Dienstag, 6. August 2019

Muss die DFL jetzt Schalke sanktionieren?

Dass man sich im Jahr 2019 mit so einem Scheiß überhaupt befassen muss.

Und um das gleich zu klären: Die Situation in Dortmund ist anders und das aus zweierlei Gründen: Erstens sind Patrick Owomoyela und Norbert Dickel keine Führungspersönlichkeit im Verein. Einen Verein zu bestrafen, weil irgendwo tief im Apparat ein Rassist sitzt, ist absurd. Einen Verein zu bestrafen, weil deren Chef ein Rassist ist, ist etwas anderes.

Ich finde es auch faszinierend, wie jetzt alle die Aussagen relativieren wollen. Die waren "unglücklich und unbedacht"... Tönnies hat beim Tag des Handwerkes vor 1600 Leuten eine Rede gehalten. Wer mir jetzt erzählen will, dass er sich da spontan ein paar lockere Sprüche ausgedacht hat. Also er wird ja vorher gewusst haben, dass er eine Rede über den Klimawandel halten will und das seine Lösung "Mehr Kraftwerke in Afrika" lautet...

Das nächste Problem ist ja, dass Tönnies nicht ausgepfiffen worden ist, sondern Applaus bekommen hat. Und wenn der Mann nicht ganz ignorant ist, wusste er das auch. Er wusste, dass die Aussage provoziert, aber wohlwollend aufgenommen ist.

Kommen wir zum nächsten faszinierenden Ereignis: Tönnies Entschuldigung. Die ist nämlich praktisch keine. Was eine wunderbare Konstante ist.
Ich musste da sofort an die NFL denken, die ja als recht brutale Sportart auch ein Problem mit.. nun ja... gewalttätigen Spielern hat. Und die völlig zusammenhanglos auch regelmäßig Probleme mit Häuslicher Gewalt... Und die Spieler, die bei Gewaltakten gegen Frauen erwischt werden... reagieren genau so wie Tönnies.
Heißt: Sie entschuldigen sich bei ihrem Verein. Bei den Fans. Bei allen. Nur halt nicht bei den Opfern, warum sollten sie auch. So hinterlässt man dann den Eindruck, dass es einem Leid tut, dass man dem Verein geschadet hat und nicht das man richtig Scheiße gebaut hat. Zwar hat Tönnies den Anstand auf seine ursprüngliche Aussage einzugehen und sich damit für die Verunglimpfung der Bevölkerung eines gesamten Kontinentes bei diesem zu entschuldigen. Irgendwie macht sich aber das Gefühl breit, dass er dies nur macht, um Schaden von sich abzuwenden, nicht weil es ihm wirklich Leid tut...

Dass nebenbei raus kommt, dass Tönnies passionierter Großwildjäger ist... macht ihn nur noch unsympathischer, rundet das Bild aber ab.

Kommen wir aber zur entscheidenden neuen Frage (denn all das konntet ihr ja auch woanders lesen): Was machen die DFL und der DFB, wenn Tönnies heute nicht zurücktritt oder seines Amtes enthoben wird. Nur um meine Prognose abzugeben: Er wird sein Amt einige Monate ruhen lassen und danach haben wir dann vergessen, dass der Mann einen gesamten Kontinent beleidigt hat. Dann wird es leisen Protest aus den Fankurven geben und das war's dann. Was aber genau genommen nicht genug ist, wenn man Anti-Diskriminierung-Kampagnen fahren will.

Um das mal kurz mit ein paar anderen Beispielen zu unterfüttern: Die Los Angeles Clippers hatten jahrelang ein rassistisches Arschloch als Besitzer. Das war unter der Hand auch bekannt und wurde auch eine ganze Weile ignoriert. Unter anderem von den Spielern, die dann alle überrascht taten, aber Details. Dann gelangten aber eindeutig rassistische, aber privat getätigte Aussagen an die Öffentlichkeit und die NBA zwang Donald Sterling dazu, seine Franchise zu verkaufen, weil sie sich eindeutig auf die "Solches Gedankengut wollen wir nicht in unseren Führungsetagen sitzen haben" Seite gestellt haben.

Und das zweite Beispiel ist ein wenig kleiner, weil es nur um 30 Millionen geht, dafür aber aktueller: Auch im Esports gab es jetzt den Vorfall, dass einer der Investoren den anderen rassistisch beleidigt hat und diese Nachrichten dann an die Öffentlichkeit kamen. Und Riot zwang dann als Betreiber der Liga das Unternehmen Echo Fox dazu, entweder den Investor rauszuschmeißen oder den Platz in der Liga zu verkaufen,. Letzteres ist dann auch passiert.

Natürlich ist so was in privat geführten Ligen einfacher. Und ein Verkauf von Vereinen ist in Deutschland ja 50+1 sei Dank gar nicht möglich. Aber trotzdem sollten auch DFL und DFB die ganz klare Position vertreten, dass Tönnies als Aufsichtsratsvorsitzender eines Bundesligisten nicht mehr tragbar ist.

Nur um das mal kurz zu vergleichen: Wenn der Schalker Fanblock bei jeder Ballberührung eines afrikanischen Gegenspielers deutlich hörbare Affenlaute von sich geben würde, dürfte es eine ordentliche Geldstrafe von der DFL geben. Wenn diese Affenlaute jetzt von einem Vorstandsmitglied und in einer geplanten Rede kommen, soll dann nichts passieren?

Um mal zu verdeutlichen, dass eine Geldstrafe eigentlich alternativlos ist. Persönlich würde ich ja sogar noch weiter gehen: Wenn die Schalker wirklich versuchen das unter den Teppich zu kehren, würde ich ihnen mit Punktabzug drohen. So zeigt man Rassisten effektiv die Rote Karte...

Montag, 5. August 2019

Die pessimistische Saisonvorschau: Eines wird sich definitivn icht ändern

Wir werden weiterhin über den Video Assistent Referee diskutieren... weil es so viel Spaß macht.

Die Saison hat noch nicht mal begonnen und dennoch haben wir bereits den ersten ""Unverständlich, wieso Daniel Siebert auf dem Platz vom Video-Assistenten nicht korrigiert wurde." Dabei ist Joshua Kimmichs "Es war keine Absicht" Aussage auch vollkommen egal ist. Noch besser ist das "Das wäre pure Dummheit gewesen"... ähm... eine Dummheit war es auch, obwohl er nicht bestraft worden ist.
Also das Kimmich trotz des deutlichen Rückstandes das Spiel unbedingt, also ohne Rücksichtnahme auf den Knöchel des Gegenspielers, schnell machen wollte... widerspricht sich direkt mit dem an sonsten aufgerufenen "Wir werden hinterher allen einreden, dass der Supercup egal ist" Narrativ.

Nun kann man Kimmich den unbedingten Siegeswillen positiv auslegen. Also aus Bayern-Sicht kann man hinterher sagen "Kimmich hat wenigstens bis zum Schluss versucht das Spiel zu drehen, auch wenn er dabei überdreht hat"... Das ändert aber auch nichts daran, dass es zu einer Strafe führen muss.

Aber da zeigt sich ja auch schon das nächste Problem. Also ich hätte ja Kimmich spätestens in dem Moment vom Platz gestellt, wo er sich über die gnädige Gelbe Karte aufregt. Denn die wahrscheinlichste Variante ist ja, dass das Schiedsrichtergespann sich dagegen entschied diese Situation jetzt unnötig zu eskalieren... nur um hinterher die Frage in den Raum zu werfen, für welchen Wettbewerb Kimmich dann eigentlich gesperrt wird. Und als "Dank" regt sich Kimmich erst auf dem Platz und dann hinterher in den Interviews über die komplett bedeutungslose Verwarnung auf...

Und, was das nächste Problem ist, er wird dabei natürlich von Hasan Salihamidzic mit einem "Für mich war es überhaupt keine Karte, nicht mal Gelb" unterstützt. Weil ein Teammanager ja zwingend und in jedem Moment seine Spieler schützen muss... auch wenn man sich dabei selbst lächerlich macht.

Das ist ja auch ein Teil des Problems, denn die Bayern-Fanatiker glauben dem Hasan das ja. Und diese Grundhaltung fließt halt allgemein in die Bewertung jeder Schiedsrichterleistung ein. Also ein Niko Kovac sagt im Kicker-Sonderheft wörtlich: "Wir haben im letzten Jahr sehr wenige Entscheidungen für uns gehabt, eher gegen uns." Jeder Werder-Fan, der vom Videoassistenten um eine mögliche Pokalfinale Teilnahme beraubt worden ist, wird bei dieser Einschätzung an die Decke gehen. Und wem das nicht reicht, der kann sich den Saisonauftakt des letzten Jahres noch mal angucken. Auch da bekamen die Bayern einen Elfmeter, den man als Videoassistent auch korrigieren kann. Und dann ist da noch die Schiedsrichterbeleidigung von Jerome Boateng, die von Kameras aufgenommen wurden, aber nicht beim VAR angekommen sind... Aber es wurden ja alle Entscheidungen gegen die Bayern getroffen. Also in dem Fall wirklich, weil es ein Mal in all den Jahren einen Handelfmeter gegen die Bayern gab und das ist dann genau die Szene, an die Kovac sich erinnert.

Genau diese Haltung der Offiziellen ist halt Teil des Problems. Entweder sie können die Szenen nicht sachlich beurteilen oder sie wollen es nicht. Was dann ja die Spieler in ihrem Rechtsbewusstsein weiter stärkt und den Fans die Zitate gibt, die sie brauchen, um ihre Stammtischdebatten zu befeuern.

Für eine sinnvolle Debatte über die Schiedsrichter, die halt auch einfach nicht besser werden, hätte es mehr gebracht, wenn Hasan hinterher sagt: Da haben wir Glück gehabt, über Rot hätten wir uns nicht beschweren können.
Das würde den Bayern nicht Schaden, aber zu einer sachlichen Debatte beitragen. Dann könnte er immer noch sagen: So ist halt Fußball, da gibt es viele Szenen, die ein Schiedsrichter in Sekundenschnelle interpretieren muss und so passiert es dann halt immer wieder, dass die gleiche Szene völlig unterschiedlich bewertet wird. Das Regelwerk ist aber auch bewusst so angelegt. Deswegen können wir uns über Rot nicht beschweren, aber es muss halt auch jeder akzeptieren, dass der Schiedsrichter dies anders gesehen hat und das es eben keine klare Fehlentscheidung war. Man kann da Rot geben, man kann es aber auch bei Gelb belassen.

Solange aber die Verantwortlichen in Führenden Stellen kein Interesse daran haben die Schiedsrichterleistungen sachlich zu bewerten und zu kommentieren, wird die ganze Debatte nicht besser werden. Was super ist, so gibt es immer was zu schreiben...

Freitag, 2. August 2019

Die pessimistische Saisonvorschau: Was wenn der Trainer doch der Gute war?

Es ist ja schon faszinierend, wie viele Vereine in dieser Sommerpause ihre Trainer gewechselt haben. RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach, der VfL Wolfsburg (also fast die Hälfte der Europapokal-Teilnehmer), Hoffenheim (wenn auch als einzige nicht freiwillig), Hertha BSC Berlin, Schalke 04 und sogar die Kölner als Aufsteiger.

Wenn man dann noch bedenkt, dass Bayer Leverkusen und der FC Augsburg in ihre erste volle Saisonvorbereitung mit ihren Trainern gehen. Kommt man auf die Halbe Liga, die auf neue Ideen auf der Trainerbank setzt.

Und gerade das selbst das Erreichen der Saisonziele einem keine Garantie auf eine Weiterbeschäftigung gibt, ist eine neue Entwicklung, die aber nicht zwingend schlecht sein muss. Also man kann das praktisch am Unterschied zwischen Schalke und Mönchengladbach erklären: Als Schalke in einer unfassbar grottigen Bundesligasaison mit eigentlich viel zu wenigen Punkten Zweiter wurde, hat dass allen die Sinne vernebelt. Man hat halt nur die Tabelle und nicht das, was auf dem Platz passierte, bewertet und Domenico Tedesco deswegen zum Genie erklärt... und ging davon aus, dass das so weiter gehen wird. Ging es aber nicht, was aber abzusehen war.

Wenn Max Eberl unter Dieter Hecking eine Stagnation in der Entwicklung der Mannschaft wahr nimmt und sich denkt "Diese schwimmende Stürmer Idee kommt an ihre Grenzen, wir brauchen mal was neues", entlässt er den Trainer, obwohl sich die Mannschaft am Ende tabellarisch verbessert hat.

Um an der Stelle mal das offensichtliche Auszudrücken: Tedesco hätte als Vizemeister natürlich nicht entlassen werden sollen, aber Schalke hätte halt trotzdem mit der Saison kritischer umgehen müssen und im Sommer an mehr Stellschrauben drehen... Aber ein gut geführter Verein guckt halt auf mehr als auf die Tabelle, wenn er seine Saison bewertet. Schalke ist dies überraschende Weise nicht...

Dass die Manager nicht mehr nur auf die Tabelle gucken, sondern auch auf die Entwicklung ihrer Mannschaft, führte halt zu überraschend vielen Wechseln. Und weil man wirklich neue Impulse setzen wollte, rotierte man nicht einfach die verbrauchten Trainer untereinander (dafür ist der Hamburger SV zuständig... Nummer 3), sondern setzte auf neue und frische Gesichter aus dem Ausland. Wir sind damit wieder an dem Punkt angekommen, wo erfolgreiche Trainer aus Österreich oder der Schweiz der neuste Geheimtipp sind... Also so neu und so geheim, dass sich da jeder bedient. Nachdem man vorher zielsicher zu den Jugendtrainern gegriffen hat, weil das woanders funktioniert hat, sind jetzt wieder die Alpenländer dran. Faszinierend, wie sich alles im Kreis bewegt.

Denn das ist jetzt die entscheidende Frage für die neue Bundesliga Saison: Wird, bleiben wir in Gladbach, Marco Rose der nächste Peter Stöger? Oder doch nur der nächste Hans Peter Latour? Wird Oliver Glasner der nächste Lucien Favre? Oder doch nur der nächste Stale Solbakken? Wird Peter Bosz der nächste Adi Hütter? Oder doch nur, nun ja, der nächste Peter Bosz?

Es gibt halt genügend Beispiele an neuen Trainern, die auf dem niedrigeren Niveau in Österreich oder der 2. Liga wunderbar funktioniert haben, dann aber in der Bundesliga scheiterten.

Nun, um den Bogen zur Überschrift zu schlagen, können sich verdammt viele Manager nicht darauf raus reden, dass sie die Trainer ja wechseln mussten, weil die Ziele in Gefahr waren... Man entschied sich im Sommer bewusst und gezielt für einen Neuanfang... Was ihnen auf die Füße fallen wird, wenn sich hinterher raus stellt, dass der Trainer gar nicht das Problem war. Also das dürfte sogar fast noch gehen, dann stagniert man ja wenigstens und das in den meisten Fällen auf ordentlichem Niveau.
Aber was passiert, wenn die ganzen Bundesligisten jetzt feststellen, dass der Trainer mit seiner Arbeit verdammt viele Schwächen im Kader überdeckt hat und der Hauptgrund für eine erfolgreiche Saison war? Klar, das klingt absurd, vor allem, wenn einem bewusst wird, dass wir unter anderem von Bruno Labbadia reden. Aber die Möglichkeit existiert.
Und es können statistisch gesehen nicht alle Bundesligisten zum richtigen Trainer gegriffen haben? Was passiert also, wenn die Hertha in den Abstiegskampf rein rutscht, den man unter Pal Dardai immer so erfolgreich vermieden hat... Wenn man plötzlich hinter Union steht? Gut, die haben es einfach, die können dann einfach Dardai zurück holen.
Aber was machen Wolfsburg und Gladbach, wenn sie plötzlich auf Platz 12 und 13 liegen? Wie schnell wird da dann die Stimmung kippen, wenn sich die Fans und der Vorstand daran erinnern, dass das mit einem ordentlichen Trainer so viel besser aussah?

Dazu kommt, dass halt auch erstaunlich viele Trainer mit einer guten Vita auf dem Markt sind. Selbst Bruno Labbadia ist halt gerade nicht der Gescheiterte Geschasste, sondern der Held von Wolfsburg. Peter Stögers Arbeit in Köln kann doch noch nicht vollkommen in Vergessenheit geraten sein. Domenico Tedesco ist immer noch ein faszinierendes Trainertalent, welches weitere Chancen bekommen wird. Ein Dardai dürfte, sobald er wirklich die Hertha los lässt, für viele Bundesligisten interessant werden. Markus Weinzierl ist als Feuerwehrmann in Stuttgart gescheitert, aber seine jahrelange Arbeit in Augsburg ist bis heute die Grundlage für den letztens erwähnten absurden Erfolg der Fuggerstädter.

Das ist halt, wenn man dann im November einen neuen leitenden Angestellten sucht, eine erstaunlich komfortable Situation, die halt auch durch die großen Bewegungen in diesem Sommer ermöglicht worden sind: Man hat wesentlich bessere Optionen als den bereits 5 mal entlassenen, eigentlich nur als Feuerwehrmann zu gebrauchenden und danach verbrannte Erde produzierenden Bruno Labbadia. Was dem Trainermarkt auch während der Saison eine spannende Dynamik geben könnte.

Ernsthaft, ich muss mich als nächstes etwas detailierter mit Labbadia auseinander setzen. Auch wenn das dann nur bedingt mit der Saisonvorschau zu tun hat...

Donnerstag, 1. August 2019

Die Pessimistische Saisonvorschau: A propos seltsam: Was macht eigentlich Augsburg?

Wo wir schon dabei sind uns mit ungewöhnlichen Bundesligisten zu beschäftigen...

Und bevor jemand fragt: Das wird nicht der "Augsburg steigt garantiert ab" Post. Das habe ich ein Mal gemacht, so ein Fehler passiert mir nicht nochmal. Aber das ist ja schon das erste seltsame: Hier ist eine kurze Liste der Vereine, die nie aus der Bundesliga abgestiegen sind: Bayern München (offensichtlich...), Bayer Leverkusen, der VfL Wolfsburg, 1899 Hoffenheim, RB Leipzig und eben der FC Augsburg... der mittlerweile auch in seine 9. Bundesligasaison geht.

Was Augsburg von all den anderen unterscheidet, sollte offensichtlich sein: Das sind, abgesehen von den Bayern, alles Werksmannschaften mit einem großen Sponsor oder Mäzen im Hintergrund.
Kompetenz alleine reicht halt nicht um sich in der Liga ohne größere Rückschläge zu etablieren... sonst wären Mainz und Freiburg nie abgestiegen... es sei denn, man ist Augsburg.
Ursprünglich sind alle davon ausgegangen, dass Augsburg halt das nächste (gut, eigentlich vorherige) Ingolstadt wird... oder das nächste Darmstadt, Unterhaching, St.Pauli oder Wuppertal... es gibt ja genügend Bundesligisten, die immer mal wieder einzelne Jahre in der Bundesliga gespielt haben, dort aber nie konstant angekommen sind... und dann irgendwann komplett vom Radar verschwunden sind. All diese Mannschaften hat Augsburg einfach hinter sich gelassen.

Genau so faszinierend ist es ja, dass Augsburg in der Regel den großen Ausverkauf aufhalten konnte und sich dadurch eine gewissen Wagenburg-Mentalität erschaffen hat. Also klar, es gibt Spieler wie Marwin Hitz, der sich dann doch lieber in der Champions League auf die Bank setzte... Aber selbst der erfüllte seinen Vertrag und wechselte danach.
Auf der anderen Seite ist Daniel Baier seit dem Aufstieg dabei. Das war quasi der Schlüsseltransfer der die Augsburger in die Relegation und danach dann in die Bundesliga führte. Und klar, Baier galt damals als gescheitertes Bundesligatalent... aber er hat dann halt in Augsburg nachgewiesen, dass er in defensiverer Rolle wesentlich mehr sein kann... Normaler Weise (Baier war damals ja auch erst Mitte 20) folgt dann der Transfer zu einem scheinbar größeren Verein... selbst wenn das "nur" der Hamburger SV ist. (Hah, die 2. HSV Referenz... aber ernsthafter Gedanke: Wie viele Probleme hätten die Hamburger lösen können, wenn sie vor 5 Jahren Baier als Fixpunkt für die Zentrale holen?) Baier beschloss, dass er lieber seine Karriere in Augsburg als Legende beendet, anstatt woanders eventuell erneut zu scheitern.
Und das Augsburger länger bleiben als erwartet, ist ungewöhnlich für die Liga, aber nicht für den Verein. Philipp Max und Alfred Finnbogason sind immer noch da, obwohl erster absurd hohe Vorlagenzahlen für einen Linksverteidiger aufweist und letzterer sich bei einer EM und WM in den Notiz-Block der Scouts spielen durfte... Ernsthaft, dass Augsburg einen Spieler, der sich bei der WM als Torschütze präsentieren durfte, ein Jahr danach immer noch unter Vertrag hat, ist nicht selbstverständlich. Und das liegt auch an der Verletzungsanfälligkeit des Isländers, aber das kann nicht der einzige Grund sein...

Aber auf der übernächsten Seite wird diese Wagenburg-Mentalität immer wieder aufgebrochen. Also gerade in der letzten Saison. Und das nicht nur wegen der heftigen Klatsche zum Saisonausklang, die hier bereits als Warnsignal erwähnt worden ist...
Martin Hinteregger, Caiuby und Marvin Friedrich sind die bekanntesten Beispiele. Alle 3 wollten nach dem Ende ihrer (bei Hinteregger und Cauiby vom Spieler durch ihr Verhalten erzwungene) Leihe zu anderen Vereinen auf gar keinen Fall zurück. Das steht in einem krassen Widerspruch zu der Loyalität eines Baiers und passt damit so gar nicht zu dem Bild, dass der Verein sonst so abgibt.

Und das ist am Ende (wo Michael Gregoritsch, Max und Finnbogason eventuell noch weg wollen) die entscheidende Frage für die Augsburger Saison: Wird es dieses Jahr mehr Ausfälle, extreme Interviews, Streiks und Streitigkeiten geben? Dann steigt Augsburg doch ab. Oder kehrt man zurück zu der Einheit, die man jahrelang präsentiert hat? Dann landet man im gesicherten Mittelfeld.

Welche Variante am Ende zutrifft, kann halt keiner wirklich vorhersagen.

Dienstag, 30. Juli 2019

Die pessimistische Saisonvorschau: War es das wirklich wert, Union?

Oder ist das alles gar nicht so neu.

Union Berlin ist jetzt ja das neuste Mitglied "unserer Bundesligafamilie"... und lasst es mich mal so sagen: Der Verein ist etwas seltsam.

Zunächst mal ist er einer dieser absurden Relikte aus der DDR, wo der Staat Ende der 60er Jahre die Sportlandkarte neu sortierte um für eine bessere Abdeckung zu sorgen... und dann die Spieler entsprechend verteilte. Das wäre, als würde Horst Seehofer morgen bestimmen, dass Fortuna Düsseldorf ab sofort in Rostock antreten muss, weil es da doch einen dramatischen leeren Fleck auf der DFL-Landkarte gibt... Und dann noch 5 brauchbare Spieler der Konkurrenz nach Rostock delegiert, damit der neue Verein auch eine Chance hat... Heutzutage ist das unvorstellbar, dass so etwas in Rostock passieren würde... Seehofer würde Düsseldorf natürlich nach Rosenheim verlegen...

Und Union wurde damals gegründet, weil sie die mächtigen im Arbeiter und Bauernstaat dachten, dass die Arbeiter ja auch einen Verein kriegen könnten. Absurd, ich weiß.

Aber damit wurde auch schon frühzeitig die eigentliche Rolle der Unioner begründet: Als Gegenspieler zum Stasi-Klub (und deswegen Rekordmeister) BFC Dynamo und damit bei der breiten Masse übermäßig (im Verhältnis zu den sportlichen Leistungen) beliebt. Daraus wurde dann später das Gegenstück zur Hertha als Verein im Herzen der Stadt.

Union ist nicht der klassische "X-Mal Meister" Ostklub. Man gewann lediglich ein Mal den Pokal und kämpfte häufiger gegen den Abstieg als von höheren Trauben zu träumen. Oh und es ist faszinierend, wie oft Union in der Relegation scheiterte. Die wurden damals "Die Unaufsteigbaren" genannt.

Und nach der Wende... war man praktisch tot. Mehrere Jahre in Folge bekam man keine Lizenz für die Profiligen. Was jetzt nebenbei die "Ist das alles nur ein Mythos" Frage in den Raum wirft... Denn im Endeffekt wurde Union von Kinowelt, also dem Investor im Ostfußball zur Jahrtausendwende und einem fragwürdigen Sponsorendeal gerettet. Letzterer ist aus dem Jahr 2014... vielleicht ist das Image des Vereins wirklich nur ein Mythos.

Aber gerade als Zweitligist konnte man dieses Image auch gut pflegen. Man hatte die Art Fanbasis, die einem in der Freizeit das Stadion renovieren. Und die dann während der WM ihr Stadion in das größte Wohnzimmer des Landes verwandelten. Frei nach dem Motto: Ich hab das Ding hier gebaut, ich darf auch meine Couch hier aufstellen. (Das wirklich faszinierende an den Bildern sind ja die leeren Couchs... Anscheinend wissen die Unioner, wem welche gehört und dass es sich nicht gehört sich auf fremde Wohnzimmermöbel zu setzen...)
Dazu kommen Aktionen wie "Bluten für Union" und das jährliche Weihnachtssingen, welches angeblich in Berlin erfunden worden ist.

Union Berlin hat sich schon als Ostdeutsche Alternative zum FC St.Pauli etabliert. Als kleines Kulturgut für all diejenigen, die den Fußball noch in seiner ursprünglichen Form und jenseits des Turbokapitalismus genießen wollen. Und die dies jetzt überraschender Weise in der Bundesliga machen dürfen.

Aber gleichzeitig hat man einen Präsidenten, der während des größten Erfolges der Vereinsgeschichte die Angst verbreitet, dass sich Union von der Landkarte verschwinden könnte, wenn man sich nicht für Investoren öffnet.
Wenn es sich bei dem alternativen Bild des Vereines um mehr als nur einen Mythos handelt, sollte sich diese Frage nicht stellen. Denn dann werden die Fans dafür sorgen, dass der Verein immer präsent bleibt. Und genau genommen verschwindet der Verein, also zumindest das, was ihn besonders macht, von der Landkarte, wenn man sich Investoren öffnet.

Andererseits... ist das halt auch alles nicht so neu. Dirk Zingler ist seit 15 Jahren Präsident in dem Verein. Und Union ist eben kein Überraschungsaufsteiger, sondern spielt seit Jahren oben mit, sie haben es dieses Jahr nur geschafft die Saison auch zu Ende zu spielen. Wobei das auch falsch ist, der Hamburger SV hat es geschafft sich im Saisonfinale noch unfähiger zu präsentieren... (Keine Pessimistische Saisonvorschau ohne HSV Referenz!!!)

Union hat es geschafft, 8 Jahre in Folge in der oberen Tabellenhälfte zu stehen. Das klingt nicht nach viel, bis einem bewusst wird, dass kein anderer Verein dies auch nur 5 Jahre in Folge geschafft hat. Was ja auch Sinn ergibt, denn wenn man in der 2. Liga gut abschneidet, aber nicht aufsteigt, steigen die besten Spieler eben trotzdem auf und man selber kann diesen Qualitätsverlust als normaler Zweitligist einfach nicht kompensieren. Deswegen spielt zum Beispiel St.Pauli gefühlt immer im Wechsel um den Auf- und Abstieg. Union hat es geschafft konstant und fast ohne jegliche Rückschläge zu wachsen, was dafür spricht, dass sie schon seit Jahren außergewöhnliche (für einen Zweitligisten) Möglichkeiten haben.

Die Fieberkurve der Unioner ist dabei extrem spannend: Denn seit dem absoluten Tiefschlag des doppelten Abstieges in die drittklassige Regionallige 2005 gab es ganze 2 Jahre, in denen man seine Vorjahresposition nicht verbesserte: 20013/14 wurde man "nur 9." in der 2. Liga, 2017/18 "nur 8.". An sonsten ging es immer nach oben. Die logische Konsequenz muss dann irgendwann ein Aufstieg sein.

Union war eben nie nur dieser sympathische, aber emotionale, Kultklub. Es war immer auch ein ständig wachsendes Projekt. Es war nie der Verein, der davon geträumt hat mal 1-2 Jahre in der höchsten Liga zu spielen, dem es aber wichtiger ist, seine Identität zu wahren, sondern es ist ein Verein, dessen eindeutiges Ziel es ist, sich in der Bundesliga zu etablieren... koste es, was es wolle...

Dass man sich dafür dann mit Aroundtown zusammenschließt... nun ja, verdeutlicht dies halt nur. Es gibt wahrscheinlich wenig, womit der gemeine "Schlosserjunge" in Berlin so hart zu kämpfen hat, wie mit seinen steigenden Mieten. Und jetzt packen sich "Die Schlosserjungs" einen der Konzerne, der dies mitzuverantworten hat, auf die Brust. Das ist, als würde Hoffenheim mit Windows auf dem Trikot werben... Der Zyniker in mir findet das wunderbar... Der wohnt aber auch nicht in Berlin...

Ist das jetzt schlimm? Nun, das ist eine Frage, die wir nicht beantworten können. Also Fußballdeutschland schadet es nicht, wenn man einen kompetent geführten und ständig wachsenden Klub in der Hauptstadt hat. Und die Stadt Berlin ist auch groß genug für 2 derartige Bundesligisten, falls Hertha das auch noch mal wird, muss es trotzdem nicht zu eng werden... Einzig die Union Fans, die damals das Stadion renoviert haben, müssen sich irgendwann fragen, ob sie das wirklich gewollt haben... selbst wenn "das" dem Verein als ganzes auf keinen Fall schadet.

Um dann mal eine finstere Prognose abzuliefern: Wie lange wird es dauern, bis die Union-Ultras sich den Anhang von Hannover 96 zum Vorbild nehmen und gegen all das protestieren, was ihnen den wesentlich besseren Fußball, den sie zu sehen bekommen, ermöglicht hat?

Montag, 29. Juli 2019

Die Pessimistische Saisonvorschau 2019/20 Teil 1: Wer soll denn dieses Jahr absteigen

Und ja, ich habe mich auch vermisst. Wo das erwähnt ist: Back to Buisness:

Wenn ich mir derzeit die Saisonvorschau auf die neue Bundesliga Saison angucke, fällt mir vor allem eines auf: Alle sind so gnadenlos optimistisch, dass diese Saison alles großartig wird... ok, alle außer Schalke, deren Kicker Sonderheft Artikel mit der "Sorgen um Morgen" Überschrift kommt und sich hauptsächlich darum dreht, dass eben nicht alles spontan besser werden muss... was auch nur bedeutet, dass Schalke die Mannschaft wird, die sich am meisten verbessert...

Logisch gesehen ergibt das ja auch alles Sinn. Also die Vereine wollen sich natürlich einreden, dass sie auf dem richtigen Weg sind und die Medien leben davon uns einzureden, dass die Saison spannend und aufregend wird. Da hier aber immer gegen den Trend geschwommen wird, machen wir einfach mal das Gegenteil und stellen die schlechteren Szenarien für einzelne Vereine und vor allem das große Ganze da. Und da beginnen wird einfach mal...

Mit der eigentlich optimistischsten These: Jeder kann dieses Jahr die Klasse halten. Also sogar ein eigentlich mittelmäßiger Zweitligist, denn davon haben wir diese Saison mehr als genug. Fragt euch einfach mal selbst, wie viele selbsternannte "erste Absteiger" wir dieses Jahr haben... Ok, offiziell nur Paderborn und Fortuna Düsseldorf. Die beiden Mannschaften, die am meisten nach Zweitligist riechen.

Wie "schlimm" ist die Lage in Paderborn? Nun ja, sie fingen direkt nach dem Aufstieg an auseinander zu brechen. Sportvorsten Markus Krösche ist dabei zwar der bekannteste, aber bei weitem nicht der schlimmste Name. Dass Philipp Klement beim Absteiger VfB Stuttgart eine bessere Berufsperspektive sieht als bei der Mannschaft, mit der er als unumstrittener Stammspieler aufgestiegen ist... Wenn er zu einem Bundesligisten gewechselt wäre, wie Bernard Tekpetey... auch wenn der nur von einem sicheren Absteiger zum nächsten gewechselt ist... Immerhin hat Schalke dafür Geld bekommen.
Wie absurd ist der Paderborner Kader? Nun ja, laut Kicker-Sonderheft kommt er insgesamt auf 95 Bundesligaspieler (verteilt auf 6 Spieler) und 4 Tore... und kostete 0,555 Millionen Ablöse... irgendwie macht sich bei mir das Gefühl breit, dass die Kader des Hamburger SVs und des 1.FC Kölns aus der Saison 1963/64 mehr Bundesligaerfahrung besaßen als diese Paderborner. Auf jeden Fall hatten sie nach 2 Spieltagen mehr Tore erzielt...

Aber da die Paderborner einen progressiven Spielstil anstreben... werden sie entweder katastrophal scheitern oder die rein destruktive Konkurrenz so weit überrascht, dass sie souverän 10. werden.

Fortuna Düsseldorf steht eigentlich vor dem sicheren Einbruch. Also die Mannschaften, die im ersten Jahr überraschend 10. werden, brechen danach immer ein. Vor allem weil die Starspiele wieder Dodi Lukebakio und Benito Raman ihren gesteigerten Marktwert nutzen um woanders mehr Geld zu verdienen. Also das, was Klement eigentlich dieses Jahr hätte machen sollen.
Der offensichtlichste Vergleichswert sind die 2 Jahre von Ingolstadt in der Bundesliga. Dass die Fortuna abstürzt und einbricht ist wahrscheinlicher als eine Wiederholung eines Mittelfeldplatzes. Wesentlich wahrscheinlicher.

Dazu kommen dann die 2 weiteren Aufsteiger, die ja auch immer irgendwie als Abstiegskandidaten geführt werden müssen. Die Kölner haben das strukturelle Problem, dass es in ihrer Kicker-Saisonvorschau erst im 6. Textblock um die Neuzugänge geht... und dann auch nur kurz, man kehrt sehr schnell zu den Problemen auf der Führungsetage um Armin Veh und Toni Schumacher zurück. Dazu kommt der Fakt, dass man es geschafft hat als souveräner Aufsteiger seinen Trainer während der Saison zu entlassen. Als Tabellenführer. Ob Markus Anfang jetzt der richtige für die Bundesliga gewesen wäre, ist dabei eine hypothetische Frage. Aber man wäre auch mit ihm aufgestiegen. Und wenn man es nicht mal schafft eine Saison als Tabellenführer in der 2. Liga souverän über die Runden zu bringen, sondern kollektiv in Panik verfällt.
Wie die Saison der Kölner am Ende verlaufen wird, wird wie immer neben dem Platz entschieden. Aber auch deswegen sind sie immer ein Kandidat für einen spontanen Abstieg.

Und Union Berlin... wird wahrscheinlich seine eigene Vorschau brauchen, mal gucken. Auf dem Papier haben sie sich, gerade für einen Bundesliganeuling, überraschend gut verstärkt und sich erstaunlich viel Erfahrung geholt. Das Problem daran ist: Sie haben sich hauptsächlich Erfahrung im Abstiegskampf geholt. Also Christian Gentner und Anthony Ujah sind halt die Form von Stammspielern, mit denen man unten rein rutscht, und die dann hinterher tolle Führungsspieler Interviews geben können. Und Neven Subotic... also genau genommen war es eine der größten Auszeichnungen für den jungen Matts Hummels, dass der Subotic brillant aussehen lies... seit dem er nicht mehr neben dem Weltmeister spielen darf, sieht es aber eher dürftig aus.
Für Union sind das schon alles tolle Transfers. Die den einen oder anderen erfahreneren Trainer ins Grübeln bringen, wie sich die Berliner das eigentlich leisten können... Aber ich habe eher das Gefühl, dass sie sich Veteranen über ihren Zenit geholt haben und dafür könnten sie dann teuer bezahlen müssen. Also in einem Normalen Abstiegskampf.

Dann... kommen auch schon die Augsburger, die sich mit einer 1:8 Klatsche aus der Vorsaison verabschiedet haben. Solche Niederlagen zum Saisonausstand gönnt sich nur die Hertha in wirklicher Regelmäßigkeit. Bei allen anderen Mannschaften sind das Symptome für größere Probleme, die man auch mal in Ruhe analysieren müsste.
Ich muss da ja, weil ich die unnützen Daten, die ich mir merke, ja mal irgendwo anbringen muss, an die letzte Gute Bundesligasaison des Karlsruher SCs denken, die sich 2008 mit einem 0:7 gegen den Hamburger SV in die Sommerpause verabschiedeten... Und im Jahr darauf direkt abstiegen...
Und der Kader wirkt jetzt schwächer als in der Vorsaison, wo es auch nur gerade so reichte, obwohl der eine oder andere Abgang wie Max oder Gregoritsch noch kommen könnte. Aber man kann ja erfolgreich darauf setzen, dass die Konkurrenz noch schwächer geworden ist.

Dazu kommen dann halt Mannschaften wie Mainz und Freiburg, bei denen ein Abstieg immer mal passieren kann. Also die wollen zur Top 20 des Landes gehören und regelmäßig Bundesliga spielen, was bei ihren Möglichkeiten auch durchaus realistisch ist. Aber dieses Jahr ist die Konkurrenzsituation so, dass ein Abstieg einer dieser beiden Mannschaften eine herbe Endtäuschung wäre, weil es halt 4 oder 5 Mannschaften gibt, die eine deutlich schlechtere Ausgangsposition haben. Dazu kommt der eine Überraschungsgast im Abstiegskampf, der immer unerwartet mit unten rein rutscht. Und wenn man diese Ausgangssituation erreicht, muss in dieser Liga einiges falsch gelaufen sein.

Natürlich wird das niemanden auffallen, weil das relative Niveau (oder der Mangel dessen) immer noch zu einem spannenden Abstiegskampf führen kann. Aber wenn, was uns ja am anderen Ende alle einreden wollen, die Liga in der Spitze wirklich besser geworden ist, wird es jede Menge einseitige Spiele mit eindeutigen Ergebnissen geben. Was die Fans von Bayer Leverkusen begeistern wird, allerdings... nun ja... sind das halt nicht sooo viele...

Um mal mit so einer provokanten These aufzuhören: Der SC Paderborn beendete seine "beste" (weil einzige) Bundesligasaison mit 31 Punkten. Die werden dieses Jahr nicht mehr Punkte holen, aber tabellarisch besser abschneiden...

Montag, 1. Juli 2019

In anderen sensastionellen Nachrichten dieses Sommers

In Afrika ist es gerade heiß.

Also so richtig "es ist ungesund da Sport zu treiben" heiß. Hätte uns doch jemand gewarnt.

Um mal kurz die Logik der Europäer festzuhalten: Die haben erst festgestellt, dass es in Katar im Sommer zu heiß ist und das man die Stadien entweder mit riesigen Klimaanlagen ausstatten muss... oder die WM auf Weihnachten verlegen. Am Ende scheint man sich für letzteres entschieden zu haben.

Was nebenbei auch... also bei allen Argumenten gegen die WM in Katar ist das Klima das letzte, was man anbringen kann. Da sollte man eher ein Mal in seinem Leben kompromissbereit sein und sich eine WM zu Weihnachten gönnen... und eine extrem lange Winterpause, auch wenn das am definitiv komisch wird. Dafür darf dann ein Gebiet, welches bisher immer bei WM Vergaben außen vor war, dieses Volksfest mal vor Ort feiern. Es wäre natürlich schön, wenn das ohne Korruption und moderner Sklaverei funktionieren würde, aber die "Wir vergeben die WM in eine Gegend, in der es so was noch nie gab" Logik ist durchaus funktional.

Nebenbei finde ich auch das "Dann müssen wir unseren gesamten Jahresplan umstellen, das wird Wahnsinn" Argument... nun ja, wahnsinnig. Steht irgendwo geschrieben, dass eine WM nach dem Champions League Finale ausgetragen werden muss?  (Fun Fact: Bei der Copa Libertadores ist es vollkommen selbstverständlich, dass der Wettbewerb durch eine WM oder ein Kontinentalturnier unterbrochen wird...) Klar, wir haben uns daran gewöhnt, aber vernünftig wäre es in einer Ausnahmesaison die WM in Winterpause auszutragen und danach dann die Saison wieder aufzunehmen. Das wird ungewohnt, aber es ist machbar. Das schlimmste Ergebnis könnte sein, dass die WM Stars erst ein Halbes Jahr nach der WM den Verein wechseln... was für eine Katastrophe das doch wäre, die Oligachen der Welt brauchen ihre neuen Spielzeuge doch sofort und nicht erst nach 5 Monaten Lieferzeit...

Dass man aber im Sommer in solchen Regionen keine großen Turniere stattfinden lassen sollte, war allen irgendwie bewusst. Trotzdem haben die europäischen Spitzenvereine jetzt durchgedrückt, dass der Africa Cup im Sommer ausgetragen wird, damit man nicht im Winter auf seine Stars verzichten muss. Die könnten im schlimmsten Fall im Champions League Achtelfinal-Hinspiel fehlen! Das geht ja mal gar nicht.

Und natürlich standen auch gerade die nicht so großen Stars vor der Frage "Soll ich jetzt mitten in der Saison meinen Stammplatz riskieren, weil ich an einem Kontinentalturnier teilnehme, während in England die Saison weiter läuft?"

Aber all diese Legionäre sind halt in jüngsten Jahren nach Europa und sportliche Spitzenleistungen unter derartigen klimatischen Bedingungen einfach nicht mehr gewöhnt. Und das ist dann auch irgendwie gefährlich. Vor allem, weil das ja keine Freundschaftsspiele sind.

Und klar, auch in Europa haben wir gerade Rekordtemperaturen. Dass ist dann wohl das Mittelmeerklima, welches uns vor Jahren versprochen worden ist. Dafür sind wir doch mit dem SUVs über die Dörfer gefahren. Nur dürfte das in Nordafrika nicht besser aussehen. Und im Gegensatz zu der Frauen-WM in Frankreich ist es gerade keine große Überraschung, dass es in Ägypten 40+x Grad warm wird. Das hätte ein Meteorologe einem erklären können.

Anders ausgedrückt: Die großen europäischen Verbände, nach deren Wünschen der Termin ausgesucht worden ist, tun jetzt ihren afrikanischen Starspielern genau das an, was sie ihren einheimischen Starspielern auf gar keinen Fall antun wollen. Da fällt mir dann echt nur noch ein "Das sind ja nur Neger, die müssen das abkönnen" ein...
Oder die Europäischen Verbände gingen davon aus, dass der Afrika Cup ab sofort immer in Südafrika stattfindet.

Natürlich muss man bei der Terminplanung für den Afrika Cup einen brauchbaren Kompromiss finden. Man sollte den schon so legen, dass die Stars keine relevanten Spiele verpassen. Dabei sollte es aber eher um ein "Können wir das 2 Wochen nach vorne verlegen, so das sich alle zur Champions League Saison wieder vernünftig eingliedern können" gehen als um ein "Lasst uns das im Sommer machen, was soll da schon schief gehen".

Aber wahrscheinlich werden erst Spieler einen Hitzeschlag erleiden und auf dem Platz wiederbelebt werden, damit das auch den Funktionären auffällt...