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Mittwoch, 9. Februar 2022

Das absurdeste an der Handspielregel ist ja:

 Wir stellen uns immer noch die Frage: Absicht, oder nicht?

Ernsthaft: Warum beschäftigen wir uns damit überhaupt. Also ganz ehrlich: Das interessiert doch sonst keinen.

Also einfaches Beispiel: Ich gehe als Verteidiger mit einer Grätsche in einen Zweikampf. Mein Gegenspieler macht eine Finte, deswegen treffe ich sein Bein und nicht den Ball. Meine Absicht war es aber definitiv den Ball zu spielen. Dummer Weise hat die Finte das verhindert. Aber diese Finte ändert doch nichts an meiner Absicht...

Nach der Logik müsste es dann ja keinen Elfmeter geben. Gibt es aber trotzdem, weil ich beim Versuch den Angriff abzuwehren halt die Regeln gebrochen habe. Und weil ich mit meiner Grätsche das Risiko eingegangen bin, dass dies passiert. Aber beim Handspiel wollen wir das auf ein Mal anders handhaben?

Die einzige Frage, bei der die Absicht relevant ist, ist doch das Strafmaß. Also wenn ich mit einem robusten Eingreifen bewusst einen schnellen Gegenangriff unterbinde, gibt es dafür Gelb... ok, sollte es Gelb geben, das wird aber viel zu selten gemacht.
Oder wenn ich zur Paolo Guerrero Gedächtnisgrätsche ansetze und den Gegner auf Kniehöhe umtrete, bekomme ich Rot, weil ich die Verletzung des Gegners billigend in Kauf nehme.

Aber für die Frage "War dies ein Foul und sollte es dafür einen Freistoß geben?" ist die Absicht sonst immer vollkommen irrelevant. Nur beim Handspiel versuchen wir uns auf einmal in die Köpfe der Spieler zu versetzen und wollen erraten, was er eigentlich vorgehabt hat.

Ich finde es faszinierend, wie selbstverständlich alle immer von der Absicht reden. Der neuste Kandidat ist ja der sonst an sich großartige Manu Thiele. Das ist halt etwas, was wir unbedingt aus dem Regelwerk und aus den Köpfen kriegen müssen. Denn im Wesentlichen sind fast alle Handspiele, egal ob sie zum Elfmeter führen oder nicht, unabsichtlich. Aber wenn man leichtfertig die Körperfläche vergrößert, geht man halt das Risiko ein, dass man ein Foulspiel begeht. Genauso wie man dieses Risiko eingeht, wenn man zu einer Grätsche ansetzt. Oder wenn man den Ellenbogen im Luftkampf nutzt. Genau so muss man ein Handspiel auch behandeln. Nur dann kann es fair und transparent entschieden werden.

Wir waren doch schonmal nen Stück weiter. Also als die vergrößerte Körperfläche zwingend zum Pfiff führte, war die Regel nachvollziehbarer. Vielleicht zu hart, aber nachvollziehbarer. Wenn man jetzt einfach eine Lösung dafür finden würde, eine weniger harte Strafe einzuführen... 

Oder wir stellen demnächst einfach Psychologen an, die nach jedem Zweikampf rauskriegen, was den die Absicht des Spielers war und ob man dafür Foul geben kann... Hey, viel länger als die Unterbrechungen wegen Schauspieleinlagen und simulierten Verletzungen kann das ja auch nicht dauern...

Dienstag, 16. Juni 2020

Das Problem ist auch weiterhin nicht das Handspiel.. .Teil 537. Gefühlt.

Es sind nicht die Themen, die sich ändern, es sind die Namen, die sich ändern. Wobei, genau genommen ja nicht mal das.

Aber zum gefühlt 21. Mal in dieser Saison startet der Kicker seine große "Blicken sie bei den Handspielregeln noch durch?" Umfrage.

Das Problem daran ist halt: Der Anlass ist vollkommen albern. Denn die Regel für angreifende Spieler ist wunderbar eindeutig und wird konstant angewendet. Auch wenn es im Zweifelsfall man einen VAR braucht. Aber dieses Tor wird in 100 von 100 Fällen nicht mehr gegeben. Genau so funktioniert eine gute Regel.

Ob diese Regel jetzt gerecht ist, sei mal dahin gestellt. Alberner Weise soll sie jetzt ja angepasst werden, dass alles oberhalb des Trikotärmels nicht mehr als Hand gilt... Was dann dazu führt, dass alle plötzlich mit Longsleeves spielen. Guter Ansatz.

Und natürlich ist es unglücklich, dass Raphael Guerreiros "Traumtor" nicht zählte. Aber wenn ein traumhaft herausgespieltes Tor wegen einer Abseitsposition zurückgepfiffen werden muss, stellt ja auch keiner die Abseitsregel in Frage, nur weil das Tor schön gewesen wäre.

Nehmen wir mal ein anderes aktuelles Beispiel: Den Platzverweis für Dedryck Boyata. Es sind sich alle einig, dass dies "der Knackpunkt" des Spieles war. Und dass es keine böse Absicht von Boyata war, sondern nur sehr unglücklich gelaufen. Buchstäblich. Es sind sich alle einig, dass dies eine Harte Entscheidung war. Es würde aber niemand auf die Idee kommen, deswegen die Platzverweise für Notbremsen in Frage zu stellen. Er verhindert halt regelwidrig, wenn auch unabsichtlich, eine klare Torchance. Und für ihn dummer Weise direkt vor dem und nicht im Strafraum. Die logische Konsequenz ist halt der Platzverweis.

Das Problem ist aber halt ein ganz anderes: Die Dortmunder fühlen sich zum 4. Mal in Folge benachteiligt. Weil es halt einen Handelfmeter gibt, wenn einem Dortmunder der Ball im Strafraum an die Hand springt, aber keinen, wenn es einem Bayern-Profi passiert.

Aber auch hier ist genau genommen nicht die Handspiel Regel das Problem. Denn jeder, der keine Bayern-Fanbrille auf hat, sieht halt ein Strafbares Handspiel von Jerome Boateng. Also alle außer Tobias Stieler und Sascha Stegemann... nur sind das halt die entscheidenden Leute.

Die eigentliche Frage muss lauten: Warum hat der VAR bei dem einen Fall nicht eingegriffen? Warum gibt es keine Konstanz bei dieser nicht mehr wirklich neuen Institution? Das ist halt nicht nachvollziehbar. Und das ist halt mal wieder eine Qualitätsfrage.

Seit dem Re-Start gab es schon wieder 3-4 Szenen, bei denen man sich schon fragen muss: Wie kann es sein, dass da alle außer der VAR eine eindeutige Fehlentscheidung sehen? Warum sieht der VAR das anders? Traut der sich im Zweifelsfall einfach nicht einen renommierten Kollegen zu korrigieren?

Als eklatantestes Beispiel sei hier mal der Platzverweis für Benjamin Hübner genannt: Mit 2 Tagen Abstand sagen da alle, dass der Platzverweis eine Fehlentscheidung war (lustiger Weise war das in der Sportschau Zusammenfassung noch anders... aber Details). Trotzdem fragt niemand, warum der VAR diese anscheinend offensichtliche Fehlentscheidung, die durch die verkürzte Sperre von Hübner für nur ein Spiel ja bestätigt wird, nicht direkt korrigiert... dabei wäre das die viel interessantere Debatte.

Schritt 1 wäre hierbei ganz praktisch: Die Schiedsrichterkommission des DFBs und der DFL veröffentlichen selber nach jedem Spieltag zu den kritischen Szenen ein Statement. In diesem erklärt man entweder, warum der Schiedsrichter doch richtig lag, was ja durchaus sein kann, oder man steht eindeutig zu den Fehlentscheidungen. Also damit sich dann auch ein Stegemann nicht hinter dem "Och, war ja nicht so klar" verstecken kann.

Und wenn wir dann feststellen, dass auch DFL und DFB extrem unzufrieden mit den angebotenen Leistungen der Schiedsrichter sind, kann man darauf aufbauend die eigentlichen Probleme angehen: Eine Renovierung des Schiedsrichterwesens.

Denn wenn man die Schiedsrichterleistungen losgelöst vom offensichtlichen Symptom der Handspielregel analysiert, wird man feststellen, dass unsere Männer in Schwarz einfach nur seit einer ganzen Weile nicht mehr die Weltklasse darstellen, sie sie früher mal gehabt haben. Bis auf ganz wenige ausnahmen. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den 4 großen Skandalen und Tragödien rund ums deutsche Schiedsrichterwesen der Moderne wurde hier bereits vor einem Jahr veröffentlicht. Und wenn man Dinge wie Hoyzer, Ammerich und Krug in Zusammenhang setzt, fällt einem auf, dass es keine Überraschung ist, dass unsere Schiedsrichter einfach mit gewissen Situationen überfordert sind. Und dass sich grundlegend im Schiedsrichterwesen etwas ändern muss.

Aber das wird anscheinend das nächste "Die Relegation gehört abgeschafft!" Also Dinge, die offensichtlich ungerecht sind, geändert werden sollten, aber einfach ignoriert werden, weil sich alle lieber auf scheinbar zusammenhanglose Einzelentscheidungen stürzen.

Dienstag, 9. April 2019

Weil es so ein schönes Lehrbuchbeispiel ist

und weil man sich dann Kunststück von Matheus Cunha angucken kann, wenn man es weiterlaufen lässt: Das Handspiel von Mitchell Weiser war wohl der regeltechnische Aufreger des Wochenendes: Muss man dafür Elfmeter geben?

Kurze Antwort: Natürlich nicht, ein Elfmeter ist viel zu hart. Das ist ja das eigentliche Grundproblem, über das man mal reden müsste.

Aber das alle ausschließlich aus der Sicht des Verteidigers argumentieren, nervt halt schon ein wenig. Denn wenn man das ganze mal aus der Sicht der Angreifenden Mannschaft betrachtet: Marcel Halstenberg will da einen Seitenwechsel der Leipziger wieder scharf machen und denn Ball in den Strafraum auf Ibrahima Konaté legen. Derartige schnelle Seitenwechsel sorgen eigentlich immer für Chaos und sind verdammt schwierig zu verteidigen. Nur deswegen kommt der Ball ja an die Hand des sich in einer Pirouette befindenden Weiser.

Es ist natürlich doppelt hart, weil er den Ball nur streift. Aber ob der Ball ohne die Berührung auch geklärt werden kann, wird niemand mehr nachvollziehen können. Klar, es sieht danach aus, aber wie viel Geschwindigkeit wird durch Weisers Handspiel aus dem Ball genommen?
Ich muss zugeben, dass es im Originalgeschwindigkeit in meinem Kopf deutlicher aussah, aber Details, es geht ja ums Prinzip.

Denn hier beginnt halt das Grundlegende Problem: Wenn ich als Verteidiger mit einem Handspiel durch Vergrößerung meiner Körperfläche den Angriff unterbinde oder beeinflusse, muss irgendwas passieren. Das liegt schon im Namen der Sportart: Fußball. Der einzige, der seine Hände zum Abwehren von Bällen benutzen darf, ist der Torwart.

Dabei ist es auch überhaupt keine Frage, ob etwas Absicht war oder nicht, es geht ausschließlich darum, ob man als Mannschaft einen Vorteil aus dem Handspiel erhält. So, wie das jetzt bei der Angreifenden Mannschaft eindeutig geklärt sein wird.

Nebenbei wird die Frage "Absicht oder nicht" ja auch nur bei Handspielen ins Gespräch gebracht. Bei allen anderen Regelüberschreitungen ist es für den Pfiff völlig egal, ob das gewollt war oder nicht.  Wenn meine auf den Ball gehende Grätsche eine Millisekunde zu spät kommt und ich nur den Fuß treffe, gibt es einen Freistoß. Wenn ich beim Fallrückzieher den Verteidiger, der mit dem Kopf zum Ball geht, im Gesicht treffe, weil ich ihn einfach nicht gesehen habe, gibt es Gelb. Und das, obwohl ich doch nur die Absicht hatte das Tor des Jahres zu erzielen, da kann mir doch keiner einen Vorwurf machen.

Aber diese Beispiele haben halt einen minimalen Unterschied: Es gibt eine angemessene Strafe für das Vergehen. Es sei denn, man klärt per Fallrückzieher im eigenen Strafraum und trifft dabei den Gegenspieler im Gesicht, dann sagen aber auch alle nur "Wie dumm war denn der Verteidiger" und es gibt Elfmeter. Und das ist halt der springende (oder eben nicht, denn der liegt ja konstant) Punkt: Wenn wir über Handspiele diskutieren, reden wir immer über "Elfmeter oder nicht?" Die einzige Ausnahme, die mir natürlich einfällt, ist Karlsruhe - Hamburg in der Relegation 2015. An sonsten werden all die Handspiele, wenn sie denn im Mittelkreis oder an der Eckfahne passieren, Schulter zuckend hingenommen: Ich hab den Ball halt mit der Hand gespielt, das ist halt nen Foul, weiter geht's.

Das ganz große Problem ist, dass die Strafe "Elfmeter" für viele Handspiele viel zu drastisch ist. Und dessen sind sich die Schiedsrichter ja bewusst. Und die Kommentatoren auch. Die Frage ist nie "Hat der Verteidiger durch sein Handspiel einen Vorteil gewonnen?" sondern "Reicht das für einen Elfmeter?"

Die Lösung wird den beiden Stammlesern bekannt vorkommen. Und ich habe sie letztens betrunken einem Schiedsrichter vorgeschlagen, der auch nur sagte "Warum ist da noch keiner drauf gekommen?": Gebt doch für die unabsichtlichen Handspiele, für die Szenen, wo die Hand nicht eindeutig zum Ball geht, einen indirekten Freistoß. So wird die angreifende Mannschaft nicht um ihre potenzielle Torchance gebracht, die foulspielende Mannschaft wird aber auch nicht in eine Situation gebracht, die praktisch nicht mehr zu verteidigen ist. Und man kann dann erkennen, welche Trainer ihre Mannschaften auf derartige Situationen gut vorbereitet und sich kreative Lösungen einfallen lässt... und wer den Ball einfach nur blind aufs Tor dreschen lässt, weil ihm so mal eine Meisterschaft entrissen worden ist...

Das wäre eine angemessene, eindeutige und nachvollziehbare Strafe: Sobald die Körperfläche vergrößert wird und der Ball mit der Hand gespielt wird, gibt es einen indirekten Freistoß. Das wird dann auf jedes Handspiel im Strafraum angewendet. Und keiner fragt sich mehr "Ist das jetzt eine zu krasse Strafe?" Oder "War das jetzt ein anderes Handspiel als das vor 3 Wochen, wo es für uns keinen Elfmeter gab?"

Mich stört ja wirklich, dass keiner der bezahlten Experten, sei es bei den Verbänden oder den Fernsehstationen, auf diese Idee kommt. Dass denen anscheinend nicht bewusst ist, dass die Frage "Elfmeter oder nicht?" die entscheidende ist, an der die Emotionen hoch kochen.

Wenn man eine konstruktive Debatte zum Thema Handspiel führen will, sucht man nach Lösungen, die zu nicht so extremen Strafen führen. Die damit aber auch dazu führen, dass wirklich jedes Handspiel gleich bewertet werden kann. Nur, wenn da mal was passiert, wird sich diese Debatte irgendwann mal entspannen.

Aber dafür müsste man sich ja mal mit dem Sport und nicht mit neuen Uhren beschäftigen... Das wird also nicht passieren. So werden wir diesen völlig sinnlosen Diskurs ohne jegliche Fortschritte noch in 20 Jahren führen...

Montag, 18. März 2019

Worst of des "Die Bayern bauen ihren Vorsprung aus" Wochenendes

Man muss schon zugeben: Wie die Bayern in der Bundesliga auftreten, seitdem sie mit der Borussia Punktgleich sind, ist beeindruckend. Schon in Gladbach hatte man das Gefühl, dass die Bayern wirklich das Ziel haben, sich die Tabellenführung schon bei der Gelegenheit zu holen. In den folgenden beiden Spielen wurden aus 2 Toren Rückstand 7 Tore Vorsprung. So konnte man Dortmund überholen, ohne dass die dafür Punkte liegen ließen.

Gerade die Überzeugung mit denen die Bayern auf das nächste Tor gehen, ist beeindruckend. Dies wird vor allem bei den Ergebnissen der 2. Halbzeit deutlich: Bevor man die Gelegenheit hatte Punktgleichheit zur Borussia herzustellen, gewann man den 2. Abschnitt seit der Niederlage gegen Bayer immer schmucklos mit 1:0. Am Ende standen dort dann die Arbeitssiege, die für Niko Kovac halt symbolisch steht.
Seit dem das Torverhältnis allerdings relevant werden könnte, erzielten die Bayern in 3 Spielen 10 Tore nach dem Seitenwechsel. Sie gehen jetzt immer konsequent auf das nächste Tor, bis der Gegner richtig gedemütigt worden ist. Dabei sind sie gnadenlos. Und das wird so lange anhalten, bis sie irgendwann auch mehr Punkte als der BvB haben werden.
Am deutlichsten zeigte sich diese Gier in der Einwechslung von Offensivtalent Alphonso Davies für den Linksverteidiger David Alaba: Beim Stand von 5:0 bringt Kovac nicht nur ein Talent, dass ja jede Gelegenheit nutzen muss um sich zu beweisen... sondern er bringt auch einen Offensivspieler für einen Verteidiger. So was wird normalerweise bei Rückstand als ganz klares Signal für die Spieler bewertet. Kovac bringt solche Signale mittlerweile auch bei deutlichen Führungen.

Aber... da kommt natürlich das große Aber. So faszinierend dieses derzeitige Selbstverständnis in der Bundesliga ist, so wird die Gesamtsaison der Bayern doch an dem einen Spiel hängen, an denen ihnen genau dieses gefehlt hat. Denn das Heimspiel gegen Liverpool stand im krassen Gegensatz zu den Ligaspielen, von denen es umrahmt worden ist: Die Bayern wirkten eher ängstlich. Sie spielten nicht selbstbewusst aufs Tor des Gegners, sie spielten um keines zu fangen. Und dann wollte man mal gucken, was so geht. Oder direkt gesagt: Genau dieses "Mia san Mia" hat komplett gefehlt.

Am deutlichsten kann man den faktischen Qualitätsverlust der Bayern am 4. James Tor gegen Mainz festmachen. Klar, sieht cool aus. Hat man aber als Bayern-Fan schon 98 Mal gesehen... weil ja gefühlt jedes Arjen Robben Tor genau so gefallen ist: Er zieht von rechts nach innen und mit links ab. Der entscheidende Unterschied zwischen James und Robben: Letzterer war auch in der Lage in entscheidenden Champions League Spielen solche Aktionen anzufangen und erfolgreich zu Ende zu bringen. James bringt so was, was es darum geht die Tordifferenz in einem Fernduell auszubauen.

Und da landet man auch bei der eigentlichen philosophischen Frage, die sich die Bayern stellen müssen: Wird James nochmal den Sprung zum absoluten Leistungsträger auf Champions League Niveau vollziehen? Und wenn nicht, lohnt es sich dann den Jungen für verdammt viel Geld zu verpflichten? Denn ich sage das mal so: Leute, die das 5:0 gegen Mainz mit einer überragenden Einzelleistung erzielen, kriegt man auch für weniger Geld.


Und sonst so?
Oj ja: Regelkunde für Fortgeschrittene: Also habt ihr euch auch gedacht: Schön, dass die Regelkommision erst Mal das unwichtige eindeutig klärt, die Handspielregel, die aber ständig diskutiert wird, nicht lösen kann? Und dachtet ihr dann auch: Naja, wie oft wird es schon passieren, dass die Hand bei der Entstehung eines Tores ins Spiel kommt? Und dann stellte die Bundesliga mit dem Spiel VfL Wolfsburg - Fortuna Düsseldorf ein Lehrbuchspiel für genau die geänderte Regel zusammen: Also sowohl das 1:1, als auch das 4:2 waren nach derzeitiger Regelauslegung korrekte Tore... ab Sommer werden sie aber nicht mehr gegeben, weil (beim 1. definitiv, beim 2. nicht ganz so eindeutig) bei der Entstehung eine Hand am Ball war. Und wenn dir das als Angreifer passiert und daraus dann eine Torchance entsteht, muss die Aktion abgepfiffen werden.
Das ist einerseits gut, denn es ist einfach und eindeutig. Es ist andererseits schlecht, weil alle Experten von Kicker bis zur Sportschau von einer vertretbaren Entscheidung sprechen...
Und es hat natürlich wieder niemand den Weitblick sich diese Szene anzugucken und dem gemeinen Fan zu erklären, dass genau hier die Regeländerung im Sommer greift und derartige Situationen dann eindeutig geklärt sind.
Was dann nebenbei zu der Absurdität führt, dass für Angreifer offiziell andere Regeln gelten als für Verteidiger. Also wenn einem Abwehrspieler der Ball so an die Hand springt wie Weghorst beim 1:1, darf er ihn hinterher ungestraft klären, obwohl auch er einen Vorteil aus dem Handspiel hat. Bei einem Angreifer muss es aber zwingend abgepfiffen werden.

Wie immer schlage ich an der Stelle meine persönliche einfach umsetzbare Lösung vor: Gebt einfach auf derartige Handspiele immer einen indirekten Freistoß. Denn das "Problem" ist nicht, dass die Regel zu schwammig ist, das Problem ist, dass die Strafe viel zu hart ist. Aber gut, ich wiederhole mich.

Mittwoch, 18. Juli 2018

2 Grundprobleme hat auch diese WM nicht gelöst

Obwohl sie als Großes und Ganzes echt gut war. Vor allem natürlich, dass sie bewiesen hat, dass nicht der Videoassistent, sondern die Arroganz des DFBs bei der Umsetzung das Problem war... und hinterher denkt man sich: Warum wurde das nicht in der 2. Liga getestet? Und warum hat man sich dabei so dumm angestellt, wobei es doch so einfach gewesen wäre... Wenn man die Regeln vorher ordentlich festgelegt und sich dann dran gehalten hätte...

Das faszinierendste war ja: Das "Es gibt einen unberechtigten Freistoß-Pfiff der zu einem Tor führt, müssen wir den jetzt zurück nehmen" Phänomen ist ja wirklich aufgetreten. Im Finale... wie oft habe ich darauf hingewiesen, dass es Bullshit ist, bei einem Foulspiel in der Torentstehung (wie in der Bundesliga oftmals getan, siehe Pokal-Finale) den Videobeweis anzuwenden, aber bei einer Fehlentscheidung, die zu einem Standard-Tor führt, nicht?
Aber bei der WM war klar geklärt: Nur bei der direkten Torerzielung und nicht bei einem Zweikampf vorher wird eingegriffen. So wurde es bei Diego Costas Tor gegen Portugal durchgezogen. Und so wurde es auch im Finale angewendet. Deswegen wurde über den falschen Freistoßpfiff auch quasi gar nicht diskutiert: Solche Fehlentscheidungen passieren halt mal...

Oh und man eine Lösung für das "eine Falsche Abseitsentscheidung ist schwer zurückzunehmen" Problem gelöst, in dem die Schiedsrichter im Zweifelsfall später die Fahne gehoben haben. Da muss man sich zwar dran gewöhnen, aber der Ansatz ist der einzig mögliche...

Nebenbei hat die WM mit dem Mythos aufgeräumt, dass der Videobeweis die Emotionen auf dem Spielfeld töten würde. Denn seit ganz ehrlich: Ihr wisst alle genau wo ihr am 27.06.2018 um 17:51 gewesen seid und wer neben euch saß... wahrscheinlich genau so gut wie ihr euch daran erinnert, wo ihr am 13.07.2014 um 23:24 gewesen seid. Ok, ich muss ja zugeben, dass es bei mir einfach ist, weil ich an exakt demselben Ort saß... aber Details.
Ganz Deutschland starrte wie gebannt auf eine Leinwand und wartete auf die Entscheidung des Schiedsrichters: Wir der Traum des späten Glückstores weiterleben oder das Ausscheiden endgültig besiegelt? Und da es sich um einen der großen Titelfavoriten hielt, hing man nicht nur in Deutschland zitternd vor den Geräten...
Ich habe mir das Vergnügen gegönnt, nicht so sehr auf die Fernsehbilder zu achten (Dass es ein Tor geben muss, war mir eigentlich in Originalgeschwindigkeit klar), sondern auf die Reaktionen der Zuschauer in der Bar meines Vertrauens. Das Knistern war förmlich greifbar. Das Fluchen hinterher auch nicht leiser als sonst, wenn Deutschland ausscheidet. Die Emotionen waren also voll in Takt, nur ein wenig anders, als man es gewohnt war...


Aber kommen wir zum ersten der 2 Grundprobleme, die auch der Videobeweis nicht lösen kann: Was ist eigentlich ein Handspiel. In Kroatien werden sie in 100 Jahren noch behaupten, dass der Videobeweis beim Elfmeter unangebracht war, weil es keine klare Fehlentscheidung war. In Frankreich werden sie dagegen ein eindeutiges Handspiel gesehen haben, das definitiv geahndet werden muss. Und das lustige daran ist: Beide haben recht.
Das Problem ist halt: Es war definitiv ein Handspiel. Und es kann keiner abschätzen, ob ohne das Handspiel der Verteidiger hinter dem Kroaten überrascht den Ball reinstochert... oder ob er ihn verpasst und der Französische Angreifer das 2:1 macht.
Das Handspiel mit vergrößerter Körperfläche unterbindet auf jeden Fall ein größeres Chaos im Strafraum. Was immer etwas gutes für die Verteidigende Mannschaft ist.
Auf der anderen Seite kommt der Ball aus einer derart kurzen Distanz... Wie soll der Verteidiger da reagieren. Da kann ihm doch keiner Absicht unterstellen...

Das ist halt das grundlegende Dilemma des Fußballs: Man kann, wenn man die Vereinsbrille absetzt, immer wieder die beiden aus der Vereinssicht argumentierenden Teilnehmer verstehen.

Aber das eigentliche Problem ist ja nicht das Handspiel an und für sich. Wenn Ivan Perisic den Ball außerhalb des Strafraums so abblockt, wird über ein Handspiel nicht diskutiert werden. Also mir fällt spontan eine einzige Situation ein, in der dies passierte: in der Relegation Karlsruhe - Hamburg. Aber ich sag das mal so: Das ist Relegation, da hat man als Karlsruhe immer recht, wenn man sich aufregt...
Bei einem sind sich doch sicher alle einig: Ein Elfmeter für ein derart unglückliches Handspiel ist eine extrem harte Strafe. Das würde sogar ein Franzose gegenüber einem Kroaten zugeben. Und genau das ist das ganz große Problem.
Den Lösungsvorschlag werden die paar Hanseln, die diesen Blog seit längerem verfolgen, auch schon kennen. Man kann halt nicht immer das Rad neu erfinden. Aber in dem Fall wäre es extrem einfach, jegliche Diskussion ums Handspiel im Strafraum zumindest zu entspannen: Wenn es eine eindeutige, aktive Bewegung zum Ball gibt (siehe Luiz Suarez 2010 gegen Ghana) gibt es Elfmeter. Das wird niemand wirklich ernsthaft in Frage stellen wollen. Aber wenn die Hand nicht aktiv zum Ball geht, gibt es einfach indirekten Freistoß. Also ungefähr so, als würde der Torhüter einen Rückpass aufnehmen. Oder ein Verteidiger mit dem Fuß auf Kopfhöhe zum Ball gehen, das Gesicht des Gegners allerdings nicht treffen.
Dann kriegt man als Franzose genau das Getümmel vorm Strafraum, welches durchs Handspiel unterbunden wurde. Und als Kroate bekommt man eine faire Chance aus dem Getümmel glücklich hervor zugehen.
Indirekte Freistöße im Strafraum sind sowieso ein viel zu selten genutztes Mittel. Man sollte als Fifa immer Regeln einführen, die derartiges fördern. Weil es einerseits einen absurden Unterhaltungswert hat... endlich mal eine Szene, die sich deutlich vom sonstigen Ballgeschiebe abhebt... Und weil sie andererseits zeigt, welche Trainer seine Mannschaften wirklich gut vorbereitet. Denn die schlechten Trainer werden ihre Mannschaften den Ball blind in die 10 Mann Mauer hämmern lassen und hoffen, dass der durchrutscht... Die guten Trainer werden sich überlegen, wie man aus dieser Situation eine bessere Abschlussgelegenheit für seine Angreifer kreiert. Was zu mehr kreativen Standartsituationen führen sollte... ich sage bewusst sollte, weil es halt so wenige gute Trainer gibt...

Und wenn jetzt einer mit dem "Dann fangen die Stürmer ja an bewusst die Verteidiger anzuschießen" kommt... glaubt ihr, das machen die jetzt nicht? Wie oft wird den pro Spiel ein Verteidiger im Strafraum angeschossen und es gehen sofort die Reklamationen los?

Dadurch, dass die Regeln einheitlich und eindeutig werden, löst man das ganz große Dilemma für den Schiedsrichter: Die ewige Frage "Reicht das für einen Strafstoß"... die nebenbei eigentlich völlig absurd ist. Denn das Regelwerk macht, abgesehen vom Torwart, keinen Unterschied ob etwas im oder außerhalb des Strafraums passiert. Theoretisch muss man jeden Zweikampf, jedes Halten, jede Kleinigkeit, die man im Mittelkreis abpfeift, auch im Strafraum ahnden... das macht aber natürlich keiner...
Zumindest beim Handspiel könnte man es den Schiedsrichtern erleichtern, in dem man ihnen die Möglichkeit gibt das offensichtliche Vergehen (der Sport heißt nicht ohne Grund "Fußball", das Foul steckt an der Stelle buchstäblich im Namen) in einem angemessenen Rahmen zu bestrafen...

Aber das werden wir nicht mehr erleben... Schade eigentlich. Es wäre so einfach...

Donnerstag, 21. September 2017

Die Woche in der der Abstiegskampf entschieden wurde

Klingt übertrieben? Vielleicht...

Aber sagen wir das mal so: Mainz und Freiburg haben gerade ein verdammt großes Problem. Sie spielen in einer allgemein besseren Liga. Die 2 "gefühlt sicheren" Absteiger fehlen dieses Jahr... und Augsburg... nun ja, alles zu seiner Zeit...
Es wird perspektivisch gesehen verdammt wenige Spiele geben, in denen Mainz und Freiburg die bessere Mannschaft auf den Platz bringen. Wesentlich häufiger werden beide realistisch betrachtet mit 0:4 von Bayer(n) abgeschossen. Das ist halt die Realität in dieser "angeblich kann jeder jeden schlagen" Liga: Es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass die Spitzenmannschaften dich abschießen. Das ist ja auch nichts ungewöhnliches. Genau genommen wäre es schlimmer, wenn dieser Mythos wirklich die Regel und nicht die Ausnahme stellen würde. Denn dann wäre die Bundesligisten auf der nächst höheren Ebene... vollkommen irrelevant...

Man sieht das ja gerade relativ gut an den Ergebnissen im europäischen Wettbewerb: Ein Großteil unserer Europacup Teilnehmer ist da eher unabsichtlich reingerutscht... und stellt halt aktuell national keine Spitzenmannschaft dar... und dementsprechend wenige Punkte haben die für die 5 Jahres Wertung gesammelt...
Aber die Mannschaften, die International mithalten können (oder es zumindest sollten), marschieren halt auch durch die Bundesliga.

Der Kampf um den Klassenerhalt dagegen... gestaltet sich ja eher aus dem Punkte-hamstern... man muss irgendwie auf 35-37 kommen... Oder hoffen, dass weniger reicht...

Und im wesentlichen setzen sich diese Punkte aus 3 Kategorien zusammen: Den unberechenbaren Bonuspunkten... weil Dortmunds Offensive sich ausgerechnet gegen deine 10 Mann eine Auszeit nimmt... Oder weil die Bayern gerade von der Meisterfeier kommen... Und ja, es gibt diese Random Ergebnisse, die hinterher keiner wirklich erklären kann... aber darauf basiert halt nicht dein Fundament für den Klassenerhalt.
Dann gibt es diese gnadenlosen Abstiegsduelle... die keiner sehen will, weil sie halt meistens ein absoluter Krampf sind. Die man aber irgendwie gewinnen muss...
Und dann... gibt es diese 3-4 Spiele im Jahr, in denen man so gut drin ist, dass man tatsächlich deutlich besser ist als der Gegner. Meistens sind das die Heimspiele. Und dann bevorzugt gegen die direkte Konkurrenz. Oder aber gegen Mannschaften, die auf Grund der wesentlich höheren Belastung nicht in absoluter Topform antreten... (Oder als Dritte Option: Die gegnerische Mannschaft sucht mehr oder weniger offensichtlich nach einem neuen leitenden Angestellten...) Also wie Hannover und Hoffenheim am Wochenende. Gerade für Mainz und Freiburg wird es dieses Jahr nicht wirklich viele dieser Spiele geben... Das Problem ist halt: Diese Duelle musst du dann dringend gewinnen.
Wenn Freiburg sich am Ende fragt, warum ihnen 2 Punkte fehlen... müssen sie ihre Analyse eigentlich bei diesem Spieltag ansetzen.
Und ja, Hannover ist derzeit die Mannschaft, die das Punkte aus Kategorie 1 und 2 sammeln, ohne genau zu wissen, wie man die ganzen Spiele eigentlich gewonnen hat, perfektioniert. Dennoch ist es für Freiburg ein ganz schlechtes Zeichen, diese Duelle nicht für sich zu entscheiden...

Wer diese absurde Punkte sammeln auch extrem gut drauf hat... ist ja der FC Augsburg... nur hat er sich dann doch wieder im Abstiegskampf angemeldet... also nicht wegen der Leistung... oder wegen den ausbleibenden Punkten... da ist der Hamburger SV auf einem wesentlich besseren Weg... Aber... nun ja... Alfred Finbogasson könnte uns DEN STAT CURSE der gesamten Saison geliefert haben: "Wir wollen dieses Jahr diese Mannschaft sein und hinter der Spitze spielen." Yapp... der Isländer hat es gerade angekündigt: Augsburg will gar nicht dieses Jahr absteigen, sondern nächstes, wenn man die Zusatzbelastung Europa League zu verarbeiten hat... Dieser Satz wird in 6 Monaten entweder wie eine brillante Prophezeiung aussehen... oder wie der Anfang vom Ende...

Ganz weit vorne im Abstiegsrennen ist ja der 1.FC Köln... und die... nun ja, werden halt gerade so richtig von den Schiedsrichtern gefickt. Wie will man es sonst ausdrücken... wie lange ist es jetzt her, dass hier der Satz " Man stelle sich vor, ein Abstiegskrimi, der 1:0 ausgeht, wäre dadurch entschieden worden, dass ein Tor, welches nach dem Pfiff eines Schiedsrichters erzielt wurde, plötzlich zählt..." geschrieben wurde? Oh, ja, Dienstag... Keine 48 Stunden später wird das Spiel 18. gegen 13. durch die Bestätigung einer Fehlentscheidung durch den Videoassistenten entschieden... und wieder zu ungunsten der Kölner... Ganz ehrlich: Um genau solche Elfmeter zu verhindern, wurde der Scheiß doch eingeführt... Und dass der Videoschiedsrichter danach anscheinend jeglichen Mut verloren hat, weiterhin seinen Job zu machen und 2 deutlichere Elfmeter nicht gab...
Ein schöneres "Danke, dass ihr uns die Peinlichkeit eines Einspruches, weil wir selbst nicht genau wissen, wie das Ding eigentlich funktionieren soll, erspart habt" können die Schiedsrichter den Kölnern gar nicht schicken...

By the way: Wenn das so weiter geht, muss und wird dieser Einspruch kommen. Derzeit kann er jedes Wochenende kommen, weil der Videoassistent in Szenen eingreift, die er laut Profil nicht zu bewerten hat... Das Handspiel gegen Schalke zum Beispiel...

Diese Handspiele... belegen halt ein ganz anderes Problem: Solange die Regeln so sind, dass niemand genau weiß, was eigentlich ein Handspiel ist und was nicht... kann keinem geholfen werden... Also selbst die Videoassistenten haben ja keine Ahnung, was eine klare Fehlentscheidung ist und was nicht... Also wenn Sane für Hannover gegen Schalke den Ball mit der Hand spielt, ist das keine klare Fehlentscheidung, sondern Eckball... wenn Naldo gegen Bayern exakt dasselbe Handspiel begeht, ist es eine klare Fehlentscheidung und der Schiedsrichter wird überstimmt...

Also ich kann ja nachvollziehen, dass man als Schiedsrichter in Echtzeit zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt. Aber der Videoassistent sollte doch wissen, dass das keine klare Fehlentscheidung ist, sondern dass man da sowohl als auch gegeben kann...

Die Lösung für dieses Problem ist halt nicht der Videoschiedsrichter. Und das hätte man auch wissen können... die Lösung ist seit Jahren eine einfache und nachvollziehbare Regel: "Ein Handspiel im Strafraum ist mit indirekten Freistoß zu ahnden, es sei denn, es handelt sich um eine aktive Bewegung des Arms zum Ball oder um das direkte verhindern eines Tores."
Da. Das hat keine 2 Minuten gedauert um eine Regel zu formulieren, mit der jeder Fußballprofi und Schiedsichter besser leben könnte.
Und ja, denselben Vorschlag habe ich hier bereits vor 4 Jahren gebracht. Und wenn man das vor 4 Jahren eingeführt hätte... bräuchte man jetzt das Problem Videoschiedsrichter nicht, weil man die Situation, über die am häufigsten diskutiert wird (und das seit Jahren) auch ohne Hilfestellung dann souverän gelöst bekommt. Es könnte so einfach sein...

Dienstag, 4. April 2017

Alle Fußball Vereine sind gleich, nur manche sind Bayern

Und ja, das liegt auch daran, dass nur die Bayern eine eigene Regionalliga haben... aber darum soll es dieses Mal gar nicht gehen...

Es geht viel mehr um einen eigentlich kleinen Vorfall, den Steffen Simon bei seiner Tätigkeit als Kommentator auslöste... und der halt wieder mal deutlich machte, dass es den FC Bayern und danach den dreckigen Rest gibt... selbst wenn der technisch gesehen auch aus Bayern kommt...

Was war geschehen... also eigentlich nichts ungewöhnliches. Steffen Simon hat in der 39. Minute einen Handelfmeter für die Bayern gesehen... Und wie wir alle seit diesem Wochenende wieder wissen, sind Handelfmeter ja die am einfachsten und eindeutigsten zu bewertenden Szenen im Fußball. Ohne jeglichen Spielraum.

Und an der Stelle muss ich Steffen Simon sogar Recht geben: Da der allgemeine Konsens nach dem Spiel "Elfmeter für Bayern war", war sein "Das wäre jetzt ein schönes Beispiel für den Videobeweis" gar nicht so verkehrt. Und wenn den Bayern, die ja jede Chance dringend brauchen um eine Chance im Spiel zu haben, so einen Elfmeter verwehrt bekommen, kann man durchaus darauf hinweisen, dass das Spiel gerechter zugehen könnte...

Und dass man uns als Konsumenten darauf hinweist, dass da demnächst (für die Leute im hintersten Sachsen, die wie immer nichts mitbekommen und immer noch AfD wählen... aber nur weil die SED nicht mehr antritt...) was neues auf uns zu kommt...

Aber... da muss man dann doch auch Konsequent sein. Also klar, die Bayern kriegen ihren Handelfmeter nicht. Robert Lewandowski erzielt aber auch ein Tor aus hauchdünner Abseitsposition. Wenn so was vorkommt... dann ist das kein Fall für den Videobeweis... sondern ein Schönheitsfehler... Weil... es sind ja die Bayern...
Dabei... war das Abseits das viel deutlichere Beispiel. Da gibt es eben keinerlei Spielraum... und genau deswegen brauchen wir den Videobeweis doch beinah hauptsächlich... Und ja, es gibt fast jedes Wochenende mehr Abseitstore als Handelfmeter... Ok, nicht jedes, dieses Wochenende ist mit 3 Handelfmeter Situationen eine Ausnahme... aber deswegen reden wir ja auch darüber und halten uns nicht lange damit auf, wie knapp aber richtig die Abseitsentscheidung auf Schalke vor dem 0:1 war...

Lustiger Weise... beweisen diese Szenen am Ende nur, dass Handspiele im Strafraum eben keine Werbung für den Videobeweis sind... Denn... gehen wir die Beispiele mal durch:

Maximilian Mittelstädt verursacht in der 39. Minute einen Handelfmeter und kriegt dafür Gelb. Allgemeines Urteil: Elfmeter ja, Gelb (was dann später zu Gelb-Rot führte) zu hart, denn der Berliner hat ja keine wirklich Chance das Handspiel zu verhindern.

2. Beispiel: Christoph Janker verursacht einen klaren Handelfmeter. Den muss man nach allgemeiner Wahrnehmung wohl auf jeden Fall geben.

3. Beispiel: Marc Batra springt der Ball vom eigenen Oberschenkel an die Hand... und Manager Christian Heidel hat "keinen einzigen getroffen, der sagt, dass man den nicht pfeifen muss"... was hauptsächlich daran liegt, dass Heidel aufgehört hat zuzuhören, sobald jemand "Ja" gesagt hat... also das "kann man geben, muss man aber nicht" hat er schon nicht mehr gehört, da war er schon beim nächsten...
Und ja, der Schiedsrichter Felix Zwayer sagte hinterher persönlich, dass man selbst nach dem Videostudium Argumente gegen einen Elfmeterpfiff finden kann. Auch wenn er diese Aussage natürlich exklusiv getroffen hat (Btw: Früher konnte man auf Sportschau.de die Stimmen zum Spiel nebenbei auf Sportschau.de gefunden... und ja, auch Höwedes war sich nach dem Spiel nicht mehr so sicher wie in dem Moment des Geschehens... aber hey...), beweist es doch das eigentliche Grundproblem, dass Thomas Tuchel nach dem Spiel angesprochen hat: Es weiß einfach niemand, wann es Elfmeter geben muss und wann nicht. Nicht mal die Schiedsrichter.

Deswegen lohnt es sich auch nicht an diesen Stellen über den Videobeweis zu diskutieren... Denn es ist durchaus möglich, dass alle Entscheidungen trotzdem genau so ausgegangen wären... Was man an der Stelle dringender brauch als einen Videobeweis, sind eindeutige Regeln.

Ich sage an der Stelle, was ich an der Stelle immer sage: Gebt einfach auf die unabsichtlichen Handspiele einen Indirekten Freistoss. Gerade die Batra-Höwedes Aktion ist doch ein absolut perfektes Beispiel dafür: Für diese Aktion Elfmeter zu geben, wäre viel zu hart. Es ist ja nicht so, dass 5 einschussbereite Schalker gut verteilt im Strafraum standen. Und für eine derart unglückliche Aktion eine 100%ige Torchance zu verschenken?
Dass man das irgendwie abpfeifen muss sehe ich natürlich trotzdem ein. Schließlich löst Batras irreguläres Spielen des Balles einen nicht aufzulösenden Konjunktiv aus... Also... gibt man Schalke an genau der Stelle des Handspiels einen indirekten Freistoß. Das wäre, sobald man da ein paar Varianten eingeübt hat, was man dann dringend tun sollte, immer noch eine große Chance. Gleichzeitig haben aber 11 Dortmunder noch die Chance diese Aktion zu verteidigen.

Und schon sind alle Diskussionen ohne Videobeweis gelöst: Jeder Fußballer weiß, dass es einen indirekten Freistoß in unmittelbarer Tornähe verursacht, wenn er den Ball irgendwie mit der Hand spielt. Und wenn er mit einer aktiven Handbewegung Luiz Suarez Style eine 100%ige Torchance verhindert, gibt es immer noch Elfmeter und Rot. Darüber muss man an der Stelle ja gar nicht diskutieren.
Gleichzeitig weiß jeder Angreifer: Wenn dem Verteidiger der Ball an die Hand springt, bekomme ich garantiert den indirekten Freistoß. Ohne große Debatten.
Und den Schiedsrichter wird die schwierigste Entscheidung abgenommen: Muss ich jetzt wirklich auf Grund dieser absolut unglücklichen Aktion des Verteidigers das Spiel entscheiden?

Alle sind glücklich. Also selbst die Angreifende Mannschaft wäre ja glücklich, wenn es endlich eine eindeutige und verständliche Regelung geben würde, auf die man sich verlassen kann. Denn das Grundproblem ist ja, dass die Reaktion auf jedes Handspiel eine andere ist.

Und ja, da die Regel so beschissen ist, wie sie ist, wird der Videobeweis nur für noch mehr Diskussionen sorgen. Denn es wird immer noch den Moment geben, in dem der Schiedsrichter auf Elfmeter entscheidet und der Videoschiedsrichter ihm sagt "Kannst du so machen, musst du aber nicht..." Nach der Ansage fühlt man sich doch richtig gut...

Was wir an der Stelle brauchen sind einfache, verständliche und verlässliche Regeln. Viel dringender als den Videobeweis. Denn den Videobeweis kann man hauptsächlich bei eindeutigen Regelverstößen verwenden... wie halt der Frage, ob Robert Lewandowski vor dem 4:0 im Abseits stand. Das kann man natürlich mit dem bloßen Auge nicht erkennen, aber mit dem Videobeweis sofort eindeutig auflösen.

Dienstag, 27. August 2013

Die Sache mit dem Handspiel und den Elfmetern...

Schließlich redet gerade jeder drüber... oder um Marc-Andre ter Stegen zu zitieren: "Irgendwann kommen wir dahin, dass der Gegner einen versucht aus einem Meter an die Hand zu schießen!" Irgendwann? Wie naiv. In jedem Bundesligaspiel wird mindestens ein Handelfmeter gefordert. Meistens weil jemand aus kürzester Distanz angeschossen wird. Und die Forderungen sind teilweise so absurd, dass die Szenen es nicht mal ins Sportstudio schaffen. Wir sind schon längst an dem Punkt angekommen, wo jeder versucht die Hände des Gegners anzuschießen. Ist ja auch nicht verkehrt, wenn man Regeln, die beschissen sind, ausnutzt... wird beim Passiven Abseits genau so gemacht...

Wirklich krass finde ich es nebenbei, dass DER Schiedsrichter Dr. Felix Brych wegen dieser einen Szene vom Kicker sofort die Note 5 bekommt... wegen einer beschissenen, aber vorgegeben Regel... und um mal was ganz neues zu sagen: Abzupfeifen war de facto zumindest nicht verkehrt.

Aber bevor wir weiter im Trüben fischen, kann man sich das ganze ja nochmal angucken...

Alle Gegenargumente lassen sich einfach entkräften. Das fängt damit an, dass manche behaupten, Juan Arango muss seine Hand da oben haben, wenn er hochspringt...Aber Ömer Toprak springt noch ein ganzes Ende höher ohne mit den Händen in der Luft zu wedeln... das geht also. Und Arango vergrößert ganz klar seine Körperfläche.

Noch viel schlimmer: es ist davon auszugehen, dass Arango eine einstudierte Eckenvariante mit seinem Handspiel unterbricht. Die Ecke kommt auf den 2. Pfosten von wo aus Toprak den Ball wieder in Richtung 5er köpfen will.  Das ist schließlich nicht Schalke oder Hamburg, wo es absurd wäre der Mannschaft bei so einer Ecke Absicht zu unterstellen... Mit seinem Handspiel unterbindet Arango also eine Torchance. Kein Glasklare, deswegen wäre es unangebracht nach Rot zu schreien, aber immer noch eine Torchance. Und zu behaupten, ein Schiedsrichter entwerte seine "starke Leistung" mit diesem einen Pfiff ist einfach unsachlich... vor allem, wenn die Vorgaben nach denen er pfeift noch nicht mal von ihm kommt.

Ist es trotzdem zu hart, für solche Aktionen Elfmeter zu geben? Bestimmt. Aber irgendwie unterbinden muss man das ja trotzdem. Und der Fakt, dass ein Elfmeter eine viel zu harte Strafe wäre, führt ja auch dazu, dass Schiedsrichter ähnliche Szenen unerschiedlich bewerten. Deren Gedanke ist wahrscheinlich meistens: Dass ist jetzt eigentlich Elfmeter... aber dafür kannst du doch keinen Elfer geben...

Die Lösung für dieses Problem wäre denkbar einfach: Man behandelt ein Unabsichtliches Handspiel, mit vergrößerter Körperfläche und allem drum und dran, einfach wie gefährliches Spiel. Also nicht das gefährliche Spiel von Szabolc Huszti am Wochenende... Das, bei dem man den Gegner nicht im Gesicht trifft. Oder wie einen Rückpass, der mit der Hand aufgenommen wird... Was gibt es darauf? Genau: Indirekten Freistoß.
 Wenn man allerdings seinen inneren Suarez freien Lauf lässt (was man nie machen sollte) und mit einem  absichtlichen Handspiel ein klares Tor verhindert, gibt es weiterhin Elfmeter (und Rot).

Die angreifende Mannschaft kriegt seine Halbchance wieder, der die Regeln übertretende Spieler wird angemessen bestraft und den Schiedsrichtern wird verdammt viel Druck abgenommen... Würde das zu verdammt vielen indirekten Freistößen im Strafraum führen? Garantiert. Aber wann hat so eine Aktion das letzte Mal eine Meisterschaft entschieden? Und vielleicht würde das dazu führen, dass sich Fußballmannschaften bessere Varianten für solche Standarts einübt... als den Ball einfach nur mit voller Wucht in die Mauer zu hauen...

Fakt ist: die derzeitig Regelauslegung geht mal gar nicht. Und wenn die so weiter geht, werden wir an jedem Spieltag mindestens einen Handelfmeter sehen. Und die Ewigen Debatten werden auch nicht verstummen... dass kann nicht im Sinne des Spiels sein.