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Freitag, 5. November 2021

Das kann doch eigentlich nicht so schwierig sein

 Also dass es auch so gar keine Fortschritte gibt, ist schon faszinierend. Dass jetzt selbst die englischen Schiedsrichter auf internationaler Bühne für Lächerlichkeiten Platzverweise erteilen, obwohl sie sich die Szene nochmal angucken. Das ist einfach alles nicht mehr nachvollziehbar. Also vielleicht sind die Schiedsrichter ja selber Teil einer groß angelegten Verschwörung, die den VAR wieder abschaffen will. Eine bessere Erklärung habe ich jedenfalls nicht.

Die Anziehungskraft des Fußballs besteht ja daraus, dass er eigentlich so einfach zu erklären ist: 10 Spieler versuchen den Ball mit dem Fuß in ein markiertes Rechteck zu schießen. Ein Spieler in jeder Mannschaft darf die Hände nutzen, um dies zu verhindern. Das kann man an jedem Strand und auf jeder Wiese reproduzieren. Das komplizierteste ist das Abseits.

Und trotzdem hat man immer wieder Entscheidungen, bei denen man sich einfach nur fragt: warum? Wie kann das passieren? Also Michael Oliver ist ja ein professioneller Schiedsrichter. Und der ist seit 2012 auf der Fifa Liste. Dessen Vater ihm das Pfeifen beigebracht hat. Das ist kein Neuling, der mit der Situation überfordert ist.  Das ist ein erfahrener Veteran, der seit 15 Jahren nichts anderes macht als Spiele zu leiten und solche Zweikämpfe zu bewerten.

Dass ihm dann in Realgeschwindigkeit ein Fehler unterläuft, ist kein Problem. Dass er (Achtung, Ferndiagnose und ohne jemals mit dem Mann gesprochen zu haben...) anscheinend zu Stolz ist diesen Fehler einzusehen und zu revidieren. DAS könnte am Ende das Grundproblem des VARs sein.

Nebenbei... passiert das Oliver schon das 2. Mal. Also nicht in seiner Karriere, sondern in diesem Jahr. Also schon beim EM Viertelfinale Spanien - Schweiz war nach dieser Szene der allgemeine Konsens: Sieht in Originalgeschwindigkeit schlimmer aus, als es ist und Rot ist zu hart... sollte er sich nochmal angucken. Tat er aber nicht. Frei nach der Querdenker Logik: Verwirren sie mich nicht mit ihren Fakten und Bildern, mein Bauchgefühl sagt mir, dass Rot richtig ist. Und obwohl mir die Bilder gerade im Fall Mats Hummels etwas anderes sagen, bleibe ich bei meinem Bauchgefühl. Das hat mich noch nie getäuscht.

Das wirklich enttäuschende am VAR ist ja, dass sich die eigentliche Hoffnung nicht erfüllt. Also weil die Schiedsrichter anscheinend zu stolz sind dieses Hilfsmittel zu nutzen, bleiben all die Krankheiten, die eigentlich keiner sehen will, bestehen. 

Meine ganz große Hoffnung war ja sogar, dass Stürmer, wenn sie gefoult werden, trotzdem den Abschluss suchen, weil der VAR ja auch eingreift, wenn man getreten wird, aber nicht theatralisch fällt. DAS ist das Ziel, welches wir eigentlich erreichen müssen: Dass der Spieler, der trotzdem den Abschluss sucht, nicht der Dumme ist. Aber das wird nie passieren, deswegen fällt man halt lieber.

Aber wenigstens das Aufhalten der "Neymar"-irsierung des Fußballs... Also selbst die Fans dieses an sich großartigen Fußballers werden nach dem 4. Bier zugeben, dass dessen übertriebenen und patentierten Einlagen übertrieben sind und dass die keiner sehen will. Und selbst diejenigen, die darauf verweisen, dass ihm regelmäßig die Beine gebrochen werden, müssen zugeben, dass man deswegen die Schauspieleinlagen nicht ins Lächerliche ziehen muss. 

Jetzt muss sich Neymar-Schüler Antony vorwerfen lassen, dass er zwar ein großartiger Fußballer, aber kein richtiger Sportler ist. Dabei ist der halt Vollprofi und versucht alles, um seiner Mannschaft einen Vorteil zu erarbeiten. Das macht man als Profi so. Und natürlich nutzt man dann als Sportler die vorhandenen Regeln zu seinem Vorteil aus. Das macht Hummels ja auch nicht anders. Also klar, schon anders, er nutzt die Grenzen des "Ist eigentlich verboten, wird aber selten gepfiffen" Prinzips aus. Antony kommt dagegen von der "Wird nur gepfiffen, wenn ich da mehr draus mache" Schule. Die Idee ist jeweils dieselbe: Man nutzt die Lücken des Regelwerkes für sich aus.

Und Antony hatte damit ja Erfolg. Er hat also alles richtig gemacht. Nur von der hohen moralischen Position her nicht. Aber wenn es um die Millionenprämien in der Champions League geht, sind diese Ansprüche doch egal. Wir müssen also nicht auf Antony rumhacken und dessen Handeln hinterfragen.

Wir müssen uns fragen, warum wir diese hässliche Kultur so gepflegt und gehegt haben. Und ob man das Regelwerk nicht ändern könnte, um dies zu ändern. Also in einer idealen Welt geht Oliver als Schiedsrichter zu Antony und macht ihm eindeutig klar, dass solche Schauspieleinlagen Scheiße sind. Idealerweise schreibt man noch ins Regelwerk explizit, dass solche Aktionen auch mit Verwarnung zu ahnden sind. Dann kann Oliver ihm direkt den gelben Karton für seine Unsportlichkeit unter die Nase reiben. Und nur wenn das regelmäßig passiert, wird sich was auf dem Feld ändern. Denn nur dann hat auch der Trainer einen Anreiz den Spielern diese Angewohnheiten auszutreiben.

Aber da setzt ja der nächste Instinkt ein: Wir wollen das nicht. Wir wollen, dass die Starspieler sich diese Einlagen abgewöhnen, ohne dass es Konsequenzen für sie gibt. Denn vor nichts haben wir ja so viel Angst, wie eine Sperre von Neymar in einem Champions League Halbfinale oder im Endspiel. Auf gar keinen Fall wollen wir, dass diese Superstars das Highlight des Jahres verpassen könnten... egal wie unsportlich sie sich auf dem Weg dahin präsentiert haben.

Da akzeptieren wir es eher, dass die Spiele davor durch Unsportlichkeiten und provozierte Platzverweise entschieden werden. Und selbst, wenn es das gewünschte Ziel nicht gibt, hat man ja nichts verloren. Man spielt dieses Spiel ja als Angreifer ohne jeglichen Einsatz. Das einzige Risiko trägt der Verteidiger.

Von mir aus können wir da auch eine extra Kategorie für einrichten. Also wir lassen erfahrene Veteranen nach dem Spieltag die entsprechenden Szenen analysieren. Nehmen wir Jürgen Kohler und Ulf Kirsten, um wirkliche Instanzen zu nennen. Und dann sagen die beiden "Das war eine völlig übertriebene Einlage, das muss sanktioniert werden!" Wenn ein Spieler das dabei zum dritten Mal in einer Saison erwischt wird, wird er für ein Spiel gesperrt. 

Und nur um mal den Blick über den großen Teich zu werfen: In der NBA wurde gerade eine der beschissenen Regeln abgeschafft. Eine Regel, die dazu geführt hat, dass einzelne Spieler 10 Mal pro Spiel an die Freiwurflinie gegangen sind. Die Fans wollten dies aber einfach nicht mehr sehen und haben sich so lange beschwert, bis es bei den Regelhütern ankam. Jetzt beschweren sich die Spieler ein wenig, werden sich aber umstellen. Und die Fans reagieren mit einem kollektiven "endlich!".

Aber still und heimlich wollen wir ja genau den Fußball sehen. Deswegen regen wir uns nicht auf. Oder wir wollen unbedingt Sport sehen, der uns aufregt, eines von beidem. Am Ende kriegen wir das Spiel, das wir verdienen...

Montag, 9. Juli 2018

Neymar vs Berg

Oder: Die Michael Ballack Regel re-revisited...

Aber alles zu seiner Zeit, wir kommen da noch hin.

Es gibt ja die eine Sache, bei der sich alle einig sind: Die Schauspieleinheiten und das Zeitspiel auf dem Rasen ist kaum noch zu ertragen... Da weist der Schiedsrichter den Spieler darauf hin, dass der Stadionsprecher gerade seine Auswechslung durchgesagt hat und der Spieler tut dann so, als hätte er das erst in diesem Moment erfahren. Und ja, der Auszuwechselnde ist immer der einzige, der es nicht mitbekommt... Der wird sich wahrscheinlich fragen, worüber die Spieler um ihn herum gerade tuscheln... Die Antwort: Wie sie das Spiel taktisch ohne dich beenden, jetzt beweg dich du Vollpfosten.

Und ja, Zeitspiel war immer ein Problem im Fußball. Das wird man aus den Spielern auch nicht mehr rausbekommen... es sei denn, man ahndet es konsequent und vernünftig: Wenn du als Schiri überzeugt bist, dass der Junge nur so tut, als hätte er das als einziger nicht mitbekommen... dann gib ihm Gelb... Und wenn er sich dann genüsslich die Schienbeinschoner auszieht, zeigst du ihm Gelb-Rot. An solchen Stellen muss man halt einfach viel schneller mit Verwarnungen reagieren, wenn man das wirklich ändern will...

Dasselbe gilt ja grundlegend bei den Schauspieleinlagen. Hier hatte man ja eigentlich gehofft, dass der Videobeweis zumindest im Strafraum zu einem Umdenken führt. Denn ein unmotiviertes Fallen sollte jetzt ja nicht mehr belohnt werden...
Dass dieser Videobeweis da aber noch nicht so funktioniert, wie erhofft, kann man am Besten an 3 Szenen festmachen:
Zunächst haben wir den Zweikampf zweier ehemaliger HSV-Stars: Marcus Berg wird von Antonio Rüdiger auf die Reise Richtung Manuel Neuer geschickt. Jerome Boateng geht mit vollem Risiko in den Zweikampf und trifft definitiv nicht den Ball. Berg... sucht allerdings trotzdem den Abschluss und scheitert am Leistungsprinzipsaussetzer. Und kriegt deswegen den Elfmeter nicht.
Diese Szene wird aber bei all den Schauspielleistungen immer außen vor gelassen. Dabei symbolisiert sie das Grundproblem: Wer nicht schreit und theatralisch fällt, kriegt halt auch keinen Elfmeter. Obwohl der definitiv berechtigt wäre und der Videobeweis eingreifen müsste... Also ja, es gibt die Vollidioten, die durch die Deutschland-Brille schauen und sagen: Wieso, der kam doch zum Abschluss, dann ist es doch kein Foul... dass sind aber dieselbe Idioten, die vor dem 1:0 von Mexiko ein Foul an Khedria gesehen haben... Solche Meinungen kann man ignorieren...

Auf der anderen Seite... haben wir den Oscar-Gewinner Neymar. Der gegen Costa Rica ebenfalls in eine gute Abschlussposition kommt, aber anstatt den Torschuss zu suchen eine Schwalbe produziert... und dafür zumindest in erster Instanz einen Elfmeter bekommt. Immerhin nur in erste Instanz. Als Fakhreddine Ben Youssef für Tunesien gegen England einen lächerlichen Kontakt übertrieben verkauft (und sich direkt hinterher offensichtlich darüber freut, dass es funktioniert hat), bleibt der Elfmeter bestehen...

Und wenn man sich diese 3 Szenen am Stück anguckt... kann man den Spielern auf ein Mal keinen Vorwurf mehr machen, dass sie sich theatralisch fallen lassen. Es ist offensichtlich der richtige Spielzug. Und das hätte der Videoschiedsrichter zumindest im Fall Berg zwingend ändern müssen: Wenn wir es in die Köpfe der Spieler bekommen, dass die Strafstöße wegen der Foulspiele und nicht wegen des dramatischen Umfallens gegeben werden. Wenn die Stürmer irgendwann begreifen, dass sie ihrer Mannschaft nicht schaden, wenn sie den Abschluss suchen, sondern die fälligen Elfmeter auch dann bekommen, wenn sie sich sportlich vorbildlich verhalten... DANN wird die sich dieses Problem zumindest im Strafraum bessern. Denn dann kann man als Stürmer den Abschluss und das Foul gleichzeitig suchen... Derzeit muss er sich quasi immer für eines entscheiden... und man kann dann dem Stürmer schlecht vorwerfen, dass er sich fürs Elfmeter schinden entscheidet...

Und die andere wichtige Instanz... fordert halt keiner. Also es gab in den letzten Tagen haufenweise Beschwerden über Neymars Verhalten auf den Platz. Keine Seite im Kicker, in der es im weitesten Sinne um Brasilien geht, kommt ohne einen Seitenhieb auf dessen Hang zum Schauspiel aus... und alle jammern, dass der ja so ein schlechtes Vorbild für die Kinder ist... Als nächstes wird gefordert, dass Trainer Tite den erziehen muss... Ein Mensch, der zum absoluten Erfolg verdammt ist, wenn er wieder in die Heimat einreisen will, soll seinem besten Spieler Verhaltensweisen austreiben, von denen seine Mannschaft nur profitiert? Spinnt ihr eigentlich?

Es gibt die Leute, die das Neymar austreiben könnten. Und es gäbe eine sehr einfache Forderung, die man diesen Leuten an die Hand geben könnte: Verwarnt die Schauspieler einfach für ihre Unsportlichkeiten. Als Schiedsrichter kann man das... ja man müsste es sogar...
Nehmen wir halt den Elfmeter, den Neymar mit einer Schwalbe provozieren will: Praktisch gesehen muss Björn Kuipers ihn dafür, nachdem er das via Videobeweis erkannt hat, auch Gelb geben.
Dazu hätte Kuipers ihm viel früher als in der 81. Minute dafür verwarnen müssen, dass er jeden Pfiff und jeden Zweikampf kommentierte... Kuipers hat mit dieser Verwarnung viel zu lange gewartet...

Aber das faszinierende: Die Gelbe Karte hat ja zumindest in Ansätzen gewirkt. Im 3. Gruppenspiel wurde dem Jungen anscheinend vorher vermittelt, dass er gesperrt werden wird, wenn er sich wieder so aufführt wie gegen Costa Rica. Und dann hielt er sich zurück...

Bis zur jetzt schon legendären 71. Minute gegen Mexiko... wo er wieder mit einer übertrieben Schauspieleinlage ein Strafe für den Gegner provozieren wollte. Und auch hier gibt es für den Schiedsrichter genau 2 Möglichkeiten: Entweder er nimmt Neymar das Drama ab, geht zum Videobeweis und zeigt demjenigen, der den Superstar so übelst böse getreten hat, Rot... Was offensichtlich nicht der Fall war.
Oder ich gehe als Schiedsrichter davon aus, dass uns Neymar gerade kollektiv verarscht und gebe ihn für die Unsportlichkeit Gelb... Und da er schon im Aus liegt, kann es danach direkt mit Einwurf weitergehen.
Wenn man dann noch die relativ harmlose Schwalbe in der 91. Minute gegen Belgien hinzuzieht... hätte Neymar während diese WM 4 Gelbe Karten für sein unsportliches Verhalten bekommen können oder müssen...
Oder anders ausgedrückt: 2 mal gesperrt zuschauen. Und das wäre genau der Moment, wo er dann vielleicht was merkt. Wo dann auch der Trainer auf ihn einwirkt und ihm sagt: "Du schadest uns und dir mit deinem Verhalten." Und wo es vielleicht mal "Klick" macht... Also es ist die einzige Möglichkeit, wie es jemals bei dem "Klick" machen könnte...

Aber fragt euch mal selber, wie viele Analysten und Experten Verwarnungen für Neymar gefordert haben... in wie vielen Spielberichten ein "hätte dafür verwarnt werden müssen" auftaucht... Natürlich lest ihr das nicht. Weil das keiner fordert. Wir wollen zwar einerseits, dass der Fußball nicht durch so einen Scheiß geprägt wird... wir haben aber andererseits so viel Angst davor, dass unsere Superstars gesperrt fehlen, dass wir ihnen diese Extravaganzen immer wieder durchgehen lassen. Und da sind wir dann wieder bei der legendären "Michael Ballack Regel":  Wir arrangieren uns eher damit, dass taktische Fouls und Zeitspiel die Halbfinal-Spiele kaputt machen, weil keinem eine Sperre droht, als uns mit dem Gedanken, dass ein Superstar ein Finale gesperrt verpassen könnte, zu beschäftigen... obwohl diese Regel praktisch dazu führt, dass die Halbfinale wesentlich schlechter aussehen werden... weil man theoretisch 8 taktische Fouls begehen kann, ohne dass irgendjemanden eine Sperre droht... Und ja, auch dieses Mal wird immer irgendjemand die Bremse ziehen, wenn Tempo ins Spiel kommt...

Und genau so sieht es bei den Schauspieleinlagen aus. Es wäre für die Fifa vor dem Turnier überhaupt kein Problem gewesen, ein Dossier für die Schiedsrichter und die Öffentlichkeit auszugeben, in dem darauf hingewiesen wird, dass Schauspieleinlagen konsequent mit Gelb geahndet werden sollen. (Wie man es beim Fordern des Videobeweises getan hat... wäre natürlich schön gewesen, wenn das auch ein Schiedsrichter angewendet hätte, aber theoretisch soll es dafür Gelb geben...) Sowohl die großen von Neymar, als auch die kleinen von Gabriel Jesus, der im Viertelfinale ebenfalls ein mal um fiel, als hätte ihm jemand das Bein gebrochen... und dann aber, weil man ja zurück lag, sofort wieder aufspringt, als er merkte, er kriegt den Pfiff nicht... Auch dieser Stürmer wollte ein Foul und eine Strafe für den Gegner provozieren.

Ob das bei all den Versteckten Fouls, die ein Sergio Ramos austeilt, wirklich das wichtigste ist, sei mal dahin gestellt. Aber wenn man sich darüber aufregt, muss man auch einfach die logischen Konsequenzen fordern... und damit leben, dass ein Neymar dann 2 Mal pro Turnier gesperrt fehlt. Oder ihr lasst es. Dazwischen gibt es wenig Spielraum.
Da aber keiner will, das Neymar (oder Spieler von seiner Klasse) gesperrt auf der Tribüne sitzen, werden wir auch in Zukunft deren divenhaftes Verhalten ertragen müssen.

Montag, 4. September 2017

Jetzt ist das Maß also voll

Jetzt hat sich der Fußball endgültig von der Realität wegbewegt. Ab sofort kann man das nicht mehr ernst nehmen. Und gucken schon gar nicht... Boycott Beyonce... ähm ich meine natülich Boycott Bundesliga... aber hey, Happy B-Day to everyone, damit hier nicht nur ein destruktiverer "Epicrant" veröffentlicht wird... wo das durch ist:

ERNSTHAFT??? Wegen 220 Millionen Euro Ablösesumme für einen der 5 besten Spieler der Welt kehrt ihr dem Fußball als eure liebste Ablenkung den Rücken? Wie willkürlich... 110 Millionen für einen der 15 besten Fußballer der Welt geht noch in Ordnung, mehr ist aber unvernünftig...
Und weil ein 20 Jähriger Ousmane Dembele sich zu seinem Traumverein streikt, kann man sich die aktuelle völlig verwöhnte Spielergeneration nicht mehr unterstützen? Obwohl genau dieser Dembele exakt dasselbe macht wie vor ziemlich genau einem Jahr... und ihr habt dem letztes Jahr trotzdem alle zugejubelt... Da hat er sich ja in die Bundesliga gestreikt, da war das ja noch ein netter Junge...

An all die Leute, die jetzt Leserbriefe an den Kicker schreiben, in denen sie sich für die kritische Berichterstattung des ehemaligen Fachmagazins bedanken, aber ankündigen, dem Fußball jetzt den Rücken zu zukehren... An all diejenigen, die von "Totengräbern" sprechen: Belügt euch doch bitte in eurem eigenen Schlafzimmer selber, aber nicht im öffentlichen Raum...
Keiner von euch wird sich wirklich vom Fußball abwenden. (Menschen, die so was machen, machen es eher still und heimlich anstatt mit großen Ankündigungen). Aber diese Briefe sind halt euer offizieller "Widerstand" gegen "das neue System".... Das ist nen bisschen wie "Ich stimme den neuen Nutzungsbedingungen nicht zu" auf seinem Facebook Profil zu posten. Aber hey, solange es euer Gewissen beruhigt... Um mehr geht es beim derzeitigen Aufregen aus Fanseite doch gar...

Vor allem... ist diese Grenze doch vollkommen willkürlich. Wenn ihr wirklich ein "Problem" mit den fortschreitenden Kommerzialisierung des Fußballs gehabt hättet... hättet ihr euch nach der Jahrtausendwende angeekelt abgewendet... als ein Florentino Perez bei Real Madrid seine "Galaktischen" zusammengestellt hat... und jeden Sommer ohne Sinn und Verstand einen Superstar verpflichtet hat... Für eine Mannschaft, die ständig im Achtelfinale der Champions League gescheitert ist... weil Zinedine Zidane den Libero geben musste... und ein David Beckham halt hauptsächlich verpflichtet worden ist um den asiatischen Markt zu erschließen...

Das Ergebnis... Real Madrid wurde von allen geächtet und gemieden ist der beliebteste Verein der Welt. Und nebenbei auch der Umsatz-Stärkste... Nur um mal nebenbei zu erwähnen, dass sich solche Investitionen eben doch rentieren, auch wenn sie völlig absurd erscheinen... Und das dir deswegen niemand den Rücken zukehren wird...

Diese ganze Debatte ist halt auch so absurd Deutsch... also wir sind wahrscheinlich so ziemlich die einzigen, die sich jetzt beschweren... Weil der Fußball immer noch und stetig am Wachsen ist.

Um an der Stelle meinen Lieblingsbeispiel zu kommen: In Amerika verdienen die besten Profisportler nach dem neusten Tarifverträgen (den Salary Cap, den hier alle fordern...) 35 Millionen Dollar Gehalt. Pro Saison. Und über 100 Spieler (einige von denen sind hier völlig unbekannt) verdienen mehr als 10 Millionen pro Saison. 220 Millionen Dollar Verträge werden dort in absehbarer Zeit völlig normal sein... und die Reaktion der Amis: "Ist doch schön. Eigentlich hätten die Jungs doch noch viel mehr verdient."
Niemand würde auf die Idee kommen, dass die NBA oder die NFL am kaputt gehen ist, weil sie immer mehr Geld umsetzt...

Und dass sich ein Karl-Heinz Rummenigge dann an die Spitze des "Der Fußball muss seine Wurzeln erhalten" Movements setzt... Und wie immer stopft ihm niemand das Maul, obwohl das längst überfällig wäre... Wieso widerspricht dem niemand? Hallo? Journalisten? Seid ihr noch da? Wo ist denn da bitte schön die Kritische Berichterstattung vom Kicker, die alle immer so loben?

Ausgerechnet der Rummenigge... den nur eine einzige Zahl interessiert: Der Jahresumsatz seiner Bayern... vielleicht sollte dem mal jemand mitteilen, dass die ominösen Wurzeln des Fußballs eher bei "Roter Stern kann den Landesmeisterpokal sogar gewinnen" liegen als bei seinem "Wie können wir möglichst viele Meister aus unserer Geschlossenen Gesellschaft namens Champions League ausschließen?". Rummenigge war DAS GESICHT der letzten Champions League Reform... Rummenigge fordert Setzlisten, sobald er ein Mal ein unangenehmes Los im Achtelfinale erwischt...
Alles, was der Mann will, ist: Sicher stellen, dass die Bayern möglichst problemlos und sicher das Halbfinale der Champions League erreichen. Und der soll jetzt unser Gralshüter sein? Wie bescheuert ist das eigentlich?

Und ja, Rummenigge hat im Wesentlichen Angst. Angst, dass diese neuen Entwicklungen seine Vormachtstellung gefährden. Denn genau genommen tun Paris St.Germain (wenn man den Fakt, dass Katar die Förderung des globalen Terrorismus vorgeworfen wird mal außen vor lässt... aber das scheinen die Pariser als eines der aktuellen Hauptopfer ja auch wunderbar zu können) und Manchester City dem Fußball verdammt gut. Da... ich hab's gesagt.
Denn ohne diese "Spielzeuge"... hätten wir auf Jahrzehnte hinweg 5 Vereine, die untereinander ausspielen, wer die Champions League gewinnt. Bayern, Real, Barcelona, Juventus und Manchester United. Klingt übertrieben? Stimmt, weil ich Juve und ManU mit aufgezählt habe... Die Siegerlisten der Champions League der letzten 10 Jahre zeigt da eine sehr ungesunde Entwicklung. Mit eher sinkender Abwechslung... Wenn die einzige Möglichkeit diese Dominanz aufzubrechen und den Sport wieder interessant zu machen, Milliarden von Scheichen sind... hey, immerhin kaufen sie sich von diesen Milliarden dann keine Waffen. Aber das Geld ist doch offensichtlich da...
Und es gibt bei dem ständig explodierenden Markt wenig sinnvolleres als in Sportvereine in den führenden Ligen zu investieren... Für uns mag das völlig absurd klingen, aber für die rentiert sich das sogar am Ende... Weil wir halt doch alle dabei bleiben...

Das völlig absurde daran ist ja, dass die Bayern jetzt die Guten in dieser Debatte sein sollen... weil sie ihr Geld mit Bedacht und Vernunft ausgegeben haben... und frühzeitig. Letzteres stimmt sogar...
Aber... haben die Bayern damit nicht eher den Maßstab frühzeitig extrem hoch angesetzt?
Ich meine... der deutsche Rekordmeister zahlt 41 Millionen für einen völlig unbekannten Franzosen... der 6 Spiele in der Champions League absolviert haben. Und als der dann das 1:0 erzielt, reagieren wir alle mit einem "Super Einkauf, da haben die Bayern mal wieder ein gutes Auge bewisen"... genau so wie bei den 30 Millionen für Renato Sanchez, der dann bei den Bayern nicht auf die Beine kommt...
Aber ganz ehrlich... wenn ein Corentin Tolisso mit seinem einen Länderspiel 41 Millionen wert ist. Ein Spieler, aus dem vielleicht mal ein wirklich Großer wird... vielleicht aber auch nur ein Rollenspieler... Aber allein schon Positionsbezogen wird er nie zur absoluten Spitze gehören... Aber wenn wir für solch einen Spieler 41 Millionen als realistisch ansetzen... wie viel ist dann ein Neymar wert? Der designierte Abo-Weltfußballer sobald Cristiano Ronaldo und Lionel Messi nachlassen? Der Nachfolger eines gewissen Peles?
Viele Bundesligafans wollen das natürlich ignorieren... aber Neymar ist richtig, richtig gut. Und auf Grund seiner Frisur und seiner Rolle auf dem Platz wunderbar vermarktbar... natürlich ist so ein Spieler ungefähr 5 Mal so viel Wert wie ein Defensiver Mittelfeldspieler, der aus der fußballerischen Bedeutungslosigkeit kommt.
Völlig absurd oder? Aber kaum zu widerlegen... Wenn man die Transfer der ach so noblen Bayern als Maßstab nimmt, ist der Neymar Transfer gar nicht so übertrieben teuer.
Eines von beiden geht nur: Entweder die Bayern haben ihr Geld vernünftig angelegt, dann hat Paris es wohl auch getan. Oder die Bayern haben sich doch an dem Wahnsinn beteiligt und bezahlen ebenfalls absurde Preise.
Und ja, wenn die Preise für Durchschnittspieler in die Höhe schnellen (der Hamburger SV hat sich 3,5 Millionen Euro geliehen um sich einen Ersartztorwart aus der 2. Liga zu holen... darüber regt sich allerdings niemand auf...), dann werden auch die Preise für Spitzenspieler angepasst werden. Geld ist ja anscheinend genügend da... Und das wird ja auch von oben Stück für Stück nach unten weiter gereicht... da ja Barcelona die Katar-Millionen nach Dortmund weiterreicht, die sie wiederum in Freiburger Spieler investieren, welche dann wiederum für mittlerweile ebenfalls Millionen in der 2. Liga einkaufen. Der Mark ist halt ständig und stetig am Wachsen...

Und klar, manchmal ist man ein wenig überrascht, wie schnell der Mark wächst. Dass Dinge, die wir erst in 5 Jahren erwartet haben, jetzt schon die Realität geworden sind... und ja, daovn, dass irgendwann irgendjemand 200 Millionen für einen der Besten Angreifer ausgeben würde, war seit Jahren auszugehen. Aber wir haben alle erst 2021 wirklich damit gerechnet...
Und Neymar wird auch nicht ewig der Rekordtransfer bleiben. Da die Leute, die diesen Transfer sachlich analysieren hinterher feststellen: Naja, so viel ist ein überragender Fußballer halt wert, wenn ich den haben will... und ich brauche den um meine Umsätze und Gewinne zu steigern... dann muss ich mir den halt holen...

Mittwoch, 3. Juli 2013

The official Neymar Drinking Game

Ihr kennt das ja wahrscheinlich auch: Ihr sitzt in einer Sportsbar mit euren Freunden und guckt Fußball. Da aber einfach nur gucken langweilig ist... und wetten etwas für Asiaten... entscheidet ihr euch für ein Trinkspiel. Hier ist ein kleiner aber feiner Vorschlag, der all eure Freunde teilnehmen lässt. Die Regeln sind einfach: wenn Voraussetzung X erfüllt ist, muss der entsprechende Kumpel einen Kurzen trinken. Neymar ist schließlich auch kurz. Also:

1. "Ich bin der Vollidiot, der die betrunkenen nachher nach Hause fahren muss.": Auch an dich wurde gedacht. Du trinkst einfach immer einen Kurzen, wenn Neymar einen Defensivzweikampf gewinnt, ohne dass ein Foul gepfiffen wird.

2. "Hey, ich muss morgen Arbeiten, aber ein bisschen Alkohol kann ja nicht schaden.": Jedes Mal wenn Neymar den Ball schnell, direkt und schnörkellos weiterspielt, gibt es einen Shot.

3. "Ich stehe auf Druckbetankung mit einem gewissen Restrisiko": Für die gibt es auf jeden einzelnen Übersteiger einen Schnaps. Dass heißt natürlich, dass du bis zur 80. Minute auf dem trockenen Sitzen kannst, dann aber auf ein Mal 10 Kurze hintereinander exen musst, weil Neymar gerade 10 Übersteiger auf einem Bierdeckel macht (natürlich ohne jeglichen Raumgewinn.)

4. "Ich will mich auf einem konstant hohem Level einpegeln": Wann auch immer Neymar auf dem Boden liegt, füllt der Barkeeper dein Glas nach. Da Neymar normalerweise gefühlte Minuten auf dem Feld liegen bleibt, kriegt ihr nur alle 10 Minuten einen Schnaps... dafür kriegt ihr diesen dann ziemlich konstant.

5. "Ach leckt mich, ich muss unbedingt vergessen wer ich bin (und vor allen Dingen, dass ICH nicht Neymar bin)": Jedes Mal wenn Bela Rethy (oder wer auch immer die Beweihräucherung kommentieren darf) Neymars Namen nennt, darfst du dein Glas leeren. Hierfür sollte man sich am besten gleich ganze Flaschen kaufen, denn der Barkeeper dürfte mit dem nach schenken kaum hinterher kommen.

Dazu gibt es natürlich noch Saal-Runden für Tore, Vorlagen, Gelbe und Rote Karten.

Das Spiel wird ihnen präsentiert von der Fifa, dem CBF und dem FC Santos. Während der FC Barcelona gerade krampfhaft versucht die Regeln umzuprogrammieren... Gespielt wird auf eigene Gefahr. Alkohol kann die Frauen in ihrer Umgebung schöner aussehen lassen, als sie sind...