Donnerstag, 26. Mai 2022

Die wichtigste Nachricht der Woche

 Die US-Frauennationalmannschaft wird endlich angemessen bezahlt. Also wie sich das gehört. Deswegen hier jetzt pünktlich zum Herrentag alles, was ihr zum Thema "Equal Pay im Fußball" wissen müsst, damit ihr eine ordentliche Argumentationsgrundlage habt.

Dabei muss man dieses Thema natürlich auf mehreren Ebenen betrachten. Wer hätte das gedacht. Die Lage in Deutschland ist eine ganz andere als die in Amerika. Kommen wir dabei also direkt zu dem ersten dummen Gegenargument: Jeder sollte nach dem, was er erwirtschaftet, bezahlt werden.

Das stimmt... Da sind sich alle einig. Hier kommt das Problem: Genau darum haben die US-Frauen doch jahrelang gekämpft. Also hier sind ein paar ganz absurde Umsatzzahlen: 24,5 Millionen gegenüber 18,5 Millionen. Die größere Zahl gehört zu den Frauen, auch wenn die ein paar Spiele mehr absolviert haben und der "Pro Spiel Umsatz" dann annähernd gleich ausfällt. Aber obwohl die Frauen bei jedem Spiel mehr Geld umgesetzt haben, bekamen sie 4.000 Dollar weniger pro Auftritt. Da kommen dann ganz schön große Zahlen zusammen.

Für uns Deutsche ist es natürlich unvorstellbar, dass eine Frauenmannschaft ähnliche Umsätze generiert, wie die Männer. Aber da sollte man sich einfach mal die Bilder von der Siegesparade 2019 in Erinnerung rufen und sie mit den Eindrücken aus dem 1:2 gegen Trinidad und Tobago vergleichen. Dann ergibt das auf einmal Sinn. Aber selbst als Weltmeisterinnen bekommen die weniger Geld, als "ihre Männer", die sich nicht mal fürs Turnier qualifizieren...

Und ja, dass Frauen, die gleiche oder ähnliche Umsätze generieren wie die Männer, jahrelang dafür kämpfen müssen, dass sie auch gleich bezahlt werden, sollte jedem deutlich machen, wie schlimm die Lage ist. Denn selbst in den wenigen Fällen, in denen das der Fall ist, wird die Frau schlechter behandelt.

Ein weiteres wichtiges Thema ist da ja auch, dass beide Mannschaften gleich behandelt werden. Und da kann man noch so oft behaupten, dass die doch auch in tollen Hotels wohnen. Fakt bleibt halt; Megan Rapinoe hat sich auf einem Platz, den sie Christian Pulisic nie betreten lassen würden, das Kreuzband gerissen. Also auf einem dieser hässlichen amerikanischen Kunstrasenplätze, die zum Fußballspielen echt ungeeignet sind.

Nebenbei muss ich hier noch einen kurzen Einschub, der nur bedingt was mit Fußball zu tun hat, aber sehr viel mit dem Umgang amerikanischer Athletinnen aussagt. Ich bin letztens völlig random über die GoFundMe Kampagne von Sedona Prince gestolpert. Die hat sich bei einem Jugendturnier für die Nationalmannschaft das Bein böse gebrochen und blieb hinterher auf den Kosten der Folgebehandlungen sitzen. 22.000 US-Dollar. Und all das zu einer Zeit, wo sie als "College Athlete" 0 Cent mit dem Basketball spielen verdienen durfte. Und ja, vielleicht ist sogar das College Schuld an der Infektion, weil sie die Dame mit Antibiotika vollgepumpt haben, damit sie so schnell wie möglich wieder spielen kann. Deswegen hat Price dann auch das College gewechselt, was als Nächstes dazu führte, dass sie von der NCAA gesperrt wurde... denn man kann ja nicht einfach das College wechseln, wenn man medizinisch schlecht behandelt wird... Aber wie kaputt ist es eigentlich, dass man auf den medizinischen Rechnungen sitzen bleibt, wenn man sich im patriotischen Dienst verletzt? Wie kann man nicht mal annähernd ordentlich versichert sein, während man als Amateur für ein großes, Millionen Umsätze generierendes College spielt?

Aber zurück zum Equal Pay: Den Amerikanerinnen geht es immer nur darum, dass sie an den Umsätzen, die sie generieren, genauso beteiligt werden, wie die Männer. Also das ist ja auch der ewige Kampf der WNBA. Es geht nie darum, dass Megan Rapinoe so viel Geld bekommt, wie Lionel Messi. Oder dass Elena Della Donne einen 200 Millionen Vertrag unterschreibt, wie LeBron James ihn angeboten bekommt. Es geht ausschließlich darum, dass auch die Frauen 50 % von dem Betrag X, den sie erwirtschaften, ausgezahlt bekommen. So wie es bei den Männern im Tarifvertrag festgeschrieben ist. Bei den Frauen wird es an der Stelle aber richtig kompliziert. Aber dass der Betrag X bei den Frauen wesentlich geringer ausfällt, als bei den Männern, ist allen Beteiligten bewusst. Es geht also wirklich nur darum, dass sie das bekommen, was sie auch erwirtschaften. Also genau das, was alle Equal Pay Kritiker auch wollen...

Was uns dann zu der Lage in Deutschland bringt. Denn auch da fordern die Frauen keine direkte Anpassung der Gehälter ans Männerniveau. Bei den deutschen Frauen haben wir ein ganz anderes Problem: mangelnde Sichtbarkeit.

Nun muss ich direkt zugeben, dass ich einen Aspekt davon nicht nachvollziehen kann: die Anstoßzeit der Nationalmannschaft. Damit ihr euch auch für beide Gesprächsoptionen für beide Parteien gebe. Also eine der prägenden Fragen ist ja: Wer soll sich das denn angucken, wenn am Freitag um 16 Uhr angepfiffen wird? Und wer kommt da ins Stadion? Und meine spontane Antwort lautet: Kinder und Schulklassen? All diejenigen, die vom Stadionbesuch der Männermannschaft ausgeschlossen sind, weil Mittwoch Abend 21 Uhr für sie einfach eine ungünstige Zeit ist? Also die Fans der Männernationalmannschaft haben sich jahrelang darüber aufgeregt, dass die Anstoßzeit so fanfeindlich ist. Und die Frauen sagen jetzt "Da wollen wir auch hin!"? Warum versucht man nicht mal, diese Fans mit einem "Kommen sie bitte zu uns!" abzuholen? Und klar, dann wird man immer noch nicht in der Allianz-Arena spielen... aber vielleicht kommen doch ein paar mehr junge Leute ins Stadion. Und wenn man die abholen könnte und früh eine Bindung aufbaut...

Das ist ja eines der Grundprobleme: Der Frauenfußball bietet eigentlich genau den Sport, den all die Traditionsfans, die sich von der Bundesliga wegen Red Bull und Aktiengesellschaften angewidert abwenden, so gerne sehen würden. Keine übertriebene Kommerzialisierung. Seltenere Schauspieleinlagen. Kinderfreundlichere Anstosszeiten. Mehr Fußball. Trotzdem gehen diese Fans dann lieber zur Regionalliga als zur Frauenbundesliga. Die eigentliche Frage lautet also: Wie überzeugt man diejenigen, die eigentlich nur ordentlichen Fußball sehen wollen und auf das ganze drumherum keinen Bock haben, dass die Frauenbundesliga eine Option wäre?

Aber im Großen und Ganzen haben die Frauen doch recht: Die mangelnde Sichtbarkeit ist ein riesiges Problem. Und andere Nationen haben "uns" da gerade einfach mal überholt, obwohl es nach der WM in Deutschland 2011 doch so aussah, als würde es Fortschritte geben. Aber die Zuschauerrekorde werden in Wembley und im Camp Nou aufgestellt. Barcelona schafft es 90.000 Fans zu ihren Champions League Spielen zu locken, Wolfsburg nur 10.000. Wobei, es ist der VfL Wolfsburg, die kriegen auch bei den Männern das Stadion nicht voll...

Und nur so nebenbei: 2019 wollten 60.000 Fans das Ligaspiel zwischen Atletico Madrid und Barca sehen. Klar, beide Spiele sind Ausnahmeveranstaltungen. Aber es zeigt doch, dass da mehr gehen würde. Dass man sich dann als deutsche Nationalspielerin fragt, warum solche Festtage in Deutschland nicht möglich sind, ist doch nachvollziehbar.

Natürlich leiden die am Ende an dem einen Problem, welches alle haben: Der Männerfußball ist in diesem Land so dominant, dass er alles andere platt macht. Man muss irgendwie die Lücken im viel zu vollen Spielplan finden, wenn man mit seiner Nischensportart Erfolg haben will. Und abgesehen von der Formel 1 sind das alles Nischensportarten. Faszinierender Weise hat ja ausgerechnet die größte Sportliga der Welt genau diesen Sweetspot gefunden: Also die pfeifen genau dann an, wenn der gemeine Fußballfan nicht vom Fernseher sitzt, weil es am Sonntagabend keine Bundesligaspiele gibt... Schade für alle anderen Sportarten, dass sie diese Lücke nicht gefunden haben.

Mittwoch, 25. Mai 2022

Passives Abseits Leser wissen es früher: Die Conference League ist etwas Gutes

 Es hat auch nur ein Jahr gedauert, bis auch der Kicker das bemerkt hat. Welch ein Wunder, wo die sich sonst nie mit Fußball beschäftigen. Aber das einzige, was an meinem Artikel vom März 21 nicht gut gealtert ist, ist der Spruch zur russischen Invasion der Ukraine... durch als Fans getarnte Soldaten. Aber im Wesentlichen ist alles eingetreten. Ok, bei der naiven Hoffnung, dass wirklich andere Nationen am Halbfinale teilnehmen, lag ich ein wenig daneben, weil es am Ende doch wieder England, Italien, Frankreich und Holland untereinander austragen, wer den Titel holt. Aber hey, wenigstens Holland. Und José Mourinho. Natürlich Mourinho... wenn es einen Titel gibt, den er noch nicht geholt hat, dann ändert er das so schnell wie möglich und zieht im ersten Jahr ins Finale ein.

Nebenbei... ist es das erste Finale für AS Rom seit 1991. Das letzte Mal, als Gegner Feynoord an einem europäischen Finale teilnahm, hieß das Ding noch "Uefa Cup"... Das sind zwar schon große Namen, aber eben nicht die Namen, die um den Champions League Titel mitspielen. Genau genommen sind es sogar Länder, die nicht um den Champions League Titel mitspielen, weil selbst Italien ja in den letzten 10 Jahren ein wenig den Anschluss verloren hat. Ajax hat diesen Titel zuletzt 1996 geholt... und machen wir uns nichts vor: Sie werden diesen Titel nie wieder gewinnen.

Aber gucken wir uns nochmal die Viertelfinale an. Also zumindest auf dem Papier. Da nahmen Slavia Prag, FK Bodö/Glimt und PAOK Saloniki teil. Nun muss ich zu meinem eigenen Entsetzen feststellen, dass dies Slavia Prags 3. Viertelfinalteilnahme in 4 Jahren ist... Solange man nicht zufällig in die Gruppenphase der Champions League einzieht, kommen die echt weit... Damit hätte ich nicht gerechnet. Und die haben unterwegs sogar mal den FC Sevilla geschlagen... als gefühlt einzige Mannschaft in der Europa League in diesem Jahrtausend. Ich bin wirklich überrascht.

Aber Bodö/Glimt und Saloniki? Die Norweger standen 1979 ein mal in einem Achtelfinale. Saloniki stand 74 im Viertelfinale des mittlerweile abgeschafften Europapokal der Pokalsieger... Und das kann man ja sogar noch eine Ebene höher ansetzen: Seit dem es die Europa League gibt, hat es noch nie eine Mannschaft aus Griechenland oder Norwegen ins Viertelfinale geschafft... aber Hannover 96. Die letzte Viertelfinalteilnahme von Panathinaikos Athen ist aus dem Jahr 2003. Olympiakos Piräus hat tatsächlich ein Mal das Viertelfinale der Champions League erreicht... im letzten Jahrtausend. Rosenborg Trondheim spielte 1997 ebenfalls gegen Juventus Turin. Und das war's. Wenn ich nicht irgendwas verpasst habe, waren das alle Viertelfinalteilnahmen dieser Länder seit 1990. Das sind also 3 in 30 Jahren. Und ja, "früher" ist so was regelmäßiger passiert. Also Panathinaikos erreicht 71 sogar das Finale des Europapokals der Landesmeister. Damals, als Ajax noch diesen Wettbewerb dominierte. Und 85 war am erneut im Halbfinale... Dazu kommt ein Viertelfinale im Europacup aus dem Jahr 1988. Was aber auch nur bedeutet: Dieser eine Verein hat in den 20 Jahren vor 1990 mehr Viertelfinalteilnahmen erreicht, als das gesamte Land seit dem zusammen.

Und jetzt hat man einen Wettbewerb, in dem das, was Slavia Prag absurderweise als einzige Mannschaft schafft, wieder die Regel werden könnte. Jetzt können die Nationen, die sonst das Viertelfinale immer nur am Fernseher verfolgen, wirklich mal ins Stadion gehen. Und genau das wollte die UEFA erreichen.

Dienstag, 24. Mai 2022

Am Ende machen sie es wirklich

 Auch wenn sie sich alle Mühe gegeben haben um Anstand zu beweisen... ganz im Gegensatz zur Hertha, die plötzlich von S&M Vorlieben sprachen... wobei ich da echt verwirrt bin... Warum steht Fredi Bobic bei Mitgliederversammlungen auf den harten Scheiß, in der Relegation aber nicht? Kann man da selektiv sein? Oder muss man da nicht grundlegend drauf stehen.

Das eigentliche Highlight kam aber von Felix "Unabsteigbar" Magath, der direkt sagte "Das kann ich dann in einem halben Jahr nochmal versuchen..." Großes Kino. Und ich sag mal: Bei der Ruhe, die er während des ganzen Abenteuers ausgestrahlt hat, ist es gar nicht soo unwahrscheinlich, dass der "Wir rutschen überraschend unten rein" Verein, nennen wir ihn Schalke 04, im März wieder bei Magath anruft.

Aber zum eigentlichen: Tim Walter hat es dann wirklich getan. Der sagte nach dem Spiel tatsächlich folgendes: "Die Jungs haben das nicht verdient, der Verein hat das nicht verdient und die Stadt hat das nicht verdient." Wie kurzsichtig kann man sein? Wie egal kann einem die jüngere Vereinsgeschichte sein? Wie wenig Anstand kann man haben?

Also um das mal festzuhalten: Selbst als jemand, der die Relegation grundlegend ablehnt, weil sie zulasten des Zweitligisten geht, sage ganz offen: Wenn es ein Verein verdient hat, an der Relegation zu scheitern, dann dieser HSV. Aber so was von. Schließlich haben sie als Bundesligist 2 Mal von diesem Scheiß profitiert. Unter anderem von einer Fehlentscheidung in allerletzter Sekunde in Karlsruhe. Wer sich ein Mal in Leben auf so etwas berufen muss, hat jegliches "Das haben wir nicht verdient" verspielt. 

Ohne diesen Scheiß würde die nicht ins 5., sondern in ihr 9. Zweitligajahr gehen. Und als Trainer dieses Vereins muss es einem doch bewusst sein, dass dieser Verein diese Vergangenheit hat. Also der wird ja vorher bestimmt auch gesagt haben, dass man in der Relegation bis jetzt ja immer besser war. Wenn nicht extern, dann intern.

Es ist schon faszinierend, dass dieser absolut unfaire Scheiß mit 9 Jahren Verzögerung mal für so etwas wie "Gerechtigkeit" sorgt. Auch wenn natürlich auch die Hertha den Abstieg verdient gehabt hätte. Am Ende gibt es nur eine konsequente Lösung: Abschaffen.

Oder, was Manu Thiele letztens ins Gespräch gebracht hat: Liga interne Playoffs. Also Hertha gegen Stuttgart und Hamburg gegen Darmstadt... wenn der DFL dann auffällt, dass man dadurch 8 Spiele statt 4 ansetzen könnte, machen die das sofort. Aber leider reden die nicht mit Menschen, die gute Ideen haben... Aber immerhin laufen solche Ansagen mittlerweile offiziell auf dem ZDZ Sportstudio Kanal...

Nebenbei ist es, um den Bogen zu Bobic zu schlagen, echt faszinierend, wie masochistisch wir alle angelegt sind. Also es hat wohl noch nie ein qualitativ gutes Relegationsspiel gegeben. Also wo mindestens eine, im besten Falle aber beide, Mannschaften so richtig attraktiven Fußball spielen. Das ist jedes Jahr ein absoluter Grottenkick... trotzdem zahlen die Fernsehstationen dafür Millionen... und wir fressen das ja auch fleißig. 

So, und jetzt soll dieser Drecksverein endlich sein "Unaufsteigbar" Merch drucken. Macht es, ihr habt es euch verdient.

Montag, 23. Mai 2022

Worst of des "Es gibt keinen Fußballgott... aber Pyrotechnik hilft" DFB Pokalfinales

 Machen wir uns nichts vor, der Gottesgegenbeweis ist durch. Also wenn es einen Fußballgott geben würde, springt der Ball von der Latte ins Tor und nicht raus. Und wir reden hier nicht mal über den Elfmeter, sondern über die 2 Alutreffer von Janik Haberer in der Verlängerung. Aber am Ende war das Aluminium halt auf der Seite des Dosenclubs... Wer hätte das gedacht.

Aber noch viel wichtiger: Pyrotechnik wirkt. Also eigentlich wollte ich ja schreiben, dass direkt nach dem ersten Böller Wurf der RB "Vereinsgeschichte"... dann musste ich aber gerade feststellen: War gar nicht das erste Mal... Hätten die Freiburg-Fans das vorher gewusst, hätten sie doch auch für gemeinsames Merch gestimmt. Das sind ja doch richtige Fans...

Aber nur um das festzuhalten: 5 Minuten, nachdem es in RB Block kurz knallte, erzielte die bis dahin ziemlich uninspirierte Mannschaft den Ausgleich... Man muss anscheinend nur die richtigen Trigger setzen.

Nur schade, dass sich die Öffentlichkeit eher darauf fokussiert, dass Heidi Klum und Bill Kaulitz als RB Fans im Stadion waren... Da wurde aus Kicker.de dann ganz kurz die Bunte... und als hätten die RB Fans nicht eh schon mit genügend Vorurteilen zu kämpfen, man muss da echt keine künstlichen Feindbilder aufbauen.

Nebenbei, Random Story Time, war es voll schön, wie sich die RB Fans Samstag Nacht um 2 ihre Innenstadt zurückgeholt haben. Also nicht von den Lok und Chemie Fans, die sind im großen Stadtbild egal. Aber es war halt Rammstein in der Stadt. Und es war schon faszinierend, wie diese Band 2 Tage lang das Stadtbild geprägt hat, weil man echt überall Leute mit entsprechendem Merch gesehen hat. Auch wenn man sich überhaupt nicht für diese Band interessiert, war es nicht zu ignorieren, dass die in der Stadt waren...

Aber ja, als ganz neutrale Beobachtung: Mittlerweile merkt man es in der Stadt, wenn RB spielt, denn dann prägen deren Farben die Innenstadt. Das war vor der Pandemie noch nicht so. Also das sollte man immer bedenken, wenn jemand sagt "Das nimmt doch keiner an, die haben doch gar keine Fans"...

Damit sollten wir uns um die eigentliche tragische Figur dieses Pokalfinales kommen: Nico Schlotterbeck. Das war realistisch gesehen seine letzte große Titelchance, die dann im Elfmeterschießen abzugeben, nachdem man eine Stunde lang in Überzahl gespielt hat, ist schon bitter. Aber vielleicht sind die Bayern ja gnädig und erlösen ihn in 3 Jahren...

Und sonst so? Was macht der Rest der Liga...

Nun ja, Hasan Salihamidžić lernt gerade die wichtige Lektion, dass Vertrauensperson seiner Spieler beleidigen nicht unbedingt eine hilfreiche Verhandlungstaktik ist. Wer hätte das gedacht? Es bringt dir gar nichts, wenn dein Verhandlungspartner jetzt gar nicht mehr mit dir reden will.

Aber hey, immerhin das "Wir reagieren wie ein Kind in der Pubertät, wenn uns jemand verlassen will" Prinzip hat Hasan vom Großmeister Uli Hoeneß gelernt. Da zeigt sich aber auch wieder wunderbar die Doppelmoral. Also wenn ein Berater seinem Klienten den Kopf in Richtung Bayern verdreht und ihm sagt: Du musst da unbedingt hin... auch wenn du nur Jan Fiete Arp bist. Oder Marcel Sabitzer... Also sowohl bei jungen Talenten, für die der Schritt viel zu früh kommt, als auch bei Ergänzungsspielern, die bei der Konkurrenz wesentlich wichtigere Rollen übernehmen würden, ist es richtig und vernünftig, wenn die Berater ihnen den Kopf verdreht. Aber wehe irgendein Berater kommt auf die Idee, dass man woanders hin wechsel könnte... das geht gar nicht. Das dürfen nur die Bayern.

 

Beim Rest der Liga setzt derweil schon wieder die große Trainerrotation ein. Gefühlt ist ja Pellegrino Matarazzo der einzige Trainer, der keinen Titel geholt hat und trotzdem bleiben durfte. Ich frage mich ja echt, inwieweit die allgemeine Panik auf die Borussia übergegriffen hat. Also die haben ja technisch gesehen 2 Probleme:

1.) Sie haben mit Edin Terzic einen dieser Kandidaten in der Hinterhand, der für alle Trainer suchenden Manager interessant ist. Also wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass Jörg Schmadtke bei Terciz angerufen hat, der dann Sebastian Kehl informiert hat und Kehl dann Marco Rose sofort zur Saisonanalyse gebeten hat... Und Terzic freundlich darum gebeten hat, noch 6 Stunden mit einer Antwort zu warten. 

2.) Wenn das mit Rose in der nächsten Saison nicht besser wird, ist Florian Kohfeldt plötzlich verfügbar... und dann redet man sich doch irgendwie ein, dass er ja das eine Jahr in Bremen ganz gute Arbeit gemacht hat... und Max Kruse kann man ja im Winter auch noch verpflichten... das wird schon all unsere Probleme lösen.

Und ja, das Worst-Case-Szenario ist, dass Terciz doch nur der nächste Kohfeldt ist und nur diese eine gute Saison im Tank hatte. Aber zum einen... hat man dann nicht das Original verpflichtet. Und zum anderen bedeutet dieses "Worst-Case-Szenario" sachlich gesehen immer noch, dass man unter den Top 4 landet, weil der Abstand zur Konkurrenz jenseits von RB und den Bayern so groß ist, dass selbst Kohfeldt die in die Champions League führen könnte. 

Und wenn das halt nicht klappt und Terciz nicht alle Probleme löst... dann holt man sich halt nächste Saison entweder Steffen Baumgart oder Bo Svensson. Oder aber die Terciz Geschichte funkioniert wirklich, und die beiden müssen sich einen anderen Karriereweg überlegen...

Dienstag, 17. Mai 2022

Uli Hoeneß ist zurück!!!

 Wie hab ich ihn vermisst! Gerade jetzt, wo mit Rudi Völler einer der größten emotionalen Dummschwätzer im Ruhestand ist, brauchen wir einfach mehr Uli Hoeneß. Und ja, früher war der einer der führenden Stars dieses Blogs. Der beste Content Creator. Und jetzt hat Hasan Salihamidžić so viel Scheiße gebaut, dass Hoeneß mal wieder eingreifen muss.

Fangen wir direkt mal mit dem schlimmsten an: Uli Hoeneß sorgt ganz alleine dafür, dass man auf der Rangliste der Pressefreiheit weiter abrutscht. Unsere Bundesregierung braucht dafür eine Reform des BND-Gesetzes, Hoeneß... droht einfach Journalisten, die kritisch über seinen Verein berichten und schwierige Fragen stellen. Das geht ja gar nicht. Wir sind hier ja nicht im Katar...

Das ist nebenbei derselbe Hoeneß, der sich vor Jahren mal aufs Grundgesetz berufen hat. Gut, dass er das mal gelesen hat. Schlecht, dass er nicht mal bis Artikel 5 kam... Das ist aber auch echt viel verlangt. Ich meine, das steht auf Seite 2. Da gilt doch die heilige Google Regel: Niemand interessiert sich für das, was auf Seite 2 steht.

Aber gut, dass Hoeneß jemand ist, der Dinge immer nur zu seinem Vorteil auslegt und alles andere ignoriert, ist ja nichts Neues. Es ist genau genommen nicht mal was Neues, dass der Kicker als größtes Sportmedium dazu unterwürfig schweigt. Wie nebenbei auch die Sportschau

Also nur um das mal festzuhalten: Ein führender Kopf des größten Sportvereines Deutschlands droht den Kollegen mit Ausschluss und Zensur und die beiden führenden Institutionen springen dem nicht zur Seite, sondern sagen "Ok, haben wir verstanden, wir berichten nicht darüber... und hier jetzt unsere Bilderserie zu den besten Transfers der jüngeren Vereinsgeschichte..."

Also klar, die Kritik an der Bild wird geteilt, aber kritische Aussagen zu den kritischen Aussagen sucht man vergeblich. Das ist ganz schön erbärmlich, auch wenn wir hier über den Springerverlag reden.

Aber damit kommen wir auch zum nächsten großen Thema: Robert Lewandowskis Wechselwunsch. Da geht es nämlich laut Hoeneß "nur um die Kohle, sonst nichts." Also ja, das stimmt. Es geht um die Kohle im Mai 2025. Da ist es am Ende fast schon egal, wie viel Geld die Bayern ihm im nächsten Jahr bezahlen, bei einem 3 Jahres Vertrag wird er deutlich mehr bekommen.

Ganz sachlich betrachtet geht es dem Torjäger darum, dass er auch in 3 Jahren noch auf Champions League Niveau spielen möchte. Das ist sein Karriereplan. Und er will diesen Plan jetzt schon festmachen. Das Problem ist aber: Bei den Bayern gibt es diese Möglichkeit nicht. Denn die Bayern fahren dank Hoeneß die klare Doktrin, dass Spieler ab dem 32. Lebensjahr nur noch Vertragsverlängerungen für 1 Jahr angeboten bekommen. So hat man das bei Thomas Müller und Manuel Neuer gemacht. Oder bei Franck Ribery und Arjen Robben. Es gibt gute Gründe, warum viele Bayern-Legenden am Ende noch ihre letzten Jahre in einem anderen Trikot spielen. Also das begann schon mit Gerd Müller und Franz Beckenbauer. Lustigerweise hat ja Salihamidžić selbst am Ende für Juventus Turin und den VfL Wolfsburg gespielt... er hat also am eigenen Leib erfahren, wie man bei diesem Verein mit alternden Stars umgeht und genau diese Lektionen wendet er jetzt an.

An dieser Doktrin ist nichts verkehrt. Sie verhindert, dass man den alternden Stars horrende Summen überweisen muss. Das ist wirtschaftlich vollkommen vernünftig. Aber eine Konsequenz dieser Doktrin dürfte jetzt sein, dass Lewandowski wegwill. Einfach nur, weil er glaubt, dass er auch mit 36 noch auf höchstem Niveau spielen kann. Wenn die Bayern ihm auch einen Drei Jahres Vertrag anbieten würden, könnte Hoeneß meckern, falls dieser dann abgelehnt wird. Aber ein derartiges Angebot liegt einfach nicht auf dem Tisch. Dass der dann zu dem Verein will, der ihm dieses Vertrauen ausspricht, sollte doch nachvollziehbar sein. Außer, man ist ein Hoeneß.

Nebenbei zeigt sich an der Stelle auch wieder, wie asozial die Bayern-Familie eigentlich ist. Also das Image hat er ja auch immer wieder verkauft. Bayern ist der etwas andere Spitzenverein. Und ein Ergebnis dieser familienfreundlich Politik ist ja, dass verdammt viele Ex-Stars beim Verein untergekommen sind. In größeren oder in kleineren Rollen. Wenn man zur Familie gehört, wird man nicht fallen gelassen. Da kann man dann auch ohne jegliche Berufserfahrung als Manager dieses Vereines einsteigen.

Aber bei genauerem Hinsehen... ist es eher eine christliche Sekte. Oder wie die Mafia. Denn sobald man sich irgendwie von der Familie lossagen will, oder den allerhöchsten Ansprüchen nicht mehr genügt... wird man entweder abgesägt und verkauft, oder aus dem Kreis der Familie verstoßen. Das war nebenbei schon bei Michael Ballack so, bei dem man sich selber einreden wollte, dass man den ja gar nicht braucht, als er lieber zu Chelsea ging. Und man kann ja mal bei Julian Bernat nachfragen, wie familiär das bei den Bayern zugeht, wenn man nicht zu den Lieblingskindern gehört

Hier schießt er gegen Toni Kroos, der "in diesem Fußball nichts mehr verloren" hat... Obwohl Kroos gerade wieder in einem Champions League Finale steht. Während er alle Bayern-Spieler verteidigt. Also wir sind nicht ausgeschieden, weil Thomas Müller frei stehend am Tor vorbeigeschossen hat, sondern weil Toni Kroos zu viele Querpässe gespielt hat. Kroos ist auch einer dieser Spieler, die sich gegen den FC Bayern entschieden haben. Und nebenbei ist ja der Querpass-Toni-Mythos deutlich widerlegt worden. Also selbst im Kicker. Aber wenn man sich aus der Familie verabschiedet hat, sind Fakten egal. 

An der Stelle muss man nochmal erwähnen, dass Toni Kroos der einzige Deutsche sein wird, der im Stade de France beim wichtigsten Spiel der Saison auflaufen wird. So sehr vorbei ist dessen Zeit im modernen Fußball...

Dann sei noch kurz der Umgang mit Lothar Matthäus als Greenkeeper erwähnt. Also nur um zu beweisen, dass wir hier nicht über ein neues Phänomen sprechen, Hoeneß war schon immer so. Und klar, wenn man zum auserwählten Zirkel gehört, ist das wunderbar. Das sehen die Zeugen Jehovas genauso. Aber wehe, irgendjemand will sich emanzipieren...

Wenn die Bayern wirklich wie eine Familie wären, würden sie ihrem besten Stürmer entweder auch einen Drei-Jahres-Vertrag anbieten. Oder ihm aber sagen: Wir können dir da aus Prinzip nicht helfen, aber wenn das dein Wunsch ist, lassen wir dich das machen. Aber Hoeneß ist halt nicht der fürsorgliche Familienvater, sondern das patriarchale Arschloch.

Montag, 16. Mai 2022

Worst of des "Wenn sich alle so dumm anstellen wie möglich" Wochenendes

 Also ganz ehrlich: Das waren ja schon ganz große Emotionen. Und richtig viel Spannung in den letzten Minuten. Damit war wirklich nicht zu rechnen. Also dass der SC Freiburg im Glauben noch auf Platz 4 vorrücken zu können den Torwart nach vorne schickt. Und natürlich damit, dass der VfB Stuttgart sich in der Nachspielzeit rettet. Großartig. Nebenbei...

Aber lasst uns mal kurz durchgehen, was alles passieren musste, damit wir dieses Finale bekommen: RB Leipzig musste sich beim hoffnungslos überforderten Absteiger ein Gegentor einfangen... und dann nach vorne Ewigkeiten nichts bringen. Trotzdem war man kurz davor, sich ganz souverän mit einer Niederlage in Bielefeld für die Champions League zu qualifizieren... beste Liga der Welt...

Dann musste Stuttgart sich kollektiv für den Titel "Gomez der Woche" bewerben und aus einem Meter das 2:0 liegen lassen. Also ja, eigentlich muss Stuttgart das Spiel souveräner gewinnen. Aber dass die zu viele Chancen liegen lassen, ist ja der einzige Grund, warum die überhaupt da unten drin stecken.

Und dann musste Dortmund bei den Abschiedsvorstellungen vor eigenen Fans eine Halbzeit lang in den "Ist uns egal, macht ihr mal" Modus schalten. Klar, das klingt schon nach der Borussia. Und es ist echt faszinierend, dass auch Nilkas Süle diesen Modus schon perfekt drauf hat, obwohl er doch noch nie in Dortmund trainiert hat. Aber nur dank der kollektiven offensiven Arbeitsverweigerung der Dortmunder in Halbzeit eins, kam es zu dieser überaus spannenden Konstellation.

Und wie gesagt: Als dieser Blödsinn dann angerichtet war, war es auch großartig. Obwohl... die Emotionen wären natürlich noch viel heftiger ausgefallen, wenn die Hertha auch direkt abgestiegen wäre... und nicht einfach nur gegen den unaufsteigbaren HSV antreten darf. Also wie entspannt Felix Magath hinterher sagte "2 weitere Wochen mit Medizinbällen, ich freu mich drauf"... Und noch viel schlimmer: Magath hat dieses Skript ja direkt zugeschickt bekommen und gnadenlos gespoilert. Also schon beim Amtsantritt sprach er von der Relegation gegen seinen Ex-Verein. Also gegen den Ex-Verein, an dem er am meisten hängt, er hat ja viele davon. Er hatte auch nicht den Anstand am Samstag nach dem Abpfiff die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass Darmstadt der Gegner sein könnte... Und als er dann darauf hingewiesen wurde, wie beschissen das ist, den Ausgang des Aufstiegsrennens zu spoilern, ist er doch anstandshalber nach Darmstadt gefahren...

Aber ja, all die Reaktionen wären noch viel heftiger ausgefallen, wenn es wirklich um "Rettung oder Abstieg" gegangen wäre. Aber das ist vielleicht auch besser so, denn es gab so schon mehrere Verletzte in Stuttgart...

Nebenbei finde ich es ja echt faszinierend, wie schön und freundlich die direkten Absteiger verabschiedet werden. Da gibt es echt keine journalistische Distanz, sondern nur freundliche Worte. Also nehmen wir mal Arminia Bielefeld: Die werden mit einem "In dieser Form werden sie der Bundesliga fehlen!" Warte was? Nur weil sich RB Leipzig unfassbar dumm anstellt, vermissen wir die Bielefelder, die in der Rückrunde 13 Tore erzielt und 12 Punkte geholt haben? Weil die auf 1312 kommen? Bielefeld hat es in den letzten 15 Spielen nicht ein mal geschafft, mehr als ein Tor zu erzielen. Sie haben schlechter gespielt, als Fürth. Der Verein hat sachlich gesehen auch keine Möglichkeiten deutliche Sprünge nach vorne zu machen... die würden in der nächsten Saison dieselbe Grütze anbieten.
Und das ist nichts gegen Bielefeld: Ich habe höchsten Respekt vor dem Aufstieg und dem Klassenerhalt. Aber wenn ich nächstes Jahr einen Bundesligisten sehen will, der beschissenen Fußball anbietet... dann nehme ich Schalke 04, die bringen wenigstens richtig viele Fans mit. 

Oh und an der Stelle fällt mir auf: herzlichen Glückwunsch an Schalke für die erste Meisterschale seit 1958. War das am Ende sogar der Plan? Dass man diese "X Jahre ohne Meistertitel" Serie endlich mal durchbrechen kann? Klar, die einzige Möglichkeit dafür, war halt Ab- und wieder Aufsteigen... aber das haben sie dann eiskalt durchgezogen.

Genauso wie Werder Bremen, die eines der größte "Was wäre, wenn"s der Fußballgeschichte geschrieben haben... also was wäre, wenn Markus Anfang nicht bei seinem Impfstatus gelogen hätte, sondern einfach dazu gestanden hätte, dass er es nicht ist... und sich entsprechend eingeschränkt hätte. Frank Baumann hat ja den Hang dazu, an seinen erfolglosen Trainern viel zu lange festzuhalten. Und Werder war weit weg vom Aufstieg, als Anfang sie angeführt hat. So wurde man zu seinem "Glück" mit Ole Werner gezwungen.

Eintracht Frankfurt, die Eurofighter. Zurück zur besten Liga der Sportschau-Welt. Und es feiern ja gerade alle die Frankfurter für ihre überragenden Leistungen auf europäischer Bühne. Was dabei aber ein wenig untergeht: Frankfurt sicherte sich den Klassenerhalt mit einzigartiger "nur in der Bundesliga" Souveränität: mit 8 sieglosen Spielen in Folge.
Nach dem 26. Spieltag war man nebenbei 10. mit 12 Punkten Vorsprung auf Bielefeld und 14 Punkten auf den direkten Abstiegsplatz. Am Ende wurde man 11. mit 13 Punkten Vorsprung auf Bielefeld. Also obwohl man selber nichts mehr gewinnen konnte, hat man praktisch nichts verloren, sondern konnte seinen Vorsprung auf den endgültigen Absteiger sogar noch ausbauen. SO gut ist die Bundesliga.

Mittwoch, 11. Mai 2022

Fußball-Romantiker sind für Freiburg

 Aber die sind halt auch dumm.

Also wenn man sich das allgemeine Meinungsbild außerhalb von Leipzig anguckt, gibt es ja schon eine "ich würde denen das gönnen"... also, dass die das verkacken, beide Spiele überraschend verlieren und Freiburg alles holt. Sowohl den ersten Titel, als auch die erste Champions League Teilnahme erringen.

Und ganz ehrlich: Beim DFB-Pokal bin ich auch dabei... weil ein Pokalsieg ohne jegliche Konsequenzen bleiben würden. Da würde ich es auch grandios finden, wenn der SC Freiburg diesen Titel erringt... Aber die Wenger-Trophy? Bitte nicht. Das wäre nämlich...

Also klar, für die Freiburger aus egoistischer Perspektive wäre es supergut. Die Millionen kann man mitnehmen, um sein Stadion schneller abzubezahlen. Aber realistisch gesehen landet man in Topf 4. Und solange man dann nicht den Meister aus Russland (als ob) oder Portugal zugelost bekommt... Eine Gruppe mit 2 richtig guten Mannschaften, nehmen wir Man City oder Liverpool und Barcelona oder Atletico Madrid ist ein viel zu wahrscheinliches Szenario. Das ist dann zwar schön für die Freiburger, aber da kann es dann nur noch um Platz 3 gehen. 

Das bedeutet auch nur: Die Bayern stecken noch mehr Champions League Millionen ein. Also die Bayern profitieren ja direkt davon, wenn andere Europacup Teilnehmer verkacken, weil sie dann den Kuchen alleine essen dürfen. Was auch nur bedeutet: Die Schere geht weiter auseinander und die Bayern sichern sich die nächsten 3 Meisterschaften.

Und ja, genaugenommen wird genau diese Entscheidung gerade fallen. Denn ein Verpassen der Champions League würde RB Leipzig in seiner Entwicklung deutlich zurückwerfen. Das kann man ja ganz praktisch an Christopher Nkunku festmachen. Den kann man nur halten, wenn man an der Champions League teilnimmt. Wenn man 5. wird, ist der im Sommer mit Sicherheit weg. Und Nkunku hat sich zu einer richtig geilen Attraktion entwickelt.

Wenn man den halten kann, könnte man nächstes Jahr zumindest den Meisterschaftskampf spannender gestalten. Was ich den Dortmundern trotz der verbesserten Innenverteidigung, nach dem Haaland Abgang einfach nicht zutraue.

Und das ist halt das ganz große Problem, welches die Fußball-Romantiker haben: Sie wollen einerseits, dass die Bundesliga wieder spannend wird, sind aber andererseits gegen externe Investoren, die den Fußball so kaputt machen. Die Bayern sind aber (auch dank haufenweise Investoren... unter anderem aus Qatar) dem Rest so weit voraus, dass dies nur mit externen Investoren möglich sein wird. Man kann da also entweder seinen Horizont erweitern (wenigstens nutzt RB kein Geld von Menschenrechtsverachtern...), oder sich damit abfinden, dass Bayern sich alle Meistertitel sichert. Also ich würde jetzt "90 %" sagen, aber selbst wenn die Bayern mal einen Titel abgeben, wird die Quote immer noch bei über 90 % sein... Und gerade sind sie, nur für dieses Jahrtausend gerechnet, bei 18 von 22 Meistertiteln... Tendenz steigend.

Die einzige Variante das aufzubrechen, ist ein starker Investor, der wirklich daran interessiert ist, ein nachhaltiges Projekt aufzubauen... auch wenn dieser Investor auf Aludosen setzt, was ja das Gegenteil von Nachhaltigkeit ist... Details. Aber das ist halt etwas, was man einfach mal akzeptieren muss... oder man wendet sich vom Profifußball komplett ab, denn mit sauberem Geld ist da wenig zu holen.

Nebenbei tut Leipzig ja auch der gesamten Liga gut. Also sie spielen einerseits einfach attraktiven Fußball als Werbekonzept. Und klar, wir "Deutschen" stellen uns da an und sagen "Das kann man nicht unterstützen..." aber ganz ehrlich: Überall sonst ist das doch vollkommen egal. Also in Asien oder England wird die Ansetzung Bayern - RB irgendwann einfach ein höheres Interesse generieren, weil die Partie für hochwertigen und spannenden Fußball steht. Und davon profitiert dann die ganze Liga, weil die ausländischen Fernsehstationen dann vielleicht gewillt sind, mehr Geld auszugeben, um die Bundesliga zu zeigen...

Denn derzeit... also ganz ehrlich, den 34. Spieltag wird in Asien niemand verfolgen. Denn denen ist es vollkommen egal, wer in die Relegation erreicht. Und das wird nicht der erste "Letzte Spieltag" sein, für den sich im Ausland niemand interessiert, warum sollten sie also in diese Liga investieren. Dabei reden wir hier erstmal nur von den Übertragungsrechten. Aber das Geld, welches die in die Liga pumpen, geht halt an alle. Und klar, der Vorsprung der Premiere League wird niemals aufgeholt werden... aber zumindest etwas verkleinern könnte man den. Damit dann nicht mehr selbstverständlich unterdurchschnittliche englische Mannschaften die Stars der Bundesliga kaufen können. 

Und man muss an der Stelle auch nochmal festhalten, dass das ein rein deutsches Phänomen ist. Als Newcastle United von den Saudis übernommen wurde, fingen die Fans sich an als Scheichs zu verkleiden. In Chelsea wird immer noch Abramowitsch besungen. Aber in England hat es auch schon immer Besitzer gegeben. Dennoch sind die einzigen, die diese Moralkeule schwingen, wir Deutschen. Und dann wundern wir uns, dass wir international den Anschluss verlieren... 

Natürlich "beweist" Frankfurt gerade, dass es auch ohne Geld geht. Aber halt auch nur im zweitklassigen Wettbewerb. Und man muss an der Stelle auch festhalten, dass sich Frankfurts Gegner West Ham jeden der Frankfurter Stars abkaufen könnte, wenn sie das wollten... obwohl sie international nichts gerissen haben. Und wenn ihr das irgendwie anzweifelt, dann erinnere ich euch daran, dass die Londoner einfach mal 40 Millionen für Sébastien Haller überwiesen haben... Also sie haben angekündigt, dass sie so viel Geld überweisen... Mit den Überweisungen war man dann im Verzug.

Nebenbei bildet Red Bull ja auch für die Bundesliga aus. Als klar, Haaland und Hinteregger kamen aus Salzburg. Es sind trotzdem 2 Spieler, von denen die gesamte Liga profitiert hat. Aber auch Leipzig selber bildet halt alles von Dayot Upamecano bis Stefan Ilsanker weiter und verkauft diese Spieler dann an die Konkurrenz... Was nur noch effektiver wird, wenn man auch wirklich eigene Talente aus der eigenen Akademie zu den Profis bringt. Das kann eigentlich auch nicht mehr lange dauern.

Von einem starken RB profitiert nüchtern betrachtet die gesamte Liga. Sie werden allen Vereinen mehr Geld geben. Sie werden das allgemeine Spielniveau anheben, weil Dortmund sich dann irgendwann strecken muss, um wenigstens die 2. beste Mannschaft zu bleiben. Sie sind die eine Mannschaft, der man es zutrauen kann, in Lostopf 2 vorzustoßen, was dann wiederum bedeutet, dass sie einen leichteren Weg ins Achtelfinale bekommen und Deutschland dort dann von bis zu 3 Mannschaften regelmäßig vertreten wird... was dann wieder dazu führt, dass ausländische Interessenten mehr Geld in diese Liga stecken werden.

Und da muss man halt auch mal so ein bitteres Geheimnis aussprechen: Es tun zwar immer alle so, als würde es ihnen nur um die Emotionen gehen und als würden sie auch kommen, wenn es schlechten Fußball gibt... aber die einzigen, die das wirklich durchziehen, sind halt Schalke Fans. Und wenn es dann mal wirklich "guten, aufregenden Fußball" im eigenen Stadion zu sehen gibt, kommen nur 28.790 Zuschauer... Also nur um das mal festzuhalten: Offiziell war die Auslastung in der Zweitligasaison trotz oder wegen Corona nur bei 53 %. Aber da muss man zugeben, dass es wirklich schwer einschätzbar ist, wie sich die Pandemie darauf ausgewirkt hat. Also ich habe jetzt gerade auch einfach keinen Bock nachzurecherchieren, wie die Ultras zu den entsprechenden Maßnahmen standen und inwieweit sie deswegen den Stadionbesuch boykottiert haben. Oder wie genau die Stadionkapazitäten in diesem Artikel mit eingerechnet wurden. Das wird erst im Oktober wieder relevant, bis dahin mache ich das wie die Bundesregierung und verschließe die Augen vor der nächsten Welle...

Aber ich sag das mal so: in Dortmund ist das Stadion auch nur dann dauerhaft ausverkauft, wenn man um die Meisterschaft mitspielt. In den "dunklen Jahren der Finanzkrise" war das plötzlich nur noch 2 Mal im Jahr der Fall. Jetzt ist die Tendenz wieder fallend... Und ja, als die Dortmunder jeden Cent gebraucht haben, sagten sich die "wahre Liebe" Fans: Och... spielt doch erstmal wieder guten Fußball, dann kommen wir auch wieder. Und der Zuschauerschnitt fiel von 79.000 im auf 73.000. Nicht für eine Saison, sondern für 4 Jahre. 

Die mögen sich alle einreden, dass sie so sehr am Verein hängen, aber am Ende sind es doch alles Erfolgsfans... da kommen einfach mehr, wenn die Saison auch spannend und offen ist. 

Und ich verlange ja gar nicht, dass man RB mögen und unterstützen muss. Aber wenn man die Scheuklappen abnehmen würde, könnte man erkennen, dass ein erfolgreiches Projekt RB der Liga eher hilft als schadet... Aber diesen Punkt werden wir in Deutschland nie erreichen...

Also nur um mal zu erwähnen, wie bekloppt das immer noch ist: Der Fansprecher der Bayern Alexander Salzweger hat gerade verkündet, dass RB ja Dietmar Hopp als "viel viel größeres Feindbild" abgelöst hat... anstatt sich mal darum zu kümmern, dass seine eigene AG immer noch das Geld aus Qatar annimmt und lieber mit denen fliegt. Also selbst die Bayern Fans, die sonst gar keine moralischen Ansprüche haben, springen auf den RB-Hate-Train auf...

Ein wenig mehr Entspannung würde allen guttun. Und es kämen vielleicht auch mehr RB Fans zu Auswärtsspielen, wenn man nicht befürchten müsste, dass man mit Dixie Klos beworfen wird...