Donnerstag, 23. Mai 2019

Heute in unser aller Lieblingsserie:

Warum dürfen Leute, die sich so gar nicht mit Fußball beschäftigen, eigentlich professionell im Kicker schreiben... Season X Episode Y: Christian Biechele.

Ich sollte echt mal Buch führen, wie oft ich diesen Spruch eigentlich bringe... vielleicht nächste Saison.

Aber ja, Christian Biechele argumentiert am Montag gegen die Abschaffung der Relegation... weil man laut seiner Meinung "keine grottige Saison gespielt haben" muss um Drittletzter zu werden...
Theoretisch stimmt das sogar. Aber das ist praktisch dieselbe Theorie, die zur Mietpreisebremse den "der Markt reguliert sich selbst" Vorschlag bringt: Sollte klappen, aber hat aber mit der Realität nichts zu tun.

Lasst uns mal spaßeshalber die Relegationsteilnehmer der Letzten Jahre durchgehen und kurz analysieren, in wie weit man ihre Saison als "ordentlich", gerade gemessen an ihren Ansprüchen, bewerten kann:
1.) VfB Stuttgart, 20019, 28 Punkte: Dazu 3 unterschiedliche Cheftrainer. Einer von war Tayfun Korkut. Ich sag das mal so: Wer mit Korkut als Cheftrainer in eine Saison geht, der will doch absteigen. Oh und 28 Punkte für den Klassenerhalt ist im "So wenig hat noch nie für den Klassenerhalt gereicht" Ranking ganz weit vorne.

2.) VfL Wolfsburg, 2018, 33 Punkte: "Wir steigen ab, wir kommen nie wieder! Wir haben Bruno Labbadia! Und das war der Gute ihrer 3 Trainer in der Saison. Diese Mannschaft wirkte zwischenzeitlich so leblos, dass man sich echt gefragt hat, wie eine derart Zusammenstellung derart teurer Stars so einen Scheiß zusammenspielen kann...

3.) VfL Wolfsburg, 2017, 37 Punkte: Diese Mannschaft könnte fast einen Freifahrsschein bekommen... weil 37 Punkte echt ordentlich sind. Aber dann wird einem bewusst, dass die Valerien Ismael als Trainer angestellt haben, was sonst nur Nürnberg und Hannover versucht haben... anders ausgedrückt: das ist auch einer dieser Trainer, bei denen man es wirklich darauf anlegt, dass man in der Relegation landet. Oh und der Kader hat Namen wie Mario Gomez (als der noch ein Thema für die Nationalmannschaft war), Julian Draxler (der sich zugegebener weise nie für Wolfsburg interessiert hat) und Luiz Gustavo (der von den Bayern zwangstransferiert worden ist) in ihrem Kader. Das ist ein Kader, mit dem man eigentlich ums Internationale Geschäft mitspielen muss und trotzdem landete man hinter Mainz und Augsburg... Der einzige Grund, warum diese Mannschaft nicht so katastrophal aussieht, ist ja der Fakt, dass ihr Nachfolger sich noch dümmer angestellt hat.

4.) Eintracht Frankfurt, 2016, 36 Punkte: Die große Überraschung. Ein Mannschaft, deren bester Spieler Lukas Hradecky ist, dürfe tatsächlich mal mit 36 Punkten in einer Relegation landen. Da könnte man vielleicht wirklich von einer ordentlichen Saison reden. Aber bei genauerer Betrachtung landeten sie hinter Darmstadt und Ingolstadt... Wer hinter solchen Mannschaften, die in der Bundesliga (wie die Folgejahre ja zeigten) nichts verloren haben, landet, kann sich nicht beschweren, wenn er absteigt.

5.) Hamburger SV, 2015, 35 Punkte: Wenn es keine Zugabe gewesen wäre... aber der HSV qualifizierte sich 2 Jahre in Folge mit einer Mannschaft, die mindestens um einen einstelligen Tabellenplatz mitspielen muss, für die Zusatzrunde in der Relegation. Oh und man hatte 4 unterschiedliche Cheftrainer. Immer ein gutes Zeichen.

6.) Hamburger SV, 2014, 27 Punkte: Vielleicht muss man das einfach mal aussprechen: SIEBENUNDZWANZIG Punkte reichten für den Klassenerhalt. Und das in einem Kader mit Rafael van der Vaart und Heung Min Son. Ja, genau dem Son, der Tottenham gegen Chelsea ins Champions League Halbfinale geschossen hat und damit jetzt im Finale steht. Das faszinierndste am HSV ist es ja, dass sie Spieler um ihre HSV Stationen erstaunlich viele Erfolge hatten. Milan Badelj und van der Vaart sind zum Beispiel beides Vize-Weltmeister. Jonathan Tah und Kareem Demirbay sind hinterher deutsche Nationalspieler geworden. Pierre-Michel Lasogga... ist halt immer noch da... Trotzdem schaffte man es irgendwie nur 27 Punkte zu sammeln und trotzdem die Klasse zu halten...

7.) TSG 1899 Hoffenheim, 2013, 30 Punkte: All das nur, weil die bereits als Vize-Meister feststehenden Dortmunder zu dumm waren ihr letztes Heimspiel gegen den damaligen Klassenfeind aus Hoppenheim zu gewinnen... Einem Spiel, in dem Kevin Großkreutz im Tor stand.

Die Liste geht dann nebenbei mit Hertha BSC Berlin, Borussia Mönchengladbach, dem 1.FC Nürnberg und Energie Cottbus weiter. 3 von denen sind genau die Kandidaten, bei denen es passieren kann, dass sie (die Hertha damals als Aufsteiger) unten rein rutschen. Die Gladbacher... hatten nach der Hinrunde 10 Punkte. Wer ein derart schlechtes erstes Halbjahr spielt, kann sich halt nicht beschweren, wenn er absteigt...

Was lernen wir daraus? In den ersten 4 Jahren mag die Argumentation von Biechele halbwegs funktioniert haben. Aber seit dem... sein wir ehrlich: Nur in einer einzigen Saison (Eintracht Frankfurt, 2016) bettelte der Relegationsteilnehmer nicht förmlich um den Abstieg. Unternahm buchstäblich alles in ihrer Macht stehende um sich für die 2. Liga zu qualifizieren. Und das in einer immer schwächer werdenden Liga. Es waren, bis auf diese eine Ausnahme, jeweils Mannschaften, die mit wesentlichen größeren Ambitionen in die Saison gestartet sind und die dann komplett zusammengebrochen sind. Oder von gnadenlos überforderten Trainern angewiesen worden sind.

Wenn die Relegation noch, wie in den Anfangsjahren, aus Mannschaften wie Mainz, Freiburg oder Augsburg bestehen würde, könnte ich dem Kicker-Experten ja folgen. Aber diese Vereine müssen sich gar nicht auf dieses extra gespannte Rettungsnetz verlassen... Sondern es sind immer die Vereine mit wesentlich größerer Wirtschaftskraft... und mit katastrophaler Vereinsführung, Außendarstellung, Teamchemie, Trainern usw.-

Ich frage mich echt, wie man überhaupt nach einer Rechtfertigung suchen kann, dass man solchen Mannschaften noch mal einen Rettungsanker zuwirft.

Es gibt eine einzige schöne Sache an der Relegation. Dazu kommen wir... Morgen.

1 Kommentar:

  1. Beim HSV 2014 hast du Tomás Rincon vergessen, der mit Juve im CL-Finale stand...

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