Ob das Meisterrennen nochmal "spannend" wird, entscheidet sich ja eigentlich erst am Ende des Monats. Es sei denn Dortmund lässt dieses Wochenende Federn gegen RB Leipzig. Das ist wahrscheinlicher, als ein Sieg gegen Bayern. Aber man muss festhalten: Die Borussia muss dieses Spiel zwingend gewinnen, wenn sie das Rennen um die Meisterschaft wirklich nochmal eröffnen wollen. Denn 6 Punkte werden die Bayern gegen den Rest nicht verspielen. Und selbst wenn Dortmund das Gipfeltreffen wirklich gewinnen sollte, ist es immer noch ein verdammt weiter Weg bis zur Meisterschaft. Denn dann muss eine Mannschaft, die bis jetzt immer in solchen Druckmomenten eingebrochen ist, all seine restlichen Spiele gewinnen.
Das eigentlich relevante Rennen um die Champions League Plätze sieht verdammt knapp aus. Aber hier ist das Problem: Wir wissen noch nicht mal, ob Platz 4 oder 5 reicht. Es kann durchaus sein, dass RB Leipzig und Bayer Leverkusen sich nur darum prügeln, wer in die Conference League muss. Oder auch nicht, weil ja 3 der 4 Halbfinalteilnehmer aus den Top 6 kommen und damit dann wohl der 7. in die europäische Drittklassigkeit abstürzt. Oder aber der SC Freiburg erreicht das DFB-Pokalfinale, was denselben Effekt haben dürfte...
Nebenbei muss man hier festhalten, dass mit Hoffenheim, Bayer und RB drei Plastikklubs in dem Rennen um Platz 4 oder 5 sind. Der gemeine Fußballfan reagiert hier mit einem "Solange der VfB Stuttgart am Ende dabei ist, ist es mir egal, wer von den dreien nicht in die Königsklasse darf... Aber Bayer würde ich es am ehesten gönnen..." Und auch wenn ich selbst häufig über die "Traditionen" lästere, so muss ich einfach zugeben, dass ein Rennen zwischen 2 Vereinen mit großer Fanbase andere Reaktionen bei mir hervorruft, als wenn Bayer und Hoffenheim sich um Platz 4 prügeln...
Damit ist nebenbei auch noch nicht geklärt, ob Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg um die goldene Ananas kämpfen. Im Best Case kommt der bessere der beiden in die Europa League. Aber der Abstand der beiden nach oben und unten ist schon gewaltig. Und hier bleibt die Frage, ob dieses Rennen jetzt den neutralen Zuschauer wirklich interessiert.
Dahinter beginnt technisch gesehen der Abstiegskampf. Also zumindest brauchen der Hamburger SV, Union Berlin und der FC Augsburg noch einen Sieg, damit sie nicht absteigen. Den werden sie holen. Auch der 1. FC Köln ist mehr so pseudobedroht. Alle 4 sollten sich nicht zu weit zurücklehnen, aber auch hier muss sich der neutrale Beobachter irgendwie dazu zwingen, den Fokus zu behalten. Und die Trainer müssen dafür sorgen, dass ihre Mannschaften den Fokus aufrechterhalten, damit man nicht zum Saisonende komplett einbricht.
Der "richtige" Abstiegskampf wird am Ende erst in den letzten 4 Wochen entschieden. Also ja, der eine oder andere im Keller mag einen überraschenden Sieg holen, so wie wir das bei St. Pauli gegen Stuttgart gesehen haben. Dieser Sieg könnte am Ende den Unterschied ausmachen. Aber im Wesentlichen werden die 5 Mannschaften da unten hängen bleiben. Die eine Ausnahme dürften die Mainzer sein, die halt mit klugen Entscheidungen ihre Saison gerettet haben. Aber das noch ein Verein plötzlich so einen Lauf hinlegt, ist quasi ausgeschlossen. Die stehen ja alle nicht ohne Grund da unten.
Am Ende steigt derjenige ab, der zufällig gegen Heidenheim verliert. Denn auch da muss man sich wenig vormachen: Heidenheim ist zu schwach für den Klassenerhalt. Die hätten gegen Augsburg und Hamburg mindestens 3, eher 4, Punkte holen müssen, damit das für die nochmal persönlich eingreifen. Aber irgendwo werden sie nochmal einen willkürlichen Sieg einfahren. Und die fehlenden Punkte werden dem Konkurrenten dann richtig weh tun.
Das wichtigste Spiel der nächsten 8 Wochen dürfte damit St. Pauli gegen Werder Bremen sein. Das stimmt aber sachlich gesehen auch nur für St. Pauli. Denn ich habe ja vorletzte Woche ausgeführt, dass für Werder jetzt die Spiele anstehen, in denen sie punkten können und müssen: St. Pauli, Heidenheim, Union, Mainz und Wolfsburg. Natürlich wäre es super praktisch, wenn sie direkt auf Pauli mit dem Punkte sammeln anfangen. Ein Sieg wäre für sie ein richtiger Big Point. Aber das liegt vor allem daran, dass es ein richtiger Nackenschlag für die Kiezkicker wäre. Wenn man auf der Reeperbahn verliert und dann nächste Woche zu Hause gegen Heidenheim gewinnt, liegt man fast wieder im Soll. Wenn St. Pauli verliert, ist das rettende Ufer verdammt weit weg.
Das lustigste ist nebenbei der VfL Wolfsburg mitten im Abstiegskampf. Denn sein wir ehrlich: keinen interessiert's. Also vielleicht die 23.600, die da ins Stadion gehen. Aber selbst da kann man sich nicht sicher sein, dass die nicht da sind, weil sie sehen wollen, wie die Gäste spielen... So schlecht war der Zuspruch, wenn man die Pandemie herausrechnet, seit 2007 nicht mehr. Damals wurde man nebenbei 15..
Es ist aber echt krass, wie extrem egal der VfL Wolfsburg mittlerweile ist. Die Rolle des "Feindbild Nummer 1" haben halt erst Hoffenheim und dann RB Leipzig übernommen. Die mangelnde Tradition wird ihnen nur noch vorgeworfen, wenn es gegen den anderen Plastikklub geht. Dass man 4 Jahre infolge im grauen Mittelmaß verbracht hat, hilft da nur bedingt. Jetzt hofft man ja irgendwie darauf, dass man es 5 Jahre infolge in dieses graue Mittelmaß schafft. Und dann hofft man darauf, dass man nächstes Jahr eine sorgenfreie Saison im grauen Mittelmaß spielen kann...
Wenn Wolfsburg am Ende tatsächlich absteigen würde, fragt der gemeine Fußballfan nur "Wer ersetzt die denn?" Oh... Darmstadt oder Elversberg... Naja... da hätte man auch Wolfsburg behalten können.
Nebenbei muss man festhalten, dass Hannover 96 fast doppelt so viele Fans ins Stadion lockt... obwohl die seit 7 Jahren in der 2. Liga spielen. Und Hannover ist jetzt auch kein Verein, der überregional große Emotionen auslöst. Aber es verdeutlicht, wie krass der VfL es verkackt hat, eine emotionale Bindung zu den Fußballfans in Niedersachsen aufzubauen: selbst nach 29. Jahren in der Bundesliga und einem Meistertitel haben die Nachbarn aus Hannover die größere Strahlkraft.
Und wenn es dann, wie jetzt gerade, richtig beschissen läuft, sammeln die Fans sich nicht, um ihre Mannschaft in besonders harten Zeiten besonders zu untertützen... oder sie wenigstens auszupfeifen. Sondern die Fans bleiben einfach zu Hause. Es kommen jetzt 10.000 Leute weniger als zum Saisonauftakt gegen Köln und Dortmund. Das kann man natürlich auf Hoffenheim und Heidenheim schieben, aber auch gegen richtige Bundesligisten zeigt der Trend deutlich nach unten.
Verdammt viele Wolfsburg-Fans haben die Saison abgeschrieben. Die gucken dann im Sommer, wie das am Ende ausging und ob sie sich nächstes Jahr wieder um ein paar Tickets für die Perlen kümmern müssen... und wenn nicht, ist es irgendwie schade, aber auch nicht wirklich schlimm. Warum sollten wir als "neutrale Beobachter" uns dann um Wolfsburg kümmern?
Natürlich wird das Ende April wieder besser werden. Dass die Bundesliga jetzt gerade in einer gewissen Schlummerphase ist, weil die Bayern quasi als Meister feststehen und der Rest sich noch endgültig sortieren muss, ist leider nicht so ungewöhnlich.
Aber gerade, wenn man es mit der 2. und 3. Liga vergleicht. Im Unterhaus trennen den Ersten und den Fünften lächerliche 3 Punkte. Und all diese 5 Mannschaften werden jedes Wochenende alles geben, damit sie unter den ersten beiden Mannschaften landen. In der dritten Liga gilt dasselbe Prinzip, auch wenn sich dort der Relegationsteilnehmer häufige durchsetzten kann. Dafür trennen dann den Ersten und den Siebten 5 Punkte. Auf die dritte Liga gucke ich als gebürtiger Rostocker ja eh. Aber ich frage mich derzeit auch jeden Sonntag, wie sich die aktuellen Ergebnisse auf das Aufstiegsrennen in Liga 2 auswirken. Einfach nur, weil es verdammt interessant ist, ob und wie Schalke das dieses Jahr verkackt.
Richtig neidisch wird man, wenn man auf die polnische Extraklasse guckt. Da ist richtig was los. Und das nicht nur dieses, sondern praktisch jedes Jahr. Aber den eigentlichen Grund, warum dies so ist, werde ich euch nächste Woche verraten...
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