Freitag, 22. Juni 2018

Und Frankreich so:

Was die andern können, können wir doch auch.

Es gibt ja auch überhaupt keinen Grund sich irgendwie "Mühe" zu geben... machen die andern doch auch nicht... und im Gegensatz zu denen haben wir 6 Punkte...

Aber ja, als ich gestern behauptete, der nächste "Spieltag" würde definitiv besser ablaufen... hat das wohl irgendjemand den Franzosen zugeschickt... und die wollten mich dann lügen strafen... Wodurch ich dann das 4. Spiel nach dem exakt selben Muster erleben durfte...

Nur um da mal ganz explizit drauf hinzuweisen: Wenn euch die Experten und Verantwortlichen der "Großen Nationen" erzählen, dass es keine "so genannten Kleinen" mehr gibt, dann Lügen die euch ganz dreist an. Der entscheidende Unterschied zu früher, wo man diese Gegner mit 3-10 Toren aus den Stadion geschossen hätte, ist, dass sich keiner mehr für Schützenfeste interessiert. Warum Aufwand betreiben, wenn man nach dem 1:0 in den Verwaltungsmodus schalten kann... Denn die "Kleinen" sind halt so ungefährlich, dass man sich drauf verlassen kann, dass das schon reicht... und wenn es nicht reicht, schmeißt man die Maschine doch nochmal an und schießt die erneute Führung...

Irgendwo in Japan sitzt Lukas Podolski und fragt sich, was denn da los ist... Aber so ist das halt, wenn der ja bis vor kurzem offensichtlich allerbeste Nationaltrainer der Welt den einzigen Spieler, der sich wirklich beim Abschießen von San Marino wirklich Mühe gegeben hat, ausgeladen wird. Es gehört sich ja auch nicht, den Gegner so vorzuführen...
Und ja, im Ominösen "Früher" konnte man durch beeindruckende Tore seine Position im Nationalteam verbessern... heute scheint das irgendwie vorbei zu sein, weil alle nur noch darauf fokussiert sind ihre Kräfte zu schonen...

Aber hey, immerhin erzielte Frankreich das 1:0, bevor sie in den Verwaltungsmodus schalteten... Argentinien dagegen war gleich in diesem Unterwegs... und schien fest davon auszugehen, dass 3 Unentschieden schon fürs Achtelfinale reichen würden... Und das Kroatien schon nicht so dreist sein würde ernsthaft anzugreifen... Waren sie auch nicht wirklich... nur muss man das auch nicht, um gegen diese Argentinier 3 Tore zu erzielen... die helfen im Zweifelsfall selber mit... Mal mehr und mal weniger auffällig...

Aber hey, wenn man gegen Nigeria 6:0 gewinnt, hat man noch Chancen aufs Weiterkommen... Geiler Plan... So wie Lionel Messis Nationalmannschaftskarriere bisher verlief, macht er gegen die Afrikaner 6 Tore und scheidet trotzdem aus... Obwohl man an der Stelle ganz deutlich sagen muss: Er kann dieses Mal wirklich nicht mit den Fingern auf seine Mitspieler zeigen. Messi ist bisher die größte individuelle Endtäuschung der WM... und wenn er im letzten Spiel genau so auftritt, kann man das auf "Aller Zeiten" erweitern... Es ist einfach unfassbar, wie leblos der über den Platz schleicht... Gerade wenn man bedenkt, dass es seine letzte Chance sein dürfte...

Am Ende muss man sich dann doch fragen, warum Messi auf seine Nationalmannschaft anscheinend dieselbe Wirkung hat, wie Zlatan Ibrahimovic auf die Schwedische: 2 Spieler, die definitiv besser sind als der Rest, die es aber nie wirklich geschafft haben ihre Mitspieler in der Nationalmannschaft besser zu machen... 

Donnerstag, 21. Juni 2018

Wie steigert man eigentlich "Worst of"

Der Wörsteste Spieltag aller Zeiten? Worcestersauce? Anyone?

Aber ich muss ja ehrlich zugeben: Die 3 Spiele am Stück, die ich da gestern am Stück gesehen habe, waren in der Summe die schlechtesten 4 1/2 Stunden Fußball, an den ich mich erinnern kann... was im wesentlichen daran lag, dass es halt nur ein Bier pro Tor gab...
Deswegen bin ich mir auf ein Mal erstaunlich sicher, dass der Milad Mohammadi wirklich eine Rolle vor seinen letzten Einwurf einbauen wollte... Wenn ich vorher 10 Tore gesehen hätte, hätte ich meinen Augen in dem Moment nicht getraut...

Das wirkliche Problem: Es war quasi unmöglich die 3 Spiele voneinander zu unterscheiden... weil sie alle im Endeffekt gleich schlecht war... Und seid ganz ehrlich: Ihr könntet jetzt auch nicht sicher sagen, ob der Saudi Arabische Verteidiger den Portugiesischen Stürmer angeschossen hat... oder ob der Marokkanische Torwart unter den Ball durch tauchte um das 1:0 der Spanier zu ermöglichen... oder so.

Der Matchplan der 3 Favoriten aus Spanien, Portugal und Uruguay war exakt derselbe: Der Gegner wird schon zu schwach sein um ein Tor zu erzielen... und wir werden schon früher oder später ein Tor machen..." Und der Plan hat ja zur Perfektion funktioniert.

Vor allem der "Die werden schon zu schwach sein um ein Tor zu erzielen"... auch wenn der Iran 2 mal verdammt dicht dran war. Und Marokko zumindest einige Chancen hatte. Aber gerade Marokko war im Abschluss am Ende einfach zu schwach. So dass selbst ein nicht wirklich überragender Torwart alles entschärfen konnte, was am Ende wirklich aufs Tor kam.

Dass die Spanier sich dann eiskalt sagten "Wir müssen nichts fürs Torverhältnis tun, solange wir keine Verwarnungen bekommen, sind wir im Rennen um den Gruppensieg vorne..." war schon ein neues Level von Anpassung auf die Gegebenheiten... da gucken selbst die Brasilianer beeindruckt. Da soll noch mal jemand behaupten, Fußball würde nicht gut gecoached werden... (Das werde ich natürlich weiterhin tun, bis Iniesta irgendwann eingewechselt wird...)

Das Endergebnis waren halt wirklich 3 Spiele, die kaum voneinander zu unterscheiden waren... und alle 3 Außenseiter werden sich mehr oder weniger deutlich selber fragen, wie das wohl ausgegangen wäre, wenn sie früher aktiv am Spiel teilgenommen hätten...
Und natürlich ist es total unfair, dass sich selbst die Saudis diese Frage stellen müssen, ob sie sich nicht zu wenig zugetraut haben... Das ist keine Kritik an den Außenseitern. Es soll eher verdeutlichen, wie selbstgefällig die Favoriten waren.

Und es ist ja nicht mal so, dass die per se "schlecht" oder "grausam" waren. Sie haben halt nur uninspirierter Weise das aller nötigste getan und waren vor und nach dem Tor im absoluten Verwaltungsmodus. Hauptsache man spart sich die Kräfte auf, in dem man den Gegner arbeiten lässt. Die einen mit, die anderen ohne Ball.

Als neutraler Zuschauer macht das halt verdammt wenig Spaß. Wahrscheinlich hat es selbst als Fan einer der beiden jeweils beteiligten Mannschaften verdammt wenig Spaß gemacht... und ja, der Moment, wo die Schiedsrichter das 1:1 der Iraner nicht geben, war der grausamste dieser WM... Und es wird wahrscheinlich der grausamste bleiben... Wie sich die Iraner noch Sekundenlang gefreut haben, nachdem der Schiedsrichter Abseits angezeigt hat... (Und das war ja kein Videobeweis... dieser hat die Entscheidung nur bestätigt...)

Aber gleichzeitig... ist halt WM... also während man sonst irgendwann während des 2. Spieles abgeschaltet hätte... bleibt man jetzt dabei. Und während man sonst für nen paar Tage genug Fußball gesehen hätte, schaltet man heute wieder ein... immerhin mit einem definitiven "Schlimmer wird's ja nicht werden" Gefühl... Das ist doch schon mal was: Von jetzt an muss es definitiv aufwärts gehen...

Dienstag, 19. Juni 2018

Warum entscheiden Standards die Gruppenphase?

Um uns mal mit einer eigentlich einfachen Frage zu beschäftigen.
Und neu ist die Erkenntnis ja nun wirklich nicht... Es fallen schon seit Jahren bei den großen Turnieren verdammt viele Tore nach ruhenden Bällen... Aber dieses Mal ist es wahrscheinlicher, dass wir einen Elfmeter zu sehen bekommen als ein heraus gespieltes Tor... Das kann nicht normal sein...

Und ja, auch in der Bundesliga fallen 34% der Tore in der Hinrunde nach Standartsituationen... warum diese komische Einschränkung... nun ja, irgendwie gibt es auf Bundesliga.de nur Zahlen zur Hinrunde... und Bilderserien verlinken oder selber Nachrechnen erscheint mit zu kompliziert. Und ordentliche Statistik-Seiten für die Bundesliga gibt es halt nicht wirklich...


Kommen wir also zum entscheidenden "Warum ist dies so?" Denn wenn man sich damit beschäftigt, kann man ja wirklich was lernen.

1. Standarts lassen sich leichter einstudieren.
Um mal das offensichtliche als erstes zu erwähnen. Fußball ist ein Sport, der sich bei aller Struktur erstaunlich häufig um die Improvisation dreht. Also verglichen mit Basketball. Dass der Spieler mit dem Ball einen Spielzug ansagt und dann die 4 anderen Athleten daraufhin koordiniert übers Feld laufen ist in der NBA ein völlig normaler Vorgang. Und natürlich lässt so ein Spielzug auch Platz für Improvisation und überraschende Ausstiege. Und es gibt selten nur eine Option. Dann wäre es ja leicht zu verteidigen... Dennoch gibt es im ganz normalen Spielverlauf ganz klare und angesagte Spielzüge.
Fußball basiert dagegen auf Automatismen... Der Unterschied mag da im Detail liegen. Lässt sich aber Wunderbar an der Spielanlage der Argentinier aufzeigen. Deren Idee bestand im Wesentlichen aus "Wir geben Messi den Ball, der spiel Kun Aguero an. Dieser lässt auf Messi prallen und dann... schaun wir mal, was passiert." Und ja, es gibt schlechtere Pläne als diesen. Aber während bei Barca dank jahrelanger Feinabstimmung alle wissen, wie man auf diese Situation reagieren kann oder muss, gucken bei Argentinien alle anderen zu. Und deswegen passiert in diesen Momenten erstaunlich wenig.
Und das ist auch kein Vorwurf. Natürlich kann die Abstimmung solcher Grundideen in 4 Wochen nicht auf das Niveau einer Vereinsmannschaft gehoben werden. Es erklärt aber auch, warum es schwieriger ist, sich Tore heraus zuspielen.
Aber wirklich einstudierte Spielzüge über mehrere Stationen sind im Fußball eine echte Seltenheit. Auch auf Vereinsebene. Nur kann man in Vereinsebene halt wesentlich besser abschätzen (auch weil man es häufiger geübt hat), wie sich mein Mitspieler in welchen Momenten bewegen wird.
Bei Standartsituationen hat man dagegen einen sehr einfachen und festen Rahmen. Sie lassen sich, verglichen mit den Automatismen, einfacher üben. Und es sind die Momente im Fußball, wo der Ausführende wirklich vorher ein für seine Mitspieler eindeutiges Zeichen geben kann, was jetzt gleich passieren soll.

2. Standartsituationen sind die einzigen, in denen Superstars mal Platz bekommen.
Auch dies kann man am Besten an Messi festmachen... genauer gesagt an dem Defensivkonzept der Isländer. Die standen immer mit 3 bis 4 Mann um den 5fachen Weltfußballer. Sie konnten dadurch nicht verhindern, dass er alleine häufiger aufs Tor schoss als ihre gesamte Mannschaft. Aber sie konnten verhindern, dass er 3 Tore erzielte. Auch wenn es im Wesentlichen daran lag, dass Messi all seine Fehlschüsse in dieses eine Spiel gepackt hat...
Aber Verteidigen ist halt einfacher als Angreifen. Und selbst die ehemals kleinen Nationen sind halt in der Lage ein stabiles Defensiv-Konzept auf den Rasen zu bringen. Ursprünglich habe ich ja immer behauptet, dass die WM dadurch entschieden wird, wer seinen Superstar am Besten ins Spiel bringt. Man kann das aber auch umdrehen: Es wird derjenige Weltmeister, der die Superstars des Gegners am effektivsten aus dem Spiel nimmt.
Bei Standartsituationen ist dies allerdings praktisch unmöglich. Da muss man mal Abstand halten und dem Superstar den Freiraum zur Entfaltung gewähren.

3. Die Ansetzungen fördern Standartsituationen im Gefährlichen Bereich.
Das Grundkonzept einer Gruppenphase besteht ja immer wieder aus den "Der Favorit, der unbedingt gewinnen muss" gegen den "Außenseiter, der mit einem Unentschieden zufrieden ist" Ansetzungen. Was dazu führt, dass sich eine Mannschaft mit 9 Spielern am eigenen Strafraum verbarrikadiert, während die andere Mannschaft versucht die Lücke im angerührten Beton zu finden.
Und am 2. Spieltag wird daraus dann ein "Die Mannschaft, die nach dem ersten Spiel unter Druck steht" vs "Uns reicht eigentlich ein Unentschieden um so gut wie sicher weiter zu kommen."
Und dieses Spielkonzept führt dazu, dass die Verteidigenden Mannschaft Eckbälle und Freistöße in der eigenen Hälfte abgibt. Und dass man sich bei hohen Bällen in den Strafraum ungeschickt anstellt, was dann zu Elfmetern führt...
Am deutlichsten wurde dies bei dem Elfmeter, der Kroatien gegen Nigeria zugesprochen worden ist... der aus einem Eckball resultierte... Jenseits von Standards verteidigte Nigeria sehr ordentlich. Aber halt immer wieder auf Kosten von ruhenden Bällen.
Spiele von Mannschaften auf Augenhöhe (die nicht von Jose Mourinho betreut wird) laufen halt grundlegend anders ab. Da wird häufiger im Mittelfeld als im letzten Drittel gefoult, weil das Spiel im wesentlichen dort stattfindet. Und aus diesen Standards resultieren dann seltener Tore.

4. Die individuelle Überlegenheit kommt deutlicher zu tragen.
Es ist ja nicht so, dass wir erstaunlich viele erstaunlich kreative Variationen zu sehen bekommen. Im Wesentlichen wird der Ball hoch in den Strafraum (oder im Fall eines Elfmeters hoch auf die Tribüne...) getreten und dann entscheidet sich das Geschehen in Individuellen Zweikämpfen. Also genau die Dinge, die man sonst als Kollektiv vermeiden will, weil man sich zu 5. auf die potenzielle Gefahr stürzt...
Und in diesen Kopfballduellen zeigt sich dann doch die physische Überlegenheit der weiter entwickelten Fußballnationen. Und die mangelnde Koordination bei den Verteidigern. So erzielt Nigeria dann plötzlich ein Eigentor, welches man genau so gut Mario Mandzukic zuschreiben könnte. Beim 2. Tor wussten sich die Nigerianer dann gegen den physisch überlegenen Angreifer nur mit einem Foulspiel zu helfen... welches im Gegensatz zu den Foulspielen an Harry Kane auch wirklich geahndet werden musste.
Es ist den Koraten allerdings nie gelungen Mandzukic aus dem Spiel heraus in die Position zu bringen seine physischen Vorteile im 1 gegen 1 zu nutzen. Was natürlich auch daran lag, dass er  ständig 1vs2 spielen musste...

5. Die Favoriten gehen noch nicht voll ins Risiko.
Es ist halt WM Auftakt. Keiner weiß genau, wo er jetzt steht. Die meisten sind halt auch mit einem Unentschieden zufrieden. Und allen Nationen, die nicht Deutschland heißen, geht es hauptsächlich darum, nicht in Konter zu laufen. Wenn man also nicht die 8 Mann nach vorne schickt, sondern 5 zur Absicherung hinterm Ball lässt, wird es natürlich auch nicht einfacher ein Tor zu erzielen. Die Angreifer versuchen derzeit aus den Hoffnungslosen Situationen einen Freistoß herauszuholen und dann versucht man wirklich mal ein Tor zu erzielen...
Das wird in den nächsten Vorrunden-Spielen, wenn man plötzlich doch mal gewinnen muss, anders werden. Und wenn die Mannschaften wirklich spielen um zu gewinnen... und nicht nur um nicht zu verlieren. Dann wird man auch wieder konsequenter und zielgerichteter angreifen... Anstatt vorne mal zu gucken, was da vorne so geht...

Und ja, diese 5 Punkte werden sich im Verlaufe des Turniers relativieren. Allein schon weil es spätestens ab dem Viertelfinale nicht mehr zum Duell Außenseiter gegen Favorit kommen wird, sondern beide Mannschaften (auch physisch) auf Augenhöhe agieren werden. Und weil jedes Spiel und Training beim Entwickeln von Automatismen hilft. Aber wenn man sich die 5 Punkte so anguckt, verwundert es einem auf ein Mal nicht mehr, dass so viele Tore nach ruhenden Bällen erzielt werden...

Montag, 18. Juni 2018

Mit Poldi wäre das nicht passiert!

Das muss man ihm ja lassen... in genau diesen Spielen hat er immer seine Leistung gebracht und ist vorne weg marschiert... Und genau das hat ja irgendwie gefehlt...

Während der Ruf nach Lukas Podolski natürlich absurd ist... dürfte Thomas Schneider seinen Chef schon darauf hingewiesen haben, dass über Funk ständig der Spruch "Jetzt müsste man Leroy Sane einwechseln" gesendet wurde...

Jetzt muss plötzlich doch Marco Reus ran... der eigentlich für die "wichtigen Spiele" geschont werden sollte... Wobei man an der Stelle festhalten muss: Reus einzuwechseln, obwohl man eigentlich weiß, dass der besser ist als Julian Draxler, ist ja genau das, was ich von den Spaniern verlangt habe... Und die Niederlage wurde nicht durch diese Personalie entschieden... sondern eher dadurch, dass man kollektiv geglaubt hat, dass die wichtigen Spiele erst noch kommen...

Normaler Weise passiert ja unter Löw nach launigen Vorbereitungsspielen immer folgendes: Die Spieler merken, dass es jetzt los geht, spielen seriöser und verteidigen kollektiv und konsequent... Und dann besiegt man auf ein Mal Portugal mit 4:0... Das ist etwas, was bisher immer sehr gut funktioniert hat... dieses Mal aber einfach nicht gelungen ist...
Genau das, worüber jetzt nach dem Auftakt diskutiert wird, wurde halt sonst immer vor den Turnieren geredet... genau das meint Matts Hummels ja, wenn davon redet, dass das noch nicht so ganz gefruchtet hat... 

Das faszinierendste war allerdings die direkte Reaktion der Konkurrenz um den Titel auf das überraschende Ergebnis reagierte. Also Brasilien sagte im Wesentlichen: Wenn die nicht wollen, wollen wir auch nicht. Jetzt setzen sie auf 2 1:0 Siege um dann als Gruppenzweiter den Deutschen aus dem Weg zu gehen. Schon beeindruckend, wie schnell man da auf die neuen Gegebenheiten reagiert hat.
Es wird faszinierend sein, zu erleben, wie die Schweizer und die Brasilianer dann am letzten Spieltag beide krampfhaft versuchen irgendwie Tabellenzweiter zu werden... das wird bestimmt ganz großer Sport... Am Ende könnte die Schweiz dann beide Tore verteidigen, weil sie definitiv keins fangen wollen, sich aber auch nicht leisten können eins zu erzielen... Und ja, so was ist schon mal passiert...

Damit hat nebenbei von den 5 Titelfavoriten mit Frankreich nur einer sein Auftaktspiel gewonnen... und das mit Mühe, Not, Videobeweis und Torlinientechnik... Noch hat sich also keiner so präsentiert, als wenn er den Titel gewinnen will... Am Ende gab es vielleicht doch die geheimen Ansagen der Staatschef, die keinen Bock drauf hatten im Finale neben einem mit den Schultern zuckenden Vladimir Putin zu sitzen... und dann wird plötzlich doch Russland Weltmeister...

Der eigentliche Titelfavorit müsste ja Peru heißen... Also rein von der Spielweise her waren die bisher die besten... das ganz große Problem: Ihnen hat niemand mitgeteilt, dass Arsene Wenger nicht mehr Trainer bei Arsenal London ist und so haben sie ein wunderschönes Bewerbungsvideo für eine von Wenger geleitete Offensive abgeliefert... Inklusive überflüssigen Querpässen... und als Bonus Gratis Feature einen "Kick it like Beckham" Elfmeter... Großer Sport. Nur leider nicht zielführend... Und ja, wenn Yussuf Poulsen effektiver Auftritt als deine Offensivabteilung hast du ein verdammtes Problem...

Samstag, 16. Juni 2018

Worst of des "Da lässt die Euphorie doch nach" Freitages

Also zumindest so ein bisschen... wenn sowohl der iranische, als aus der ägyptische Angreifer Probleme damit hat, mit einem Ball am Fuß geradeaus zu laufen... denkt man sich schon: Darauf habe ich jetzt 4 Jahre lange gewartet? Oder wenn Uruguays hervorragend besetzte Offensive so gar keinen Esprit zeigt und sich Luiz Suarez für den Titel "Gomez der Woche" bewirbt...
Mein Persönliches Highlight war ja Bela Rethy (der fängt ja erst heute an... aber wer die Kommentatoren des öffentlich rechtlichen auseinander halten kann, übertreibt es definitiv)... oder , der vor dem Spiel Marokko - Iran erklärte, dass alles angerichtet sei für ein gutes Fußballspiel... also abgesehen von 2 vernünftigen Mannschaften, die das Spiel auch beherrschen, aber das konnte er so natürlich nicht sagen...
Das einzige, was in diesem Spiel mit hohem Tempo passierte, waren die Fallschulungen beider Mannschaften... Rethy meinte ja hinterher, dass man in der Zusammenfassung 15 Minuten lang "Intensive Zweikämpfe" zeigen könnte... oder 15 Minuten lang Spieler, die sich unmotiviert über den Rasen rollen... Arbeitstitel "Das ist eine Liegewiese!"

Und im Gegensatz zu dem Bezirksliga-Spiel gestern gab es sogar am Abend noch das eine Spiel, in dem wirklich jedem bewusst wurde, wie grausam das war, was er da vorher gesehen hat. Denn der Unterschied zwischen Spanien - Portugal und dem Rest war schon eklatant.

Auch wenn absurder Weise die afrikanischen Torhüter klasse Paraden zeigten... während David de Gea einen Antrag auf die englische Staatsbürgerschaft stellte... Früher lief das immer anders herum... da sorgten die Torhüter der "Kleinen" für die Unterhaltungsmomente... Und die Weltklassekeeper für den Turniersieg... Früher war halt alles besser...

Natürlich gehört so was auch zu einer WM. Denn es geht ja nicht darum guten Fußball zu sehen sondern ein Fest der Völkerverständigung zu erleben... in dem halt der Verteidiger Marokkos das Siegtor für den Iran erzielt... Und wo dann alle 4 Stunden mal was wirklich großartiges passiert... natürlich immer in genau dem Moment, wo man selber Bier holen ist...
Aber das liegt ja irgendwie auch an euch... wenn ihr häufiger Bier holen würdet, würde auch mehr passieren... Denn natürlich weiß der russische Geheimdienst, wann ihr Bier holt und gibt immer genau dann das "Go"...

Und weil das ganze "so schön" ist, gibt es heute die volle Hardcore Dosis von 12 bis 23 Uhr. 4 WM Spiele in Folge... 4 Spiele, die man sich unter normalen Umständen auf keinen Fall angucken würde. Aber weil Sommerpause ist...

Aber hey, sie haben es wirklich geschafft, dass Frankreich - Australien am relevanten Ort zur Primetime ausgestrahlt wird... das haben sie mittlerweile echt drauf. Ist doch schön... Dumm für die Franzosen, dass der "relevante Ort" nicht Paris sondern Sidney ist...

Danach wird einem bewusst, dass Argentinien - Island das Spitzenspiel des Tages ist... Euphorie!!! Und spätestens der Neutrale Zuschauer, der nur einschaltet, weil WM ist... wird sich danach bei Peru - Dänemark und Kroatien - Nigeria fragen, ob er dafür wirklich GEZ Gebühren bezahlt hat...

Freitag, 15. Juni 2018

Wie wichtig ist eigentlich ein Trainer?

So viel zum Worst of - Vorschau - Plan... hat ja lange gehalten... aber arbeiten wird das kurz ab:
Was macht eigentlich euer "Ach, ich trinke nur ein Bier pro Tor während der WM, dann wird das schon nicht so schlimm werden" Plan? Meiner ist gut unterwegs...

Und wenn der Typ da noch relevant wäre, gäbe es jetzt ein "Boycott Robbie Williams" Movement... Inklusive T-Shirts... wird nicht passieren...

Jetzt also zur eigentlichen Frage (und hey, Spanien spielt ja auch...): Wie wichtig ist jetzt eigentlich so ein Trainer für einen WM-Teilnehmer... also weil die jetzt so tun, als würde der Julen Lopeteguis Abgang Spanien die WM kosten... Und alle Journalisten sind froh, weil sie wissen wie man Fernando Hierro ausspricht und schreibt...

Aber kostet der Trainerwechsel jetzt wirklich den WM Titel? Oder sollte Spanien nicht gerade von dem "Dead Coach Bounce" profitieren und deswegen Weltmeister werden?

Das faszinierende ist ja: Eine WM wird immer noch im Wesentlichen durchs Talent auf dem Platz entschieden. Als Trainer hast du einfach nur die Aufgabe, die 11 talentiertesten motiviert auf den Rasen zu bringen. Und sie dann noch grob in die richtige Richtung laufen zu lassen... Die ganze Detailarbeit, die einen Trainerposten eigentlich ausmacht (so was wie koordiniertes Verschieben und aggressives Gegenpressing) spielt dagegen eher eine Untergeordnete Rolle. Das ist ja auch der Grund, warum selbst Spanien gegen Deutschland in einem WM Finale nie das Niveau von Real Madrid gegen Bayern München in einem Champions League Halbfinale erreicht. Weil sich auf das eine Spiel wirklich 9 Monate lang vorbereitet wird auf das andere nicht mal 9 Wochen.

Nur um das mal zu verdeutlichen: Jürgen Klinsmann galt zwischenzeitlich als großartiger Trainer. Weil er es geschafft hat seinen "Erfolg" (Deutschland landete halt wie immer im Halbfinale, welch Sensation...) bei der Heim-WM bestmöglich zu verkaufen. Und danach hat er dann nochmal ein ordentliches Turnier mit den Amis abgeliefert. Inzwischen haben selbst die gemerkt, dass er ein ziemlicher Vollpfosten ist. Aber Klinsis Ruf war selbst nach dem Desaster Bayern München immer noch so gut, dass er von US Verband verlangen konnte, was er dringend brauchte... Wobei nur das Scheitern beim Rekordmeister den Amis überhaupt die Möglichkeit gab mit ihm zu verhandeln. Denn vorher war der in anderen Sphären unterwegs...

All das auf Grund einer emotional erfolgreichen WM... Und mittlerweile muss man eigentlich behaupten, dass man trotz und nicht wegen Klinsi Dritter wurde. Denn die dringend benötigten Taktischen Änderungen kamen von Michael Ballack... Und noch im März nach ner Klatsche in Italien wurde die Ablösung des Trainers gefordert...

Ein weiteres hier sehr beliebter Beispiel ist Jogi Löw. Der wohl einzige WM Trainer, der mit klarer Spielphilosophie und komplexen Systemen ins Turnier geht... Der halt nicht einfach nur die 11 besten aufstellen will, sondern unbedingt einen Shkodran Mustafi finden und einbauen muss, auch wenn einem das den Titel kosten könnte... und ja, wenn sich Mustafi nicht ohne Gegnereinwirkung verletzt hätte...
Oder der vor einem Halbfinale gegen Italien mit neuer Strategie und Grundordnung kommt... und daran dann scheitert... ist alles passiert, wird nur gerne ignoriert...
Also selbst der Visionär unter den Nationaltrainern... könnte bei genauerer Betrachtung eher Titelgewinne verhindern als fördern...
Was nicht mal direkt gegen Jogi Löw geht, sondern ein allgemeines Problem bei einer WM ist: Solange du keinen komplett Blinden auf der Bank hast, wird das nicht die WM entscheiden... es sei denn dein Trainer ist zu ambitioniert. Und die besten WM Trainer sind diejenigen, die ihre Spieler einfach machen lassen.

Wenn Fernando Hierro (um den Bogen zu schlagen) sich jetzt mit der Arbeit seines Vorgängers (die ja voll in Ordnung war... so gut das Real Madrid ihn haben wollte) beschäftigt und sein Team genau so aufstellt wie vorher, wird die Auswirkung des Trainerwechsels erstaunlich gering ausfallen. Natürlich muss er es dafür schaffen die Mannschaft emotional mitzureißen...

Ungelogen, meine erste Reaktion auf die Nachricht war: Vielleicht schafft es Hierro ja, Andres Iniesta in der 55. Minute einzuwechseln. Denn ich bin weiterhin davon überzeugt, dass dies der eigentliche Schlüssel für einen WM Titel der Spanier wäre. Denn die effizienteste Variante sein Talent konsequent und für mögliche 120 Minuten auf den Rasen zu bringen wäre: Thiago anfangen lassen, den Gegner müde spielen und dann den graumelierten alten Herren zu bringen um das Spiel zu entscheiden. Solche Personalentscheidungen sind am Ende wichtiger als die Frage, ob man sich perfekt verschiebt.

Donnerstag, 14. Juni 2018

Vorschau auf die WM Gruppe H

Gerade noch rechtzeitig, bevor es das schlechteste Eröffnungsspiel aller Zeiten geben wird... also rein von der Besetzung her...

Als ich vor einigen Tagen die "Fifa reformiert die Weltrangliste" Schlagzeile gelesen habe, dachte ich mir nur: Wer braucht das Ding eigentlich. Das ist doch echt egal... habt ihr nichts wichtigeres zu reformieren... Da hatte ich mir allerdings noch nicht die Gruppe H angeguckt...

Schließlich... haben die Polen es irgendwie geschafft in der Fifa Rangliste an Spanien vorbeizuziehen und diese in Lostopf II zu vertreiben... Wahrscheinlich weil sie bei der ominösen Gurken-EM vor 2 Jahren ins Viertelfinale eingezogen sind und die Spanier nicht... Das dürfte jedenfalls das erste Mal seit 1982 gewesen sein, dass die Polen erfolgreicher waren als die Spanier... Wie haben sie es also geschafft sich in Lostopf 1 zu mogeln? Ganz einfach: Die Polen verzichteten auf Testspiele... Ganz bewusst für ein komplettes Jahr. Die Spanier versuchten dagegen sich mit 7 Testspielen, die ihre Ranglistenwertung nach unten zog, einzuspielen...
Irgendwo sitzt Karl-Heinz Rummenigge und freut sich, dass Testspiele absagen die sinnvollste WM Vorbereitung ist... DAVON redet er doch schon seit Jahren...

Das Ergebnis? Eine wirklich unterhaltsame Gruppe. Sie wird auf jeden Fall spannender werden als alle anderen. Denn selbst für die Polen als Gruppenkopf ist alles von Platz 1 bis 4 drin... Die Japaner werden grundlegend minimal schlechter eingeschätzt als der Rest, die anderen 3 sind auf Augenhöhe. Und im Achtelfinale geht es für eines der Teams dann gegen Belgien und England, die wie gestern erwähnt meine Topfavoriten auf "die Turnierenttäuschung" (Aka der Geh-Heim-Tipp) sind... könnten auf ein Mal 2 Teams aus dieser Gruppe ins Viertelfinale kommen... da muss man sich dann plötzlich doch mit beschäftigen...

Im Wesentlichen ist dies auch die Gruppe der Superstars. Wodurch einen auch die Abstufung von Japan bewusst wird. Es ist im Wesentlichen Robert Lewandowski vs Sadio Mane vs James vs Shinji Kagawa... wenn die alle in einem Team spielen würden, hätten wir eine Top 3 Offensive... Und Kagawa, damit das alles auch schön hektisch aussieht.
Und natürlich hat man auch drum herum interessante Spieler. Aber im Wesentlichen ist alles auf diese 3 ausgerichtet. Und wer von denen am besten abliefert, kommt ins Viertelfinale...
Und theoretisch gesehen besteht ja 90% der WM Vorschau aus einem "Welcher Superstar liefert ab?"... aber normalerweise hofft der dann, dass er sein Team alleine auf Platz 2 tragen kann und keiner ist wirklich enttäuscht, wenn es nicht funktioniert, weil man sich mit besser besetzten Gegner auseinandersetzen muss... man schlage hierfür die Dänemark Vorschau nach... Dass 3 Stars aber untereinander auswürfeln, wer Gruppensieger wird, ist schon ungewöhnlich... Und einer der 3 wird mindestens nach dem Turnier in seiner Heimat scharf kritisiert werden...