Montag, 4. Januar 2021

Worst of des "Bleibt alles beim Alten, Version 2021" Wochenendes

 Ist das eigentlich die Überschrift von jedem Jahresauftakts? Kann sein... Aber falls der eine oder andere Verein geglaubt hat, Dinge würden sich grundlegend ändern... oder gar "besser" werden, nur weil ein neues Kalenderjahr angefangen hat...

Fallbeispiel 1: Werder Bremen. Die mussten feststellen, dass sie auch 2021 immer noch von Florian Kohfeldt trainiert werden... der immer noch darauf hofft, dass aus Yuya Osako ein brauchbarer Offensivspieler wird. Der einzige wirkliche Fortschritt: Man war nicht mal bemüht. Das soll angeblich an den Reisen nach Berlin liegen... allerdings ist das im Lockdown doch auch kein wirklicher Grund, schließlich haben in Berlin genau so viele Nachtclubs offen, wie in Bremen...

Und man konnte an diesem Wochenende direkt mit ansehen, wie weit Union Berlin mittlerweile an ihnen vorbei gezogen ist. Und das, obwohl Max Kruse verletzt fehlt. Also Urs Fischer regelte innerhalb weniger Wochen genau das, woran Kohfeldt seit  1 1/2 Jahren scheitert: Ein brauchbares Offensivspiel ohne Kruse auf die Beine stellen. Aber hey, ist ja alles kein Problem... schließlich..

 feilt auch der 1.FC Köln im neuen Jahr weiterhin an einem brauchbaren Spielaufbau. Also man hat immer noch einen unförmigen Klumpen vor sich und keine Ahnung, was man mit diesem Runden Ding anfangen soll, wenn man ihn mal hat. Wenig überraschend beschäftigt sich Markus Gisdol nicht so wirklich mit Fußball, denn er versuchte es als "gut" darzustellen, dass man mit dem FC Augsburg lange Zeit mithalten konnte... Ja, genau dem FC Augsburg, gegen den jeder mithält, weil die halt auch selber nichts fürs Spiel machen... Sondern humorlos mit 1:0 gewinnen und die meiste Zeit den Gegner machen lassen. Aber immerhin hat man sich nicht von einer Mannschaft, die selber keinerlei Interesse am "Fußball spielen" hat, auseinander nehmen lassen. Das sind doch mal Fortschritte!

Bei Mainz gibt es nur anscheinend etwas neues. Also es mag jetzt wie eine Sensation wirken, dass Christian Heidel zurück ist... aber ich sag das mal so... die Theorie, dass der nur kurz Schalke herunterwirtschaftet, sich so eines Konkurrenten entledigt und dann zu Mainz zurück kehr, habe ich bereits im Januar 2019 offiziell erstellt. Und jetzt sieht es so aus, als könnte dieser Plan seine Vollendung erfahren. Und wie immer habt ihr es hier zuerst gelesen! 

Nebenbei ist es faszinierend, wie viele Jugend-Nationaltorhüter die Mainzer ausbilden. Vor allem, weil ja keiner von denen hinterher wirklich gut wird. Also Florian Müller ist einer dieser klassischen "Bundesligatorhüter": Ob der jetzt im Kasten steht, oder ein anderer, ist im Grunde genommen egal. Deswegen konnte er sich ja auch über Jahre hinweg nicht gegen Robin Zentner durchsetzen konnte... der allerdings "nur" auf ein U-17 Länderspiel kommt. Jetzt ist mit Finn Dahmen der dritte U-Nationalspieler an der Reihe... Aber keiner von denen ist halt so wirklich gut...

Schalke 04: Das hätte doch funktionieren müssen. Also die Kombination aus "Wir holen Dr.Evil persönlich", "Wir reisen nach Berlin und kriegen da Unterstützung von den Tasmania Fans, die ihren Rekord behalten wollen" UND einem "Dead Coach Bounce" hätte doch die Wende bringen sollen. Dann fällt einem auf, dass selbst Dead Coach Bounces den Schalkern nicht helfen. Also die letzten 5 Trainer konnten ihr Debüt nicht gewinnen... lediglich David Wagner gelang zum Auftakt ein Unentschieden. Der Rest verlor jeweils. Was auch nur bedeutet: Christian Gross war bereits der 3. Versuch mit Hilfe eines "neuen Besens" "den Bock umzustoßen" und die 30 Spiele Sieglos Serie zu beenden.

Jetzt... hat Hoffenheim die einmalige Gelegenheit Bundesligageschichte zu schreiben. Mittlerweile dürften selbst die Schalker Fans an dem "Jetzt haben die es so weit gebracht, Hauptsache Hoffenheim verkackt das jetzt nicht" Punkt angekommen sein. Denn sein wir ganz ehrlich: So kurz vor dem Historischen Moment doch noch einen Sieg einzufahren, wäre schon tragisch. Eine Chance auf diesen Rekord wird es wohl nie wieder geben. Zieht das durch! Ihr könnt das! 

Aber es ist Hoffenheim. Und die haben endlich mal wieder die Chance sich bei allen deutschen Fußballfans so richtig unbeliebt zu machen... das werden sie sich nicht entgehen lassen...

Irgendwo dazwischen liegt immer noch Bielefeld. Also angeblich laut BND Berichten. Und die stellen halt auch langsam fest, dass sie einfach nicht gut genug für diese Liga sind. Und das der BND Einfluss halt nur begrenzt bis in die Bundesliga reicht. Was nicht heißt, auch nur bedeutet, dass der Benin irgendwann Afrika Meister wird, weil Nathan de Medina sonst auspackt. Glaubt ihr mir nicht? Ist doch 2012 schon mal genau so passiert, als Sambia um den ehemaligen Bielefelder Christopher Katongo plötzlich diesen Titel holte... Ich sag's ja nur... und werde mich am Ende ärgern, weil ich Benin und nicht Kap Verde auf meinen Tippschein stehen habe, wenn die beiden plötzlich im Finale stehen...
Also es soll keiner behaupten, dass unser BND nicht "Dinge regeln" könnte... nur für die Bundesliga reicht es bei denen halt nicht...

Bayern München und das "Eine Halbzeit reicht" Prinzip. Das ist halt der entscheidende Unterschied zu RB Leipzig: Die Dosenkicker müssen sich 90 Minuten lang abrackern, damit sie gerade so 1:0 gewinnen. Was beim derzeitigen Spielplan eine ganz schlechte Idee ist. Die Bayern machen in der ersten Halbzeit nichts, liegen 2:0 hinten, werfen dann kurz den Motor an und gewinnen mit 5:2. Und das ist ja auch schon Normalität. Also die Bayern lagen das 8. Mal in Folge in Rückstand, haben aber keines dieser 8 Spiele verloren. Was natürlich ein neuer Bundesligarekord ist. Wenn man in der Liga keine Herausforderungen mehr hat, dann erschafft man sich selber welche.

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Ole Gunnar Solskjaer spricht eine unangenehme Wahrheit aus

Was natürlich sofort auf Kicker.de möglichst weit unten vergraben werden muss. Denn das jemand darüber nachdenkt, dass es einerseits gerade richtig bescheiden läuft und das andererseits absehbar war... Dann doch lieber das Chaos in Stuttgart auf die Titelseite.

Dabei ist der Satz von Solskjaer eigentlich unfassbar wichtig: Eine Pause ist halt unmöglich, weil der Rahmenterminkalender es nicht zulässt. Weder in England, noch in Deutschland. Und das war halt auch abzusehen.

Denn dem Fußball fällt halt jetzt seine unfassbare Gier auf die Füße. Der Fakt, dass man unbedingt alles durchdrücken und möglichst wenige Einbußen hinnehmen wollte. Also nur um das nochmal festzuhalten: Der FC Bayern hat wegen dieser uns alle beeinflussenden Pandemie auf 2 Heimspiele verzichtet: Das Viertel- und Halbfinale in der Champions League. An sonsten wurden alle Ansetzungen durchgezogen. Selbst die Klub-WM steht noch auf dem Plan, obwohl die echt niemand braucht. Da werden die Bayern wieder mit ihrem ersten Anzug hinfahren, weil... ist ja wichtig.

Jeder, der den "Es wird eine 2. Welle geben" Wissenschaftlern zugehört hat und sich den Rahmenterminkalender angeguckt hat, musste zu einem Schluss kommen: Das kann so nicht gut gehen. Man muss sich als Fußballgemeinschaft Raum für mögliche Absagen und Spielverlegungen lassen. Schließlich ist, was dem einen oder anderen Vereinstrainer nicht so ganz bewusst ist, eine Verlegung des Saisonendes dank der Europameisterschaft keine Lösung. Und wie immer gilt: Wer selbst Gierig ohne Ende ist, kann nicht verlangen, dass die anderen (also die Nationalmannschaften) zurückstecken. Ok, er kann das schon verlangen, aber es wird ihm niemand zu hören.

Es hätte so eine einfache Lösung gegeben, auf die man sich hätte einigen können: Man verhandelt mit den Fernsehstationen, ob man einmalig die Europäischen Wettbewerbe ohne Gruppenphase abhalten kann. Und fragt die, wie viel das kosten würde. Immer mit dem Verweis darauf, dass sie dann wahrscheinlicher ein geregeltes Achtel- und Viertelfinale zeigen können. Dann hätte man noch über ein einmaliges Streichen der nationalen Pokalwettbewerbe nachdenken können und fertig wäre der entschlackte Spielplan.

Was nebenbei, wenige wird es überraschen, hier bereits im Oktober vorgeschlagen wurde.

Und wenn man jetzt schon beim Viertelfinale angekommen wäre, könnte man auf ein Mal die vernünftige Entscheidung treffen: Fußballspiele im Januar absagen, die Vereine nicht reisen lassen und all die gerade eintreffenden Covid Fälle mal zur Ruhe kommen lassen. Um dann Anfang oder Mitte Februar wieder einzusteigen. Dann hätte man immer noch ein Hammer Programm, aber es gäbe zumindest die Hoffnung, dass man nur mit 5.000 und nicht mit 25.000 Neuinfektionen pro Tag umgehen muss. Also pro Land.

Aber die Uefa fuhr halt genau so auf Sicht, wie die Regierungen. Und hofften einfach darauf, dass das schon gut gehen wird. Sie beweisen wieder mal, das "Verantwortungsvolle Handeln" und "Die Gesundheit der Spieler" nicht zu ihren Prioritäten gehören. Sondern das Drucken von Geld.

Was nebenbei genau so faszinierend ist: Alle tun jetzt so, als wäre das ein Problem der Engländer... Denn die haben ja die mutierte Virusversion... die es angeblich schon im November in Deutschland gab...

Und nur die Engländer hatten über Weihnachten mit Spielabsagen zu kämpfen. Das könnte auch daran liegen, dass man keine Spiele absagen kann, wenn keine angesetzt sind, aber Details. Vor allem ignoriert man dabei, dass es vielleicht sinnvoller gewesen wäre das Wolfsburg Spiel abzusagen, weil 5 Akteure in Quarantäne mussten... Oder das Würzburg demonstrativ einen Torhüter eingewechselt hat, weil alle anderen Optionen nicht zur Verfügung standen. Also auch die DFL ist im "Absagen sind keine Option" Modus. Und das sogar in Ansetzungen, für die man relativ leicht Ersatztermine finden könnte, weil keiner der Beteiligten International spielt. 

Hier eine faszinierende Variante den Unterschied zwischen Berichtserstattung über Deutschland und England zu verdeutlichen: Es ist überhaupt kein Problem rauszukriegen, wie viele Covid-19 Fälle es im Dezember in der Premiere League gab: 45. Klingt nach viel. Aber wenn ich vergleichbare Zahlen für die Bundesliga abrufen will... muss ich mich selber durch eine Bilderserie klicken und mitzählen. Dazu muss man irgendwie auch bedenken, dass die letzte veröffentlichte Testserie vor Weihnachten rein kam. 

Wären die Zahlen so hoch, wie in der Premiere League? Wahrscheinlich nicht. Aber die Drohung Spielabsagen oder zumindest weiter drastische Wettbewerbsverzerrung, wie man sie in Würzburg erlebt hat, stehen weiterhin im Raum. Und es gibt praktisch keinerlei Spielraum um auf diese Drohung zu reagieren.

Da hätte uns echt mal jemand vor warnen können... Also außer die Wissenschaftler, auf die anscheinend niemand hört.

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Passives Abseits: Albumcharts 2020

Let's have some fun, shall we? Traditionen müssen halt gepflegt werden. Und weil man ja nicht nur auf den ganzen negativen Scheiß zurück blicken will... hier die Liste meiner neuen Lieblingsalben, über die ich in den letzten 12 Monaten und paar Wochen gestolpert bin...
Apropos: Noch ein wichtiger Hinweis an alle, die in den nächsten Tagen darüber nachdenken ein "2020 war so Scheiße, aber ist ja zum Glück vorbei... 2021 kann nur besser werden" posten wollen: Scrollt mal ein Jahr in eurer persönlichen Timeline zurück und überlegt, wie viele in eurem Umfeld genau das Ende des letzten Jahres gesagt haben... anscheinend dachte sich 2020 da: Challenge accepted. Lasst uns 2021 also nicht unnötig provozieren.

Platz 24: Chef'Special - Unfold: Ist das Album besser als Amigo, welches es auf Platz 16 des Vorjahres schaffte? Wahrscheinlich nicht, es fehlt aber dieses Live-Flashback Feeling. So bleibt dann Kaleidoscope als bestes Feel Good Stück übrig.

Platz 23: Joy Denalane - Let yourself be loved: Irgendwie ist es unfair. Also spätestens als ich die Frau letztes Jahr mit ihrem Ehemann live sehen durfte, stellt sich die Frage nach der besten Deutschen Gesangsstimme für mich nicht mehr: Joy ist einfach überragend. Aber trotzdem sind die Alben am Ende "nur" nett. Jetzt liefert sie ein super solides Soul Album ab. Mit den ganz großen Produzenten und amerikanischen Feature Gästen. Und da ist auch viel gutes dabei. Aber am Ende fehlen die herausragenden Stücke... Das geht aber nicht nur diesem Album so, sondern auch:

Platz 22: Murs and Slug - Felt 4 You: Als ich Atmosphere von der letzten Liste gestrichen habe, dachte ich nicht, dass Slug in den nächsten 12 Monaten 3 Alben raushaut. Also für nen bisschen Kontext: Murs und Slug sind dicke Freunde, die sich in unregelmäßigen Abständen treffen und Alben "for the fun of it" machen. Das war, weil Slug ja immer so ein emotionaler, komplexer Lyriker war, früher durchaus wichtig. Mittlerweile haut er aber auch mit Atmosphere regelmäßig wesentlich entspanntere Dinger raus. Und macht allgemein den Eindruck, dass er hauptsächlich noch rappt, weil er immer noch Bock auf Rap hat. Was halt den Felt Projekten diesen Sonderstatus, den vor allem die ersten beiden Teile hatten, nimmt. Dafür gibt sich Slug beim Rappen mittlerweile wieder richtig Mühe, was er zwischenzeitlich auch vernachlässigt hat... Und Murs is better then your favorite Rapper. Always has been. Aber am Ende ist er trotzdem nicht mein Lieblingsrapper...

Platz 21: Die Sterne - Die Sterne: Eine Band, die so alt ist, dass sie die Hamburger Schule gegründet haben. Also zumindest Frank Spilker der als einziges Gründungsmitglied noch übrig ist. Wer also Bock auf Indie und extrem gute deutsche Texte hat, sollte sich dieses Album auf jeden Fall gönnen. Und sich daran erinnern, dass wir in den besten Demokratien leben... Nebenbei muss ich an der Stelle erwähnen, dass Die Sterne die letzte Band war, die ich vor dem ersten Lockdown gesehen habe. Quasi am Abend, bevor alles vorbei war. Und ja, das war extrem unvernünftig, aber es war halt auch bis heute das letzte Konzert, welches ohne Abstandsregeln und ähnlichem kam. Ich vermisse solche Veranstaltungen dermaßen...

Platz 20: Tina Dico - Fastland: Denn Live-Konzerte sind, mehr noch als Songs, Something you can keep. Und ja, dieser Song ist an sich nichts überragendes... wenn man ihn aber mitten in einer Pandemie während des jährlichen Reeperbahn-Festivals plötzlich live hört, trifft er einen ganz anders. Und von all den Skandinavischen Liedermachern, die dieses Jahr auf diesem Festival auftreten konnten, (weil halt alles, was gerade so ging, nur ne Nummer kleiner ging,) war sie die herausragendste. 

Platz 19: Juse Ju - Millenium: Genau genommen hat sich Juse Ju ja bisher nur als "Feature Gast" oder "Crewmitglied" hervorgetan. Also klar, in Kombination mit Edgar Wasser oder Fatoni... Oder anders ausgedrückt: Nur Nazis haben Vorurteile! Aber dann kam dieses Album und vor allem "Model in Tokio"... Und dann fällt einem auf, dass der neue Juse Ju Scheiß auch ohne Fatoni funktioniert.

Platz 18: Reinhard Mey - Das Haus an der Ampel: Die Art und Weise, wie Reinhard Mey mit Sprache umgeht, ist einfach einzigartig. Die Liebe zum Detail in den Bildern ist der absolute Wahnsinn. Und natürlich kommt hier wie immer der Disclaimer, dass er sich nicht mehr auf dem Niveau des an sich gar nicht mehr Jungen Reinhard Meys aus den 80ern messen lassen kann. Aber das kann halt auch sonst niemand. Dazu kommt halt der Fakt, dass ich den Titelsong direkt nach der Veröffentlichung nachspielen durfte... Manchmal sind es halt die kleine, emotionalen Momente, die einen die Musik lieben lassen.

Platz 17: Klan - Sommerseite/Winterseite: Klan klingen nen bisschen wie Clueso, nur ohne die hardcore nerd Vergangenheit, die Cluesos Frühwerk so sympathisch macht. Was auch nur bedeutet: Im Gegensatz zu Clueso müssen sie sich nicht mit dem herausragenden "Gute Musik" Album vergleichen lassen. Deswegen dürfen die seichte Popmusik in deutscher Sprache machen, ohne dass es dafür Vorwürfe von mir gibt.

Platz 16: Samy Deluxe - Hochkultur: Samy ist und bleibt DER BESTE RAPPER im Land. Also technisch gesehen kommt da keiner ran. Vor 20 Jahren hätte das auch gereicht, um garantiert DAS ALBUM DES JAHRES abzuliefern. Mittlerweile hat man sich halt irgendwie dran gewöhnt, dass Samy auf einem Niveau rappt, an das keiner ran kommt. Aber, und das muss dringend festgehalten werden: Auf diesem Album sagt er auch einige richtig sinnvolle Sachen. So redet mann nicht über Mama sei da mal als explizites Beispiel erwähnt.

Platz 15: Sa-Roc - The Sharecropper's Daughter: Wo wir schon dabei sind die richtig guten Rapper abzuarbeiten: Sa-Roc. Nur weil es mich nicht mehr so begeistert, wie vor 20 Jahren, bedeutet dies ja nicht, dass ich nicht immer noch gerne guten Rap höre. Und "Forever" ist einer dieser "Deswegen liebe ich Indie-Rap" Songs.

Platz 14: Sketches on Duality - Spectrum: Stellt euch vor, ihr stolpert an einem Donnerstag Abend (oder war es Mittwoch? Details) ziemlich erschöpft und nach 8 Live-Bands in den "Where the Beatles played first" Laden und seht da dann um kurz vor 12 diese obskure Band, die perfekt Jazz mit Rap verbindet... und denkt dann: Genau so muss das laufen! Und ja, Sketches on Duality ist eine der zahllosen Reeperbahn-Festival Entdeckungen. Das Album ist deswegen hervorragend, weil Jahson The Scientist als Rapper so gut ist, dass die Musiker sich nicht seinetwegen zurückhalten müssen...
Oh und dann noch ne kurze Story Time: Mein Bruder und ich haben uns monatelang davor gedrückt, das Album als MP3 zu kaufen... Aber als die dann doch ein limitiertes Vinyl-Release bekannt gaben, bestellte mein Bruder gleich 2, ohne mich überhaupt zu fragen, ob ich auch eine brauche. Das beschreibt unser Verhältnis zur Musik ganz treffend.

Platz 13: Blond - Martini Sprite: Ich mag solche Alben einfach. Also Songs, bei denen man zunächst denkt: Ist ja lustig... und dann bei genaueren Hinhören feststellt, dass es um richtig ernsten Scheiß geht. Also nehmen wir mal "Sie" als Beispiel, welches mit einem euphorischen "Mein Herz macht Boom Boom" anfängt, dann aber ganz schnell in die Angst von Frauen nachts alleine heim zugehen abdriftet. Das hätte ich denen so nicht zugetraut.
Das ganze kommt dann mit einem klaren feministischen Anstrich. Dafür, dass sie oft so ernste Themen ansprechen, machen die viel zu viel Spaß...

Platz 12: Dota - Kaléko: Was, jetzt schon? Ist doch noch viel zu früh für ein Dota Album auf dieser Liste? Ok, dies hier ist "nur" ein "Nebenprojekt", in dem Gedichttexte von Mascha Kaléko vertont werden. All das auf dem musikalischen Niveau, an das man sich mittlerweile auch irgendwie gewöhnt hat. Und mit einigen überraschenden Gastauftritten. Also dass sie Hannes Wader für dieses Projekt aus dem Ruhestand geholt hat, sagt schon einiges aus. Und seit dem das Album im Umlauf ist, versuche ich den Begriff "kognakfroh" wiederzubeleben. Mit eher mäßigen Erfolg, aber gewöhnt euch schon mal dran...

Platz 11: Falk - Ist das glutenfrei? Dieses Album hat 2 große Probleme: Zum einen kannte der Konzertjunkie 80% der Lieder schon vorher von den Konzerten. Zum anderen hat sich das zynische Arschloch gegen den Melancholiker durchgesetzt. Beides sind absolute Luxusprobleme. "Im Biomarkt" ist seit 2017 halt nicht schlechter geworden. Wer also Bock auf zynische Geschichten hat, ist hier genau richtig...

Platz 10: Chloe, Halle - Ungodly Hour: Mittlerweile ohne X in der Mitte. Trotzdem ein regelmäßiger Gast in dieser Liste. The Ungodly Hour ist dann die Antwort auf die Frage: Was werden die wohl machen, wenn sie endlich trinken dürfen... Die Antwort: Fluchen und Fremdgehen. Also geflucht wird relativ wenig, übers Betrügen geht es überraschend häufig. Und faszinierender Weise aus allen möglichen Perspektiven. Also "Busy Boy" kommt mit folgender Zeile:

"You sendin' me too many pictures of your... (Oh)
Baby, are you drunk?
Or did you mean to send it to another girl? (Another girl)
And by the way
I think I just stumbled on your girlfriend's page (Oh, no)
Congratulations
She sayin' that the baby comin' any day"

"Wonder what she thinks of me" fängt dagegen mit

"I wonder what she thinks of me when you're coming home
I know that she smells my perfume under your cologne"

an... Aber mach mir keine Vorwürfe, ich bin schließlich nicht die Erste, mit der du deine Frau betrügst... An der Stelle bleibt zu erwähnen, dass die beiden praktisch alles selber schreiben und produzieren. Vielleicht sind sie doch nicht so gut erzogen, wie wir alle vor 2 Jahren dachten... Anyhow, ich warte weiterhin auf den ganz großen Durchbruch, der eigentlich bei jedem Grammy oder VMA Auftritt angekündigt wird...

Platz 9: Kinderzimmer Production - Todesverachtung to go: Oh yeah! Ganz ehrlich: Mit einem Kinderzimmer Productions Comeback habe ich nicht mehr gerechnet... Und das dieses Album dann so sehr nach dieser einzigartigen Band klingt... "Ja, liebe Nachbarn, da verdiene ich Geld mit!" "Lass die Putzfrau entschieden ob das Kunst ist oder weg kann." Und klar, auch nach 20 Jahren weiß niemand, ob Textor unfassbar tiefgründig oder unglaublich flach ist. Aber genau das macht den Reiz aus. Und es gibt keine andere Band, die so klingt...

Platz 8: Alicia Keys - Alicia: Dieses Album könnte langfristig noch deutlich nach oben schießen, denn das Ticket zur Live Show, datiert mit Juni 2020, liegt immer noch auf meinem Schreibtisch. Und Songs wie "Underdog", "Perfect way to die" und "Good Job" durch entsprechende Gänsehautauftritte mehrere Kategorien nach oben zu rutschen. Da sie mit dem "Here" Album nie auf Tour gegangen ist, gibt es da einiges, was unbedingt mal gespielt werden sollte. 

Platz 6+7: Atmosphere - Whenever / The Day Before Helloween: Habe ich schon erwähnt, dass mein absoluter Lieblingsrapper Slug dieses "Jahr" 3 Alben veröffentlicht hat? Scrollt hoch... Ja, habe ich, Habe ich auch schon darauf hingewiesen, dass ich aus diesen Alben nicht wirklich schlau werde? Also eigentlich kam Whenever schon nen knappes Jahr zu früh. Ich war noch nicht annähernd fertig mit dem "La Vida Loca" Album. Dann war ich mir nicht ganz sicher, ob dies nicht eines dieser "Übergangsprojekte" ist. Also Atmosphere hatten jahrelang die Angewohnheit die Zeit zwischen den alle 3 Jahre erscheinenden Alben mit "Sad Clown Bad Dub" EPs oder Gratisdownloads" zu überbrücken. Diese Projekte funktionierten auch immer als "Wegweiser" zum nächsten richtigen Album. Und häufig wurden dort einfachere Geschichten verpackt. "Postal Lady" klingt genau so. Was für sich genommen gar nicht weiter schlimm ist, aber irgendwie doch Teil des Problems. Denn während man beim Durchhören der "richtigen Releases" immer genau wusste, in welcher künstlerischen Phase man sich gerade befindet, könnte dieser Song auf 4 Zwischenprojekte passen. Oder nen Murs Part vertragen, was es zu Dirty Girl Part 2 werden lassen würde.
Auf der anderen Seite wurde halt auch in der Präsentation viel zu viel Aufwand betrieben, um es als Nebenprojekt zu kategorisieren. Also wir reden von hochwertigen Videos für "Bde Maka Ska" und "Lovely" Lovely kommt sogar mit nem richtigen Ant Auftritt, das hätte es früher nie gegeben. Also ist Whenever am Ende einfach das erste Atmosphere Album, dem dieser richtige Übertrack fehlt.
Und weil das dann nicht reicht, gibt es "The Day Before Helloween". Mit von Jason Goldwatch produzierten 40 Minuten Video... Welches aber mit einer dringenden Warnung kommt: Ihr solltet euch vorher "The Wall" von Pink Floyd angucken... und wenn euch das nicht verstört, könnt ihr euch auch an diesem Projekt ausprobieren. Ihr seid gewarnt. Vor allem hat mir das gucken des Filmes auch beim 3. Versuch nicht wirklich beim verstehen des Albums geholfen... Aber auch The Day Before Helloween ist definitiv zu komplex um als "Haben wir so nebenbei gemacht" durch zugehen. Vor allem klingt es gerade im Vergleich zu Whenever wieder komplett eigen. Also wenn man zufällig in der Playlist auf einen Song dieses Albums stolpert, wird man sofort wissen, wo man gerade ist. Und so was mag ich halt immer sehr. 

Platz 5: 100 Kiloherz - StadtLandFlucht: Heute in der beliebten Serie: Warum habe ich die alten Feine Sahne Fischfilet Sachen eigentlich nie so wirklich gefeiert? Also ja, 100 Kiloherz klingen wie Feine Sahne in ihren Anfangsjahren. Die Bläser können ungefähr 2 Variationen einer Melodie spielen, die ständig wieder verwendet wird. Das Album ist definitiv eher Punk als Abwechslungsreich. Dafür kommt es mit verdammt viel Energie und es hat hat mit "An Ampeln" auch einen dieser Überhits des Jahres. Also wie in dem Text immer nur wenige kleine Worte ausgetauscht werden, sich trotzdem alles ändert, ist einfach nur großartig.

Platz 4: Theodor Shitstorm - Sie werden dich lieben: Heute in der beliebten Serie: Wie konnte ich das so lange verpassen? Also das Album ist von 2018. Und spätestens 2019 sagte mein Vater mir, dass ich das unbedingt mal hören muss. Ich kam aber erst Anfang 2020 dazu. Jetzt könnte ich einfach auf das nächste Album warten, welches für 2021 angekündigt wurde... aber dafür ist das Album zu gut. "Depression" ist eine perfekte musikalische Umsetzung dieses so ernsten Themas. Nur echt mit Ohrwurm-Chorus... "Mama, schick mir die Platten von Reinhard Mey" ist wunderbar melancholisch. 

Platz 3: Die Ärzte - Hell: Womit ich definitiv nicht mehr gerechnet habe... ist ein relevantes Ärzte Album. Dabei habe ich Farin Urlaub immer für einen überragenden Lyriker gehalten. Man könnte allein über die Zeile "Ich hab dir nie gesagt, dass du mir fehlst" Doktorarbeiten schreiben... Aber das war halt "13" und das ist verdammt lange her. Und auch wenn es danach noch das ebenfalls überragende "Geräusch" gab, waren "Jazz ist anders" und "Auch" zwar nett... sind aber irgendwie an mir vorbei gegangen. Und selbst Auch ist halt schon 8 Jahre alt. Das letzte Mal lief mir Bela B über den Weg, als er seinen Heimatroman vorstellte... Es wirkte einfach so, als wären die fertig. Aber dann traten sie auf ein Mal in den Tagesthemen auf. Und stellten die eigentlich essenzielle Frage, "was Beyoncé morgen trägt"... ich meine natürlich "WARUM SPRICHT NIEMAND ÜBER GITARRISTEN?" Und ich frage mich, ob es wirklich so schlimm ist, dass ich ein gesamtes Album wegen einer Queen B Referenz feiere. Ok, ganz so schlimm ist es auch nicht, es gibt ja auch noch "Woodburger". Auch wenn ich da immer denken muss, dass ein gewisser Götz Widmann das Thema schon mal besser abgehandelt hat. Und ganz ehrlich: Ein Bier wollt ich schon immer sein... Kurz gesagt: Es sind sehr viele sehr schöne Ärzte Songs auf dem Album. Und wie immer dieser eine verwirrende Rod Song...

Platz 2: Sarah Lesch - Der Einsamkeit zum Trotze: Ich bin ja seit Corona Freund völlig absurder Verschwörungstheorien. Also ich entwickele sie selber. Einfach "Bill Gates will uns verchippen" nachzuplappern ist viel zu langweilig. Dann fällt einem plötzlich auf, dass Sarah Lesch mein Leipzig im ersten Lockdown mit pinken "Der Einsamkeit zum Trotze" Plakaten zugepflastert hat... Und rechtzeitig zum Weihnachtsfest gab es dann wieder einen Lockdown, was schenkt man sich da am besten? Da stellt sich schon die Frage: Kann es sein, dass sie dieses Virus erschaffen hat um ihre neue Platte zu promoten? Und es dann zu Weihnachten in einer neuen Welle zu verkaufen?
Ich sag das mal so: Der Titeltrack trifft einen live ganz anders, wenn man ihn nur während Pandemie gerechten Konzerten sehen darf, bei denen man Mindestabstand zum Nebenmann halten muss... "Wir schaffen das nur Gemeinsam, der Einsamkeit zum Trotze!"
Dazu kommt noch absurdes Storytelling mit dem Rosa Elefanten. Das definitiv beste Lied, welches sie je ausgeschwiegen hat. Beute in Bauch ist ein zumindest seltsames Liebeslied. Und alles in allem pflegt die Frau genau den detailverliebten Umgang mit Sprache, den ich bei Reinhard Mey immer so geliebt habe.

Platz 1: Götz Widmann - Tohuwabohu: Das Album muss einfach großartig sein, es hat meinen alten Plattenspieler zerstört. Oder es ist so furchtbar, dass mein treuer Freund an genau der Stelle sagte: Jetzt reicht's. den Scheiß mach ich nicht mehr mit. Ich tendiere zu ersterem. Was auch nur bedeutet, dass das erste Album des Jahres auch das Beste war...
Und natürlich ist Götz sprachlich wesentlich brachialer als Sarah oder Reinhard. Das bedeutet aber nicht, dass er nicht auch perfekt den Nerv treffen kann. Und "Europa" macht genau das. Die letzte Strophe sollte man allen vorspielen, die sich nicht mehr an die Geschichten ihrer (Ur-)Großeltern erinnern können. Die Frage, warum es keinen Europafeiertag gibt, an dem wir uns alle mal gemeinsam besaufen, ist mehr als berechtigt. Auch wenn es irgendwie nach einer Forderung von der Partei DIE PARTEI klingt.
"Maria" ist einfach nur schön. Dass sich dann noch jemand die Mühe gemacht hat Originalaufnahmen aus der beschriebenen Bar zusammenzuschneiden... Und wer solche kleinen Kaschemmen nicht kennt, hat halt nicht gelebt.
Als jemand, der eine Bierleitung in seinem "Wohnzimmer" liegen hat, kann ich euch bestätigen, dass "Fließendes Bier" eine absolut geniale Idee ist. Und "Babydinosaurier" beweist, dass es den absolut albernen Götz immer noch gibt. Wenn das einzige "Problem" auf dem Album der Fakt ist, dass "Klimakatastrophe" als Gedicht ohne Musik live wesentlich besser war, hat man ein verdammt gutes Album.

Dienstag, 22. Dezember 2020

Während Corona geht so was ja gar nicht!

Also noch mehr als sonst nicht. Das ist ja viel viel schlimmer. Deswegen muss man den... wer war es noch gleich... nicht der, der andere... Marcus Thuram jetzt doppelt so hart bestrafen...

Ähm... Nein.

Also nur um das mal kurz festzuhalten: Thuram hat ungefähr 70 Corona-Tests hinter sich, damit er auf dem Platz stehen darf. Mindestens. Das ganze Konstrukt "Hygienekonzept" funktioniert nur, weil wir davon ausgehen, dass die Spieler das Virus nicht haben. Und die Fälle in Wolfsburg oder Würzburg zeigen ja, wie drastisch durchgegriffen wird, sobald der leiseste Zweifel an dieser Grundlage besteht.

Man wird ja sicherheitshalber vom Spielberichtsbogen genommen, wenn man nur Kontakt mit jemanden hatte, der sich mit Covid-19 angesteckt hat. Und das ist auch vollkommen vernünftig so.

Das bedeutet aber auch: Die Pandemie sollte keinerlei Einfluss auf das Strafmaß haben.

Dann kommen aber alle mit "Aber die Vorbildfunktion!!!!1ELF!! Gerade in diesen Zeiten muss man doch!"
Ja... also könnte man. Aber warum berufen wir uns auf die Vorbildfunktion, wenn die Aktion extrem eklig war, und sonst ist es uns egal? Also wenn wir wollen, dass unsere Helden als Vorbilder für Hygienemaßnahmen herhalten, dann lasst uns das so machen... aber in aller Konsequenz.

Also mir fiel dies das erste Mal so richtig extrem auf, als José Mourinho spontan durch die Sportschau lief... und Jürgen Klopp kurz vorm Anpfiff mal so richtig knuddeln wollte. Natürlich ohne Maske. Ich dachte mir so: Kaum gibt es eine minimale Chance, dass Mourinho Klopp mit einem tödlichen Virus anstecken könnte, schon verliert der sonst doch eher distanzierte Trainer jegliche Hemmungen.

Und dass ist jetzt das Extrembeispiel. Aber das Trainer und Spieler sich nach den Spiel noch mal dringend in den Armen liegen müssen, ist ein regelmäßig auftauchendes Bild. Und das wird dann immer unkommentiert hingenommen. Und im Fernsehen gezeigt, weil die Emotionen ja so wichtig sind.

Genau genommen ist das aber mindestens so gefährlich wie Thurams Spuck-Aktion. Und sendet die vollkommen falsche Botschaft in unsere Wohnzimmer. Wenn man jetzt also will, dass Sportler sich wie Vorbilder verhalten, dann muss man das auch konsequent verlangen und nicht nur, wenn es einem gerade ins Narrativ passt, während man es sonst komplett ignoriert.

Es hätte dafür auch eine einfache Lösung gegeben: Man legt schon im Sommer fest, dass jegliche Verstöße gegen die AHA-Regeln vor und nach dem Spiel mit einer Verwarnungen geahndet werden. Also auch nachträglich. Und ja, praktisch kann ein Schiedsrichter auch nach dem Abpfiff Spieler verwarnen.

Und diese Verwarnungen werden statistisch wie reguläre Gelbe Karten gezählt. Sprich: Wer das zum 5. Mal macht (oder in Kombination mit Taktischen Fouls auf die 5. Gelbe Karte kommt), setzt ein Spiel aus. Dann hätte man auch eine Verhandlungsgrundlage gehabt um Thurams Sperre zu erhöhen, weil es ein krasser Verstoß gegen AHA war. Man hat aber beschlossen, dass man derartiges nicht sanktionieren will. Das muss man dann auch durchziehen. 

Das andere Problem ist, dass wir Fußball-Idioten wohl als einzige auf der Welt mit einheitlichen Regeln spielen müssen. Also wenn die DFL das für sich als Teil des Hygienekonzepts beschlossen hätte, Verstöße gegen AHA mit Verwarnungen zu ahnden, wäre das transparent und nachvollziehbar gewesen... Aber der erste Spieler, der deswegen gesperrt worden wäre, hätte sich dagegen trotzdem bei der Fifa beschweren können. Weil die Fifa Regeln ungefähr so Pandemie-gerecht sind, wie unser Grundgesetz. 

Ich werde nie verstehen, warum die Fifa solche Details nicht den einzelnen Verbänden überlässt. Also hat natürlich wenig mit Covid zu tun, aber warum müssen wir Deutschen uns Regeln beim Jubeln von anderen Kulturkreisen vorschreiben lassen? Und das ist ja der Grund, warum es fürs "Trikot Ausziehen" (ein vergehen, welches wesentlich harmloser ist als in Pandemiezeiten unmotiviert Menschen aus anderen Haushalten zu umarmen) Gelbe Karten gibt. Anstatt den Kulturkreisen, die damit ein Problem haben, einfach zu sagen: Wenn ihr damit ein Problem habt, dann zeigt das Spiel mit 10 Sekunden Verzögerung und lasst die Regie was anderes einblenden, wenn da etwas passiert, was ihr nicht sehen wollt... Dann können die nackten Bierbäuche aus den Fanblocks einblenden, anstatt die durch trainierten Oberkörper der Athleten zu zeigen... Wenn es Kulturkreise gibt, in denen die Männer anfangen zu weinen, wenn sie fittere Menschen als sich selbst nackt sehen, muss man darauf halt Rücksicht nehmen... also als TV Station aus dem entsprechenden Kulturkreis...

Dadurch ist das Regelwerk aber halt auch so träge, dass man es nicht auf Sondersituationen, wie sie derzeit existieren (also... hoffen wir mal, dass es eine Sondersituation bleibt und wir uns nicht an Pandemien gewöhnen müssen...), anpassen kann. Und das liegt halt auch stark daran, dass die Fifa, die es ja sonst mir Regeln und Gesetzen nicht ganz so genau nimmt, genau festlegen will, was auf dem Platz erlaubt ist und was nicht...

Montag, 21. Dezember 2020

Worst of des "Die gingen ja ganz schön auf dem Zahnfleisch" Wochenendes

Also nicht nur die Bayern, bei denen man es ja fast noch verstehen konnte. Oder die Gladbacher, die mit einer neuen Belastungssituation klarkommen müssen. Aber selbst die Mannschaften, die eine relativ normale Saison spielen... Die vorher so begeisternden Stuttgarter bewerben sich auf ein Mal für den Titel "Gomez der Woche"... Wolfsburg gewinnt dieses Spiel, durch das angeblich 3. direkte Freistoßtor, was aber schon eine sehr optimistische Beschreibung ist, wenn der Ball 2 Mal abgefälscht wird. (Ernsthaft, dass Schalkes Gegentor gegen Augsburg als Eigentor gewertet wurde, der Wolfsburger Treffer aber als "direkter Freistoß...)

Also wenn man sich mal vor Augen führt, wie grausam die Bundesliga wird, wenn Mainz oder Bremen mal ne Woche lang nicht trainieren können. Hat Mainz eigentlich in dieser Woche ein Mal aufs Tor geschossen? Also so richtig ernsthaft und nicht als getarnten Rückpass, den der Torwart einfach aufnimmt?

Der Kicker verwendet die Begriffe "verstörend" und "am Rande der Regresspflicht" um die 3 Halbzeiten der Hertha zusammenzufassen. Und Schalke gegen Bielefeld... nun gut, sein wir ehrlich, das Spiel sah halt aus wie "Letzter gegen Vorletzter", unabhängig von der englischen Woche vorher. Die gefährlichste Schalker Angriffsaktion der Woche kam von Cedric Brunner, einem Bielefelder Verteidiger.

An der Stelle muss direkt darauf hingewiesen werden, dass der einzige Sieg der Bielefelder auf Schalke offiziell gekauft war. Also nicht vom BND, sondern damals als Teil des Bundesliga-Skandals... Mittlerweile schafft selbst Bielefeld das, ohne auf illegale Absprachen zurückzugreifen...

Bayer Leverkusen: Man kann es sich so einfach machen und auf die kleinen Dinge "stolz" sein. Also zum Beispiel an dem Fakt, dass man "So nah an den Bayern" wie "schon lange nicht mehr" war. Nun überrascht es mich nicht, das Rudi Völler sich nicht wirklich mit Fußball beschäftigt. Sonst wäre ihm aufgefallen, dass selbst Bremen und Union Berlin sehr "dicht" an diesen Über-Bayern war. Denn die sind halt gerade im eigentlich von Real Madrid patentierten "Wir machen nicht mehr als nötig und wurschteln uns gerade so durch" Modus... Also als gewagte These: Selbst Schalke... ok, auf Augenhöhe wären die natürlich nicht, aber selbst Schalke würde gerade nur 4:0 gegen Bayern verlieren. Und könnte hinterher behaupten: So nah waren wir den Bayern lange nicht mehr...

Wenn sich in der Bundesliga irgendwas was ändern soll, müssen die Herausforderer in den wenigen Schwächephasen viel gieriger sein. Denn die Bayern sind ja gerade verwundbar. Da darf es kein "ein klasse halbe Stunde von uns" und kein "Wir standen gegen einen starken Gegner vor einem gerechten Unentschieden" geben. Stattdessen hätte es lauten müssen: Gegen diese Bayern wäre ein Unentschieden unser Mindestanspruch gewesen und jetzt sind wir richtig enttäuscht, dass es nicht mal dazu gereicht hat.

Also nicht in Angesicht der überragenden Gesamtjahresleistung, sondern in dem kürzeren Zeitfenster der letzten 7 Spiele, in denen die Bayern jeweils in Rückstand gerieten... Aber die Bundesligisten denken sich ja "Scheiße, ne Führung gegen die Bayern, was machen wir jetzt?"...

Heiko Herrlich und Iago... und natürlich der VAR. Und der Kicker. Also zum einen ist es faszinierend, dass der Kicker einerseits schreibt, dass es eine Ermessensentscheidung war keinen Elfmeter in der 73. Minute zu geben, weshalb der VAR nicht eingreifen konnte. Andererseits spricht er von klaren Fehlentscheidung... also vielleicht spreche ich eine andere Sprache, aber wenn es eine klare Fehlentscheidung war, ist es eben nicht mehr im Ermessensbereich.
Also es gibt ja gefühlt jedes Wochenende diese Elfmetersituationen, bei denen man durch die Vereinsbrille sagt "Klarer Elfmeter"... oder "Auf keinen Fall", je nachdem in welchem Strafraum man sich befindet. Und das sind dann die Elfmeter, bei denen man vom "Ermessensspielraum" redet. Bei den Augsburgern lag der Fall so, dass selbst Adi Hütter hinterher zugab, dass man verdammt viel Glück gehabt hat. Und wenn der gegnerische Trainer, der ja immer nur durch die ungefilterte Vereinsbrille guckt, weil sein Job davon abhängt, zugibt, dass es hätte Elfmeter geben müssen...

Das eigentlich spannende ist aber, dass Heiko Herrlich hinterher die Chance verpasst das eigentliche Problem dieser Entscheidung anzusprechen: Wenn Iago sich fallen lässt, greift der VAR ein und es gibt Elfmeter. Oder der Schiedsrichter gibt ihn gleich. 

Nun hätte Herrlich seinen "Rant" sogar geschickt verpacken können: Wir wollen doch alle, dass die Spieler in solchen Situationen stehen bleiben und versuchen das Tor zu erzielen, anstatt auf den Elfmeter zu gehen. Das werden wir aber nur schaffen, wenn der VAR auch in solchen Momenten eingreift und sagt "Hey, Schiri, guckt dir das nochmal an, das reicht für nen Elfer"... 

Aber (und das passiert nicht zum ersten Mal in dieser Saison): Der faire und vorbildliche Spieler ist am Ende wieder der Dumme, der bestraft wird. Und jetzt kann sich keiner mehr beschweren, wenn die Augsburger sich demnächst wieder theatralisch im Strafraum fallen lassen, denn anscheinend wirkt nur das auf die Schiedsrichter.

Ich warte echt auf den ersten Moment, wo der Videoassistent einen berechtigten Elfmeter für einen weiter spielenden Angreifer gibt. Das wäre echt so ein bahnbrechendes Signal. Der erste Schritt, damit diese ewige Umfallen im Strafraum endlich zumindest eingedämmt wird. Aber bei jeder Gelegenheit, die der VAR dazu bisher hatte, sagte er: "Werft euch doch lieber hin, das ist einfacher und besser..." Schade. 

An sonsten wollte ich als eventuell letztes Update zur Augsburger Spielweise mal erwähnen, dass selbst Bielefeld auf Schalke 54% Ballbesitz hatte... während Augsburg in ihrem leichtesten Heimspiel der Saison nur auf 41% kamen... der arme Ball, der damals ständig von den Schalkern getreten werden musste, ist mittlerweile in psychologischer Betreuung...

Marcus Thuram, Vollidiot der Woche. Nur der Vollständigkeit halber. Also weil ich mich ja gefragt habe, wie ein "Unsportlichkeit" auf dem Rasen von Vollprofis aussehen könnte, habe ich jetzt eine beeindruckende Antwort bekommen.
Aber danach ist dazu doch schon mehr als genug gesagt worden. Bleibt nur noch ein "Den Spieler dafür lebenslang sperren zu wollen" ist einfach nur bullshit. Manchmal fragt man sich echt, warum wir ständig alte Männer vor die Kameras zerren, damit die sich zum Thema Fußball äußern können...

Also der Marcel Reif hat je die Deutsche Staatsbürgerschaft abgelegt... vielleicht hat er es deswegen verpasst, dass selbst dem Attentäter von Halle nie eine Lebenslange Haftstrafe drohte, sondern das härteste Strafmaß "mit anschließender Sicherheitsverwahrung" kommt. Also nur um zu verdeutlichen, dass lebenslange Strafen nicht mit unseren Wertesystem vereinbar sind...

Freitag, 18. Dezember 2020

Wenn man kurz darüber nachdenkt

 Ob man nicht vielleicht doch Mitleid mit Schalke haben könnte... holen die Huub Stevens zurück. Das ist das Level an Verzweiflung, welches man in Gelsenkirchen erreicht hat.

Nur um das mal zu verdeutlichen: Stevens ist der Jahrhunderttrainer auf Schalke... aus dem letzten Jahrtausend. Als der noch ein richtig guter Trainer war, stand noch eine 19 vorne bei der Jahreszahl...

Aber weil Stevens ja offensichtlich zu alt für den Scheiß ist... denkt man über Friedhelm Funkel nach... Der ist offiziell im Ruhestand und hatte seine größten Erfolge... in den 80ern. Ok, als Spieler, aber Details... Er ist immerhin jünger als Stevens... ganze 11 Tage...

Dass Schalke sich mittlerweile so weit zurück entwickelt hat, dass man auf DEN noch lebenden Feuerwehrmann schlecht hin zurück greifen muss... Aber hey, wenn das auch nicht klappt, geht Peter Neururer bestimmt ans Telefon... 

Nebenbei hat man als chronisch klammer Club dann 3 Trainer für die erste Mannschaft unter Vertrag... alles Geld, welches man in Daniel Caliguiri hätte stecken können. 

Es ist halt völlig absurd, wie unfähig Schalke sich derzeit präsentiert. Also wir hatten ja schon den geplanten Abstieg von Hannover 96, aber Hannover war halt nie annähernd so groß und bedeutend wie Schalke 04. Also auch Martin Kind brauchte 3 Jahre bis er seine "Vision Abstieg" vollendete, aber er kam wenigstens "nur" aus der Europa League... Schalke war vor 3 Jahren Vize-Meister und spielte relativ regelmäßig in der Champions League... Die Fallhöhe ist halt eine ganz andere...

Und auch der Vergleich mit dem Hamburger SV ist mehr als unangebracht... denn einerseits hat man sich dort wenigstens gegen den Abstieg gewehrt, auch wenn man sich dabei so ungeschickt angestellt hat wie möglich. Andererseits brauchte man 8 Jahre um den Weg vom Halbfinale der Europaleague zum Zweitligsten zu vollenden. Verglichen mit dem, was gerade auf Schalke passiert, war das ein geradezu schleichender Niedergang...

Das einzige Problem der Schalker: Am Ende wird ihr genialer Absturz-Plan an der mangelnden Kooperation von Bielefeld und Mainz scheitern. Bielefeld kann, wie gestern schon erwähnt, wenig dafür, dass sie so schlecht sind, aber auch die Mainzer arbeiten dieses Jahr intensiv an einem Abstieg. Also so intensiv und konkret, dass ein Mateta-Transfer im Winter mich nicht überraschen würde... Gut für die Mainzer, dass die Schalker kein Geld haben, sonst könnten sie der Verlockung erliegen ihn nach Gelsenkirchen zu schicken... zuzutrauen wäre es den Mainzern gerade.

Dazu kommt als weiteres Problem, dass die wirtschaftliche Lage auf Schalke ja so katastrophal zu sein scheint, dass bei einem Abstieg die Existenz des gesamten Vereins auf dem Spiel steht. Also klar, der HSV hat auch Miswirtschaft betrieben und sich an den Tropf eines Investors gehangen. Aber anscheinend konnte man trotz Corona 2 Zweitligajahre in Folge stemmen. Auf Schalke hat man anscheinend noch keinen blassen Schimmer, wie das funktionieren soll.

Es ist einfach unfassbar, wie ein derart großer Verein sich so schnell so weit runter wirtschaften konnte.Vor allem wenn man bedenkt, dass sie für Manuel Neuer, Julian Draxler, Leroy Sané und Tilo Kehrer zusammen 162 Millionen Euro Ablöse für selbst ausgebildete Talente bezahlt bekommen hat. Aber das dadurch verdiente Geld hat man anscheinend praktisch verbrannt...

Was auch nur bedeutet: Selbst wenn die Unfähigkeit der Mainzer und die Relegation die Schalker am Ende irgendwie rettet, ist noch lange keine Besserung in Sicht... Die einzige wirkliche Hoffnung, die man derzeit noch hat, ist... dass die Knappenschmiede schnell einige vielversprechende Talente ausspuckt. Und dass man bis dahin fähigere Leute in den entscheidenden Positionen hat, damit diese Talente nicht wieder verschwendet werden.

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Worst of der "manches änder sich nie" englischen Woche

 Fangen wir mal direkt mit den Augsburgern an, die meine Ausführungen vom Dienstag anscheinend unbedingt belegen wollten... und gegen Bielefeld ein ähnlich grausam geführtes Spiel wie am Sonntag halt eiskalt mit 1:0 in der Schlussphase gewannen. Das Spiel war zwar nicht das schlechteste der Woche, aber das lag nur daran, dass Bielefeld sich wenigstens bemüht hat... Die sind halt nur auch zu schlecht. Das ist auch kein Vorwurf, die können ja nichts dafür, dass der Hamburger SV den Aufstieg schon wieder verkackt hat und deswegen dieser eigentliche Zweitligist in der Bundesliga mitwurschteln muss. Aber sie kommen halt doch deutlich an ihre Grenzen. Und Augsburg hat sich offensichtlich endgültig dagegen entschieden selber am Spiel teilzunehmen.

Hätte ich nebenbei gleich auf den Spielplan geguckt, wäre mir dieses Spiel schon vorher als passendes Argument für die Belanglosigkeit der Augsburger UND ihres Gegners genannt. Denn wenn ihr auf einer Blinden Deutschlandkarte beide Orte einzeichnen sollt, seid ihr bestimmt auch überfordert... Also klar, Augsburg liegt irgendwo in Bayern, aber das ist ein verdammt großes Bundesland. Und Bielefeld liegt neben Paderborn, was einem auch nicht weiter hilft. Und das, obwohl beide Städte gerade einen Bundesligisten stellen.

Es stand quasi vorher schon fest, dass das Spiel extrem grausam werden würde, weshalb die Sportschau es mit einem "bleiben sie dran, danach kommt Liverpool - Tottenham" ankündigte. 

Und ja, bei all den Verbesserungen in der Bundesliga bleibt festzuhalten: Es gibt sie noch, diese komplett grausamen Begegnungen. Der eigentliche "Höhepunkt" war Herha BSC Berlin - Mainz 05. Ein Spiel, welches bei kritischer Betrachtung ohne einen Torschuss auskam. Also ja, Barreiro lenkte einen Ball an die Latte, aber dieser "Versuch" ging bei kritischer Betrachtung nicht aufs Tor, sondern ans Gehäuse. 

An der Stelle sei mal wieder die großartige Online Datenbank von Kicker.de "gelobt", bei der man sich natürlich nicht anzeigen lassen kann, wie viele Bälle wirklich aufs Tor kamen... Und weil die alles, was grob Richtung Tor fliegt, als Torschuss zählen, kommen die auf 16... Bestes Fachmagazin der Welt...

Wahrscheinlich haben sie auf Kicker.de sogar den kläglichen Versuch der Bielefelder, der nicht aufs Tor sondern ins Seitenaus ging, als "Torschuss" gewertet...

Man sollte nebenbei erwähnen, dass Hertha a) ein Heimspiel hatte und b) für ihre Offensivspieler Matheus Cunha und Krzysztof Piatek 42 Millionen Euro Ablöse ausgegeben hat und c) gegen einen der offensichtliche Abstiegskandidaten spielte... mit so einem Potenzial so wenig abzuliefern... schaffen sonst nur von Jogi Löw betreute Mannschaften. Beeindruckende Leistung von Bruno Labbadia

An sonsten merkte man Mark Uth noch deutlich die folgen seiner Gehirnerschütterung an. Schließlich hat er sich öffentlich darauf gefreut, dass Schalke Spiel live zu sehen. Das kann man nur, wenn man aus einem 12-monatigen Koma erwacht ist... 

Die beste Nachricht aus Schalker Sicht: Man hat Armine Harit jetzt schon begnadigt und stellt ihn wieder auf. Was auch nur bedeutet, dass man ihn nochmal suspendieren kann, bevor er dann in der Relegation zum Retter wird... Und jetzt gibt es als absolutes Überhighlight der Saison: Schalke - Bielfeld.  

Wo wir schon bei "guten Nachrichten für die Schalker" sind: Die letzte Mannschaft, die mit 4 Punkte aus 12 spielen und ohne Sieg in die Saison gestartet ist, war der HSV in der Saison 2016/17. Das war damals, zu den glorreichen Zeiten, als der HSV noch gerade so die Klasse gehalten hat. Ob man diesem Ideal allerdings wirklich nacheifern muss...

Apropos Gehirnerschütterungen und "manches ändert sich nie": Einerseits gibt es da jetzt Fortschritte, weil bei Kopfverletzungen eine zusätzliche Auswechslung erlaubt sein soll. Ein guter Ansatz. Aber den entscheidenden Punkt verpasst man halt: Neutrale Ärzte stellen, die überprüfen ob ein Spieler eine Gehirnerschütterung hat oder nicht... und ob er überhaupt schon wieder Einsatzfähig ist. Denn Nasssim Boujellab  „ hat bis 7 Uhr morgens nicht schlafen können vor Kopfschmerzen“, spielte gestern aber trotzdem. Das sind jetzt in der Ferndiagnose ebenfalls eindeutige Anzeichen für eine Gehirnerschütterung und dann ist es Wahnsinn 3 Tage danach schon wieder zu spielen. Absoluter Wahnsinn. Aber es wird uns als aufopferungsvolle Heldengeschichte verkauft. Weil wir uns halt mit diesem unangenehmen Thema einfach nicht beschäftigen wollen...

Wenn man wirklich etwas gegen Kopfverletzungen unternehmen und Spieler schützen will, stellt man als DFL zu jedem Spiel einen neutralen Arzt, der feststellt, ob der Spieler wahrscheinlich eine ernste Kopfverletzung hat... und den danach dann auch entsprechend krank schreibt... Wie die NFL das macht. Das ist die einzige Lösung, die wirklich funktioniert. Alles andere ist offensichtlich nicht zielführend.

An sonsten versucht Bayer Leverkusen jetzt öffentlich "Druck" auf die Bayern auszuüben, denn man kommt ja als Tabellenführer... Die Bayern werden sich jetzt bestimmt auch ganz intensiv mit der wichtigsten Frage beschäftigen: Holen wir Bayer jetzt schon ein? Oder warten wir noch, es ist schließlich Bayer, die können wir auch noch am 34. Spieltag von der Spitze stoßen...

Die Bayern werden sich gestern gedacht haben: Wie niedlich, die verschießen all ihr Pulver gegen Köln, anstatt das Spiel humorlos und Kraft sparend zu gewinnen...

Kommen wir zur wichtigsten Frage des Wochenende: Warum wurde bei Oliver Baumann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, bei Christoph Krämer aber nicht? Die Antwort ist banal, aber schlüssig: Bei Baumann's Vergehen durfte man auf den VAR zurückgreifen, bei Krämers aber nicht... warum?

Nun ja... diese Woche hat mal wieder eindrucksvoll nachgewiesen, warum der VAR nicht funktioniert: Weil die Stellen, an denen er eingreifen darf, vollkommen willkürlich sind. Nehmen wir mal die 2 Beispiele:

1.) Wenn Manuel Gräfe Florian Niederlechner für seinen "Schlag ins Gesicht" direkt Rot gibt, darf er das hinterher nochmal überprüfen und feststellen "Oh, das habe ich ja völlig falsch eingeschätzt..." Da er ihn aber "nur" mit Gelb-Rot vom Platz stellt, hat er diese Möglichkeit einfach nicht... Der Einfluss auf den weiteren Spielverlauf ist aber jeweils derselbe: Augsburg muss zu 10. weiter spielen, was in den meisten Fällen eine entscheidende Schwächung ist. Warum man nicht allgemein sagt "Bei Platzverweisen kann der VAR zur Hilfe genommen werden", ist einfach unverständlich.
Natürlich kommen dann die ganz tollen Experten und heulen "Was, wenn die erste Verwarnung unberechtigt war?" Na dann ist man als Profi immer noch der Dumme, wenn man danach so hinlangt, dass man eine weitere Verwarnung bekommt. Die Gelbe Karte ist ja als Hinweis gedacht, dass man sich ein wenig zurückhalten sollte.

Dasselbe bei Beispiel 2.) Wenn jetzt einem Frankfurter Spieler tief in der eigenen Hälfte der Ball an die Hand gesprungen wäre und daraus dann die Spieleröffnung zum 2:1 entstanden wäre, hätte der VAR das Tor zurück genommen. Wenn es aber nur durch einen nicht regelkonform ausgeführten Freistoß entsteht, kann man da halt nichts machen.

Und natürlich muss sich Gladbach eigentlich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie trotz des falsch ausgeführten Freistoßes noch genügend Raum und Zeit hatten um den Gegentreffer zu verhindern. Aber das wäre bei einem Handspiel tief in der eigenen Hälfte genau dasselbe. Und da hat der VAR teilweise schon eingegriffen.

Die Fifa hat das so fest gelegt, weil sie nicht will, dass wir in endlosen VAR Unterbrechungen ertrinken. Das ist auch vernünftig. Aber könnte man dann nicht einheitliche, konstant anwendbare Regeln finden, die dies verhindern? Einfachstes Beispiel: Der VAR kommt bei Toren nur in der Hälfte der Verteidigenden Mannschaft zum Einsatz. Mit der einfachen Begründung: Wenn der Schiedsrichter eine Kleinigkeit in der anderen Hälfte übersieht, sind die Fehler der verteidigenden Mannschaft immer noch größer und relevanter als der des Schiedsrichters.
Natürlich kommen dann die ganz tollen Experten und heulen "Was, wenn ein Ball in die Tiefe aus des Gegners Hälfte zum Gegentor führt"... da sage ich dann nur: Wenn du gegen schnellere Stürmer taktisches Harakiri begehst, machst du das auf eigene Verantwortung. Es zwingt dich ja niemand dazu eine Abseitsfalle auf Höhe der Mittellinie aufzustellen...

Das wäre auch nicht perfekt, aber jeder Spieler könnte vorher darüber informiert werden und es wäre nachvollziehbar, wann man auf den VAR hoffen darf und wann man sich an die eigene Nase fassen muss.

Nebenbei ist auch Kramers „Dann gab es eine Situation, die in meiner Karriere schon zwei Millionen Mal abgepfiffen wurde" Aussage lustig. Also was Kramer bei seiner Übertreibung verschweigt: Er hat es halt auch schon 3 Millionen Mal versucht... Er erinnert sich aber nur an die Fälle, in denen er zurück gepfiffen wurde, nicht an die, wo er den Angriff eröffnen konnte...