Doch, wirklich. Und ich hätte auch nicht gedacht, dass da geht.
Also stellt euch mal vor, ihr bastelt euch einen Millionenkader. Also ganz praktisch bastelt ihr euch ein Transferminus von 50 Millionen in 2 Jahren. Dann holt ihr euch noch einen jungen und aufstrebenden Trainer, der das Potenzial dieses Kaders zu entfalten.
Anstatt um den Einzug in die Conference League zu kämpfen, verkackt man den Saisonauftakt. Aber gut, dass ein neuer, junger Trainer nicht funktioniert kann ja passieren, auch wenn es kein gutes Licht auf den Entscheidungsprozess im Sommer wirft. Das Paul Simonis Projekt wurde so schon nach 10 Spieltagen auf Platz 14 abgebrochen. Und man entschied sich für die logische Variante: Der Beförderung des Jugendtrainers Daniel Bauer. Bis zur Winterpause ist das ja auch OK. Und der Dead Coach Bounce führte ja auch zu 7 Punkten in 3 Spielen. Aber das 3:4 zum Jahresausklang gegen den SC Freiburg machte jetzt nicht unbedingt Mut für die Rückrunde. Trotzdem entschied man sich dann doch dafür, dem jungen Trainer diesen offensichtlich schwierigen Kader langfristig anzuvertrauen, auch wenn es da schon Anzeichen gab, dass das nicht die Dauerlösung sein wird.
Das klappte natürlich nicht. Es gab nur einen Sieg in 10 Spielen und somit musste man die nächste Notlösung auspacken. Und die war noch uninspirierter als die letzte: Dieter Hecking. Spätestens da war klar: Das ist ein faszinierender Autounfall. Heckings Zeit als Bundesligatrainer ist halt seit 10 Jahren vorbei. Der hat es schon letzte Saison geschafft, einen Abstieg zu betreuen. Da wird er das doch bestimmt dieses Jahr wieder hinbekommen.
Trotzdem ging ich davon aus, dass Wolfsburg sich schon noch retten wird. Denn die Konkurrenz war ja alles andere als Angst einflößend. Ganz praktisch rettete Werder Bremen sich mit einem Sieg in den letzten 7 Spielen. In Köln sammelte man 1 Sieg in den letzten 11 Spielen. Das waren jetzt keine hohen Hürden, die man irgendwie überwinden musste.
Wolfsburg selber holte in der gesamten Rückrunde halt nur 2 Siege, also musste man in die Relegation. Das ist zwar emotional anstrengend, aber in 9 von 10 Fällen gewinnt das der Bundesligist. Das sollte also auch machbar sein. Man hat ja mehr Geld auf der Bank sitzen, als die Paderborner in den gesamten Kader gesteckt haben. Also um das mal ganz praktisch vorzurechnen: Für die Einwechselspieler Paredes, Wind, Lindström, Shiogai und Amoura alleine hat der VfL Wolfsburg in der Summe 43,75 Millionen Euro an Ablöse und Leihgebühr bezahlt. Der Paderborner Kader ist insgesamt 40 Millionen Euro wert... Um es drastisch auszudrücken: Selbst der Hamburger SV hat das am Ende immer hinbekommen.
Das sind jedenfalls die "Vorleistungen" der Wölfe vor der Relegation. Dann schafft man es im Hinspiel vor den eigenen Fans ein Spiel anzubieten, bei denen sich der neutrale Zuschauer fragt, welche Sportart das eigentlich sein sollte. Zitat aus dem Kicker-Ticker: "Ansonsten bietet das Relegationshinspiel wenig Anlass zur Aufregung, beide Mannschaften scheuen das Risiko."
Aber daran hat es ja nicht gelegen. Die allgemeine Reaktion nach dem Relegationsrückspiel war dann ein "ABER DER SCHIEDSRICHTER!" Wenn der nur etwas mehr Fingerspitzengefühl gezeigt hätte, wäre Wolfsburg noch in der Bundesliga.
Und da keiner von den Medien sich das traut, sage ich das jetzt so: Alter, fickt euch!
Selbst wenn die erste Gelbe Karte ganz schön hart war. Dann muss ich als Profi meine Spielweise anpassen und kann nicht so in den Zweikampf gehen, wie Maehle das direkt danach macht. Deswegen verdient man ja Millionen Euro im Jahr. Allein schon die Schuld für den Platzverweis beim Schiedsrichter zu suchen und nicht direkt anzumerken, dass der eigene Spieler sich da unfassbar dumm anstellt, ist grenzwertig.
Aber nach so einer Saison mit dem Finger auf den Schiedsrichter zu zeigen, ist einfach nur erbärmlich. Kein "Wir haben es halt nicht geschafft, das in 34 Spieltagen zu regeln."
Und natürlich ist es ein bisschen unfair, dass Dieter Hecking so direkt und als Erstes darauf angesprochen wird. Aber er ist auch ein sehr erfahrener Trainer. Er hätte das Interview mit einem "Wir sind nicht heute und damit nicht wegen dieser einen Schiedsrichterentscheidung abgestiegen, sondern weil wir vorher in 35 Spielen richtig schlecht waren." anfangen können. Also wenn seine Erfahrung schon auf dem Platz wenig bis nichts gebracht hat, dann hätte er sie doch wenigstens im Umgang mit den Medien nutzen können.
Auch Diego Benaglio zeigt wenig Reflextion und Selbstkritik, sondern schaut lieber in Richtung Schiedsrichter. Ich zumindest habe aus Wolfsburg noch kein einziges Eingeständnis des eigenen Versagens gehört.
Im klassischen VW Stil wird Dieter Hecking für seine tragende Rolle im erfolgreichen Projekt Abstieg befördert. Vom Trainer zum Geschäftsführer. Das Lustigste daran: Den "seine Trainerkarriere wäre dann wohl vorbei" Satz gab es 2020 schon, als er in Nürnberg diese Rolle übernahm... und am Ende scheiterte. Realistischer wäre da doch eher ein "Und damit hat der VfL Wolfsburg auch schon eine passende Notlösung da, falls man für den Aufstieg einen Interimstrainer braucht"...
Aber nur um das nochmal festzuhalten: Wenn Dieter Hecking in Nürnberg einen guten Job als Geschäftsführer gemacht hätte, wäre er schon nicht in Bochum als Trainer zurückgekehrt. Wenn Hecking seinen Job dort ordentlich gemacht hätte, wäre er nie als Trainer für die Wolfsburger verfügbar gewesen. Wenn er jetzt die Mission Klassenerhalt geschafft hätte... Aber dieses 3fache Versagen hat ihn jetzt die Beförderung eingebracht. So sieht ein vernünftiger Neuanfang aus...
Nachtrag: Wir müssen natürlich von einem 4fachen Versagen sprechen, weil Dieter Hecking ja die Saison als Trainer in Bochum begonnen hat und nach einem Sieg aus 5 Spielen entlassen wurde... Aber hey, vielleicht ist es auch ein Fortschritt, dass Wolfsburg immerhin nicht den Trainer Dieter Hecking behält...
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