Sonntag, 13. August 2023

Best of des WM Viertelfinales

 That was pretty good.

Also das war jetzt genau der Punkt des Turniers, wo gleichstarke Gegnerinnen aufeinander treffen. Und die Spiele waren alle verdammt eng. 

Die Schwedinnen waren die einzigen, die zwischenzeitlich eine 2-Tore-Führung hatten. Und die brauchten 3 Aluminiumtreffer in 10 Minuten, um diesen Vorsprung zu halten. Also um mal zu verdeutlichen, wie eng diese Spiele waren: Der Schuss von Kiko Seike sprang an die Latte, dann an den Rücken von Zecira Musovic, von dort an den Pfosten und dann nicht ins Tor... sondern er kullert durch den 5 Meter Raum an 5 Schwedinnen vorbei, die sich nicht trauten den Ball irgendwie zu berühren, weil man ihn ja ins Tor stolpern könnte. Offiziell gilt das als "Parade" der Torhüterin...

Spanien gegen die Niederlande war vor allem deswegen beeindruckend, weil beide Mannschaften definitiv nicht ins Elfmeterschießen wollten. Lineth Beerensteyn vergibt die Riesenchance zur Führung, als sie relativ frei im Strafraum zum Abschluss kommt. Davon konnte man aber nicht mal die Wiederholung zeigen, weil die 19-jährige Salma im direkten Gegenzug mit einem überragenden Abschluss die Führung erzielt. Damit hat sie sich auch endgültig in diesem Turnier angemeldet, denn der Name fehlte bewusst bei meinem All Youngstar Team, weil sie halt bisher trotz genügend Spielzeit auf keine einzige Torbeteiligung kommt.
Salma wurde nebenbei vor der 2-maligen Weltfußballerin Alexia Putellas eingewechselt, was auch einfach mal ein Statement des Trainers ist. Und klar, Alexia kommt von einer schlimmen Knieverletzung und ist nicht bei 100 %, trotzdem hätte sich ein Vlatko Andonosvksi nie getraut.

Dieses spannende Ende ließ seinem das Drama um Stefanie van der Gragt fast vergessen. Die verursachte in ihrem offiziell letzten Spiel mit einem kompletten Blackout einen völlig unnötigen Elfmeter. Also eines dieser Handspiele, bei denen man hinterher nicht mal protestiert, weil es so dumm war. Und dann geht sie in der Schlussphase in die Spitze und erzielt in der 91. Minute mit einem strammen und platzierte, Lauren James-esquen Abschluss den Ausgleich. Nur um dann in der Pause der Verlängerung ausgewechselt zu werden.

Nur um dieses Detail auch nochmal festhalten: Das Spiel dauerte Ewigkeiten. Es war das vielleicht längste offizielle Fußballspiel aller Zeiten, weil es 16 Minuten Nachspielzeit nach 90 Minuten gab... und dann nochmal 4 Minuten für die beiden Verlängerungen. Das sind dann 140 Minuten. Und trotzdem nutzte Andries Jonkers die offizielle Pause, um zu wechseln und das Spiel zu beeinflussen... anstatt einfach nur zu wechseln, um das Spiel zu unterbrechen und allen eine weitere Pause zu gönnen.
Und beide Trainer gingen mit dieser Haltung in die Verlängerung. So was geht. Das sollte jemand einem Gareth Southgate verraten.

Die Spanierinnen sind nebenbei im absoluten Arsenal-Modus unterwegs. Also wenn man mit Arsène Wengers Team aufgewachsen ist, muss man die lieben. Das fing schon in der Gruppenphase gegen Japan an. Dort hatte man 77 % Ballbesitz und spielte 894 zu 265 Pässe. Mit einer Passquote von 87 %. Die Japanerinnen waren nur auf 60 %. Die schossen auch "nur" 5-mal aufs Tor... aber gewannen 4:0. Bei so einer Überlegenheit so abgeschossen zu werden, Arsène Wenger wäre stolz auf euch.

Im Achtelfinale war man von Anfang an drückend überlegen. Die Schweizerinnen kamen in der Anfangsphase nicht mal aus der eigenen Hälfte... trotzdem stand es zwischenzeitlich 1:1, weil man sich ein absurdes Eigentor einschenkte, um sich selbst das Leben möglichst schwer zu machen.

Jetzt war man gegen die Niederlande wieder brutal überlegen, spielte aber den Ball im 5 Meter Raum lieber auf die im Abseits stehende Kollegin ab, anstatt selber das Tor zu erzielen. Und bewegte sich kollektiv im Gomez der Woche Modus. Ohne den absurden Elfmeter wären die nie in Führung gegangen. Den Elfmeter schießt man natürlich für den Nervenkitzel an den Innenpfosten.
Dann läuft man in der 86. Minute plötzlich in einen Konter... bei eigener Führung steht man hinten in Unterzahl. Wie schafft man so was? Und natürlich spielt man in der 91. Minute auf Abseits, obwohl der Wenger doch abschaffen wollte, dass man in solchen Momenten überhaupt auf Abseits spielen kann.

Kolumbien ging als Außenseiter gegen England überraschend in Führung, weil Torhüterin Mary Earps kurzzeitig ihre beste David Seaman Imitation präsentiert. Alessia Russo gleicht aus, weil Catalina Perez als neu Bremerin ihr Version von der Tim Wiese Rolle auf den Rasen bringt. Und am Ende erzielen überlegene Engländerinnen doch noch das 2:1 und ziehen relativ souverän ins Halbfinale ein.

Australien - Frankreich schaffte es irgendwie Torlos ins Elfmeterschießen zu gehen. Was im Wesentlichen an den richtig guten Torhüterinnen lag... und daran, dass Mary Fowler das leere Tor nicht traf. Hervé Renard toppte alle bescheuerten Trainer, in dem er in der 123. Minute nicht nur Eve Perisset als angeblich sichere Schützin bringt, sondern mit Solene Durand auch noch eine frische Torhüterin. Der letzte Move wäre als Geniestreich in die Geschichte eingegangen, weil 2 Elfmeter halten konnte und ihr bei einem dritten der Pfosten half. Nur scheiterte die extra fürs Elfmeterschießen eingewechselte Perisset zur allgemeinen Überraschung des Trainers an Mackenzie Arnold... die diese Parade postwendend mit einem Pfostentreffer feierte.

Weil das nicht genug Drama war, musste der Elfmeter von Kenza Dali nach einer weiteren Parade wiederholt werden, weil Arnold die Linie zu früh verlassen hat. Die Regeln für die Torhüter*innen sind halt mittlerweile so brutal und sollen ja noch schlimmer werden. Aber Arnold hielt einfach die erneute Ausführung ebenfalls. Nur damit Clare Hunt die nächste Gelegenheit auf die Entscheidung liegen ließ.

Am Ende waren es 21 Elfmeter und ein Pfostenschuss der 19-jährigen Vicki Becho, die das Spiel entschieden. Becho schoss de facto den souveränsten Elfmeter von allen, die Torhüterin hätte da nicht mal eine Chance gehabt, wäre sie in die richtige Ecke gesprungen... Aber sie zielte halt 5 cm zu weit nach links. So brutal kann der Fußball sein.

Mittwoch, 9. August 2023

Die große "Next Gen Tech" Demo

 Also falls jemand eine passende Überschrift für die gerade laufende WM braucht: Hier wird im übertragenden Sinne der Übergang von Xbox One zu XBox S getestet. Und klar, es gibt noch einige Xbox One Spiele, die mithalten können, aber im Wesentlichen wird jedem klar, was für ein großes Versprechen die nächste Generation mitbringt.

Ernsthaft, ich kann mich an kein Turnier erinnern, in dem man die gesamte Elf des Turniers mit U23 Spielerinnen zusammenstellen könnte. Amanda Ilestedt als Innenverteidigerin mit 3 Turniertoren im Alter von 30 Jahren das verhindern wird... Und Rebecca Spencer mit ihrem einem kassierten Gegentor. Aber vielleicht hält Daphne van Domselaar ja noch 3 Elfmeter im Finale und zieht an der Jamaikanerin vorbei. Die bestätigt ihre starken Leistungen von der EM, wo sie noch als Ersatz für die verletzte Stammkeeperin einspringen musste, souverän.

In der Innenverteidigung nominieren wir als erstes Oluwatoson Demehin. Eigentlich gingen alle davon aus, dass die 40-jährige Onome Ebi auflaufen würde, aber der Trainer entschied sich für eine Spielerin, die deren Tochter sein könnte... und brachte Ebi nur in den Schlussphasen, wenn es darum ging, das Ergebnis zu halten.

Neben ihr spielt die einzige Amerikanerin, die nicht enttäuschte: Naomi Girma gab die souveräne Abwehrchefin. Wenn die nicht viele Bälle abgelaufen hätte, wäre das alles noch viel schlimmer ausgegangen.

Abgerundet wird die potenzielle Dreierkette mit Tabita Joseph aus Haiti. Oder mit Nesryne El Chad, die die wackelige Defensive Marokkos für 180 Minuten in ein Bollwerk verwandelte. Falls wir es uns überhaupt leisten können, mit einer Viererkette zu spielen.

Linksaußen streiten sich Kathrine Kühl und Esme Brugts. Der Zuschlag geht nicht nur wegen der 2 Tore gegen Vietnam von Brugts an die Niederlande, sondern vor allem, weil sie davor Trinity Rodman neutralisierte. Oder wir bringen Jun Endo, schließlich kann man die Japanerinnen nicht ganz außen vor lassen.

Im Defensiven Mittelfeld ist Kyra Cooney-Cross die beste Spielerin, über die laut ESPN niemand redet. Die Expertinnen können sich das Team jetzt schon nicht mehr ohne sie vorstellen und die ist erst 21. Oh und auch wenn sie in der Vorrunde ausgeschieden ist: Lena Oberdorf ist immer noch viel zu gut für ihr Alter. Oder ich nominiere Teresa Abelleira, die das viertbeste Softscore Rating des Turniers hat

Rechts steht Aoba Fujino als 19-Jährige bei den bisher überragenden Japanerinnen in 3 von 4 Spielen in der Startelf und kommt auf 1 Tor und 2 Vorlagen.

Jetzt müsste ich eigentlich noch Platz für Emma Snerle und Kika finden. Kika hat mit ihren 20 Jahren schon 30 Länderspiele auf dem Buckel und wurde 4 Mal Meister in Portugal. Casey Parks ist die jüngste WM Spielerin aller Zeiten und stand gegen Deutschland in der Startelf. Ary Borges war die eine gute Brasilianerin und ist auch erst 23. Die ist die einzige auf dieser Liste, die nicht in diesem Jahrtausend geboren wurde. Aber der Platz im zentralen offensiven Mittelfeld muss halt an Lauren James gehen, die vor ihrem Platzverweis auf dem besten Weg zur Topscorerin war. Die designierte beste Spielerin dieses Turniers.

Den Sturm basteln wir uns aus Sophia Smith, die es schaffte 2 Turniertore zu erzielen und trotzdem zu enttäuschen, Mary Fowler, die die Führung gegen Dänemark mit einem überragenden Pass einleitete und Linda Caicedo, deren Tor gegen Deutschland jeder gesehen haben sollte. 

Wenn man jetzt bedenkt, wer alles noch nicht mal erwähnt wurde, weil wir hier jetzt "nur" die 20 besten erwähnt haben. Und das sind ja auch keine klassischen Talente oder Ergänzungsspielerinnen. Das sind in vielen Fällen die Schlüsselspielerinnen. Mit diesem Kader würde man um den Titel mitspielen. Und wenn man die spielen sieht, können die einfach einige Dinge, die man im Frauenfußball so noch nicht gesehen hat. Also ganz konkret kann man das an den Torabschlüssen von Lauren James festmachen: So scharf, so platziert, so gelassen, das ist halt ein neues Level.

Ich mache das mal praktisch an einem Namen fest, der noch nicht gefallen ist: Jule Brand. Die ist mit 1,77 m größer als das Kopfballungeheuer Alex Popp, aber genauso wendig und trickreich wie die 13 cm kleinere Lina Magull. Die hat also alle Voraussetzungen, um zur kompletten Symbiose von beiden zu werden. 

Nun ist das an sich nichts Ungewöhnliches. Also auch bei den Herren gibt es immer wieder das Upgrade zur letzten Playstation Generation. Ich erinnere mich noch, wie ich das erste Mal einem Lionel Messi beim Spielen zusehen durfte und sofort dachte: Was der macht, ist nicht normal. Aber er wird das jetzt 15 Jahre lang machen. Zuletzt hatte ich das Gefühl bei Kylian Mbappé. Der Unterschied ist halt, dass einem diese Weiterentwicklung nicht mehr im Sommer wahrnimmt, sondern vorher in der Champions League.
Da fällt einem dann auf, wie die Damen in den Vereinsmannschaften immer noch weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen. Das macht die Turniere spannender, weil man halt die Namen und Möglichkeiten nicht schon vorher erkannt hat, aber verdeutlicht halt auch, wofür die Damen die ganze Zeit kämpfen: Dass ihnen halt nicht nur alle 2 Jahre zugeguckt wird.

Diese Fortschritte sind aber auch rein logisch zu erklären, denn man sieht halt die extremen Fortschritte im Scouting und in der "Frühentwicklung". Also eine Casey Phair spielt halt in der "Player Development Academy" in New Jersey und trotzdem haben die Südkoreanischen Verantwortlichen sie auf dem Schirm und nominieren sie für die WM. Vor 4 Jahren hätten selbst die eigenen Scouts diesen Namen nicht gekannt.

An 2 weiteren Namen, die noch nicht mal gefallen sind, kann man die Frühausbildung schön verdeutlichen: Alyssa und Gisele Thompson. Gisele müsst ihr auch wirklich noch nicht gehört haben, ich mache mir selber gerade Sorgen, was Google daraus macht, dass ich gerade die 2. 16-Jährige innerhalb von 5 Minuten gegoogled habe. Aber die beiden haben jetzt schon einen großen Deal mit Nike abgeschlossen. Während eine Megan Rapinoe gegen diese Ungewissheit, ob das mit dem Profi werden überhaupt was werden kann, ankämpfen musste, haben diese beiden schon jetzt die Absicherung, dass sie voll auf die Karte Fußball setzen können.

All diese jungen Spielerinnen führen aber auch zu einem ganz eigenen Narrativ. Denn es steht ja jetzt schon quasi fest, dass die Mannschaft die Trophäe in die Höhe stemmt, die die perfekte Symbiose aus den alten Koryphäen und den aufstrebenden Talenten schafft. Der den jungen Spielerinnen einerseits ein stabiles Umfeld zur Verfügung stellt, sie andererseits auch von der Leine lässt.

Wer aber im Zweifelsfall nicht auf die Jugend setzt, scheidet halt auch aus. Brasilien hat das halt nicht geschafft, als man im letzten Spiel alles auf Marta setzte. Die USA brachten lieber Rapinoe als Thompson und sind auch schon im Urlaub.

Oder... Schweden wird eiskalt Weltmeister und stellt die ganze These auf den Kopf. Die Schwedinnen kommen als einzige Mannschaft im Turnier nur mit einer Spielerin, die in diesem Jahrtausend geboren wurde: Hanna Bennison. Und die bringen sie nur als Einwechselspielerin.

Dienstag, 8. August 2023

Worst of des "fast normalen" Achtelfinales

 Die Achtelfinale sind irgendwie die seltsamste Runde in so einem Turnier. Theoretisch trennt sich ja vorher die Spreu vom Weizen. Praktisch passiert dies aber erste in dieser Runde. Also klar, die ganz großen Enttäuschungen wurden in der Vorrunde ausgesiebt. Und die eine oder andere Überraschung nimmt an dieser Runde teil. Aber in 7 von 8 Spielen in dieser Runde setzt sich dann doch wieder der Favorit durch. Dieses Mal ist es wahrscheinlich sogar 8 von 8, denn Kolumbien war ja der Favorit gegen Jamaika. Und Schweden gegen die USA war das Duell Weltranglistendritte gegen die Ersten. Da kann man schlecht von einer Überraschung reden, gerade weil die Schwedinnen haben die USA schon bei Olympia rausgeworfen haben.

Die 3 Mannschaften aus Afrika sind jedenfalls kollektiv ausgeschieden. Die Schweiz war so chancenlos, dass die Spanierinnen das Eigentor von Bernadetta Orsi nachstellen konnten und trotzdem einen ungefährdeten Sieg einfuhren. Das ist total unfair, weil es Orsi das Alleinstellungsmerkmal nimmt.

Lauren James gönnte sich als designierte Spielerin des Turniers ihren Wayne Rooney oder David Beckham Moment und flog wegen einer völlig unmotivierten Tätlichkeit vom Platz. England musste auch deswegen ins Elfmeterschießen... aber am Ende kam England trotzdem weiter.

Kolumbien gegen Jamaika sah genau so aus, wie ein Spiel zweier Mannschaften, die sich darauf spezialisieren den Gegner zu stören, halt aussieht. Aber Catalina Usme hatte diesen einen technisch perfekten Moment, der ihr das Alleinstellungsmerkmal als "Rebecca Spencer Bezwingerin" gibt und das reichte halt.

Marokko verfiel zurück in ihre Form aus dem Deutschland-Spiel und war komplett chancenlos. Australien wechselte Samantha Kerr als "Human Victory Cigar" ein... ich meinte, verdeutlichte dem Rest der Welt, dass man diesen Joker noch in der Hinterhand hat und trotzdem im Viertelfinale ist. Auch wenn ganz Australien kollektiv die Luft angehalten hat, als Kerr kurz zu Boden ging und sich an die Wade fasste.

Und jetzt haben wir halt genau die Viertelfinalspiele, die nach der "Auslosung" erwartbar waren. Die einzige "Überraschung" war halt, dass die US-Ladys nicht den Gang hochschalten konnten und die Inkompetenz ihres Trainers nicht ausgleichen konnten.

Also um das nochmal direkt festzuhalten: Die letzte Amtshandlung von Vlatko Andonovski war ein Doppelwechsel in der 118. Minute. Gareth Southgate Modus aktiviert. Und natürlich verschießt die eingewechselte Kelley O'Hara... als siebte Schützin. Warte was? Andonovski hat seinen Wechsel bis zum allerletzten Moment aufgespart, um jemanden einzuwechseln, die dann noch nicht mal als Schützin vorgesehen war? Die nach der Torhüterin Alyssa Naeher antrat?
Oh und natürlich brachte er Megan Rapinoe, anstatt Alyssa Thompson einzuwechseln. Alter vor Talent, oder so. Rapinoe bewies zum dritten Mal, dass sie nicht mehr in der Lage ist, ein Spiel auf diesem Niveau positiv zu beeinflussen. Also ja, DIE hätte man fürs Elfmeterschießen bringen können, weil sie ja noch nie verschossen hat.

Natürlich schießt sie dann mit ihrer letzten Aktion am Tor vorbei, um ihr beschissenes Turnier abzurunden. Was natürlich auch zu völlig idiotischen Reaktionen im Netz führte: "Weniger Aktivismus, mehr Fußball?"  Also gerade an der Stelle ist das ein logischer Fehlschuss vom Elfmeterpunkt: Die Amerikanerinnen brauchen offensichtlich mehr Aktivismus, um auf dem Platz zu funktionieren. Als sie gegen ihren eigenen Verband klagten und um gleiche Bezahlung kämpften, waren sie unschlagbar. Als Rapinoe ihre persönliche Fehde gegen Donald Trump führte, war sie die beste Spielerin der Welt. Jetzt mit einem fairen Gehaltscheck in der Tasche und Joe Biden im Oval Office geht plötzlich gar nichts mehr. Jetzt wissen wir, was dabei rauskommt, wenn die sich nur auf den Sport konzentrieren... Nichts.

Faszinierender Weise hat Torhüterin Zecira Musovic, so gut sie während der 120 Minuten war, keinen einzigen Elfmeter gehalten. Die Amerikanerinnen versuchten den wichtigsten Spieler des letzten Gruppenspieles angemessen zu würdigen... und zielten damit konsequent Richtung rechter Pfosten. Sophia Smith und Rapinoe wollten es zu schön machen und zielten aufs Lattenkreuz. Aber O'Hara's Ball küsste die Stelle, die die Amerikanerinnen im dritten Gruppenspiel gerettet hat. Sobald das erledigt war, wollten die Amerikanerinnen richtig antreten...

Und das hätte ja auch fast funktioniert, schließlich hielt Alyssa Naeher den Elfmeter von Hurtig mit einer Hand... und sprang sofort auf, um zu verhindern, dass der Drall den Ball hinter die Linie bringt. Wenn sie die USA so im Turnier hält, ist das die Parade des Jahres. Absurderweise guckt selbst Schiedsrichterin Stephanie Frappart verwirrt, obwohl die Torlinientechnologie ihr ja sofort das Signal auf die Uhr geben muss. Selbst die ist sich unsicher, ob sie die Amis jetzt aus dem Turnier hauen kann... bis ihr bewusst wurde, dass sie keine andere Wahl haben wird, weil dieses Bild hinterher um die Welt gehen wird. Und da sieht man halt, dass der Ball ungefähr einen Millimeter über der Linie ist.

Freitag, 4. August 2023

Die "Wir haben den Urlaub schon gebucht" Elf

 Was macht man nicht alles, im Sinne der Gleichberechtigung. Also wo der Postillion mich über den Gender-Häme-Gap informiert hat, ist es natürlich richtig und wichtig, dass auch die Frauen die erste offizielle "Wir haben den Urlaub schon gebucht"-Elf bekommen.

Hier werden nun die Spielerinnen nominiert, deren Leistungen sich am ehesten dadurch erklären lassen, dass sie den Rest des Augusts lieber im sonnigen Nimbin als im verregneten Sydney verbringen. Nimbin soll ja auch sehr schön sein... obwohl es dort den ersten medizinisch nachgewiesenen Haschisch-Toten gab.

Young-Geul Yoon

Mengwen Li - Benadetta Orsi - Vanessa Gilles - Ruthny Mathurin

Rose Lavelle -Sara Däbritz - Lina Magull

Marta - Christine Sinclair - Megan Rapinoe

Einzelkritik:

Young-Geul Yoon - Südkorea: Kurz bevor sie den harmlosen Schuss von Linda Caicedo zum 2:0 durchwinkte, erwähnte der Kommentator, dass sie unbedingt nach England will. Da dachte ich dann sofort: dafür imitiert sie dann auch direkt einen englischen Nationaltorwart. Genial. Das eigentlich wichtige: Das war der einzige wirklich krasse Patzer einer Torhüterin bei dieser WM. Da sieht man auch, was sich im Frauenfußball alles so tut. Dummerweise reicht dann auch ein Patzer, obwohl sie später im Turnier gegen Popp großartig parierte und Deutschlands aus mitbesiegelte...

Mengwen Li - China: Ok, ich muss zugeben, dass es super schwierig ist, Verteidigerinnen zu nominieren. Oder allgemein Defensivspielerinnen. Es gibt halt immer noch keine Kicker-Noten, an denen man sich orientieren kann. Also außer, wenn Deutschland spielt. Jetzt kann ich die Sofascore Seite nehmen und einfach die am schlechtesten bewerteten Spielerinnen nehmen, aber das erscheint auch ein wenig unfair. Vor allem war Mengwen Li laut dieser Statistik eine der besten Chinesinnen. Am Ende gewinnt der Pragmatismus: Ich muss eine chinesische Verteidigerin für das 1:6 Debakel gegen England nominieren und ich entscheide mich für die Dame, die bei Paris St. Germain unter Vertrag steht.

Benadetta Orsi - Italien: Was natürlich nicht bedeutet, dass sie am schlechtesten bewertete Spielerin hier nicht trotzdem auftaucht. Aber nur, weil ich sie wegen des katastrophalen Eigentores zum 1:1 gegen Südafrika eh auf dem Schirm hatte. So kann man eine Wende im Spiel auch einleiten. Realistisch gesehen wird das die einzige Szene dieser Frau sein, die wir jemals gesehen haben werden... aber immerhin haben wir sie gesehen.

Vanessa Gilles - Kanada: Ich hätte hier auch ihre Kollegin Kadeisha Buchanan nominieren können, die beiden nehmen sich wenig. Vielleicht wäre es sogar fairer gewesen, die alten Veteraninnen von Olympique Lyon und Chelsea WFC der jungen Italienerin vorzuziehen. Die andere der beiden sitzt definitiv auf der Ersatzbank. Beide müssen als Innenverteidigerin halt das 0:4 gegen Australien verantworten. Und damit auch das Vorrundenaus der Olympiasiegerinnen.

Ruthny Mathurin - Haiti: Eigentlich wollte ich ja keine Spielerinnen der "kleinen Nationen" nominieren. Aber wenn jemand trotz Überzahl in der Schlussphase einen Elfmeter verursacht und damit das Ausscheiden seiner Mannschaft besiegelt, kommt man halt nicht dran vorbei. 

Rose Lavelle - USA: Lavelle war ja quasi die personifizierte Hoffnung vor dem 3. Gruppenspiel, dass bei den Amerikanerinnen vielleicht doch alles gut wird. Mit ihrer Hereinnahme gegen die Niederlande ging schon ein Ruck durch die Mannschaft. Im dritten Spiel sollte sie endlich wieder fit genug für die Startelf sein... und dann holt sie sich direkt ihre 2. Gelbe Karte im 2. Spiel ab. Da hat jemand anscheinend keinen Bock auf ein schwieriges Achtelfinale.

Sara Däbritz und Lina Magull - Deutschland: Das Ganze ist ganz einfach erklärt: Dass Deutschland nur die eine Waffe in der Offensive hatte, lag im Wesentlichen daran, dass diese beiden Spielerinnen nie ins Turnier gefunden haben. Magull war nach dem Kolumbien-Spiel so weit raus, dass sie nicht mal als Einwechselspielerin gebracht wurde. Laut FoxSports kommen die beiden zusammen auf eine "kreierte Chance"... Trotz des 6:0 gegen Marokko. Das waren am Ende die beiden Positionen, in denen Deutschland nicht gut genug war. Der "Rest" sind dann Folgefehler. Also dass Bühl und Brand auf den Außen so isoliert waren, hängt halt auch mit den beiden zusammen.

Marta - Brasilien: Marta im letzten Spiel in die Startformation zu stellen, war eher ein Verzweiflungsakt. Und vor allem wahrscheinlich strategisch falsch, sie nach der Pause als belebendes Element zu bringen, damit sie noch Luft hat, wenn die anderen müde werden, wäre der Ansatz gewesen. In der ersten Halbzeit konnte sie noch die Mitläuferin geben, in der 2. tauchte sie dann komplett ab. Aber hey, immerhin fiel sie nicht negativ auf...

Christine Sinclair - Kanada: Sinclair eröffnete ihre persönliche WM mit einem verschossenen Elfmeter gegen Nigeria. Im zweiten Spiel kam sie zur Pause und war damit bei den einzigen starken 20 Minuten der Kanadierinnen zumindest anwesend. Im letzten Spiel wurde sie dann beim Stand von 0:2 zur Pause ausgewechselt. Da gab es nicht mal einen Verabschiedung-Applaus.

Megan Rapinoe - USA: Ja, Rapinoe ist noch dabei. Wie auch Lavelle. Aber bei keiner Spielerin ist die Diskrepanz zwischen Außenwirkung und spielerischer Leistung so extrem. Also als sie gegen Portugal eingewechselt wurde, ging ein richtiger Ruck durchs Stadion. Die ersten Fehlpässe wurden aus Prinzip frenetisch bejubelt. Das ließ dann aber doch deutlich nach, als man merkte, dass sie derzeit einfach nicht in der Lage ist, einen positiven Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Ob das an tieferliegenden Problemen bei den Amis liegt oder sie halt einfach zu alt ist, werden wir in den nächsten Tagen erfahren. Wahrscheinlich hat sie am Ende den Zeitpunkt zum Rücktritt aus der Nationalmannschaft verpasst. Aber wer will das der wohl wichtigsten Fußballerin der letzten 10 bis 15 Jahre ins Gesicht sagen? Die ist halt so groß, dass sie alleine entscheidet, wann Schluss ist.

Ersatzspielerinnen.
Kadeisha Buchanan haben wir schon erwähnt. Klara Bühl und Jule Brand sollen auch nicht ganz ungeschoren davon kommen, von beiden hätte man mehr erwarten müssen. Aber die wichtigste Personalie auf der Bank ist:
Ada Hegerberg ist ebenfalls interessant: Also mit ihr verliert Norwegen gegen Neuseeland, ohne sie gewinnen sie 6:0 gegen Panama. Und Hegerberg war jahrelang die beste Spielerin der Welt. Da ist es kein gutes Zeichen, wenn deine Nationalmannschaft ohne dich besser spielt, als mit dir.

Donnerstag, 3. August 2023

Worst of des "Der Plan war so gut, doch er geht daneben" dritten Spieltages.

Da gibt sich die Fifa so viel Mühe beim Spiele planen und dann spielen die Damen so bescheiden... 

Oder anders ausgedrückt: Wir haben's schon wieder gemacht. Wegen anhaltender Erfolglosigkeit verlängert. Im Sinne der Gleichberechtigung muss jetzt auch an Martina Voss-Tecklenburg festgehalten werden. Oder die verpflichten einfach Jogi Löw, das wäre auch eine Idee.

Nach dem dritten Fußballspiel sieht die Deutsche Nationalmannschaft plötzlich aus, wie ein Entwicklungsland: Eine herausragende Spielerin und dazu viel eventuell talentiertes Beiwerk. Denn wenn man ganz ehrlich ist, hatten die eine einzige wirkliche Waffe: das Kopfballspiel von Alexandra Popp. Marokko wurde so in der ersten Halbzeit gebrochen. Der Ausgleich gegen Südkorea wurde so erzielt. Und bis in die Nachspielzeit hinein waren die einzigen klaren Torchancen in der 2. Halbzeit Kopfbälle von Popp.

Und dann... brachte Colin Bell den "Hardcounter": Der wechselte Eun-Sun Park ein. Eine 36-jährige Stürmerin, die nach 7 Jahren ihr Comeback in der Nationalmannschaft feiern durfte... weil sie die einzige groß gewachsene Spielerin der Nation ist. Und hier ist das absurde: Das reichte vollkommen aus, um Deutschland komplett den Zahn zu ziehen. Vor der Einwechslung gab es Kopfballchancen im Minutentakt, hinterher gab es plötzlich nur noch einen Abschluss. Also bis Sydney Lohmann zu 2 Fernschüssen ansetzte. In der 102. Minute. 

Kreativität und spielerische Lösungen... gab es ja schon gegen Kolumbien nur in einer Ausnahmesituation. Schnelle Ballstafetten? Liegen uns nicht so. Dabei ist das Potenzial ja wirklich vorhanden. Also, das hat das erste Gruppenspiel gezeigt, obwohl man dort auch eher nach Flanken und Standards erfolgreich war. Genau genommen hat sich Deutschland in 3 Spielen nur ein Mal überzeugend durch die Mitte kombiniert. Den Rest regelte man über die physische Überlegenheit im Strafraum.
Absurderweise ist Deutschland mit einem Torverhältnis von +5 ausgeschieden... während Marokko mit -4 weitergekommen ist. Ich behaupte einfach mal, dass beides historisch ist. 

Oh und defensiv schafft man es halt auch einfach nicht die 0 zu halten. Das kann man sich halt einfach nicht leisten, wenn man vorne nur einen einzigen Lösungsansatz hat.

Und dann kommt natürlich gleich wieder das "Es gibt keine kleinen mehr" Märchen. Während Japan mit 11:0 Toren durch die Vorrunde marschiert ist. Während Norwegen die Phillipinen mit 6:0 abgeschossen hat. England die Chinesinnen mit 1:6 abgefertigt hat. Panama in den 2 Spielen gegen "die Großen" 10 Gegentore kassiert hat.

Am deutlichsten wird dies beim Vietnam. Da dachte man sich nach dem sie zum Auftakt "nur" 0:3 gegen das an sich beste Team der Welt verloren haben, dass die Abstände zwischen den Mannschaften wesentlich kleiner geworden sind. Schließlich haben die ja auch gegen Deutschland nur knapp verloren. Dann schenkt die Niederlande denen 5 Tore in einer Halbzeit ein und lässt das Spiel am Ende als gnädiges 0:7 auslaufen... Es gab immer noch verdammt viele, verdammt einseitige Spiele.

Und die USA braucht plötzlich ihr verdammt viel Glück bei einem Pfostentreffer der Gegnerinnen in der Schlussphase auf. Wenn das Ding reingeht, scheiden auch die Amis in der Vorrunde aus. Genauso wie Brasilien. Das faszinierendste war ja, dass Marta bei der letzten Pressekonferenz mehr geweint hat, als hinterher auf dem Platz. Die wird schon da gemerkt haben, dass es auch bei dieser WM nicht für den großen Wurf reichen wird, selbst wenn man die Vorrunde irgendwie überstehen sollte.

Die eigentliche Wahrheit lautet: Mit Deutschland, Brasilien, den USA und den ebenfalls ausgeschiedenen Kanadierinnen haben 4 große Nationen absolut enttäuschende Leistungen angeboten. Wenn die jeweils das anbieten, was man erwarten kann, dann haben wir noch einige deutliche Siege mehr in der Gruppenphase. Und zumindest Deutschland und Brasilien haben ja bewiesen, dass sie noch in der Lage sind, Panama und Marokko aus dem Stadion zu schießen.

Faszinierender Weise waren die Deutschen bisher besser als die Amerikanerinnen. Wahrscheinlich waren sie sogar besser, als die Schweiz, die bisher wenig Überzeugendes angeboten hat, aber trotz alledem Gruppensieger wurde. Mit 5 Punkten und 2 erzielten Toren...
Also jetzt mal die offensichtlichen Statistiken: Folgenden Achtelfinalistinnen erzielten 8 oder weniger Tore in der Vorrunde: die Schweiz, Norwegen, Australien, Nigeria, Spanien, England, Dänemark, die USA, Frankreich, Jamaika, Südafrika, Kolumbien und Marokko. Das sind 12 von 16.
Und 3 oder mehr Gegentore kassierten auch: Australien, Spanien, Frankreich, Südafrika und Marokko. 4 von 16 Mannschaften waren also vorne und hinten schlechter als die Deutschen. Es ist also nicht mal so, dass die Verteidigung absurd schwach war. Sie war nur im wichtigsten Moment in der Nachspielzeit gegen Kolumbien komplett abwesend. Also wenn man in diesem einen Moment nicht kollektiv pennt, kommt man am Ende als Gruppenerste weiter.

Aber, und auch das ist wichtig: Dieser Aussetzer war kein Einzelfall, sondern hat sich schon in der Vorbereitung angekündigt. Also das Ausscheiden ist statistisch völlig absurd, aber trotzdem verdient und konsequent, weil man am Ende nur ein einziges gutes Spiel hatte. Andere hatten aber halt nicht mal das und sind trotzdem weiter gekommen.
Das ist halt auch die absurde Dynamik eines Turniers: Es kommen nicht zwingend die 16 besten Mannschaften ins Achtelfinale.

Wo ich schon die Amerikanerinnen angesprochen habe: America. America has a problem. Man fragt sich da echt, was die in den letzten Monaten und Wochen so gemacht haben. Also vor allem, weil eine Nation, die bisher immer physisch überlegen war, auf ein Mal in der Schlussphase auf dem Zahnfleisch geht. Auch die jungen Stars wirken in den Schlussphasen richtig müde, das darf dir einfach nicht passieren. Dazu wirkt es auch so, als würden die zum ersten Mal zusammenspielen. Als Megan Rapinoe eingewechselt wurde, kam kurz Stimmung auf, aber alles, was die dann ins Spiel brachte, waren katastrophale oder hochriskante Fehlpässe. Wir reden hier von einer Passquote von 32 % und 18 Ballverlusten als Einwechselspielerin. Da merkt man auf ein Mal, warum die nur auf der Bank sitzt. Alex Morgan muss auf ein Mal doch wieder über die gesamte Spielzeit ran, was definitiv nicht so geplant war.
Und während man das Zusammenspiel und die Feinabstimmung noch verbessern kann, wird man an der Fitness wenig ändern können.

Aber bis ungefähr 13 Uhr habe ich hier halt meinen "Was der Vlatko Andonovski da abliefert, ist schon auf Jogi Löw Niveau." Beitrag gefeilt. Also man muss sich echt richtig viel Mühe geben, damit eine so gute Mannschaft so schlecht spielt. Aber Voss-Tecklenburg so: Hold my beer. 

Man muss auch da festhalten, dass da einiges in der Vorbereitung schiefgelaufen sein muss. Aber wenn man vorher genauer hingeschaut hätte, ist das auch gar nicht soo überraschend: Das letzte wirklich überzeugende Ergebnis ist halt vom Januar... Und da ging es auch "nur" gegen Neuseeland, einer Mannschaft, die halt auch nach der Vorrunde ausscheidet. 2022 gab es historische 3 Niederlagen in Folge, bevor man dann doch das 2. Spiel gegen Deutschland gewinnen konnte. Der letzte Sieg gegen eine Nation, die jetzt auch im Achtelfinale steht, wurde im September errungen. Die Leistungskurve zeigt genau genommen seit Monaten deutlich nach unten. Es gingen nur halt alle davon aus, dass sich die Probleme zur WM schon irgendwie lösen werden. Das klingt halt wirklich nach Jogi Löw oder Hansi Flicks Logik.

Dadurch, und das soll auch nicht untergehen, bekommen die vermeintlich Kleinen natürlich mehr Platz um zu strahlen. Also wir haben jetzt ein Achtelfinale Kolumbien gegen Jamaika... und auch wenn die Jamaikanerinnen brutalen Anti-Fußball spielen. Also die haben sich mit einem einzigen erzielten Treffer für die K.O. Phase qualifiziert. Die beherrschen es aber hervorragend, den Spielfluss zu unterbrechen und Zeit zu schinden. Da die aber als "kleine Nation" gelten, ist das kein Problem, sondern gilt als sympathisch. 

Und nur damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich habe höchsten Respekt davor, dass die ihr Potenzial komplett und kompromisslos ausschöpfen und damit Erfolg haben. Und einer dieser beiden Nationen wird ins Viertelfinale einziehen, was dem Sport in den jeweiligen Ländern einen riesigen Schub geben wird. Jamaikas Mannschaft musste sich bisher über die Spenden von Bob Marleys Enkelin finanzieren. Das Programm wurde zwischenzeitlich komplett eingestellt und die Mannschaft war von der Weltrangliste verschwunden. Also nicht nur Hundertirgendwaster, sondern komplett weg. Zwischen 2015 und 2018 wurden einfach keine Länderspiele ausgetragen. Jetzt kommen die ganzen Beschwerden der Damen auch tatsächlich im eigenen Land an

Oh und entgegen meiner nach dem ersten Spieltag sehr pessimistischen Prognose sind 4 von 5 Mannschaften aus Afrika in die nächste Runde eingezogen. Auch das wird einen positiven Effekt für die Damen auf diesem Kontinent haben. Auch wenn man in jedes Spiel als klarer Außenseiter geht und damit wahrscheinlich bald Endstation sein wird.

Sonntag, 30. Juli 2023

Worst of des "Das ist plötzlich doch eine richtige WM!" 2. Spieltages

Das war nicht die Form von "Equal Play", die wir alle sehen wollten... Jetzt ist es plötzlich doch wieder so weit, dass Deutschland eine überraschende Niederlage in der Vorrunde erklären muss. Und Martina Voss-Tecklenburg sagt, wenn sie nach einem möglichen Achtelfinale gegen Frankreich gefragt wird, dass man Südkorea halt auch erstmal schlagen muss. Das waren doch auch genau die Worte von Jogi Löw 2018...

Hier muss man mal eines festhalten: Das 0:1 kann passieren. Das ist ein abgeblockter Schuss. Und auch wenn die Expertinnen von "1 Meter Sicherheitsabstand" faseln: Linda Caicedo lässt da 2 Gegenspielerinnen auf engstem Raum aussteigen und streichelt den Ball in den Winkel. Das ist ein Gemälde von einem Tor. Wenn sie das im Schwarz-Weißen Trikot erzielt, wird es garantiert das Tor des Monats. So wird die Sportschau nicht die Eier haben und das Tor in die Auswahl nehmen.
Fairerweise würde ich Caicedo für die ausgelassene Großchance zum 2:0 zum Gomez der Woche küren, wenn sie für Deutschland auflaufen würde...

Aber das eigentliche Problem beginnt nach dem 1:0. Denn auch der Elfmeter zum 1:1 kam, so schön er auch heraus gespielt wurde, mehr oder weniger aus dem Nichts. Zwischen dem überraschenden Führungstreffer in der 52. und dem Spielzug zum Elfmeter in der 88. gab es keinen einzigen Schuss aufs Tor. Und auch keine wirklich heraus gespielte, klare Chance. Eine wirkliche Reaktion sieht anders aus. Da muss man einfach mehr erwarten.

Nebenbei hat man vorher viel darüber geredet, dass man die körperliche Spielweise annehmen wird, aber die einzige, die mit der Härte wirklich klar kam, war Lena Oberdorf...

Und dann lässt man in der 97. Minute Manuela Venagas nach einer Ecke völlig frei zum Kopfball kommen. Man hat die beste Kopfballspielerin der Welt. Und Lea Schüller... Und genügend weitere Spielerinnen im Strafraum. Das ist wieder diese mittlerweile "typisch deutsche" Verteidigung: Man hat halt diese kollektiven Aussetzer, die man sich bei so einem Turnier einfach nicht erlauben kann.

Also ja, die spielen jetzt wirklich wie die Männer. Nur ist das nichts Gutes.

Der Rest des Turniers is, dank einiger doch überraschender Siege von den Philippinen, Nigeria, Marokko und natürlich Kolumbien, um einiges spannender geworden. Dennoch gibt es, aufgrund der Turnierkonstellation einige, nennen wir es "interessante", Szenen. So hatte Lucy Bronze in der Schlussphase in der dänischen Hälfte den Ball am Fuß und wartete darauf, dass sie unter Druck gesetzt wird... mit der "Wir müssen hier nichts mehr tun, wir führen 1:0" Gelassenheit. Und die Däninnen haben sich das angeguckt und gedacht: Wir müssen hier nichts mehr tun, mit einem Sieg und einer knappen Niederlage können wir ganz entspannt ins letzte Gruppenspiel gehen. Wir regeln das dann gegen Haiti. Wenn wir gegen die 2 Tore erzielen, sind wir sicher weiter.

So weit werden die nicht gedacht haben, aber es gab definitiv ein "mit einer knappen Niederlage können wir gut leben" Ansatz. Und ich kann ihnen da auch keinen Vorwurf machen, denn die Logik ist ja grundsolide. Und so tragisch Haitis Niederlagen waren, weil sie kollektiv im "Gomez der Woche" Modus unterwegs sind: Am Ende haben die Dänen im Achtelfinale auch nichts verloren, wenn sie Haiti nicht schlagen. Jetzt werden sie sich natürlich über ein Unentschieden für die nächste Runde qualifizieren und dann hinterher Weltmeister werden...

Die wichtigste Frage ist aber: Sind die Amerikanerinnen "in trouble"? Also sind die am Ende nicht annähernd so tief besetzt, wie alle gedacht haben? ESPN hat die Frage in den Raum geworfen, ob man Julie Ertz nicht zurück auf ihre eigentliche Position ins Mittelfeld vorziehen muss. Und sie kommen zu dem Schluss, dass man das nicht kann, weil man einfach keine Verteidigerinnen hat, die die dann hinten entstehenden Lücke schließen kann. Das bedeutet auch nur: Die sind eine einzige Verletzung von einer defensiven Katastrophe entfernt. Nebenbei spielen die nur mit 2 gelernten Verteidigerinnen in der Viererkette.
Und vorne fragen sich alle, warum Trainer Vlatko Andonovski nicht wechseln wollte. Er selber wollte den guten Rhythmus, den man gefunden hatte, nicht unterbrechen. Ähm... ok. Also der Ausgleich fiel halt auch ein wenig aus dem Nichts. Und Alex Morgan war nicht wirklich ins Spiel involviert. Trinity Rodman wirkte auf viele eindeutig müde. So kam man zwar in den letzten 10 Minuten zu einigen Abschlussaktionen, aber die brachte Rodman halt konsequent nicht aufs Tor.

Nebenbei sagt Andonovski damit auch, dass er eine Megan Rapinoe nicht mehr zutraut, auf ein enges und umkämpftes Spiel als Einwechselspielerin einen positiven Einfluss zu nehmen. Und Alyssa Thompson traut er das anscheinend noch nicht zu. Bei einer souveränen Führung kann man die bringen, aber wenn das Spiel auf Messers Schneide steht, lässt man sie lieber draußen. Das war definitiv nicht die Botschaft, die er damit senden wollte...

Oh und zu guter Letzt ist es als Trainer auch irgendwie deine Aufgabe den Rhythmus aufzubrechen und neue Impulse zu setzen. Also eine Sarina Wiegmann würde das als etwas Positives betrachten. Die würde das durchaus vorhandene Potenzial auf der Bank eiskalt nutzen, um den Gegner vor neue Aufgaben zu stellen. Wenn Andonovski nicht nur nach Ausreden gesucht hat, sondern das wirklich seine Haltung ist, wird die Wiegmann den so was von ausmanövrieren..

Freitag, 28. Juli 2023

Die einzige Zweitliga-Vorschau, die ihr braucht

Weil sie euch nebenbei die Altersvorsorge sichert. Vertraut mir. Der Ausgang der Aufstiegsrennen steht schon fest. Also zumindest für einen der beiden zu vergebenden Plätze.

Denn der 1. FC St. Pauli wird aufsteigen und der HSV nicht. Letzteres ist dabei natürlich keine Sensation, aber beim ersteren bin ich mir extrem sicher. Warum? Nun ja, St. Pauli wird in den nächsten 10 Jahren in der Champions League spielen. Das steht jetzt schon fest. Setzt da 10 Euro drauf und wartet ab. Und dafür müssen sie halt erstmal aufsteigen.

Woher ich das weiß? Weil es in diesem Sommer eines dieser kosmologischen Ereignisse gab, die langfristig immer mit unerwarteten Champions League Teilnahmen endeten.

Also kurz zur logischen und konsequenten Erklärung: Am 29. Juli 2016 segnete die großartige Beyoncé in meiner Anwesenheit im Rahmen der Formation World Tour die Commerzbank Arena in Frankfurt. Mit dieser Tournee begab sie sich auf ein völlig neues Level. Ich bleibe dabei, dass es das beste Konzert sein wird, welches ich je gesehen habe, schließlich hat die sich ein Planschbecken auf die Bühne gestellt...
Eintracht Frankfurt war damals noch eine Graue Maus in der Bundesliga. Sie beendeten die Saison auf dem Relegationsplatz und waren froh, dass sie nicht in die 2. Liga mussten, auch wenn sie es verdient gehabt hätten. Wenn den Fans damals jemand gesagt hätte, dass sie 6 Jahre später plötzlich fast schon ein Stammgast im europäischen Geschäft sind... und sich über diesen Wettbewerb für die Königsklasse qualifizieren würde. Ihr hättet denjenigen für bekloppt erklärt und hättet einfach nur 6 Jahre ohne Abstiegskampf schon als Segen empfunden. Und ja, es gibt keine sachlichere Erklärung als einen göttlichen Segen.

Aber ich sehe das ja ein: Es kann gar nicht sein, dass es da einen Zusammenhang gibt. Und ich kann eure Skepsis verstehen, wenn es sich hier um einen Einzelfall handeln würde. Aber dann sah die Beyoncé mit ihrem Ehemann am 28. Juni 2018 im Rahmen der On The Run II Tour im Berliner Olympiastadion. Nicht ganz so überragend, aber sie musste halt auch Jay-Z durch die Show schleppen. Und immer noch verdammt gut.
Nun könnte man die jüngere Entwicklung der Hertha als absolutes Totschlagargument ansehen, dass dieses ganze Segnungsgelaber absoluter Blödsinn war. Habe ich ja auch gemacht, deswegen habe ich mich am Ende auch nach Hamburg ins Volksparkstadion getraut. Aber dann fiel mir auf: Wir haben ja gar nicht den Verein, sondern das Stadion gesegnet.
Und jetzt ratet mal, was die UEFA diesen Sommer beschlossen hat: richtig, dass man in der Alten Försterei keine Champions League spielen kann. Also mussten die sich ein größeres Stadion für ihre Heimspiele in der Königsklasse suchen. Zum Glück gibt es da eines, welches auch gerade unter der Woche nicht benutzt wird. Und so wird im Jahr 2023 plötzlich doch wieder Champions League in genau dem Stadion gespielt, in dem ich Beyoncé gesehen habe.
Union Berlin war 2018 noch ein unbedeutender Zweitligist. Die haben vielleicht daran geglaubt, dass ein Aufstieg möglich wäre, aber ein Einzug in die Champions League? NIEMALS! Ausgeschlossen. Das kann gar nicht passieren. Wenn, dann nur mit ganz dunkler Magie! Oder halt göttlicher Intervention...

An der Stelle sollte nochmal kurz darauf hingewiesen werden, dass in der "Damals hieß das noch O2 Arena" ein Final 4 im Basketball ausgetragen wurde, nachdem ich dort auf einem meiner ersten Beyoncé Konzerte war. Das ist quasi das Champions League Äquivalent für kleinere Arenen.

Am 21. Juni hieß es dann: Renaissance World Tournee im Volksparkstadion. Und ich war anwesend, auch wenn ich fast an der "UnabsteigBar" hängen geblieben wäre. Von hier gibt es also nur 2 Möglichkeiten: Entweder der 1. FC St. Pauli steigt überraschend auf und wird dann sensationell Vierter. Oder der Hamburger SV gewinnt erst den DFB-Pokal und dann die Europaleague. Und ja. das halte ich für wahrscheinlicher als einen Aufstieg des HSVs.

Wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet, ich muss im Hintergrund die Fäden ziehen, damit Beyoncé und ich uns zeitnah im Ostseestadion sehen.