Sonntag, 16. Dezember 2012

Wahnsinn was Schalke für ein Chaos ist

und vor allem, wie schnell das passieren konnte.

Wir erinnern uns: Am 8. Spieltag hat Schalke Dortmund geschlagen. Im "Sie haben das Ding doch schon wieder umbenannt oder?" Park. AUSWÄRTS. Dass ein Trainer, der sein wichtigstes Auswärtsspiel gewinnt, nicht mal das Rückspiel (geschweige denn den Rückrundendstart) erlebt... geht wohl sonst auch nur bei den Bayern (Weil deren Derby halt gegen die 60iger... und Auswärts da irgendwie doch zu Hause ist... und die Ansprüche ganz andere... ihr wisst schon, die Bayern halt). Und halt auf Schalke. Wo man sich selbst als Jahrhunderttrainer keine 8 schlechten Spiele (nach 9 vorher überragenden Zitat Tönnies im Doppelpass "Wir haben natürlich eine Sensationelle Hinrunde gespielt.") leisten darf. Obwohl man sich gleichzeitig souverän fürs Champions League Achtelfinale qualifiziert. Als "Wir gehen sogar Barca aus dem Weg" Gruppenerster.

Und Schuld hat Stand jetzt natürlich der Trainer. Weil er halt das gemacht hat, wofür er geholt wurde: Knurren und knappe Siege einfahren. Huub Stevens ist kein Trainer, der mit einer komplett neuen Spielidee Champagner-Fußball spielen lässt... und keiner der seine Spieler "A la Christian Streich" herzt. Aber das wusste man doch vorher. Aber hey, Schalke ist ja auch der Verein, der überrascht guckt, wenn Felix Magath den Kader auf 45 Mann aufbläht, nachdem man ihm den Schlüssel zur Stadt überreicht... Und die mit Ralf Rangnick und Mirko Slomka schon 2 Trainer entlassen haben, nur weil sie dann doch zu erfolgreich waren... oder so.

Sicherlich hat auch Huub Stevems seine Fehler gemacht (ich sag mal mangelnde Rotation...)... aber nur Stevens? Die ganze Debatte kam doch nur ins Laufen, weil Horst Heldt es nicht geschafft hat, den Vertrag mit Stevens zu verlängern. Ein Trainer, der einem Huntelaar und einen Holtby sagen kann: "Is mir egal, ich bin im Zweifelsfall länger da als ihr" hat eine ganz andere Wirkung auf seine Mannschaft. Und da sind wir schon beim nächsten Thema:

Holtby und Huntelaar. Die träumen so sehr vom großen internationalen Vereinen, dass sie zum einen Vergessen, dass sie ja bei einem Spielen... und vor allen Dingen, dass Leistung im Liga-Alltag irgendwie die Grundlage für alles ist. Gerade bei Huntelaar ist die Diskrepanz einfach nur krass: 9 Scorerpunkte in 6 Champions League Spielen (also dem Schaufenster für einen neuen Verein) zeigen doch deutlich, dass er kann, wenn er will... aber auf der anderen Seite stehen 2 mickrige Bundesligatore. Bei Lewis Holtby ist der Leistungsabfall einfach am krassesten. Nach dem Dortmund-Spiel wollten selbst die sachlichsten Experten schon darüber diskutieren, wie man den in die Nationalmannschaft einbauen kann... Seit dem hat er einfach mal kein einziges gutes Bundesligaspiel mehr abgeliefert... Wirklich grotesk wird es dann, wenn Huntelaar mit Arsenal London in Verbindung gebracht wird. Also genau mit dem Verein, den Schalke in der Champions League gerade hinter sich gelassen hat. In eine Liga, die international gerade den Anschluss zu verpassen scheint. Aber hey, mehr Geld kann man dort wahrscheinlich immer noch verdienen.
Wenn die beiden in der Bundesliga die Leistung bringen würden, die ihren Gehaltsvorstellungen angemessen wären... Aber auch hier gelang es Horst Heldt nicht, frühzeitig für klare Fakten zu sorgen. Und bergab geht es mit den Schalkern, seitdem über die Verträge diskutiert wird...

Wo wir beim Thema diskutieren sind: die Medien nehmen auch jede Steilvorlage auf. Und auf Schalke wehrt sich so richtig niemand dagegen. Als Jürgen Rollamann die Trainerdiskussionen als "perfide und schmutzig" bezeichnete, meinte er vor allem solche Artikel wie er im Donnerstags-Kicker stand: Dort darf der Kicker darüber spekulieren, ob Co-Trainer Markus Gisdol denn der Top-Kandidat auf die Stevens-Nachfolge ist... Ohne, dass Stevens zu diesem Zeitpunkt überhaupt entlassen wurde... Und der große Einspruch der Schalker Führungsetage blieb bis heute aus... Obwohl sie auch Gisdol entlassen haben... Wenn man seinen Trainer wirklich stützen will, geht man da anders vor...

Stattdessen wurde von oben eine völlig übertriebene Erwartungshaltung geschürt. Anstatt bei dem großen Feind aus Dortmund zu lernen (die gefühlt erst nach der Titelverteidigung das erste Mal von der Meisterschaft geredet haben), wurde in Gelsenkirchen schon Ende August das M-Wort freigegeben...

Kommen wir zum zahlenden Publikum: Selbst als Schalke noch erfolgreich gespielt hat und zu Hause Mainz 3:0 geschlagen haben, gab es Pfiffe aus dem eigenen Publikum. Obwohl eigentlich jeder wusste, dass die Mannschaft mit dem Abgang von Raul stark verjüngt wurde. Und so eine Mannschaft sollte man als Fan vielleicht mal bedingungslos unterstützen... und ihnen ein paar Leistungsschwankungen zugestehen... aber nicht auf Schalke... Am Ende waren die Fan-Pfiffe so erfolgreich, dass sie Huub Stevens zu einem Torwartwechsel bewegten... Der allerdings auch nichts brachte, weil Schalke es verpasst hat, wenigstens einen guten Torwart zu verpflichten...

Und so stehen die Schalker vor dem Nichts. Obwohl sie im Champions League Achtelfinale stehen. Aber keine Sorge, Horst Heldt hat ja einen Plan. Weil das ja mit Ciprian Marica und Timo Hildebrandt so gut geklappt hat, bedient sich Heldt mal wieder bei seiner Stuttgart-Connection. Aber es ist wider erwarten nicht Markus Babbel... zumindest noch nicht... was das ist aber in dem Moment nicht die gute Nachricht... denn die nicht Interimslösung bis zu Saison-Ende soll Jens Keller sein. Der kommt mit der überragenden Erfolgsbilanz von 2 Bundesligasiegen... Und nur um zu verdeutlichen, wie planlos die Schalker Führung ist, hier noch einmal Clemens Tönnies: "Wir werden uns angucken, wie Jens Keller arbeitet und wer Erfolg hat, hat immer recht." Normalerweise sollte man vorher von einem Trainer überzeugt sein und nicht erst nach seiner Installation mal gucken, wie der sich so macht.

Es wäre (auch wenn es moralisch noch viel böser wäre) was ganz anderes, wenn Schalke einen Bernd Schuster oder Christian Gross aus den Hut zaubern könnte... aber jetzt darf (oder muss) Jens Keller eine Mannschaft auf ein Champions League Achtelfinale vorbereiten... und so weit ist der in seiner Trainerkarriere eigentlich einfach noch nicht... aber hey, wenn sie auf Schalke einen Plan hätten, wäre das Leben doch so viel langweiliger...

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