Samstag, 6. Juli 2024

Passives Abseits Leser wissen es früher: Den Handelfmeter gegen Dänemark hat es nie gegeben.

 Dass Deutschland da Glück hatte, weil man den nicht geben muss, haben alle 3 Tage später schon wieder vergessen. Stattdessen finden jetzt alle Ausreden, warum es doch Elfmeter geben muss, obwohl es realistisch gesehen ein weniger deutliches Handspiel war, als im Achtelfinale. Und schon den Elfmeter muss man nicht unbedingt geben. Auf einmal soll es relevant sein, wo der Schuss hingegangen wäre... nach dieser Logik war das gegen Dänemark auf gar keinen Fall Elfmeter.

Ich stelle ja mal die einfache Frage: Wie würdet ihr reagieren, wenn Antonio Rüdiger einen solchen Ball nach derselben Meidbewegung an den Arm bekommt? Da seht ihr dann alle garantiert keinen Elfmeter.

Persönlich finde ich es ja schade, dass selbst der meistens gute Manuel Gräfe sich das alles so hinlegt, dass er einen Elfmeter geben könnte

Nebenbei, was dann ja doch auch der Gräfe anspricht, ist die ganze Debatte hinfällig, weil Füllkrug vorher hauchzart im Abseits stand. Und wie wir auch seit dem Dänemark Spiel wissen, reicht ein Zentimeter... Das haben wir aber auch schon wieder vergessen.

Gerade das "Wo geht der Ball hin" ist ja auch albern. Denn der geht ziemlich genau auf Florian Wirtz, der schon reflexartig zuckt, weil er gleich im Abseits stehend abgeschossen wird... Das könnt ihr in der Analyse von Gräfe wunderbar sehen.  Aber Nagelsmann sieht den Ball halt im Winkel einschlagen, deswegen muss es Elfmeter geben, auch wenn Cucurella realistisch gesehen nur eine Abseitsstellung verhindert hat...

Um euch mal kurz zu erklären, warum das eine Elfmeter war und das andere nicht: Bei Andersen ist der Arm um etwa 90 Grad abgespreizt. Er macht eine Bewegung weg vom Körper. Marc Cucurella versucht dagegen aktiv seine Hand zum Körper zu ziehen, weshalb der Arm nur 45 Grad abgespreizt ist. Er macht eine aktive Meidbewegung, ist dabei aber nur zu langsam. Fairerweise erklärt der sonst hier so oft gescholtene Kicker das auch ungefähr so. In der Spielanalyse werfen sie Taylor eher vor, dass er Toni Kroos nicht nach 7 Minuten vom Platz gestellt hat. Theoretisch hätte er ihm für das Foul an Pedri und für die Diskussion hinterher in Minute 1 jeweils Gelb sehen können. Da hatte dann aber das erste Mal ein Schiedsrichter doch Angst davor, die neue Regel zum Meckern anzuwenden. Und Pedri wurde ja von Kroos buchstäblich kaputt getreten, ohne dass es für Kroos irgendwelche Konsequenzen gab...

Also abgesehen davon, dass der Torschütze und Vorlagengeber Dani Olmo eingewechselt wurde. Danke Toni. Ein ganz dummes "taktisches Foul" war das...

Am Ende war das Spiel nebenbei weniger Spektakel, als ich erhofft habe... Als Antonio Rüdiger den Fuß demonstrativ auf den Ball legte, um jegliches Tempo aus dem Spiel zu nehmen, dachte ich kurz: Die wollen beide doch Europameister werden... In Schönheit sterben sollt ihr! Aber gerade nach dem 1:0 ging es doch richtig ab. Und das, obwohl Deutschland ab der 80. Minute freiwillig zu 10. gespielt hat. Man will gar nicht wissen, was möglich gewesen wäre, wenn ein Deniz Undav da frischen Wind reingebracht hätte.

Wobei man an der Stelle festhalten muss: In Sachen Thomas Müller hatte sich zumindest in meiner Kneipe der Wind gedreht. Da dachte jetzt keiner mehr, dass der jetzt das entscheidende Siegtor machen würde. Mit 10 Jahren Verzug ist dann doch endlich angekommen, dass der einfach nicht mehr gut genug für die Nationalmannschaft ist. Hat ja nur 3 katastrophale Turniere gedauert.

Auf dieses Highlight des Turniers folgte dann der versprochene Pragmatismus bei Frankreich - Portugal. Frankreich hat nach wie vor kein eigenes Tor aus dem Spiel heraus erzielt. Es gab bisher 2 Eigentore und ein Elfmeter. Da ist also "Eigentor" buchstäblich der Toptorhüter. Und als nächste Stufe haben sie das Elfmeterschießen gewonnen, ohne dass Mike Maignan einen einzigen Elfmeter gehalten hat. Maignan wurde trotzdem zum Spieler des Spieles gekürt... Wenn die Feldspieler 120 Minuten lang nichts machen, wird man das dann in logischer Konsequenz, auch wenn man sich nicht wirklich auszeichnen musste.

Mittwoch, 3. Juli 2024

Die "Wir haben den Urlaub schon gebucht" Elf EM 2024

 Wie immer werden bei hier jetzt die Spieler gekürt, die bisher mit herausragenden Leistungen geglänzt haben. Leistungen, die man sich am ehesten mit schon gebuchten Flügen in den Urlaub erklären kann. Traditionen müssen gepflegt werden.

Thibaut Courtois

 Giovanni di Lorenzo - Gianluca Mancini - Jan Vertonghen - Kieran Trippier

Luka Modrić - Marcelo Brozovic

Kevin de Bruyne - Christoph Baumgartner - Phil Foden

Niclas Füllkrug

Thibaut Courtois, Belgien: Daran kann man nebenbei auch erkennen, wie gut die Torhüter bei dieser EM waren. So richtig krasse Patzer gab es einfach nicht zu sehen. Deswegen nominieren wir den vielleicht weltbesten Torhüter, der sich aber mit Domenico Tedesco zerstritten hat und deswegen nicht mitfahren durfte. Ob das jetzt die Schuld des Trainers oder des Spielers war, ist dabei gar nicht soo relevant. Fakt ist: Courtois macht buchstäblich lieber Urlaub.

Giovanni di Lorenzo, Italien: Der Mann war an beiden Highlights der italienischen EM direkt beteiligt. Er bekam gegen Spanien eine 6,0 und gegen die Schweiz eine 5,5. Es war also theoretisch eine gute Tendenz auszumachen. Ganz praktisch hat er Ruben Vargas wie einen Weltklassespieler aussehen lassen. Das ist gut für Augsburg, die den jetzt für 30 Millionen nach England verkaufen können... aber es ist halt auch eine Auszeichnung im Armutszeugnis. Bei der auch

Gianluca Mancini ordentlich mitgeholfen hat. Für Mancini war dies der erste Einsatz bei der EM. Damit beendet er das Turnier mit einem Notenschnitt von 6,0 und beantwortet indirekt die Frage, warum Gareth Southgate nicht wechselt. Bei einem abgesehen von Donnaruma extrem schwachen Kader sticht Mancini nochmal hervor.

Jan Vertonghen, Belgien: Eigentlich sollte man dankbar sein. Da die Franzosen 0 Interesse am Tore schießen zeigten und den Belgiern vorne einfach die Fähigkeiten fehlten, beendete er ein Spiel, dass sonst mindestens 30 weitere Minuten erlebt hätte. Das ist halt auch der Unterschied zwischen Vertonghen und all den anderen Eigentorschützen: Er besiegelte das Ausscheiden, während Samet Akaydin im Viertelfinale steht. Und damit besiegelte er auch das endgültige Ende der "goldenen Generation". Er dürfte auch der älteste Eigentorschütze der EM Geschichte sein, das entschädigt doch für alles.

Kieran Trippier, England: Ja, die sind noch dabei. Und die werden am Ende Europameister. Aber Kirean Trippier ist doch gefühlt schon auf dem Urlaub, er verlebt den nur auf dem Platz. Das größte Problem der Engländer, abgesehen davon, dass sie keinen natürlichen Ersatz für Kevin Phillips gefunden haben, ist ja ihre faktisch komplett unbesetzte linke Flanke. Die haben halt niemanden, der da einfach nur die Linie hält und dann Dynamik ausstrahlt. Das wurde mir extrem bewusst, als ich direkt nach den Engländern die Spanier gesehen habe. Wie Marc Cucurella bei jeder Aktion im hohen Tempo nachgerückt ist. Das war richtig anstrengend, da zuzugucken. Macht das weg. Bei Trippier muss sich niemand Sorgen machen, dass der bei eigenem Ballbesitz mal einen Sprint anzieht....

Luka Modrić und Marcelo Brozovic, Kroatien: Da war es dann. Das eine Turnier zu viel. Wo einem hinterher bewusst wird, dass man doch hätte in den Ruhestand gehen sollen. Das wird ihrem Legendenstatus zu Recht nicht schaden. Aber sowohl Real Madrid als auch Modric selber sollten darüber nachdenken, ob sie wirklich noch länger zusammenarbeiten wollen. Dabei war Modric noch nicht mal wirklich schlecht. Er war halt nur weit weg von dem Standard, an dem wir uns bei ihm gewöhnt haben. Brozovic muss sich dagegen eingestehen, dass Kroatien seine beste Halbzeit abgeliefert hat, nachdem er ausgewechselt wurde. Für beide gilt wohl: Das wird wohl nie wieder gut. Und natürlich ist Brozovic noch gar nicht soo alt und wird deswegen wahrscheinlich weiter machen... aber Kroatien braucht halt dringend einen Neuaufbau. Gerade im Mittelfeld und in der Offensive. Aber hey, die haben einen der legendärsten Läufe aller Nationalmannschaften hingelegt. Da haben sie sich ihren Urlaub auch verdient.

Kevin de Bruyne, Belgien: de Bruyne ist einer der besten Mittelfeldspieler der Welt... wenn er im Trikot von Manchester City spielt. In Belgien muss er jetzt seit Jahren erklären, warum aus dieser "goldenen Generation" nichts wurde. Am Ende steht ein dritter Platz, was für Belgien gar nicht schlecht ist. Aber zuletzt auch ein Vorrundenaus bei der WM und jetzt ein Aus im Achtelfinale. Klar, gegen Frankreich, das kann schon passieren. Aber gegen Frankreich spielte man ja auch "nur", weil man an Rumänien nicht vorbeikam. Da ist man schon ein bisschen selbst Schuld dran. Und ja, de Bruyne selbst war bei weitem nicht der schlechteste Belgier. Aber wenn er an seine Leistungen im Vereinstrikot anknüpfen würde... aber er ist halt auch nach einer langen Saison unfassbar durch, der braucht also Urlaub.

Christoph Baumgartner, Österreich: Unfair? Bestimmt. Er war halt am falschen Ende von der Parade des Turniers durch Mert Günok... der nebenbei nach dem Auftaktspiel auf die Bank gesetzt wurde... Und trotz dieser Parade "nur" eine 2,5 bekommen hat. Oder anders ausgedrückt: Mit einer Kicker-Durchschnittsnote von 3,5 ist er einer der schlechtesten Torhüter des Turniers. Und auf jeden Fall der schwächste Viertelfinalteilnehmer. Und diesen Mann hat Baumgartner berühmt geschossen. Gut für Besiktas, die ihn jetzt für 30 Millionen nach England verkauft haben. Schlecht für Ralf Rangnick, der dafür den Bayern abgesagt hat...

Phil Foden, England: Man kann auch nicht alles auf Gareth Southgate schieben. Also ja, vielleicht könnte der Trainer die Anweisung geben, dass Foden mehr die Linie halten soll und dadurch zumindest das Gefühl von Breite ins englische Spiel bringt. Und vielleicht hätte man das im Training auch mal einüben können. Dass Foden aber an den einfachsten Aufgaben scheitert, liegt aber nicht an Southgate... Also der Mann soll laut Transfermarkt.de 150 Millionen Euro wert sein. Trotzdem läuft er bei einem Querpass durch den 5er ins Abseits. Und das war ja kein hauchdünnes Abseits. Von einem derart teuren Spieler muss man erwarten können, dass er sich hinter dem Ball positioniert.

Niclas Füllkrug, Deutschland: Häh? Der ist doch voll gut! Ein superwichtiger Joker. Und er hat dieses superwichtige Tor gemacht... seinetwegen erleben wir jetzt das vorgezogene Finale gegen Spanien... ahh...
Ja, Füllkrug hat seinen ersten Urlaubstag auf das Halbfinale gelegt. Wenn er nicht trifft, wäre man auf der "einfacheren" Seite des Turnierbaums. Es würde "nur" gegen die übermüdeten Engländer gehen, anstatt gegen die eine Mannschaft, die wirklich gut aussieht. Und danach dann designiert gegen Frankreich. Als Bonusfeature hat Antonio Rüdiger sich bei dem Torjubel verletzt und drohte auszufallen. Der Treffer macht alles also unnötig schwierig und spannend.

Und als "Einwechselspieler":
Jude Bellingham und Merih Demiral: Das ist schon ein gehobenes Arschloch Niveau: Seinen Kollegen noch mehr Stress und Spiele zumuten, obwohl zumindest die Engländer da ja gar keinen Bock drauf haben, und dann wegen obszöner oder rechtsextremen Gesten gesperrt auszufallen.

Dienstag, 2. Juli 2024

Die Engländer sind gar nicht schlecht...

 Die bieten gehobenen Durchschnitt an. 

Ganz ehrlich: Was wir gestern erleben durften, war der schlechteste Achtelfinale-Spieltag der EM Geschichte: 210 Minuten mit einem einzigen Tor. Und das war auch noch ein Eigentor, weil Randal Kolo Muani nicht mal aufs Tor gezielt hat.
Gerade wenn man bedenkt, dass bei Belgien und Frankreich richtig gute Fußballer auf dem Platz standen. Aber die wurden halt von Didier Deschamps und Domenico Tedesco auf- und eingestellt. Einer dieser beiden Trainer hat einfach kein Interesse an berauschendem Fußball... dem anderen fehlen vielleicht einfach nur die Fähigkeiten... Er war mal Schalke Trainer, davon erholt man sich nicht so leicht.

Slowenien gegen Portugal war dann einfach nur schlecht. Die einzigen Highlights waren ein verschossener Elfmeter von Cristiano Ronaldo... und Pepe's Versuch zu verhindern, dass Ronaldo erneut antreten muss... Leider sagte Benjamin Sesko da "Nö, ich will in dieses Elfmeterschießen"...

Und dort traf Slowenien dann auch das Tor nicht. Einen vergleichbar schlechten Spieltag gab es zuletzt... 2006 bei der WM in Deutschland. Das muss an uns liegen. Damals erzielte Italien in allerletzter Minute per Elfmeter die Führung... und die Schweiz entschied sich dafür, das Elfmeterschießen ohne eigenen Treffer zu beenden.

2010 gab es auch mal einen Tag, an dem nur ein Tor erzielt wurde... aber da spielten wenigstens halbwegs motivierte Spanier mit und Paraguay nahm am Elfmeterschießen wirklich teil.

Gerade dass das Elfmeterschießen, welche es als "Belohnung" für diese tollen Spiele gab und wenigstens für etwas Nervenkitzel sorgen sollte, nach 2 Schützen durch war. 

Und das absurdeste: Die beiden Gewinner treten jetzt gegeneinander an. Wir dürfen uns also auf ein weiteres Duell aus der Kategorie "Kann nicht mehr" gegen "Will nicht mehr" freuen. Euphorie!

Aber genau so erreicht man halt das Elfmeterschießen gegen England... und wird damit sicher Europameister. Dieser Spieltag hat mich in meiner Überzeugung, dass die am schlechtesten spielenden Mannschaften am Ende das Finale erreichen, bestärkt. Und dann werden alle hinterher nur noch von diesem einen Viertelfinale reden und den Rest des Turnieres verdrängen...

Montag, 1. Juli 2024

Gareth Southgate ist ein Genie

 Der spielt halt nur ein ganz anderes Spiel als wir. Deswegen steht er ganz entspannt mit den Händen in der Hosentasche am Seitenrand und wechselt bei Rückstand in der 94. Minute einen Spieler ein, um noch an der Uhr zu drehen. Er kann das nicht nur tun, wer muss genau so agieren, um sein eigenes Ziel umzusetzen: Das 2:1 vor dem 1:1 erzielen. Und genau das hat er geschafft.

England erzielte den Ausgleich in der 96. Minute und die Führung in der 92. Minute. Und nur darum ging es doch. Und dass ein Jude Bellingham diese taktische Anweisung dann fast perfekt umsetzt. Das Spiel ständig verschleppt. Seine Mitspieler anmault, falls die vor der 93. Minute irgendwelche Anstalten machen, Initiative zu zeigen. 

Ganz ehrlich, dass Bellingham nach der gezeigten Leistung und den gezeigten Emotionen überhaupt noch auf dem Platz stand, zeigt doch, wie wenig Interesse Southgate an der Ausübung seines eigentlichen Jobs hat. Und klar, wer trifft, hat recht und wer den treffenden Spieler auf dem Platz lässt, hat alles richtig gemacht. Aber, revolutionärer Gedanke, wenn man früher einen Spieler mit Elan und positiver Körpersprache auf den Platz stellt, trifft man vielleicht sogar etwas früher. Vielleicht geht man sogar der Verlängerung aus dem Weg, was bei einem völlig überspielten Kader elementar wichtig wäre. Aber Southgate hatte halt die Hände in den Hosentaschen, da konnte er keine Wechsel vornehmen.

Ernsthaft, was der abliefert, ist eher eine Karikatur eines Trainers. Und dass der damit durchkommt, ist  völlig absurd. Und wenn Bellingham auf dem Platz steht, spielt England de facto in Unterzahl. Nicht nur, weil er selber wenig bringt, sondern weil er auch noch die anderen Spieler mit seiner "Ausstrahlung" runterzieht. 

Aber hey, genau so wird man Europameister... oder erreicht zumindest das Elfmeterschießen gegen Frankreich. Und nur darum geht es Southgate doch: Ein letztes Mal im Elfmeterschießen scheitern.

Aber ja, das solltet ihr jetzt schon buchen. Dies ist nicht die EM, die man durch berauschenden Fußball gewinnt. Dies wird eher ein "Die Favoriten mogeln sich irgendwie durch" Turnier. Also wie die letzte EM auch... Das letzte Mal hatten die aber eine gute Ausrede, weil sie dank der Pandemie-Verschiebungen völlig überspielt waren. Wobei man Bellingham zugutehalten muss, dass das auch für ihn gilt, der ist halt nach einer harten und langen Saison mit Champions League Finale vollkommen durch. Nur hat dieser angeblich so wertvolle Kader auch keinerlei Alternativen hergibt...

Vielleicht sollte man auf Transfermarkt.de auf diese EM reagieren und allen Spielern der Premiere League 15% ihres Marktwertes abziehen. Denn offensichtlich sind diese Spieler völlig überbewertet, wenn ein Phil Foden an den einfachsten Aufgaben wie "Bei einem Querpass durch den Strafraum nicht im Abseits stehen" scheitert. Und das war ja keine Zentimeter-Entscheidung wie beim dänischen Abseits, sondern eher ein "Warum geht die Fahne da nicht gleich hoch, sondern muss der VAR mobilisiert werden?" Abseits.

Jetzt solltet ihr euch auf jeden Fall den Freitag im Kalender markieren, denn das wird das einzige richtig geile Spiel der EM. Das einzige Duell zweier Spitzennationen mit (fast ausschließlich) Topspielern, die auch beide Bock auf Fußball spielen haben. Und all das nur dank Niclas Füllkrug, was man nicht oft genug erwähnen kann. 

In allen anderen Viertelfinalspielen hat man entweder eine Mannschaft wie England, die Niederlande oder Frankreich, die keinerlei Interesse am Fußball spielen haben... oder einen Außenseiter, der sich überraschend in diese Runde verlaufen hat.
Und versteht mich dabei nicht falsch: Diese Außenseiter haben bisher auch für die fußballerischen Highlights gesorgt. Gerade was die Österreicher und Schweizer im Kollektiv anbieten, ist schon faszinierend. Aber deren individuelle Klasse ist, bei allem Respekt, ein gutes Stück von den Engländern und Franzosen entfernt. Um aus einem taktisch faszinierenden Spiel ein absolut hochklassiges zu machen, braucht man halt auch die individuelle Extraklasse.

Ansonsten muss ich mich echt nochmal über das Goldfisch-Gedächtnis von Fußballfans aufregen. Ich durfte echt Kommentare wie "Scheiß Schiri!" und "Schiebung" hören, habe mich da aber zum Glück nicht laut genug geflucht, so hat das "Ihr seid doch einfach nur dumm" nur mein Kollege gehört...
Die Fans haben diese Sprüche nicht nach dem zurück gepfiffenen 1:0 durch Niklas Süle gebrüllt... Sondern nach dem 3:0 von Florian Wirtz. Einem nur für die Statistik relevantes Tor. Wenn dieser (zugegeben schwache) Schiedsrichter das Spiel hätte verschieben wollen, hätte er den Handelfmeter nicht gegeben. Und als einer der anscheinend wenigen Menschen, die sich sachlich zu Regeln äußern können, sage ich da mal: Den kann man geben. Muss man aber auch nicht.
Was auch nur bedeutet: Für Deutschland ist das ein klarer Elfmeter, gegen Deutschland wäre es eine klare Fehlentscheidung.
Und Deutschland hat jetzt 2 Mal vom VAR profitiert. Denn beim hauchdünnen Abseits würde man sich, wenn man selbst betroffen ist, für dickere Linien einsetzen. Kann doch nicht sein, dass das auf den Millimeter ausgemessen wird. Was wurde eigentlich aus "Im Zweifel für den Angreifer"? Dabei ist Abseits die eine wirklich faire Verbesserung, die der VAR gebracht hat. Denn jetzt kann man objektiv sicherstellen, dass kein einziges Abseitstor erzielt wird. Das ist brutal für die Dänen, aber irgendwie auch fair, weil es auch für alle anderen Mannschaften genauso brutal geendet hätte.

Jedenfalls feiert Deutschland jetzt plötzlich den VAR mit "Spieler des Spiels" Memes. Wenn der VAR aber das nächste Mal gegen Deutschland entscheidet, werden sie das alles wieder vergessen haben und lauthals die Abschaffung dieser Missgeburt fordern. Garantiert. 

Traurigerweise werden das aber nicht nur die Fans machen, sondern auch die Experten hinterher werden sich dann fragen, ob das wirklich sein muss... Dass man im Achtelfinale krass davon profitiert hat, haben bis dahin alle vergessen.

Donnerstag, 27. Juni 2024

Wir müssen über Lewandowskis Elfmeter reden

 Oder über Elfmeter im Allgemeinen. Um nicht immer nur dasselbe zu machen. Jetzt, wo allen anderen aufgefallen ist, dass der Modus scheiße ist... kann ich da ja in Ruhe behaupten: PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher.

Wobei T-Online eine andere absurde Sache anspricht: Mehr kleine Mannschaften wie Rumänien und Georgien würde relativ gesehen weniger England, Frankreich, Belgien und Italien bedeuten. Damit würde das Niveau des Turniers angehoben werden. Die bittere Wahrheit dieses Turniers ist, dass abgesehen von Deutschland und Spanien die kleineren Nationen für die tollen Spiele und emotionalen Glanzpunkte gesorgt haben... Während sich die großen einen absurden Scheiß zusammenspielen.
Und ja, das ist genau die EM, in der Frankreich und England das Finale erreichen und sich da ein 0:0 nach Verlängerung zusammenstolpern.

Aber zur Parade von Mike Maignan. Denn darum geht es ja eigentlich. Der hält einen Elfmeter von Robert Lewandowski, was technisch gesehen ein Ding der Unmöglichkeit ist. Die Reaktion des Torhüters ist schon großartig: "Neue Regeln des IFAB ab 2026: Der Torwart muss dem Schützen im Moment den Rücken zudrehen. Wenn er den Ball hält, gibt es indirekten Freistoß."

Diese Regel ist noch gar nicht so alt. Aber sie ist Teil der "Wir schützen die Schützen und machen es denen noch leichter" Modus der Fifa. Also seit der letzten WM wurden die "Psychospielchen" verboten, damit die Schützen nicht abgelenkt sind. Lustigerweise kam die von Maignan geteilte Übertreibung als Reaktion auf diese Anpassung. 

Dass der Torrhüter die Linie zwingend berühren muss, kommt derweil aus dem Jahr 2022. Und lustigerweise hat Lewy seit 2023 keinen einzigen Elfmeter verschossen. Natürlich ist das ein richtiger Arschloch Move... aber er nutzt das Regelwerk halt eiskalt aus. Das finde ich immer großartig, weil es nur verdeutlicht, wie ahnungslos die Regelhüter sind.

Hier mal ein kurzer Realitätscheck: Ein gut getretener Elfmeter ist praktisch unhaltbar. Also wenn ein Cristiano Ronaldo einen ruhenden Ball mit 110 km/h platziert in die Ecke knallt, kommt da kein Torhüter der Welt ran. Lewandowski könnte das auch, aber es bleibt halt ein Restrisiko, den Pfosten zu treffen. Dieses Risiko senkt er gegen 0, weil der Torhüter dank seiner Finten einen Regelbruch begehen muss und er im Zweifelsfall nochmal darf.

Aber die Schützen brauchen keine Hilfestellungen.
Und ja, die Regel war an sich "gut gemeint". Aber das ist halt auch nur das Gegenteil von gut. Also eine einheitliche Auslegung zu finden, wann der Elfmeter wiederholt werden muss, ist schon vernünftig. Die haben es aber halt nicht kommen sehen, dass verwirrte Einzeltäter es mit den Finten so übertreiben.

Nun gibt es dafür eine einfache Lösung. Wenn Finten im Regelwerk explizit erlaubt sind, erlaubt man dem Keeper einfach nach der ersten auch die Linie zu verlasssen. Und wenn der Stürmer wie Lewandowski so viele Abstopper einbaut, dass der Torhüter den Ball vom Punkt aufnehmen kann, bevor der Schuss ausgeführt wird, ist das sein Problem. 

Damit wäre eindeutig geklärt: Wenn der Stürmer in einem Zug durchläuft, muss der Torhüter auf der Linie bleiben... weiß dafür aber auch genau, wann der Schuss kommt. Und wenn der Stürmer den Anlauf verzögert, muss der Torhüter sich keine Sorgen mehr machen, dass sein Versuch den Elfmeter abzuwehren, zurückgepfiffen wird. Das wäre eine faire Lösung für alle Beteiligten...

Dazu logisch, konsequent und einfach umsetzbar. Genau deswegen wird die Fifa es nie einführen...

Mittwoch, 26. Juni 2024

Wir brauchen mehr "Schanden von Gijon"!

 Klingt erstmal absurd. Aber Dinge müssen halt schlechter werden, bevor sie besser werden. 

Und ja, die Gruppe C war schon dicht dran. Die einzigen, die einem da Leid tun, sind halt die Serben, die halt auch einfach zu limitiert sind, um wirklich was zu bewegen. Die anderen... Aber das ist ja die Brillianz eines Gareth Southgates: Da kann man den Unterschied zwischen einem abgesprochenen 0:0 als neue "Schande von Gijon" oder einem Normalen Spiel einfach nicht erkennen...
Fun Fact: In der Gruppe C haben die zusammen in 6 Spielen 7 Tore erzielt... Das dürfte damit die schlechteste EM Gruppe aller Zeiten gewesen sein.

Aber es ist auch verständlich. Slowenien und Dänemark hätten ja das Achtelfinale riskiert, wenn sie hinten aufgemacht hätten. Ein Achtelfinale, dass sie bei einem 0:0 sicher erreichen. Jetzt geht Slowenien der Deutschen Mannschaft aus dem Weg, weil der Co-Trainer eine Gelbe Karte gesehen hat. Die eigentliche Entscheidung dieser Gruppe fiel in der 72. Minute, als Jaka Bijol eine Gelbe Karte bekam.

Aber leider sind die halt nicht ausgeschieden, sondern dürfen, zumindest nach meinem Tabellenrechner, auf den ersten der Gruppe E. Das sind im schlimmsten Fall zu alte und auch nicht wirklich Insprierte Belgier... im Idealfall ist es Rumänien oder die Slowakai. Da muss die Frage, ob es jemals eine "teamdienlichere" Gelbe Karte gab, erlaubt sein... denn all diese Mannschaften sind schlechter als Deutschland.

Hoffentlich spielen die Rumänen und die Slowaken jetzt wirklich auf 0:0. Mit 0 Torschüssen und Chancen. Zieht das durch. Und dann scheidet die Ukraine mit 4 Punkten aus, während Dänemark und Slowenien mit 2 Toren weiterkommen.  Denn nur dann wird sich dieser Modus ändern. Entweder durch eine weitere Aufstockung des Turniers, oder durch ein weiteres "Vorturnier", damit die Favoriten erste in der Gruppenphase mit den besten 16 Teams einsteigen müssen. Aber wir müssen zurück zu den "Nur die ersten 2 kommen weiter."

Normalerweise ist das jetzt der Moment, in dem das Turnier richtig ins Laufen kommt. Stattdessen ist zumindest mir so langweilig, dass ich mich irgendwie mit anderen Dingen ablenke. Oder einfach auf Konzerte gehe, statt mir diese Grütze anzugucken.

Das kann man ja auch an dem auf kurze Sicht großartigen letzten Spieltag der Gruppe D festhalten: Also an sich war das schon richtig spannend. Und es gab haufenweise Verschiebungen in der Tabelle. Alle 3 Mannschaften waren zwischendurch mal Tabellenführer. Aber dann wird einem bewusst, dass alle 3 Mannschaften zu jeder Zeit garantiert im Achtelfinale standen. Keine Mannschaft war jemals vom Ausscheiden bedroht. Was meint ihr, wie sich die Niederländer dann gewehrt hätten?

Mein Tabellenrechner (ich habe als Optimist alle weiteren Spiele auf 0:0 getippt) spuckt mir als "Strafe" für den verpassten Gruppensieg Frankreich gegen Belgien aus. Und Österreich gegen die Türkei. Weil es auch für die Franzosen nur um die Frage ging, gegen welchen Gruppenzweiten sie denn antreten. Falls die Belgier ihren Scheiß so weit auf die Reihe bekommen, dass sie Gruppensieger werden, gibt es Frankreich gegen Rumänien oder die Slowakei. Einzig die Holländer bekommen als "Strafe" die trägen Engländer als Gegner... während die eigentliche Strafe für die gezeigten Leistungen ein Vorrundenaus sein sollten...

Nebebei wird jetzt ja immer an den "sportsgeist" appeliert, damit sich Rumänien und die Slowakei nicht auf ein 0:0 einigen. Das ist so albern. Denn der "sportsgeist" sollte sie aufs 0:0 gehen lassen. Denn für Rumänien wäre das ein historischer Erfolg: Die erste Teilnahme an einer K.O. Phase seit dem Jahr 2000. Für die Slowakei wäre es die 2. Teilnahme an einem Achtelfinale in der (zugegeben noch jungen) Verbandsgeschichte. Für viele Spieler wäre das Erreichen dieser K.O. Runde und das Spiel vor ausverkauftem Haus eines DER Highlights ihrer Karriere. Die haben halt keinen Toni Kroos, für den es normal ist, in ein Finale einzuziehen... Die stellen halt eher so Schranz auf... Oder die verschollenen Brüder von Marko Marin...

Dieses Highlight aufs Spiel zu setzen, weil man in der 85. Minute in einen Konter rennt, wäre das Dümmste, was ein Sportler je getan hat. Denn die können ja nichts dafür, dass dieser Modus so beschissen ist. Das haben die Leute in den Anzügen verkackt. Und ihre Aufgabe ist es, aus diesem Modus das beste für sich selbst herauszuholen. Wenn sie das mit einem müden 0:0 erreichen, dann soll es halt so sein.

Dienstag, 25. Juni 2024

Danke, Füllkrug

 War echt wichtig, dass wir diesen Italienern aus dem Weg gehen... und stattdessen auf England treffen.

Also nur um nochmal festzuhalten, was dieser Treffer bewirkt hat: Es führt dazu, dass wir gegen den einen Gruppenzweiten spielen und nicht gegen den anderen... Weil dieser Modus mit den 24 Teams so abgefuckt ist.

Eigentlich sollte der Gruppenerste jeder Gruppe auf einen relativ schwächeren Gruppenzweiten treffen. Und alle nicht ganz so stark gestarteten Teams auf eines der dominanten Teams. Und wer nach 3 Spielen 3 Punkte und ein negatives Torverhältnis hat, scheidet aus.

Aber jetzt hat Ungarn immernoch die Chance auf ein weiterkommen. Hier ist auch etwas, was unbedingt bedacht werden muss: Mattia Zaccagni hat nicht Italien ins Achtelfinale geschossen. Er hat nur Kroatien rausgehauen. Denn ohne diesen Treffer stünde Italien bei 3 Punten und -1 Toren. Also schonmal vor den Ungarn. Man müsste also nur noch einen weitere noch schwächeren Gruppendriten finden. Und heute spielt Dänemark gegen Slowenien. Wenn eine dieser Mannschaften gewinnt und England nicht verliert, hätte Italien trotz Niederlage das Achtelfinale sicher.

Und ja, ich gehe nicht davon aus, dass England gewinnt. Southgate wird, wo er jetzt ja sicher weiter ist, Southgate Dinge tun... vielleicht stellt er wirklich 6 Crystal Palace Spieler auf, damit alle merken, dass seine Bank gar nicht so gut ist. Oder einfach nur, weil er es kann. Und dann spielen die nur Unentschieden, während Dänemark mit 2:0 gewinnt. Und schon trifft Southgate auf Nagelsmann.

Das ist aus Southgates Anti-Fußball-Perspektive auch gar nicht sooo schlimm. Er hat ja gerade die Blaupause bekommen, wie man die Deutschen an ihre Grenzen bringt. Und er wird die Mannschaften, die wirklich Fußball spielen können und wollen, so früh wie möglich aus dem Turnier kegeln wollen... bevor die sich noch besser einspielen.

Das Spiel gegen die Schweiz hat "uns" ja gezeigt, dass die Abstimmung im Mittelfeld noch nicht so fein ist, wie man das braucht, um Europameister zu werden. Da kam dann sogar ein Toni Kroos ins Schwitzen. (Dass Kroos Werbung für Deodorant macht, finde ich nebenbei absurd... aber andere Geschichte.) Aber je mehr Zeit Kroos, Gündogan, Musiala und Wirtz gemeinsam verbringen, umso besser wird das. Also lieber schnell  raus mit denen.

Und ja, diese Theorie ist völlig absurd. Deswegen gehe ich davon aus, dass dies Southgates Plan ist. Und dass England am Ende mit brutalem Anti-Fußball und absolutem Minimalismus Europameiser wird... Obwohl, er müsste ja pressen lassen und das wäre ja Aufwand. Dafür müsste man ja den Einsatz hochfahren. Southgate wird also diesen "genialen" Plan haben, dann aber nicht bemerken, dass der nicht funktioniert, wenn man sich am eigenen 16er vergräbt... Aber ansonsten ist der Plan voll gut. Und erklärt auch alles, was England bisher so angeboten hat.