Dallein schon, damit ich den "Haben die auch Das Bo angerufen?" Witz nicht liegen lassen muss... Türlich, Türlich.
Aber es gibt ja schon neue Entwicklungen: Daniel Thioune macht es. Und der ist im Wesentlichen die schlechtere Version von Horst Steffen.
Um den Anstoss 3 Vergleich zu bringen: Steffen hatte in Elversberg das Level Zweite Liga durchgespielt. Er führte die Mannschaft auf Platz 3, was praktisch zum Aufstieg reichen sollte und weit über dem liegt, was Elversberg mit seinen bescheidenen Mitteln erreichen sollte. Und er hatte dort langfristigen Erfolg. Schon die dritte Liga hat er dort durchgespielt. Insgesamt führte er den Verein von der Regionalliga bis beinah in die Bundesliga. Das ist schon beeindruckend.
Daniel Thioune scheiterte am Ende immer wieder an dem Level "2. Liga". Er führte den Hamburger SV ganz souverän auf den vierten Platz und erhielt damit damals deren legendäre "Unaufsteigbar" Serie. Das wurde aber nicht wirklich wertgeschätzt und er musste nach einer Saison wieder gehen. Und er führte Fortuna Düsseldorf auf den Relegationsrang. Also ja, nach meiner Überzeugung müsste auch Thioune ein Aufstiegscoach sein. Man muss aber ganz sachlich festhalten, dass es ein Unterschied ist, ob man Düsseldorf als Traditionsverein mit für die 2. Liga sehr guten Mitteln auf Platz 3 führt, oder eben Elversberg. Auch wenn Vincent Wagner das Werk von Steffen gerade weiterführt und der Erfolg dort also nicht nur auf der Arbeit des Trainers basiert: Steffen hat die beeindruckendere Vorleistung erbracht.
Der wohlwollendste Kommentar zu Thioune war nebenbei: Der hat doch in Düsseldorf einen guten Job gemacht, er hat sich halt nur das Rückspiel in der Relegation gegen Bochum vercoacht... ähm... "Dinge über die Relegation regeln" ist gerade DER Gameplan für Werder.
Nebenbei hat sich Thioune nirgends wirklich lange gehalten. 2 1/2 Jahre in Düsseldorf das Saisonziel "Aufstieg" verpassen sind da schon das Karrierehighlight. Und ja, Düsseldorf hatte jeweils laut Transfermarkt.de einen der besten Kader der Liga. Trotz HSV, Schalke und Hertha. Im Wesentlichen hatte Thioune 3 Jahre (eine Saison mit dem HSV, 2 volle mit Düsseldorf) die Gelegenheit, sich die Bundesliga "freizuschalten" und er ist jeweils daran gescheitert. Die dritte Saison hat er dann so in den Sand gesetzt, dass Düsseldorf in den Abstiegskampf rutschte und er entlassen wurde. Wenig deutet darauf hin, dass der unbedingt in die Bundesliga muss.
Oder anders ausgedrückt: Wenn man im Sommer eine Ablöse für Thioune bezahlt hätte, wäre Clemens Fritz mit der Frage "Warum holst du nicht Steffen?" konfrontiert worden. Der ist nicht nur jetzt die Dritte Wahl, sondern er wäre es auch im Sommer gewesen. Was macht jetzt wirklich Hoffnung, dass Thioune mehr aus dieser Mannschaft rausholt, als Steffen?
Klar, ein Dead Coach Bounce kann Wunder bewirken. Kurzfristig kann es einen Aufschwung geben. Aber es wäre schon ein Wunder, wenn Thioune in 2 Jahren immer noch Trainer an der Weser ist. Aber darum geht es ja gar nicht, es geht gerade nur um den Dead Coach Bounce und irgendwie die Klasse zu halten.
Das ist ja der offensichtliche Grund, warum Clemens Fritz jetzt auch gehen sollte. Und ja, genau jetzt, damit man anfangen kann, den Sommer zu planen. Denn wenn man sich als Manager in die Situation manövriert hat, in der man nur noch und ausschließlich in 3 Monats-Zyklen denken kann, dann hat man vorher verdammt viele Fehler gemacht.
Nebenbei hat Arnd Zeigler eine interessante Statistik gezeigt (der relevante Teil kommt bei 9:42): Im Wesentlichen wurde Horst Steffen entlassen, weil er gegen den Hamburger SV verloren hat. Und gegen die Top 8 in der Tabelle. Gegen die eigentliche Konkurrenz ist Steffen ungeschlagen. Und natürlich ist das etwas zu kurz gedacht, denn man hat halt gegen Köln, Augsburg und Gladbach "nur" Unentschieden gespielt. Wenn er eines dieser Spiele gewonnen hätte, wäre er noch im Amt. Und man hat jetzt 2 Spiele gegen Freiburg und Bayern vor der Brust. Vincent Kompany zittert schon, schließlich wartet er seit 2 Spielen auf einen Sieg... Wenn er am Wochenende nicht gewinnt und dann im Pokal ausscheidet, könnte es plötzlich eng für ihn werden. Aber viel wichtiger ist: Ein bisschen mehr Gelassenheit hätte eben nicht geholfen, weil noch 2 Niederlagen im Programm stehen, bevor es planmäßig wieder besser wird.
Aber im
Wesentlichen hat Fritz da einen Kader gebastelt, der mit der Top 8 der
Liga nicht mithalten kann. Dann gab es eine ungünstige Konstellation, in
der Werder in 9 von 12 Spielen gegen die Top 8 antreten musste. Und die
Spiele gegen St. Pauli, Heidenheim, Union Berlin und Mainz bekommt
dann ein anderer Trainer. In der Hinrunde holte man gegen diese Gegner
unter Steffen 11 Punkte. Wenn man die in der Rückrunde auch holt, hat
man 30 Punkte, was letztes Jahr für den direkten Klassenerhalt gereicht
hätte.
Vor allem muss Thioune erstmal mehr als diese 11 Punkte holen.
Aber
die Eigenheiten des Spielplans sind hier echt faszinierend. Denn wenn
man die Spiele gegen die Europacup-Teilnehmer aus dem Breisgau und
Bayern hinter sich hat, wird der Spielplan dramatisch einfacher. Von den
dann folgenden 8 Gegnern kommt nur RB Leipzig aus der oberen Tabellenhälfte. Bevor es dann zum "Finale" mit Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund in 3 von 4 Spielen wieder knüppeldick kommt.
Dass der Spielplan so in "Wir spielen erst gegen die Deppen, dann gegen die Guten" geteilt wurde, ist schon ungewöhnlich. Und am Ende ist Steffen auch genau darüber gestolpert.
Bei einem kompetenteren Manager würde ich davon ausgehen, dass er diese Eigenheiten des Spielplanes im Blick hat. Aber hätte dieser kompetentere Manager dann Thioune den Bayern zum Fraß vorgeworfen? Wahrscheinlich hätte ein besserer Manager sich eher darum gekümmert, dass der Trainer, der nach dem Bayern Spiel auf der Bank sitzt, einen vernünftigen Kader zur Verfügung hat... Apropos:
Wenn man den Fokus dann etwas weiter stellt, zeigt die direkte Konkurrenz, wie es "richtig" geht. Mainz reagiert auf die Fehler im Sommer und die allgemein schwierige Lage mit der Verletzung von Benedict Hollerbach. Wobei der Begriff "Fehler" hier immer noch schwierig ist, weil einen Ersatz für Jonny Burkhardt zu finden eine dieser unlösbaren Aufgaben für die Mainzer ist.
5 Millionen nahm man in der Summe in die Hand. Es wurde mit Philip Tietz ein Stürmer geholt, der in den letzten 2 Bundesliga-Jahren 15 Tore geschossen hat. Also mehr Tore als all die Mittelstürmer in Bremen zusammen... in ihrer gesamten Karriere. Man hat die persönlichen Kontakte des Trainers zu Sheraldo Becker genutzt. Man hat einen erfahrenen Innenverteidiger günstig ausgeliehen. Und man hat sich mit Silas ein günstiges Rehabilitationsprojekt geholt.
Abgesehen von Becker sind das alles Transfer, die auch Werder hätte tätigen können. Und nur auf den Außenbahnen ist Werder so gut aufgestellt, dass sie Silas nicht brauchen. All die anderen Spieler hätten auch Werder gut zu Gesicht gestanden. Aber Fritz war ja schwer damit beschäftigt, den Fehler mit Horst Steffen zu reparieren. Also den Fehler des Zeitpunkts der Entlassung.
Wie ich gestern schon ausgeführt habe: Horst Steffen ist nicht das Problem an der Weser. Je intensiver man sich mit der Situation beschäftigt, umso deutlicher wird das.
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