Donnerstag, 16. April 2026

Die Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck

 Das war schon ein episches Event. Wie sehr muss man eigentlich die Verhandlungen verkacken, dass die eigenen Fans auf die Bekanntgabe einer Verlängerung mit Pfiffen reagieren? Wie konnte das denn passieren?

Das Grundproblem ist hier natürlich die Ausstiegsklausel. Also noch nicht mal die Ausstiegsklausel an sich, sondern dass sie schon ab diesem Sommer greift. Ausstiegsklauseln sind wirklich relativ normal, da müssen wir uns nichts vormachen. Und ja, auch Harry Kane hatte so eine in seinem Vertrag, was mich auch ein wenig überrascht.

Aber hier ist das entscheidende Problem: Die Ausstiegsklausel bei Nico Schlotterbeck greift schon ab diesem Sommer. Wenn auch sie nur für 3 Vereine gilt. Aber Real Madrid ist dabei, und die könnten nach der Vorstellung gestern durchaus Hilfe in der Verteidigung gebrauchen. Auch Liverpool wird genannt und auch die werden im Sommer Geld für deutliche Verstärkungen in die Hand nehmen.

Normalerweise gelten solche Ausstiegsklauseln ab 2027 oder 2028. Das wäre ein starkes Statement auch von Schlotterbeck gewesen: "Egal, wie die Weltmeisterschaft ausgeht, ich werde mindestens bis zur EM in Dortmund bleiben." Und machen wir uns nichts vor: Am Ende geht es jetzt für Schlotterbeck nur um die WM. Wenn Deutschland erfolgreich abschneidet und Schlotterbeck ins Team des Turniers gewählt wird, holt Real den. Und dann wird Schlotti sagen, dass man einer Mannschaft wie Liverpool nicht absagen kann.

Für mich als zynischer Zuschauer ist das natürlich perfekt. Denn jetzt steht quasi schon fest, wie Schlotterbecks restliche Karriere in Dortmund verlaufen wird. Es gibt ja tatsächlich nur 2 Szenarien.

Szenario 1.: Schlotterbeck macht noch den Schritt zum Weltklasse-Verteidiger. Wie immer gehe ich mit diesem Begriff sehr sparsam um. Aber wenn er den Schritt geht, ist die Frage nicht "ob", sondern nur "wann" er den Verein verlässt. Und die Antwort lautet "Unverzüglich"...

Szenario 2: Schlotterbeck wird der nächste Julian Brandt. Im Jahr 2030 führt er die Mannschaft dann als Kapitän aufs Feld, weil er halt irgendwie schon immer da war. Er ist aber auch nur noch da, weil sich die wirklich großen Klubs nicht für ihn interessieren. Und im Sommer 2031 wechselt er dann ablösefrei irgendwo hin. Wahrscheinlich zu einem Verein, der im Ausland um die Champions League Teilnahme mitspielen kann. Vielleicht wird er sogar mal Meister in Italien. Und bei seinem Abschied werden sich alle denken, dass da doch irgendwie mehr gegangen wäre, wenn er sein gesamtes Potenzial ausgeschöpft hätte.

Vielleicht verlängert man den Vertrag dann sogar noch einmal. Dann sogar ohne Ausstiegsklausel, weil sich niemand für einen Ü30er Verteidiger aus Dortmund interessiert. Und hey, vielleicht stemmt er sogar mal als Kapitän den DFB-Pokal in den Himmel. Das hängt halt davon ab, wie ernst die Bayern diesen Wettbewerb nehmen. Meister wird, wie bereits letzte Woche angekündigt, bis 2031 nur der FC B...

Das ist und bleibt halt das Grundproblem der Dortmunder. Und genaugenommen auch beim Rest der Liga. Sobald die Spieler in ihren Reihen auch nur andeuten, dass sie wirklich Weltklasse sind, kommt jemand und bietet verdammt viel Geld. Die letzte Ausnahme, die mir einfällt, ist halt Florian Wirtz, der eine Ehrenrunde mit Leverkusen absolvierte, obwohl er eigentlich schon 2024 den Schritt zu einem größeren Verein wagen konnte. Aber er wollte halt vorher als Stammspieler Champions League spielen und ist nach wie vor verdammt jung. Er ist wirklich gut beraten und nicht nur auf die schnelle Gehaltserhöhung aus.

Es ist ja auch faszinierend, wie viele ehemalige Bundesligaspieler in diesem Champions League Viertelfinale mitgemischt haben: Wirtz, Hugo Ekitiké, Dominik Szoboszlai und Jeremie Frimpong spielen für Liverpool. Ousmane Dembélé geht mittlerweile für Paris St. Germain auf Ballon d'Or jagt. Dani Olmo und Robert Lewandowski greifen für Barca an. João Cancelo "verteidigt" für sie. Piero Hincapie und Kai Havertz verwalten die Vorsprünge für ArsenalJude Bellingham, Antonio Rüdiger und Daniel Carvajal jammern kollektiv für Real Madrid. 12 Spieler... und nur 2 von ihnen kamen vom FC Bayern. Und die ganzen jungen Hüpfer kommen nicht vom Rekordmeister, sondern von der "Konkurrenz".

Die Bundesliga könnte locker eine Mannschaft ausbilden, die die Bayern, selbst in ihrer derzeitigen Verfassung, herausfordern könnte. Aber sie können diese Spieler nicht halten. Sie verlängern "nur" mit den Schlotterbecks dieser Welt...

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