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Mittwoch, 27. Mai 2026

Passives Abseits Hall of Shame: Wolfsburg verspielt alle Sympathien...

Doch, wirklich. Und ich hätte auch nicht gedacht, dass da geht.

Also stellt euch mal vor, ihr bastelt euch einen Millionenkader. Also ganz praktisch bastelt ihr euch ein Transferminus von 50 Millionen in 2 Jahren. Dann holt ihr euch noch einen jungen und aufstrebenden Trainer, der das Potenzial dieses Kaders zu entfalten.

Anstatt um den Einzug in die Conference League zu kämpfen, verkackt man den Saisonauftakt. Aber gut, dass ein neuer, junger Trainer nicht funktioniert kann ja passieren, auch wenn es kein gutes Licht auf den Entscheidungsprozess im Sommer wirft. Das Paul Simonis Projekt wurde so schon nach 10 Spieltagen auf Platz 14 abgebrochen. Und man entschied sich für die logische Variante: Der Beförderung des Jugendtrainers Daniel Bauer. Bis zur Winterpause ist das ja auch OK. Und der Dead Coach Bounce führte ja auch zu 7 Punkten in 3 Spielen. Aber das 3:4 zum Jahresausklang gegen den SC Freiburg machte jetzt nicht unbedingt Mut für die Rückrunde. Trotzdem entschied man sich dann doch dafür, dem jungen Trainer diesen offensichtlich schwierigen Kader langfristig anzuvertrauen, auch wenn es da schon Anzeichen gab, dass das nicht die Dauerlösung sein wird.

Das klappte natürlich nicht. Es gab nur einen Sieg in 10 Spielen und somit musste man die nächste Notlösung auspacken. Und die war noch uninspirierter als die letzte: Dieter Hecking. Spätestens da war klar: Das ist ein faszinierender Autounfall. Heckings Zeit als Bundesligatrainer ist halt seit 10 Jahren vorbei. Der hat es schon letzte Saison geschafft, einen Abstieg zu betreuen. Da wird er das doch bestimmt dieses Jahr wieder hinbekommen.

Trotzdem ging ich davon aus, dass Wolfsburg sich schon noch retten wird. Denn die Konkurrenz war ja alles andere als Angst einflößend. Ganz praktisch rettete Werder Bremen sich mit einem Sieg in den letzten 7 Spielen. In Köln sammelte man 1 Sieg in den letzten 11 Spielen. Das waren jetzt keine hohen Hürden, die man irgendwie überwinden musste.

Wolfsburg selber holte in der gesamten Rückrunde halt nur 2 Siege, also musste man in die Relegation. Das ist zwar emotional anstrengend, aber in 9 von 10 Fällen gewinnt das der Bundesligist. Das sollte also auch machbar sein. Man hat ja mehr Geld auf der Bank sitzen, als die Paderborner in den gesamten Kader gesteckt haben. Also um das mal ganz praktisch vorzurechnen: Für die Einwechselspieler Paredes, Wind, Lindström, Shiogai und Amoura alleine hat der VfL Wolfsburg in der Summe 43,75 Millionen Euro an Ablöse und Leihgebühr bezahlt. Der Paderborner Kader ist insgesamt 40 Millionen Euro wert... Um es drastisch auszudrücken: Selbst der Hamburger SV hat das am Ende immer hinbekommen.

Das sind jedenfalls die "Vorleistungen" der Wölfe vor der Relegation. Dann schafft man es im Hinspiel vor den eigenen Fans ein Spiel anzubieten, bei denen sich der neutrale Zuschauer fragt, welche Sportart das eigentlich sein sollte. Zitat aus dem Kicker-Ticker: "Ansonsten bietet das Relegationshinspiel wenig Anlass zur Aufregung, beide Mannschaften scheuen das Risiko."

Aber daran hat es ja nicht gelegen. Die allgemeine Reaktion nach dem Relegationsrückspiel war dann ein "ABER DER SCHIEDSRICHTER!" Wenn der nur etwas mehr Fingerspitzengefühl gezeigt hätte, wäre Wolfsburg noch in der Bundesliga.

Und da keiner von den Medien sich das traut, sage ich das jetzt so: Alter, fickt euch! 

Selbst wenn die erste Gelbe Karte ganz schön hart war. Dann muss ich als Profi meine Spielweise anpassen und kann nicht so in den Zweikampf gehen, wie Maehle das direkt danach macht. Deswegen verdient man ja Millionen Euro im Jahr. Allein schon die Schuld für den Platzverweis beim Schiedsrichter zu suchen und nicht direkt anzumerken, dass der eigene Spieler sich da unfassbar dumm anstellt, ist grenzwertig.

Aber nach so einer Saison mit dem Finger auf den Schiedsrichter zu zeigen, ist einfach nur erbärmlich. Kein "Wir haben es halt nicht geschafft, das in 34 Spieltagen zu regeln." 
Und natürlich ist es ein bisschen unfair, dass Dieter Hecking so direkt und als Erstes darauf angesprochen wird. Aber er ist auch ein sehr erfahrener Trainer. Er hätte das Interview mit einem "Wir sind nicht heute und damit nicht wegen dieser einen Schiedsrichterentscheidung abgestiegen, sondern weil wir vorher in 35 Spielen richtig schlecht waren." anfangen können. Also wenn seine Erfahrung schon auf dem Platz wenig bis nichts gebracht hat, dann hätte er sie doch wenigstens im Umgang mit den Medien nutzen können.

Auch Diego Benaglio zeigt wenig Reflextion und Selbstkritik, sondern schaut lieber in Richtung Schiedsrichter. Ich zumindest habe aus Wolfsburg noch kein einziges Eingeständnis des eigenen Versagens gehört. 

Im klassischen VW Stil wird Dieter Hecking für seine tragende Rolle im erfolgreichen Projekt Abstieg befördert. Vom Trainer zum Geschäftsführer. Das Lustigste daran: Den "seine Trainerkarriere wäre dann wohl vorbei" Satz gab es 2020 schon, als er in Nürnberg diese Rolle übernahm... und am Ende scheiterte. Realistischer wäre da doch eher ein "Und damit hat der VfL Wolfsburg auch schon eine passende Notlösung da, falls man für den Aufstieg einen Interimstrainer braucht"... 

Aber nur um das nochmal festzuhalten: Wenn Dieter Hecking in Nürnberg einen guten Job als Geschäftsführer gemacht hätte, wäre er schon nicht in Bochum als Trainer zurückgekehrt. Wenn Hecking seinen Job dort ordentlich gemacht hätte, wäre er nie als Trainer für die Wolfsburger verfügbar gewesen. Wenn er jetzt die Mission Klassenerhalt geschafft hätte... Aber dieses 3fache Versagen hat ihn jetzt die Beförderung eingebracht. So sieht ein vernünftiger Neuanfang aus...

Nachtrag: Wir müssen natürlich von einem 4fachen Versagen sprechen, weil Dieter Hecking ja die Saison als Trainer in Bochum begonnen hat und nach einem Sieg aus 5 Spielen entlassen wurde... Aber hey, vielleicht ist es auch ein Fortschritt, dass Wolfsburg immerhin nicht den Trainer Dieter Hecking behält...

Montag, 9. März 2026

Das ist schon ein faszinierender Autounfall

 Den der VfL Wolfsburg da inszeniert. Eine dieser Karambolagen, bei der man einfach anhalten und gaffen muss. Als wäre ihnen aufgefallen, dass man schon was Besonderes liefern muss, damit irgendjemand hinguckt. Bessere Werbung kann man für einen Diesel von VW doch gar nicht machen...

Dass man nach dem Abpfiff im eigenen Stadion die Gästefans hört, die laut "Zweite Liga, Wolfsburg ist dabei!" singen, ist an sich schon absurd. Dass es auch noch die Fans des Hamburger SVs sind, ist völlig bekloppt. Wobei man da natürlich sagen muss: wer, wenn nicht die wahren Experten in Sachen Zweiter Liga?

Laut Kicker.de wurde sogar auf der VIP Tribüne der Sieg der Gäste gefeiert... DAS muss man erstmal schaffen. Dann fiel den eigenen Fans auf, dass man ja wenigstens mal ein paar Rauchbomben zünden muss, damit irgendjemand merkt, dass man noch da ist. Denn zu hören waren die ja vorher nicht wirklich.

Selbst der Mannschaft ist nach Abpfiff aufgefallen, dass man mal ein wenig Emotionen zeigen müsste... und man verlor sich in einer völlig unnötigen Rudelbildung. Dort sah der Ersatztorwart die Rote Karte. Das ist halt ihr "Aggressive Leader". Ernsthaft: Marius Müller hat jetzt eine Gelbe und eine Rote Karte gesehen, ohne dass er eine Minute gespielt hat. Und auch im Pokal gegen Kiel sah er eine Verwarnung. Da denkt sich selbst ein Dominik Kohr "entspann dich mal"...

Jetzt soll Hoffnungsträger Dieter Hecking den Karren aus dem Dreck ziehen, weil das in Bochum letztes Jahr so gut funktioniert hat. Frei nach Volker Pispers: "Hoffnungsträger kann man gar nicht sein." Im Kicker gibt es anscheinend einen völlig absurden Kommentar, laut dem Hecking "Seine Zukunft aufs Spiel" setzt. Der Kommentar selber ist natürlich hinter einer Paywall, aber ehrlich... Dieter Hecking ist 61. Er scheiterte zuletzt als Trainer beim Hamburger SV und eben in Bochum. Dazwischen hatte er eigentlich schon gemerkt, dass er als Trainer den Anschluss verloren hat und er versuchte sich mit mäßigem Erfolg als Sportdirektor in Nürnberg. Spätestens nachdem er den Neustart in Bochum in den Sand gesetzt hat, war seine Trainerkarriere doch durch. Er ist nur noch eine Station vom "Peter Neururer fährt den Porsche vor" Meme entfernt. Seine einzige Hoffnung sind absolut verzweifelte Vereine, die ihn als letzte Option anrufen. Und jetzt hat er den einen Dummen gefunden, der nur noch diese Option hatte. Im persönlichen Best-Case-Szenario holt er sich einen letzten Gehaltscheck ab, bevor er endgültig in den Ruhestand geht... Wenn er Pech hat, schafft er das mit dem Klassenerhalt und muss danach dann noch 9 bis 15 Monate weiterarbeiten, bevor sie ihn irgendwann entlassen. Und am Ende wird sich niemand daran erinnern, weil es eben auch nur Wolfsburg im Jahr 2026 ist... Ein Verein, für den sich allgemein niemand interessiert. 

Am Ende wird Hecking so oder so als einer dieser durchschnittlichen Bundesligatrainer in die Geschichte einzugehen. Selbst in seinen Hochphasen war er eher für die "Grauen Mäuse" als für die wirklichen Spitzenteams angestellt. Und seinen einen Titel holte er für die ultimative Graue Maus unter den "Spitzenteams". Was ja auch wirklich nicht schlimm ist. Und was nebenbei dafür sorgt, dass er finanziell ausgesorgt hat. Jetzt zu behaupten, dass diese Anstellung irgendwie seine Zukunft wirklich beeinflusst, ist völlig übertrieben.

Das wirkliche Problem für Wolfsburg: Die Konkurrenz macht Ernst. Selbst Werder Bremen entscheidet sich doch dafür, sich zu wehren. Wobei genau genommen nur genau das passiert ist, was ich vor der Entlassung von Horst Steffen prophezeit habe: Gegen die Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte wird Werder schon die nötigen Punkte holen, um den Klassenerhalt zu sichern. Die Hälfte der 12 Punkte, die man aus den Duellen gegen St. Pauli, Heidenheim, Mainz, Wolfsburg und Köln holen muss (und in der Hinrunde geholt hat), hat man nach der Hälfte der Duelle auch schon auf dem Konto. Im Wesentlichen hat Werder tatsächlich "nur" 2 wichtige Spiele gegen den HSV und St. Pauli verloren, sonst ist man voll im Soll. Und klar, man hat das grundlegende Problem, dass man gegen die Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte nicht wirklich konkurrenzfähig ist... aber das liegt primär an der Zusammenstellung des Kaders und nicht am Trainer. Und dieses Grundlegende Problem führt auch dazu, dass man nicht viel Spielraum hat.

Apropos Trainer: Es ist faszinierend, dass man sofort merkt, wie diese die letzte Woche genutzt haben. Es war ja für Borussia Dortmund eine der wenigen Wochen ohne "englische" Zusatzbelastung. Da war Niko Kovac dann direkt beim Logopäden. Und der hat ihm innerhalb einer Woche beigebracht, wie er den Satz "Ich hätte mich auch beschwert" sagt, ohne mit den Zähnen zu knirschen, nachdem man selbst von einer Fehlentscheidung profitiert hat. Ganz großes Kino.

Nur um den Bullshit, den Kovac in den letzten Wochen von sich gegeben hat, nochmal einzuordnen: Laut seinen eigenen Ansprüchen war die Rote Karte für Jahmai Simpson-Pusey übertrieben, weil Maximilian Beier ja weiterspielen konnte und nicht in der Bahre mit der Trage vom Platz getragen werden musste. 
Ganz ehrlich: Ich gehe davon aus, dass irgendjemand in der Dortmunder Medienabteilung Kovac unter der Woche mal zur Seite genommen hat, um ihn darauf hinzuweisen, welche Auswirkungen in der Wahrnehmung seine Aussagen so haben. Und dann haben sie ihn freundlich darauf hingewiesen, dass er bei Gelegenheit mal eine Fehlentscheidung "pro Dortmund" als diese anerkennen sollte.
Und Dortmund kann es sich jetzt ja leisten. Also deren Saison ist ja quasi durch. Sie werden die Saison ohne Titel, aber als Vize-Meister beenden. Was nach der letzten Saison ein Fortschritt ist. Aber da kann, oder eher muss, man ja mal die Gelegenheit nutzen, um das Image des Trainers ein wenig aufzubessern. 

Beenden wir diesen Beitrag mit einer der wichtigsten Fragen: Warum hat Mario Basler einen Podcast in der ARD Mediathek? Nur um da dann richtig sexistische Kackscheiße von sich zu geben? Ein großes Lob geht dabei an Arnd Zeigler, der Baslers "Wann siehst du mal ne Grätsche bei ner Dame" Aussage ad Absurdum geführt hat, weil erst erwähnt hat, dass Basler in seinen Jahren bei Werder selbst nie gegrätscht hat. Und dann legt er mit einer Montage heftiger Grätschen nach.

Aber ganz ehrlich: Mario Basler sollte Multimillionär sein. Und wenn er sein Vermögen wirklich komplett in den Sand gesetzt hat, kann er sich doch beim Unterschichtenfernsehen RTL bewerben, die werden ihn nehmen. Er ist ja unbestritten eine Persönlichkeit und Marke, die ihm auch eine gewisse Reichweite garantiert. Er könnte seine Weisheiten aus den 50er Jahren also auch ohne die Unterstützung der ARD verbreiten. Warum braucht er dafür die Unterstützung des Öffentlich Rechtlichen Rundfunks? Sollten die sich nicht eher darauf konzentrieren, aufstrebende junge Menschen oder neue Ansichten über ihre Plattform zu fördern?

Donnerstag, 20. Juni 2019

Warum spielt ausgerechnet Dieter Hecking sich jetzt als Moralapostel auf

und wechselt dann direkt zum Hamburger SV. Also ernsthaft, kann man so was nicht verbieten?

Also hier mal kurz die beiden Probleme mit Hecking und seiner neuen großen Liebe:
1.) Hecking ist als Trainer selber kein unbeschriebenes Blatt. Er ist jemand, der sich selber Ausstiegsklauseln in den Vertrag schreiben lässt und der mitten in der Saison von einem Verein zum nächsten wechselt. Und gerade wenn man sich den Wechsel von Alemannia Aachen zu Hannover 96 nach dem 3. Spieltag der Saison mal genau anguckt... Also Hecking schlägt Peter Neururer, sorgt dafür, dass dieser bereits nach 3 Spielen entlassen wird, was nach Heckings eigener Wertevorstellung viel zu früh ist, und belohnt dann den Verein, der diesen Schritt gegangen ist, mit seiner eigenen Expertise... während er in Aachen einen Scherbenhaufen hinterließ, von dem der Verein sich bis heute nicht erholt hat. Hecking ist halt auch nachgewiesener Weise ein Guter Trainer, der hätte die 4 Punkte, die zum Klassenerhalt fehlten, vielleicht noch geholt. Und ein weiteres Jahr Bundesliga hätte dem Verein bestimmt nicht geschadet. Und Heckings Ruf auch nicht. Aber er musste gleich zu seiner persönlichen Herzensangelegenheit, auch wenn die ihre Trainer damals eher mäßig behandelt haben.

Nur um mal ein Gegenbeispiel zu nennen: ein Ralf Hasenhüttl hätte direkt nach dem Aufstieg auf Ingolstadt scheißen und zu RB Leipzig wechseln können. Er hat sich der Aufgabe Bundesliga mit geringen Mitteln gestellt und sie erfolgreich bewältigt. Er hat seinem Verein den angemessenen Respekt entgegengebracht, er darf diesen jetzt auch einfordern.

Und es ist ja Hecking nicht nur ein Mal passiert. 2011/12 verließ er mitten in der Saison den 1.FC Nürnberg, weil die Perspektive Wolfsburg zu verlockend war. Wieder stieg er aus einem laufenden Vertrag aus, weil er für sich persönlich bessere Chancen bei einem anderen Verein sah. Auch wenn Nürnberg immerhin auch ohne ihn die Klasse hielt... Zum bis heute letzten Mal, aber das ist dann nicht unbedingt Heckings Schuld.

Dass aber jemand, der sich selber nicht so sehr dafür interessiert, wie lange sein Vertrag eigentlich noch läuft, sich jetzt darüber aufregt, dass seine Vorgesetzten dies auch nicht machen... Er selber nutzt seine Gelegenheiten um sich persönlich zu verbessern, warum soll ein Max Eberl nicht die Möglichkeiten nutzen die Trainerposition in seinem Verein zu verbessern?

Und dann wechselt der auch noch zum Hamburger SV. Es gibt wohl kaum einen Verein, der konstant respektloser mit ihren Trainern umgeht. Nur um das mal festzuhalten: die haben Christian Titz entlassen, als sie klar auf Kurs aufstieg lagen... und sich dabei dermaßen verzockt, dass der fest eingeplante Aufstieg verspielt worden ist.

Das sind ja auch keine Ausnahmen. Also der HSV hat in diesem Jahrzehnt 2 Mal nicht den Trainer während einer Saison gewechselt. Dafür haben sie 2 Saison mit 4 unterschiedlichen Cheftrainern... Auch wenn da natürlich der eine oder andere Interims-Trainer dabei ist: Das sind einfach viel zu viele. Und das spricht dafür, dass man beim HSV gerne den Trainer als Sündenbock nutzt, also alles andere als respektvoll mit ihnen umgeht.

Und als Belohnung bekommen sie dafür die nachgewiesene Expertise von Dieter Hecking. Weil er sich, kurz nach seiner Brandrede beim Abschied auf Mönchengladbach. Wenn Hecking wirklich einen anderen Umgang mit den Trainer will, hätte er dem HSV mit der Begründung "Mit Vereinen, die derart respektlos mit ihren Trainer umgehen und sie immer wieder als einzigen Schuldigen opfern, will ich nicht zusammenarbeiten. Und ich rate es allen anderen Trainern, dies auch nicht zu tun. Denn nur wenn solche Vereine feststellen, dass sie ihre Trainer nicht beliebig austauschen können, wird sich etwas ändern."
Aber dazu fehlten ihm dann doch die Eier. Oder das Gehalt beim HSV war zu verlockend. Oder er hat in den paar Wochen schon wieder vergessen, dass er eigentlich ein Problem mit dem Umgang der Vereine mit ihm und seinen Kollegen hat.

Eines steht fest: Wenn Hecking sich demnächst darüber beschwert, wie in Hamburg mit ihm umgegangen wird (und so viel ist sicher: Es geht eher um das "wann" als ums "ob"), dann werde ich kein Mitleid mit ihm haben. Denn er hat es ja so gewollt.

Sonntag, 23. Dezember 2012

Da denkt man sich: Na, vor Weihnachten wird ja nix mehr passieren...

und auf ein Mal ist Dieter Hecking Trainer in Wolfsburg. Ja, DER Dieter Hecking und nicht Bernd Schuster... Nachdem schon der neue Manager aus einem laufenden Vertrag herausgekauft wurde, bedient man sich jetzt beim Trainer auch bei einem direkten Konkurrenten... Gut für Wolfsburg, schlecht für Nürnberg.

Eigentlich wäre alles andere dumm gewesen. Auch wenn ich einen Schuster gerne mal in Aktion gesehen hätte: Die meisten Trainer sind nicht ohne Grund arbeitslos. Und die meisten guten Trainer haben halt meistens auch einen Job... Und wenn man einen Trainer haben will, der perspektivisch arbeitet... macht der das meistens schon woanders. So wie Hecking in Nürnberg halt.

Ablösesummen für Trainer zahlen galt eigentlich als ein Tabu. Warum sollte man auch Ablöse für jemanden zahlen, denn man nach höchstens 2 Jahren Abfinden muss? Dann doch lieber Peter Neururer... Der ist eigentlich immer frei...

Ist das jetzt ein gutes, oder ein schlechtes Zeichen? Für Nürnberg (und Mainz, denen das wohl als nächstes passieren wird) auf jeden Fall ein schlechtes. Das eine, worauf man sich bisher verlassen konnte, war doch, dass wenigstens dein Trainer bleibt, bis du ihn entlässt... Gute Spieler sind relativ schnell weg (auch da können sie in Nürnberg ein Lied von singen), ein guter Trainer bleibt im schlimmsten Fall 15 Jahre...

Gerade Klaus Allofs kennt die Bedeutung eines guten Trainers. Schließlich war er zum ersten Mal in seiner Karriere auf Trainersuche. Und wir dachten, das dauerte so lange, weil er keine Ahnung hat wie so was funktioniert. Jetzt wissen wir: er hat sich gegen den Willen seines Chefs und für einen guten Trainer entschieden. Und das ganze so gekonnt, dass eine große Weihnachtsüberraschung draus wurde. Der große Vorteil für Hecking und Nürnberg war halt, dass die sich nicht wochenlang fragen lassen mussten, wann der Wechsel denn nun kommt...

Die gute Nachricht: Spielern glaubt man relativ schnell, dass sie gut sind, als Trainer musst du schon 3 Jahre lang herausragende Arbeit abliefern, damit das jemand mitbekommt. Und das waren immerhin 3 Jahre, in denen Nürnberg wenig bis gar nichts mit dem Abstieg zu tun gehabt hat.

Wird dadurch ein neuer Trend ausgelöst? (International ist der nebenbei nicht so neu, Andre Villas-Boas soll 15 Millionen Ablsöe gekostet haben und war nach nicht mal einen Jahr wieder weg.) Im Endeffekt ist es die größtmögliche Anerkennung für die Arbeit, die Dieter Hecking in Nürnberg geleistet hat. Und wir haben mit Tuchel, Slomka, Streich, Favre und Schaaf noch einige Trainer, die großartige Arbeit leisten... Und zwar nicht erst seit diesem Sommer. Und mit Schalke ist schon der nächste Verein auf der Suche. Nicht unwahrscheinlich, dass sie auch auf Schalke die Bedeutung... ach vergesst es, auf Schalke ist alles unwahrscheinlich, was mit Logik und Vernunft zu tun hat...

Aber: Gute Trainerleistungen werden mittlerweile wahrgenommen. Und die neue (junge) Trainergeneration weiß um ihren Wert. Deswegen wechselt Hecking zum 2. Mal in seiner Karriere von heute auf morgen den Job innerhalb der Bundesliga. Und deswegen zieht sich die Vertragsverlängerung eines Slomkas so lange hin.