Nun ja... seit langem.
Also lasst uns mal eines kurz festhalten: Der Bundesliga-Abschluss war von gähnender Langeweile geprägt. Und das ist das Schlimmste, was einer Liga passieren kann.
Um das mal ganz praktisch festzuhalten: Es gab nur eine einzige Veränderung in der Tabelle: Der Hamburger SV hat 2 relativ belanglose Tabellenplätze verloren, weil man nur Unentschieden gespielt hat. Weder im Abstiegskampf, noch im Kampf um die europäischen Plätze, gab es irgendwelche relevanten Veränderungen.
Das letzte Mal ist uns ähnliches in der Saison 2017/18 passiert. Damals überholte immerhin Hoffenheim die Dortmunder. Das war auch irrelevant, weil Dortmund trotzdem 4. wurde. Und dann haben wir noch den letzten Spieltag der Saison 2013/14, an dem sich buchstäblich gar nichts an der Tabelle geändert hat...
Aber hier ist das lustigste: Selbst in der Saison ist in der 2. Halbzeit mehr passiert, als dieses Jahr. Denn Bayer Leverkusen erzielte sein zwingend benötigtes Siegtor in der 53. Minute.
Und 2017/18 fehlte Leverkusen in der 90. Minute nur 2 Tore, um Dortmund noch von Platz 4 zu verdrängen. Man kassierte stattdessen 2 Tore, aber halt auch, weil man gnadenlos auf den eigenen Treffer ging und das Verteidigen einstellte.
Dieses Jahr war alles sehr früh entschieden. Weil sich auch alle Kandidaten so dumm wie möglich anstellten. Der berechnendste Satz kommt aus dem Kicker-Ticker zum Spiel Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart: "Selbst wenn Stuttgart das Spiel hier noch komplett aus der Hand geben sollte, würde die CL-Qualifikation nach aktuellem Stand dennoch klar sein. Gladbach führt 3:0 gegen Hoffenheim, Leverkusen kommt aktuell nicht über ein Unentschieden gegen den HSV hinaus."
Das war der Status in Sachen Champions League: Hoffenheim legte eine ultimative "Macht ihr das mal" Leistung. Leverkusen übte ebenfalls keinerlei Druck aus. Also konnte Stuttgart ganz entspannt den 2-Tore-Vorsprung verspielen...
Im Sinne der Gleichberechtigung schloss sich der FC Augsburg den Hoffenheimern an und verlor ebenfalls 0:4... Und RB Leipzig entschied sich gegen einen vernünftigen Saisonabschluss und verlor mit 1:4 gegen Freiburg. Damit war auch "Das Rennen" um die Conference League frühzeitig entschieden. Also gut, endgültig wird das am Mittwoch entschieden. Aber Spannung sieht auf jeden Fall anders aus.
Nebenbei zeigte das Spiel in Freiburg auch eines dieser Grundprobleme des letzten Spieltages. Denn oftmals spielen Mannschaften, für die es um alles geht, gegen sorglose Mannschaften. In Leipzigs Fall führte dies dazu, dass man David Raum schonte... Ich hab mal kurz in den Spielplan von RB geguckt. Da steht nichts mehr im Kalender. Raum wurde buchstäblich geschont, damit er sich vor der WM nicht noch verletzt.
Ich will Raum da auch gar keinen Vorwurf machen, aber es verdeutlicht halt, wie unterschiedlich die Herangehensweise an so einen letzten Spieltag oftmals ist. Denn selbst wenn Raum gespielt hätte, dann doch mit einer "Hauptsache ich verletze mich nicht" Einstellung.
Aber kommen wir zum eigentliche Gewürz: dem Abstiegskampf. Der musste ja episch werden. 3 punktgleiche Mannschaften! Und auch ein fast identisches Torverhältnis. Aber Heidenheim kassierte vor der Pause 2 Gegentore und war damit praktisch frühzeitig raus.
Dann kam der große Auftritt von Nikola Vasilj. Der ist für mich der Spieler des Spieltages. Note 0,5. Denn Vasilj war der beste Verteidiger des FC St. Pauli. Er hielt seine Mannschaft mit mehreren guten Paraden im Spiel. Gleichzeitig war er der beste Angreifer von Wolfsburg und hatte bei den wichtigsten Toren der Saison seine Finger im Spiel. Der beste Spieler für beide Mannschaften zu sein, hat so noch niemand geschafft.
Mein persönliches Highlight war, wie Vasilj am Ende bei einer Ecke nach vorne stürmte. Denn was im eigenen Strafraum brandgefährlich ist, muss ja auch am anderen Ende des Platzes funktionieren...
Wenn man sich ein wenig und kritisch mit Fußball beschäftigt, war das Spiel nach 38 Minuten entschieden. Denn St. Pauli ist sachlich gesehen offensiv einfach zu schwach, um 2 Tore in 45 Minuten zu erzielen. Sie haben halt 29 Tore erzielt... und absurderweise 5 dieser Tore gegen Borussia Dortmund. 2 Treffer in einer Halbzeit erzielte man zuletzt am 23. Spieltag gegen Werder Bremen. Seitdem schaffte man es auch nicht mehr, 2 Tore in einem Spiel zu erzielen. Das St. Pauli also plötzlich 2 Tore erzielt, anstatt weiterhin kollektiv einen auf "Gomez der Woche" zu machen, war praktische ausgeschlossen. Spätestens das 2:1 in der 64. machte definitiv den Deckel drauf.
Wer also nicht eingeschaltet hat, hat nichts verpasst.
Also vergleichen wir das mal mit dem Aufstiegsrennen in der 3. Liga. Dort erzielte Rot Weiß Essen in der 92. Minute den entscheidenden Treffer zum Aufstieg zur Relegation. Und direkt danach traf Bulic in Duisburg den Pfosten. Ein Treffer dort hätte Essen wieder auf Platz 4 geschubst. So sieht ein spannendes Finale aus.
All das wurde dann noch von der 2. Liga getoppt. Das war mal eine Konferenz. Also fangen wir im völlig absurden Abstiegskampf an: Fürth konnte mit dem 3:0 Sieg gegen Düsseldorf auf den Relegationsrang springen. Wenn Fürth noch ein 4. Tor erzielt hätte, wäre das der direkte Klassenerhalt gewesen. Wenn Düsseldorf stattdessen das 1:3 erzielt hätte, wären die wieder an Fürth vorbeigezogen. Das macht die letzte Szene, in der Kastenmeier vorne mitmischt und Hrgota dann den Ball nicht ins leere Tor bekommt, so intensiv.
Arminia Bielefeld machte in der 2. Halbzeit einen gewaltigen Sprung von Platz 17 auf Platz 13, weil die Hertha nach einer ordentlichen ersten Halbzeit den Betrieb komplett einstellte.
Und im Aufstiegskampf kassierte Hannover in der 83. Minute den schmerzhaften Treffer, der ihnen die Teilnahme an der Relegation kostete. Das Spiel endete 3:3.
Diese anderen Ligen verdeutlichten nochmal, wie absurd langweilig das Bundesliga-Finale war. Mir ist ja bewusst, dass ich mit so Sätzen wie "Das schlechteste" oder "Das schlimmste" häufig um mich werfe. Aber dieses Jahr stimmt es definitiv.
Nebenbei sichert Wolfsburg sich den Klassenerhalt mit 2 Siegen in der gesamten Rückrunde. Also klar, nur die Relegationsteilnahme, aber da setzt sich beinahe immer der Bundesligist durch. Werder Bremen feiert den Klassenerhalt mit 4 sieglosen Spielen infolge. In Köln sind es 5... und nur 1 Sieg aus den letzten VIERZEHN Spielen. Also falls noch jemand irgendwelche Beweise braucht, dass die Mannschaften da unten, abgesehen von Heidenheim, wirklich komplett unfähig waren. Heidenheim waren die einzigen, die sich in den 8 Spielen wirklich gegen den Abstieg gewehrt hatten... Also in 7 der letzten 8 Spiele, am 34. Spieltag sind sie dann doch eingebrochen...
Alles in allem wird man über diese Saison wohl nie wieder sprechen. Es gab eine langweilige, frühzeitig entschiedene Meisterschaft und einen weitgehend emotionslosen Abstiegskampf. Für die Liga bleibt zu hoffen, dass dies die Ausnahme bleibt.
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