Dienstag, 23. Oktober 2012

Der Radsport muss Lance Armstrong vergessen

möglichst schnell... denn nur wenn man diesen Vorfall möglichst schnell vergisst, kann man hinterher in Ruhe weiterdopen.
Aber ganz ehrlich, der Radsport sollte die letzten 15 Jahre ganz schnell vergessen... Mindestens. Denn wenn die wirklich mit dem Dopen aufgehört hätten, würden die heute wohl kaum noch dieselben Berge hochkommen wie zu Armstrongs Zeiten. Und ob der nun wirklich schlimmer, oder nur besser und wissenschaftlicher, als der Rest war, werden wir nie rausbekommen.

Aber nun stellt euch mal vor, euch würde jemand sagen: "Wir müssen Pele vergessen!" Möglichst schnell. Oder Zinedine Zidane, um ein zeitnäheres Beispiel zu nennen. Nun kann man natürlich direkt behaupten:
Der Fußball ist doch sauber, wie soll man das denn dopen?


Fußball ist halt kein Ausdauersport. Talent kann man sich sowieso nicht erdopen und mit Technik sieht es ähnlich aus. Stimmt sicherlich... Aber Fußball ist, gerade in der Gegenwart, auch ein sehr athletischer Sport. Und die Hohe Kust ist es ja, diese Technik, Übersicht und Klasse auch noch in der 118. Minute zu zeigen... Und jetzt soll niemand behaupten, dass Fußballspiele nicht in der 118. Minute entschieden werden...
Nachdem man 10 bis 12 Kilometer gelaufen ist, muss man immernoch die Luft haben, um guten Fußball zu spielen.
Ein Lionel Messi hat mittlerweile so viel Kraft im Oberkörper und Beinen, dass er sich gegen die vielen körperlichen Angriffe durchsetzen kann. Mit 13 musste genau dieser Messi mit Wachstumshormonen vollgepumpt werden, damit er überhaupt seine 1,69 groß wird... Und was ist eine Behandlung mit Hormonen anderes als Doping?
Vielleicht kann ich mir sogar einreden lassen, dass der Fußball während der Saison relativ sauber ist. Aber in der Vorbereitung? Wenn die Muskeln aufgebaut werden müssen, mit denen man dann die Zweikämpfe bestreiten darf. Wollen wir davon ausgehen, dass da nicht mit allen Möglichkeiten der Grauzonen nachgeholfen wird?
Man vergleiche einfach mal die Körper von einem Günter Netzer und einem Cristiano Ronaldo. Daran alleine kann man erkennen, wie sehr sich der Fußball in den letzten 30 Jahren verändert hat. Natürlich hat das auch was mit dem verbesserten Training zu tun. Aber nur damit?
Und nur so nebenbei: den Ausdruck "sich fit spritzen lassen" gab es wahrscheinlich damals schon. Und selbst heutzutage, wo Doping ein Thema in den Medien ist, kann man sich als Profi wie Christoph Metzelder hinstellen und behaupten, er würde sich "jeder Zeit fir spritzen lassen." Nur um mal einmal zu klären, wie hoch im Zweifelsfall die Hemmschwelle wäre, wenn ein Arzt in der Vorbereitung kommt und sagt: nimm das mal, das macht dich fitter...
Sobald ich sehe, dass ein Verein eine Medizinische Abteilung hat... gehe ich davon aus, dass die alles ausreizen wird, was erlaubt ist, um die Leistungen zu steigern. Und erlaubt ist de facto, was nicht nachgewiesen werden kann.

Ist das schlimm? Oder habe ich mich einfach nur damit abgefunden? Ich finde es eher schlimmer, dass der Radsport so am Pranger steht. Wahrscheinlich ist es bei einem reinen Ausdauersport wirklich schlimmer als in anderen Sportarten. Aber bei Olympia haben wir hunderten von denen zugejubelt. Natürlich davon ausgehend, dass die alle sauber sind...
Aber selbst wenn alle Spitzensportler was nehmen? Die sollen mich ja unterhalten. Und natürlich immer schneller, krasser, athletischer. Beschwere ich mich, wenn die Fotos von der Frau in einem Männer-Magazin retouschiert wurden... oder die Frau vorher geschminkt wurde? Oder wenn die Aufnahmen des Gesangs von der Frau aus dem Männermagazin mit verschiedenen Programmen überarbeitet wurden, damit es nach Musik klingt? Nein, ich fühle mich gut unterhalten. Beschweren werde ich mich nur, wenn sie sich dabei erwischen lässt, dass sie nicht mal selbst gesungen hat... Und ähnlich betrachte ich es mit dem Sport. Der ist ja vor allem deswegen faszinierend, weil Menschen dort Dinge machen, die man selber niemals könnte...

Was nicht heißen soll, dass man Doping komplett frei geben sollte... aber nur um die Sportler zu schützen. Ich will gar nicht wissen, auf was für Perversitäten Funktionäre und Ärzte kommen würden, wenn man ihnen sagt: ihr dürfte alles machen, um die Leistungen zu steigern...

Kommentare:

  1. Interessanter Artikel,
    ich stimme ja den meisten Sachen z.B. zum Thema "Fitspritzen" zu, zumal es vor Jahren mal eine Studie gab (Link grad nicht gefunden), dass ein extrem hoher Anteil der Profifussballer regelmäßig Schmerzmittel nimmt.

    Das Beispiel Messi finde ich ein bisschen depalziert (sollten unbedingt Messi und Ronaldo in einem Artikel vorkommen? ;) ) weil die Gabe der Wachstumshormone zu einem Zeitpunkt passiert ist, als noch gar nicht abzusehen war ob er es jemals zum Fussballprofi bringt ...klar Talent hatte er schon damals, aber wieviele "Jahrhunderttalente" sind schon nach ein paar Jahren wieder in der Versekung verschwunden? Ich sehe das eher als eine Behandlung einer Krankheit an.

    Oh und von wegen "Perversitäten", Methoden wie "Gendoping" wurden schon vorne bis hinten diskutiert, es ist nur eine Frage der Zeit bis jemand auch solchen Bullshit ausprobiert...

    AntwortenLöschen
  2. http://fussballdoping.derwesten-recherche.org/2012/05/60-prozent-aller-spieler-nehmen-schmerzmittel/

    AntwortenLöschen
  3. Ich habe mich schon bewusst für Messi entschieden... seine "Krankheitsgeschichte" war quasi einer der Auslöser für diesen Artikel. Schließlich sind die Paralelen zu Armstrong zu hart: Beide überwinden dank Ärzten "Probleme" die eine professionelle Karriere beenden sollten und werden hinterher die Besten auf ihrem Gebiet.
    Trotzdem (und das ist das wichtigste) liebe ich es, Messi spielen zu sehen. Aber ich gehe halt nicht davon aus, dass er von Gott mit unglaublichen Talent gesegnet wurde, um für uns Fußball zu spielen... dann hätte Gott ihm auch den entsprechenden Körper gegeben und dort musste man leider nachhelfen.

    AntwortenLöschen
  4. Naja ok, der Sichtweise kann man natürlich nicht wirklich widersprechen, auch wenn die Behandlung mit Wachstumshormonen in der Kindheit und eine jahrelange, professionell aufgezogene Dopingorganisation eine unterschiedliche Qualität haben, jeder Vergleich hinkt halt ein bisschen...

    Ich hatte ja eigentlich auch noch auf einen Verweis auf Klasnic gewartet. Der Mann hat schließlich aufgrund jahrelangen "Dopings" mit Schmerzmitteln und ärtzlicher Inkompetenz eine Niere verloren.

    AntwortenLöschen
  5. Wo du Klasnic ansprichst... ich glaube, da muss ich nächste Woche nochmal drauf zurück kommen... vor allem, weil man ja so wenig darüber weiß... eigentlich sollte es in einem Fachmagazin wie dem Kicker eine Sonderausgabe nur zu diesem Thema geben... stattdessen taucht der Fall Klasnic nur unter Sonstiges auf...

    AntwortenLöschen