren Siege eingesammelt. Langsam erkennt man doch schon, wer um die europäischen Plätze mitspielen will. Auch wenn Stuttgart und Hoffenheim da noch mitschwimmen, was sie wahrscheinlich nicht durchhalten können. Oh und die Bayern haben so hoch gewonnen, dass sie endlich Tabellenführer sind.
Köln und Mainz melden sich derweil für den Abstiegskampf an, aber dass die da zumindest zwischenzeitlich mal reinrutschen ist auch keine große Überraschung. 

Bleibt also Borussia Mönchengladbach, die nach 5 Spielen immer noch sieglos sind, aber ihre 3 Heimspiele gegen Bayer, Bayern und RB absolvieren durfte. Und abgesehen von dem Bayer Spiel sahen die nicht so schlecht aus. Bleibt also eine katastrophale Halbzeit gegen Darmstadt, die aber in Halbzeit 2 repariert werden konnte. Wenn die immer so wie da auftreten würden, würde ich mir Sorgen machen, aber eigentlich sehen die stabiler aus, als eine 2 Punkte Mannschaft.

Da bleiben dann nur noch die kleinen Anekdoten. Bochum hat mal wieder 0:7 gegen den Rekordmeister verloren hat, aber im Gegensatz zum VfL Osnabrück dürfen sie nicht als Nächstes für die Therapiesitzung zum Hamburger SV fahren. Das ist schon ein wenig unfair.
Jetzt wissen wir, welche tröstenden Worte Ron-Robert Zieler nach dem Spiel für Lennart Grill hatte: Mach dir nichts draus, nächste Woche geht's gegen Hamburg... da gewinnt man als Aufsteiger immer.

Ansonsten haben wir erfahren, dass Niclas Füllkrug seine Schienbeinschoner aus Werder-Zeiten behalten hat, weil der, Zitat, "viele Tore damit geschossen hat." Ich dachte, Stürmer erzielen ihre Tore mit dem Fuß. Optional mit dem Kopf. Aber Füllkrug verlässt sich anscheinend aufs Schienbein. Bester deutscher Stürmer!
Davor haute er noch ein "Ich bin ein Freund davon, Dinge nicht auszutauschen, die noch funktionieren" raus. Der eine oder andere Werder Fan wird sich da fragen, warum er unbedingt das Trikot austauschen musste, wo das doch das wichtigste Kleidungsstück sein dürfte.

Das wirklich interessante passierte aber in Frankfurt: Dino Topmöller stimmte zu, dass seine Mannschaft keinen Elfmeter verdient gehabt hätte... und das, obwohl zum Beispiel die Sportschau zu einem anderen Schluss kommt. Und dann findet Christian Streich als nächstes, dass Rot für die Gegenspieler Dina Embimbe und Robin Koch übertrieben gewesen wäre. Wie oft erleben wir es denn bitte, dass beide Trainer bei "Kann" Entscheidungen, die gegen sie getroffen werden, mit dem Schiedsrichter übereinstimmen?

Und dann fragt Streich am Ende: "Warum nicht immer so?" Also ja, warum können die Trainer nicht immer hinterher sachlich auf die Szenen gucken und sagen: "Muss man nicht geben, ist schon in Ordnung!" Es ist total faszinierend, dass Streich davon spricht, dass die Schiedsrichter "granatenmäßig unter Druck" geraten, weil das alles "medial teilweise so begleitet wird". Dass die Trainer aber immer wieder das Öl in dieses Medienfeuer kippen, weil sie es nur äußerst selten schaffen, die Szenen hinterher sachlich einzuordnen, ignoriert er komplett. Er ist ja ein entscheidender Teil dieses medialen Systems. Streich merkt, bei all seiner sonstigen sozialen Kompetenz, anscheinend nicht, dass er ein ganz entscheidender Teil dieses Drucks ist und er selber am Regler drehen könnte, wenn er häufiger wie gestern reagieren würde. Aber nächste Woche wird er sich wieder echauffieren.

Aber das ist ja die wunderbare Kraft des Fußballs: Sie macht aus intelligenten Menschen absolute Proleten. Dagegen kann sich ja selbst ein Streich nur selten wehren.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Darf Pep Guardiola sich wirklich so viel mehr erlauben als andere?

Oder macht er nur andere Dinge als Markus Gisdol?

Zunächst muss man mal eines festhalten: Wer zum Linienrichter rennt und den am Arm packt, weil dieser im falschen Moment den Arm gehoben hat, gehört auf die Tribüne verbannt. Gerade als Bundesligatrainer. Stellt euch vor was in den Kreisklassen dieses Landes abgeht, wenn wir das durchgehen lassen... Und das sieht Gisdol mittlerweile garantiert genau so.

Jetzt fragt euch aber mal: Wann hat Guardiola das letzte Mal einen der 3 wirklich das Spiel leitenden Schiedsrichter angefasst? Während der Ball läuft?

Klar, Guardiola umarmt ab und zu den 4. Offiziellen am Ende einer auch mal längeren Debatte. Achtet aber das nächste Mal einfach auf die Körpersprache die er in diesen Situationen an den Tag legt. Und vergleicht diese mit den chronischen Trbünengäste wie Christian Streich oder Jürgen Klopp... Gerade bei Klopp dachte man regelmäßig: Wenn der Schiedsrichter ihn nicht auf die Tribüne schickt, frisst er diesen gleich auf.
Guardiola nutzt die Umarmungen dagegen, um die Situation zu deeskalieren. Deswegen kriegt er von den Schiedsrichtern auch eine andere Reaktion als Gisdol.

Der nächste entscheidende Punkt ist ja, warum Guardiola überhaupt mit den Vierten Offiziellen in Kontakt gerät. Das passiert relativ selten wegen eines falschen Pfiffes. Was ja auch in der Natur der Sache liegt: Wenn man als Bayern seine Spitzenspiele im Schnitt mit 5:1 gewinnt... und in den wenigen engen Momenten den entscheidenden Pfiff geschenkt bekommt... hat man  natürlich auch viel weniger Gründe sich über einen einzelnen Abseitspfiff zu beschweren... während bei Gisdol die Abseitsentscheidung seinen Job gefährdet, ist sie für Guardiola vollkommen belanglos. Der denkt sich halt "Nun gut, erzielen wir das Tor halt in der nächsten Szene"...

Und obwohl Guardiola selten mit entscheidenden Falschen Pfiffen konfrontiert wird, muss er trotzdem in jedem Spiel mit dem Assistenten argumentieren... Warum? Weil Guardiola der Trainer ist, der am meisten coacht... Was ihm ja schon von unseren Experten in den Medien gerne vorgeworfen wird. Guardiola ändert in jedem Spiel mehrmals die Taktik. Dass muss er dann allen 11 Mann irgendwie vermitteln... vor 76.000 Fans... Und ja, dabei verlässt er häufig die Coaching-Zone. Sogar zu häufig... aber wie soll er das denn auch sonst tun?

Aber: Coachingzonen und der 4. Offizielle sind nicht erfunden worden, um die Trainer bei ihrer Arbeit zu behindern. Sie wurden erfunden um den Schiedsrichtern die Arbeit einfacher zu machen. Oder anders ausgedrückt: Weil wir zu Viele Vorfälle wie den von Gisdol hatten und zu wenige Guardiolas die einfach nur ihrer Mannschaft helfen wollen.

Mich erinnert das ein bisschen... an den guten alten Fifa-Manager... da konnte man in der 3D Simulation seinen Spielern ebenfalls kurze Befehle wie "Schieß" zurufen... und wenn man das zu oft getan hat, wurde man auf die Tribüne geschickt... ohne dass man sich überhaupt über Fehlentscheidungen aufregen konnte...

Anstatt also darüber zu klagen, dass Pep mehr darf als alle anderen... sollten sich die anderen Trainer lieber fragen, was Pep anders macht (und machen kann): Sich also weniger mit den eh nicht zu verändernden Schiedsrichterentscheidungen und mehr mit der eigenen Mannschaft beschäftigen, dann landet man auch nicht auf der Tribüne...

Dienstag, 8. Mai 2012

Die hohe Kunst des Nichts sagens

Und ja, ich weiß, dieser Beitrag kommt eine Woche zu spät... aber "aktuellere" Sachen waren erstmal wichtiger:

Nach dem 33. Spieltag kam es zum absoluten Interviewshowdown im Aktuellen Sportstudio. Ein absolut hochklassiges Duell zwischen dem abgestumpften Medienprofi und einem Menschen, der einfach gerne über Fußball spricht.
Angefangen hat das ganze mit Phillipp Lahm:


diese 5 Minuten würden jedes Phrasenschwein zum platzen bringen... nur um so ein paar Perlen zu zitieren, Lahm spricht davon, dass es "wichtig ist, dass man solche Spiele auch gewinnt". Die Bayern hatten "Viele Englische Wochen" und "am liebsten stehe ich immer auf dem Platz aber manchmal tut so ne Pause auch gut"...
Zu guter letzt noch die wichtigste Erkenntnis: "Beim FC Bayern zählen immer Titel." Phrasenabfeuern auf MG-Frequenz. Es nervt mich jetzt schon... und bei der EM werde ich das 3 Wochen lang jeden Tag zu sehen bekommen... Anscheinend ist Philipp Lahm der Meinung, dass er mit seinem einen Buch alles gesagt hat, was es zu erzählen gibt und dass er nie wieder eine konkrete oder kontroverse Aussage machen muss... oder überhaupt einen Satz, den man als Aussage werten könnte...

Dieser Interview war ja an sich schon anstrengend... wirklich aufgefallen ist es aber nur, weil es 30 Minuten Christian Steich unterbrochen hat. Und der Mann ist halt das krasse Gegenteil von dem teflonbeschichteten gequatsche von Lahm. Auf einmal Fallen Begriffe wie "autoritär aufoktruiert", "Nachhaltigkeit", "Ethische Grenzen" und "Spezifische Intelligenz." Und eigentlich sagt der Titel des Interviews alles, was man über diesen Mann wissen muss: "ich habe Freiburg nicht geretter." Nur echt mit falsch geschriebenen Namen...


Da prallen wirklich 2 Welten aufeinander... und irgendwie macht sich der Eindruck breit, dass der Moderator eigentlich lieber wieder Lahm interviewn würde... der ist ein bischen überfordert mit den ganzen krassen Aussagen...

Für das wirklich Highlight sorgt aber Sascha Riether: Der antwortet, nachdem er gerade böse von den Breisgauern verprügelt wurde (schaut euch einfach sein Auge an...), echt "Ich freue mich immer, wenn die Freiburger gewinnen." Und eine Woche später steigt sein Klub dann ab... aber immerhin konnte sich Riether während dieser desaströsen Rückrunde trotzdem oft genug freuen...

Oh und am Ende gibt es noch den Pfiff des Tages, der beweist, wie bescheuert die Fifa eigentlich ist. Also: Ein Einwechselspieler läuft auf das Feld und verhindert einen sicheren Treffer. Theoretisch die regelwidrige Verhinderung einer 100% Torchance. Praktisch ist nur das betreten des Feldes zu ahnen und dafür gibt es dann Gelb... und indirekten Freistoss... wenn diese Regel irgendwann bis zu den Profis durchdringt, können wir davon ausgehen, dass im Abstiegskampf regelmäßig die Spieler aufs Feld springen und Tore verhindern...
Und ja, die Regel ist von den selben Deppen, die darauf bestehen, dass es Rot bei einer "Notbremse" im Strafraum gibt, obwohl es dann die 100%ige Torchance, die einem genommen wurde, sofort zurück gibt... Und nein, es gibt kein Paralelluniversum, in dem das vielleicht Sinn macht...