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Freitag, 5. November 2021

Das kann doch eigentlich nicht so schwierig sein

 Also dass es auch so gar keine Fortschritte gibt, ist schon faszinierend. Dass jetzt selbst die englischen Schiedsrichter auf internationaler Bühne für Lächerlichkeiten Platzverweise erteilen, obwohl sie sich die Szene nochmal angucken. Das ist einfach alles nicht mehr nachvollziehbar. Also vielleicht sind die Schiedsrichter ja selber Teil einer groß angelegten Verschwörung, die den VAR wieder abschaffen will. Eine bessere Erklärung habe ich jedenfalls nicht.

Die Anziehungskraft des Fußballs besteht ja daraus, dass er eigentlich so einfach zu erklären ist: 10 Spieler versuchen den Ball mit dem Fuß in ein markiertes Rechteck zu schießen. Ein Spieler in jeder Mannschaft darf die Hände nutzen, um dies zu verhindern. Das kann man an jedem Strand und auf jeder Wiese reproduzieren. Das komplizierteste ist das Abseits.

Und trotzdem hat man immer wieder Entscheidungen, bei denen man sich einfach nur fragt: warum? Wie kann das passieren? Also Michael Oliver ist ja ein professioneller Schiedsrichter. Und der ist seit 2012 auf der Fifa Liste. Dessen Vater ihm das Pfeifen beigebracht hat. Das ist kein Neuling, der mit der Situation überfordert ist.  Das ist ein erfahrener Veteran, der seit 15 Jahren nichts anderes macht als Spiele zu leiten und solche Zweikämpfe zu bewerten.

Dass ihm dann in Realgeschwindigkeit ein Fehler unterläuft, ist kein Problem. Dass er (Achtung, Ferndiagnose und ohne jemals mit dem Mann gesprochen zu haben...) anscheinend zu Stolz ist diesen Fehler einzusehen und zu revidieren. DAS könnte am Ende das Grundproblem des VARs sein.

Nebenbei... passiert das Oliver schon das 2. Mal. Also nicht in seiner Karriere, sondern in diesem Jahr. Also schon beim EM Viertelfinale Spanien - Schweiz war nach dieser Szene der allgemeine Konsens: Sieht in Originalgeschwindigkeit schlimmer aus, als es ist und Rot ist zu hart... sollte er sich nochmal angucken. Tat er aber nicht. Frei nach der Querdenker Logik: Verwirren sie mich nicht mit ihren Fakten und Bildern, mein Bauchgefühl sagt mir, dass Rot richtig ist. Und obwohl mir die Bilder gerade im Fall Mats Hummels etwas anderes sagen, bleibe ich bei meinem Bauchgefühl. Das hat mich noch nie getäuscht.

Das wirklich enttäuschende am VAR ist ja, dass sich die eigentliche Hoffnung nicht erfüllt. Also weil die Schiedsrichter anscheinend zu stolz sind dieses Hilfsmittel zu nutzen, bleiben all die Krankheiten, die eigentlich keiner sehen will, bestehen. 

Meine ganz große Hoffnung war ja sogar, dass Stürmer, wenn sie gefoult werden, trotzdem den Abschluss suchen, weil der VAR ja auch eingreift, wenn man getreten wird, aber nicht theatralisch fällt. DAS ist das Ziel, welches wir eigentlich erreichen müssen: Dass der Spieler, der trotzdem den Abschluss sucht, nicht der Dumme ist. Aber das wird nie passieren, deswegen fällt man halt lieber.

Aber wenigstens das Aufhalten der "Neymar"-irsierung des Fußballs... Also selbst die Fans dieses an sich großartigen Fußballers werden nach dem 4. Bier zugeben, dass dessen übertriebenen und patentierten Einlagen übertrieben sind und dass die keiner sehen will. Und selbst diejenigen, die darauf verweisen, dass ihm regelmäßig die Beine gebrochen werden, müssen zugeben, dass man deswegen die Schauspieleinlagen nicht ins Lächerliche ziehen muss. 

Jetzt muss sich Neymar-Schüler Antony vorwerfen lassen, dass er zwar ein großartiger Fußballer, aber kein richtiger Sportler ist. Dabei ist der halt Vollprofi und versucht alles, um seiner Mannschaft einen Vorteil zu erarbeiten. Das macht man als Profi so. Und natürlich nutzt man dann als Sportler die vorhandenen Regeln zu seinem Vorteil aus. Das macht Hummels ja auch nicht anders. Also klar, schon anders, er nutzt die Grenzen des "Ist eigentlich verboten, wird aber selten gepfiffen" Prinzips aus. Antony kommt dagegen von der "Wird nur gepfiffen, wenn ich da mehr draus mache" Schule. Die Idee ist jeweils dieselbe: Man nutzt die Lücken des Regelwerkes für sich aus.

Und Antony hatte damit ja Erfolg. Er hat also alles richtig gemacht. Nur von der hohen moralischen Position her nicht. Aber wenn es um die Millionenprämien in der Champions League geht, sind diese Ansprüche doch egal. Wir müssen also nicht auf Antony rumhacken und dessen Handeln hinterfragen.

Wir müssen uns fragen, warum wir diese hässliche Kultur so gepflegt und gehegt haben. Und ob man das Regelwerk nicht ändern könnte, um dies zu ändern. Also in einer idealen Welt geht Oliver als Schiedsrichter zu Antony und macht ihm eindeutig klar, dass solche Schauspieleinlagen Scheiße sind. Idealerweise schreibt man noch ins Regelwerk explizit, dass solche Aktionen auch mit Verwarnung zu ahnden sind. Dann kann Oliver ihm direkt den gelben Karton für seine Unsportlichkeit unter die Nase reiben. Und nur wenn das regelmäßig passiert, wird sich was auf dem Feld ändern. Denn nur dann hat auch der Trainer einen Anreiz den Spielern diese Angewohnheiten auszutreiben.

Aber da setzt ja der nächste Instinkt ein: Wir wollen das nicht. Wir wollen, dass die Starspieler sich diese Einlagen abgewöhnen, ohne dass es Konsequenzen für sie gibt. Denn vor nichts haben wir ja so viel Angst, wie eine Sperre von Neymar in einem Champions League Halbfinale oder im Endspiel. Auf gar keinen Fall wollen wir, dass diese Superstars das Highlight des Jahres verpassen könnten... egal wie unsportlich sie sich auf dem Weg dahin präsentiert haben.

Da akzeptieren wir es eher, dass die Spiele davor durch Unsportlichkeiten und provozierte Platzverweise entschieden werden. Und selbst, wenn es das gewünschte Ziel nicht gibt, hat man ja nichts verloren. Man spielt dieses Spiel ja als Angreifer ohne jeglichen Einsatz. Das einzige Risiko trägt der Verteidiger.

Von mir aus können wir da auch eine extra Kategorie für einrichten. Also wir lassen erfahrene Veteranen nach dem Spieltag die entsprechenden Szenen analysieren. Nehmen wir Jürgen Kohler und Ulf Kirsten, um wirkliche Instanzen zu nennen. Und dann sagen die beiden "Das war eine völlig übertriebene Einlage, das muss sanktioniert werden!" Wenn ein Spieler das dabei zum dritten Mal in einer Saison erwischt wird, wird er für ein Spiel gesperrt. 

Und nur um mal den Blick über den großen Teich zu werfen: In der NBA wurde gerade eine der beschissenen Regeln abgeschafft. Eine Regel, die dazu geführt hat, dass einzelne Spieler 10 Mal pro Spiel an die Freiwurflinie gegangen sind. Die Fans wollten dies aber einfach nicht mehr sehen und haben sich so lange beschwert, bis es bei den Regelhütern ankam. Jetzt beschweren sich die Spieler ein wenig, werden sich aber umstellen. Und die Fans reagieren mit einem kollektiven "endlich!".

Aber still und heimlich wollen wir ja genau den Fußball sehen. Deswegen regen wir uns nicht auf. Oder wir wollen unbedingt Sport sehen, der uns aufregt, eines von beidem. Am Ende kriegen wir das Spiel, das wir verdienen...

Dienstag, 20. Oktober 2020

Der Unterschied zwischen Müller und Boateng

 Oder: Der Rattenschwanz an Problemen, die Jogi Löw sich gerade selber erschaffen hat... und wie sein eigener Stolz verhindert, dass diese gelöst werden.

Aber hey, immerhin gibt es mittlerweile einen gewissen Fortschritt. Den Experten ist aufgefallen, dass auch Jerome Boateng einen entscheidenden Anteil am Champions League Sieg der Bayern hatte. Und das auch der eigentlich zurück in die Nationalmannschaft muss. Was bei einem Thomas Müller ja schon lange gefordert wird.

Allerdings zeigen die letzten Länderspiele, dass die beiden Fälle eben nicht vergleichbar sind. Denn derzeit scheint Jogi Löw 2 Optionen zu haben: Defensiv stabil zu stehen und Offensivspieler zu opfern. Dann kommt ein uninspiriertes 2:1 gegen die Ukraine raus. Und ja, dass man gegen eine offensiv alles andere als berauschend aufgestellte Auswahl auf eine 5er-Kette setzt, weil man erst Mal Stabilität reinbekommen muss, ist Teil des Problems. Wenn man dann von der Kritik inspiriert einen Kai Havertz für den 5. Verteidiger aufstellt, kommt ein wesentlich abwechslungsreicheres Spiel dabei heraus. Dieses Spiel wird aber von der Erkenntnis geprägt, dass die Spieler derzeit nicht gut genug sind um eine Viererkette umzusetzen. Am deutlichsten zeigt sich das ja bei Antonio Rüdiger, der dann doch andeutet, dass es Gründe gibt, warum er bei Chelsea de facto ausgemustert wurde. Aber er ist halt sachlich gesehen immer noch die beste Option, weil... nun ja... Löw zu stolz ist zuzugeben, dass das Ausbooten von Mats Hummels und Boateng ein Fehler war.

Hier muss man nochmal zwingend auf die eigentliche Aufgabe von Löw als Nationaltrainer zu sprechen kommen: Einen unausgeglichenen Kader möglichst optimal aufzustellen. Also praktisch muss er ein System suchen, welches möglichst vielen Mittelfeldspielern platz gibt, denn genau dort ist Deutschland gerade am breitesten aufgestellt. 

Praktisch muss er Platz für Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Joshua Kimmich, Leroy Sané, Leon Goretzka, Kai Havertz, Marco Reus, Julian Brandt und Julian Draxler finden. Genau genommen muss man sogar Timo Werner dazu zählen, denn auch wenn er Dinge in einem anderen Tempo macht, als Müller, so ist er praktisch doch der neue Müller. Also ein Angreifer, der dann überragend funktioniert, wenn er einen klassischen Mittelstürmer, um den er herum wirbeln kann, an seiner Seite hat. Aber wahrscheinlich ist es am vernünftigsten auf ein 4-5-1 zu bauen und jetzt schon zu proben, wie Werner da als einziger Stürmer integriert werden kann. Weil man halt in diesem Land einfach keine brauchbaren Mittelstürmer ausbildet.

Nebenbei wäre es auch das vernünftigste, Kimmich davon zu überzeugen, dass er Rechtsverteidiger spielen sollte, wenn er mit der Nationalmannschaft Titel gewinnen will. Denn er ist der beste Rechtsverteidiger im Kader und Gorrtzka oder Gündogan könnten den Platz im Zentrum neben Kroos adäquat ausfüllen. 

Was mach Löw stattdessen? Er sucht nach Möglichkeiten, wie er Ginter, Süle, Rüdiger, Klostermann und Halstenberg aufstellen kann. Und kürzt die sowieso schon engen 5 1/2 Plätze für 9 Spieler auf 4. Was halt echt das Dümmste ist, was man machen kann.

Und das ist halt der entscheidende Unterschied zwischen Hummels + Boateng und Müller. Wenn man Müller wieder einlädt, hat man dann 10 Spieler, die sich für die 5 Mittelfeldplätze bewerben, aber immer noch keine Lösung gefunden, wie man die defensive Grundlage für die 5 eher offensiv ausgerichteten Mittelfeldplätze schafft. Wenn man Boateng und Hummels ins Zentrum stellt, hat man ein Duo, welches bereits nachgewiesen hat, dass sie auf höchstem Niveau eine Viererkette sichern können. Und klar, gerade Boateng hatte zwischenzeitlich ein Leistungstief, welches auch die Nichtnominierungen rechtfertigte. Aber im Herbst 2020 gibt es halt keinen deutschen Verteidiger, der stabiler steht. 

Nebenbei wird ja an der Stelle immer darauf verwiesen, dass Deutschland auch einfach nicht die Außenverteidiger hat um mit einer Viererkette zu spielen. Den Leuten sei gesagt: Benedikt Höwedes ist als Linksverteidiger Weltmeister geworden. Und als Rechtsverteidiger wurde bezeichnender Weise das "Wir ziehen Philipp Lahm ins Zentrum" Projekt zwangsweise beendet. Sprich: Jemanden, der da grundsolide steht und den einen, der eigentlich lieber im Zentrum steht dort aufzustellen, reicht vollkommen aus... solange man dadurch dann dafür sorgt, dass man die Positionen, auf denen man breit aufgestellt ist, stärkt. 

Das ist ja das faszinierende an Löw: Der sollte eigentlich wissen, wie es geht. Das "Shokdran Mustafi Experiment" am Ende nur die Titel gefährden und man die einfachen und pragmatischen Lösungen nutzen muss, hätte er ja echt 2014 lernen können. Aber wie immer hält er seinen Lösungsansatz für wesentlich cleverer.

Eigentlich sollte die Nationalmannschaft jede Gelegenheit nutzen um durchzukauen, wie man mit Werner vor einer offensiven Dreierreihe agiert. Und dann nen Plan B mit Luca Waldschmidt als wuchtigen Joker mit einbauen. Stattdessen führt Löw vollkommen sinnlose Experimente durch, die keinem was bringen. Also außer die Erkenntnis, dass man so nicht Europameister wird.

Aber gut, mir soll es recht sein.

Dienstag, 31. Mai 2016

Wie soll man den Mats Hummels Transfer jetzt sachlich beurteilen?

Wenn doch das emotionale Bild so einfach ist: Die Bayern kaufen mal wieder einen ihrer Konkurrenten auf, um ihn zu Schwächen. Damit sie ja auch die nächsten 15 Jahre Meister werden und wir die Bundesliga irgendwann abschaffen...

Ähm... ist es wirklich so einfach?

Ich meine, der Hummels Transfer ist echt einer der Situationen, von denen echt alle profitieren könnten... Außer Mats selber, falls er sich bei den Bayern nicht durchsetzt und nur Ergänzungsspieler wird... was durchaus im Rahmen des Möglichen liegt...
Aber selbst dann kann Hummels immer noch behaupten, dass er zurück zu seiner Familie wollte. Und Hummels machte schon irgendwie den Eindruck, dass es ihm darum ging. Dass es für ihn genau 2 Optionen gab, zwischen denen er sich schweres Herzens entscheiden musste...

Die Bayern bekommen auf jeden Fall einen sehr guten Innenverteidiger. Und das war die eine Schwachstelle im Team... zumindest solange man Philipp Lahm davon überzeugen kann Rechtsverteidiger zu spielen...
Und man kann halt als Bayern (bei ihren Ansprüchen auch nicht davon ausgehen (und darauf warten), dass Holger Badstuber wieder richtig fit wird. Und ja, das ist in vielerlei Hinsicht tragisch. Denn ein fitter Badstuber hätte die gesamte Konstellation verschoben und diesen Wechsel verhindert. Aber der Konjunktiv ist ja bekannter Weise der beste Freund des Verlierers...

Borussia Dortmund... kriegt 38 Millionen für einen Spieler, der nächstes Jahr ablösefrei zu haben wäre. Und der ja wohl auch ablösefrei nur zu den Bayern gegangen wäre. Dass sind Summen, die sonst doch nur Manchester City in solchen Momenten bezahlt. Wenn die Bayern die Arschlöcher sind, für die wir sie alle halten, hätten sie gesagt "Ihr kriegt 15 Millionen, oder wir nehmen den nächste Saison ablösefrei. Eure Entscheidung." Und der Fall Robert Lewandowski beweist auch, dass beide Vereine die "dann wartet halt ein Jahr" Einstellung ein Jahr lang durchziehen können.

Die Ablösesumme, die die Bayern da bezahlen, ist sachlich betrachtet mehr als fair. Und Hummels leistet damit seinen letzten großen Dienst als Kapitän. Denn wenn man dem Ansatz zum Sven Bender und Sokratis als Stamminnenverteidiger glauben schenkt, müssen die noch nicht mal nach einem neuen Innenverteidiger suchen, sondern können die 38 Millionen wirklich die die Verstärkung der Mannschaft stecken. Oder zumindest 20 Millionen davon.
Und ja, Borussia hat jetzt das Geld um sich finanziell jeden Spieler, der auch zur Borussia wechseln würde, zu verpflichten. Sie stehen halt vor der oftmals so schwierigen Aufgabe, diese Millionen richtig zu investieren. Aber Spieler wie Aubameyang beweisen, dass Michael Zorc das kann.
Man kann sich jetzt einen Emre Mor leisten, den sich ein Jahr lang aufbauen und dann (wenn alles nach Plan läuft) nächstes Jahr den Gambuner verkaufen.
Wenn sie in den Poker um den aufgehenden Star der EM einsteigen wollen, können sie das ohne bedenken machen und 50 Millionen Ablöse (halt noch die für Gündogan dazunehmen) auf den Tisch legen...

Da sind wir auch schon bei der Bundesliga als ganzes. Klar, Kritiker werden behaupten, dass die Bayern nur mal wieder und völlig übertrieben ihre Vormachtstellung zementiert haben. Aber sein wir ehrlich: Die Frage, ob Bayern nächstes Jahr Meister wird oder nicht, entscheidet nicht die Personalie Hummels. Die, das hat die Rückrunde mit Joshua Kimmich gezeigt, sind national auch ohne 2 absolute Topinnenverteidiger zu stark für die Nationale Konkurrenz. Die 35 Millionen für Hummels gibt man im Endeffekt nur die das Champions League Halbfinale aus. Den an der Stelle mangelte es den Bayern auf der Innenverteidigerposition an Qualität. 3 Jahre am Stück. Für alles andere reicht das vorhandene Niveau im Kader.
Und ja, die Bayern werden irgendwann mal wieder nicht Meister werden. Vielleicht sogar nächstes Jahr. Sie werden halt irgendwann nachlässig und unkonzentriert werden. Das ist bis jetzt jeder Supermacht in jeder Sportart irgendwann passiert. Aber das wird ihnen mit oder ohne Hummels passieren.
Die Bundesliga als ganzes behält einen Weltmeister in der Liga und positioniert sich mit seinem Flaggschiff für die internationalen Wettbewerbe, was ihrem Ruf gar nicht Schaden kann. Gleichzeitig (und genau das hätte ein Diego Godin nicht geschafft) erhält die Liga 35 Millionen, die investiert werden können.
Das alles natürlich unter der Voraussetzung, dass Bender wirklich Hummels als Innenverteidiger ersetzen kann. Und man dann einen günstigeren, entwicklungsfähigen Ersatzmann bekommt.

Wisst ihr, welcher Wechsel der Bundesliga als ganzes wirklich weh tut? Der Abgang von Joel Matip. Darüber wird aber halt nicht so viel diskutiert. Der wechselt ablösefrei zum FC Liverpool. Und der hat mit seinen 24 Jahren durchaus noch die Möglichkeiten, sich zum absoluten Topinnenverteidiger zu entwickeln. Der ist aber weg und es gibt nicht mal eine angemessene Entschädigung. DAS sind die Wechsel, die weh tun. Weil Schalke halt sachlich gesehen nur mit Naldo antworten kann... In dem Moment, wo Schalke diesen Tausch durchführt, verliert die Liga als ganzes an Qualität. In dem Moment, wo Hummels für 35 Millionen innerhalb der Liga wechselt, kann sie eigentlich nur an Qualität gewinnen.
So werden wir uns als neutrale Fans in 2 Jahren an dem nächsten wahnsinnig guten Fußballer erfreuen können, den Zorc für dieses Geld geholt hat.

Zu guter Letzt... kann sich die Stamminnenverteidigung der Nationalmannschaft (plus Torwart) jetzt 2 Jahre lang auf die WM abstimmen... ein Gedanke, der jeden Nationaltrainer der Welt (Inklusive Jogi Löw, der sich jetzt fragt, wie er das noch verkacken soll...) schlecht schlafen lassen dürfte. Denn, so viel steht fest, die schlechte Defensivabstimmung war die einzige wirkliche Schwachstelle (neben den Eigenheiten des Trainers) der Nationalelf.

Wenn natürlich Mats Hummels genau so unersetzlich ist, wie Robert Lewandowski das war, und Dortmund nach der Hinrunde wieder auf einen Abstiegsplatz steht, ist die ganze Debatte hinfällig. Wahrscheinlicher ist es halt, dass Bayern wieder Meister und Dortmund wieder Zweiter wird. Weil beide halt noch besser sein dürften, als sie es letzte Saison waren.

Samstag, 7. September 2013

Mats Hummels ist Schuld an der Gegentorflut!

Wenn man das ganze einmal ganz grob betrachtet... verzichte  Jogi Löw ein Mal auf seinen designierten Abwehrchef und schon steht die 0. Daraus ergibt sich dann ja quasi die oben aufgeführte Bild-Schlagzeile...

Und ganz ehrlich: ganz von der Hand zu weisen, ist das nicht. Um mal meinen eigenen Taktik-Trend zu beginnen: Mats Hummels ist die zurückgezogene 10. Er ist wahrscheinlich der einzige Innenverteidger der Welt, der regelmäßig in Manndeckung genommen wird. Weil er halt immer wieder den Spielaufbau übernimmt. Und für diese Rolle vernachlässigt er teilweise auch sein eigentliches Hauptaufgabengebiet: Verteidigen.

Gestern spielten Per Mertesacker und Jerome Boateng. Und ganz ehrlich: sind die beiden euch in dem Spiel ein Mal aufgefallen, weil sie irgendwas gemacht haben? Als Deutschland den Ball hatte? In der gegnerischen Hälfte? Haben die beiden ihre eigene Hälfte ein Mal verlassen? Abgesehen von ruhenden Bällen kümmerten sie sich einfach nur darum, dass hinten nichts anbrennt. Und genau in dieser Disziplin ist Hummels genau genommen nur Durchschnitt...

Borussia Dortmund kann dies kompensieren, weil sie sehr gut eingespielt sind. Und weil sie mit Sebastian Kehl oder Sven Bender zumindest einen klassischen Abräumer vor ihm haben. Dort weiß halt jeder, wie er agieren und reagieren muss, wenn Hummels mal wieder nicht so wirklich verteidigt.

In der Nationalmannschaft spielen vor Hummels normaler Weise Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger und Toni "zwischen den Turnieren immer Stammspieler" Kroos. Alles Spieler, die in ihrem Verein einen Javi Martinez oder Xabi Alonso neben sich haben. Oder anders ausgedrückt: die sich auf das klassische Kerngeschäft des Defensiven Mittelfeldspielers konzentrieren, während Schweinsteiger und Kroos eher Spielmacher und Khedira eher ein "Box-to-Box" Spieler ist.

Am Ende ist natürlich nicht nur Hummels Schuld. Aber wie immer ist es eine Frage der Balance. Und man braucht halt so ein paar Spieler, die sich hauptberuflich ums Tore verhindern kümmern, wenn man hinten stabil stehen will. Und wenn Jogi Löw all seine talentierten Spieler zusammenbringen will, werden genau diese Spieler fehlen.
Am Ende wird er den einen oder anderen hochtalentierten opfern müssen... und Hummels ist einer dieser Spieler, die es am Ende treffen könnte.