Montag, 25. November 2019

Worst of des ultimativen "Dead Coach Bounce" Wochenendes

Wenn das nicht das perfekte Konzept für eine Comeback ist.

Und klar, Hansi Flicks "Dead Coach Bounce" setzte bereits letzte Woche ein. Aber er dürfte auch am heftigsten ausfallen. Also ernsthaft: Gibt es irgendwelche Anzeichen, dass Hansi Flick ein guter Coach ist?

Mich erinnert das alles an, um ein ganz großes Bild zu erschaffen, den Friedensnobelpreis für Barrack Obama. Der hat den bekommen, weil er... ähm... ja... also... offiziell für seine „außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken“. Praktisch bekam er ihn, weil er auf George W. Bush folgte. Und ohne in der Außenpolitik irgendwas anders zu machen, wirkte er wie ein Held.
(Btw: Ist der Nobelpreis 2025 eigentlich schon für den auf Donald Trump folgenden Präsidenten reserviert?)
Genau so ist es jetzt bei Hansi Flick. Zuletzt war der im Jahr 2005 bei der TSG 1899 Hoffenheim als Cheftrainer angestellt. Das war in der Regionalliga. Danach machte Jogi Löw ihn zum Co-Trainer seiner Nationalmannschaft. Darauf folgten 5 Jahre als Sportdirektor... also Jogis treuer und ergebener Mitarbeiter wurde zu seinem Vorgesetzten. Das hat auch überraschend gut funktioniert. Also mit einer relativ enttäuschenden EM und einer katastrophalen WM. Vielleicht hätte man doch Matthias Sammer mehr Kompetenzen geben sollen.

Jedenfalls wurde Flick dann im Sommer Co-Trainer bei den Bayern. Also quasi das Sicherheitsnetz, falls das mit Niko Kovac nicht gut gehen sollte. Und weil das nicht gut ging, ist er jetzt Cheftrainer.
Nur um das mal festzuhalten. Das einzige Pflichtspiel oberhalb der Regionalliga, in der Hansi Flick jemals als Cheftrainer die Verantwortung trug, war das Viertelfinale bei der EM 2008 gegen Portugal. Aber hey, damit ist er praktisch als Cheftrainer seit 2005 ungeschlagen.
Und der Erfolg gibt ihm ja Recht. Er ist schließlich bei 8:0 Toren und 3 Siegen. Und er hat Thomas Müller reanimiert.
Aber es ist ja nicht so, dass er irgendwelche revolutionären Ansätze hätte. Also wenn er jetzt der erste wäre, der Joshua Kimmich auf die 6 setzt und er dadurch die Lösung für die Defensiven Probleme gefunden hätte. Die Problemlösung lautet eher: Jetzt werfen sich halt alle in die Torschüsse des Gegners. Verteidigen gemeinsam. Und haben dann zusammen mehr Spaß.
Anders ausgedrückt: Das einzig neue, was Hansi Flick gebracht hat, ist der Fakt, dass er nicht Niko Kovac ist. Die Mannschaft hatte mit dem alten Trainer abgeschlossen und brauchte dringend einen neuen Besen. Wer dieser Besen ist, ist fast egal.
Das ist nebenbei kein Vorwurf an die Bayern-Mannschaft. Als Trainer ist es deine Aufgabe, deinen Kader auf Linie zu halten, wenn man daran scheitert, ist das nicht wirklich die Schuld der Mannschaft, sondern deiner eigenen Führung.

Aber das wirklich faszinierende ist ja, dass jetzt alle so tun, als wäre Hansi Flick ein Genie. Als müssten die Bayern ihn jetzt unbedingt einen Vertrag bis 2025 anbieten. Und "Experten" wie Olaf Thon tun so, als würde dies nur nicht passieren, weil der Name "Hansi Flick" zu klein für einen Weltverein, der sich an Pep Guardiola oder Carlo Ancelotti gewöhnt hat. Vor allem wo dieser Trainer mit diesem komischen Namen von diesem irrelevanten Londoner Verein plötzlich verfügbar ist.

Für Hansi Flick ist das wunderbar. Ohne selber wirkliche Kompetenz als Trainer nachzuweisen, ist sein Marktwert auf ein Mal extrem gestiegen. Er kann sich jetzt im Winter aussuchen, ob er zurück ins 2. Glied rutscht, oder ob er diesen gestiegenen Marktwert nutzt um den dann eventuell frei werdenden Trainerposten bei Borussia Dortmund zu übernehmen.

Das wäre nebenbei ein übelster Uli Hoeneß Move. Also von dem Jungen Hoeneß, der als Manager ein verdammtes Genie war: Wir verkaufen unseren inkompetenten Trainer, der nur vom Dead Coach Bounce profitiert, an die direkte Konkurrenz, damit die dann auch rauskriegen, dass der eigentlich gar nicht so gut ist...

Für Flick ist das, wenn er die Hinrunde ungeschlagen zu Ende bringt, die Perfekte Position. Er wird dann auf ein Mal Angebote bekommen, für die ihm eigentlich jegliche Vorqualifikation fehlt, weil er ja mal erfolgreicher Bayern-Trainer war. Oder er bleibt bei seinem sicheren Job in München und wiederholt das ganze Spiel, wenn die Mannschaft den nächsten Trainer ausblendet.

Achim Beierlorzer und der andere effektive "Dead Coach Bounce": Ernsthaft, so wie die Mainzer dieses Wochenende abgingen, bin ich ein wenig überrascht, dass nicht alle anderen Verlierer des Wochenendes auch ihre Trainer entlassen. Gerade wenn man bedenkt, wie die ihren Gegner in Unterzahl auseinander genommen haben. Da ist es plötzlich auch völlig egal, auf welchem Tabellenplatz man selber steht. Auch als Tabellenführer kann man einen derartigen Effekt durchaus gebrauchen. Natürlich sollte der Dead Coach Bounce, wenn man Meister werden will, länger als für ein Spiel anhalten. Aber gerade jetzt sieht es wie eine vernünftige Taktik aus... Also abgesehen von dem einen Gegenbeispiel

Markus Gisdol und der 1.FC Köln: Horst Heldt wird sich genau jetzt ärgern, dass Achim Beierlorzer schon einen neuen Job gefunden hat. Und das auch noch bei einem direkten Konkurrenten. Das könnte sich als schlechtester "Transfer" der Bundesligageschichte herausstellen. Denn im Gegensatz zu den anderen Probanden stellen die Kölner jetzt fest, dass es gar nicht am Trainer lag. Man erlebt quasi einen "Reverse Dead Coach Bounce": Vorher war man mit einem Kandidaten fürs Internationale Geschäft noch auf Augenhöhe und verlor wegen Kleinigkeiten oder dem fehlenden Matchglück. Und weil der VAR natürlich wie immer gegen die Kölner war. Sachlich gesehen war dieses Spiel aber ein Schritt in die richtige Richtung, aber trotzdem wurde der Trainer entlassen.  Trainer wegen dem fehlenden Matchglück zu entlassen, ist halt genau so dumm, wie sie zu behalten, weil man extrem glücklich gewonnen hat, obwohl der Gegner deutlich überlegen war.
Vor allem, wenn man sich anguckt, was für eine Bruchlandung man unter Gisdol hinlegte.

Gerade Spieler wie Jonas Hector oder Anthony Modeste belegen doch, dass das Problem der Kölner nie der Trainer war. Hector ist ein Deutscher Nationalspieler. Der hat unter der Woche die EM-Qualifikation gesichert. Mit einer starken Leistung gegen Nordirland, wie ich gelesen habe. Als würde irgendjemand diese Quali freiwillig gucken. Und sobald er wieder in seiner Vereinskluft unterwegs ist, geht er beim Untergehen vorne weg.
Auch ein Anthony Modeste hat schon nachgewiesen, dass er einen brauchbaren Bundesligastürmer mimen kann. Nur ist das in dem derzeitigen Kölner Umfeld anscheinend nicht mehr möglich.
Ich fand es sowieso faszinierend, wie die Kölner zu Saisonbeginn ihren Kader klein reden wollten. Wie viele Aufsteiger fallen euch ein, die 2 deutsche WM Teilnehmer in ihren Reihen haben? Dazu noch den einen oder anderen mehr als brauchbaren Bundesligaspieler. Also verglichen mit Düsseldorf, Mainz, Augsburg oder Union hat man mehr als genug Qualität im Kader. Man spielt trotzdem eher auf Augenhöhe mit Paderborn.
Ich bin ja hauptsächlich enttäuscht, dass die Kölner nicht Sandro Schwarz als Problemlösung verpflichtet haben. Zumindest noch nicht, wenn das so weiter geht... dann könnte man endlich mal wirklich nachvollziehen, wie sehr es bei den jeweiligen Vereinen am Trainer liegt. Das wäre doch das ultimative Humanexperiment... und wer wenn nicht die Kölner ist für so was Bescheuertes geeignet?
Am Ende sollten sich alle anderen Trainer bei den Kölnern bedanken, schließlich bewiesen die, dass ein Trainerwechsel nicht alle Probleme löst. Besonders gilt dies natürlich für die als nächstes anstehenden Dead Coach Bounces:

1. Lucien Favre und Borussia Dortmund. Es ist immer gut, wenn man nur nicht entlassen wird, weil das nach einer "Panikreaktion" aussehen würde. Bessere Voraussetzungen zum Weiterarbeiten kann es doch gar nicht geben. Vor allem, wenn als nächstes der FC Barcelona auf dem Spielplan steht. Also das praktische Gegenteil des SC Paderborns.
Und Paderborn hat halt genau genommen auch nur nachgewiesen, dass sie wirklich nicht bundesligatauglich sind. Denn als Bundesligist musst du eine 3:0 Halbzeitführung nach Hause fahren. Gerade wenn sich dein Gegner derart desinteressiert präsentiert, wie Dortmund in Hälfte Eins.
Nebenbei die 2. grausame Hälfte in Folge.
Wenn Dortmund nicht gegen das mit Abstand schwächste Team der Bundesliga gespielt hätte... Nun bekommen die Paderborner (nicht zum ersten Mal) den Beweis, dass sie selbst dann nicht gewinnen können, wenn der Gegner eine Halbzeit lang nicht am Spiel teilnimmt. Was keine guten Voraussetzungen sind um das "Was fehlt, sind mehr Tore als der Gegner" Problem zu lösen.
Und klar kann ich es verstehen, dass sich die Paderborner jetzt selber einreden wollen, dass es auch an ihnen lag, dass die Dortmunder in Halbzeit eins so schwach aussahen. Aber realistisch gesehen wären die chancenlos gewesen, wenn die Dortmunder einen Trainer hätten, der die vorhandenen Probleme im Kader lösen kann.
Nur um das Problem Favre mal an einer praktischen Zahl festzumachen: 3. In einem Heimspiel gegen den Tabellenletzten setzt Lucien Favre auf 3 ausgewiesene Offensivexperten (Sancho, Reus und Paco Alcacer). Da klingt es nicht mal nach einer Überreaktion, wenn ich sage: Als Achim Watzke hätte man den Trainer entlassen müssen, sobald man diese Aufstellung gesehen hat.
Und natürlich hat Favre Guerreiro als Offensivspieler eingesetzt. Wichtig ist hierbei aber, dass es sich nicht um Paolo, den ehemaligen Hamburger, sondern um Raphael, der als Linksverteidiger verpflichtet worden ist, handelt.
Und natürlich absolviert Guerreiro unter Favre relativ viele Spiele in einer offensiven Rolle. Das verdeutlicht doch aber nur das Grundproblem: Er setzt dort prinzipiell lieber auf Spieler, die nach der Sicherheitsvariante riechen, anstatt seine offensiven Talente wirklich von der Leine zu lassen.
Dass man sich dann noch mit 3 echten Offensivspielern auskontern lässt, verdeutlicht nur, wie tief die Dortmunder Probleme eigentlich liegen.

2.) Ante Covic und Hertha BSC Berlin. Kurz Kicker.de öffnen, um sicher zustellen, dass der nicht doch schon entlassen ist. Sieht noch gut aus. Die Hertha stellt jetzt gerade fest, dass Pal Dardai doch ein guter Trainer ist. Also zumindest kein schlechter. Und die Hertha steht genau jetzt vor dem Szenario, welches hier in der pessimistischen Saisonvorschau beschrieben worden ist: Wie reagiert die Hertha, wenn sie plötzlich hinter Union Berlin steht?
Dabei waren die spielerischen Fortschritte, wegen denen man von Pal Dardai weg wollte, ja zumindest in Ansätzen zu sehen. Nur schaffte man dies nur auf Kosten von elementarer Eigenschaften, ohne die die Hertha halt nur bedingt bundesligatauglich ist.
Ich finde es nebenbei niedlich, wie die Hertha-Spieler in Form von Niklas Stark es vermeiden vom "Abstiegskampf" zu reden. Ähm... ihr steht gerade hinter Union, wenn dies passiert,steckt man garantiert im Abstiegskampf. Und ihr habt gegen einen der designierten Abstiegskandidaten gerade mit 4:0 verloren, was ebenfalls kein gutes Zeichen sein kann. Aber hey, redet es such nur ein, das wird bestimmt gut gehen.
Genau so wie bei den Bremern, die ja auch zu viel Qualität für den Abstiegskampf haben.

Dienstag, 5. November 2019

Ihr habt ja bekommen, was ihr gewollt habt.

Überrascht das irgendjemanden?

Also ja, vor dem angeblichen Berliner Derby haben alle dieses Spiel künstlich gepusht. Zum gefühlt wichtigsten Spiel der Berliner Fußballgeschichte... Und die Ultras beider Mannschaften haben sich das natürlich zu Herzen genommen.

Und so redet man jetzt nur noch darüber, wie sehr sich die Fans daneben benommen haben. Dass die Spieler von Union Berlin Angst um ihre eigenen Familien haben mussten. Es wurde quasi ein großer Demonstrationsfilm gedreht, warum Pyrotechnik verboten bleiben sollte. Und ja, wenn man Angst um seine Familie haben muss, ist das der einzig logische Schluss.

Das einzige Bild, dass von diesem "Derby" hängen bleibt, ist wie Rafael Gikiewicz einen Platzsturm verhindert, obwohl ihm seine eigenen Fans an den Hals gehen.

Da frage ich mich schon: Wie viel hatte das "Wir gucken da jetzt alle hin", welches vorher verbreitet worden ist, dazu mit beigetragen. Also Ultras, als Hansa-Fan hat man da einen gewisse geschichtliche Prägung, suchen sich ja bewusst die Momente aus, wo die Aufmerksamkeit am höchsten ist. Da würde niemand auf die Idee kommen, beim Gastspiel bei Bayern II Pyros abzubrennen. Aber im Pokal gegen Berlin brennt der eigene Fanblock. Je größer die Bühne, um so heftiger die Provokation.

Und "wir" haben halt vorher sicher gestellt, dass dies die größtmögliche Bühne sein wird, die Berliner Ultras in den nächsten 10 Jahren kriegen werden. Natürlich nutzen diese Ultras die dann aus.

Mich selber fasziniert ja, wie naiv ich selber war. Also vor der Saison dachte ich mir noch: Das Spiel sollte doch eigentlich so unproblematisch sein, dass man es als DFL als "30 Jahre Wiedervereinigung" auf den Tag der Deutschen Einheit oder den Tag des Mauerfalls hätte legen können. Aber jetzt muss ich zugeben, dass die Polizei beides (also Feiertagsaktionen und Bundesliga-Pseudo-Derby) kaum gleichzeitig in den Griff bekommen hätte. Das ist schließlich die Partybrigade der Bundespolizei...

Mich ärgert das halt, weil es so unnötig ist. Also Provokationen bei Fanlagern mit Jahrelanger Abneigung kann ich ja noch nachvollziehen. Das ist halt der gute alte Party-Patriotismus: Man liebt den eigenen Haufen, weil er der eigene ist, und hasst den anderen Haufen, weil er der andere ist. Aber auch nur, wenn man wirkliche Berührungspunkte mit dem anderen Haufen hatte. Wenn der einem im weitesten Sinne mal was angetan hat. Wenn man jetzt schon eskaliert, weil der andere Haufen relativ dicht am eigenen liegt, einem aber eigentlich nicht betrifft.

Und da muss mir auch niemand mit "Stimmung" und "das gehört dazu" kommen. Vermummt den Platz zu stürmen hat nichts mit "Stimmung" zu tun. Mit Feuerwerkskörpern in Menschenmassen zu schießen auch nicht. Aber hey, ab sofort ist Herha - Union natürlich ein richtiges Derby. Wenn auch aus den Falsche Gründen: Nicht wegen der sportlichen Rivalität als Grundlage, sondern weil es bisher nach jedem Bundesligaspiel der beiden zu Ausschreitungen kam.

Montag, 4. November 2019

Das hat ja länger gedauert, als erwartet.

Also für den Kicker sogar zu lange, in deren Druckausgabe ist Niko Kovac noch Trainer. Immerhin wissen wir jetzt ziemlich genau, wann die ihren Abgabetermin haben... vor halb 10. Aber darum geht es ja gar nicht.

Die Frage ist schon, warum die Bayern so lange gebraucht haben, um mal auf den Spielplan zu sehen. Wahrscheinlich lief die Analyse so ab: Kovac so: "Ich werde das und das ändern, so und so umstellen, Thiago von der 6 nehmen."
Rummenigge so: "Ok, das sieht vernünftig aus, das können wir so versuchen."
Dann hat der Hoeneß hinterher mal mit dem Kalle geredet und wollte wissen, wie der Stand der Dinge ist und ob er mal beim Heynckes anrufen sollte. Und Kalle so: "Na, ich hab mit Kovac geredet, der kriegt das hin."
Und dann der Hoeneß so: "Hast du mal auf den Spielplan geguckt. Weißt du, wer nächste Woche kommt?"
Kalle so: "Ok, ruf mal den Jupp an, ich rede noch mal kurz mit Kovac..."

Ernsthaft, als ich nach dem 1:5 das erste mal gehört habe, dass nächste Woche Borussia Dortmund in München antritt... dachte ich mir: Auf keinen Fall werden die Bayern mit Kovac in dieses Spiel gehen, denn in der derzeitigen Verfassung sind sie dann auf ein Mal der Außenseiter. Wenn überhaupt...

Denn es ist ja auch nicht so, dass dieses Spiel ein Ausrutscher war. Das wirkliche Problem sind Manuel Neuers "Es war kein Wunder, sondern hat sich angebahnt" Aussage. Im derzeitigen Zustand, und die Tendenz unter Kovac ist ja seit Wochen fallend, stehen die Bayern gegen einen mittelmäßigen Zweitligisten am Rande einer Niederlage (wtf, Bochum ist Vorletzter... also nicht mal Mittelmäßig...)...
Und sind gegen halbwegs ambitionierte Bundesligisten chancenlos. Trotz Neuer und Robert Lewandowski, die viele Schwächen durch individuelle Klasse überdecken. Unter diesen Voraussetzungen wäre es schon naiv gewesen in ein Normales Bundesligaduell zu gehen und dann zu hoffen, dass sich das schon wieder einpegelt. Aber gegen den individuell stärksten Konkurrenten? In den Superclassico der Bundesliga? Warum verwenden wir eigentlich nicht einen Deutschen Begriff wie "Gipfeltreffen" sondern kopieren den Begriff aus Spanien? Anderes Thema.

Dass die Bayern-Bosse nicht so blauäugig sind, war eigentlich abzusehen. Warum sie trotzdem bis Sonntag halb 10 gewartet haben... nun gut, die werden halt alt...

Freitag, 1. November 2019

Passives Abseits vs Tradition Teil 3: Die große Vorschau auf das Derby, das keines ist.

Ernsthaft, mich nervt dieses Derby-Narrativ beim Spiel Union - Hertha so dermaßen. Das ist so was von konstruiert.
Und natürlich darf man schon erwähnen, dass es das erste Spiel zweier Berliner Mannschaften in der Bundesliga seit 1977 ist. Und man darf das als Auszeichnung für die Arbeit der Unioner in den letzten Jahren sehen. Und nebenbei auch nicht verheimlichen, dass sich bei der Hertha so viel getan hat, das zumindest Zweitligaduelle derzeit ausgeschlossen sind. Aber deswegen ist es doch kein Derby. Ein Derby macht doch mehr aus als örtliche Nähe.

Und dann kommt noch dieses "Ist Berlin eigentlich groß genug für 2 Bundesligisten?" Was für ein Bullshit. Berlin hat 3,7 Millionen Einwohner. Dortmund und Gelsenkirchen kommen zusammen auf 700.000. Selbst wenn man Essen, Oberhausen und Bochum noch dazurechnet, kommt man nicht auf 3,7 Millionen. Dazu kommt, dass Berlin ja auch ziemlich isoliert ist. Also mitten in Brandenburg liegt. Da kommt halt erst mal ganz lange nichts mehr und dann irgendwann die Ostsee. Dass ein derartig großes Einzugsgebiet bisher nur von einem einzigen Bundesligisten abgedeckt wurde, ist eigentlich absurd. Auch eine dritte Profimannschaft wäre überhaupt kein Problem.
Allein deswegen ist die Konkurrenzsituation, auch rein wirtschaftlich, komplett an den Haaren herbeigezogen. Aber lasst mal so tun, als wäre das relevant.

Aber ein Derby entsteht doch nicht nur durch örtliche Nähe, sondern durch Reibung. Durch regelmäßige Duelle, bei denen es auch wirklich um was geht. Es geht um schmerzhafte Niederlagen und grandiose Triumphe. Also, um es an einem praktischen Beispiel zu erklären, Bayern - Dortmund ist mehr Derby als Bochum - Dortmund. Denn jeder Dortmund Fan denkt sofort an die Schmerzhafte Niederlage in Wembley, die Bayern denken an das 5:2 im DFB Pokal. Als Dortmund Fan denkt man an all die Verräter, die übergelaufen sind. Und wenn Matts Hummels Dortmund zu einem Titel führen sollte, werden die Bayern das plötzlich auch denken.
Das sind Emotionen, die sogar bei neutralen Zuschauern sofort hochkommen, wenn man an dieses Duell denkt. Dagegen dürfte niemand mehr wissen, wie das letzte Duell Bochum - Dortmund ausgegangen ist.

Und das Dortmund - Schalke das Überderby im Deutschen Fußball ist, liegt halt nur zum Teil an der räumlichen Nähe. Klar, das spielt mit rein, aber wesentlich relevanter ist doch, dass beide Mannschaften in diesem Jahrtausend bereits eine Meisterschaft in genau diesem Duell effektiv verloren haben. Schalke damals im legendären "Wenn wir in Herne West gewinnen und Meister werden, laufe ich zurück nach Schalke" Spiel. Dortmund letztes Jahr beim heftigen 4:2.
Dieses Duell ist so legendär, weil beide in gewisser Regelmäßigkeit zu den Spitzenmannschaften der Liga gehört und diese Nachbarschaftsduelle auf Augenhöhe die Titelvergabe mitentscheiden. Was den Bochumern vielleicht ein Mal in ihrer Vereinsgeschichte gelungen ist.

Oder das wohl zweitbeste traditionelle Derby: Hamburger SV - Werder Bremen. Die liegen sogar relativ weit auseinander. Also hier ist was faszinierendes: Hannover ist, genau wie Hamburg, 120 Kilometer von Bremen entfernt. Es würde trotzdem niemand von einem wirklichen Derby sprechen. Weil es halt zwischen Hannover und Bremen keine wirkliche Rivalität gibt.
Bremen hat dagegen allein im Jahr 2009 3 Titelchancen für den HSV vereitelt. Wir wissen heute, dass es die letzten Titelchancen waren... Jeder HSV Fans bekommt immer noch Flashbacks, wenn irgendwo eine Papierkugel rumliegt.
Und da beide Mannschaften jahrelang um den Titel "Nummer 2 hinter den Bayern" gekämpft haben, sind Geschichten wie 2009 keine Einzelheit.

Bei Hertha - Union dagegen... joah... also... Ist nett. Wenn jetzt ein Herthaner auf den ersten "Derbysieg" der Unioner angesprochen wird, sagt er (Zitat aus dem Montags-Kicker): "Ich wusste, Hertha wird trotzdem aufsteigen." Also wenn Thorsten Mattuschka mit seinem Freistoßtor den Aufstieg der Hertha verhindert hätte... oder der Aufstieg danach zumindest auf der Kippe gestanden hätte, weil man auf den Relegationsrang zurück fiel. Stattdessen ist die Reaktion auf den ersten Unioner Sieg ein allgemeines Schulterzucken.

Und dass diese Derbys überhaupt stattgefunden haben, war ja kein Ergebnis der guten Arbeit der Unioner, sondern einiger Fehltritte der Herthaner. Das ist ja jetzt zumindest anders. Also ja, ich sehe ein, dass die Union Fans dieses Spiel als das große Symbol für ihre großartige Entwicklung feiern. Aber andererseits haben sie genau dasselbe letzte Woche im Block in München gemacht. Da ist dieses Spiel in Berlin nur bedingt etwas besonderes.

Aber trotzdem tun jetzt alle (und nicht nur die Regionalen Medien, wo ich es vielleicht noch einsehen würde) so, als wäre dies das größte Derby, auf dass wir alle gewartet haben. Mit 6 Seiten Interview, Derby Check, 18:30er Anstoss-Zeit. Das komplette Paket. Obwohl das eigentlich albern ist.

Montag, 28. Oktober 2019

Worst of des "Aus Scheiße Gold machen" Wochenendes

Herzlichen Glückwunsch an Paderborn. Die haben am 10. Spieltag endlich verstanden, worum es in der Bundesliga eigentlich geht. Ordentlich Fußball spielen? Nein. Seine Spielphilosophie durchziehen? Nicht wirklich. Seine Taktik auf den Gegner anpassen? Welche Taktik hat der Gegner denn? Auch nein.
Es geht in der Bundesliga einzig und allein darum "Aus Scheiße Gold zu machen". Oder aus einem eigentlich hoffnungslosen Verzweiflungsschuss ein Tor des Monats. So gewinnt man Bundesligaspiele. Als Paderborn halt auch nur so...

Wo wir schon bei den wirklich wichtigen Zitaten sind: Wie geht es eigentlich der Familie Müller heute? Schließlich hat Thomas für Montag eine "Luftveränderung" angekündigt... Was ja auch nur bedeuten kann: Gestern gab es ordentlich Bohnen zum Abendbrot und heute morgen werden dann auf dem Familienklo... nun ja... Luftveränderungen herbeigeführt. Endlich mal wieder ein richtig beschissener Witz...

Apropos Beschissen: Die Handspiel-Auslegung hat einen neuen Höhepunkt erfahren. Anscheinend hat die Diskussion über den Armeinsatz beim Jubeln während der Länderspielpause für gewisse Verwirrungen bei den Schiedsrichtern gesorgt. Hier ist eine wichtige Information für alle Schiedsrichter: Der Arm muss nicht so deutlich ausgestreckt sein wie bei den bulgarischen Fans um als vergrößerte Körperfläche zu gelten. Ein türkischer Militärgruß reicht da vollkommen aus.
Und nebenbei wollte ich nochmal erwähnt haben: Dass ein Handspiel eines Angreifers (wie bei Joao Victor) anders zu bewerten als das Handspiel eines Verteidigers, ist vollkommen absurd. Gebt einfach auf beide Vergehen indirekte Freistöße und gut ist. Damit könnte sich jeder arrangieren. Also alle außer Schalke Fans, die kriegen dann ständig Flashbacks.

Apropos Schalke: Deren Angreifer werden sich während des Revierderbys auch gedacht haben: Wenn wir Dortmund jetzt so richtig abschießen, entlassen die den Trainer. Und dann haben die wieder einen ordentlichen Übungsleiter, der das maximale aus dieser Mannschaft rausholt. Und dann wird es wesentlich schwieriger diese Mannschaft hinter sich zu lassen. Da ist es wesentlich cleverer strategische Gnade walten zu lassen. Was natürlich praktisch keine Gnade ist, denn es bedeutet ja nur, dass die Fans des Lokalrivalens noch länger von Lucien Favre gefoltert werden.
Andererseits... reden wir von Schalke-Angreifern... die sind doch eigentlich eine eigene Positionsbeschreibung wert, die bestimmt vor 2021 kommen wird. Und auf Schalke denkt garantiert keine strategisch...

Tobias Stieler, Spieler des Spiels: Warum eigentlich nicht. Also... beim hochklassigen Duell VfL Wolfsburg - FC Augsburg wurde ja Felix Udoukhai zum Spieler des Spieles ernannt. Weil er den Ball ein Mal grob Richtung Tor köpfte und sonst kaum Scheiße gebaut hat. Udoukhai bekam dafür die Kicker-Note 3. Wie 4 weitere Spieler. Er war in keiner Weise herausragend. Und kein einziger Spieler zeigt in diesen 90 Minuten gehobenes Bundesliganiveau. Außer eben der Schiedsrichter, der eine 2 bekam. Ich bin ja der Meinung: Wenn der Schiedsrichter der beste Mann auf dem Platz ist und sonst keiner irgendwas vorzeigbares macht, kann man auch einfach mal den Schiedsrichter zum Mann des Tages erklären.

Oh und bevor ich es vergesse: Passives Abseits Leser wissen es früher. Denn ihr habt hier, als der Kicker die Bundesliga buchstäblich noch schön geschrieben hat, bereits gelesen, dass das allgemeine Niveau eher grausam ist. Und dass es nur deswegen so eng an der Spitze zugeht, weil niemand in der Liga wirklich gut ist. Heute könnt ihr exakt denselben Standpunkt im Thema der Woche des Kickers nachlesen. Dass die ihre Meinung so schnell ändern können, macht sie wahrscheinlich zu Experten...

Wo ich schon bei Experten bin: Was mich unnötig aufgeregt hat, waren ja die Kommentare in der Sportschau Zusammenfassung von Bayern München -Union Berlin. Das ging schon mit einem "Darauf haben die Union-Fans seit 1966 gewartet!"
Also erstens waren die Bayern 1966 nur ein ganz normaler Bundesliganeuling. Damals war wirklich noch nicht abzusehen, dass die Bayern heute eine derart überragende Position einnehmen werden. Oder anders ausgedrückt: Kein einziger Verein auf der Welt träumt seit 1966 davon ein Mal gegen die Bayern zu spielen. Oder ein Tor zu erzielen. Diese Träume begannen frühestens Mitte der 70er. Realistisch gesehen sogar erst in den 90ern, denn erst dort begann die richtig dominante Phase der Bayern, die bis heute anhält.

Dann kommt ja noch die Geschichte der Unioner dazu. Also als Ostverein. Die haben halt zunächst mal 30 Jahre lang davon geträumt gegen BFC Dynamo Berlin zu gewinnen, während ihnen die Bayern total egal waren. Und dann hatten sie ganz andere Sorgen.

Dass dann aber noch das "Ein Mal ein Tor gegen die Bayern erzielen" gebracht wurde. Also zum einen gelingt das gegen die Bayern gerade echt jedem. Es ist schwieriger gegen Wolfsburg Tore zu erzielen, als gegen Manuel Neuer. Dann wird halt die ganze Zeit so getan, als wäre Union irgendein Amateurverein, die im Pokal das Große Los gezogen haben und jetzt von einem Treffer gegen den Rekordmeister träumt. Dabei ist Union einfach nur ein professionell geführter Fußballverein, der ständig und stetig am wachsen ist. Das Treffen auf die und der Treffer gegen die Bayern ist halt kein fantastisches, faszinierendes Märchen, sondern das logische Ergebnis seriöser Arbeit.

Dass dann noch der "Lewandowski erzielt einen Treffer nach Doppelpass mit einem Kroos, wie damals in der guten alten Zeit, als die Bayern noch ein Titelfavorit in der Champions League waren." Spruch liegen gelassen wurde. Wofür werden die eigentlich bezahlt?

Internationales Bawful Bonus Feature: Franck Ribery bekam gerade nach dem Schlusspfiff in Italien eine Rote Karte, weil er den Linienrichter anging. Man muss das aber nachvollziehen. Also Ribery hat halt jahrelang Bundesliga gespielt und da wurden bei ihm in solchen Fällen immer beide Augen zu gedrückt. Der hat sich quasi verhalten wie immer und jetzt entsetzt festgestellt, dass dies nicht geht, wenn man keinen Bayern-Bonus bei den Schiedsrichtern hat...

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Positionsbeschreibung: Marius Ebbers Angreifer.

Da wird einem plötzlich bewusst, dass man diesen Begriff viel zu oft verwendet. Und dass die eigentlich geplante Serie bis jetzt bei einem Beitrag seit 2017 ist. Und dass damals schon dieser Beitrag angekündigt worden ist. Macht doch Hoffnung für die "Passives Abseits vs Tradition" Serie.

Um euch kurz daran zu erinnern, worum es hier gehen soll: Die klassischen Positionsbeschreibungen sind im Modernen Fußball ja völlig überholt. Viel zu statisch in einem immer komplexer werdenden System. Das Problem an den "neuen" Begriffen wie "abkippender 6er" oder "falsche 9" ist aber, dass sie lediglich die Rolle eines Spielers in einem System beschreibt. Viel spannender und lehrreicher ist es doch, sich die Rollen eines Spielers in verschiedenen Systemen anzugucken und dadurch dann Muster zu erkennen, die einem bei der Einordnung von Spielern weiter hilft.

Und damit machen wir jetzt weiter:

Der Marius Ebbers Angreifer

Marius Ebbers ist jetzt ja doch schon eine Weile im Ruhestand. Aber er hatte zu seiner aktiven Zeit eine gewisse Sonderrolle: Er war als Stürmer gut genug um praktisch jeden Verein in die Bundesliga zu schießen. Dort dann aber zu schlecht, um sich wirklich durchzusetzen und den Klassenerhalt zu sichern. Deswegen stehen bei seinem Erfolgen 3 Aufstiege... und sonst nichts.
Marius Ebbers war aber als Zweitligastürmer so absurd gut, dass er selbst den FC St.Pauli und Alemannia Aachen in die Bundesliga schoss, also 2 Vereine die in dieser Liga praktisch gar nichts verloren haben. Das Problem war aber halt, dass er stets postwendend wieder abstieg.

Und so einen Spieler zu haben, ist einerseits schön, weil man ja aufsteigt, andererseits ein riesiges Problem, weil man diesen Spieler dann irgendwie absägen muss, wenn man auch die Klasse halten will. Das ist für alle Beteiligten eine eher unangenehme Situation. Denn der Spieler ist ja auf Grund seiner Leistungen auf dem Weg zur Legender bei den Fans. Er wird auch innerhalb der Mannschaft eine gewisse Führungsrolle einnehmen. Die Vereinsführung ist ihm auch irgendwie zu Dank verpflichtet. Und der Spieler selber geht natürlich davon aus, dass ihm dieses Mal endlich der Durchbruch gelingt und wird deswegen seinen Platz nicht freiwillig räumen. Solche Spieler auf die Bank zu setzen ist immer ein schwieriges Unterfangen.

Wenn man es allerdings nicht macht, schafft man sich am anderen Ende Probleme. Also man sieht ja gerade an Paderborn, was einem passiert, wenn man darauf hofft, dass die Aufstiegshelden den nächsten Schritt machen... und der dann kollektiv nicht kommt. Nebenbei passiert es Uwe Hünemeier ja bereits zum 2. Mal, dass er überraschend aufsteigt und dann in der Bundesliga überfordert ist. Dies passiert also nicht nur bei Angreifern, sondern technisch gesehen auf allen Positionen.

Bei Angreifern ist es halt nur am auffälligsten, weil die die eindeutigste Statistik haben: Tore. Also ein Marius Ebbers Angreifer erzielt in seiner Karriere mehr Zweitligatore, als er Bundesligaspiele absolviert. Das kann man schön einfach festhalten. Bei Ebbers sind es 102 Zweitligatore und 77 Bundesligaspiele. Anhand dieser Fixpunkte kann man dann schön die aktuellen Stürmer durchgehen:

Simon Terodde ist bei 118 Zweitligatoren und 43 Bundesligaspielen. Mit seinen 31 Jahren wird er diese Kategorie selbst dann nicht mehr verlassen, wenn er jetzt 2 Jahre am Stück unumstrittener Stammspieler ist. Faszinierender Weise wurde bei Terodde, als er im Winter zum hoffnungslos abgeschlagenen 1.FC Köln ging, offiziell davon geredet, dass das ja kein Vorgriff auf die nächste Saison und das Projekt Wiederaufstieg sein soll. Praktisch gesehen war es genau das.

Köln hat zusätzlich noch Dominick Drexler im Kader, der jetzt ja leider verletzt ist, der aber auch mit 29 Jahren nachweisen muss, dass er wirklich noch den Sprung in die Bundesliga schaffen kann. 

Rouwen Hennings ist bei 62 Zweitligatoren und 53 Bundesligaspielen. Der müsste bald mal wieder absteigen, sonst wird das eng und er ein ganz normaler Bundesligastürmer. Wer will denn das bitte schön sein?

Union Berlin hat Sebastian Polter, der die Voraussetzungen stand jetzt gerade nicht erfüllt, aber bei Union nur noch Ergänzungsspieler ist und damit wohl bald wieder in die 2. Liga abgegeben wird. Der kann sich das quasi als Karriereziel setzen...

Als weiteres historisches Beispiel fällt mir Michael Turk mit 81 Bundesligaspielen und 96 Zweitligatoren ein.

Nur um mal zu erwähnen, dass die Liste derartiger Angreifer gar nicht mal so kurz ist. Was mich aber an diesen Spielern am meisten fasziniert: Warum tun sie sich das immer wieder an? Also sind die Aufstiegsjahre so geil, dass sie die Frustration des folgenden Abstieges als Bankdrücker aufwiegen? Warum wechselt man danach dann wieder in die 2. Liga, wenn es doch sinnvolle andere Alternativen gäbe, in denen man diesen Kreislauf durchbrechen kann.

Anders ausgedrückt: Warum wechselt keiner dieser Spieler zu Stade Renne nach Frankreich? Oder zu Heracles Almelo in Holland? Oder nach Österreich oder in die Türkei? Also in einer Liga, deren durchschnittliches Niveau so weit unter der Bundesliga liegen dürfte, dass man dort dann eben bei einem Mittelklasse Team mit gelegentlichen Ambitionen nach Oben mitspielen kann.

Solche Wechsel würden für alle Beteiligten extrem viel Sinn ergeben. Da würden alle von profitieren. Und wenn man nicht unbedingt will, muss man ja nicht mal ins Ausland ziehen. Also als Hennings wäre es kein Problem in Düsseldorf zu wohnen und in Holland zu spielen. Bei Twente Enschede. Ein Emil Bergreen hat genau das gemacht, als seine Karriere in der Bundesliga, auch Verletzungsbedingt, ins Stocken geriet. Dass Deutsche Profis gehen diesen Schritt zum Nachbarn nur sehr selten. Also nicht als Talent und Zwischenschritt in der persönlichen Entwicklung, sondern als Erkenntnis, dass es halt nur für diese Liga reicht. Beim Transfermarkt.de durchklicken fällt mir nur Steffen Schäfer auf, der vom 1.FC Magdeburg zu VVV Venlo gewechselt ist.

Ich frage mich halt auch, ob das an der mangelnden Bereitschaft der Spieler liegt, oder ob die Vereine der Nachbarländer diesen potenziellen Markt für Verstärkungen einfach nicht wahr nehmen... oder ob das Preisgefälle zwischen 2. Liga und Holländischer Liga einfach so gewaltig ist, dass es finanziell nicht machbar ist. Ein cleverer Manager würde den Karriereverlauf der Aufstiegshelden zumindest mal im Blick behalten und versuchen an diese Spieler zu kommen.

Jedenfalls ist es bei den Marius Ebbers Angreifern genau so wie bei den Martin Harnik Angreifern: Man kann dieses Konzept auf jedes Niveau anpassen. Egal in welche Liga man aufsteigt, man muss hinterher kritisch hinterfragen, ob die Spieler, die den Aufstieg gefeiert haben, wirklich auch in der Lage sind auf dem nächsthöheren Niveau mitzuhalten. Und wenn man dann zu dem Schluss kommt, dass es auf dem nächsten Level nicht mehr reicht, muss man seine Herangehensweise anpassen. Oder sich um neue, bessere Besetzungen kümmern.

Und auch als Fan ist es halt wichtig nach einem Aufstieg vernünftige Erwartungen an seine Spieler und den Verein zu stellen. Und gegebenfalls nachzuvollziehen, warum eure Lieblingsikone nur noch Ergänzungsspieler ist und durch diesen komische Lukebakio ersetzt worden ist...

Montag, 21. Oktober 2019

Worst of des "Nur in der Bundesliga" Wochenendes

Ok, gleich vorne weg. Das stimmt so gar nicht. Auch in England könnte der Tabellenführer seinen Platz an der Sonne verteidigen, ohne dass er gewinnt. Das Problem daran ist: Liverpool steht bei 8 Siegen und einem Unentschieden... Wenn eine ähnlich gut Mannschaft in der Bundesliga antreten würde, wäre die Meisterschaft jetzt schon entschieden.

Aber ja, nur in der Bundesliga kann man am 9. Spieltag mit einer Niederlage die Tabellenführung verteidigen. Weil keine der angeblichen "Spitzenteams" gewinnen kann oder will...

Das muss vor allem bedacht werden, wenn Kicker-Redakteur Tino Lieto eine "Oh, wie ist das schön!" Jubelarie verfasst. Ist es nicht toll, dass die Bundesliga so schön spannend ist? Wenn man extrem kurzsichtig, ist es das natürlich. Praktisch gesehen ist diese Liga aber nur spannend, weil die angeblichen Spitzenteams ihren eigenen Ansprüchen extrem hinterher hinken. Und weil das Niveau konstant sinkt. Fangen wir mal beim eigentlichen Ligaprimus an:

Bayern München: Das einzige, was bei Kovac und Salihamidzic "kritischer Analyse" fehlte, war ja der Fakt, dass Bayern gegen Augsburg doch 90 Minuten am Stück ohne Gegentor blieb... und dass das ja normaler Weise für einen Sieg reichen müsste. Stimmt natürlich, aber Fakt ist halt auch, dass man schon wieder 2 Gegentore kassiert hat. Dass man gerade dabei ist, das Ergebnis-Konzept seines größten Konkurrenten aus Dortmund zu imitieren. Und dass das 7:2 gegen Tottenham gefühlt schon Jahre her ist.
Am besten lässt sich die Entwicklung der Bayern an der Thomas Müller Debatte verdeutlichen. Eigentlich sollte die "Muss Müller spielen?" Frage gar nicht mehr gestellt werden, da ja mit Coutinho ein absoluter Experte auf der einzige Position, auf der Müller noch spielen kann, verpflichtet worden ist. Aber irgendwie ist dieser Coutinho halt doch nur ein hochtalentierter Mitläufer... Was Passives Abseits Leser natürlich zuerst wussten. Wenn der Brasilianer so einflussreich wäre, wie er bei seinem Marktwert eigentlich sein sollte, hätten die Bayern 5 Punkte Vorsprung und niemand würde nach Müller schreien. Ist er aber nicht.

Der eigentliche Tabellenführer heißt allerdings offiziell... Borussia Mönchengladbach. Und die werden sich denken: Verdammt, wir haben den Platz an der Sonne auch noch verteidigt, damit gewinnen wir nächste Woche wieder nicht. Denn die Kicker-Datenbank hat eine sehr interessante Information ausgespuckt: Gladbach hat die letzten 7 Spiele als Tabellenführer nicht gewonnen. Um zu verdeutlichen, wie absurd das ist: Der letzte Sieg in dieser Konstellation kommt vom 14.Mai 1977. Die Woche drauf wurde man stilecht Meister, in dem man Unentschieden spielte. Durch ein Eigentor in der 90. Minute. Wahrscheinlich versucht man seit diesem Jahr genau dieses Endergebnis zu reproduzieren. Und hey, sie sind ja gerade auf einem guten Weg, schließlich haben sie ihre Tabellenführung verteidigt.
Ich habe ja in den letzten Tagen oft fest gestellt, wie alt ich doch bin. Jetzt kann ich behaupten: Als Gladbach das letzte Mal eine Tabellenführung verteidigte, war ich noch nicht mal geboren!!!

Geklappt hat das vor allem, weil Schalke 04 das 2. Wochenende in Folge "Nein Danke" sagte. Dabei bekamen sie vom gegnerischen Trainer Alfred Scheuer das höchste Lob: "Schalke war bis jetzt der beste Gegner, gegen den wir gespielt haben." Und das, obwohl die letzte Woche in München antreten durften... Das Problem daran. Nun ja, wenn man es freundlich ausdrückt, ist Schalke der ultimative Malocher-Klub. Dort wird Fußball halt gearbeitet und nicht gezaubert. Direkt ausgedrückt bedeutet das aber nur: Schalke hat sich als Verein darauf spezialisiert, beschissene Spiele zu gewinnen. Und in absurden Jahren Vize-Meister zu werden. Statistisch ausgedrückt ist Schalke halt die einzige Mannschaft der Welt, die mit 63 Punkten Vize-Meister werden kann. 2 Mal. Mit 53 und 56 erzielten Toren. Anders ausgedrückt: Wenn Schalke wirklich der Beste Gegner sein soll, den ein Scheuer in der Bundesliga gesehen hat, dann kann das kein gutes Zeichen für die Bundesliga sein.

Als letztes Indiz für das weiterhin nachlassende Niveau sei als Individuum Rouwen Hennings genannt. Hennings ist eigentlich der ultimative "Marius Ebbers Angreifer": Gut genug um deinen Verein in die Bundesliga zu schießen, aber dort als erste Option zu schlecht. Dachte man zumindest. Also 8 Tore in 45 Bundesligaspielen sprechen da eine deutliche Sprache. Allgemein hat man ja als Bundesligaprofi gewisse Probleme, wenn man mehr Zweitligatore als Bundesligaspiele auf dem Konto hat. Jetzt ist der allerdings (gemeinsam mit Marco Reus) der 2. Beste Deutsche Angreifer. Lasst uns den in die Nationalmannschaft berufen!!! Nach dem Leischtungschprizschip müsste genau das... oh warte, er spielt halt nicht in Freiburg oder Stuttgart. Aber wenn er seine 5 Tore für einen dieser Vereine gemacht hätte, würde jetzt genau das passieren.
Nun gibt es genau 3 Varianten: Hennings hat gerade einen absurden Lauf und steht halt zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das ist sachlich gesehen die wahrscheinlichste Variante. Ab und zu hat man halt so Phasen, in denen man als Angreifer auch die Eckfahne anvisieren könnte und trotzdem ein Tor erzielt. Oder aber Hennings hat mit seinen 32 Jahren noch mal einen entscheidenden Entwicklungsschritt gemacht und ist deswegen jetzt ein legitimer Angreifer... Auch wenn er dafür eigentlich zu alt ist. Oder halt das Niveau in der Bundesliga ist endgültig so weit gesunken, dass selbst bessere Zweitligaangreifer jetzt in der höchsten Spielklasse glänzen können.

Oh und als Bawful Bonus Stat hat Union Berlin, die allgemein noch ein wenig überfordert wirken, all ihre Siege gegen Mannschaften aus der Spitzengruppe geholt. Weil man halt nicht wirklich gut sein muss um da reinzurutschen...

Der Gemeine Fan wird sich da doch sagen: Kann mir doch egal sein, Hauptsache mein Verein hat möglichst lange theoretische Chancen auf die Meisterschaft! Und solange es ein spannendes Saisonfinish gibt, interessiert mich das sinkende Niveau doch nicht.

Hier ist das Problem daran: Realistisch gesehen gibt es gerade 3 Szenarien: Die Bayern rumpeln weiter vor sich hin, Niko Kovac wird irgendwann entlassen und sein Nachfolger sieht sofort wie ein verdammtes Genie aus. Oder Kovac kriegt selber noch die Kurve und die Bayern starten spätestens im März eine Siegesserie. Oder die Bayern gurken sich durch die gesamte Saison, aber die Konkurrenz ist zu schwach um dies zu nutzen.
In allen Fällen werden die Bayern halt am Ende mehr oder weniger souverän Meister. Würde man die Bayern wirklich herausfordern wollen (und die haben halt ganz sachlich gesehen das größte Potenzial), müsste man sich jetzt in der Schwächephase ein gewisses Polster aufbauen. Damit man dann im direkten Duell nur Unentschieden spielen muss und sich vielleicht noch mal den einen Ausrutscher leisten kann. Denn es ist schon irgendwie davon auszugehen, dass die Bayern sich zusammenreißen werden und mal so ne 7 Spiele Siegesserie starten.

Ich frage mich halt persönlich echt, was daran "Schön" sein soll, dass das Niveau in der Bundesliga Jahr für Jahr nachlässt. Und natürlich ist das keine Neuigkeit, die einzige Mannschaft, die ein internationales Abstürzen der Bundesliga bisher verhindert hat, ist Bayern München (und ja, die eine fantastische Ausnahmesaison der Frankfurter zählt da nicht...). Und auch die lassen ja mehr und mehr nach.