Mittwoch, 22. Mai 2019

Fußball ist Poesie: Es reimt sich alles,

Im Großen wie im Kleinen. Auch wenn das im Endeffekt nur bedeutet, dass man nie was neues zu sehen bekommt. Aber Details. Kommen wir zu einem der schönsten Kehrreime der Fußballgeschichte: Die Hamburger Derbys.

Die sind ja in diesem Jahrtausend eine echte Rarität geworden. Es gab genau genommen 6 davon, da ja der 1.FC St.Pauli extrem selten in der Bundesliga spielte, aber der Hamburger SV eigentlich genau dahin gehörte.

Dennoch waren die Rückspiel Derbys quasi immer die Entscheidenden Momente der Saison. Also abgesehen von dem ersten. Obwohl... selbst da wurde durch ein 0:4 praktische der Abstieg der Kiezkicker besiegelt. Und auch damals... war es der letzte Saisonsieg des HSVs... Holy Shit, selbst das passt.

Denn bei den anderen beiden Rückspielen... 2010/11 wurde (klar, wer auch sonst, der ist ja DER Spezialist auf dem Gebiet) Gerald Asamoah zum Derbyhelden im "Das hieß damals schon nicht mehr Volkspark, aber wen interessiert's" Stadion... Und im Kiez dachte man sich: So wird das was, mit dem ersten Klassenerhalt in der Bundesliga in diesem Jahrtausend...
Was damals keiner ahnen konnte: Es sollte der bis jetzt letzte Bundesligasieg des Vereins bleiben. Man stieg hoffnungslos (inklusive Spielabbruch gegen Schalke) in die 2. Liga ab...

Springen wir ins Jahr 2019. Es steht wieder ein Derby an, wenn auch eigentlich für die Hamburger in unzumutbaren Zuständen: In der 2. Liga. Aber der Große HSV ist hier ja nur zu Besuch. Dementsprechend liegt man auch klar auf Kurs Aufstieg. Und das Derby, welches man auswärts mit 0:4 gewinnt, wird zum höchsten Sieg in der Zweitligageschichte des Vereins. Da denkt sich der eine oder andere Ultra doch: Da hat sich der Abstieg doch gelohnt. Und wenn das so weiter geht, ist der Aufstieg ja gesichert. Und hey, vielleicht werden wir sogar Pokalsieger... Alles ist möglich!

Natürlich ist euer Kurzzeitgedächtnis nicht so ganz schlecht und ihr wisst, was jetzt kommt: Ein Sieg gegen Paderborn für den Halbfinaleinzug und ein Sieg gegen den Tabellenletzten aus Duisburg zum Saisonausklang... und dazwichen 8 Ligaspiele ohne Sieg, in dem der eigentlich sichere Aufstieg verspielt worden ist. Da ist ja jemand so richtig auf der Derby-Sieg-Euphoriewelle geschwommen.

Also genau so wie der Nachbar vor all den Jahren. Anders ausgedrückt: Das hätte man kommen sehen können, wenn man sich mit der Derbygeschichte beschäftigt hätte. Das ist dann gar keine so große Überraschung, sondern völlig normal: Wer in der Rückrunde das Hamburger Stadtderby gewinnt, kriegt danach kein Bein mehr auf die Erde.

Dieses Naturgesetz mag einem völlig absurd erscheinen. Aber die Natur ist halt grausam und unvernünftig. Und die absurdesten Geschichten im Fußball stecken manchmal in den Details und werden nur deutlich, wenn man den Fokus ganz weit einstellt.

Montag, 20. Mai 2019

Worst of des "Hype! Hype! Hype!" Wochenendes

Das war es also... das spannendste Saisonfinale seit Jahren. Welch Nervenkitzel. Da hat man echt das Gefühl, dass man was verpasst hat... oh warte, meine Wenigkeit hat das verpasst. Also den Samstag-Nachmittag komplett... und irgendwie das Gefühl, was vernünftigeres getan habe, weil ich in einem unabhängigen Theater war und "Neue Vahr Süd" gesehen habe. Und das "Sagt das weiter" jetzt auch als erstes umsetze. Fühlt sich alles irgendwie wichtiger an, als das Bundesligafinale.

Und ich habe weder alle Youtube-Zusammenfassungen von DAZN gesehen noch den Kicker ausgelesen... aber ich habe halt gerade wenigsten eins paar Funken Netz und kann damit kurz die wichtigsten Informationen verarbeiten:

Dies war eines der grausamsten Saisonfinale aller Zeiten. Jegliche Hochspannung wurde uns nur eingeredet und durch ausartende Schützenfeste völlig ad absurdum geführt. Klar, es gab den ganz kurzen Moment der Spannung, als die Eintracht kurzzeitig den Ausgleich erzielten. Aber die Bayern trafen ja wie immer an diesem Spieltag 4 Minuten später.

Hier ist die einzige Entscheidung, die in der 2. Halbzeit gefällt worden ist. Die einzige Veränderung auf den relevanten Tabellenplätzen: Kommt Hoffenheim oder Frankfurt in die Europa League? Und Hoffenheim sagte stilecht (in dem sie 3 Tore in den letzten 10 Minuten kassierte): Das ist uns zu viel Aufwand, da konzentrieren wir uns lieber nächstes Jahr total auf die Liga.
Also ja: Die einzige Veränderung kam nicht durch einen fulminanten Schlussspurt der zurückliegenden Mannschaft zustande... sondern dadurch, dass die in der Blitztabelle vorne liegende Mannschaft ihren zu Wiederanpfiff komfortablen Vorsprung katastrophaler Weise verspielte. Weil Beste Liga und so.

Im Wesentlichen bestand der gesamte Spieltag aus der "Wir müssen gewinnen" Fraktion, die die "Uns ist es eigentlich egal" Fraktion gnadenlos abschoss. Wie gnadenlos? Nun ja, selbst die Freiburger, für die es nur darum ging nicht mit gefühlt 17 Sieglosen Spielen in Folge in die neue Saison zu starten, errungen ein 5:1...
Bei der Hertha ab es zeitgleich einen Rück- und einen Fortschritt: Eigentlich erzielt man ja zum Saisonfinale im eigenen Stadion traditionell 2 Tore... und kassiert 6. Beides konnte man erfolgreich um 1 reduzieren. So feiert halt jeder seine Erfolge.

Und immerhin können sie trotzdem behaupten: Wir waren besser als Augsburg...

Die einzige große Ausnahme muss man mal ganz hoch anerkennen: Dass sich die Mainzer nach 2:0 Rückstand nochmal zu einer nur für den Lokalrivalen relevante Aufholjagd aufrafften, muss tatsächlich hervorgehoben werden, da diese eigentliche Grundvoraussetzung "Leistungsbereitschaft zeigen" an diesem Wochenende die ganz große Ausnahme war...

Und natürlich war es trotzdem hochgradig emotional. Aber das lag halt ausschließlich an den Verabschiedungen (oder Vertragsverlängerung), die in den Stadien gefeiert worden sind. Wenn ich dann im Kicker davon lese, dass die Bayern ab der 78. Minute alles versuchten um Arjen Robben das 100. Bundesligator aufzulegen und daran scheiterten... obwohl Frankfurt keinerlei Widerstand mehr leistete... dann wird mir bewusst, dass ich bei diesem Saisonfinale nichts verpasst habe...

Vergleicht das einfach mal kurz mit der Schlussphase in Bochum. Da war alleine mehr Spannung drin als in allen Bundesligaspielen dieses Wochenendes zusammen: Schafft Union noch das nicht mehr erwartete Comeback und erzielt das 2:3, welches zum direkten Aufstieg reicht? Aber in der Bundesliga kann man so was halt nicht mehr erwarten...

Montag, 13. Mai 2019

Worst of des "Es wird wirklich passieren!"

Ja... tatsächlich. Unvorstellbar... es gibt ein Saisonfinale!!! Wer hätte das gedacht?

Praktisch heißt das auch nur... die Bayern werden am Ende Meister, obwohl sie nur eines der letzten 4 Spiele gewinnen. Weil beste Liga der Welt und so.

Gucken wir mal spaßeshalber nach England... wo Liverpool mit 97 Punkten, 9 Siegen in Folge und einer einzige Rückrundenniederlage... Vizemeister wird. Und dann hat man auf der anderen Seite die Bayern, die Meister werden, obwohl sie ihr Gastspiel beim hoffnungslos überforderten 1.FC Nürnberg nicht gewinnen können. Danach glanzlos gegen den anderen Absteiger gewinnen und sich hinterher mit 2 Unentschieden zur Meisterschaft mogeln können...
Und ja, das ist halt Niko Kovac's DNA. Seine Mannschaften machen halt nicht mehr als nötig... und legen zum Saisonfinale nicht mehr zu. Aber um gegen die von Lucen Favre, aka dem großen Zauderer, zu bestehen, reicht es. Ich finde es faszinierend, wie schnell beide Mannschaften die Persönlichkeit ihrer Trainer angenommen haben. Das spricht irgendwie schon für die Arbeit der beiden Trainer: Überzeugend sind die, nur überzeugen sie von den falschen Dingen... oder so.
Und ja, eventuell gewinnen die Bayern doch ihr letztes Heimspiel. Vielleicht sogar überzeugend mit 5:0. Das liegt dann aber weniger an der Arbeit des Trainers und mehr daran, dass die Mannschaft Robben und Ribery in der 2. Halbzeit zum Abschied mitspielen lassen will und deswegen mal kurz das Tempo anzieht...

Dahinter gab es natürlich stilecht "Das große Rennen ums Europäische Geschäft". Weil wegen bester Liga und so. Praktisch gewann nur, und das völlig gegen den persönlichen Trend, Borussia Mönchengladbach als einziger der Kandidaten für Höheres auch ihr Spiel. Am deutlichsten wird das ganze "Drama" am Zustand der Eintracht... natürlich gehört es sich nicht, sich über diese Eintracht nach deren Europapokal Kampf lustig zu machen. Habe ich auch gar nicht vor. Ich verbreite dagegen Hoffnung: Die Eintracht wird sich wieder für die Europa League qualifizieren. Vielleicht sogar für mehr. Aber sie werden das stilecht mit 6 sieglosen Spielen in Serie erreichen. Wie auch sonst.

Lustiger Weise rechnet der Kicker ja vor, dass sich Bayer Leverkusen sogar dann noch für die Champions League zu qualifizieren, wenn Gladbach ihr Spiel gegen Dortmund gewinnt. Man müsste nur höher gewinnen. Hier das realistischere Szenario: Leverkusen verliert beim Dardai Abschied mit 0:1 in Berlin. Dortmund schießt zeitgleich Gladbach mit 6:0 ab... Was aber nichts bringt, weil Franck Ribery in der 89. Minute den 1:1 Ausgleich schießt und alle sprechen vom großartigsten Finish aller Zeiten, da Frankfurt hauchdünn in der Champions League landet... weil keinem auffällt, dass man nicht mal mehr gewinnen muss um in der Bundesliga was zu erreichen.

Und wer jetzt denkt: naja, wenn die oben nichts holen, muss es ja wenigstens einen dramatischen Abstiegskampf geben... denn irgendwer muss ja punkten, die Zähler können ja nicht irgendwo im Nirvana verschwinden: Doch können sie, weil... beste Liga der Welt. Also der SC Freiburg hat stilecht mit 8 Sieglosen Spielen in Serie den Klassenerhalt locker gesichert... wenn es nicht der SC Freiburg wäre, hätte man sich schon längst darüber lustig gemacht. Der FC Augsburg kassierte die 17. Saisonniederlage (so viele wie noch nie) und ihnen droht mit 32 Punkte die schlechteste Ausbeute ihrer Bundesligageschichte... Und trotzdem stand schon vor dem 33. Spieltag der Klassenerhalt fest. Der 1.FC Nürnberg hat in seiner "In der Rückrunde unter dem neuen Trainer ist alles so viel besser geworden" Rückrunde bisher weniger Punkte als in der katastrophalen Hinrunde geholt.
Weil halt wirklich niemand in dieser Liga irgendwelche Punkte holt.

Oh und an der Stelle wollte ich nochmal einschieben: das Werder Bremen jetzt noch Chancen hat, ist eine nette Geschichte. Aber dass die Sportschau für den Aufmerksamen Zuschauer den Ausgang des Stuttgart Spieles spoilerte... gut, wahrscheinlich gehen die Sportschau Redakteure davon aus, dass ihr Publikum die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches hat...
Aber hier ist der Ablauf des Programms: erste zeigte man Arsenal Hoffenheim (sein wir ehrlich, die liefern gerade die beste Arsenal zu Arsene Wenger Imitation aller Zeiten ab...) gegen Werder. Dann gab es die Interviews aus Bremen, in denen Florian Kohfeldt stolz davon berichtet, dass es für sie am letzten Spieltag noch um was geht...
Danach ging es dann mit dem Sieg der Gladbacher weiter. Nur um dann als großes Finale das Duell Stuttgart - Wolfsburg zu zeigen. Hier ist das Problem: Damit die Aussage vom Kohfeldt zutreffen kann, musste Wolfsburg Punkte lassen. Und schon ein Unentschieden reichte dem VfB... damit stand schon zum Beginn der Zusammenfassung fest, dass das vorher gezeigte verzweifelte Streben der Hannoveraner vergebens war.
Das hat zumindest bei mir jegliche Spannung aus der Zusammenfassung genommen... danke dafür...

Deniz Aytekin, Vollidiot der Woche: Aytekin ist nebenbei einer unser absoluten Topschiedsrichter. Und er hat es diese Woche so weit auf die Spitze getrieben, dass die Sportschau  Leverkusen - Schalke mit einem "So nervt der Videobeweis einfach nur" zusammenfassen musste. Dabei verpasst sowohl die Sportschau als auch der Kicker, der anerkennt, dass einzig der Videoassistent ihn "vor einem schwarzen Tag bewahrt" hat, aber trotzdem eine 2,5 verteilt, das eigentliche Problem: Die Leistung von Aytekin war einfach grausam. Dass er bei dem Ellenbogenschlag, auf den er freie Sicht hatte, überhaupt Hilfe brauchte, ist das eigentliche Problem. Genau so wie bei dem zurückgenommen Elfmeter in der 71. Minute. Solche Szene muss das Schiedsrichtergespann ohne digitale Hilfe klären können. Dass er dann noch bei einer vergleichbaren Szene in der 78. Minute nicht in die Review Area geht (auch wenn wir da wenigstens mal ein Gesprächsprotokoll haben), verwirrt alle anderen Beteiligten halt.
Das faszinierendste ist ja: Wenn wir dieses Spiel ohne Videobeweis erlebt hätten, es also den einen klaren Elfmeter nicht, den anderen nicht zu gebenden schon, gesehen hätten, wäre dieses Spiel ein riesiges Bewerbungsvideo für den VAR gewesen. Dann hätte ein Rudi Völler zu einem "Alle im Stadion konnten das auf ihren Smartphones sehen, nur der Schiedsrichter darf das nicht" ausholen.
Das eigentliche Problem bleibt halt, dass der VAR ständig und viel zu einfache Fehlentscheidungen korrigieren muss, weil unsere ach so guten Schiedsrichter zu viele davon produzieren.
Dabei ist Aytekin mit seinem Notenschnitt von 2,28 ja einer der Guten, da ist eher das eine schlecht geleitete (aber vom Kicker ignorierte... vielleicht ist Aytekins Notenschnitt ja nur deswegen so gut, weil er auf den VAR hört... kann das mal jemand analysieren?) Partie zum Symphtom des größeren Problems wird.
Denn im Endeffekt gilt immer noch: Wenn unsere Schiedsrichter besser wären, würden wir uns nicht über den VAR aufregen. Aber wer Details dazu finden will, sollte runter scrollen, da steht dann eine ausführlichere Analyse dieses Problems, das keine sehen will...

Und ganz am Ende als BAWFUL BONUS FEATURE: DER HAMBURGER SV!!! Ja... sie haben es geschafft!!! Sie haben das Grundprinzip der Bayern und Borussia aus der Champions League Saison auch auf ihre eigene Realität angewendet. Bedeutet: Wenn es die Relegation nicht im FreeTV gibt, dann nehmen wir da auch nicht dran Teil. Das ist uns dann zu kommerziell und hat mit dem eigentlichen Fußball, den wir so lieben, nichts mehr zu tun. Damit erreicht der HSV zum 3. Mal in Folge sein eigentliches Saisonziel: Der Relegation aus dem Weg gehen. Und nächstes Jahr gibt es sogar ein Stadtderby!!! Herzlichen Glückwunsch!
Wie gilt das ursprüngliche Grundprinzip des Vereins: Immer, wenn alle denken: Jetzt ist der absolute Tiefpunkt erreicht!... setzen sie noch einen drauf.

Donnerstag, 9. Mai 2019

Die wichtigste Lektion dieser Champions League Saison

Keine Führung ist sicher, es sei dann, man führt gegen einen Bundesligisten... Dann muss man sich keinerlei Gedanken machen...

Diese Champions League Halbfinal-Rückspiele sind jetzt schon Klassiker, die immer wieder als Werbevideos für den Fußball verwendet werden. Und das völlig zurecht.

Aber wir Deutschen gucken halt doch nur in die Röhre... nicht nur, weil diese Spektakel nicht im Deutschen FreeTV zu sehen waren...

Also gerade die Art und Weise, wie sich in den vorherigen Runden Ajax mutig gegen das Ausscheiden gewehrt haben (und die Jungs haben alle ihre Heimspiele in der K.O. Phase verloren... das war aber kein Anlass um Auswärts mutlos aufzutreten, wie gewisse andere)... und wie sie dann ausgerechnet in dem einen Moment, wo sie der Haushohe Favorit sind, doch Angst bekommen und scheitern. Einfach nur faszinierend.

Und das Liverpool und Tottenham gefühlt in exakt denselben Minuten die 2 Elementar wichtigen Tore schießen. Also zwischen der 54. und 29. Minute... Fußball ist wie Poesie, es reimt sich halt...

Aber gerade diese Phasen machen das Scheitern der Deutschen Mannschaften im Achtelfinale noch enttäuschender... Was eigentlich unmöglich erschien. Denn die "deutschen Highlights" in dieser Phase bestanden aus "Lewandowski bleibt zunächst liegen, kann aber weiterspielen" und "Mit seinem Treffer zum 1:0 hat Kane den Stecker gezogen. Dortmund muss restarten. In der Phase, in der die Mannschaften, die am Ende um den Titel spielen (und an denen man jeweils gescheitert ist) richtig aufdrehten und den absoluten Glauben an eine Wende verkörperten, steckten die Deutschen Mannschaften auf und brachten nichts mehr zu Stande.
Die Bayern kamen in einem Heimspiel in der 2. Halbzeit auf 2 Torabschlüsse... Also einen ungefährlichen und eine verpasste Hereingabe. In einem Heimspiel, in dem sie ein Tor erzielen mussten. Und als es darum ging den Bock umzustoßen... kam Renato Sanchez und es passierte natürlich nichts.

Bayern und Dortmund können sich jetzt irgendwie einreden, dass sie ja an den Finalisten gescheitert sind und ihre Internationale Saison ja gar nicht so grausam war... Wer sich dieses Narrativ allerdings zurecht legen will, der verpasst das entscheidende Thema dieser Champions League Saison: Mut zur eigenen Courage wird belohnt, Trägheit und Feigheit nicht.

Allein schon dass Ajax als die eigentlich Guten eine Gelbe Karte fürs Zeitspiel kassieren, was dann postwendend bestraft wird, weil ihnen dann plötzlich die Zeit weg rennt... War für den Poesiefreund in mir ganz großes Kino... Auch wenn es für den Romantiker echt grausam war...

Dass der Kicker es nebenbei echt verpasst hat diese historische Ajax Generation entsprechend zu würdigen, weil sie... ähm... den Abschied von Ajren Robben und Franck Ribery angemessen auf 3 Seiten feiern mussten? Versteht mich nicht falsch, auch wenn ich die beiden überhaupt nicht ausstehen kann, haben sie sich das verdient... aber hätte man das nicht nächsten Montag erledigen können? Oder als "Sollte Niko Kovac sie aufstellen, wie haben das andere gemacht" Vorschau für den DFB Pokal? Musste das unbedingt in dieser Woche sein...

Andererseits... reden wir vom Kicker, also dem Fachmagazin, dass letzte Woche die Nachricht des Ribery-Abschiedes als große Neuigkeit verbreitete... also wir, die sich mit Fußball beschäftigen, wussten das doch schon seit März... also März 2018, als der Vertrag ein letztes Mal verlängert worden ist.
Oder anders ausgedrückt: Das von mir persönlich sehr geschätzte Socrates-Magazin hat in seiner  aktuellen Ausgabe ebenfalls eine Homage an Robbery... Nur das dieses Magazin Monatlich erscheint und eine viel frühere Deadline hatte, als der Montags-Kicker... trotzdem wussten die irgendwie, dass Ribery zum Saisonende gehen muss... woher wohl...

Oh und ein letzter Gedanke zur "deutschen" Berichtserstattung über die Champions League: Das im Kicker der Satz steht, dass Marc-André ter Stegen "im Gegensatz zu Kollegen wie Jordi Alba keine Patzer zeigte", irritiert mich einfach. Denn ich habe mir das 2:0 jetzt fast so oft angesehen wie das herrliche 4:0... und ich bleibe dabei: als ter Stegen musst du den Ball halten. Definitiv. Und auch als durchschnittlicher Bundesligatorwart gilt das das Prinzip "Eine Bahnschranke hätte den abgewehrt"...
Natürlich haben seine Kollegen krassere Patzer gezeigt... Aber ter Stegen hat alleine schon im Hinspiel schwierigere Bälle gehalten... Und gemessen an seinen eigene Erwartungen war das eine ungenügende Aktion von ihm.

Dienstag, 7. Mai 2019

Wir müssen aufhören über den VAR oder das Handspiel zu diskutieren

Und dem eigentlichen Problem ins Gesicht sehen:

Unsere Schiedsrichter sind richtig schlecht geworden. Und das war eigentlich seit Jahren abzusehen.

Also genau genommen... sind die Namen, die in den Hoyzer Skandal verwickelt waren, auch heute noch relevant. Felix Zwayer war "Kronzeuge"... Oh und ist nebenbei für seine Verwicklung in die Geschichte für ein Halbes Jahr gesperrt worden, weil er Bestechungsgeld angenommen hat, auch wenn der DFB das lieber geheim halten wollte...
Und Lutz Micheal Fröhlich, der ebenfalls Insiderwissen zu dem Skandal hat, ist heute "Sportlicher Leiter der Schiedsrichter"... aber dazu später mehr.

Denn das ist ja nicht die einzige Baustelle, die andeutet, dass etwas falsch läuft. Da ist ja auch noch die hässliche Geschichte Amerell, die nahelegt, dass der Auf- und Abstieg der Schiedsrichter auch außerhalb des Platzes entschieden werden...

Und ja, das ist und bleibt irgendwie das Grundproblem: es gibt nach wie vor keinerlei Transparenz beim DFB. Die haben ihr eigenes Bewertungssystem, bei dem Zwayer irgendwie ein Weltklasse Schiedsrichter sein soll... aber niemand weiß genau, wie der DFB zu diesem Schluss kommt.

Natürlich weiß der gemeine Fan inzwischen, wenn er es denn will, wie der Bewertungsbogen des DFBs für seine Schiedsrichter aussieht... Aber wie der DFB selber die Leistungen seiner Spiel leitenden Angestellten einschätzt, bleibt ein Geheimnis. Warum eigentlich?
Dafür gibt es (wenn auch nur gegenüber der Bild geäußerte, aber der Link führt nicht dahin, keine Angst) Vorwürfe, dass Manipulationen bei den Bewertungen veranlasst worden sind und dass die Schiedsrichterlisten nicht unbedingt nach sachlichen Kriterien zusammengestellt worden sind...

Dann ist da auch noch, um ein ganz hässliches Fass auf zumachen, der Selbstmordversuch von Babak Rafafti.
Man muss da halt auch aufhören, von zusammenhanglosen Einzelfällen zu reden, sondern solche Vorfälle mal in Verbindung zueinander setzen... Also Rafati stieg zufälliger Weise genau nach der Saison auf, nach der ein Hoyzer aussortiert werden musste... und ein Felix Zwayer zufälliger Weise gesperrt war... ernsthaft, es gibt keine Leistungsdaten für Zwayer für die Saison 2005/06 und das ist Rafatis Debütsaison in der Bundesliga...

Danach wurde dann der laut Meinung verdammt vieler schlechteste Bundesligaschiedsrichter (er "gewann" diese Auszeichnung 4 mal) zum Fifa-Schiedsrichter befördert... weil beim DFB anscheinend komplett andere Maßstäbe angewendet werden, als bei allen anderen, die sich mit Fußball beschäftigt. Und anschließend hat er, laut eigener Aussage, die Kritiken seiner Vorgesetzten nicht verkraftet und dadurch brachen seine Depressionen durch. Mir stellt sich da ja die Frage, wie ein Schiedsrichter, der regelmäßig vor versammelter Mannschaft zur Sau gemacht wird, trotzdem weitere Beförderungen bekommt...
Dabei geht es nicht um die persönliche Tragödie von Rafati... sondern um die Frage, wie so ein Mensch vom DFB in eine Situation befördert werden kann, in der er dann so überfordert ist, dass es zu einem Selbstmordversuch kommt. Da muss doch vorher von DFB Seite einiges schief gelaufen sein.
Vielleicht hätte es Rafati einfach geholfen, wenn er noch eine Weile Zweitligaschiedsrichter geblieben wäre... vielleicht sogar für den Rest seiner Karriere, das wäre ja auch keine Schande. Es gibt ja auch Fußballer, bei denen es nicht für die allerhöchsten Spielklassen reicht, warum sollte dies bei Schiedsrichtern anders sein.
Aber aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Gründen war der Aufstieg Rafatis bis zur höchstmöglichen Position nicht zu verhindern. Meine Lieblingstheorie ist ja, dass Rafati unbedingt als Vorbild für den wunderbar integrierenden DFB herhalten musste... also als Quoten-Araber. Aber wie könnte man bei einem derart transparenten System auf solche Ideen kommen?

Dazu kommt dann jetzt die Einführung des Video Assistenten, bei denen einige Schiedsrichter der Alte Generation mit einem Prestigeprojekt allen beweisen wollten, dass das deutsche Schiedsrichterwesen immer noch herausragend im internationalen Vergleich ist... was gnadenlos gescheitert ist. Immerhin hat es dort schon Konsequenzen gegeben und ein Hellmut Krug trägt da keine Kompetenzen mehr. Immerhin etwas...

In der Summe kommen wir also auf 4 Skandale oder Tragödien in den letzten 15 Jahren. Und ja, ich bin mir nicht sicher, ob der VAR ein Skandal oder eine Tragödie ist. Er führt uns auf jeden Fall vor, dass unsere Schiedsrichter derzeit einfach überfordert sind. Und das man da mal über grundlegende Reformen nachdenken sollten... Möglichst Reformen, die für mehr Transparenz sorgen.

Aber da gibt es ja gute Nachrichten, die sind ja auf dem Weg... oh, warte, Lutz Michael Fröhlich gibt stattdessen bekannt, dass die Handspielregel "konsequent und berechenbar" ist. Und der Projektleiter für den Bereich Videoassistent Dr. Jochen Drees hat am 31. Spieltag ein "positives Wochenende" für die Schiedsrichter gesehen. Ist doch schön, dass sich die Führungspersonen so kritisch mit der Materie auseinandersetzen.

Gerade das Fröhlich's Aussage direkt am nächsten Wochenende schon wieder pulverisiert worden ist, ist einfach nur grotesk. Es kann halt niemand nachvollziehen, warum es im Fall Jerome Boateng ein Handspiel (und keinen Platzverweis für die Schiedsrichterbeleidigung, aber Details) gab, in den Fällen Karim Rekik, Kevin Stöger und Mario Grötze allerdings nicht. Und das, obwohl es im Fall Götze wohl eine Fehlentscheidung gewesen wäre... aber wenn wir den Maßstab an das Boateng-Handspiel "konsequent und berechenbar" angewendet hätten, hätte es 3 Handelfmeter mehr gegeben.

Ersthaft: Fröhlichs Aussagen zeigen uns doch, wie selbstgefällig und arrogant die Schiedsrichter-Führung immer noch ist, obwohl es dafür bei vernünftiger Selbst-Reflektion keinen Anlass gibt. Die stehen um Brennenden Haus und wollen uns erzählen, dass alles in Ordnung ist. Und ganz ehrlich: Der Fröhlich müsste für seine Aussage eigentlich direkt entlassen werden. Zumindest sollte er dem DFB mal deutlich und ausführlich erklären, wie er zu diesem Schluss kam, oder ob er es vielleicht nur als Schutzaussage für die Schiedsrichter so gesagt hat... was eine Erklärung wäre, aber immer noch fragwürdig ist.

Denn wenn die Führungsriege die derzeitigen Leistungen wirklich so unkritisch sieht, wie Fröhlich dies geäußert hat, ist es quasi ausgeschlossen, dass die nötigen Reformen auf den Weg gebracht werden. Und wir brauchen dringend Reformen, damit sich die schlechten Nachrichten für und über die Schiedsrichter nicht noch weiter häufen.

Und das es "unseren Schiedsrichtern" grundlegend an Qualität fehlt, sollte nicht, wie bei Manfred Ewalds Kommentar im Kicker unter "Drittens" angesprochen werden. Es sollte auf der Prioritäten-liste ganz weit nach oben gesetzt werden. Denn es ist die Grundvoraussetzung um die anderen Regelprobleme zu lösen.

Donnerstag, 2. Mai 2019

Was mich ja auch irgendwie irritiert

Vorwarnung: Aus reisetechnischen Gründen muss dieser Beitrag verfasst werden, bevor der aktuelle Kicker gelesen werden kann. Es geht also mehr um den Eindruck aus der Berichtserstattung der letzten Wochen... Wo wir das aus dem Weg geräumt haben:





Was mich ja auch irgendwie irritiert...
Ist dieser Gnadenlose Optimismus, der die Eintracht bei ihrer Europacup Tournee begleitet. Also flächendeckend... Bereits frühzeitig durfte ich "Expertenmeinungen" im Kicker lesen, die die Frankfurter zum Favoriten auf den Titel machen wollten... ähm... Warte was?

Und jetzt glauben 2/3 der Teilnehmer an der Kicker-Umfrage an ein Weiterkommen gegen Chelsea... Klar, die Frankfurt-Fans werden diese Umfrage mit ihrer Euphorie begleiten. Und versteht mich nicht falsch: Ich gönne denen das... Ich habe sogar meine persönliche Freude daran, dass die Eintracht all den anderen Bundesligisten verdeutlicht, dass man in der Europa League einiges holen und auch eine Euphoriewelle auslösen kann, an der zum Beispiel die Leipziger einfach kein Interesse hatten.

Aber lasst uns das ganze mal halbwegs sachlich beurteilen: Frankfurt ist in diesem Halbfinale der krasse Außenseiter. Alles andere als ein 0:5 nach Hin- und Rückspiel wäre schon ein Erfolg, ein Weiterkommen wäre die größte Sensation seit... nun ja, Ajax Amsterdams Sieg gegen Real Madrid. Wobei ich dabei sogar noch einen Schritt weiter gehen würde. Also das ein über talentiertes Ajax einen Favoriten, der seinen Umbruch verpasst hat und weit über den Zenit ist, raus wirft, ist nicht annähernd so überraschend wie es ein Weiterkommen der Eintracht wäre.

Aber wir Deutschen haben halt ein schlechtes Kurzzeitgedächtnis. Also das "wir" gerade das Duell gegen die Premiere League in der Champions League nicht nur verloren haben, sondern regelrecht vorgeführt worden sind, ignorieren wir einfach mal. Und es ist ja nicht so, dass es knapp war, sondern die Bilanz stand bei 0 Siegen, 1 Unentschieden, 5 Niederlagen bei 3:17 Toren... Also wie man nach dem Joel Matip in Hin- und Rückspiel der gefährlichste Angreifer der Bayern und Dortmund gegen Tottenham komplett überfordert war, zu dem Schluss kommen, dass eine Mannschaft die nicht zur absoluten Elite gehört jetzt bessere Chancen hat als die beiden Spitzenteams.

Und wenn man die Eintracht und Chelsea vergleicht. Also natürlich mit Chelsea unter Abramowitsch, also dem ersten Spielzeug eines Milliardärs... Es ist ja heute unvorstellbar, dass der Verkauf eines Fußballvereins an einen Öligarchen Protestwellen auslösen kann, aber 2003 war dies so... und danach hat Chelsea dann eine ganze Weile gebraucht um wirklich zu einer Spitzenmannschaft zu gehen. Nun mögen sie derzeit in einem relativ kleinen Tief sein, aber sie holen in der Regel trotzdem mindestens einen Titel pro Saison.
Oder um das praktisch auszudrücken: Seit dem richtig viel Kohle in den Verein gepumpt wird, hat Chelsea 23 Titel geholt... unter anderem 2 Internationale. Die Eintracht hat dagegen... 1 Pokalsieg, 2 Finalniederlagen und 2 Europacup Teilnahmen auf dem Konto... Allein schon, dass eine Finalteilnahme im Pokal bei dem einen als Erfolg gewertet wird, bei den anderen nicht mal erwähnt wird, sollte alles über die Machtverhältnisse aussagen...

Dazu kommt: Wenn sie, was ja eher die Ausnahme ist, in die Europa League absteigen, dann gewinnen sie das verdammte Teil auch. Weil Chelsea halt eigentlich ein Stammgast in der Champions League und nebenbei ein Spitzenteam der Premiere League ist. Also die sind in der Breite so gut aufgestellt, dass sie auch mit besseren B-Mannschaften das Halbfinale erreichen und können dort dann auf ihre Stars setzen... Und da sie sich in der Liga derzeit in eine Situation manövriert haben, wo nur noch der Sieg in der Europa League die Saison retten kann, werden sie dies auch machen. Ungefähr so, wie Jose Mourinho dies mit Manchester United getan hat...

Im Gegensatz zu Frankfurt sind sie es in London gewohnt in dieser Phase um die Titel mitzuspielen. Und sie haben auch einen Kader, der den Umgang mit dieser Belastung zulässt. Also ganz praktisch fehlen ja beiden Mannschaften Leistungsträger: Also bei Frankfurt Sebastien Haller, bei Chelsea Antonio Rüdiger. Aber eine Mannschaft kann diesen Ausfall problemlos kompensieren, die andere hat keinen gleichwertigen Ersatz.
Dazu kommt das Problem, dass Ante Rebic und Luka Jovic beide ein wenig überspielt wirken... oder halt Haller wirklich sehr vermissen. Beide sind es im Gegensatz zu den Chelsea Spielern aber halt auch einfach nicht gewöhnt so viele und so wichtige Spiele am Stück zu absolvieren.

In der Summe dürfte Frankfurt selbst dann Außenseiter sein, wenn der Abstand zwischen ihnen und dem Gegner nur so groß wäre, wie damals bei Dortmund gegen Tottenham. Praktisch gesehen ist der Abstand aber eher mit dem von Schalke und Manchester City zu vergleichen. Sachlich gesehen sind sie chancenlos.
Bleibt zu hoffen, dass sich der Fußball dieses Mal nicht an die sachlichen Vorgaben hält.

Mittwoch, 1. Mai 2019

Mea Culpa, aber ich steh dazu

Ich habe mich gestern beim Tanz in den Mai (und es war schon Mai... aber Details) über die gestern beschriebene Regel mit einem Schiedsrichter unterhalten. Auch wenn ich prinzipiell dabei bleibe, dass die Regelauslegung Blödsinn ist, so konnte mir dieser anonymisierte Schiedsrichter doch die entsprechenden Paragraphen zuschicken, die die Ausnahmen für den Torhüter festlegen und das "Paraden-Beispiel" ausschließen. Immerhin daran wurde gedacht.