Mittwoch, 3. August 2016

Saisonvorschau: Eintracht Frankfurt

Ausgangslage: Als aller erstes ein "Hier sollte eigentlich Nürnbergs Saisonvorschau stehen..." Und meinen größten Respekt an Stefan Aigner, der als einziger eingesehen hat, dass er nach den gezeigten Leistungen der Vorsaison ein Jahr Zweite Liga verdient hat... Schade nur, dass es ein paar mehr werden dürften...
Das faszinierende an den Spielen gegen Nürnberg: Die entscheidenden Aktionen von Mijat Gacinovic belegen einfach die grundlegenden Probleme der Relegation: Selbst ein Spieler, der sich in der Bundesliga noch nicht durchsetzen konnte ist individuell gut genug um gegen einen Zweitligisten den Unterschied auszumachen...
Sicherheitshalber haben sich die Frankfurter auch gleich Ante Rebic gesichert... also einen Spieler, der bei RB nachgewiesen hat, dass er in 11 Monaten vielleicht so weit ist, dass er einem in der Relegation weiterhelfen kann. Perspektivisch gesehen ein guter Transfer...
Und ja... genau genommen... ist die Situation in Frankfurt nicht einfacher geworden... Im wesentlichen gibt es nur einen einzigen Plan.

Wer soll es richten? Ist Nico Kovac ein guter Trainer? Eine äußerst spannende Frage. Jetzt, wo er in seine erste Saisonvorbereitung geht... Und genau das sagt, was halt alle Bundesligatrainer so sagen: Wir müssen variabler sein... Wir wollen schneller spielen... Und bisher... hat Kovac nur eine Mannschaft von Armin Veh übernommen... den wohl schlechtesten Meistertrainer der letzten 20 Jahre. Einen Trainer, der dank dieser einen Meisterschaft (und der einen guten Saison in Frankfurt... die wollen wir mal nicht unterschlagen) seine Karriere länger am Leben erhalten hat, als die modernste Medizin dies für möglich gehalten hätte... Und der eindrucksvoll nachgewiesen hat, dass ihn zurückzuholen eine dämliche Idee ist... Zwei Mal.
Eine Mannschaft nach einem Trainerwechsel erst Mal zu stabilisieren ist eine relativ einfache Aufgabe. Das hat selbst Viktor Skripnik geschafft... Danach auf dem stabilisierten Fundament eine eigene Mannschaft zu formen ist der schwierige Teil.
Ich sage ja gar nicht, dass Kovac das nicht schaffen kann... ich weise nur darauf hin, dass er es noch nie gemacht hat. Dass Alex Meiers Körper nicht jünger wird... und dass die meisten Neuzugänge junge und ausgeliehene Talente sind...
Am Ende wird der Erfolg in Frankfurt ganz stark von der Trainerleistung abhängen.

Wen werden sie vermissen? Das wirklich tolle an einer total verkackten Saison: Man vermisst danach einfach mal niemanden. Carlos Zambrano ist angeblich endgültig weg... das Problem daran ist: Zambrano hat die Eintracht in den letzten Jahren so häufig verlassen... dass er wirklich nicht mehr für Frankfurt spielt, glaube ich erst, wenn ich ihn in einem Pflichtspiel ein anderes Trikot tragen sehe... Und da ich die russische Liga nicht verfolge... wird das nicht passieren...
Bleibt der eingangs erwähnte Stefan Aigner... und ja, dieser Transfer verwirrt mich. Er wechselt zu seinem Jugendverein, was vielleicht nachvollziehbar ist... bis einem bewusst wird, dass dieser Verein 1860 München heißt und von einem... wie drücke ich es aus... sehr wankelmütigen Mäzen geführt wird. Einen Verein, der gefühlt 6 Sportdirektoren und 4 Präsidenten und 2 Trainer pro Saison verschleißt (es kann sein, dass es da einen Zahlendreher gab... aber die Zahlen fühlen sich einfach richtig an...). Dazu wechselt er halt in die 2. Liga... zum schlechtesten Zeitpunkt... es sei denn man wechselt zum VfB Stuttgart oder Hannover 96... denn realistisch gesehen werden nur die beiden Aufsteigen...
Bei aller Sympathie für Romantik und Heimatliebe... ich verstehe diese Entscheidung einfach nicht...

Leischtungschträgscher: Wisst ihr, woran ihr erkennt, dass ihr ein Problem mit eurer Fanszene habt? Wenn selbst auf nem Beyonce Knowles Konzert die Fanblocks getrennt werden müssen, um Ausschreitungen zu verhindern...
Und ja, die Rihanna Fans sitzen Links...
Das faszinierende an den Frankfurt Fans: Die haben in den letzten Jahren, gerade in der Europa League Saison, als sie mit 15.000 Mann friedlich feiernd durch die europäische Provinz gezogen sind, nachgewiesen, dass sie echt großartig sein können. Aber sie sichern sich halt auch jedes Jahr den Titel Randalemeister... So bleiben am Ende nur der Ausschluss vom Darmstadt Spiel und die Schlägereien, die es trotzdem gab, hängen...

Best Case Szenario: Genau genommen läuft alles in Frankfurt nach Plan. Nach 32 Spieltagen steht man im Wesentlichen vor der Frage, ob man 13. oder 14. wird. Ja, theoretisch könnte man noch auf den Relegationsplatz abstürzen, aber praktisch plant Bruno Hübner schon die nächste Saison. Er ist auch kurz davor, seinen Königstransfer abzuschließen. Das Problem ist: er muss irgendwo 600.000 Euro auftreiben... da fällt ihm etwas geniales ein: Ein zusätzliches, ausverkauftes Heimspiel. Frankfurt qualifiziert sich mit einem überzeugenden Schlussspurt doch noch für die Relegation. Und der Plan scheint nach dem 4:0 Hinspiel Sieg auch voll aufzugehen...

Worst Case Szenario: Aber dann kommt das Rückspiel... und als Stefan Aigner das frühe 1:0 für 1860 aus Gewohnheit vor dem Frankfurter Fanblock feiert, eskaliert die Situation. Carlos Zambrano springt ihn mit beiden Knien voraus von hinten ins Kreuz. Die Frankfurt Fans feiern diese Aktion mit Bengalos und zünden den Gästeblock an. Eines dieser Bengalos trifft den bis dahin namenlosen Linienrichter. Das Spiel wird in der 8. Minute abgebrochen...
Das 3:0 am Grünen Tisch reicht den Frankfurtern allerdings zum Klassenerhalt... deswegen greift die DFL richtig hart durch und zieht ihnen 3 Punkte ab... was natürlich nicht dazu führt, dass die Löwen aufsteigen... sondern dass der Tabellen-17. Werder Bremen doch noch die Klasse hält...

Dienstag, 2. August 2016

Saisonvorschau: SC Freiburg

Ausgangslage: Der SC Freiburg ist am Ziel seiner Träume angekommen: Sie gehören zu den besten 25 Mannschaften in Deutschland. Realistisch gesehen sogar eher zu den besten 20. Und wenn man dann auf ein Mal absteigt... ist man dann halt für ein Jahr der "FC Bayern der 2. Liga"... Trotz RB...
Und ja, realistisch gesehen könnte der SC noch das eine oder andere Mal absteigen. So was kommt bei denen halt vor. Es wird halt hauptsächlich um den Klassenerhalt gehen und man kann seine Saisonziele halt nicht immer erreichen... und ein etwas schwächeres Jahr reicht halt...
Aber dennoch werden sie wahrscheinlich an 66% aller Bundesligasaisons teilnehmen. Weil der "Unfall" Abstieg halt sofort und sachlich repariert werden kann...

Wer soll's richten? Vincenzo Grifo? Zumindest hat der Kicker seinen Freistoßkünsten eine ganze Seite gewidmet... im wesentlichen um mit einer total wahllosen Andrea Pirlo Referenz um die Ecke zu kommen... ich dachte immer, so was mache nur ich...
Aber natürlich bleibt hier nur ein Name zu nennen: Christian Streich. Hoffentlich werden wir uns nie daran gewöhnen, wie gut der Mann wirklich ist. Sowohl rhetorisch als auch als Trainer.

Wen werden sie vermissen? Steht die Jugendakademie noch? Gut... dann sollten die Abgänge nicht so dramatisch sein. Vor allem, weil die ganz großen nächsten "Karriereschritte" von denen man in Freiburg ja lebt, dieses Jahr ausbleiben... es sei denn, man bezieht Zackery Steffens Wechsel in die MSL mit ein...
Am Ende werden die Freiburger eher so 3 Millionen auf dem Konto vermissen... schließlich haben sie diesen Sommer (bisher) mehr Geld ausgegeben als eingenommen... was in Freiburg nur alle 5 Jahre mal passiert.

Leischtungschträgscher: Ach ja.. könnt ihr euch an die 3 Woche erinnern, als der SC Freiburg ein Skandalverein war? Weil einer ihrer Spieler Duschgel aus dem Hotel geklaut hatte? Und weil man in genau der Phase zum einzigen Mal in den letzten 25 Jahren einen Trainer entlassen hat? Wahrscheinlich nicht. Solch finstere Kapitel auszugraben ist halt meine Aufgabe...
Das beweist aber auch nur: Der SC kann absteigen und wieder aufsteigen ohne sich dabei in Panik zu verfallen.
Das ist halt der absolute Vorbildverein in Deutschland.

Best Case Szenario: Christian Streich wirkt nervös. Schließlich geht es um ALLES. Es ist der letzte Spieltag. Die Meisterschale ist aufgebaut. Und ja, das Original. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Schließlich wird das Meisterschaftsrennen heute in Freiburg entschieden. Und Streich weiß, dass die ganze Nation auf sein beschaulichen Breisgau schaut. Während sie mit ihrer Handy App in Dortmund sind... Die Verantwortung für ein Herzschlag-Finale liegt irgendwie beim ihm... Denn seine Spieler... nun ja, die torkeln alle mit einem glückseligen Lächeln durch die Gegend, weil sie dank des 3:1 Auswärtssieges letzte Woche den Klassenerhalt bereits sicher haben....

Worst Case Szenario: Jochen Sailer ist nervös. Schließlich muss er nach dem Abpfiff die radikalste Entscheidung aller Zeiten bekannt machen... Also eigentlich ist die Situation extrem entspannt. Man ist als Tabellen-Dreizehnter in extrem ruhigen Gefilden. Man muss eigentlich nur noch für den schon wieder amtierenden Meister Spalier stehen... Aber dann kommt 30 Minuten vor den Abpfiff dieses ganz fiese Gerücht auf: Streich soll den Verein verlassen, weil man angeblich mit Felix Magath den nächsten Schritt in der Entwicklung gehen will... Sailer hat noch 2 Stunden um dieses Gerücht auf der Pressekonferenz offiziell zu bestätigen...

Montag, 1. August 2016

Saisonvorschau: RB Leipzig

Let's get this Bitch roling.

Ausgangslage: Es hat noch nie so einen Aufsteiger wie RB Leipzig gegeben... ok, seit dem einzigen Aufstieg von Bayern München 1965/66 nicht mehr... Aber das waren ja noch andere Zeiten, da konnten Traditionen noch wachsen...
Geht einfach mal der Kader des Dosenklubs durch... Da findet ihr mit Marvin Compper, Timo Werner und Davie Selke 3 Spieler mit mehr als 10 Spielen Bundesligaerfahrung...
Normaler Weise würde man bei so einer Mannschaft ganz schnell danach fragen, ob die Qualität für die Bundesliga überhaupt reichen kann... hey, normalerweise fragen wir uns das sogar bei Aufsteigern MIT Bundesligaerfahrung... da diese meistens in Form von Christian Tiffert kommt... Oder Daniel Baier, um ein Positives Beispiel zu nennen... Also Spielern, die gewogen und als zu leicht eingestuft worden sind...
Oder anders ausgedrückt: Die ersten RB Mannschaften umd Timo Rost und Tim Sebastian hatten mehr Bundesligaerfahrung vorzuweisen, als der aktuelle Kader...
Aber die Frage nach der Qualität kann man gar nicht stellen... schließlich ist RB wohl auch der erste Aufsteiger seit langem, der 4 EM Teilnehmer in seinem Aufstiegskader hatte. Klar, die spielten hauptsächlich für die Exoten aus Ungarn und Österreich... aber geht selber mal die Kader der anderen Bundesligisten durch und fragt euch, wie viele von denen nicht auf 4 EM Fahrer kommen. Also die letzten beiden Aufsteiger kamen zusammen und nach einem Jahr Bundesliga (und weil sie Ersatztorhüter gestellt haben) zusammen auf 4...
Dazu kann sich RB halt bei einem Champions League Qualifikationsteilnehmer verstärken... was natürlich hauptsächlich daran liegt, dass dieser Teilnehmer in diesem Wettbewerb ab und zu mal die Trikots von RB Leipzig anzieht... aber das sind ja Details...
Der Kader ist an und für sich echt faszinierend: Denn alles, was wir von ihm wirklich wissen, ist doch folgendes: Die Mannschaft ist verdammt jung und verdammt schnell. Aber: Auf Grund dieser beiden Eigenschaften muss sie doch eigentlich als Bereicherung für die Liga aufgenommen werden...
Also ich sage das mal so: Debatten darüber, wie asozial der Fußballstil der RB Mannschaft ist, werden nicht aufkommen... obwohl die von dem Trainer angeleitet werden, der genau für diesen unangenehmen Fußball stand...

Wer soll's richten? Das eigentlich größte Problem am derzeitigen RB Kader: So jung und dynamisch der daher kommt, so austauschbar ist der... Im Idealfall natürlich gewinnbringend für RB... aber selbst wenn da das eine oder andere Talent dabei ist, dass sich als Fehlgriff entpuppt... wird das dem Verein nicht weh tun..
Damit fällt es jemanden wie mir schwer, sich aber auf Personen festzulegen, die für diesen Verein wichtig ist...
Außer natürlich der eine offensichtliche Name: Ralf Rangnick. Wenn es einen Menschen gibt, der weiß, wie man einen Verein in die Bundesliga führt, dann ist das Rangnick. Seit dem der da tätig ist, geht es jede Saison aufwärts. Und das wird noch eine Weile so weiter gehen...

Wen werden sie vermissen? Naja... wie vorher erwähnt... das kickende Personal dürfte derzeit komplett austauschbar sein. Ich meine, der Verein hat den Abgang von Ikonen wie Tim Sebastian und Stefan Kutschke verkraftet...
Der einzige wirklich relevante Name ist an der Stelle... der Spieler, der dann doch nicht kam: Breel Embolo. Mit der Verpflichtung hätte man die etablierten Kräfte mal so richtig schocken können... so wissen die: Noch kommen diese Spieler doch eher zu uns...

Leischtungschträgscher: Er wird wieder hoch kochen: Der Hass der anderen Ultras. Und an und für sich habe ich damit ja auch kein Problem... solange der Protest friedlich und in einem kreativen Rahmen bleibt...
Das wirklich faszinierendste am Fanatismus ist für mich ja: an 32 Spieltagen des Jahres sollte der gemeine Fan doch froh sein, dass es RB gibt. Weil die zum einen mit ziemlicher Sicherheit guten und attraktiven Fußball bieten werden. Und weil da ein Konkurrent auftaucht, der die alten und festgefahrenen Strukturen aufbrechen und die Liga wieder spannend machen könnte... und das dürfte langfristig sogar dem einen oder anderen von der Bundesliga gelangweilten Bayern Fan interessieren...
Nur mal so als Beispiel: In einem Leserbrief im Kicker beschwert sich ein Individuum erst darüber, dass die Tabellenspitze "für die kommenden 10 Jahre" fest an 3 Vereine vergeben ist... um dann im nächsten Satz über "die Übermacht des Geldes" zu heulen... ähm... breaking News: Also abgesehen davon, dass dieser Übermacht in Form von Martin Winterkorn auch im Bayern-Aufsichtsrat sitzt (oder fest im Leverkusener Logo verankert ist): Das ist die einzige Variante, wie diese bemängelte Monokultur aufgebrochen werden kann...
Aber stattdessen "konzentriert" sich die Ultra-Szene der Traditionsvereine eher auf "RB fickt dem DFB in Arsch" "Graffiti". Und ja, dieser Satz steht auf einer Wand auf meinem Arbeitsweg... und der ist so schön, dass sich niemand die Mühe macht, die Wand zu reinigen... Wo ist eigentlich das Känguru, wenn man es braucht?

Best Case Szenario: "Boah, was geht den hier ab?" denkt sich der gemeine Fußballfan nach dem 31. Spieltag. "Die Bayern haben nach dem überraschenden Unentschieden gegen Darmstadt die Tabellenführung abgegeben... jetzt gibt es am 33. Spieltag ein quasi Herzschlagfinale gegen RB... und selbst wenn man sich da 3 Punkte sichert, muss man danach trotzdem noch gegen den SC Freiburg gewinnen... Wer hätte den ahnen können, dass der Meisterschaftskampf so spannend sein kann?"

Worst Case Szenario: Denkt sich Uli Hoeneß auch... und er denkt sich vor allem "ich bin zu alt für den Scheiß"... also veranlasst er eine Untersuchung der "Vereinsstrukturen" bei RB Leipzig... Und kriegt recht: Das ist alles so nicht korrekt, dass muss geändert werden. Nur dummer Weise nicht nur bei RB... auch in Wolfsburg, Leverkusen, Schalke, Dortmund und München müssen sich die Großsponsoren aus den Vereinsstrukturen zurückziehen... das Ergebnis: Wie kriegen eine wunderbar spannende Bundesliga... die aber nicht mehr in der Lage ist, seine Nationalspieler im Land zu behalten... oder den Ukrainischen Meister in der Champions League hinter sich zu lassen...

Donnerstag, 28. Juli 2016

Das hätte alles schlimmer laufen können...

Könnt ihr euch noch an die Panik erinnern, als Mats Hummels seinen Wechselwunsch öffentlich gemacht hat? Ausgerechnet zu den doofen Bayern? Die kaufen doch die Bundesliga kaputt und und bauen ihre Dominanz dadurch weiter aus... Damit steht der Meister der nächsten 5 Jahre auch schon fest...

Ich habe ja an der Stelle gleich gesagt, dass das eine Überreaktion ist. Und argumentiert, dass dieser Wechsel sogar etwas gutes für die Bundesliga sein könnte...

2 Monate später... sieht es doch genau danach aus. Also ich weiß nicht wie es euch geht... aber ich habe mega Bock auf diese neue Dortmunder Mannschaft. Auf einen Mario Götze, der endlich wieder richtig Lust auf Fußball hat... auf einen Andre Schürrle unter seinem ursprünglichen Mentor. Auf 2 der heißesten Talente, die Europa im Offensivbereich zu bieten hat.

Dortmund ist durch den Hummels Transfer nicht wirklich schlechter geworden. Klar, Meister werden die trotzdem nicht. Also sagen wir das so: Ob die Meister werden können entscheidet sich immer noch in München. Wenn Thomas Müller seine EM Form beibehält und andere damit ansteckt, hat Dortmund ne Chance, wenn nicht, dann nicht.
Aber zuzusehen, wie sich diese Dortmunder Mannschaft finden wird... wie weit sie international für Furore sorgen kann...

Und klar, die "alte" Dortmunder Mannschaft um Hummels, Gündogan und Mhkitaryan wäre auch gut gewesen. Deswegen waren die ja alle so teuer. Aber man hätte ihr Limit halt auch irgendwie schon gekannt: Zu gut um sich für die Europa League zu qualifizieren, obwohl dies der eine Wettbewerb wäre, den man gewinnen könnte...

Das aller wichtigste an den Verpflichtungen von Emre Mor und Ousmane Dembélé (und, wo wir schon dabei sind, Breel Embolo) ist doch folgendes: Die Bundesliga ist für die größten Talente Europas ein äußerst interessanter Anlaufpunkt. Und zwar nicht nur die übergroßen Bayern, die sich beinah jeden Spieler dieser Welt leisten können... sondern auch die Vereine dahinter.

Schuld daran sind natürlich... Sami Khedira und Mesut Özil... oh und all die Talente aus der Schweiz, die am direkten Wechsel nach England gescheitert sind... Aber die beiden deutschen Nationalspieler haben halt bewiesen, dass man auch für die größten Vereine der Welt interessant sein kann, wenn man einfach "nur" bei einem guten Bundesligisten spielt.
Dass man bei diesen Vereinen aber halt auch gut ausgebildet wird... und Spielpraxis bekommt... alles Dinge, die in Manchester irgendwie wesentlich rarer gesät sind...

 Aber hey, über all das kann man ja noch in der anstehenden Bundesliga-Vorschau philosophieren... Das wirklich aufbauende ist ja... der Blick nach Italien. Dort sind sie diesen Sommer nämlich schon so weit, wie wir hoffentlich nicht kommen werden:
Der Rekordchampion holt sich 4 Wochen vorm Saisonstart den besten Spieler der Liga für 90 Millionen. Klingt verdammt nach dem Hummels-Transfer? Ja...

Ist aber sachlich gesehen ganz anders. Als erstes ist da natürlich der Zeitpunkt zu sehen: Dortmund konnte sich über mehrere Wochen hinweg auf ihre Transferoffensive vorbereiten. Sie konnten das Geld rechtzeitig verplanen und sich so mit Dembélé und vor allem Raphael Guerreiro frühzeitig und deswegen günstig spannende Spieler holen.
Guerreiro hat garantiert durch den Europameister Titel seinen Wert nach oben getrieben... den könnte Dortmund jetzt schon gewinnbringend nach England verkaufen.
Das andere, viel größere Problem: Selbst wenn man das Geld im Mai bekommen hätte... ist man immer noch Italiener... man spielt vor maroden, halbleeren Stadien... Vor Fans, die man am liebsten nach Russland oder Kroatien exportieren würde... In einer Liga, die international deutlich an Boden verloren hat...

Guckt euch einfach mal genauer an, welche Spieler heutzutage nach Italien wechseln. Spieler wie Khedira, die nach Verletzungen wieder auf die Beine kommen müssen, gehen wenigstens noch zu Juventus... als einziger ordentlicher Verein. Die anderen wie Gonzalo Higuain oder Mario Gomez sind bei den ganz großen Vereinen aussortiert worden und suchen deswegen nach Anschluss... das mag bei Higuain politisch motiviert gewesen sein. Die Grundthese bleibt die selbe:
Der letzte von großen Vereinen umworbene Spieler, der sich dann pro Italia entschieden hat, war... Aturo Vidal... Das ist jetzt auch schon wieder 5 Jahre her...

Das dritte Problem ist halt... dass Neapel jetzt einen Angreifer sucht... Und der wesentliche Grund, warum dieser Hype um die Falsche 9 aufkam... war ja, dass es halt kaum brauchbare Mittelstürmer gab... aber verdammt viele kleine und wendige Stürmer...
Als Dortmund erfahren hat, dass ihr Abwehrchef ging... war ihre erste Reaktion ein "Naja, dann macht das halt der Bender, das passt schon"... als Dortmund Robert Lewandowski verloren hat, sind sie in eine Schockstarre verfallen, die sie auf den Letzten Platz gebracht hat..
Im wesentlichen... muss der SSC jetzt hoffen, dass Mario Gomez noch Bock auf Italien hat... oder ob er aus politischen Gründen andere Ligen bevorzugt...
Das ist realistisch gesehen der einzige verbleibende (bei der EM nachgewiesene) Topstürmer, der in diesem Sommer noch den Verein wechseln wird...

Das Ergebnis ist halt nicht nur, dass der Meister in Italien quasi vor dem ersten Spieltag feststeht. Das viel schlimmere Ergebnis ist, dass die einzige andere interessante Mannschaft ihren Flair verloren hat. Und da stimme ich mit Francesco Totti überein, der den Wechsel ein "Desaster" nennt. Denn er macht die Serie A nur noch unattraktiver, als sie eh schon war... was echt eine Meisterleistung ist...

Montag, 25. Juli 2016

Wenn Sandro Wagner das am heißesten debatierte Thema ist...

Muss ganz offensichtlich Sommerpause sein... Aber ja, die Frage, ob Sandro Wagner internationale Klasse repräsentieren kann... ist die spannendste, die wir gerade haben.

Ich muss da mal ganz unsachlich das Urteil vorweg nehmen: Auf jeden Fall... also... dass Sandro Wagner zu den 5 besten Stürmern der Saison gehörte... und auch einfach deutlich besser war als die Kandidaten "Im weiteren Kreis"... ist halt die ultimative letzte Pointe dieser Saison.

Für mich persönlich war es die grausamste Bundesligasaison, die ich jemals bewusst verfolgt habe... Das Rennen um die Meisterschaft war gefühlt am 3. Spieltag beendet... Es gab kein Rennen um den Vize-Titel... Platz 3 war ebenfalls endgültig am 30. Spieltag vergeben... Platz 4 am 32...
Die einzige spannende Frage in der oberen Tabellenhälfte war... wer wird Siebter und muss damit als erster in die Europa League starten? Yeah...

Und der Abstiegskampf bestand halt aus 3 Traditionsvereinen, die sich jeweils möglichst dumm angestellt haben... von denen es am Ende aber natürlich trotzdem nur einen getroffen hat...

Am Besten wird diese Saison mit dem Titel "Das Jahr, in dem Sandro Wagner Internationale Klasse repräsentiert hat" zusammengefasst... und ja, man sollte da auch nie wieder drüber reden...

Das eine ganz große Problem ist natürlich, dass ganz viele nicht verstehen, worum es in der Rangliste eigentlich geht. Obwohl der Kicker das jedes Jahr am Anfang ein Mal abdruckt. Es geht nicht ums Potenzial eines Spielers. Also der Frage, ob Julian Weigl mal internationale Klasse als Spieler repräsentieren könnte... Es geht nicht darum, die Leistungen zu bestätigen, wie Stefan Kuntz das gerne sehen würde...
Es geht einzig uns allein darum, die Leistungen des letzten Halben Jahres zu bewerten.

Und ja, Sandro Wagner muss diese Leistungen jetzt bestätigen... wenn er Nationalstürmer werden will. Dafür muss man in diesem Land halt konstant internationale Klasse nachweisen... Immerhin hat der dafür schon mal den ersten richtigen Schritt gemacht... in dem er nach Hoffenheim gewechselt ist... da wird ihn zumindest jemand in die Nationalmannschaft schreiben wollen...
 Aber das letzte Halbe Jahr war halt wirklich herausragend. 10 Tore und 3 Vorlagen in 17 Spielen... darunter Tore gegen Bayer, die Bayern, Wolfburg und Hertha... es ist ja nicht so, dass er gegen desaströse Stuttgarter und Hannoveraner jeweils 3 Tore erzielt hätte... er hat auch gegen die richtig guten Mannschaften konstant getroffen... Und das halt mit einem eher unterdurchschnittlichen Supporting Cast...
Also ich wage mal ganz dreist zu behaupten, dass ein Robert Lewandowski in seiner derzeitigen Verfassung keine 10 Tore für Darmstadt erzielt hätte...

Dass sich nebenbei alle (also 85% der Umfragenteilnehmer) über Wagners Einstufung beschweren... aber keiner ein Problem mit Claudio Pizarro hat... der gefühlt exakt dieselbe Rückrunde gespielt hat...

Das wirklich spannende an der Debatte ist aber eine ganz andere: Für wie stark halten wir die Bundesliga eigentlich? Also die 85% halten die anscheinend für eine Gurkenliga. In der man keine Internationale Klasse nachweisen kann, wenn man für eine der 12 Gurkenmannschaften, die nicht ums Internationale Geschäft spielen oder an diesem teilnehmen, spielt. Oder zumindest mal in jüngeren Jahren gespielt hat, sie Pizarro...

Ich sag das mal so: Wenn man in einer der 3 besten Ligen der Welt ein derart überragendes Halbjahr gespielt hat... Es ist ja nicht so, dass er in Holland 10 Tore erzielt hat und jetzt vor dem Sprung in eine große Liga steht.

Kann es sein, dass Wagner dieses Niveau nie wieder erreichen wird? Durchaus. Er wäre aber garantiert nicht der erste Bundesligaprofi, der im besten Halbjahr seiner Karriere internationale Klasse erreicht hat... und davor und danach nie wieder. Ich würde spontan drauf tippen, dass Lars Ricken eine ähnliche Bilanz vorzuweisen hat...
Manchmal hat ein Spieler halt mal einen überragenden Lauf.
Und ganz ehrlich: Die Leistungen von Darmstadt und Wagner im besonderen waren das einzig wirklich (positiv) faszinierende an der letzten Saison. Keiner konnte sich erklären, wie und warum das funktionieren konnte... aber dass es funktioniert hat, konnte halt auch keiner in Frage stellen.

Jetzt kann er sich diese Rangliste (die ja auch eigentlich völlig bedeutungslos ist... außer dass wir gerne diskutieren...) zu Hause einrahmen... und seinen Kindern und Enkeln von dem einen Halbjahr erzählen, in dem er internationale Klasse repräsentierte... in einer Saison, über die man sonst eher schweigen sollte...

Montag, 18. Juli 2016

Was macht eigentlich Matthias Sammer?

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr diesen einen etwas komplexeren Gedankengang habt? Ihr euch den dann für die Sommerpause aufheben wollt... und dann von der Realität überholt werdet?

So ungefähr geht es mir, seit dem ich das Erste Mal den "Was macht eigentlich Matthias Sammer?" Gedanken in meinem Kopf hatte... Das war vor seinem leichten Schlaganfall...

Das lustige daran ist ja: Das werden einem selbst die Bayern-Spitzen nicht genau beantworten können...
Sammer ist genau genommen kein guter Manager. Die Bilanz "seiner" Transfers ist eher dürftig. Erst seit dem Michael Reschke die Scoutingabteilung übernommen hat, finden die Bayern die Kingsley Comans und nicht mehr die Sinan Kurts... Und aus dem Kurt kann noch ein richtig guter Spieler werden. Trotzdem wird er nicht als guter Transfer für die Bayern in die Geschichtsbücher eingehen...

Aber... die Bayern hatten unter seiner Führung trotzdem die erfolgreichste Phase seit den 70ern. Das mag auch an der guten Vorarbeit gelegen haben (schließlich war man schon vor Sammer nur eine verteidigte Ecke vom Champions League Titel entfernt. Mit ihm und Pep Guardiola war man nur gegen spanische Mannschaften schlagbar. Der Rest der Welt war keine Konkurrenz.

Und das wirklich faszinierende an dieser Bayern Mannschaft ist ja, dass sie nicht nachgelassen haben. 4 Jahre am Stück. Bis zu dem EM Sommer 2016 wurden sie anscheinend von dieser einen Niederlage angetrieben... oder halt... von Matthias Sammer...

Denn wenn es eines gibt, worüber kein Zweifel besteht, dann das Sammer gut im Antreiben ist. Zu gut.

Gucken wir mal auf Sammers "anderen" Karrieren.
Als Spieler war er der erste abkippende Sechser des deutschen Fußballs... lange bevor es solche Begriffe überhaupt gab. Damals nannte man das noch "Libero vor der Abwehr"... und ja, der Einfluss von Sammer lässt sich erst Jahre später wirklich erkennen... der war ein echter Visionär auf dem Rasen.
Und schon als Spieler prägte Sammer die erfolgreichste Phase in der Geschichte seines Vereins. Man muss sich überhaupt mal die Erfolge von Sammer angucken... Europameister 1996 (trotz Berti Vogts), 3 Facher Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart und Borussia Dortmund... oh und 2facher DDR Meister... wir wollen ja nichts unterschlagen... Und ganz im Wesentlichen: Champions League und Weltpokalsieger 1997.
Und jetzt kommt der Kicker: All das, ohne jemals für die Bayern gespielt zu haben. Sucht mal einen weiteren Spieler raus, der ohne das Bayerntrikot auf 3 Deutsche Meisterschaften und den Landesmeisterpokal kommt. Lasst uns just for fun den Uefa Cup noch dazu nehmen. Da wird es vielleicht ein paar Borussen um Jupp Heynckes und Berti Vogts geben. Aber selbst der überragende Günter Netzer fällt nicht in diese Kategorie.
Viel wichtiger: seit den 70ern und der Ausnahmegeneration der Gladbacher... gibt es keinen deutschen Profi, der eine vergleichbare Bundesligakarriere hingelegt hat. Und das muss man nicht mal googlen, das kann man einfach so behaupten. Man beweise mir das Gegenteil...

Und jetzt kommt der nächste Kicker: Matthias Sammer war gar nicht so überragend. Also das war schon ein guter Fußballer, aber kein Lionel Messi... trotzdem gewann er als letzter Deutscher den Ballon d'Or. Als einer von 2 Defensivspielern in den letzten 25 Jahren.
Sammer war halt schon als Spieler ein Besessener. Ein krampfhaft vom Erfolg Besessener. Man muss sich einfach nur noch mal vor Augen führen, wie Sammer die Mannschaft 96 zum Europameistertitel getrieben hat. Eine Mannschaft, die am Ende (Zufall?) mehr verletzte als fitte Spieler hatte...
Er war die Art Spieler, die für das erreichen der Sportlichen Ziele auf nichts Rücksicht nahm. Das bekamen teilweise Mit- und Gegenspieler oder die Schiedsrichter zu spüren (Motzki Sammer wäre zu einem epischen Meme geworden, wenn es damals schon Social Media gegeben hätte...). Vor allem aber bekam es der eigene Körper zu spüren.
Der 4.10.1997 sollte eigentlich ein ganz normaler Bundesligaspieltag gewesen sein... zumindest war nicht davon auszugehen, dass an diesem Tag etwas besonderes passieren würde... Weil halt noch keiner wusste, dass Sammer ausgerechnet in Bielefeld das letzte Bundesligaspiel seiner Karriere absolvierte. Einen Monat nach seinem 30. Geburtstag.
Danach hat er sich zwar noch 2 Jahre lang durch die Reha geschunden (weil der Profi Sammer halt auch nicht anders konnte...), aber am Ende hat sein Kapital also der Körper nach gefühlt unzähligen Knieoperationen aufgegeben.
Und ja, am Ende waren es die Keime, die Sammer sich bei einer Operation eingefangen hat. Aber nur um mal zu verdeutlichen, dass Verletzungen und Operationen keine Ausnahme in seiner Karriere waren: Seit seiner Debüt-Rückrunde bei Borussia Dortmund absolvierte Sammer nicht ein Mal 30 Bundesliga Spiele ein einer Saison. Weil er seinen Körper immer so weit ans Limit trieb, dass dieser sich Verletzungspausen gönnen musste.

Das wirklich faszinierende war allerdings... dass das mit den Verletzungen als Trainer nicht besser wurde. Weil er halt die Spieler so geschunden hat, wie er es von sich selbst gewohnt war. Ging ja auch sehr erfolgreich los. Nachdem er 2000 über Nacht zum Co-Trainer aufstieg, sicherte er sich erst die Klasse und wurde danach 2002 zum jüngsten Meistertrainer aller Zeiten. Und Julian Nagelsmann muss sich echt ran halten, wenn er den Rekord knacken will... wahrscheinlicher ist, dass das einer für die Ewigkeit ist... Es übernehmen halt nur ganz selten Mannschaften mit 34 eine Mannschaft mit diesem Potenzial. Oh und "nebenbei" führte er Dortmund ins Uefa Cup Finale... Ein aufsteigender Stern am Trainerhimmel...

Aber es zeigte sich auch die hässliche Seite von Sammers Intensität. Die letzten Jahre als Borussen Trainer sind bei mir als die Jahre der Kreuzbandrisse. Am Besten dargestellt durch dieses Tor von Otto Addo, dass er direkt nach dem sich sein Kreuzband verabschiedet hat, erzielte...
Natürlich findet man dazu keine ordentlichen Statistiken. Man findet nur ein Artikel, in dem nebenbei erwähnt wird, dass sich Thorsten Frings UND Evanilson in einem belanglosen Spiel der Vorbereitung 2003 jeweils das Kreuzband gerissen haben... Und gefühlt ging bei Addos Kreuzbandriss ein "Nicht schon wieder" und "nicht noch einer" durch die Deutschen Wohnzimmer...
Dazu kommen die 13 Monate Pause vom Kapitän Christoph Metzelder in genau dieser Saison. Eine derartige Häufung von schweren Verletzungen kann auch einfach kein Zufall sein...
Ich muss zugeben, dass ich irgendwie dachte, dass Sammer mehr als eine richtig Böse Knieoperation in seiner aktiven Karriere hatte, weil er als Trainer ständig mit diesem Problem konfrontiert worden ist...
Sammer forderte halt als Trainer eine Intensität, die er als Spieler vor gelebt hat... Die aber auch einen extremen Verschleiß mit sich bringt. Und er scheiterte als Dortmundtrainer an genau den selben Problemen wie als Dortmund-Spieler: Operationen am Knie.

Und Sammer hat das ja anscheinend nach seiner 2. Station in Stuttgart (wo er nach einer Saison entlassen worden ist) selber gemerkt. Anders ist es eigentlich nicht zu erklären, dass er als eigentlich aufstrebender Meistertrainer mit 38 Jahren effektiv seine Trainerkarriere beendete...

Und sich für einen entspannten Schreibtischjob entschied... was nebenbei schon sein Mentor Ottmar Hitzfeld zwischenzeitlich so gemacht hat.
Natürlich war der erste Schreibtischjob auch zu entspannt. Und ein Sammer hatte dort zu wenig Einfluss, weil er halt ständig gegen die Clique um den unantastbaren Jogi Löw ankämpfen musste...
Also wechselte er auf den perfekten Posten für ihn: Er sollte beim FC Bayern eigentlich einfach nur seine Intensität vorleben... ohne dabei die Spieler kaputt zu machen.
Und ja, Sammer ist einer der wenigen Menschen, denen ich glaube, dass sie ihren Job buchstäblich 24 Stunden 7 Tage die Woche machen. Denn am Ende füllte Sammer diesen Job so lange aus, bis mal wieder der eigene Körper aufgab... dieses Mal mit leichten Hirnblutungen...

Es entsteht da ein gewisses Muster. Was wirklich tragisch ist. Denn ich hätte den Spieler Sammer gerne noch 4 Jahre lang gesehen. Und der Junge Trainer hatte auch vielversprechendes Potenzial.
Die Arbeit als Manager im gemachten Nest ist natürlich schwer zu bewerten. Aber es kann durchaus sein, dass Sammers Einfluss auf die Mannschaft erst deutlich wird, wenn er auf ein Mal nicht mehr da ist...
Alles in allem ist Sammer eine der faszinierendsten Persönlichkeiten im Deutschen Fußball... aber leider muss man an der Stelle wahrscheinlich sagen: gewesen. Denn Sammer ist halt auch zu intelligent um den Zusammenhang zwischen seiner Einstellung und den Reaktionen der Körper zu ignorieren. Deswegen würde mich ein Comeback bei einem anderen Verein echt überraschen.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Die EM ist unser Kriegsersatz

Jetzt, wo der Spaß endlich vorbei ist, ohne dass jemand das Spielfeld zu einem echten Schlachtfeld umgebaut hat... kann man das ja mal sagen.

Man kommt ja in diesen Tagen nicht darum herum sich Gedanken über Europa zu machen. Den Briten sei Dank muss man sich dabei auch gleich um die EU kümmern...

Und bei der Gelegenheit... kann man die Integrative Kraft des Fußballs ja auch mal anders ausleben.

Wisst ihr, was ich den Brexit Gegnern am aller ehesten Vorwerfe: Dass sie es nicht geschafft haben, die EU als Friedensnobelpreis in den Vordergrund zu stellen. Und ja, ich weiß, die verkaufen eigentlich zu viele Waffen... aber sie haben sich das Ding trotzdem verdient.

Nehmt einfach mal die 7 Gründerstaaten der EWG. Und rechnet, weil es da dann lustiger wird, nochmal England mit drauf, auch wenn die erst 1973 offiziell mit eingetreten sind. Und jetzt sucht mal in der Geschichte 30 Jahre, in denen sich Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Italien und England nicht aufs Maul gegeben haben... oder deren Vorgängerinstitutionen... und ja, da kann man entspannt bis zum römischen Reich zurückverfolgen... man wird kaum 30 Jahre finden.

Durchschnittlich haben sich unsere Vorfahren 2 Mal pro Lebensspanne gegenseitig bekämpft. Krass oder? Wir Europäer brauchen das anscheinend. Das wir uns ein Mal alle 30 Jahre prügeln, liegt in unserer DNA...
Mein Mitbewohner studiert ja Geschichte und von dem kommt der Satz, dass die Nationalmannschaftsspiele unsere Version des Krieges sind. Und der konnte mir ohne nachzuschlagen zu jeder Ansetzung der EM mindestens einen Krieg aufzählen...
Und ich so: Erzähl doch nicht, England gegen die Schweiz... die letzteren waren doch immer neutral... Und tatsächlich findet man die Guglerkriege... Und ja, wenn ich euch die Liste an Schlachten, die selbst das kleine und angeblich immer neutrale Schweiz geführt hat, wird euch schlecht...
England hat dagegen... gegen 22 Nationen auf der Welt keinen Krieg geführt. Und das auch nur, weil wir Andorra und Monaco als Nationen zählen...

Um mal 2 Beispiele zu nennen, wie absurd wir das mit dem Kriegstreiben übertrieben haben... In den Genfer Konventionen wurde irgendwann extra festgeschrieben, was man auf europäischen Boden alles im Krieg nicht machen darf... Und jetzt kommt der lustige Teil: Als sich alle schon einig waren, dass diese Regeln eingeführt werden müssen, wurden sie trotzdem noch ein paar Jahre aufgeschoben... weil man vorher nochmal ordentlich und gewissenlos Krieg führen wollte...

Das 2. genau so absurde Beispiel ist das Ende des ersten Weltkrieges. Danach waren sich eigentlich alle einig, dass man ein derart industrialisiertes Morden nie wieder erleben will. Und dann dauerte es unfassbare 21 Jahre bis ein noch viel schlimmerer Krieg angefangen wurde...

Man muss sich echt mal bewusst werden, wie Blutdürstig wir vor der Gründung der EWG waren. Und da muss auch kein europäischer Staat mit dem Finger auf andere zeigen, die nehmen sich da alle nicht viel. Ich selber bin 85er Jahrgang. Ich kenne also zumindest die letzten Auswirkungen des Kalten Krieges als letzter Konflikt im Herzen Europas. Wenn auch hauptsächlich aus Geschichten, aber diese haben bei mir wenigstens einen Realen Bezugspunkt. Ich kenne halt noch Menschen, die an der Deutsch-Deutschen Grenze ihren Militärdienst abgedient haben. Da kriegt das gute alte "Alle Soldaten wollen nach Haus" eine ganz neuen Bezug... Oder Menschen, die eine absurd lange Stasi-Akte haben. Oder Menschen, die sich vor der Wende Richtung Westdeutschland abgesetzt haben...

Die Generation die jetzt 16 ist, wird die erste europäische sein, die keinen Krieg im eigenen Land kennt. Und keine geschlossenen Grenzen. Also aufs Herz Europas bezogen, dass das ganze in Jugoslawien und der Ukraine anders aussieht, ist mir bewusst. Aber das ist eine riesige Leistung der EU... Man sollte auch niemals vergessen, wo wir als Europäer herkommen.

Aber, und da kommt jetzt endlich der Bogen: Auch des Fußballs. Denn 3 Jahre, nach dem allen bewusst wurde, das untereinander jetzt Krieg führen verdammt kompliziert wird... gab es das erste Kontinentale Kräftemessen in unserem allseits geliebten Volkssport. Natürlich war das nicht der ursprüngliche Plan... aber wir hatten damit wieder einen König von Europa. Und dieser Titel, auch wenn er gerade fest in der Hand der iberischen Halbinsel ist, wird seit dem munter herumgereicht.

Und ja, wir nehmen den Fußball viel zu wichtig. Man muss sich nur mal anschauen, welchen Einfluss das "Wunder von Bern" auf das Deutsche Selbstbewusstsein hatte... als "Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland". Ja, wir übertreiben es da sehr gerne.

Und ja, bei so einem großen Turnier geht es auch immer darum, etwas fürs Nationale Bewusstsein zu machen.
Wenn ihr jetzt behauptet: Der übertreibt doch vollkommen... darum geht es doch gar nicht... wir haben doch die Jubelarien der Isländer und Waliser viel zu sehr genossen, als dass du uns da jetzt einen Vorwurf machen kannst... Dann haben halt die dieses Mal mehr für ihr Selbstbewusstsein getan als wir. Man kann ja nicht jedes Mal selber dran sein, manchmal muss man halt zugucken, wie andere ihren Moment haben...

Geht aber mal ehrlich in euch: Wie oft ist um den 9.7. in eurem Umfeld das Wort "Diese Drecksfranzosen" gefallen? Vielleicht auch in abgeschwächter vorm... aber auf jeden Fall mit dem "WIR müssen DIE unbedingt schlagen"... oder dem "Es ist unfassbar, dass WIR gegen DIE verloren haben"... Und ja, Frankreich war die eine Nation, die wir seit 1939 immer erst Mal platt gemacht haben, wenn es denn los ging... Wie konnte uns DAS denn jetzt passieren?

Und ja, das ist auch alles ziemlich Harmlos. Ich will euch gar kein schlechtes Gewissen einreden. Früher hatte ich ja gerade mit dem während der Turniere aufkommenden "Party-Patriotismus" echte Probleme. Mittlerweile habe ich erkannt, dass es uns gut tut diese Ventil zu haben, in dem man das alles noch mal rauslassen kann...
Denn wenn man da nicht mal den Druck runter lässt, staut sich der in 30 Jahren ganz gewaltig auf...

Eine Europameisterschaft ist für mich ein riesiges Volksfest. In dem aber auch ganz deutlich die Unterschiede gefeiert werden.
Zum Glück haben wir nach den ersten furchtbaren Tagen mit Reichsflaggen und Straßenschlachten auch noch die Kurve bekommen und das ganze friedlich und harmonisch gestaltet. Und ja, da gab es mehr als genug großartige Videos.
Trotzdem... wird niemand auf die Idee kommen zu sagen "Das waren europäische Fans." Sondern es werden immer die Iren bleiben, die am großartigsten sind... Die sich gleichzeitig schon von den Nordiren abheben.

Denn so sehr ich die Idee eines friedlichen und einheitlichen Europas schätze (die ja nicht nur wegen des Brexits auf der Kippe stehen könnte... es brennt an ganz vielen Stellen, guckt euch einfach nur die Wahlergebnisse der AfD an...). Es wird für mich die ein kulturell einheitliches Europa geben. Weil das bedeuten würde, dass wir alle unsere kulturellen Eigenheiten aufgegeben hätten...

Um diesen Beitrag mit ganz viel Pathos zu beenden: Der Fußball hat das geschafft, woran die religiöse Grundordnung des Katholizismus, die befreienden Gedanken der Aufklärung und das industrialisierte Morden des 1. Weltkrieges gescheitert sind: Dass wir endlich einen ordentlichen und angemessenen Rahmen haben, in dem wir uns alle 4 Jahre aufs Maul geben können...