Posts mit dem Label Fehlentscheidungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fehlentscheidungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 16. Juni 2020

Das Problem ist auch weiterhin nicht das Handspiel.. .Teil 537. Gefühlt.

Es sind nicht die Themen, die sich ändern, es sind die Namen, die sich ändern. Wobei, genau genommen ja nicht mal das.

Aber zum gefühlt 21. Mal in dieser Saison startet der Kicker seine große "Blicken sie bei den Handspielregeln noch durch?" Umfrage.

Das Problem daran ist halt: Der Anlass ist vollkommen albern. Denn die Regel für angreifende Spieler ist wunderbar eindeutig und wird konstant angewendet. Auch wenn es im Zweifelsfall man einen VAR braucht. Aber dieses Tor wird in 100 von 100 Fällen nicht mehr gegeben. Genau so funktioniert eine gute Regel.

Ob diese Regel jetzt gerecht ist, sei mal dahin gestellt. Alberner Weise soll sie jetzt ja angepasst werden, dass alles oberhalb des Trikotärmels nicht mehr als Hand gilt... Was dann dazu führt, dass alle plötzlich mit Longsleeves spielen. Guter Ansatz.

Und natürlich ist es unglücklich, dass Raphael Guerreiros "Traumtor" nicht zählte. Aber wenn ein traumhaft herausgespieltes Tor wegen einer Abseitsposition zurückgepfiffen werden muss, stellt ja auch keiner die Abseitsregel in Frage, nur weil das Tor schön gewesen wäre.

Nehmen wir mal ein anderes aktuelles Beispiel: Den Platzverweis für Dedryck Boyata. Es sind sich alle einig, dass dies "der Knackpunkt" des Spieles war. Und dass es keine böse Absicht von Boyata war, sondern nur sehr unglücklich gelaufen. Buchstäblich. Es sind sich alle einig, dass dies eine Harte Entscheidung war. Es würde aber niemand auf die Idee kommen, deswegen die Platzverweise für Notbremsen in Frage zu stellen. Er verhindert halt regelwidrig, wenn auch unabsichtlich, eine klare Torchance. Und für ihn dummer Weise direkt vor dem und nicht im Strafraum. Die logische Konsequenz ist halt der Platzverweis.

Das Problem ist aber halt ein ganz anderes: Die Dortmunder fühlen sich zum 4. Mal in Folge benachteiligt. Weil es halt einen Handelfmeter gibt, wenn einem Dortmunder der Ball im Strafraum an die Hand springt, aber keinen, wenn es einem Bayern-Profi passiert.

Aber auch hier ist genau genommen nicht die Handspiel Regel das Problem. Denn jeder, der keine Bayern-Fanbrille auf hat, sieht halt ein Strafbares Handspiel von Jerome Boateng. Also alle außer Tobias Stieler und Sascha Stegemann... nur sind das halt die entscheidenden Leute.

Die eigentliche Frage muss lauten: Warum hat der VAR bei dem einen Fall nicht eingegriffen? Warum gibt es keine Konstanz bei dieser nicht mehr wirklich neuen Institution? Das ist halt nicht nachvollziehbar. Und das ist halt mal wieder eine Qualitätsfrage.

Seit dem Re-Start gab es schon wieder 3-4 Szenen, bei denen man sich schon fragen muss: Wie kann es sein, dass da alle außer der VAR eine eindeutige Fehlentscheidung sehen? Warum sieht der VAR das anders? Traut der sich im Zweifelsfall einfach nicht einen renommierten Kollegen zu korrigieren?

Als eklatantestes Beispiel sei hier mal der Platzverweis für Benjamin Hübner genannt: Mit 2 Tagen Abstand sagen da alle, dass der Platzverweis eine Fehlentscheidung war (lustiger Weise war das in der Sportschau Zusammenfassung noch anders... aber Details). Trotzdem fragt niemand, warum der VAR diese anscheinend offensichtliche Fehlentscheidung, die durch die verkürzte Sperre von Hübner für nur ein Spiel ja bestätigt wird, nicht direkt korrigiert... dabei wäre das die viel interessantere Debatte.

Schritt 1 wäre hierbei ganz praktisch: Die Schiedsrichterkommission des DFBs und der DFL veröffentlichen selber nach jedem Spieltag zu den kritischen Szenen ein Statement. In diesem erklärt man entweder, warum der Schiedsrichter doch richtig lag, was ja durchaus sein kann, oder man steht eindeutig zu den Fehlentscheidungen. Also damit sich dann auch ein Stegemann nicht hinter dem "Och, war ja nicht so klar" verstecken kann.

Und wenn wir dann feststellen, dass auch DFL und DFB extrem unzufrieden mit den angebotenen Leistungen der Schiedsrichter sind, kann man darauf aufbauend die eigentlichen Probleme angehen: Eine Renovierung des Schiedsrichterwesens.

Denn wenn man die Schiedsrichterleistungen losgelöst vom offensichtlichen Symptom der Handspielregel analysiert, wird man feststellen, dass unsere Männer in Schwarz einfach nur seit einer ganzen Weile nicht mehr die Weltklasse darstellen, sie sie früher mal gehabt haben. Bis auf ganz wenige ausnahmen. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den 4 großen Skandalen und Tragödien rund ums deutsche Schiedsrichterwesen der Moderne wurde hier bereits vor einem Jahr veröffentlicht. Und wenn man Dinge wie Hoyzer, Ammerich und Krug in Zusammenhang setzt, fällt einem auf, dass es keine Überraschung ist, dass unsere Schiedsrichter einfach mit gewissen Situationen überfordert sind. Und dass sich grundlegend im Schiedsrichterwesen etwas ändern muss.

Aber das wird anscheinend das nächste "Die Relegation gehört abgeschafft!" Also Dinge, die offensichtlich ungerecht sind, geändert werden sollten, aber einfach ignoriert werden, weil sich alle lieber auf scheinbar zusammenhanglose Einzelentscheidungen stürzen.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Wer hätte das gedacht Part 2.

Kurzer Nachtrag zu gestern: Ja, mir ist bewusst, dass der Louis-Dreyfuss seit 2009 verstorben ist... den DFB hätte es damals trotzdem interessieren müssen, warum der Uli Hoeneß Geld von ihm bekommen hat. Und wenn man den Geber nicht mehr fragen kann, so kann man doch mal ein Interview mit dem Nehmer führen. Man hatte aber kein Interesse daran überhaupt mal nachzufragen...

Aber ab zum nächsten: THEMENWOCHE!!!

Ja, der Sonntag war für die Schiedsrichter eine mittlere Katastrophe. 2 Tore, bei denen man sich einfach nur denkt: Wie kann man die geben. Wie können solche Situationen Spiele entscheiden... die am Ende entscheidend für den Ausgang der Saison sein können...

Und an der Stelle... fangen wir die Debatte über den Videobeweis an. Natürlich. Jetzt, wo wir die Torlinientechnologie haben... ist das kein Problem. Vor allem, wenn wir feststellen, dass die Torlinientechnologie total sinnlos und willkürlich ist.
Weil ganz ehrlich: Das Handspiel von Leon Andreasen (und das Foul davor) und die Abseitsposition von Daniel Didavi sind eigentlich noch schlimmer als die Frage, ob der Ball auf der Linie gerettet wird. Weil sie eigentlich einfacher wahrnehmbar sein sollten. Und gerade Abseitssituationen haben wir nach wie vor jedes Wochenende.

Meine Antwort auf die Frage "Brauchen wir den Video Beweis" ist ja: Eigentlich nein... aber wenn wir die Torlinientechnologie behalten ja. Denn es ist einfach reine Willkür, dass wir bei dem einen Punkt unbedingt 100%ig sicher stellen müssen, ob das Tor nun zählt oder nicht... und dass wir uns bei allen anderen Punkten doch einfach darauf hoffen, dass der Schiedsrichter das schon gesehen haben wird. Auch wenn die anderen Punkte wesentlich häufiger relevant sind.

Technisch gesehen ist es ganz einfach: Der Schiedsrichter kriegt ein Smartphone und ein SkyGo Abo (so wie unsere Vertrauenspersonen den Internet-Anbieter Vertrag abgeschlossen haben, müssen sie wahrscheinlich dafür SkyGo nutzen... da niemand außer Sky und Telekom bewegte Bilder durchs Internet schicken darf... aber egal.)
Nach einem Tor zückt der Schiedsrichter dann das Handy und guckt sich die letzten 45 Sekunden vor dem Tor noch mal an. Und die Sky Redaktion sieht ja, dass der Schiri gerade aufs Smartphone guckt und blendet so lange den Jubel aus und die entscheidenden Bilder ein. Dazu guckt er sich jede Elfmeterentscheidung an, da Elfmeter meine bescheidenen Meinung nach einfach eine zu klare Torchance darstellen. Dann kann er anhand der Bilder feststellen, ob er das Tor gibt, oder doch Freistoß für die Verteidigende Mannschaft. Das würde in 95% der Tore nicht mal eine Minute dauern...
Und schon hätte man sicher gestellt, dass alle Tore in der Bundesliga garantiert regeltechnisch korrekt erzielt worden sind... aber das braucht doch keiner.

So sehr ich mich darüber aufregen kann, dass die Hamburger durch ein nach diesen Regeln zurück genommenes Tor gegen meinen heimlichen Lieblingsverein überhaupt auf den Relegationsplatz kamen... und den SC Freiburg dadurch auch noch direkt auf den direkten Abstiegsplatz schossen... Der Fußball lebt von diesem Aufregen.Von den Emotionen, die der Sport bei uns auslöst. Positive wie negative. Und diese Emotionen... werden zu 80% durch Fehler hervorgerufen. Denn wenn man nicht gerade Bayern, Dortmund oder Wolfsburg guckt, die gut genug sind, ist Fußball ein Fehlervermeidungsspiel: Wenn du keinen Fehler machst, spielst du mindestens Unentschieden.

Und wenn Fußball halt immer wieder über Fehler entschieden werden... warum sollen die Schiedsrichter als Teil des Spieles nicht auch welche machen dürfen. Und zwar auch mal entscheidende... das gehört zu einer Saison auch einfach dazu. Vor allem, wenn sie alles im allen viel weniger Fehler machen als die Spieler. Und ja, Schiedsrichter sind nur ein Teil des Spiels und keine Metawesen, die losgelöst von diesem funktionieren.
Das Problem ist natürlich, dass wir über jeden Fehler der Schiedsrichter diskutieren... uns die Szenen 50 Mal und in Super Zeitlupe angucken um danach zu sagen: Wie hat er DAS den bitte schön in Realgeschwindigkeit nicht sehen können? Gleichzeitig verzeihen wir unseren Helden unfassbar viele Fehler... solange sie am Ende des Spieles ein Mal das Tor treffen.

Ich war damals gegen die Torlinientechnologie, weil ich wusste, dass sie das eigentliche "Problem" (dass irreguläre Tore erzielt werden... oder regulär erzielte verweigert) nicht beheben wird... und weil ich wusste, dass man damit Pandoras Büchse öffnet. Wie es aussieht, habe ich an der Stelle schon wieder recht behalten...

Sonntag, 9. Dezember 2012

Das Wochenende der Wahrnehmungsfehler

Am Ende der Saison wird Wolfgang Stark froh sein, dass die Bayern so viel und so deutlich besser sind, als der Rest... aber man stelle sich vor so eine Fehlentscheidung hätte in einem engen Meisterschaftsrennen jemanden 3 Punkte gekostet...

Wobei man an der Stelle festhalten muss: ein enges Meisterschaftsrennen ist nur halb so dramatisch wie ein enger Abstiegskampf... Schließlich sind die finanziellen Einbußen wenn man als 2. in die Champions League einzieht relativ gering. Ob du 15. oder 16. wirst, ist am Ende wichtiger als die Frage, ob du Erster oder Zweiter wirst...

Aber zurück zu den Schiedsrichter: Wolfgang Stark rettete seinen Auftritt immerhin halbwegs, in dem er hinterher seinen Fehler zugab. Und der DFB zeigt der Fifa ein dickes Fuck You, und sperrt Marcel Schmelzer einfach nicht. Denn nach Sepp Blatter und Michel Platini sind die Tatsachenentscheidungen so heilig, dass nicht mal ein Eingeständnis des Schiedsrichters eine Sperre verhindern kann.

Ich bin ein großer Freund der Tatsachenentscheidungen. Aber doch bitte nur auf dem Platz. Soll heißen: kein Videobeweis um den Schiedsrichter auf dem Platz zu widerlegen. Gefühlte 5 Minuten Unterbrechungen tun dem Spiel einfach nicht gut. Und selbst wenn man jedem Trainer nur pro Spiel 2 Mal die Möglichkeit geben würde... man unterschätzt glaub ich, wie sehr man das Spiel dadurch in die Länge zieht. Dann stellt sich die Frage, wann man bei einem doch relativ selten unterbrochenen Spiel wie Fußball diesen Beweis anbringt. Und wenn der Schiedsrichter Elfmeter pfeift, das Spiel unterbrochen wurde und der Videobeweis den dann Widerlegt? Wie geht es dann Weiter? Mit Schiedsrichterball am Ort des vermeidlichen Fouls? Viel Spaß damit...
Als nächstes kommt hinzu, dass es dieses Wochenende mit den Szenen Jones gegen Taoré und Petersen gegen Trapp schon allein 2 Szenen gab, wo die Experten nach dem Videostudium zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Und gerade die Rote Karte von Jones widerlegt doch jegliches Fordern eines Videobeweises: Er geht da mit extrem hoher Geschwindigkeit und viel Anlauf ohne Rücksicht auf Verluste in den nennen wir es mal Zweikampf. Und in der verlangsamten Fassung sieht man dann, dass er Traoré ja gar nicht so richtig trifft... dass das mehr Traorés Glück als Jones Verstand geschuldet ist, sieht man wiederum eigentlich nur in der Originalfassung.

Aber zurück zur Fifa: Die werden jetzt ein Spiel Sperre für Schmelzer fordern. Ja, die Fifa Rechtsauslegung ist so: Wenn du für einen Ladendiebstahl von der Polizei verhaftet wirst, aber aus den Videoaufnahmen (und der Aussage der Polizei) wird deutlich, dass das eine Fehleinschätzung war. Du musst aber trotzdem erst Mal 2 Wochen in den Knast... und bist bei deinem nächsten Vergehen schon mal vorbestraft.
Oder um ein nicht ganz so absurdes Beispiel zu nennen: Laut Fifa Rechtsanspruch müsste jedes Exekutivmitglied, dem der Fifa-Ethikkommission  Korruption vorwirft, erst mal instant 2 Monate gesperrt werden. Selbst wenn hinterher raus kommt, dass das diese Kommission selber korrupt ist. Vielleicht sollte das mal jemand machen, dann merken die da oben vielleicht, wie bescheuert solche Prinzipien sind...

Als Kirsche auf der Sahnetorte "Wahrnehmungsfehler" kommt dann natürlich noch die Doppelbestrafung Elfmeter und Rot. Nur den Elfmeter und das 1:1 hätten die Dortmunder wahrscheinlich kompensieren können... aber dann auch noch zu 10. weiterspielen? (Wobei es auch schon beeindruckend war, wie selbst 10 Dortmunder noch pressen konnten...) Wenn wir ehrlich sind, war die Chance, die der VfL Wolfsburg durch Starks Piff geschenkt bekommen hat, ja nur noch größer als die vorherige. Schließlich durfte sich kein Feldspieler mehr in den Weg stellen (der Torschuss dürfte ziemlich exakt vom selben Ort ausgeführt worden sein...). Es gibt also (mindestens) die Torchance zurück und für den Rest des Spiels Überzahl... Vielleicht sollte man mal eine Doppelbestrafung für Fifa Funktionäre wegen Korruption einführen... Sperren und öffentliche Bloßstellung. Dann würden die vielleicht mal merken... ach never mind...

Den großartigsten Satz zum Schluss von Jürgen Klopp: "Wie Marcel mit dem Platzverweis umgegangen ist, müsste man ihn für den Friedensnobelpreis vorschlagen." Nur mal so nebenbei: Friedensnobelpreisträger sind unter anderem Henry Kissinger (Angeklagt von chilenischen Menschenrechtsorganisationen wegen der Verstickung in einem illegalen Putch am 11.September 1973), Jassi Arafat (Mitbegründer und Anführer der Fatah), die Europäische Union (in der Summe seiner Einzelstaaten der größte Waffenexporteur der Welt) und Barack Obama (im wesentlichen, weil er auf George W. Bush folgte...). Wenn also ein Dortmunder demnächst den Friedensnobelpreis überreicht bekommt, dann Jürgen Klopp. Für den respektvollen Umgang mit den Schiedsrichtern... zumindest an dem einen Wochenende, wo Bibiana Steinhäuser an der Seitenlinie stand...