Posts mit dem Label Blick über den Tellerrand werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Blick über den Tellerrand werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 18. März 2014

Warum wird Uli Hoeneß eigentlich immer noch wie ein Heiliger behandelt?

Das ist die eine Frage, die mich am meisten beschäftigt...

Der Mann hat anerkannt 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben... und trotzdem sprechen alle von einem "Fehler" den er halt gemacht hat... Und feiern sein Lebenswerk, anstatt mal zu fragen, wie man es schafft so viel Geld zu hinterziehen... 27,2 Millionen Euro sind kein Fehler mehr...

Wenn selbst der Tagesschau auffällt, dass ein einzelner Mann eigentlich gar nicht so viel Steuern hinterziehen kann... Eine Ansicht, die doch normaler Weise eher auf die Verschwörungsblogs als in die Tagesthemen gehört... Und trotzdem findet unsere Kanzlerin eine Möglichkeit, Uli Hoeneß Respekt zu zollen... WTF?

Denen ist schon bewusst, dass der durchschnittliche Deutsche in seinem Gesamten Leben keine 27,5 Millionen Euro Steuern zahlt? Und dass Hoeneß diesen absurd hohen Betrag in nur 12 Jahren hinterzogen hat? Weil er als Würstchenfabrikant und langjähriger Bayern-Manager gar nicht so genau wusste, was er eigentlich versteuern musste? Ja, klar, ganz bestimmt...
  ...dass der adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus ihm ein Konto mit 20 Millionen Euro "zur Verfügung" gestellt hat? (Steht alles im Kicker... nur halt im Kleingedruckten). Nebenbei kaufte sich Adidas zufälliger Weise genau 2001 als Strategischer Partner bei den Bayern ein... Singing Fee? Anyone?

Wenn man sich die Liste der größten Steuerhinterzieher so anguckt, kommt einzig ein gewisser Paul Schokemöhle auf einen Betrag nördlich der 20 Millionen. (Warnung: Die Bildersierie auf N-TV.de greift die Schreiber Affäre der CDU auf... wenn wir wirklich wissen wollen würden was da damals abging... wäre Schäuble heute kein Minister mehr..)

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie der Klaus Zumwinkel damals durchs Dorf getrieben wurde? Der wurde von der Polizei abgeführt. Bei Zumwinkel ging es damals um 1 Millionen Euro... Die SPD nannte Zumwinkel und unsere Manager-Schicht darauf hin als "Neue Asoziale"... Wegen einer Millionen...

Und wo wir schon dabei sind: Dieses Urteil legt ja auch irgendwie das neue Höchststrafmaß fest. Oder kann sich irgendjemand vorstellen, dass ein Individuum mehr als 27,2 Millionen Steuern hinterzieht... und sich dabei erwischen lässt? Es sollte also nicht mehr "bis zu 10 Jahre Haft" sondern nur noch "wie im Fall Hoeneß bis zu 3 1/2 Jahre Haft" heißen...

Aber anstatt einen Hoeneß jetzt zu verteufeln... diskutieren die ersten schon über eine mögliche Rückkehr zum FC Bayern nach seiner Haftstrafe... und die ersten sind hier Edmund Stoiber... Für diejeinge, die zu jung sind, um zu wissen, wer das ist: Stoiber war bis 2007 Ministerpräsident und Gottvater in Bayern... er ist quasi derjenige, der direkt vom Hoeneß um das Geld betrogen worden ist... Auch wenn er behaupten wird, dass die 27 Millionen eh in den Länderzinanzausgleich geflossen wären... Dieser Mensch sollte entweder jeglichen Respekt für (wenn er wirklich so dreist ist 27 Millionen Euro bewusst zu hinterziehen) oder jegliches Vertrauen in (Wenn er wirklich so inkompetent ist, nicht zu merken dass er dem Staat 27 Millionen Euro schuldet) Hoeneß verloren haben...

Dass sind im großen und ganzen die einzigen 2 Möglichkeiten als Politiker auf den Fall Hoeneß zu reagieren... stattdessen sprechen die von "Respekt"...

Was ich halt nicht verstehe: Warum wird die eine Sau (Zumwinkel) so durchs Dorf getrieben, während die andere viel dickere Sau weiterhin verehrt wird. Dass die Bayern nicht unbedingt jeden Stein umdrehen und wissen wollen, wie korrekt der Deal zwischen ihnen, Hoeneß, Adidas und Louis-Dreyfus so ablief, kann ich ja noch verstehen. Aber dass es auch die Politik, die Medien und die anderen Vereine der Bundesliga so gar nicht interessiert... Dass der Kicker lieber sein Lebenswerk feiert, als da mal nachzuharken und nachzuforschen... Natürlich würde der Kicker dafür erst Mal richtig aufs Maul bekommen... aber das hat er damals, als er noch ein Fachblatt war und die Dortmunder Finanzmisere aufgedeckt hat, auch... Heute sind selbst die Dortmunder Dankbar darüber, dass der Kicker damals nachgeforscht hat...
Aber im Fall Hoeneß haben wir uns alle relativ schnell dafür entschieden, gar nicht so genau wissen zu wollen, was da passiert ist...

Dienstag, 14. Januar 2014

Da ich sonst immer auf dem Kicker rumhacke...

wie sie das Outing von Thomas Hitzlesperger bearbeitet haben, fand ich persönlich großartig... dass ihnen ausgerechnet bei diesem Thema weider einfällt, dass sie ja eigentlich ein Fachblatt sind...

Wenn man das mit dem Quasi-Lobbyismus, den man für Riberys nicht Wahl zum Fußballers des Jahres vergleicht...

Der Kicker hat es eleganter Weise geschafft, nicht über das Thema zu berichten, es aber trotzdem abzuhandeln... Mit kurzen Kommentaren, in denen man hauptsächlich aussagt, dass es ihnen egal ist, mit wem Hitzlesperger schläft. Und das ist auch gut so... Im eigentlich relevanten Teil des Kickers kam dieses Outing überhaupt nicht vor. Und auch Online muss man da mittlerweile nach suchen...

Gleichzeitig wurde das Thema nicht tot geschwiegen. Man stellte sogar das gesamte Leser-Forum zur Verfügung, um positive wie negitve Meinungen über die Berichterstattung vorzustellen. Und damit verdeutlichten sie, ohne sich selber großartig zum Thema zu äußern, wie sehr dieses Thema Fußball Deutschland doch beschäftigt.

So entzieht man sich geschickt dem Hype, ohne das Outing totzuschweigen. Das einzige, was fehlte, war der Abdruck eine ungefilterten Homophoben Meinung, die garantiert unter den Millionen Fußballfans in Deutschland noch viel zu oft vorkommt... Und ganz ehrlich: Wenn sich demnächst der Leitspruch "Erster Schwuler Fußballmeister Thomas Hitzlesperger" durchsetzt, wird das nicht von allen als Kompliment gemeint sein...

Wo wir dann doch schon beim Thema sind: Warum ist das eigentlich bei den Männern so ein großes Thema, während es kaum jemand schockierend findet, dass mehrere unsere Nationalspielerin lesbisch sind? Zunächst mal hat es ganz sicher was damit zu tun, dass sich allgemein niemand für Frauenfußball interessiert... aber selbst sonst... Bei den letzten Olympischen Spielen in London gab es 23 offen homosexuelle Athleten... davon waren 3 Männer... Das kann dann kein Zufall mehr sein...

Und da muss man nicht drüber philosophieren, ob Lesbern eher "maskulin" und deswegen im Sport angesehener sind als die verweichlichten Schwuchtel oder nicht... Das sind eh nur Stereotypen, die uns von anderen eingeprügelt wurden...

Die einfach Wahrheit lautet doch: Wir leben in einer von Männern dominierten Gesellschaft... Und wenn uns der Gedanke kommt, dass unsere Nationalspielerinnen in ihren Kabinen Orgien feiern könnten, denken wir nicht "Igitt, die sind lesbisch"... sondern "Geil" und "Hey, braucht ihr vielleicht noch ein bischen Hilfe?" Während bei einer rein männlichen Dusche niemand auf die Idee kommen würde, eine Kamera aufzustellen... es sei denn derjenige ist schwul...

Lesbisch zu sein ist halt eher akzeptiert, weil jeder Mann doch still und heimlich davon träumt, mal mit 2 Lesben rumzumachen... mit einem Schwulen dagegen nie...

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Financial Fair Play... ja, klar, sicher

Das Financial Fair Play ist das liebste Kind vom UEFA Präsidenten Michel Platini. Es soll endlich zu Wirtschaftlicher Vernunft im Fußball führen. Und zu einem fairen und ausgeglichenen Wettbewerb führen. Nebenbei soll auch noch die Abhängigkeit von Privatinvestoren (die "nur noch" 45 Millionen in den Verein aus ihrem Privatvermögen stecken dürfen... pro Jahr...) reduziert werden.

Letzteres ist natürlich absurd, wenn der Investor einfach nur eine Tochterfirma gründen muss, die dann für eine einzelne Werbebande, die im Spiel 5 Minuten zu sehen ist, 135 Millionen bezahlt... wer will das verhindern? Und vor allem wie?

Aber gerade wir Deutschen sollen ja von dem Financial Fair Play am deutlichsten profitieren. Schließlich hatten wir vorher schon das härteste Lizenzsverfahren Europas. Und jetzt soll es endlich wieder den ersten internationalen Titel seit 2001 geben. Aber ist so was wie einen fairen und ausgeglichenen Wettbewerb in Europa überhaupt möglich? Eine Frage, die sich sonst VW und Seat stellen. Aber die Umsatzzahlen der Fußballligen führen zwingend zu dieser Fragestellung... und die Antwort lautet Nein.

Im Sommer durfte der Kicker ungestraft über ein vom Spanischen Steuerzahlen subventioniertes Europa League Finale lästern. Und die freundliche Bitte hinterher schicken, so etwas doch bitte zu unterlassen... oder von Seiten der UEFA zu sanktionieren.
Nun will ich die Spanischen Steuerschulden gar nicht schön reden... und deren Konkursverfahren ist so fucked up, dass die eine Mannschaft, die seriös wirtschaftet und jahrelang auf die Ablösesummen aus den Konkursverfahren wartet, absteigen muss, während die Schuldner weiter Pirimera Divison spielen...

Aber tun wir kurz so, als würde der Deutsche Fußball ohne Subventionen auskommen. Wir brauchen kein Financial Fair Play, wir brauchten eine Fußball-WM im eigenen Land. Denn seit der WM im eigenen Land boomt die Liga wie verrückt.
Etwas 500 Millionen wurden von den Ländern und Städten in die WM Stadien gesteckt. Dazu kommen all die Stadien, die vor der WM renoviert wurden, aber am Ende nicht den Cut geschafft haben, die in dieser Liste nicht mal auftauchen. Und 300 Millionen Euro Kredite von den Landesbanken... Und selbst für ein offiziell komplett selbst finanziertes Stadion wie die Allianz Arena in München... wurde mal so nebenbei ein U-Bahnhof um 50 Meter nach Norden verlegt. Und das haben dann (auch wenn ich es am ehesten zutrauen würde) wohl kaum die Bayern bezahlt, sondern die Stadt München. Und ich behaupte mal: nicht nur in München musste das Nahverkehrssystem den neuen größeren Stadien angepasst werden...

Laut Abschlussbericht der Bundesregierung zur WM 2006 (ja, ich fahre die schweren Geschütze auf...) hat "die Bundesregierung ca. 3,7 Mrd. Euro allein in Ausbau- und Erweiterungsmaßnahmen für das Bundesfernstraßennetz investiert". Geld das laut eigenen Angaben nur wegen der WM in die Hand genommen wurde, aber dort in keiner offiziellen Bilanz auftaucht. Und jeder, der mal zu einem Auswärtsspiel in Lwiw war, weiß wie wichtig es ist, dass man die letzten 500 Meter nicht durch eine Ödnis laufen muss...

Ich will die Fußball-WM 2006 gar nicht schlecht reden. Schließlich wurde Angela Merkel zur größten Deutschen Autobahnbauerin seit Adolf Hitler... (und ein Internationales Volksfest ist mir als Motivation 3,7 Mrd. mal lieber als ein völkervernichtender Weltkrieg...) Aber man sollte niemals vergessen, dass die grandiose Entwicklung der Bundesliga ganz stark mit diesem Event zusammenhing. Und das da Milliarden geflossen sind, die dem Fußball direkt oder indirekt zu gute kam. In Italien wurde zum Beispiel 1990 das letzte Mal groß renoviert. In vielen Stadien wurde seit dem nichts mehr gemacht. Und so hat nur Juventus Turin im Jahre 2012 ein Stadion, dass man in Europa vorzeigen kann... Und dementsprechend am Arsch ist der Italienische Fußball (wobei es natürlich in Italien auch noch genügend andere Probleme gibt... Verschobene Spiele etc.pp...) Aber die Italiener können nicht zu unrecht behaupten, dass sie durchaus auch mal wieder ein großes Turnier bräuchten, damit sie, wie die Deutschen, wieder in die Gänge kommen...

Aber auch ohne die Fußball-WM würde es derzeit deutlich aufwärts gehen für den Deutschen Fußball. Wir sind das Bevölkerungsreichste Land im Herzen Europas. Und wir haben die Robusteste Wirtschaft... mit einem Bruttoinlandsprodukt von 3,5 Mrd US Dollar... Und wir stecken mitten in einer Weltwirtschaftskrise... Und während wir beinah die einzigen sind, die weiterhin unsere Bevölkerung zum Geld ausgeben animieren (erinnert ihr euch noch an die Abwrackprämie? Ja, die spielt da mit rein), erlegen wir allen anderen krasse Sparkurse auf... Wir sind quasi die einzige Wirtschaft, die sich ein Hobby wie Fußball noch leisten kann... sowohl vom Sponsoring (wo VW mal so nebenbei zum Partner des DFB Pokals wird) als auch auf Seiten der Fans, wo sich immernoch 80.000 Menschen einen Bundesligaklassiker wie Dortmund gegen Fürth angucken. Alles Dinge, die man sich in Spanien oder Italien nicht mehr leisten kann...

Lange Rede, kurzer Sinn: das Financial Fair Play ist eine schöne Sache. Aber zu glauben, dass es zu einem fairen europäischen Wettbewerb führen kann, ist naiv. Das ist aber in einem Internationalem Millardenschweren Wettbewerb aber auch unmöglich. Aber wenn man sich über Steuergeschenke und Finanzspritzen von Privatinvestoren aufregt, sollte man vorher auch mal unter dem eigenen Teppich nachschauen, was da noch so rumliegt.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Ist das eigentlich noch Sport?

Oder reine Wissenschaft, wenn Piloten mit Autos im Kreis fahren?
Und damit geht dieser Post erstmal nicht um Fußball. Sondern um Reifen. Und im wesentlichen geht es darum, wie perfekt ausgereizt die Formel 1 eigentlich mittlerweile ist. Das krasse an der Geschichte ist: die Unterschiede zwischen den 4 zur Verfügung gestellten Reifen sollen zwischen 0,6 und 0,8 Sekunden pro Runde liegen. Und selbst diese für normalsterbliche nicht wahrnehmbare Differenz soll einen Rennstall zu taktischen Überlegungen zwingen. Und nur um das auch sicher zustellen, wird jeder Fahrer dank eines komplett unverständlichen Regelsystems dazu gezwungen, mit 2 Reifenarten pro Rennen zu fahren. Damit es mehr Boxenstopps gibt. Denn beim einfachen "im Kreis fahren" sind die Unterschiede mittlerweile so gering, dass es scheinbar egal ist, welcher Fahrer in welchem Cockpit sitzt. Entschieden werden die Rennen bei den Boxenstopps. Und deswegen müssen absurde Regeln geschaffen werden, die dafür sorgen, dass es davon genügend gibt. Am Ende wurde sich sogar darüber beschwehrt, dass die Reifen zu lange hielten...
Irgendwie erstaunt es mich auf einmal nicht, dass Auto Fahren nicht Olympisch ist... aber uns als Deutschen ist das ja egal, solange zufällig ein Deutscher in dem Auto, das vorne weg fährt, sitzt, sind wir begeistert...
Aber hey, immerhin werden die nicht dopen... die haben andere Varianten um zu bescheißen...

Ich versuche mir gerade solche Regeln im Fußball vorzustellen. Also wenn im Jahre 2056 die Schuh-Technik so weit ist, dass man einen gewissen Schuh zum Flanken und einen anderen zum Abspringen beim Kopfball braucht. Und das richtige Schuhwerk ist der entscheidende Faktor beim Erfolg einer Mannschaft. Deswegen muss ein Spieler mindestens 4 Unterschiedliche Schuhe tragen (damit er auch mindestens einmal jenseits von der regulären Halbzeit die Schuhe wechseln muss) und er muss mit jedem Schuh mindestens 10 Minuten Spielen, sonst dort ihm pro verpassten Schuh eine Verwarnung. Da die perfekten Schuhe alles definieren, was ein Fußballer wirklich noch bringen kann, muss sich das Team als absolut homogene Einheit bewegen, zumindest zum Schuhe Wechseln. An sonsten steht man am Ende im Entscheidenen Moment ohne einen Spieler mit den richtigen Schuhen für Elfmeter da. (und einfach zwischen 2 Pfiffen des Schiedsrichter-Roboters die Schuhe zu wechseln ist natürlich auch verboten, das wäre ja zu einfach...) Jeder Spieler muss in der Lage sein, 4 Rollen auszufüllen, weil er sie ja im Spiel mindestens 4 Minuten lang übernehmen muss...

Ist taktisch bestimmt hochspannend... klingt aber trotzdem total absurd. Weil Fußball im wesentlichen Sport und keine Technik ist.... auch wenn ein Fußballschuh mittlerweile viel zu komplex und ein Ball nicht mehr einfach nur rund ist... aber die Formel 1 funktioniert im Wesentlichen genau so... also: ist das eigentlich noch Sport?