Dienstag, 7. Juli 2020

Rapid Relegation Reaction

Immerhin... die allergrößte Peinlichkeit hat Werder Bremen sich in der 94. Minute erspart: Den Klassenerhalt in der Relegation ohne selbst erzieltes Tor zu schaffen. Das wäre auch mehr als passend gewesen, schließlich hat Bremen, wenn man die Spiele gegen hilflose Paderborner und vollkommen unmotiviererte Kölner (aka 2 Spiele am Rande der Wettbewerbsverzerrung) rausrechnet, in der Bundesligasaison 31 Tore erzielt. Das ist ein Wert, der praktisch nie zum Klassenerhalt reicht (außer man ist der Hamburger SV).
Nebenbei passierte einem all das, während man von einem überragenden Trainer, der für ansehnliches Offensivspiel steht, trainiert wurde... Trotzdem erzielte man vor dem Köln Spiel im Jahr 2020 in 8 Heimspielen EIN EINZIGES TOR! Eines.
Und weil das alleine nicht reichte, blieb das vom Offensivgenie Florian Kohfeldt trainierte Team gegen einen aufstrebenden Zweitligisten 180 Minuten lang ohne eigenen Treffer.
Das sind alles Dinge, bei denen man zugeben muss: Nicht mal der HSV hat das geschafft...

Und das bringt mich zu dem eigentlichen Skandal dieser Relegation. Also ja, auch der HSV hat es mal geschafft, nur dank der auswärts erzielten Tore die Klasse zu halten. Aber die haben wenigstens in einem ausverkauften Stadion vor einer hitzigen Kulisse gespielt. Nicht vor kurzzeitig 50 Fans, die wieder aus dem Stadion gebracht werden mussten.

Nur um das mal festzuhalten: Werder Bremen hält auf Grund der Auswärtstore eines Geisterspieles die Klasse. Nachdem die Bundesliga mit im Durchschnitt 2,3 Heimsiegen pro Spieltag eindeutig nachgewiesen haben, dass der Heimvorteil in der Corona Krise vollkommen irrelevant ist.

Ich bin ja praktisch seit Einführung der Relegation dafür, dass der Zweitligist einen relevanten Vorteil bekommt. Einfach als Anerkennung dafür, dass statistisch gesehen 3 von 4 Relegationsteilnehmer (Kiel, Union und Heidenheim definitiv) ihre historisch beste Saison gespielt haben. Dieser Vorteil wäre für mich sehr einfach zu definieren und umzusetzen: Steht es nach Hin- und Rückspiel Unentschieden, steigt der Zweitligist auf. Und ja, die "Europapokal Auswärtstor Regel" wird dafür auch ausgesetzt.

Es wäre auch einfach fairer, wenn der Zweitligist bei 2 torlosen Unentschieden den Aufstieg feiert. Also rein logisch gesehen. Denn der hat ja, wie schon erwähnt, eine herausragende Vorleistung gebracht. Während der Bundesligist meistens die schlechteste Saison seit 50 Jahren spielt. Wenn man dann also dem Bundesligisten eine weitere Chance gibt, sollte man wenigstens auch diesen Verein dazu zwingen, das Spiel aktiv zu gestalten. Das Geschehen selbst in die Hand zu nehmen. Was man auf Grund seiner deutlich besseren finanziellen Möglichkeiten auch eh können sollte.

Fun Fact: Mit dieser Regelung wäre der HSV 2 Mal an der Relegation gescheitert. Und jetzt Werder. Aber ich bin ja der einzige, der glaubt, dass man den Abstieg verdient hat, wenn man die schlechteste Saison seiner Vereinsgeschichte spielt...

Nebenbei wollte ich mal erwähnt haben, dass selbst die Schnarchnasen von der Uefa erkannt haben, dass die Auswärtstorregel nicht mehr zeitgemäß ist. Also selbst wenn Fans im Stadion sind. Ohne ist es vollkommen albern deswegen die Klasse zu erhalten. Wenn selbst die Uefa so was erkennt und ändern will... warum kriegt es dann die DFL nicht hin... Und ja, es wäre kein Problem gewesen beim Re-Start bekannt zu geben, dass die Relegation, wenn sie schon statt finden muss, dieses Mal ohne "Auswärtstor-Regel" kommt und es bei Gleichstand in die Verlängerung geht... weil der Heimvorteil "Fanunterstützung" halt ausfällt. Aber die denken ja mal wieder nur bis zur eigenen Nasenspitze...

Aber hey, immerhin wurde die Leihe von Davie Selke verlängert... und man muss 11 Millionen Euro Ablöse für Bittencourt und Toprak zahlen, hat sein Transferbudget praktisch schon aufgebraucht... Anders ausgedrückt: Wenn Kohfeldt nicht deutliche Fortschritte macht, wird das nächste Saison kaum besser werden.
Oder... die Gerüchte in Hoffenheim Bewahrheiten sich und dort hat man wirklich Interesse an diesem Jahrhunderttalent. Das könnte echt die eleganteste Lösung sein: Man kann den Trainer wegloben, Kohfeldt kann in einem neuen Umfeld und mit einem besseren Kader wirklich nachweisen, ob er so gut ist, wie viele glauben und Bremen kann den Neustart mit sagen wir Markus Weinzierl wagen. Also sie müssen darauf hoffen, dass sie die Augsburger Version von Weinzierl bekommen.

Nebenbei ist es echt lustig, dass die Relegation und das DFB Pokalfinale exakt gleich endeten: Mit einer minutenlangen Diskussion, ob das jetzt für einen Handelfmeter reicht oder nicht. Obwohl die Elfmeter vollkommen irrelevant waren. Ok, Werder hätte sich ein wenig besser fühlen können, wenn sie wenigstens ein Relegationsspiel gewonnen hätten. Das war aber die einzige Auswirkung dieser beiden Elfmeter. Obwohl... angeblich kann Bayer Leverkusen ja "stolz" auf seine Leistung sein, weil man immerhin 2 Tore gegen die Bayern erzielt hat, aber dazu morgen mehr.,.

Und während es in Heidenheim wenigstens nur eine Minute dauerte... vergingen in Berlin zwischen dem Handspiel und der Ausführung des Elfmeters 3 Minuten. Das ist einfach viel zu lange.
Absurder Weise hätte man auch einfach fix die Einstellung, die nachweist, dass die Abseitsentscheidung falsch war, einschieben können, den Vorteil nach dem fragwürdigem Handspiel weiter laufen lassen und dank der Torlinientechnologie den Treffer geben.
Also nur um das nochmal festzuhalten: Die haben 3 Minuten nach der Einstellung gesucht, die ein fragwürdiges Handspiel als Teil einer eh schon komplizierten Regel nachzuweisen... und wenn sie zu dem Schluss gekommen wären "War kein Handspiel", hätten sie dann noch 5 Sekunden gebraucht um die Abseitsstellung zu klären... Da wir in Deutschland sind, hätte man erst den Abstoß ausführen lassen, bevor der Schiedsrichter dann doch nochmal zurück zum Videowürfel geht... Weil wegen beste Liga und so.

Das sind die wirklichen Gründe, warum der VAR immer wieder so schlecht aussieht. Anstatt bei den einfachen und sinnvollen Entscheidungen einzugreifen, wird er bei Grauzonen und Unklarheiten angewendet. Und selten lag beides so dicht beieinander wie in diesen Sekunden.
Das echt keiner der Leute vor den Kameras auf die Idee kam: "Hey, lasst mal fix checken, ob das wirklich Abseits war, das kriegen wir schnell raus." Obwohl das offensichtlich die einfache und praktikablere Lösung war. Aber da landen wir wie immer beim Qualitätsproblem der Schiedsrichter: Ein guter VAR hätte den Schiedsrichter gefragt "Hat die Torlinientechnik angeschlagen? Ja? Dann lasst mal kurz das Abseits klären." Wir haben aber halt keine guten Schiedsrichter mehr.

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