Samstag, 15. Juni 2024

So ungern ich an der Stelle Recht behalte

Weil ich ja gegen Deutschland bin und gar nicht will, dass die übermäßig erfolgreich sind. Obwohl der Gastronom in mir eiskalt festgestellt hat: Damit ist das Achtelfinale gesichert. Aber erst zum akuten:
#PassivesAbseitsleserwissenesfrüher.

Im März wurde hier vorgerechnet, wie wenig Zeit Kai Havertz, Jamal Musiala, Ilkay Gündogan und Florian Wirtz bis März gemeinsam auf dem Platz verbracht haben. Und das sich alle Probleme auflösen werden, wenn die sich mal einspielen können. Das mag am Anfang ein wenig humpeln, weil selbst derart talentierte Spieler ein wenig Zeit brauchen, um sich zu finden. Aber 3 Monate später...

Erzielen Wirtz, Musiala und Havertz die ersten 3 Tore bei der EM. Auch wenn es daran gelegen haben könnte, dass Toni Kroos den Elfmeter abgetreten hat. Aber Havertz, Musiala und Wirtz haben damit nach 60 Minuten mehr EM Tore, als Thomas Müller in seiner gesamten Karriere. Aber Müller hat das 5:1 vorgelegt. Das muss doch reichen, um den einen Stammplatz zu geben! Das ist mein größter Hoffnungsträger.
Und ja, ich finde es immer noch faszinierend, wie all die beschissenen Turniere, bei denen Müller jeweils der schlechteste Offensivspieler war, einfach an dem abgeperlt sind. Der war zwar immer Stammspieler, trotzdem glaubt niemand, dass es seine Schuld war. Jetzt ist er nur noch eine Ergänzung und auf einmal läufts. Trotzdem wird niemand jemals des Zusammenhang zwischen Müller und den endtäuschenden Turnieren herstellen.

Die Offensivreihe der Deutschen kommt jedenfalls nach 45 Minuten auf 5 Scorerpunkte. Auch wenn es "nur" gegen überforderte Schotten ging, ist das eine beängstigende Ansage für die Konkurrenz. Ich erwähne das so explizit, weil ein Experte beim ehemaligen Fachmagazin das den Nagelsmann vor Anpfiff negativ auslegen wollte. Der gibt den gegnerischen Trainer "keine Rätsel auf", wenn er ein hochtalentiertes und eingespieltes Offensivquartett aufstellt. Das ist schon dämlich von ihm. Wäre viel cleverer, einen Undav in die erster Elf zu stellen, um alle zu schocken... Das wäre doch ein viel besserer Ansatz.

Gerade wo man als Kicker-Redakteur die ganze doch eher chaotischen Experimente der letzten 8 Jahre hautnah miterlebt haben sollte... Aber gut, die beschäftigen sich halt nicht soo regelmäßig mit Fußball.

Fall Deutschland jetzt doch noch scheitert, bin ich nebenbei Schuld.  Denn ich habe direkt nach dem Abpfiff gesagt: Damit ist das Achtelfinale gebucht. Und damit kommt der "Dieser Modus ist Scheiße" rant.

Also selbst wenn Deutschland jetzt, was das absolute Worst Case Scenario ist, die nächsten 2 Spiele knapp verliert. Dann haben sie immer noch 3 Punkte und ein Torverhältnis von Plus 2. Die müssten schon richtig auf den Sack kriegen, um noch auf ein negatives Torverhältnis zu kommen. Und mit 3 Punkten und +/- 0 kommt man halt bei diesem Modus ziemlich sicher weiter. Die Schweiz und die Ukraine sind das letzte Mal mit 3 Punkten und negativem Torverhältnis weitergekommen. Portugal und Nordirland bei der Ausgabe davor mit einem von +/-0. Es ist realistisch gesehen unmöglich, jetzt noch auf 3 Punkte und -2 Tore zu kommen.

Und falls ich das wirklich mit meinem Statcurse hervorgerufen habe, werde zumindest ich jetzt 2 Spiele lang sehr viel Spaß haben.

Was dieses "Die besten Gruppendritten" noch viel fieser macht, ist ja die doch sehr unausgeglichene Auslosung. Es ist etwas komplett anderes, ob ich in einer Gruppe mit Frankreich, Kroatien, Italien und Albanien oder Frankreich, Niederlande, Polen und Österreich "nur Dritter" werde... oder ob ich diesen Platz in den Belgien, Rumänien, Slowakai, Ukraine und Georgien, Portugal, Tschechien, Türkei Gruppen erreiche. Ich frage mich ja, ob das den 3 großen in der Gruppe  bewusst ist. Also die Achtelfinalteilnahme könnte durch Schützenfeste gegen Albanien entschieden werden. Da wird es schon spannend sein, ob Italien die Weitsicht besitzt, um gezielt auf das nächste Tor spielt, oder ob die sich mit einem 1:0 zufrieden geben. Das wäre meiner Meinung nach grob fahrlässig.

Der Pessimist in mir geht ja irgendwie davon aus, dass in Gruppe E und F 3 Mannschaften weiterkommen, während die Niederlande und Kroatien mit 3 Punkten auf der Strecke bleiben.

Aber immerhin etwas Glück hatten wir bei der Auslosung schon. Denn die Mannschaften aus Gruppe E und F treffen danach dann nicht im Achtelfinale aufeinander. Mit mehr Pech (also konkret wenn wir hier über die Gruppe D und E und nicht E und F reden würden) hätte uns das Losglück ein Achtelfinale Georgien gegen Rumänien ausgespuckt.
Ich bleibe dabei: Dieses "Die besten Gruppendritten kommen weiter und wir sortieren nur 8 von 24 Mannschaften nach der Vorrunde aus" ist der beschissenste Turniermodus.

Dienstag, 11. Juni 2024

Lasst uns mal über Torhüter reden

 Also über die Deutschen. Und wie absurd, aber irgendwie auch normal, die derzeitige Situation ist.

Dafür müssen wir erstmal mit einem Mythos aufräumen. Nämlich dass es Torhüter schwerer haben, weil ja jeder Patzer direkt zu einem Gegentor führt. Das stimmt nicht. Das Problem hierbei ist: Wenn ein Fehler nicht zu einem Treffer führt, nennen wir das nur anders: "Kleinere Unsicherheit" zum Beispiel. Wenn zum Beispiel bei den letzten beiden, quasi identischen, Patzern von Manuel Neuer gegen Real Madrid und Griechenland einem eigenen Verteidiger und nicht dem Stürmer vor die Füße fällt, gibt es halt Eckball und nicht Anstoss. Da Manuel Neuer aber exakt dasselbe macht, begeht er auch denselben Fehler.

Oder wenn ein Torwart nicht konsequent genug rauskommt, der Kopfball aber am Tor vorbei geht. Oder wenn er einen sicher haltbaren Ball doch zur Ecke abwehrt. Wenn er den Ball bei der Spieleröffnung ins Seitenauß statt auf den Flügelspieler schlägt... das sind alles "Fehler", die es aber in keine Zusammenfassung schaffen.

Richtig ist: Der Torwart steht oft am Ende der Fehlerkette. Es ist eher selten, dass jemand seine Fehler noch ausbügelt. Das geht Innenverteidigern aber auch so.

Kommen wir jetzt also zur Lage im Deutschen Tor... wo wir uns zum ersten Mal seit 2008 Sorgen machen dürfen. Derzeit ist es erschreckenderweise das realistischte Szenario, dass Deutschland nach einem Neuer Patzer ausscheidet. 

Für den Kontext: 2008 hatte Jens Lehmann vor dem Turnier seinen Stammplatz bei Arsenal aufgrund einer Verletzung verloren und ihm fehlte die regelmäßige Spielpraxis. Das war das letzte Mal, dass kein verifizierter Weltklassetorhüter im Kasten stand. 

Jetzt hat Neuer dieses Niveau zuletzt eher selten nachgewiesen... Marc Andre ter Stegen aber schon. Also zumindest kommt das aus Spanien hier so an, bei Barca sollen alle sehr zufrieden mit ihm sein. Aber Neuer hat halt den besseren Ruf. Deswegen steht der schlechtere Torhüter im Kasten. Und wer das infrage stellt, guckt halt mit einem völlig verklärten Blick auf die Leistungen.
Also nur um das nochmal festzuhalten (oder in Neuers Fall genau eben nicht): Neuer hat zuletzt gegen Real Marid, Hoffenheim und Griechenland Gegentore verschuldet und gegen die Ukraine so krass gepatzt, dass alle darüber reden, obwohl gar kein Gegentor gefallen ist. ter Stegen hat dagegen eine sehr souveräne Saison gespielt.

Die einzige offene Frage ist ja, ob ter Stegen nicht schon bei der letzten WM der bessere Torhüter war.

Aber ich habe mich hier ja ausführlich darüber ausgelassen, dass es ja auch bei den Vereinen selten einen echten Konkurrenzkampf gibt und dass man aus Prinzip an der Nummer 1 festhält, obwohl es bessere Optionen gäbe. Aber nach diesen Optionen schaut man sich gar nicht erst um. Und ja, Marcel Schuhen ist auf dem Markt, es will ihn aber niemand haben.

Genau das passiert halt auch in der Nationalmannschaft. Also beinah immer wieder. Es war ja damals eine Sensation, dass Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 wirklich einen offenen Zweikampf im Tor ausgerufen hat. Und es war ein Skandal, als er sich für Spieler, der eine historisch gute Champions League Saison spielte, entschied... und gegen Oliver Kahn. Also für noch mehr Lehmann Kontext: Der kassierte damals in der K.O. Phase kein einziges Gegentor, weil er beim Stand von 0:0 unglücklicherweise vom Platz flog... Dem Schiedsrichter war die weiße Weste wichtiger, als der Vorteil für Barca, die garantiert das erste Tor erzielt hätten, wenn er das Spiel nicht unterbrochen hätte.

Kahn war jedenfalls der letzte Torhüter, der seinen Stammplatz in der Nationalmannschaft verloren hat. Alle anderen treten einfach irgendwan zurück. Deswegen ist es auch gar nicht so ungewöhnlich, dass der bessere Torwart auf der Bank platz nimmt.

1994 nannte Berti Vogts es einen Fehler, auf Bodo Illgner gesetzt zu haben und nicht auf Andreas Köpke. Aber Illgner war Weltmeister, so jemanden setzt man nicht auf die Bank. 1998 war es dann Köpke, der spielte, obwohl Oliver Kahn der bessere Torhüter war. Aber Köpke war halt Europameister, so jemanden... Beide Turniere endeten im Viertelfinale.

Aber warum sollte man von den Fehlern der anderen lernen, wenn man selber die selben machen kann? Ist doch viel spannender so.
Was mich daran aber am meiten fasziniert: Wenn Neuer dann im (der Gastronom in mir ist optimistisch) Viertel- oder Halbfinale kritisch patzt, werden alle entsetzt gucken. DAS war ja so nicht zu erwarten... obwohl es sachlich gesehen eher eine Überraschung wäre, wenn Neuer fehlerfrei durchs Turnier kommt. Diejenigen, die es wirklich mit Deutschland halten, sollten eher hoffen, dass er nicht in einem kritischen Moment patzt...

Aber das ist ja das andere Phänomen in diesem Land, welches hier auch schon ausführlich dargelegt wurde: Alle Torhüter außer Neuer müssen sich mit dem Mythos aus dem Jahr 2014 messen. Damals hat er das Torhüterspiel auf ein neues Niveau gehoben. Und es stellen nur ein paar Buffon-Groupies infrage, dass Neuer von 2014 bis 2020 der beste Torhüter der Welt war. Niemand stellt infrage, dass er als einer der Besten aller Zeiten in die Geschichte eingeht. Aber am Ende wird sich der eine oder andere eingestehen, dass er ein paar Jahre zu spät aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist. Denn mit dem 2014er Mythos kann er selber seit einigen Jahren nicht mehr mithalten. Er ist aber auch der einzige, der sich nicht mit diesem Mythos messen muss.

Dienstag, 4. Juni 2024

Was ich ja auch gerade niedlich finde

 Was die Dortmund Fans da gerade abziehen... und abziehen müssen.

Also zunächst mal, dass die sich mit dem Motto "Mehr als ein Verein" zu "den Guten" im Champions-League-Finale verklärt haben. Also klar, Außenseiter war man... aber deswegen ist nicht zwingend "gut".

In diesem Finale hat ein Verein, der zu 100 % seinen Mitgliedern gehört, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung & Compagnie Kommanditgesellschaft auf Aktien geschlagen. Dieser Name ist so kompliziert, weil er extra für die Borussia als Fußball-AG erschaffen wurde. Ware Liebe und so. 

Aber das ist ja so ein unangenehmes Detail, welches konsequent ignoriert wird: Wenn die Fans gegen Investoren und Kommerzialisierung protestieren, müssen sie eigentlich auch gegen Borussia Dortmund protestieren. Denn die saßen bei der Durchkapitalisierung vorne links am Steuer des ehemaligen Vereinsfußballs.
Um das nochmal zu verdeutlichen: Von Real Madrid gibt es gar keine Aktien, weil das immer noch ein eingetragener Verein ist. Auch wenn es am Ende natürlich nur bedeutet, dass derartigen Rechtsformen mehr Schein als Sein sind. Denn wirklich "gemeinnützig" ist Real doch nur für den Steuerbescheid. Wobei man jetzt natürlich schon behaupten können, dass so vielen Menschen so viel Freude zu bereiten, indem man ständig Titel holt, schon auch für die Gemeinheit ganz nett ist.

Jetzt sind die Dortmunder aber noch mehr als eine komplizierte Rechtsform. Sie werden jetzt auch noch von einem Rüstungskonzern gesponsort. Das ist der nächste Dammbruch bei der Turbokapitalisierung. Oder am Ende relativ geschickt, denn sie nehmen jetzt ja nicht das Geld der russischen Oligarchen, sie nehmen das Geld von der Firma, bei der jahrelang der Rubel gerollt ist, weil sie den Russen Waffen verkauft haben. Oder noch in Milliardenumfang verkaufen wollten. Und auch wenn sie damit vor 10 Jahren aufgehört haben, so werden sie jetzt trotzdem noch Deals mit den Öl-Scheichs der Welt abschließen. Das mag jetzt übertrieben wirken, aber gute Menschen kaufen halt keine Waffen. Oder zumindest nur so wenige davon, dass sich das Geschäft nicht lohnt.

Die Dortmund-Fans machen genau das, was jetzt erwartbar war: Sie regen sich auf und starten "Protestchen". Also ja, die Verniedlichung von Protesten. Da wird dann im Finale ein meterlanges Banner ausgehangen, dass man auch da gegen Sportswashing ist. Aber so richtig konsequenter Protest, der einem auch selbst weh tut... was in den meisten Fällen die einzige wirkungsvoller Möglichkeit ist? Nein, danke!

Mich erinnert das nebenbei ein wenig an die "Beschwerden" über die geänderte Ausschüttung von Spotify an die Künstler... zulasten der Kleinen, zum Vorteil der Großen. Da haben sich dann verdammt viele online darüber beschwert, aber keiner hat seinen Account gelöscht und sein Abo beendet. Obwohl genau das die wirkliche Lösung gewesen wäre: Spotify abmelden und den kleinen Künstlern über Bandcamp direkt bezahlen. Aber Spotify ist so bequem... Deswegen ging diese Anpassung am Ende doch einfach durch.

Wenn jetzt die 50.000 Fans in London einfach nicht ins Stadion gegangen, sondern davor getrauert hätten, wäre der Deal jetzt schon wieder abgesagt. Oder wenn die Dortmund Fans ihre Dauerkarten und ihre Mitgliedschaft kündigen würden. Aber eine Finale verpassen ist schon hart. Und wenn man seine Dauerkarte kündigt, bekommt man die ja nie wieder, weil ja schon der Nächste ansteht und eine haben will. Das hätte dann ja richtig unangenehme Konsequenzen. Das kann ja nicht gewollt sein.
Wobei ich hier einschieben muss: So ein Finale abzusagen, weil der eigene Vorstand so dumm ist, diesen Deal kurz vorher bekannt gegeben hat, wäre schon wirklich hart. Dass sie das nicht durchgezogen haben, kann ich schon nachvollziehen. Aber die nächsten 3 Jahre nicht hingehen, wäre jetzt die einzige wirkungsvolle Protestform. Oder jeden 2. Samstag für Spielabbrüche zu sorgen, da wäre ich aber vorsichtig, Dortmund hat jetzt Zugriff auf Panzer...

Nebenbei, um den nächsten Bogen zu schlagen, lernen wir ja auch gerade, dass es keine schlechte Presse gibt. Also weil Gigi D'Agostinos Lied plötzlich auf Platz 1 einsteigt, weil Rassisten den Text dazu umgedichtet haben und das gefilmt wurde. Der Künstler hat damit nichts zu tun und wird wahrscheinlich überrascht auf seinen Kontostand gucken und sich fragen, warum dieser "alte Schinken" plötzlich so gut läuft.
Eigentlich sollte der "Sylt-Skandal" dazu führen, dass dieses Lied, so wenig es dafür kann, erstmal weniger gespielt wird... Das Gegenteil ist der Fall. Genauso wie bei Rammstein, deren Alben vor einem Jahr wieder in die Charts geschossen sind. Solange man, warum auch immer, irgendwo ins Gespräch kommt, steigert sich immer auch der Umsatz.

Wenn die Dortmund Fans jetzt also "leisestark" gegen Rheinmetall protestieren, sorgt das nur dazu, dass dieser Name jetzt mehr im Umlauf ist. Man erweitert direkt die Reichweite, und damit auch den Erfolg, des Werbedeals. 

Am Ende bleibt mal wieder festzuhalten: Borussia Dortmund sind nicht "die Guten". Sie sind nur schon so lange "Die Bösen", dass wir vergessen haben, wer das Böse eigentlich eingeführt hat. Und wenn die Fans sich über die fortschreitende Kommerzialisierung aufregen, ist das absolut verlogen. Denn ohne die Leistungen des BvBs wäre der Fußball gar nicht für RB interessant geworden. Das sind nur die Geister, die ihr rieft.
Aber das sind dieselben Fans, die nächste Saison NICHT gegen die Aufblähung der Champions League protestieren werden, weil man ja nur gegen die Kommerzialisierung ist, wenn andere davon profitieren. Es passt also genau ins Markenkonzept.

Montag, 3. Juni 2024

Das war ja eine riesige Überraschung

 Also nicht, dass Real Madrid das Ding humorlos mit 2:0 gewinnt. Das war irgendwie abzusehen. Natürlich war Dortmund 60 Minuten lang die bessere Mannschaft... aber so spielt Real halt. Und das nicht erst seit gestern.

Aber die eigentliche Überraschung ist ja, dass in einem Land, in dem zu Gigi d'Agostino rassistische Parolen gesungen werden, 21 % der Menschen eine "arischere Nationalmannschaft" sehen wollen. 

Was nebenbei auch bezeichnend für die Diskussionskultur in diesem Land ist: Das Lied steigt auf Platz 1 in den Charts ein, worüber sich in sozialen Netzwerken unter anderem die AfD freut, während die Doku niemand sieht. Aber trotzdem äußert sich jeder zu dieser einen Statistik. Dabei sollte jeder, der sich dazu jetzt irgendwie äußert, erstmal die Doku sehen.

Nebenbei ist das ja auch nur ein Teil der Vorberichtserstattung zur EM im eigenen Land. Also es ist nicht nur so, dass die beim WDR diese eine Doku zum Thema Rassismus gemacht haben, sondern dass sie gerade dabei sind, die Nationalmannschaft, ihre Rolle und die hoffentlich großartige Heim-EM aus mehreren Perspektiven zu beleuchten.

Und Phillip Awounou hat sich halt mit der integrativen Kraft beschäftigt. Die Doku beginnt deswegen mit der Berufung von Gerald Asamoah und dessen ersten Tor. Und wie der als erster in Afrika geborene deutsche Nationalspieler auch ein Türöffner für eine buntere Generation war. Das, was in Frankreich, England oder den Niederlanden seit Jahrzehnten völlig normal war, kam tatsächlich auch in Deutschland an. Und es wird die wunderschöne Geschichte erzählt, was für Auswirkungen diese Nominierung für Menschen mit Migrationshintergrund hat. Und dann wird erzählt, wie sich diese Geschichte mit Nicole Anyomi bei der EM 2022 wiederholt wurde. Nur dieses Mal halt für junge Mädchen mit Migrationshintergrund. Das ist diese integrative Kraft des Fußballs, von der immer alle schwärmen. Einer der Schlüsselsätze ist "Da sieht man mal, wie wichtig Repräsentation ist."

Die Generation danach hatte einen wesentlich stärkeren Migrationshintergrund, wurde aber trotzdem oder gerade deswegen Weltmeister. Und sie stand damals auch für ein "neues Deutschland". Weil die Integrationsbemühungen, die laut Doku erst in den 90ern ernsthaft angegangen wurden, Früchte trug. Und jetzt haben wir eine Nationalmannschaft, der man das nicht unbedingt ansieht, weil es halt noch ungewohnt ist, die aber komplett aus Deutschland kommt. Die wurden allesamt in Deutschland geboren.

Die 2014er und die jetzige Generation bildet die aktuelle deutsche Gesellschaft wesentlich besser ab, als die 2006er-Generation. Auch wenn gerade die 2014er-Generation um Mesut Özil nachweist, dass Integration auch keine lineare Entwicklung ist. Und ja, es wird in der Doku auch über Özil geredet. Und darüber, dass İlkay Gündoğan auch auf dem ominösen Foto drauf war, damit aber einfach wesentlich besser umgegangen ist.

Nebenbei muss an der Stelle noch ein wichtiger Einschub dazukommen: 2006 wurden 9 der 13 Tore von Spielern erzielt, die nicht in Deutschland geboren wurden: Miroslav Klose, Lukas Podolski und Olivier Neuville. Nur sind das eben Menschen, bei denen man es am Namen raushört und nicht am Gesicht erkennt, dass die nicht in diesem Land geboren worden sind. Da kann man das wesentlich leichter ignorieren. Aber es gibt nach wie vor die Legende, dass Klose und Podolski auf dem Platz auf Polnisch kommuniziert haben. Trotzdem gilt das für einige als die letzte richtige Nationalmannschaft.

Und damit sind wir dann bei der ominösen Umfrage, auf die diese Doku jetzt reduziert wird. Da wurden halt in Thüringen, wo die Deutsche Mannschaft ihr Trainingslager bezieht, Menschen interviewt. Und dabei kamen dann auch die "Du bist ja kein richtiger Deutscher, dazu gehört eine helle Haut" Aussage. Und die "mehr weiße Spieler" Aussage. Wobei hier auch wichtig ist, dass dies nicht die einzige Aussage der Thüringer ist, es gibt auch viele positive Stimmen in der Doku. Der WDR wollte dann halt wissen, ob das ein verwirrter Einzeltäter war, oder ob diese Meinung weiter verbreitet ist, als wir uns eingestehen wollen. Deswegen mussten sie die Umfrage in Auftrag geben. Jetzt kann halt keiner mehr behaupten, dass das ein dummer Ossi war... Ist unangenehm, ist aber auch wichtig.

Nebenbei wird am Ende festgestellt, dass die Gesellschaft viel liberaler geworden ist, aber dass die Ränder dieser Gesellschaft auch dank des Megaphons namens Internet viel lauter geworden ist. Die entlassen uns also mit einem "Es hat sich einiges getan und auch verbessert" Gefühl.

Was ich jetzt ja faszinierend finde: Dass sich Joshua Kimmich und Julian Nagelsmann zur Doku äußern, obwohl sie die offensichtlich nicht gesehen haben. Denn dann hätten sie ja ein kompletteres Bild zur Doku zeichnen können. Das ist vor allem faszinierend, weil sie da einen echten Experten zur Hand hätten. Jemanden, der die Doku nicht nur gesehen hat, sondern der selber für die Doku interviewt worden ist. Denn Jonathan Tah spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle. Der hätte also das komplette Bild besser nachzeichnen können. Und anstatt irgendwas von "Spaltung vor der EM" zu labern, hätte er erklären können, wie wichtig die Doku ist, aber dass sie auch eindeutige Fortschritte darstellt. Und spätestens am 2. Tag hätte man ja ahnen können, dass da nochmal nachgehakt wird.

Dabei ist das Kimmich Statement an vielen Stellen sogar gut. Aber gerade das "Wenn man überlegt, dass wir kurz vor einer Heim-EM stehen, dann finde ich es absurd, überhaupt so eine Frage zu stellen." muss man halt sehr kritisch sehen. Und Nagelsmann stößt ja ins selbe Horn. Als Reporter kannst du die rassistischen Aussagen halt nicht aus deiner Doku streichen, auch wenn das für alle bequemer wäre. Und natürlich sind 21 % schockierend viele. Aber diese Zahl verdeutlicht auch nur, wie wichtig es ist, dass wir darüber diskutieren. Sich da jetzt wegducken und das Problem ignorieren, ist keine Option. Und auch wenn sich in diesem Land einiges getan hat, verdeutlicht die Doku, dass es auch noch einiges zu tun gibt.

Donnerstag, 30. Mai 2024

So war das ursprünglich mal geplant

 Auch wenn es bis zur dritten Ausgabe gedauert hat.

Olympiakos Piräus ist der erste griechische Europacup Sieger. Punkt. Nicht ersmals seit 1873, sondern einfach nur der Erste. Das gab es seit Achilles und Odysseus nicht mehr.

Dazu stand mit Club Brügge eine belgische Mannschaft im Halbfinale. Zum ersten Mal seit 1991/92... Damals, als es den Pokal der Pokalsieger noch gab. Also den eigentlichen Vorgänger der Conference League.

Und ja, vor der Turbokapitalisierung durch die Einführung der Champions League, die den Abstand zwischen den großen und den kleinen Ligen extrem vergrößert hat, war es relativ normal, dass die belgischen Mannschaften im Europacup erfolgreich waren. 1978 Brügge stand  im Finale der Meisterklasse und der RSC Anderlecht gewann den Europacup der Pokalsieger. Damals ging das alles noch.

Aber mittlerweile... die letzten 13 Europa League Sieger kamen aus Spanien, Italien, England und Deutschland. In den letzten 30 Jahren konnten nur 6 Mannschaften aus anderen Ländern diesen Wettbewerb gewinnen. 2 davon wurden durch russische Oligarchen gesponsort. In der Champions League sind Porto und Amsterdam die einzigen Ausnahmen der letzten 30 Jahre. Portos Sensationssieg kam aus dem Jahr 2004. Das bedeutet, dass sich diesen Titel in den letzten 20 Jahren 4 Länder geteilt haben.

Oder dass 52 der letzten 60 Titel an die großen 4 Ligen vergeben worden sind. Das sind 86 %... Selbst die Milliarden von PSG konnten daran nichts ändern. Das ist schon bedenklich, wenn man nicht ignoriert, dass die UEFA ja aus 55 Nationalverbänden besteht, aber nur 7 % dieser Mitglieder um die Titel mitspielen...

An der Stelle muss ich auch direkt zugeben: Ich interessiere mich 0 für die Europa Conference League. Das wird auch niemanden hier überraschen, schließlich habe ich mehr als deutlich gemacht, wie egal es mir ist, ob sich Hoffenheim, Heidenheim oder Freiburg für diesen Wettbewerb qualifiziert. Wenn mich das tangiert hätte, wäre das Saisonfinale ja nicht so langweilig geworden. Ich habe auch keine einzige Sekunde dieses Wettbewerbes gesehen. Punkt. Also nicht "Diese Saison" sondern "jemals".

Aber im Gegensatz zu diversen Egomanen wie Uli Hoeneß oder Joachim Watzke, die sich über jeden Wettbewerb, an dem sich nicht teilnehmen, beschweren, aber nichts gegen die Erweiterung der Klub-WM haben, muss es für mich im Fußball nicht immer nur um mich gehen.

Das habe ich ja auch schon "damals" bei der Einführung der Nations League deutlich gemacht: Für die großen Nationen, die eh zur EM fahren, sind das bessere Testspiele, aber für die kleinen Nationen wird das der Wettbewerb. Und weil die "großen 4" ihre 7. oder 8. beste Mannschaft (und jeweils auch nur einen Teilnehmer) schicken, wird die Conference League der Wettbewerb für die 51 anderen Verbände werden. Und natürlich wird San Marino jetzt nicht um den Titel mitspielen. Aber KF Ballkani Suhareka, Klaksvik Itrottarfelag, Spartak Trvana und Zrinjski Mostar nahmen an der Gruppenphase teil. Ich lasse euch jetzt rätseln, welche dieser Mannschaften von den Farörer Inseln kommt.

Auf einmal nehmen Nationen, der Europacup Saison sonst im August beendet ist, bis November an dem Wettbewerb teil. Und alles, was "wir Deutschen" dafür machen müssen, ist... den 1. FC Heidenheim als Teilnehmer stellen. Das tut doch keinen weh, bringt den kleinen Fußballnationen aber was.

Jetzt muss RB Leipzig sich nur noch fragen, wie sie für die 2025/26er-Saison in diesen Wettbewerb absteigen, damit sie ein Finale Heeme spielen können. Was super schwierig ist, schließlich muss man irgendwo zwischen Platz 6 und 8 landen, weiß aber vorher nie, welcher Platz jetzt wirklich reicht...

Und ja, in Deutschland ist der Titel für Piräus eine Fußnote, die schon am Tag danach durch die erste Pressekonferenz von Vincent Kompany ersetzt wird... aber in Griechenland ist das DIE NACHRICHT. Dort konnte endlich das Gesicht von Otto Rehakles auf Platz 1 der Schlagzeilen ersetzt werden...

Dienstag, 28. Mai 2024

Das Marcel Schuhen Mysterium

 Oder eine Fortsetzung zu meiner Analyse der Situation der Stammtorhüter vor einigen Monaten.

"Damals" habe ich ja durchaus streitbar ausgeführt, dass einige Bundesligatorhüter nur im Kasten stehen, weil sie halt schon immer da waren. Deswegen werden sie irgendwann zu Führungsspieler, zum Kapitän und gelten als unersetzlich... was auch direkt dazu führt, dass keine echte Konkurrenz verpflichtet wird.

Dabei ist es am Ende oftmals erschreckend egal, wer wirklich im Tor steht. Also Bayer Leverkusen wurde mit Lukas Hradecky souverän Meister und stürmte mit Matej Kovar ins Finale der Europa League. Erst nach der Finalniederlage zog Xabi Alonso den Schwanz ein und stellte doch seinen besseren Keeper und nicht den Pokal-Keeper in Berlin ins Tor. Aber wenn Kovar 34 statt 1 Bundesligaspiel bestritten hätte, wäre Bayer doch trotzdem Meister geworden, weil die Stabilität und Souveränität nicht im Tor begann, sondern im Tor endete.

Und das ist erschreckend häufig der Fall. Wenn man auf dem Transfermarkt einen Stabilisator für die Defensive (nennen wir ihn Granit Xhaka) findet, steigt der Notenschnitt von 3,09 auf 2,94, ohne dass sich der Torwart groß weiterentwickelt. Oder wollt ihr mir wirklich erzählen, dass Hradecky sich mit seinen 34 Jahren nochmal deutlich verbessert hat? Und dann wird man mit einem ordentlichen Torhüter auf einmal Meister...

Nebenbei muss ich hier jetzt nochmal einschieben, dass man entgegen meiner damaligen Behauptung doch einen deutlichen Unterschied zwischen den RB Leipzig Torhütern bemerkt. Mit Janis Blaswich lag man auf Platz 5, mit Péter Gulácsi war man plötzlich unschlagbar. An der Stelle muss ich zugeben, dass ich den Ungarn falsch eingeschätzt habe, der ist tatsächlich ein Unterschiedspieler.

Jetzt betritt Marcel Schuhen den Chat. Der hat gerade auf den ersten Blick eine der grausamsten Bundesligajahre aller Zeiten hinter sich. Darmstadt kassierte 86 Gegentore. Auf einen ähnlich schlechten Wert kam zuletzt Schalke 04 in der Saison 2020/21. Getoppt wurde dieser Wert zulerzt 1979/80 von Dieter Burdenski. Sollte es uns eigentlich zu denken geben, dass wir in den letzten 4 Jahren 3 der schlechtesten Defensive der letzten 40 Jahre erleben durften? Denn Greuther Fürth kassierte ja auch über 80 Gegentore... Und zwischen Schalke 2021 und Werder 1980 kassierte NIEMAND 80 Tore. Das sind Zahlen, die sonst nur in den Wilden 70ern erreicht wurden...

Die meisten Vereine werden auf die 86 Gegentore schauen und sich denken: Der taugt nichts. Wer so oft hinter sich greift... Bei einem genaueren Blick war Schuhen aber nur ein einziges Mal richtig schlecht. Ausgerechnet im Heimspiel gegen Bochum, wo man also wirklich hätte punkten können, schrieb sich Schuhen seine einzige 5,0 ins Notenheft. Er hat dann noch eine 4,5 gegen Augsburg in Angebot... Ansonsten waren seine Leistungen immer mindestens ordentlich.

Und das hinter einer Vordermannschaft, die weit weg von Bundesligatauglich war. Ich verlinke hier mal demonstrativ das den Abstieg endgültig besiegelnde Tor: Schuhen hielt den Traum vom Klassenerhalt mit mehreren starken Paraden am Leben, aber Matej Maglica stolpert an einer einfachen, flachen Hereingabe vorbei, weshalb Nikola Dovedan aus 5 Metern einschieben musste. Da kannst du ganz sachlich als Torhüter einfach nichts machen. Schuhen wurde vom Kicker zum Spieler des Spiels gekürt.
Als logisches Ergebnis saß Schuhen die Wochen darauf auf der Bank... Und Hoffenheim machte aus 6 Chancen 6 Tore, bevor sie den Spielbetrieb einstellten. Da konnte man kurz erahnen, wie viel schlimmer die Saison ohne Schuhen gelaufen wäre.

In der "Gesamtabrechnung" kommt da dann nach Notenschnitt Platz 13 unter den qualifizierten Torhütern raus. Minimal schlechter als Manuel Riemann, Frederik Rönnow oder Kevin Trapp. Aber besser als Manuel Neuer...
Wisst ihr, was an der Stelle mal ein spannendes Experiment wäre? Wie würde Schuhen hinter einer halbwegs kompetenten Abwehr aussehen? Wie viele Gegentore würde er kassieren, wenn er von richtigen und gestandenen Bundesligaspielern umgeben wäre? Also stellt euch den Mann mal in Bremen vor. Würde Werder wirklich schlechter abschneiden?

Theoretisch sollten sich die letzten 10 der Tabelle mal gründlich mit Schuhen beschäftigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der absurd viel Geld kosten würde. Und schlechter als Zentner oder Zetterer ist er bestimmt nicht. Man könnte da einen wirklichen und offenen Konkurrenzkampf ausrufen.

Aber das will ja im Tor niemand. Deswegen beschäftigt sich Werder Bremen lieber mit Markus Kolke oder Phillip Kühn... 2 Torhütern, die gerade aus der 2. Liga abgestiegen sind. Die wollen eine Ablöse für Kolke zahlen, obwohl der gerade mit seinem Patzer den Abstieg von Hansa Rostock besiegelt hat. Was jetzt keine übertriebene Kritik an Kolke sein soll, der hat jahrelang überragend gespielt und "wir" sind ja nur "seinetwegen" überhaupt aufgestiegen. Aber die Leistungskurve zeigte in den letzten 2 Jahren eher nach unten. Und jetzt will Werder den?
Aber Werder will halt nicht an der Hierarchie wackeln. Das ist denen wichtiger, als ein potenzielles Upgrade günstig zu verpflichten.

In Mainz wird Zentner im Tor stehen, weil der sich halt vor Jahren gegen Florian Müller durchgesetzt hat. Und wer sich gegen ein großartiges Talent durchsetzt, muss ja ein Guter sein. Wolfsburg guckt sich lieber in Liga 2 um und verpflichtet den Schalker Torhüter Marius Müller als "Konkurrent" für den Neuzugang Kamil Grabara. Denn der bringt die wichtigste Qualifikation mit: Er ist eben kein richtiger Konkurrent.

Die Aufsteiger werden mit ihren Aufstiegshelden im Tor in die Saison gehen. Was nebenbei auch gut für Schuhen sein dürfte, denn es ist mehr als fragwürdig, ob Kiel und St. Pauli besser sein werden als Darmstadt. Und noch so eine Saison hinter einer überforderten Hintermannschaft dürfte seinen Ruf endgültig ruinieren.

Der SC Freiburg hat wenigstens die Ausrede, dass man einen verdammt jungen Torhüter hat, von dem man noch einige Entwicklungsschritte erwarten kann. Aber wenn Noah Atubolu diesen Schritt nächste Saison nicht geht und der SC ohne Christian Streich in den Abstiegskampf rutscht, wäre es dann nicht geil eine wirkliche Option für den Notfall in der Hinterhand zu haben?

Und zumindest Augsburg und Mönchengladbach haben eigentlich keine Ausreden. Finn Dahmen und Jonas Omlin streiten sich um den Titel "Schlechtester Stammtorwart"... also zumindest nach Kicker-Notenschnitt. Omlin ist da bei einer 3,71... Sein Ersatzmann Moritz Nicolas hat auch keine Bäume ausgerissen. Das sind 2 Vereine, die sich unabhängig von Schuhen um ein Upgrade kümmern sollten. Gerade in Gladbach ist das wirklich lustig, weil die ja angeblich jeden Stein umdrehen wollen. Und dort ist es auch am offensichtlichsten, dass es seit dem Abgang von Yann Sommer bergab geht. Da ist der Schluss, dass man auf dieser Position ein Upgrade braucht, naheliegend. Gucken wir mal, ob die da auch drauf kommen.

Wie nebenbei auch der VfL Bochum, wo noch niemand genau weiß, wie die Situation um Manuel Riemann ausgehen wird. Aber ich bleibe dabei: Selbst wenn Riemann bleibt, dürfte Schuhen ein Upgrade sein.

Nun kann es natürlich auch sein, dass Schuhen gar nicht auf dem Markt ist, weil er loyal zu Darmstadt steht, wo er ja auch schon seit 5 Jahren spielt. Aber wenn man sich die Gerüchteküche so anschaut, scheint sich ja niemand auch nur im Ansatz mit ihm zu beschäftigen, da wird die Loyalität nicht mal getestet. Und das ist schon ein eher fahrlässiges Vorgehen.

Aber am Ende ist es bei den Stammtorhütern halt wichtiger, den Status Quo zu erhalten, als einen wirklichen Konkurrenzkampf auszurufen. Und deswegen werden nächste Saison schlechtere Torhüter als Schuhen in der Bundesliga spielen.

Donnerstag, 23. Mai 2024

Direkt nachdem sie das "Vize-Kusen" Meme beerdigt haben

 Macht Bayer Leverkusen eiskalt "The most Vize-Kusen thing ever". Und verliert gegen Atalanta Bergamo.

Klingt übertrieben? Ist es aber gar nicht. Denn Bergamo gewann seinen einzige großen Titel im Jahr 1963. Dazu haben sie unter dem aktuellen Trainer Gian Piera Gasperini zuletzt 3 Pokalfinale seit 2019 verloren. Das letzte vor 7 Tagen gegen Juventus Turin... Wie buchstabiert man VIZEmo?

Also nur so zum Vergleich: Selbst der zwischenzeitlich in die 3. Liga abgestiegene Gegner am kommenden Wochenende holte "seinen letzten Titel" 1998. Wenn die gewinnen sollten, mussten sie also nicht annähernd so lange auf einen Titel warten, wie Bergamo. Und sie haben seit diesem letzten Titel auch "nur" ein einziges Finale verloren. Die sind nicht annähernd so verflucht, wie Bergamo. Wobei natürlich eine weitere Finalniederlage noch die Kirsche auf der dann doch wieder Vize-Kusen Torte wäre. Dann können die "Wir können alles, außer Finale" Merch drucken.

Aber hey, am Freitag wird Uli Hoeneß einen Weg finden, Thomas Tuchel die Schuld für die Finalniederlage an einem Wettbewerb zuzuschieben. Frei nach dem Motto: Ademola Lookman hat doch bei unserer Zweitfiliale in Leipzig gespielt, wieso haben wir den nicht geholt? Aber Tuchel wollte ja unbedingt einen erfahrenen 6er haben, anstatt einfach den offensichtlichen Lookman Transfer zu fordern. Und mit dem kann man ja offensichtlich auch Leverkusen schlagen. 

Man muss aber an der Stelle auch einfach mal Respekt an Bergamo geben. Wie die Leverkusen 90 Minuten lang bearbeitet haben, war schon beeindruckend. Die haben denen gar keinen Raum zur Entfaltung gegeben... was in den letzten 51 Spielen nur Borussia Mönchengladbach geglückt ist. Wobei man "geglückt" hier wörtlich nehmen muss, Bayer schaltete dort definitiv in den "Gomez der Woche" Modus und hätte das Spiel locker gewinnen können.

Hier ist ja das faszinierendste an dieser beeindruckenden Saison: Man hatte selten das Gefühl, dass Bayer Leverkusen glücklich zu seinen zahllosen späten Toren kam. Die haben diese Treffer meistens mit einer brutalen Konsequenz erspielt. Entweder weil sie den Gegner müde und mürbe gearbeitet haben, oder weil von außen die richtigen Anpassungen kamen. Aber Bergamo schaffte es bis zum Schluss Bayer in unangenehme Situationen zu zwingen. Die doppelten weiterhin konsequent an der Außenlinie und machten alle Räume nicht nur eng, sondern zunichte. So blieb es bei einem Chipball von Florian Wirtz, den Juan Musso anfangen musste und einigen Fernschüssen. Der einzige Abschluss im Strafraum kam in der 59. Minute von Jeremy Frimpong nach einem suboptimalen Klärungsversuch des Torhüters. Er schoss den Ball so deutlich drüber, dass Paris ihm direkt einen Vertrag angeboten hat.

Wann haben wir es zuletzt erlebt, dass jemand dieser Elf so konsequent jegliche Luft zum Atmen nimmt? Und das Narrativ, dass Bayer an diesem einen Tag einfach nicht gut war, ist mir zu einfach. Bergamo hat auch verdammt gut verteidigt und bis zum Schluss ihre eigenen Konter konsequent ausgespielt. Die hätten dieses Spiel ja auch noch höher gewinnen können. Es war echt beeindruckend, wie Bayer Leverkusen der Zahn gezogen wurde. Und das muss man auch einfach mal respektieren.