Donnerstag, 12. August 2021

Eine Individuelle Saisonvorschau: Kevin-Prince Boateng

 Kommen wir zum krassen Gegenteil von Andrej Kramaric. Einen Spieler, der selbst Max Kruse wie eine treue Seele aussehen lässt. Aber jetzt kehrt er ja nach 13 Zwischenstationen endlich Heim. Zumindest zwischenzeitlich, sein wir ehrlich: Auch wenn er schon 34 ist, würde es niemanden wirklich überraschen, wenn er nochmal eine neue Herausforderung sucht. So agiert Kevin-Prince Boateng nun mal.

Jetzt soll ausgerechnet er, der bisher bei jedem Anzeichen von Widerstand einfach gegangen ist, die Hertha stabilisieren. Einen Verein, der gerade eindrucksvoll Nachweis, dass es einem nicht unbedingt besser gehen muss, nur weil man plötzlich Millionen eines Investors in die Mannschaft pumpen kann. Also wenn man Michael Preetz dieses Geld ausgeben lässt, kommt da halt erstaunlich wenig bei rum.

Wer hätte das gedacht? Nach 2 Abstiegen, die Preetz mitzuverantworten hat, und jahrelangem Stillstand war er doch nicht der Manager, dem nur das Geld gefehlt hat, um den Verein entscheidend nach vorne zu bringen. Aber jetzt muss sich Fredi Bobic mit dem Kader rumschlagen. 

Dass Bobic das Projekt Frankfurt für die Hauptstadt aufgibt, ist schon... faszinierend. Aber warum Frankfurt niemanden halten kann, obwohl man in den letzten Jahren konstant international spielte, muss woanders ausgewertet werden. Und es ist ja nicht so, dass Frankfurt ein kleiner Markt wäre oder keine Tradition hat...

Jetzt ist Bobic Königstransfer der ablösefreie Boateng. Der soll quasi endlich das liefern, das Sami Khedira nicht liefern konnte: Stabilität und Charakter. Beides hat er im Repertoire. Wie Bobic aus der gemeinsamen Zeit in Frankfurt, wo man Pokalsieger wurde, bestätigen kann. 

Andererseits ist Boateng auch der ultimative Münzwurf. Und das praktisch in jeder Saison. Also das sieht man ja wunderbar an seiner Zeit auf Schalke: In der ersten Saison lieferte er 10 Scorerpunkte in wettbewerbsübergreifend 35 Spielen. Schalke wurde Dritter und lag voll im Soll. Die darauffolgende Saison spielte Boateng schon nicht mehr zu Ende, sondern wurde im Mai suspendiert, weil er in der Mannschaft weitgehend isoliert war. Also das Vertrauensverhältnis muss so ruiniert gewesen sein, dass Marco Höger gleich mit suspendiert wurde, nur weil er zu Boateng stand. Nebenbei war das die "gute, alte Zeit", als das Verpassen der Champions League als große Enttäuschung wargenommen wurde.

Zuletzt verpasste er in einer durchaus hochkarätig besetzten Mannschaft mit AC Monza den direkten Aufstieg in die Serie A. Man scheiterte in den Aufstiegsspielen an AS Citadella. Das sind direkt 2 Vereine, von denen ich nicht gedacht hätte, dass ich die je erwähne... 

Und die Jahre davor... also klar, er hat sich mit seinen Leistungen in Frankfurt und Sassasuolo für eine Leihe bei Barcelona beworben. Was die sich allerdings dabei gedacht haben, einen Boateng als Ergänzungsspieler zu verpflichten... 

Lustigerweise beendete Boateng nur die 2017/18 und die Saison 2020/21 für den Verein, bei den er sie auch begonnen hatte. Bei Sassasoulo und Florenz war er schon nach einem halben Jahr wieder weg.

Nun geht also Hertha dieses offensichtliche Risiko ein. Obwohl man mittlerweile an dem Punkt ist, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass es funktioniert. Das Problem ist aber: Für die Hertha muss es funktionieren. Denn allzu viele Optionen haben die nicht mehr. Es muss langsam mal zumindest Anzeichen von Fortschritten geben, damit der Investor nicht die Geduld verliert. Und bereits letztes Jahr war man viel zu dicht an einem Abstiegsplatz und kann sich praktisch bei Schalke und Bremen bedanken, dass die noch inkompetenter waren als man selbst. Wenn beide ihre eigentlich erwartbare Leistung abrufen, landet die Hertha auf dem Relegationsrang.  

Jetzt hat Boateng also mal wieder die Aufgabe einer bunt zusammengewürfelten und nur bedingt zusammenpassenden Mannschaft Stabilität zu geben. Und auf und neben den Platz die Richtung vorzugeben. Denn dass er plötzlich ein Rollenspieler wird, kann man sich ja nur schwer vorstellen.

Im Wesentlichen gibt es nur 2 Richtungen, in die es gehen kann: Hertha landet mit einem starken Boateng auf Platz 7. bis 9., oder er ist im Winter wieder weg. Ich wüsste aber echt nicht, auf welches der beiden Ergebnisse ich mein Geld setzen würde.

Mittwoch, 11. August 2021

Eine Individuelle Saisonvorschau: Andrej Kramaric

 Gibt es einen Fußballprofi, dessen Karriere weniger Sinn ergibt als die von Andrej Kramaric? Also das ging schon damit los, dass er überhaupt nach Deutschland gewechselt ist.

Also normalerweise geht man ja mittlerweile (Talente ausgenommen) den anderen Weg: von der Bundesliga in die Premiere League. Und wenn man dort erstmal angekommen ist und vom ganz großen Fleischtopf genascht hat, geht man auch nicht zurück aufs Festland. Aber Kramaric tat genau das... Und verließ Leicster City mitten in ihrer Meistersaison um... aufs Dorf zu ziehen? Aber anstatt in den englischen Abstiegskampf zu ziehen, rettete er die Hoffenheimer, die sich zum Zeitpunkt seiner Leihe auf dem letzten Tabellenplatz standen...

Und völlig absurderweise wurde er dort dann... heimisch. Anders kann man das ja kaum bezeichnen. Denn selbst nach dem perfekten Zeitpunkt um doch zurück nach England (oder allgemein zu einem besseren Verein) war 2018. Denn die Saison beendete er als frisch gebackener Vizeweltmeister.

Zwar war er kein unumstrittener Stammspieler, aber er kam beim Überraschungscoup der Kroaten bei jedem Spiel zum Einsatz. Dazu hat er sich den Platz in der Nationalmannschaft ja auch wirklich verdient. Denn seitdem er in Hoffenheim ist, trifft er quasi in jedem 2. Spiel. Und trotzdem ist er 3 Jahre später immer noch in der Bundesliga.

Mittlerweile ist er auch schon 30. Heißt: Die Chance auf einem Wechsel zu einem wirklich großen Verein dürfte vorbeigezogen sein. Und das, obwohl er konstant 2-stellig trifft. Und sogar 2 Mal mehr als 20 Tore erzielte. Kramaric fällt aber auch genau in eine seltsame Schnittstelle: Zu schlecht um bei den Titelkandidaten als Stammspieler aufzulaufen. Aber zu teuer, als dass ihn die 2. Garde verpflichten könnte. Vor allem, wo Schalke und Hamburg ja in den letzten Jahren an den Hoffenheimern vorbeigezogen sind und mittlerweile in der 2. Liga spielte. Aber ja, wenn er 2014 in einem WM-Finale gespielt hätte, wäre er zu einem dieser beiden Vereine gewechselt. Das er sich dies ersparen konnte, nennt man denn die Gnade der späten Geburt.

Dazu hat Kramaric anscheinend keinen Bock darauf, den "Sebastien Haller Pfad" einzuschlagen... also nach einigen guten Jahren in der Bundesliga doch im Abstiegskampf der Premiere League richtig Kohle zu verdienen.

Für Hoffenheim sind das richtig gute Nachrichten. Denn seit Kramaric da ist, qualifiziert man sich in 3 von 5 Jahren für das internationale Geschäft. Die sind also praktisch gesehen wieder dran und sollten mindestens 7. werden... Was ja Erfahrungsgemäß reicht... Was halt vor allen Dingen deswegen beeindruckend ist, weil Hoffenheim sich vorher nie für den Europacup qualifizieren konnte.

Und das liegt halt nicht nur an Julian Nagelsmann... Selbst unter einen Alfred Schreuder führte Kramaric seine Mannschaft in die Europa League.

Wenn Hoffenheim und der Kroate allerdings doch noch schwach werden und der Angreifer kurz vor Wechselfrist doch noch die "Stadt" verlässt... dann könnte es auch richtig bergab gehen. Denn einen auch nur halbwegs gleichwertigen Ersatz werden sie nie verpflichten können.

Als neutraler Fußballfan sollte man sich, solange es geht, daran erfreuen, dass ein richtig guter Angreifer einem relativ kleinen Verein die Treue gehalten hat und in der Bundesliga zu sehen ist.

Dienstag, 10. August 2021

Eine Individuelle Saisonvorschau 2021/22: Max Kruse

 Versuchen wir mal was Neues. Anstatt sich auf die Teams zu stürzen und sich zu fragen, wie die gemeinsam abschneiden, konzentrieren wir uns lieber auf einzelne Spieler, die die Saison prägen und im Positiven oder Negativen entscheiden werden. Ob ich da wirklich für jeden einen finde, werden wir sehen. 

Und natürlich ist es an sich albern. Also bei 11 "Stammspielern" ein Individuum herauszusuchen, das derart heraussticht, ist eigentlich arrogant. Vor allem bei 34 Spieltagen (plus internationalem Wettbewerb), die praktisch dazu führen, dass man 20 Spieler braucht. Trotzdem könnte schon bei Union Berlin deutlich werden, dass man am Ende doch an dem einen Star hängt.

Natürlich hat Berlin seinen Kader weitestgehend zusammengehalten und sogar verstärkt. Man ist halt kein normaler Aufsteiger, der reihenweise Leistungsträger nach einem oder 2 starken Jahren abgeben muss, sondern ein durch einen Investor gestärkter Verein. Verratet das nur nicht deren Fans. Dass Union in der Krise im Wochenrhythmus neue Transferrekorde brach, liegt ausschließlich an der serösen Arbeit, die in dem Verein gemacht wurde.

Trotzdem bleibt der entscheidende Spieler Max Kruse

Also Max Kruse dürfte der am meisten unterschätze deutsche Spieler seit Stefan Beinlich sein. Das liegt einerseits an Kruse selbst. Also 8 Vereine in 13 Jahren sind schon verdammt viel. Da bleibt man bei keinem Verein als Legende in Erinnerung. Es war halt schon so, dass ein junger Kruse immer auf das nächstbeste Pferd springen wollte, anstatt seine Karriere in Ruhe aufzubauen. Allein schon, dass er den SC Freiburg nach einem Jahr wieder verlassen hat...

Dürfte vor allem sein eigentliches Problem ausgelöst haben: Dass Jogi Löw ihn nie wirklich Beachtung schenkte. Wie kann man denn so doof sein und Freiburg verlassen, bevor man Nationalspieler wird? Wie kurzsichtig kann man agieren. Aber gerade, wenn man bedenkt, dass es Deutschland unter Löw in den letzten Jahren chronisch an Mittelstürmern und Charakteren, die vorneweg marschieren, fehlte... ist es schon dreist auf einen Spieler wie Kruse zu verzichten, weil der zu gerne Pokern geht. Aber der Erfolg gibt Löw ja recht... oh warte...

Und eines bleibt festzuhalten: Kruse hat bisher, wenn er Bock hatte, jede Mannschaft, für die er gespielt hat, deutlich besser gemacht. Und abgesehen von Wolfsburg hatte er immer Bock. Sein persönliches Meisterwerk war es ja, dass er Florian Kohfeldt wie einen brillanten Offensivtrainer aussehen ließ. Einfach nur, weil er sich für einen Verein, der in der Champions League spielt, bewerben wollte. Frank Baumann glaubt bis heute, dass das am Trainer und nicht am Spieler lag...

Jetzt hat Kruse auch bei Union auf beeindruckende Weise nachgewiesen, dass er einer der besten deutschen Offensivspieler ist. Dass er auch Unions Spiel auf die nächste Ebene heben kann. Nur dürften damit auch die Ansprüche gestiegen sein... 

Genau da könnten auch die Probleme auftauchen. Denn ein nie 100 prozentig austrainierte Max Kruse ist mittlerweile 33. Was passiert also in Berlin, wenn Kruse keine 11 Tore in 22 Spielen mehr erzielt, sondern nur noch 5? 3 davon nach Elfmetern? Wenn er nicht mehr die Unioner mitzieht, sondern die ihn durchschleppen müssen? Was wie immer niemanden sofort auffallen wird. 

Wenn Union dann auf ein Mal nur noch auf Platz 11-14 steht? Wenn man zumindest halbwegs droht unten reinzurutschen? 

Solange Kruse dir seine 15+x Scorerpunkte garantiert, ist es quasi ausgeschlossen, dass Union wirklich unten reinrutscht. Aber wenn Kruse einbricht, was passiert dann bei diesem Verein, für den es seit was... 15 Jahren konstant nur bergauf geht? 

Hier ist eine völlig absurde Statistik: Seit der Saison 2005/06 (der einzigen Oberligasaison seit dem Ende der DDR...) gab es ganze 2 Jahre, in denen Union schlechter abschloss, als in der Vorsaison: 2013/14 wurde man "nur" 9., nachdem man vorher 2 Mal 7. wurde. Und 2017/18 fiel man vom 4. auf den 8. Platz zurück...

Und nur um mal zu verdeutlichen, wie Union bisher reagiert hat, wenn es nicht mehr schnell genug vorwärtsging: Jens Keller wurde in der 2017/18er Saison entlassen, als er 3 Punkte hinter dem Relegationsrang lag... 

Was wird also in Berlin passieren, wenn man nach 29. Spieltagen nur 2 Punkte vor dem Relegationsrang liegt? Was bei einem alternden Kruse und der Zusatzbelastung Europacup nicht auszuschließen ist. 

Wird Urs Fischer dann genügend Kredit besitzen, damit er in Ruhe weiterarbeiten kann? Wird er die Autorität haben um einen nachlassenden Kruse auf die Bank zu setzen? Wie würde ein Kruse auf eine derartige Degradierung reagieren? 

Solange Kruse liefert, können sich die Union Fans entspannt zurücklehnen und sagen: Damit beschäftigen wir uns nächstes Jahr.

Montag, 9. August 2021

Eine kleine Ode an die Öffentlich Rechtlichen

 Und damit auch an die GEZ Gebühren. Und ja, ich verspreche, es wird trotzdem hauptsächlich um Fußball gehen.

Die GEZ Gebühren sind ja gerade dann doch erhöht worden. Und jetzt alle so "Ach, nein! Wirklich! Oh!" Und ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht, aber in meinem Umfeld... jammern da überraschend viele. Verständlich, es ist ja eine Zwangsabgabe und damit genau genommen verboten. Und ja, man kann darüber reden, dass man die GEZ Gebühren auf eine Steuer umlagert, damit jeder entsprechend seines Einkommens einzahlt. Aber damit Steuern entsprechend dem Einkommen berechnet werden... dafür müsste man ja die Linke wählen. Das kann ja auch nicht gewollt sein.

Anyhow: Ich höre ja hauptsächlich 2 Grundausrichtungen. Die einen sagen, sie wollen das Programm halt krass beschneiden. Also nicht ganz auf "Nur Nachrichten zeigen..." Denn das ist ja die AfD Linie, und auf der will man nicht liegen. Vor allem wird einem dann bewusst, dass die kritischsten Sendungen wie die Anstalt oder die Heute Show abgeschafft werden. Der Linke Kulturelle Ablasshandel. 

Dazu kommen verschiedenste investigative Formate wie Monitor. Dass die AfD all das abschaffen will, erscheint erstaunlich logisch, aber der Rest des Landes sollte nicht darauf verzichten...

Es ist nebenbei eine Meisterleistung, auf die selbst Joseph Goebbels stolz wäre, dass unsere durchgehend konservativ geleiteten Medien genau so viel alternatives Programm zeigen, dass sie als Links-Grün-Versifft gelten, obwohl sie eigentlich 80 % der Zeit sehr konservative Standpunkte vertreten. Also gerade im ZDF sitzen ganz offensichtlich zu viele alte weiße Männer. Also das Bundesverfassungsgericht hat darüber genau so geurteilt

Und dann habe ich ja noch das andere Totschlag Argument gegen einen reinen Nachrichtensender: Arte und 3Sat. Also klassische Kultursender, die ebenfalls über die GEZ finanziert werden. Und darauf will natürlich keiner verzichten. Kultur ist ja was ganz Tolles, auch wenn es sich nicht selber finanziert. Das wollen wir natürlich auch erhalten.

Ich halte, so gerne ich Arte gucke, dass ja für arrogant. Also wenn man Kultursendungen fördern will, muss man gegen Tier-Dokus protestieren. Denn Kultur heißt ja nicht mehr als "Vom Menschen gemacht"... Und auch wenn ich dafür überhaupt nichts übrig habe, so sind Tatort und der Musikantenstadl (und ja, die verlinke ich nicht) eben auch ein deutsches Kulturgut. Eines, welches wesentlich mehr GEZ zahlende Menschen interessiert, als mir lieb ist. Aber lass die doch machen. Deutschlands Rhythmusgefühl reicht halt nur zum Mitklatschen im Musikantenstadl, da kann man dann nicht erwarten, dass die ARD gute Musiksendungen fördert.

 

Kommen wir aber zum ganz großen neuen Feindbild: dem Fußball. Dass die öffentlich rechtlichen Sender Geld in diese korrupten Verbände steckt, nur um dieses durch kommerzialisierte Scheiße zu fördern. DAS muss doch abgeschafft werden. Sowohl bei den Nationalmannschaften, als auch bei der Bundesliga. Das muss doch nicht vom Steuerzahler finanziert werden.

Aber auch hier gilt: Fußball ist Kulturgut. Und dieses Gut muss halt auch für diejenigen, die sich kein Pay-TV leisten können oder wollen, geschützt werden. Also man kann ja an der Champions League gut nachvollziehen, was passieren würde, wenn der Fußball aus dem öffentlich rechtlichen verschwinden würde. Dann kann ich mir angucken, wie Mario Basler mit seinen Freunden beim Weißbier darüber redet, was gerade auf dem Spielfeld, welches sie nicht zeigen dürfen, passiert. Da habe ich doch richtig Bock drauf.

Wenn es dann überhaupt noch Zusammenfassungen gibt, werden die im Wesentlichen aus Werbeblöcken bestehen. Oder es gibt dann nur noch die 2 Minuten Zusammenfassung auf Youtube. Und versteht mich nicht falsch: Dass es die mittlerweile gibt, ist ein wirklicher Fortschritt. Aber das sollte halt nicht alles sein, womit man die jungen Menschen zu diesem Sport bringt.

Praktisch würde eine Abschaffung der Bundesliga-Sportschau dazu führen, dass sich die Jugend der Internetkriminalität hingeben und nach illegalen Streams suchen muss, wenn sie mit dem Fußball in Kontakt kommen wollen. Oder sie müssen darauf hoffen, dass ihre Eltern reich genug für ein Sky Abo sind und dieses als wichtig erachten. Und ein DAZN Abo...

Noch viel schlimmer sähe es bei den großen Turnieren im Sommer aus. Denn das sind buchstäblich die am meisten gesehenen Sendungen im Fernsehjahr... selbst, wenn Jogi Löw sich alle Mühe gibt, um diese Quoten zu drücken.

Vor allem haben wir ja spätestens seit 2006 eine wirkliche und auch schöne Public Viewing Kultur entwickelt. Man guckt die Spiele nicht alleine, sondern auf Fanmeilen oder in Klubs und Kneipen. Denn selbst die kleinen und gemütlichen Kneipen zeigen ja die Europameisterschaft. Selbst die Eisdiele am Bakenberg stellt einen Fernseher auf und Bier in den Kühlschrank. Was mich nebenbei direkt zu der Frage bringt, warum diese Eisdiele nicht in Mines Eiscreme erwähnt wird. SKANDAL!

Und wisst ihr, woran das liegt? Also dass die Europameisterschaft überall gezeigt wird, nicht Mine's Faupax... An den GEZ Gebühren. Also als jemand, der in seiner Freizeit einen Klub betreibt, kann ich euch sagen: Die Übertragungsrechte (solange man das Wort Fifa oder Uefa beid der Werbung nicht erwähnt und keinen Eintritt nimmt), gibt es für nen Appel und nen Ei. Man bezahlt da auch pauschal pro Raum, den man hat. Die meisten haben einen. Das Geld hat man nach dem ersten Deutschland Spiel wieder drin, denn dann ist es das erste Mal "richtig voll". Danach fängt man an Gewinne zu machen. Und die ersten 3 Spiele konnte ja nicht mal Jogi Löw verhindern.

Noch besser hat das nebenbei der ORF geregelt. Also der österreichische Rundfunk. Da muss man erst eine Gebühr abgeben, wenn man mehr als 2.000 Leute als Gäste erwartet, sonst gibt es die Übertragung für lau. Woher ich das weiß? Nun ja, wir wollten auch die Spiele zeigen, die es nur bei Magenta gab, auch wenn das komplette Gurkenspiele waren. Wenn man "Alle Spiele, alle Tore" bewerben will, muss man auch alles zeigen. Aber die Preise, die Magenta für die Übertragungsrechte verlangt haben, wirkten halt sehr abschreckend. Am Ende haben wir darauf verzichtet.

Was auch nur bedeutet: Wenn die ARD und das ZDF aus den Turnierübertragungen aussteigen, bedeutet dies das Ende der Kneipenabende mit Fußballübertragung. Und die Fanmeilen werden Eintritt verlangen müssen. Das kann man aus egoistischen Motiven so wollen, weil einen selber Fußball so gar nicht interessiert. Man sollte aber auch mal anerkennen, dass es verdammt viele Menschen gibt, die sich genau dafür interessieren. Und das ist halt auch eine Kultur, die durch die GEZ Gebühren gefördert wird.

Donnerstag, 5. August 2021

Challenges im Fußball oder Wir weigern uns von den anderen zu lernen

 Wo wir schon bei mangelnder Flexibilität der Regelhüter sind. Auch beim VAR zeigte sich diese wieder deutlich.

Zunächst mal brauchte der größte Einzelsportverband mit den größten Zuschauerzahlen natürlich am längsten, um den einzuführen. Nur weil es um größere Beträge geht, muss der Sport ja nicht zwingend gerechter werden. Also um das mal zu verdeutlichen: In der NFL gibt es den bereits seit 1999. Beim Basketball wurden die ersten Szenen bereits 2006 überprüft. Beim Volleyball seit 2013. 

Aber vor allem stand ja eines von vorneherein nicht zur Debatte: Ein Challenge System. Obwohl dies bei fast allen anderen Sportarten so gehandhabt wird, dass Spieler oder Trainer, die mit einer Entscheidung unzufrieden sind, die Überprüfung auslösen. Auch wenn das in der NFL mittlerweile leider bis zur Absurdität aufgeweicht wurde, weil praktisch alles Relevante (Turnovers und Punkte) automatisch überprüft wird. 

Gerade beim Beachvolleyball zeigen sich aber die extremen Vorteile des Challenge Systems. Denn dort wird nicht mehr Gift und Geifer Richtung Schiedsrichter*innen gespuckt, wenn man mit einer Entscheidung nicht übereinstimmt. Sondern man macht das "C" mit der Hand und erklärt dem Schiedsrichter ganz ruhig und sachlich, was man überprüft haben will. Und wenn man Recht behält, darf man weiterhin das "C" formen. Wenn man 2 Mal daneben lag, verliert man diese Option für den Rest des Satzes. Genau so funktioniert jedes gute VAR System.

Vor allem hat es halt den Vorteil, dass man wesentlich respektvoller mit den Schiedsrichtern umgeht. Denn man überlegt sich natürlich schon genau, ob man dieses wertvolle Werkzeug jetzt einsetzt oder nicht. Auch wenn es natürlich dazu führt, dass man am Ende gerne auch mal "challenged", weil man die Option noch übrig hat.

Wenn wir im Fußball endlich 2 Challenges pro Team (und eine dritte, wenn man 2 Mal richtig lag) einführt, würde sich der Umgang mit den Schiedsrichtern drastisch ändern. Also natürlich nicht sofort. Denn die ersten 2 Monate würden die Spieler weiterhin bei jeder gefühlten Ungerechtigkeit zum Schiedsrichter rennen und die Challenge auslösen.

So sind Fußballer nun mal: Sie haben keinerlei Unrechtsverständnis. Zumindest ist das die einzige Erklärung, warum man sich sogar über klare Verwarnungen und Foulspiele beschwert.
Aber nach 6 Wochen würde es dann zum ersten Mal passieren, dass eine Mannschaft, die seine Challenges leichtfertig verschwendet hat, diese Option bei einer Fehlentscheidung nicht mehr zur Verfügung hat. Und dann fangen sie doch irgendwann an zu reflektieren, ob das jetzt wirklich eine schreiende Ungerechtigkeit ist, wegen der man schreiend zum Schiedsrichter rennen muss. Und wenn man nur noch zum Schiedsrichter rennt, wenn wirklich eine Fehlentscheidung getroffen wurde, wäre das Spiel so viel angenehmer.

Stattdessen wird dieser Impuls, sich beim Schiedsrichter zu beschweren, jetzt noch verstärkt. Denn auch wenn es praktisch verboten ist und mit Gelb bestraft werden sollte, versucht man jetzt ja doch bei jeder Gelegenheit den Schiedsrichter doch dazu zu bringen, sich die Szene nochmal anzugucken. Vielleicht schafft man es ja so Zweifel beim Schiedsrichter zu säen... und wenn nicht, hat man ja auch nichts verloren.

Aber anstatt sich zu fragen, wie andere Sportarten das lösen und welche Auswirkungen diese Lösungen auf das Spiel haben könnte, sagen sich die alten, weißen Männer: Das wollen wir auf keinen Fall. 

Und natürlich wird ein Challenge System die Diskussionen mit den Schiedsrichtern nicht gänzlich verstummen lassen. Das passiert in den anderen Sportarten ja auch nicht. Aber es ist schon faszinierend, wie viel ruhiger und respektvoller man da miteinander umgeht.

Dienstag, 3. August 2021

Hat es sich der Fußball zu bequem gemacht?

 Oder ist er einfach nur zu bürokratisch? Weil jede Regeländerung "von ganz oben", also von greisen, weißen Männern beschlossen werden und immer für alle gelten muss?

Also als jemand, der auch gerne mal über den Tellerrand guckt, ist die Olympiade ja ein wirkliches Fest. Da kann ich zu einer beliebigen Tageszeit den Rechner anschalten und im Stream interessante Sportarten auf höchstem Niveau sehen. Und dabei fällt einem eines auf: In anderen Sportarten werden Regeln einfach geändert, um die Sportart attraktiver zu machen.

Ein praktisches Beispiel: Beim Triathlon haben die nach 900 von 1500 Meter Schwimmen eine kurze Anlegestelle eingebaut, an der die Athleten ganz kurz aus dem Wasser steigen und wieder reinspringen. Die selbstverständliche Erklärung: Das wurde für die Fernsehstationen (also für die Zuschauer) eingeführt, damit man auf 2/3 der Schwimmstrecke sehen kann, wer wo liegt. Das ist nämlich echt schwer auszumachen, wenn man nur die Badekappen sieht. Obwohl allen bewusst ist, dass es relativ egal ist, wo genau man nach 900 Meter schwimmen liegt, wird einem das als Service geliefert.

Solche "Das wurde für die Zuschauer eingeführt" Regeländerungen kriegt man bei Olympia ständig präsentiert. Ist ja auch logisch, man kämpft ja buchstäblich um deren Aufmerksamkeit. Genau das hat aber der Fußball einfach nicht nötig. Deswegen glauben alle, dass das Regelwerk perfekt ist, auch wenn das offensichtlich nicht stimmt.

Denkt mal kurz drüber nach: Die letzte wirklich relevante Regeländerung war... Die Rückpassregel. Die soll sogar den einen oder anderen Torhüter seinen Job gekostet haben, weil sie halt nach 30 Jahren komplett ihr Spiel umstellen mussten. Das war 1992. Das ist fast 20 Jahre her.

Danach... wurden so offensichtliche Regeln eingeführt, dass man für Grätschen von hinten Rot sehen sollte... Dass Passive Abseits überarbeitet. Viel über die Handspielregel diskutiert. Und die vollkommen sinnlose Doppelbestrafung "Elfmeter und Platzverweis für den Torhüter" abgeschafft. Die Regelhüter brauchten halt Jahrzehnte um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass ein Elfmeter eine "klare Torchance" ist. Mehr muss man doch eigentlich gar nicht wissen.

Oh und es wurde natürlich die Regel eingeführt, dass Torhüter den Ball nur 6 Sekunden lang in der Hand haben darf. Das wäre eine richtig gute, richtig schöne Regel um Zeitspiel einzudämmen, aber sie wird halt nicht angewendet.

Nehmen wir mal als Gegenbeispiel Volleyball: Dort wurde seit 1992:
- Die Zählweise komplett umgestellt, sodass es bei jedem Ballwechsel Punkte zu verteilen gibt. Vorher konnte man nur bei eigenem Aufschlag punkten, was das Spiel auch unfassbar zäh machen konnte.
- Mit dem Libero/ der Libera eine komplett neue Position erschaffen, die auch Menschen unter 1,80 m eine professionelle Karriere ermöglicht.
- Netzberührung als Fehler abgeschafft und wieder eingeführt.
- Der Freiraum hinter dem Feld wird von 8 auf 6,50m gekürzt.

Oh.... und Beachvolleyball eingeführt, professionalisiert und olympisch gemacht. Man entwickelte sich von einer Rand- zu einer Trendsportart. Anders ausgedrückt: Es hat sich richtig viel getan. Also verglichen mit dem Fußball.

In den amerikanischen Sportligen treffen die sich ein Mal im Jahr und diskutieren über Regeländerungen. Die meisten dieser Vorschläge sollen das Angriffsspiel stärken und den Sport attraktiver machen. Da passiert es aber auch mal, dass Regeländerungen eingeführt und wieder abgeschafft werden. Also als praktisches Beispiel: Die haben in der NBA mal die 3 Punkte Linie an das internationale Regelbuch angepasst und gemerkt, dass ihnen das nicht gefällt. 

Man hat da dann auch eine ganz andere Kultur. Also die Frage, ob man einen 4-Punkte-Wurf einführen kann, wird da einfach mal gestellt. Wann wurden das letzte Mal wirkliche Regeländerungen und Optimierungen im Fußball diskutiert?

Also Louis van Gaal hat das mal gemacht. Vorgeschlagen, dass man den Einwurf abschaffen und durch einen Freistoß ersetzen sollte, damit Teams den Ball nicht mehr sorglos ins Aus schlagen können. Der wurde damals dafür ausgelacht. Weil er sich Gedanken gemacht hat, wie man den Fußball attraktiver machen kann. 

Ganz praktisch kann man das ja an der Torlinientechnologie festmachen. Also dass man so was braucht, wissen wir seit dem WM-Finale... 1966. Im Cricket wurde das Hawk Eye 2001 in Testspiele eingeführt. Im Tennis wird es seit 2006 genutzt. Aber der größte und reichste Verband, bei dem ein einzelnes Tor auch noch den größten Einfluss hat, ließ sich bis 2012 Zeit um diese Idee auch umzusetzen. 

Die mangelnde Flexibilität des Regelwerks wurde mir in einem Gespräch mit einem Schiedsrichter bewusst. Dem habe ich mein "Gebt für Handspiele indirekte Freistöße" Idee konfrontiert. Und er kam mit einem Totschlagargument: Das geht nicht, weil es für Foulspiele direkte Freistöße geben muss und indirekte Freistöße nur für Sachen wie gefährliches Spiel geben kann..." oder halt für einen Rückpass, der in die Hand genommen wird, aber Details.

Technisch gesehen hat er aber recht: Ein Handspiel eines Feldspielers ist ein Foul und für Foulspiele gibt es direkte Freistöße. Der direkte Freistoß im Strafraum ist halt ein Elfmeter. Deswegen kann es nur Elfmeter geben.

Warum man dieses Grundkonzept allerdings nicht auflockern kann und andere Strafen einführen darf, erschließt sich mir nicht. Oder man führt mit der Idee der Strafecke, die man beim Hockey klaut, einfach mal eine neue Standardsituation ein. Man kann das ja mal in einer Saison ohne Turnier im Sommer ausprobieren und hinterher wieder abschaffen, wenn es wirklich nicht funktioniert.

Vor allem, weil es ja früher auch ging. Also Dinge wie "Einwechselspieler" oder "Verwarnungen". Also um das mal zu verdeutlichen: 3 Wechsel sind erst seit 1994 erlaubt... Hoffentlich fällt niemanden auf, dass ich das oben nicht als Regeländerung erwähnt habe. 

Nun mag die Einführung einer Strafecke wirklich extrem sein. Aber selbst kleinere und vernünftigere Anpassungen können ja einfach nicht diskutiert werden. Also als praktisches Beispiel: Mein Vorschlag Wechsel nur bis zur 80. Minute zu erlauben, um das unerträgliche Zeitspiel einzudämmen, wird nie ernsthaft diskutiert werden. Genauso wenig wie die Idee einen neutralen Arzt zu stellen und Mindestzeiten für Behandlungspausen einzuführen. Obwohl uns allen klar ist, dass das Zeitspiel ein wirklich unangenehmes Niveau erreicht hat und dringend eingedämmt werden müsste.

Da aber selbst solche kleinen, progressiven Regeländerungen nicht möglich sind, können wir uns gar nicht vorstellen, wie große Regeländerungen funktionieren sollen. Als größeres praktisches Beispiel: Die haben jetzt herausbekommen, dass häufige Kopfbälle die wahrscheinlicher zu Demenz führt. Die kriegen alles raus. Und als Ergebnis... will man zumindest die Kinder später damit anfangen lassen. Also im FDP Stil als "freiwillige Erklärung"... 

Aber wir können uns eine Welt, in der jeder Kopfball zu einem indirekten Freistoß führt, auch einfach nicht vorstellen. Oder wenigstens einen Fußball, in dem man wie im Rugby Helme tragen muss, um die Folgen einzudämmen. 

Aus irgendwelchen Gründen glauben wir, dass Fußball halt seit 100 Jahren so gespielt wird und dass das Regelwerk perfekt ist, weil es halt schon immer so war. Oh und dass ALLE nach einem einheitlichen Regelwerk spielen müssen, was auch komplett albern ist. 

Aber ich sag das mal so: Nur weil Gerd Müller an Demenz leidet, muss Thomas Müller dies nicht auch passieren. Vor allem wo Thomas doch praktisch eh ein ganz anderes Spiel spielt, weil sich in Sachen Taktik und Athletik ja viel getan hat. Nur im Regelwerk bewegt sich halt nichts. Wobei man doch genau dieses auf die neuen Taktiken anpassen müsste...

Ich würde mir da weniger Denkverbote und ein progressiveres Vorgehen wünschen. Aber anderseits scheine ich da auch eine Minderheit zu sein, der Rest regt sich halt nur dann über Zeitspiel auf, wenn der Gegner es macht...

Freitag, 30. Juli 2021

Der wirkliche Schlag ins Gesicht

 Ein kurzer Nachtrag... haha... als würde ich mich jemals kurzfassen können.

Ich habe gerade rein zufällig das olympische Viertelfinale zwischen Australien und Großbritannien eingeschaltet. Weil ich mir dachte: Kannst du nebenbei machen, während du dich um wichtige Dinge kümmerst... und bevor du sinnlose Siegerehrungen von Sportarten guckst, die dich nicht interessieren...

Nebenbei was anders zu machen, hat dann aber überhaupt nicht funktioniert: Als ich eingeschaltet habe, stand es noch 1 zu 0 für die Australierinnen. Oh ja, natürlich: Es war das Viertelfinale der Frauen. Ich gucke bei Olympia halt nur hochwertigen Sport.

10 Minuten später lagen die Britinnen dann plötzlich dank eines Doppelpacks von Ellen White vorne. Diese Führung hielt dann auch... bis zur 89. Minute, als Samatha Kerr ausgleichen konnte. Schon mal der erste Wahnsinn.

Aber was dann folgte... also ganz ehrlich: Das war Jahrhundertspiel Niveau. Nur, dass das Spiel vorher halt keine absolute Grütze war. Aber ein derartiges Spiel sieht man nur ganz ganz selten.

Die Britinnen haben tatsächlich die "Gareth Southgate Lektion" gelernt und spielten die Verlängerung im "Wir wollen auf keinen Fall ins Elfmeterschießen" Modus. Australiens Torhüterin Teagan Micah stand schon im Fokus, bevor sie dann auch noch einen Elfmeter halten konnte. Was die erwartbarste Leistung war.

Direkt danach haut die 18-jährige Mary Fowler einen raus. Also klar, der Ball war abgefälscht. Aber den Ball mit rechts zu verarbeiten und mit links in den Winkel zu nageln. Also wenn eine Deutsche Nationalspielerin so eine Bude in so einem wichtigen Spiel macht, wird es das Tor des Monats. Wenn ein Deutscher Nationalspieler so ein Ding macht, wird es das Tor des Jahres.

Aber danach war ja noch lange nicht Schluss. Die Australierinnen erzielen direkt nach dem Anstoß der 2. Hälfte das 4:2. Also genau in den Momenten, in den ein Roberto Mancini seinen Stürmer auswechselt, anstatt das in der Pause zu machen. 

Danach kommen die Britinnen aber dank des 3. Treffers von Ellen White nochmal ran. Nebenbei vielen alle 3 Tore in der Verlängerung aus dem Spiel heraus und nicht durch irgendwelche erschlichenen Standards. Könnt ihr euch so was vorstellen? Eine Verlängerung, in der beide Mannschaften konstruktiv versuchen Tore zu erzielen? Unfassbar.

Nach dem 3:4 kamen die Britinnen aber zu keinen weiteren klaren Chancen. Was aber nicht daran lag, dass die Australierinnen übermäßiges Zeitspiel betrieben haben. Also um das mal zu verdeutlichen: In der 120. Minute sieht Georgia Stanway Gelb, weil sie beim verzweifelten Nachsetzen zu spät kommt... und Stephanie Catley steht einfach wieder auf. Ohne, dass die Ärzte aufs Feld kommen müssen. Ein richtiger Mann hätte sich da erst Mal 3 Minuten lang behandeln lassen. Stattdessen wurde das Spiel nach 40 Sekunden fortgesetzt. Ohne dass die Torhüterin Micah ermahnt werden musste, sie müsse doch mal bitte den Ball wieder ins Spiel bringen. 

Könnt ihr euch das vorstellen? Die haben in der Verlängerung wirklich Fußball gespielt, anstatt den Rasen zur Liegewiese umzufunktionieren. Und beide Mannschaften haben nicht nur aufs Elfmeterschießen gewartet. Wenn ihr irgendwie die Chance habt, zumindest an die Highlights zu kommen guckt euch das an. So schön kann Fußball sein

Aber jetzt kommt halt der Schlag ins Gesicht: Im Onlineportal des ehemaligen Fußball-Fachmagazins, welches sich ja so schön über die Leistungen der Deutschen Männer echauffierte, findet ihr dazu wenig bis nichts. Also schon während des Spiels war die Spitzenschlagzeile "Trikotpreise der deutschen Bundesligisten" Die Berliner Trikots sollen sehr teuer sein. Und ich bin so dumm, da auch noch draufzuklicken und es zu verlinken. Klickt da nicht drauf, sondern vertraut mir einfach.

Schon während des Spieles musste ich sehr weit runterscrollen, um überhaupt den Ergebnisticker zu finden. Und dort wurden dann wirklich nur die Tore aufgeführt. Die haben es nicht mal geschafft, dass irgendwer in der Redaktion da wenigstens mit einem Auge drauf guckt. Das Frauenfußball-Turnier hat alles, wovon der Kicker-Redakteur, der den Kommentar zur Deutschen Mannschaft geschrieben hat, träumt. Alle Stars sind dabei. Alle sind hoch motiviert. Die Amerikanerinnen sind ein wenig zu alt, weshalb auch noch nicht fest steht, wer gewinnt. Aber es wird wirklich die bestmögliche Version des Frauenfußballs präsentiert. Aber trotzdem wird das Turnier von den Fachmedien ignoriert und marginalisiert.

Dass der Kicker nicht unbedingt über Feldhockey und Wasserball berichten muss, sehe ich ja ein. Dass die nicht nach jedem Frauenfußballspiel ein Interview mit dem Trainerstab führen, kann ich auch nachvollziehen. Aber dass es so komplett an den Rand gedrückt wird, nur weil Deutschland nicht mitspielt... 

Aber gut, ich habe ja mittlerweile erkannt, dass man denen kein Geld mehr geben sollte...