Donnerstag, 4. Februar 2021

VARte was? Wirklich?

 Also zunächst mal das wichtigste vorne weg: War doch schön spannend. Also es war definitiv der Beweis, dass der DFB Pokal auch ohne die Bayern funktionieren kann. Ich hab ja schon befürchtet, dass es nur grausame Spiele auf bescheidenem Niveau geben würde. Am Ende war es sogar Werbung dafür andere Spiele zu zeigen, wenn die Bayern auch eine Option wären. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein enges, spannendes Spiel zu sehen bekommt, steigt, wenn die Bayern nicht spielen... Auch wenn ich selber zugeben muss, dass Bastian Schweinsteiger die Spannung am Dienstag schon herbeigeredet hat. Aber er hat Recht behalten, Dortmund ist so instabil, dass selbst eine 2:0 Führung gegen einen Zweitligisten nicht sicher ist. Im Großen und Ganzen lief das nebenbei alles für Union: Die Konkurrenten mussten sich auf schwierigsten Platzverhältnissen oftmals sogar durch eine Verlängerung quälen, während man selber auf der Couch regenerierte.

Jedenfalls steht es jetzt schon fest, dass Jahn Regensburg und Holstein Kiel im Viertelfinale gegeneinander spielen und ins Elfmeterschießen gehen. Bucht es genau jetzt.

Kommen wir aber zum eigentliche: Was ist denn bitte schon wieder mit unseren Schiedsrichtern los? Also nur um mal festzuhalten, dass wir kein VAR-Problem haben, sondern ein Qualitätsproblem. Was auch keine Neuigkeit ist. Mit richtig guten Schiedsrichtern könnte man auch den VAR problemlos einführen. Aber die haben wir anscheinend nicht.

Also um das mal kurz festzuhalten: Wenn Tobias Stieler beim 3:2 der Dortmunder eine neue Spielsituation erkannt haben will und das richtig sein soll, Robert Hartmann bei einem eindeutigeren Klärungsversuch in Regensburg keine neue Spielsituation erkennt, was auch richtig sein soll, dann arbeiten beide mit unterschiedlichen Regelwerken. Und das kann nicht sein. Einer der beiden hat richtig Scheiße gebaut. Wir müssen mal herauskriegen, wer.

Also ganz ehrlich: Der DFB und die DFL müssen da jetzt reagieren. Sie müssen eindeutig dazu stehen, dass die Regel wie gestern erörtert Scheiße ist, aber konsequent so angewendet werden muss, dann führen beide Rettungsversuche zu neuen Spielsituationen. Oder sie sagen, dass eine Rettungsaktion nicht zwingend zu einer neuen Spielsituation führt, dann muss der Kicker Stielers Note von 2,5 auf 4,5 korrigieren.

Gerade wo beide Szenen so direkt nacheinander passierten. Und das 2 faktisch identische Situationen (Ein Klärungsversuch bringt den Ball zu einem im Abseits stehenden Spieler) zu unterschiedlichen Entscheidungen führen, kann so einfach nicht passieren. Also nicht im professionellen Sport, wo es ja auch immer um Millionen geht. Das ist auch kein Ermessensspielraum wie beim Handspiel. 

Es wäre wirklich spannend, welche Regelauslegung der DFB jetzt für die richtige hält. Und für alle Abwehrspieler der Liga eine wichtige Information. Vor allen Dingen müssen derartige Fehlentscheidungen auch Konsequenzen für die Schiedsrichter haben, die man auch mal offiziell benennen dürfte. Also einer der beiden darf ganz offiziell für 4 Spieltage pausieren.

Am krassesten ist das natürlich für Steffen Baumgart. Wenn der diese Szene gestern gesehen hat, wird sein Puls nochmal so richtig hochgegangen sein. Denn der kann jetzt behaupten, dass er aufgrund der Willkür von Stieler aus dem Pokal geflogen ist. Und das ist ja wohl die bitterste Variante um auszuscheiden.

Vor allem sollten wir halt wieder mal nicht über den VAR reden. Der ist ganz offensichtlich nicht das Problem, sondern nur das Symptom. Ein bisschen wie Donald Trump als Präsident in den USA: Nur weil die Situation um diese inzwischen nicht mehr neue Entwicklung so extrem ist, fällt einem auf, wie kaputt das System eigentlich ist. Und das System sind hier halt die Schiedsrichter, die einfach nicht mehr gut genug sind.

Genau darüber müssen wir eigentlich seit Jahren reden. Aber der DFB arbeitet ja wie das Innenministerium, wenn es um Probleme bei Rechtsradikalen in der Polizei und Bundeswehr geht: Das sind alles bedauerliche Einzelfälle. Im Großen und Ganzen gibt es da gar keine Probleme. Das es jede Woche mindestens einen bedauerlichen Einzelfall mit VAR-Beteiligung gibt... ist doch reiner Zufall. Da kann man nichts machen.

Es wäre zum Beispiel mal ein wirklicher Fortschritt, wenn der DFB nach einer Pokalrunde ein Protokoll veröffentlicht, in dem er alle kritischen Entscheidungen bewertet. Wo dann jeder nachlesen kann, was nach DFB Meinung die korrekten Entscheidungen waren und wo man selber Fehler sieht. Die NBA macht das seit Jahren mit jeder in der Schlussphase getroffenen Entscheidung und es hat den Referees nicht geschadet. 

Dann muss man ergebnisoffen die Debatte führen, wie man die Schiedsrichter wieder auf das gehobene internationale Niveau hebt, welches sie definitiv mal hatten. Nicht nur mit Felix Brych als Ausnahmeerscheinung, sondern flächendeckend. . Nur um das mal festzuhalten: Brych, Felix Zwayer und Denniz Aytekin sind die 3 aktiven Fifa Schiedsrichter mit mehr als 20 Europacup Einsätzen... Und Zwayer ist auf dieser Liste, obwohl er in schöner Regelmäßigkeit zum schlechtesten Bundesligaschiedsrichter gewählt wird. Dass der Mann immer noch als Topschiedsrichter geführt wird, ist ein Teil des Problems und nicht die Lösung.

Hier ist eine schockierende Statistik: laut Wahretabelle.de sind Dingert, Dankert, Stieler, und Zwayer 4 der 7 schlechtesten Schiedsrichter. Wobei man an der Stelle festhalten muss, dass Dingert bei Kicker.de wesentlich besser abschneidtet. 1,6 Notenpunkte besser. Allerdings scheint es allgemein schwieriger zu sein bei dieser Seite gute Noten zu bekommen. Und wie immer ist das Onlineportal von Kicker.de absoluter Müll und lässt mich nicht alle Schiedsrichter und deren Durchschnittsnoten auf einer Seite auflisten. Und auf das Profil von Dingert komme ich am einfachsten, wenn ich direkt bei Google seinen Namen und Kicker.de eintippe. Es ist immer wieder faszinierend, wie unbrauchbar deren Onlineportal ist, wenn man mehr als Ergebnisse abrufen will... Aber damit haben wir das auch für diese Woche erledigt. 

Und wenn der Kicker mir nicht helfen will, muss ich andere Quellen nehmen. Und die kommen zu dem Schluss, dass unsere Fifa Schiedsrichter gerade mal richtig schlecht pfeifen. Aber das konsequent und konstant.

Wenn man ganz ehrlich ist, ist Brych gerade der einzige, der wirklich für höhere internationale Aufgaben in Betracht gezogen wird. Jetzt zeigt sich an der Stelle wieder mein Alter... aber es gab mal eine Phase, da wurde sich in diesem Land darüber aufgeregt, dass jedes Land maximal einen Schiedsrichter zu den großen Turnieren im Sommer schicken durfte. Weil Deutschland da mit Heynemann, Merk, Stark, Krug, Fandel mehrere brauchbare Kandidaten haben. Mittlerweile schicken wir Zwayer als VAR und versagt dann so richtig.

Gerade bei den Turnieren im Sommer zeigt sich der Werteverfall der Deutschen Schiedsrichter doch am krassesten. Früher hatte man den großen Nachteil, dass Deutschland immer mindestens ins Halbfinale kam, was dazu führte, dass als Schiedsrichter nicht fürs Finale nominiert werden konnte. Deswegen ist Markus Merk der einzige Schiedsrichter, der je ein Finale bei diesen Turnieren pfeifen durfte. Aber dann wollte Jogi Löw dem Deutschen Schiedsrichterwesen mal einen Gefallen tun und plante die Heimreise nach der Gruppenphase. Damit die so selten besungenen Helden in Schwarz auch mal in der entscheidenden Phase mitmischen durften... und Felix Brych... wurde von seinem VAR Zwayer krass hängen gelassen und nach der Gruppenphase nach Hause geschickt. 

Das wäre in vorherigen Generationen undenkbar gewesen. Deswegen pfiff Merk auch das Halbfinale im Jahr 2000. Damals dachte man sich als UEFA "Dann haben wir wenigstens einen weiteren fähigen Schiedsrichter im Halbfinale, gut für uns"... 

Mittlerweile gibt es überhaupt nur einen Kandidaten, der überhaupt für solche Turniere infrage kommt, während man früher aufgrund von Quoten fähige Schiedsrichter zu Hause lassen musste. Und dieser eine Schiedsrichter ist selbst dann nicht gefragt, wenn Deutschland frühzeitig ausscheidet. 

Ich sag das mal so: Wenn selbst die Ffia und Uefa erkannt haben, dass unsere Schiedsrichter nichts mehr taugen, muss die Lage wirklich schlimm sein.

Mittwoch, 3. Februar 2021

Endlich wieder was mit ABSEITS!!!

 War ja auch mal Zeit.

Also als ich vor Ewigkeiten diesen Blog angefangen habe, waren Abseitsentscheidungen und die Regelauslegung das Thema Nummer 1. Das, was heute das Handspiel und der Video-Assistent-Referee sind. Die Älteren unter uns erinnern sich. Deswegen heißt dieser Blog auch so, wie er heißt.

Nun hat sich beim Abseits einiges getan. Oder andere Dinge sind wesentlich offensichtlicher geworden. Oder man hat sich daran gewöhnt, dass die Regel mal wieder komplett weltfremd ist.

Nebenbei, als kurzer Einschub, ist es echt faszinierend, wie der VAR all seine Elfmeter immer wieder verkackt. Also eigentlich war dieses Spiel mal wieder Werbung für diese neue Idee. Denn in der allerletzten Minute sorgt er für große Emotionen UND mehr Gerechtigkeit. Man stelle sich vor, diese Szene hätte sich vor ausverkauftem Haus abgespielt: 15.000 Zuschauer starren gebannt auf den Schiedsrichter und seinen Monitor. Handy herausziehen um selber nachzugucken ist nicht, weil alle an ihren Fingernägeln kauen. Und dann der kollektive Aufschrei, wenn der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt zeigt. Und der erneute Jubel, wenn der Elfmeter zur Verlängerung führt. Ganz großes Gefühlskino... Aber hinterher flucht Steffen Baumgart nur darüber, warum der VAR ein paar Minuten später nicht nachvollziehbarer Weise nicht eingegriffen hat. Wobei diese Entscheidung ja korrekt gewesen sein soll.

Und das ist das eigentliche Problem, über das halt jetzt nicht geredet wird: Wenn Stieler in diesem Moment regelkonform gehandelt hat, dann ist diese Regel Scheiße. Kompletter, absoluter, unfassbarer Bullshit.

Warum? Nun ja: Der offensiv und aggressiv auftretende Außenseiter wird für diese Spielweise bestraft. Wer denkt sich solche Regeln aus? Die Spielweise von Paderborn sollte vom Regelwerk gefördert werden und nicht das "Wir mauern mit 10 Mann am eigenen Strafraum". Aber wenn Paderborn das macht, kriegen sie zumindest dieses Gegentor nicht.

Und das ist ja das völlig absurde: Die verzweifelte Abwehraktion von Svante Ingelsson stellt eine neue Spielsituation her? Das kann doch nur jemand behaupten, der selber nie gegen einen Ball getreten hat. Also, selbst wenn er mit der Aktion die Flugbahn des Balles verändert hätte, wäre das immer noch...

Kurzes theoretisches Szenario: Spieler X steht 5 Meter im Abseits. Ich gehe in einen Luftzweikampf mit Spieler Y, gewinne diesen gerade so... aber lenke den Ball direkt zu Spieler X. Der schießt den Ball regelkonform ins Tor. Ich werde dafür bestraft, dass ich meinen Zweikampf technisch gesehen gewonnen habe. Der Gegner zieht einen krassen Vorteil aus einer Abseitsstellung. Das kann doch nicht gewollt sein.

Nun ist es einfach über Regeln zu fluchen und schwierig konstruktive Vorschläge zu machen. Moment, ist es nicht. Die Lösung wäre einfach, man schreibt beim Handspiel ab. Ja, wirklich. Also beim Offensiven Handspiel.

An der Stelle muss ich zugeben, dass meine Offensive Handspiel Regel anders aussehen würde: Pfeift einfach sofort ab, sobald jemand den Ball in der gegnerischen Hälfte den Ball an die Hand bekommt. Konsequent und sofort. Aber wie wir vor einigen Wochen festgestellt hat, gibt es ja klare Regeln wie viele Spieler zwischen Handspiel und Torschuss am Ball gewesen sein müssen, damit das Tor zählt. 

Faszinierender Weise kam diese Regel ja letztens in der Bundesliga zur Anwendung. Ich glaube sogar 2 Mal an einem Wochenende. Allerdings finde ich jetzt das entsprechende Spiel nicht mehr. Wenn ich mich richtig erinnere, ist die Zahl 3. Also wenn der 3. Spieler nach dem Handspiel das Tor erzielt, zählt es, wenn schon der 2. den Ball über die Linie schiebt, zählt es nicht. Einfach und nachvollziehbar, weil man es an einer Hand abzählen kann.

Warum nutzt man nicht eine ähnliche Regel beim Abseits. Also die erste Ballberührung stellt noch keine neue Spielsituation dar und der Spieler steht weiterhin im Abseits. Wenn man dem Gegner allerdings mit dem 2. Kontakt in den Lauf legt, gilt das als eigene Inkompetenz und damit muss man dann leben. Einfach und nachvollziehbar. Und man kann dadurch die Debatte sparen, ob Ingelsson am Ball war oder nicht.

Und nur um das nochmal festzuhalten: in die Position einen durchstartenden Spieler mit einer derartigen Grätsche ins Spiel zu bringen kommt man nur, wenn man hoch verteidigt und aktiv am Spiel teilnimmt. Genau das, was wir sehen wollen. Das Regelwerk sollte immer so gestaltet werden, dass es mutiges Spiel nach vorne fördert. Diese einfach und nachvollziehbare Regeländerung würde dies tun, während sie den "Wir stehen mit 9 Mann am eigenen Strafraum und schicken dann unseren einen schnellen Angreifer" Mannschaft das Umschalten erschweren würde.

Da sich Baumgart aber in epischer Weise über den VAR beschwert, geht die Debatte am eigentlichen Problem vorbei. Auch wenn festzuhalten bleibt, dass die Ausführungen von Baumgart echt grandios waren. Das faszinierendste war, wie er dann plötzlich wieder ruhig und sachlich wurde, als er über den Rest des Spiels redete. Bleibt zu hoffen, dass der DFB einsieht, dass er recht hat und auf eine Strafe verzichtet... 

Was mich jetzt ja wirklich interessieren würde, ist Baumgarts Reaktion auf das "Stieler hat korrekt gehandelt"... damit dann mal jemand ausspricht was offensichtlich ist: Wenn das korrekt sein soll, ist die Regel bescheuert.

Dienstag, 2. Februar 2021

Das ist der spannendste Pokalwettbewerb aller Zeiten!!!

Ok, minimale Übertreibung. Obwohl... lasst es uns mal kurz durchrechnen:

Also in 4 von 5 Jahren steht der FC Bayern im DFB Pokalfinale. Fun Fact: 2 Endspiele in Folge ohne Bayern-Beteiligung hat es zuletzt in den Jahren 2001 und 02 gegeben. Falls ihr jetzt schon einen Tippschein für einen Finalteilnehmer im Jahr 2022 abgeben wollt...

Viel finsterer wird es allerdings, wenn man eine Ebene tiefer schaut. Also 2017, als die Bayern das letzte Mal das Finale in Berlin verpassten, wurden sie vom späteren Titelträger Borussia Dortmund rausgeworfen. 2015 boxte Mitch Langerak die Bayern und Robert Lewandowski aus dem Wettbewerb, nur um hinterher tatsächlich am VfL Wolfsburg zu scheitern... 2010/11 waren es Raul und Manuel Neuer, die das Bayern-Aus im Halbfinale besiegelten. Also Neuer war damals noch Schalker. Die Knappen gewannen damals ihren bis heute letzten Titel. 2008/09 passierte dann etwas Unglaubliches: Die Bayern schieden vorm Halbfinale aus. Und der Bayern-Bezwinger wurde hinterher nicht Pokalsieger. Was oll man sagen... bei Bayer liegt das Vize-Kusen halt in der Vereins-DNA...

Aber in diesem Jahrtausend haben nur 2 weitere Mannschaften die Bayern im aus dem Wettbewerb geworfen, ohne ihn hinterher zu gewinnen. Alemannia Aachen gelang das sogar 2 Mal. Und der Vollständigkeit halber: der 1.FC Magedeburg eliminierte die Bayern mal sensationell in der 2. Runde

Also um das mal festzuhalten: In diesem Jahrtausend gab es ganze 5 Saisons, in denen man den Bayern "aus dem Weg gehen" konnte. In denen der Sieg im Pokal ohne einen Sieg gegen die Bayern errungen werden konnte. In den letzten 10 Jahren kam es ein Mal vor. Das zerstört den "Der Pokal ist der einfachste Weg zum Titel" Mythos ein wenig. Denn Meister werden kann ich ja theoretisch, ohne die Bayern zu schlagen. Die angeblichen Titelanwärter verspielen ihre Chancen ja meistens in Mainz und nicht in der Allianz Arena. Um den Pokal zu gewinnen, muss ich normalerweise in 90 oder 120 Minuten besser sein als der alles dominierende Rekordmeister. Sonst habe ich keine Chance auf diesen Titel.

Was auch nur bedeutet: Holstein Kiel gewinnt dieses Jahr. Bucht den Tippschein jetzt, die Quote wird nur fallen.

Nebenbei wollte ich an der Stelle einschieben, dass das ganze "Da freust du dich über Weihnachten auf die Bayern und kriegst dann Holstein Kiel" Witz nicht funktioniert. Also, wenn Darmstadt ein Heimspiel vor ausverkauften Haus gegen die Bayern gehabt hätte... Aber einerseits haben wir halt dieses hässliche Virus, welches ausverkaufte Heimspiele unmöglich macht. Vor allem hätte man aber zum Rekordmeister fahren müssen. Weil Zweitligisten immer noch kein automatisches Heimrecht im Pokal genießen, obwohl bei jeder Umfrage 75 % der Fans dafür wären. Das führt dann immer dazu, dass potenziell legendäre Pokalabende mit fantastischer Stimmung zu langweiligen Pflichtveranstaltung vor nicht mal ausverkauften Haus werden. Wobei man an der Stelle zugeben muss, dass die Allianz Arena immer ausverkauft ist... nur Stimmung ist da halt eher selten. Jedenfalls könnte man da den Wünschen der Fans echt mal folgen... Einschub Ende.

Jetzt ist das Feld der potenziellen Titelkandidaten plötzlich weit offen. Es ist auf ein Mal relevant, wer sich in den Duellen Wolfsburg - Schalke und Stuttgart - Mönchengladbach durchsetzt, weil der Gewinner jeweils realistische Chancen auf den Pott hat: Danach sind es nur noch 2 weitere Siege bis Berlin. Die könnte sogar Schalke holen. Während es sonst immer hieß: Der Titel geht nur über die Bayern und die schlagt ihr eh nicht...

Und wir als Konsumenten können endlich mal nachweisen, dass wir auch einschalten, wenn sie nicht die Bayern zeigen. Also eines der beliebtesten Klagelieder ist ja, dass immer die Bayern im FreeTV gezeigt werden, auch wenn deren Spiele meistens die langweiligen sind. Aber das machen die Öffentlich Rechtlichen natürlich nur zum Teil, weil sie die Blamage, von der dann ewig geredet wird, nicht verpassen wollen... Vor allem ziehen die Bayern halt auch die meisten GEZ zahlenden Kunden an.

Montag, 1. Februar 2021

Was machen eigentlich all die Bayern-Talente

 Fangen wir mit einem ehrlichen Eingeständnis an: Dieses Wochenende gibt einfach nicht genug her für ein Worst of... weil die Mannschaften, die gewinnen sollten, im Großen und Ganzen auch 3 Punkte eingefahren haben. Es gab 7 Heim- und keinen einzigen Auswärtssieg. Einzig die Leistung von Werder Bremen in der ersten Halbzeit war grenzwertig, weil sie Schalke 04 wie einen legitimen Bundesligisten aussehen ließen. Und schon wieder auf Kohfeldt herumhacken...

Bleibt noch die Vertragsverlängerung von Yannick Gerhardt, die mich irritiert. Also nicht die Verlängerung, sondern wie Wolfsburg dafür gefeiert wird. "Man schafft es mit seinen Leistungsträgern zu verlängern"... Weil man Hertha, Köln und Eindhoven ausgestochen hat? Wirklich? Wenn Bayern, Dortmund und irgendein mittelmäßiger Premiere League Klub mitgeboten hätten, könnte man sich auf die Schulter klopfen. Aber man hat die Mannschaften, die in der Nahrungskette teilweise deutlich unter einem stehen ausgestochen. Wenn man das nicht hinbekommt, kann man den Laden auch dicht machen.

Beschäftigen wir uns also mit den spannenderen Dingen: Bayern II. Also genau genommen Bayern II aus der Vorsaison, die den Bayern das Sextuple aus Meisterschaft, Pokalsieg, Champions League, deutschem Supercup, europäischen Supercup und Drittligameisterschaft ermöglichten. Also es fasziniert mich schon, dass jeder andere Scheiß außer den Hallenmasters bei solchen Aufzählungen erwähnt wird, egal wie egal er ist, aber die Drittligameisterschaft unter den Teppich gekehrt wird. Und warum haben die Bayern-Damen eigentlich letztes Jahr nichts gewonnen?

Dabei hätte die Drittligameisterschaft richtig relevant werden können. Also als entscheidender Paradigmenwechsel.

Eines der Grundprobleme der Bundesliga ist ja, dass die Bayern nur Talente aus dem Bundesligapool herausziehen, aber praktisch nichts mehr zurückgeben. Weder als Leihspieler, noch als Abgänge.

Also als praktisches Beispiel: Man holte sich Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Mickael Cuisance von der Konkurrenz, gab dafür dann... ähm... Marco Friedl an die Liga zurück. Berichtigt mich, aber Marco Friedl dürfte einer der ganz wenigen Bundesliga-Stammspieler mit Bayern II und Jugendvergangenheit sein, der in der Bundesliga spielt. Dazu kommen in den letzten 10 Jahren Georg Niedermeier und Woo-yeong Jeong... Und Jeong zu zählen fühlt sich falsch an, weil der 6 Monate bei den Bayern war. Und ja, ich bin gerade die Abgänge von Bayern II auf Transfermarkt.de durchgegangen und das waren die einzigen, die in die Bundesliga gewechselt sind. Dazu kommt dann wohl noch Mehmet Eckici, der ja immerhin 3 Jahre bei Werder Bremen kickte. Faszinierender Weise fehlt Friedl auf dieser Liste, obwohl er definitiv bei Bayern II gespielt hat...

Dass diese Bilanz grausam ist, ist allerdings keine Neuigkeit für die 2 Stammleser dieses Blogs: Die Bayern bilden einfach viel zu wenige brauchbare Bundesligaspieler aus. Also nach der Generation Lahm, Müller, Schweinsteiger. Eigentlich sollten zu jeder Zeit 10 Spieler mit Bayern Vergangenheit in der Liga mitmischen. Jedes Jahr sollten die einen Bundesligaspieler ausbilden. Also einen Spieler, der gut genug für die Bundesliga ist, aber den Bayern nicht weiterhilft, deswegen zur Konkurrenz wechselt und dann an diesem einen Tag die Bayern abschießt...

Praktisch macht der große Klassenfeind Red Bull mehr für das allgemeine Bundesliganiveau als die Bayern, denn selbst wenn man Leipzig aus der Gleichung rausnimmt, so haben sie immer noch Haaland, Hinteregger, Schlager, Samassekou und Lazaro in die Bundesliga verkauft. Die Bayern bräuchten 25 Jahre um auf vergleichbar viele Verstärkungen für die Konkurrenz zu kommen.

Aber die aktuelle Drittliga-Generation hatte ja die Gelegenheit das alles zu verändern. Denn da dürfte der eine oder andere dabei sein, der wirklich und langfristig Bundesliganiveau repräsentiert. Nur... werden wir das wohl nie erfahren, weil Kwasi Okyere Wriedt halt zu Wilhelm II Tilburg wechselt und nicht zu Arminia Bielefeld. Und Olivier Batista Meier nach Heerenveen verliehen wird. Auch der offensichtlich größte Name mit Joshua Zirkzee wechselt zum AC Parma. Warum? Also ernsthaft: Warum wechselt keines der Bayern-Talente in die Bundesliga? 

Und es ist ja nicht so, das Parma jetzt die überragende italienische Adresse wäre, mit der Schalke oder Augsburg nicht mithalten können. Aber anscheinend ist Abstiegskampf in Italien für ihn interessanter als Abstiegskampf in der Bundesliga. Und anscheinend betrachten die Bayern Weiterbildungsmaßnahmen in Holland oder Österreich ebenfalls als vielversprechender. 

Dabei zeigen doch die historisch erfolgreichen Leihen von Philipp Lahm, Toni Kroos und David Alaba, dass von so einem Projekt alle profitieren würden. Aber entweder die Bayern sagen dazu gerade kategorisch nein, was wirklich albern wäre.

Oder der Rest der Liga verschläft das gerade komplett und zeigt keinerlei Interesse an diesen Talenten. Die sind in den letzten 10 Jahren so sehr darauf konditioniert worden, dass aus der Bayern-Akademie nichts Brauchbares für sie kommt, dass sie nicht mal mehr Scouts zu deren Spielen schicken. Das wäre wirklich tragisch.

Dass von der letztjährigen Drittliga Mannschaft der Bayern kein einziger in die Bundesliga gewechselt ist, ist jedenfalls nicht nachvollziehbar. Und es sollte ein viel größeres Thema sein. Vernünftig wäre es gewesen Zirkzee in den Moment an einen Bundesligisten zu verleihen, in dem man Eric Maxim Coupo-Moting verpflichtet hat. Denn ab da war abzusehen, dass Zirkzee kaum noch Minuten bekommen wird. Und die wenigen ganz raren Minuten hätte man an Fiete Arp geben können, ohne dass es einem wirklich weh tut. Stattdessen steigern die Bayern jetzt das Niveau der italienischen Liga... Davon hat halt hier praktisch niemand was.

Nachtrag: Und kaum beschwert man sich... könnte Chris Richards nach Hoffenheim verliehen werden. Immerhin seinen Neffen versorgt Uli Hoeneß also mittlerweile mit jungen Talenten.

Donnerstag, 28. Januar 2021

Der Zug ist damit dann abgefahren.

 Die anderen Nationen können aufatmen, Deutschland wird nach der EM nicht von einem der besten Deutschen Trainer betreut. Denn Thomas Tuchel hat jetzt schon einen neuen Arbeitgeber gefunden und hat damit im Sommer keine Zeit mehr.

Hier wurde sich ja vor gar nicht so langer Zeit ausführlich mit dem Problem Nationaltrainer in Deutschland beschäftigt. Wie der DFB es in all den Jahren nie geschafft hat einen guten externen Mann für sich zu gewinnen, sondern einfach nur verdiente ehemalige Nationalspieler genommen hat. Nationalspieler, die vorher meistens Co-Trainer waren. Am Ende ist es ein Wunder, dass man mit diesem Trainer, die abgesehen von der Nationalmannschaft kaum Erfolge als Trainer vorweisen können, so erfolgreich war, wie man war. Und man will sich gar nicht vorstellen, wie das aussehen würde, wenn ein Fachmann diesen Posten übernimmt.

Aber... der DFB arbeitet halt nicht strategisch, sondern reagiert immer nur. Die Nationaltrainer werden traditionell nicht entlassen. Sie gehen traditionell nicht mit einem auslaufen Vertrag in das Turnier, weil das ja ihre Position schwächen würde... auch wenn der Letzte, der das gemacht haben dürfte, 1990 Weltmeister wurde. Und so sucht man dann zur bescheidensten Zeit, wenn alle guten Trainer einen neuen Vertrag haben, nach einem Nachfolger für den spontan zurückgetretenen Übungsleiter.

Genau diesen Zyklus hätte man jetzt durchbrechen können, wenn man mit Jogi Löw offen kommuniziert hätte und ihm mitteilt, dass man nach der EM ohne ihn plant. Das schlimmste, was dir da passieren kann, ist ja, dass Löw direkt hinschmeißt. Was unwahrscheinlich ist, denn auch Löw wird sich nicht mit einem 0:6 verabschieden wollen. Dann könnte man mit Tuchel oder den ja noch verfügbaren Ralf Rangnick offene Verhandlungen führen. Und sehen, wie stark das Interesse der guten Trainer an diesem Posten wirklich ist. Und Ralf Rangnick ist ja gerade auch überall im Gespräch... außer beim DFB.

Aber auch da zeigt sich ja ein strukturelles Problem beim DFB: Wer soll diese Entscheidung treffen und durchsetzen? Präsident Fritz Keller ist gerade mit internen Aufräumarbeiten beschäftigt. Beim DFB gab es halt mal wieder eine Steuerrazzia. Und interne Machtkämpfe im Präsidium. Die sind also wieder mal mit sich selbst beschäftigt.

Und Oliver Bierhoff? Der hat halt seine gesamte "Managerkarriere" auf den Erfolgen von Jogi Löw aufgebaut. Wenn Löw nicht diesen attraktiven, offensiven und auch immer bis zum Halbfinale erfolgreichen Fußball spielen lässt, kann Bierhoff nicht diese Marke Mannschaft inszenieren. Und sich in dieser Marke sonnen. Und das Löw der einzige Trainer war, der schon am ersten Gruppenspieltag konsequent auf Sieg und aufs 2 Tor spielen ließ, habe ja selbst ich nie infrage gestellt, der sonst alles, was er gemacht hat, hinterfragt hat. Dieser Bierhoff hat Löw zu viel zu verdanken, als dass er ihn absägen könnte.

Aber Löw hat ja alle kritisch denkenden Kollegen vom Posten des Sportdirektors vertrieben. Also wenn aus Matthias Sammer mehr als einen Grußonkel gemacht hätte und ihn mit wirklicher Macht ausgestattet hätte... wäre der vielleicht noch da und dann... gut, dann wäre Löw seit dem Vorrundenaus weg. 

Aber genau jetzt wird es halt deutlich, wie schwach der DFB eigentlich aufgestellt ist. Es gibt keinerlei Gegengewicht zum System Löw. Keinen Kontrollmechanismus. Auch nach der desaströsen WM 2018 nicht. Spätestens da hätte man doch jemanden installieren müssen. Das Duo Bierhoff Löw, die ja beide dieses Desaster zu verantworten hatten, sprengen. 

Da aber von sich aus niemand gehen wollte und der DFB niemanden entlässt... ging es in genau der Besetzung weiter. Da ist es gar nicht so überraschend, dass die Entwicklung auch genauso weiter geht. 

Und natürlich kann das alles noch in einem grandiosen EM Triumph münden. Turniere entwickeln immer eine seltsame Eigendynamik. Für die einen positiv, für die andern negativ. Und Löw war ja bis auf 2018 immer gut darin, die Mannschaft dann vernünftig einzustellen, nachdem sie vorher eher wacklig ausgesehen hatte. Aber wir haben den Punkt erreicht, wo eine erfolgreiche EM als Überraschung wahrgenommen werden würde. 

Ich sage es ja seit Jahren: Löws außerordentliche Trainerleistung ist, dass Deutschland nicht als Titelfavorit zur Europameisterschaft fahren wird. Also selbst bei den grausamen 2000er und 2004er Meisterschaften hieß es vorher "Die Deutschen muss man immer auf dem Zettel haben, die sind eine Turniermannschaft." Klar, da war viel Mythos und Verblendung dabei. Aber diesen Mythos hat Löw halt gerade eingerissen.

Mittwoch, 27. Januar 2021

Nachschlag zu den Torhütern: Warum ist Manuel Neuer eigentlich Weltklasse?

Wie konnte das passieren? Vor allem: Warum musste ich da erst von meinem Bruder drauf hingewiesen werden? 

Wir haben es uns alle in der "Der Mann ist halt Weltklasse" Ecke gemütlich gemacht, dass man gar nicht mehr hinterfragt, ob das angemessen ist. Stattdessen feiert der Kicker ihn dafür, dass nur Franz Beckenbauer und Uwe Seeler öfters in dieser Kategorie auftauchten. Und dass er Beckenbauer in einem Jahr einholen wird, denn kritisch hinterfragt wird er ja nicht.

Also klar, es wird darauf hingewiesen, dass die Bayern zuletzt 1991/92 so viele Gegentore kassiert haben, wie diese Saison. Aber das hat doch nichts mit dem Torhüter, Kapitän, Veteran und Führungsspieler zu tun.

Und 2 Spiele lässt der Kicker völlig unter den Tisch fallen: das 4:1 gegen Hoffenheim am bereits 2. Spieltag. Und natürlich das legendäre 0:6 gegen Spanien mit der Nationalmannschaft. Und natürlich musste sich Neuer keines der 10 Gegentore, die er in diesen beiden Spielen kassiert hat, persönlich ankreiden lassen. Er hat aber trotzdem 10 Gegentore in 2 Spielen kassiert. Das sollte einem Weltklasse-Torhüter einfach nicht passieren.

Stellen wir uns mal kurz vor ein Marc Andre ter Stegen hätte beim 0:6 zwischen den Pfosten gestanden. Da hätte es dann am Montag geheißen: Konnte den kompletten Einbruch gegen Spanien nicht verhindern. Das muss man ihm ankreiden.

Aber Neuer, der diese Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt hat, kann da natürlich nichts machen, wenn seine Vorderleute komplett streiken. Das kann man doch von dem nicht erwarten. 

An der Stelle muss man natürlich auch nochmal erwähnen, dass Neuer immer noch einer der wenigen Unterschied-Torhüter ist: Ohne den hätten die Bayern nicht den Vorsprung, den sie jetzt doch genießen. Vielleicht wären sie nicht mal Tabellenführer. Nur, weil er an der Weltklasse für ein halbes Jahr vorbeischrammt, heißt das ja nicht, dass er nicht mehr gut ist. Und ja, bei anderen reichen auch 2 beschissen gelaufene Spiele, um sie aus dieser Kategorie zu entfernen. Wir reden halt auch von dem höchsten Lob, welches eine Rangliste aussprechen kann. Da kann man auch hohe Ansprüche stellen.

Aber von einem Weltklasse-Torhüter muss man doch in solchen Spielen eine andere Ausstrahlung erwarten. Da muss man auch mal erwarten dürfen, dass er, so plakativ das klingt, seine Abwehr einnordet, anschreit und stabilisiert. Er ist halt als Torwart auch immer Dirigent. Die Kapitänsbinde wurde ihm ja nicht zum Spaß verliehen. Nichts davon ist passiert. 2 Mal in einem halben Jahr.

Es ist natürlich davon auszugehen, dass Neuer diesem Problem in der Rückrunde aus dem Weg gehen wird. Aber dass diese beiden heftigen Klatschen im Halbjahreszeugnis so gar nicht auftauchen, ist schon faszinierend.

Also nur mal als Vergleich: Bei Matthias Ginter wird "das Mitwirken beim 0:6" erwähnt. Die Kicker Redaktion hat also nicht komplett vergessen, dass dieses Spiel stattgefunden hat. Bei Leon Goretzka wurde es dann wieder verschwiegen... Vielleicht ist das ja ein gewisser Bayern-Bonus...

Dienstag, 26. Januar 2021

Bundesligatorhüter - Revisited

 Auch wenn der Originalbeitrag noch gar nicht soo alt ist... so muss ich mich halt doch mal selber feiern, weil ich eventuell doch mal recht hatte. Und ja, ich weise auch immer wieder darauf hin, dass echte Experten das nicht müssen, aber echte Experten erkennen auch den Unterschied zwischen Thuram und Plea... und wenn man wie ich in relativer Häufigkeit Namen verwechselt, muss man auch mal darauf hinweisen, dass man manchmal auch was Sinnvolles schreibt...

Und als ich am Montag die Kicker Rangliste der Torhüter in der Hand hatte, musste ich schon schmunzeln. Weil meine Prognose, dass es egal ist, wer in Freiburg im Tor stehen wird, so was von wahr geworden ist.

Also praktisch sollte der SC Freiburg ja Probleme bekommen, wenn sie mit Alexander Schwolow einen absoluten Fixpunkt abgeben müssen. Und Hertha BSC Berlin sollte wesentlich stabiler auftreten, wenn sie einen gestandenen, aber trotzdem noch entwicklungsfähigen Torhüter im Kasten haben. Stattdessen ist Hertha das reinste Chaos und Schwolow hat keinerlei Einfluss auf die Entwicklung der Mannschaft. Er spielt meistens solide, hilft aber nicht wirklich und kann den Einbruch der Mannschaft nicht verhindern.

In Freiburg trat dann aber das Worst-Case-Szenario ein: Kurz vor dem Bundesligastart verletzte sich der designierte Nachfolger Mark Flekken schwer und man stand plötzlich ohne einen Bundesligatorhüter da. Also holte man sich Florian Müller, der gerade den Kampf um das Mainzer Tor verloren hatte.

Und genau dort wird es wirklich spannend. Also im Sommer kamen die Mainzer nach gründlicher Untersuchung zu dem Schluss, dass Robin Zentner der bessere Torhüter ist. Und wer, wenn nicht die Mainzer, soll das beurteilen können? 6 Monate später steht Müller in der Rangliste auf Platz 10, Zentner fehlt dagegen komplett. Hat sich Mainz jetzt für den falschen Torhüter entschieden?

Wahrscheinlich nicht. Also wenn sich die Freiburger Zentner gesichert hätten, würde der jetzt eine sehr solide Saison spielen, weil er von dem sehr soliden System profitiert. Und Müller würde all die Gegentore in Mainz kassieren.

Der Punkt, an dem ich natürlich falsch lag, sind Dominique Heintz und Robin Koch. Also die Freiburger Innenverteidiger der Vorsaison. Denn in der Rangliste stehen Manuel Gulde und Philipp Lienhardt. Und natürlich Christian Günter, bei dem sich irgendwann die Frage stellen wird, was für eine Karriere er hingelegt hätte, wenn er nicht 5 Jahre als Stammspieler in Freiburg verbracht hätte, sondern seine 2. gute Saison als Sprungbrett genutzt hätte. Soll kein Vorwurf an Günter sein, gibt Schlimmeres als als Fixpunkt in Freiburg zu spielen.

Aber das eigentlich faszinierende ist an der Stelle die Arbeit von Christian Streich. Denn das den Freiburgern so viele Stabilisatoren weggebrochen sind, hat man nur kurzfristig zu Saisonbeginn gemerkt. 

Aber zurück zu den Torhütern: Auch diese Hinrunde belegt, dass es, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen wie Neuer und Sommer fast egal ist, wer da im Kasten steht. Man könnte die Torhüter fast beliebig austauschen, wie es ja im Falls Augsburg - Union buchstäblich passiert ist, ohne dass man einen Unterschied auf dem Platz bemerkt. Also klar Berliner haben eine faszinierende Entwicklung als Mannschaft genommen, aber im Kasten ist die Situation genau so wie im Vorjahr: Manchmal hält der Torwart einen Ball überragend, manchmal winkt er einen haltbaren durch. Und das ist der Status Quo bei mindestens 13 von 18 Bundesligisten.

Viel wichtiger ist es doch, dass der Torwart möglichst selten in die Position gebracht wird, wo er dir den Arsch retten muss. Ob ihm das dann gelingt, ist am Ende auch immer eine Frage von Glück.

Ganz deutlich wird das ja gerade auch wieder in Dortmund. Also da macht es halt auch buchstäblich keinen Unterschied, ob Roman Bürki oder Marvin Hitz im Tor steht. Das wurde hier bereits vor knapp einem Jahr thematisiert. Damals dachte ich noch, dass es ein schlechtes Zeichen für deine Kaderplanung ist, wenn man 2 gleich gute Torhüter, aber halt keinen überragenden, hast. Mittlerweile wurde mir bewusst. Es gibt nur ganz wenige überragende Torhüter, die in der Bundesliga spielen wollen. Und wahrscheinlich gibt es auch international nur 4 oder 5 Torhüter, die wirklich einen Unterschied ausmachen. 

Das macht die Bewertung von Torhütern aber so verdammt schwierig. Sorgt er für die Stabilität in der Abwehr, oder profitiert er nur von dieser? Bringt er diese Stabilität mit, wenn er den Verein wechselt? Macht es wirklich einen Unterschied, wenn man einen seit Jahren in der Kabine etablierten Torhüter absägt, wenn der für vielleicht sogar viel Geld verpflichtete Neuzugang nur unwesentlich besser ist?

Dabei wäre einem wesentlich mehr geholfen, wenn man das Geld in Spieler investiert, die verhindern, dass man sich auf den Torhüter verlassen muss.