Die letzte spannende Frage im Meisterrennen wurde beantwortet: Die Bayern werden auch dieses Jahr nicht ungeschlagen durch die Saison gehen. Das ist gut für die Bayern, schließlich führt es dazu, dass man nächstes Jahr noch Ziele hat, die man verfolgen kann. Für die Bundesliga ist es relativ egal, weil es nur dazu führt, dass Bayern eine Woche später auch offiziell Meister wird. Aber hey, sie sind nicht unverwundbar und in der Bundesliga kann doch jeder jeden schlagen... oder so.
Anders ausgedrückt: Wie schlimm ist die Lage? Borussia Dortmund nutzt die Vorlage der Bayern und verkürzt den Vorsprung auf 8 Punkte. Sonst ist das ja genau der Moment, wo die immer verkacken. Jetzt, wo es egal ist, holen sie aber souverän die 3 Punkte.
Auch am anderen Spektrum der Euphorie kann man erkennen, wie kaputt die Liga ist. Hier nehmen wir Borussia Mönchengladbach als Beispiel nehmen. Die sind ja so schlecht in die Saison gestartet, dass man doch Gerardo Seoane entlassen musste. Das war ja ganz praktisch die offensichtlichste Trainerentlassung der Saison, aber man musste formell bis zum Spiel gegen Werder Bremen warten, um diese Entscheidung zu finalisieren.
Dann nutzte Eugen Polanski den "Dead Coach Bounce" und wurde zum Cheftrainer befördert. Wobei man den Begriff hier in ganz große Anführungszeichen gesetzt werden, denn Gladbach ließ sich 63 Tage oder 8 Spiele mit dieser Entscheidung Zeit. Polanski kam auf einen uninspirierten 1,38er-Punkteschnitt. Das Lustigste daran: Seoane hatte einen neuen Job, bevor Gladbach die Nachfolge endgültig geklärt hat. Besser kann man die Situation in Gladbach nicht zusammenfassen: Ein schlechter Bundesligatrainer findet einen neuen Job, bevor die Gladbacher ihren Scheiß geregelt haben.
Polanski hat, zur allgemeinen Überraschung, seinen Dead Coach Bounce nicht aufrechterhalten können. Deswegen heißt das Ding ja so. Seit seiner Beförderung zum Vollzeitchef sind es nur noch 1,10 Punkte pro Spiel. Wobei, Ehre wem Ehre gebührt, er erstmal 3 Spiele ungeschlagen blieb. Und mit dem 0:0 gegen RB Leipzig war sogar ein guter Gegner dabei. Ansonsten gewann er halt in Heidenheim und Mainz. Das ist eher das "Bare Minimum" als wirklich überzeugend. Und vor allem rettet es den Gladbachern jetzt die Saison. Denn ohne die 7 Punkte sähe es wirklich finster aus.
Seit dem konnte man nur einen Sieg aus den nächsten 6 Spielen holen. Ein völlig absurdes 4:0 gegen den FC Augsburg. Das war wohl genau der Moment, in dem der "Dead Coach Bounce" Effekt von Manuel Baum auslief. Perfektes Timing.
Die Leistungskurve zeigt aber spätestens nach diesem Spiel steil nach unten. Genaugenommen ist man jetzt genau an dem Punkt, an dem man vor 17 Spieltagen schon stand: Man hat einen Trainer, der im besten Fall uninspirierte Arbeit abliefert. Wer sachlich auf die Situation guckt, wird erkennen, dass Polanski nicht wirklich die langfristige Lösung sein konnte. Zu diesem Schluss kam man aber ganz nüchtern betrachtet schon nach 60 Tagen. Aber zu diesem Schluss kamen auch alle, die nach dem Ende der letzten Saison auf die Arbeit von Seoane geguckt haben und der durfte trotzdem bleiben.
Die eine gute Nachricht für Gladbach: Nächstes Wochenende geht es gegen Werder Bremen...
Aber hier ist das vollkommen kaputte: Trotz der an sich mehr als grausamen Bilanz der letzten 6 Spieltage, hat man seinen Vorsprung auf Heidenheim von 5 auf 7 Punkte ausgebaut. St. Pauli machte einen einzigen Punkt auf die Fohlen-Elf gut. Obwohl Gladbach selber nichts gebacken kriegt, ist man souverän auf dem Kurs Relegation.
Und klar, Mainz macht doch Ernst und hat den Vorsprung auf diesen Relegationsrang von 10 auf 5 Punkte schmelzen lassen. Aber wir müssen mal festhalten: Gladbach spielt zum 2. Mal in dieser Saison wie ein sicherer Absteiger, hat aber trotzdem noch ein gutes Polster auf den Relegationsrang.
Nicht nur das: Man liegt auf Platz 11, kann sich also formell einreden, dass man ja im gesicherten Mittelfeld steht. Was auch nur bedeutet: 7 Mannschaften spielen eine noch schlechtere Saison als die völlig überforderten Gladbacher.
Immerhin hat man ja erkannt, dass grundlegend etwas falsch läuft und sich einvernehmlich von Roland Virkus getrennt. Das ist ein wirklicher Fortschritt. Aber Rouven Schröder ist auch eher eine uninspirierte Lösung. Also der hat bisher nirgends einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen, wird aber regelmäßig nach 12 Monaten "befördert" und erst dann entlassen.
Das lustigste: Falls Polanski irgendwann entlassen wird, werden alle den Charakter dieser Mannschaft hinterfragen. Was für ein Dreckshaufen verbraucht denn bitte schön 2 Trainer innerhalb einer Saison. Dabei kann die Mannschaft doch gar nichts dafür, dass ihnen offensichtlich überforderte Vorgesetzte vor die Nase gesetzt wurden. Die haben einen ganz offensichtlichen Wettbewerbsnachteil zur direkten Konkurrenz.
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