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Donnerstag, 15. Februar 2024

Wir brauchen keine Blaue Karte

 Da stimme ich, wenn es um Regelfragen geht ausnahmsweise, mit Jürgen Klopp ein, der ja als erster laut aufgeschrien hat.

Das entscheidende Problem, welches Klopp damit hat, findet man wahrscheinlich in dem "Offizielle verbal attackieren". Klopp selber würde in jedem Spiel 10 Minuten auf der Tribüne sitzen und da hat er keinen Bock drauf.

Aber genau da muss einfach mal festgehalten werden: Wir brauchen keine Extrakarten, wir müssen die vorhandenen Regeln einfach anwenden. Denn

- Das ständige Meckern und reklamieren beim Schiedsrichter.
- Das Fordern von Strafen für Gegenspieler.
- Das Einfordern des Videobeweises

sind alles Unsportlichkeiten. Und diese sind mit Verwarnungen zu ahnden.

Zitat aus dem Regelwerk:Ein Spieler wird bei folgenden Vergehen verwarnt:
• Verzögerung der Spielfortsetzung
• Protestieren durch Worte oder Handlungen
• Betreten, Wiederbetreten oder absichtliches Verlassen des Spielfelds ohne
die Erlaubnis des Schiedsrichters
• Missachten des vorgeschriebenen Abstands bei Schiedsrichterball, Eckstoß,
Freistoß oder Einwurf
• wiederholtes Verstoßen gegen die Spielregeln („wiederholt“ ist nicht durch
eine bestimmte Zahl oder ein bestimmtes Muster von Verstößen definiert)
• unsportliches Betragen
• Betreten des Schiedsrichter-Videobereichs (SVB)
• übermäßiges Anzeigen des Zeichens für eine Videoüberprüfung

Da ist alles dabei, was uns am Genießen des Spieles stört... also außer das taktische Foul. 

Aber gerade beim "Anzeigen des Zeichens für eine Videoüberprüfung" zeigt sich ja das Problem: Als der VAR eingeführt wurde, gab es ein klares "Fordert den aber nicht ein, dann gibt es Gelb!" Dann blieben die Verwarnungen aber aus... und jetzt hat sich diese Geste schon so weit bei den Profis eingenistet, dass man sie kaum noch abstellen kann.

Das ist jetzt nicht das schlimmste Beispiel, aber es steht halt dafür, wie sich Unarten einfach einbürgern, wenn sie nur im Regelwerk, aber nicht in der Praxis, verboten sind. Und jetzt noch eine weitere Regel einzuführen, die dann auch wieder ignoriert wird, bringt halt nichts.

Gebt einfach allen Spielern, die beim Schiedsrichter meckern oder eine Verwarnung fordern, konsequent Gelb. Jedes Mal. Auch wenn dann am 6. Spieltag die U19 auflaufen muss, weil alle Spieler gesperrt sind. Zieht das einfach mal durch und nach 2 Monaten wird der Lerneffekt einsetzen. Und danach dürft ihr dann nicht nachlassen. Dann werden die Spieler relativ schnell begreifen, dass das nicht mehr geduldet wird. Und dann werden sie sich anpassen. Das wird schmerzhaft, aber es ist der einzige Weg...

Aber da kommt ja wieder das Grundlegende Problem zum Vorschein: Wir als Fans wollen gar nicht, dass unsere Stars gesperrt werden, auch wenn wir deswegen ein objektiv schlechteres Spiel ertragen müssen. Es wird ja an solchen Stellen immer auf den Handball verwiesen, wo alles so viel Respektvoller abläuft. Aber ich werfe jetzt mal eine dreiste These in den Raum: Wenn ein Handballer mit der dortigen Etikette bricht und dafür bestraft wird, wird niemand auf den Schiedsrichter fluchen. Da würden sich alle fragen, warum der Spieler so ein Vollidiot ist.

Beim Fußball würde der Schiri wahrscheinlich Morddrohungen erhalten, wenn er Joshua Kimmich in einen wichtigen Spiel fürs Meckern vom Platz stellt. Und das ist der entscheidende Unterschied.

An einer Stelle würde ich die Blaue Karte aber doch befürworten: Beim Zeitspiel. Denn beim exzessiven Zeitspiel ist die Gelbe Karte ja keine Bestrafung, sondern eine Belohnung: Jetzt muss der Schiedsrichter auch noch notieren, dass ich Zeit geschunden habe, das sind wieder 30 Sekunden von der Uhr... Und ja, ein Platzverweis mit folgen für das nächste Spiel wäre viel zu drastisch. Wenn aber jeder Spieler genau weiß, dass er 10 Minuten (also effektiv für den Rest des Spiels) zuschaut, wenn er die "Jetzt Spielen!" Geste des Schiedsrichters ignoriert, dann könnte dieser entscheiden, wann das Spiel fortgesetzt wird.


Wo wir schon bei den Regeln sind: Ich habe diese Woche gelernt, dass es keine aktive Bewegung ist, wenn man den gegnerischen Torhüter anrempelt... weil der anscheinend keine Chance auf eine Parade hatte.
Und versteht mich nicht falsch: Dass RB Leipzig sich da aufregt, kann ich vollkommen nachvollziehen. Man kann dieses Tor definitiv geben. Das sieht ja auch Toni Kroos so. Ich habe aber ein ganz großes Problem mit der Berichtserstattung.

Kurzer Faktencheck:

Der Linienrichter sieht, wie der Angreifer den gegnerischen Torwart im 5-Meterraum leicht schubst und damit die Möglichkeiten des Torhüters einzugreifen einschränkt.
Nebenbei steht er auch im direkten Laufweg, dieser nehmen müsste, um einzugreifen.
Der Linienrichter kommt zu der Entscheidung, dass dies eine Behinderung des Torhüters und damit ein aktives Eingreifen ist.
Diese Einschätzung ist umstritten, aber sie wäre, wenn man sich das aus der neutralen Perspektive anschaut, trotzdem nachvollziehbar. Und deswegen ist es eben kein Fall für den VAR.

Da stelle ich eine dreiste Frage: Hätte Manuel Gräfe auch eine klare Fehlentscheidung gesehen, wenn Manuel Neuer so behindert worden wäre? In einem EM Viertelfinale gegen Spanien? Da würden alle eine klare Abseitsstellung sehen, weil Neuer ja den Ball gehalten hätte, weil wegen Neuer. Und weil es gegen Deutschland geht.

Es ist halt verdammt schwierig im 5 Meter Raum passiv im Abseits zu stehen. Der gegnerische Torwart wird immer irgendwie auf die reagieren, und damit nimmst du Einfluss auf das Spiel. Nebenbei ist das ja Benjamin Henrichs einzige Aufgabe in dieser garantiert einstudierten Ecke: Er wird bewusst dem Torwart auf die Füße gestellt, ohne dass der Ball auch nur annähernd in seine Richtung fliegt. Er sucht 2 Mal den direkten Körperkontakt zu Andriy Lunin. In der Bundesliga würde der erste Kontakt als Foulspiel gepfiffen werden, weshalb man diese Eckenvariante nur in der Champions League anwenden kann... Und beim 2. Kontakt steht er halt im Abseits.

Jetzt wollen mir alle einreden, dass ein Spieler, der bei einer einstudierten Standartsituation 2 Mal den direkten Kontakt zum Torhüter sucht, "passiv" gewesen sein soll? Und die andere Möglichkeit wird in keinster Weise zugelassen oder erklärt? 

Also nur um mal wieder zu beweisen, dass die Berichtserstattung in diesem Lande keineswegs objektiv oder neutral ist, wenn es um deutsche Mannschaften in der Champions League geht. Selbst wenn es "nur" RB Leipzig ist, die niemand mag.

Mittwoch, 14. September 2022

Es gibt da eine Szene vom Wochenende

 Die mich einfach nur irritiert. Also hauptsächlich irritiert sie mich, weil alle anderen sie ignorieren. Jetzt gehen wir mal ins Detail:

Wie ihr alle mitbekommen habt, hat Schalke 04 den VfL Bochum im nicht ganz so großem Revierderby geschlagen. Dabei war die wohl entscheidende Szene ein Eigentor von Erhan Masovic. Aber hier ist das faszinierende: Es wird vorher darüber diskutiert, ob man den Freistoß überhaupt geben kann... aber ob Sebastian Polter im Abseits steht und Masovic beeinflusst.

Was man auf jeden Fall sieht: Er versetzt Masovic einen Stoß mit dem Arm in den Rücken und schleicht sich dann weg. Das ist auch an sich nichts Schlimmes. Man muss aber festhalten: Joshua Kimmich wäre da wohl umgefallen. Die entscheidende Frage ist: Gilt das als Zweikampf? Und ist es dann wichtig, dass er den Stoß eine Millisekunde vor der Ausführung der Standard stattfand?

Faszinierender Weise argumentieren dann die ersten in der Kommentarspalte (wo ich das direkt angesprochen habe) mit dem Regelwerk. Nur ist das einn bisschen wie sich auf Hans Christian Andersen zu beziehen, wenn man sich aufregt, dass die neue Arielle dunkelhäutig ist: Wer dies macht, hat es meistens nie gelesen.

Also die allgemeine Meinung scheint ja zu sein, dass man nur dann aktiv im Abseits steht, wenn man dem Torhüter die Sicht nimmt. Aber da muss man mal wieder feststellen: Die einzige Sonderregel für den Torwart ist, dass er als im Strafraum die Hand nutzen darf, um einen Ball abzuwehren. Alles andere (besonders dieses "Man darf den Torhüter im Luftkampf nicht angehen") hat sich nur so eingebürgert, weil unsere Bundesligaschiedsrichter Weicheier sind, die von Premiere League Spielern ausgelacht werden.

Im Regelwerk wird nur davon geschrieben, dass man "einen Gegner beeinflusst, indem er: diesen daran hindert, den Ball zu spielen oder spielen zu können, indem er ihm eindeutig die Sicht versperrt." Wenn Manuel Neuer mal wieder am Mittelkreis rumturnt, kann es durchaus auch sein, dass dieser Gegner ein Feldspieler ist. Aber das ist natürlich ein eher theoretischen Konstrukt.

Viel wichtiger für unsere Diskussion ist aber, dass ein Angreifer ebenfalls aktiv am Spiel teilnimmt, wenn er "mit diesem Gegner einen Zweikampf um den Ball führt". Also das Regelwerk gibt es her, dass Polter Masovic mit diesem Stoß beeinflusst.

Und nur um mal zu "beweisen", dass man dies auch anders sehen kann: Werder Bremen bekommt einen vergleichbaren Treffer aberkannt.

Dabei sehe ich sogar ein, dass man als "neutraler Beobachter" sich diese Szene anguckt und sie nicht als Zweikampf um den Ball bewertet. Aber dass so gar keiner auf die Idee kommt, wenigstens zu erklären, wie man diese Situation bewerten sollte. Und das nicht mal die Bochumer sich beschweren. Also nur um das mal festzuhalten: Sonst gehen doch immer alle Reklamierarme hoch und es wird verzweifelt zum Linienrichter geguckt. Also das 1:1 der Bochumer und die Reaktion der Schalker kann man da als Beweis nehmen.

Dienstag, 9. November 2021

Ok, ich kann das doch nicht ignorieren

 Es ist schließlich die perfekte Kombination aus dem aktuellsten Thema und dem Namensgeber dieses Blogs.

Gucken wir uns die Szene erst noch mal an und nehmen sie auseinander: Nach einem abgewehrten Angriff versucht Hoffenheim, wie sich das gehört, komplett herauszurücken, um den Gegner ins Abseits zu stellen. Danilo Soares schlägt eine Flanke auf den eben nicht rausrückenden und klar im Abseits stehenden Soma Novothny. Kevin Vogt macht das, was man als gut konditionierter Verteidiger so macht und lässt den Ball nicht einfach zum Stürmer durchrutschen. 15 Jahre Kopfballtraining führen halt dazu, dass die Auffassungsgabe nicht mehr schnell genug ist und dass es definitiv Abseits gibt, wenn er einfach wegbleibt. Novothny selber macht im Rücken von Vogt eine geschickte Meidbewegung.

Vogts Verteidigungsversuch ist eher suboptimal direkt auf Milos Pantovic, der den Ball ziemlich direkt auf den Stürmer schlägt. Dieser zieht einen klaren Vorteil aus seiner vorherigen Abseitsposition und erzielt das 1:0. 

Er zieht also einen doppelten Vorteil aus seiner Abseitsstellung: Er übt den nötigen Druck auf Vogt aus, um diesen zu einem vermeidbaren Fehler zu zwingen. Denn ohne Novothny im Rücken geht der da einfach nicht hin. Sagt er zumindest selber hinterher. Und dann steht der Angreifer in unfassbar guter Position, die für die Hoffenheimer einfach nicht mehr zu verteidigen ist. Also sie haben, nachdem Pantovic an den Ball kommt, einfach überhaupt keine Chance mehr einzugreifen.

Wie kann ein Spieler, der einen doppelten Vorteil aus seiner Abseitsstellung zieht, als passiv gelten? Also wenn das die Regeln sind, dann sind diese Regeln einfach Scheiße. Dann wurden sie von Leuten geschrieben, die noch nie ein Tor verteidigt haben. Oder überhaupt irgendwann mal gegen einen Ball getreten haben. 

Der wirkliche Kicker kommt ja erst doch: Das sieht der Linienrichter, entweder Guido Kleve oder Thomas Gorniak genau so, deswegen hebt er die Fahne. Also, weil er Novothny als aktiv eingeschätzt hat. Das ist eine Tatsachenentscheidung. Eine Entscheidung, die man auch durchaus nachvollziehen kann. Und die Bochumer Fans würden, wenn sie die Szene sachlich beurteilen, auch zugeben, dass sie bei einem Gegner in so einer Situation auch eine klare Abseitsstellung sehen würden. Novothny, da er Einfluss auf den Verteidiger nimmt, als aktiv zu betrachten, ist keine klare Fehlentscheidung.

Das bringt einem dann zur eigentlichen Frage: Warum greift der VAR bei der Frage "aktiv oder passiv" überhaupt ein. Der hat da einfach wegzubleiben.
Nebenbei auch bei einer gegenteiligen Auslegung. Also wenn der Assistent auf passiv entscheidet und deswegen die Fahne unten lässt, kann der VAR dann hinterher auch nicht sagen, dass er der Meinung war, dass der Spieler doch aktiv war. Das ist eine dieser endlos vielen Stellen im Regelwerk, die nicht eindeutig geklärt sind. 

Aber wir haben dieses neue System VAR ja erst seit 4 1/2 Jahren... da kann man ja nicht davon ausgehen, dass mittlerweile geklärt ist, wann der angewendet werden muss und wann er zu schweigen hat. Aber hey, ich bin optimistisch, dass wir das hinbekommen, bevor die Pandemie beendet wird...

Mittwoch, 3. Februar 2021

Endlich wieder was mit ABSEITS!!!

 War ja auch mal Zeit.

Also als ich vor Ewigkeiten diesen Blog angefangen habe, waren Abseitsentscheidungen und die Regelauslegung das Thema Nummer 1. Das, was heute das Handspiel und der Video-Assistent-Referee sind. Die Älteren unter uns erinnern sich. Deswegen heißt dieser Blog auch so, wie er heißt.

Nun hat sich beim Abseits einiges getan. Oder andere Dinge sind wesentlich offensichtlicher geworden. Oder man hat sich daran gewöhnt, dass die Regel mal wieder komplett weltfremd ist.

Nebenbei, als kurzer Einschub, ist es echt faszinierend, wie der VAR all seine Elfmeter immer wieder verkackt. Also eigentlich war dieses Spiel mal wieder Werbung für diese neue Idee. Denn in der allerletzten Minute sorgt er für große Emotionen UND mehr Gerechtigkeit. Man stelle sich vor, diese Szene hätte sich vor ausverkauftem Haus abgespielt: 15.000 Zuschauer starren gebannt auf den Schiedsrichter und seinen Monitor. Handy herausziehen um selber nachzugucken ist nicht, weil alle an ihren Fingernägeln kauen. Und dann der kollektive Aufschrei, wenn der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt zeigt. Und der erneute Jubel, wenn der Elfmeter zur Verlängerung führt. Ganz großes Gefühlskino... Aber hinterher flucht Steffen Baumgart nur darüber, warum der VAR ein paar Minuten später nicht nachvollziehbarer Weise nicht eingegriffen hat. Wobei diese Entscheidung ja korrekt gewesen sein soll.

Und das ist das eigentliche Problem, über das halt jetzt nicht geredet wird: Wenn Stieler in diesem Moment regelkonform gehandelt hat, dann ist diese Regel Scheiße. Kompletter, absoluter, unfassbarer Bullshit.

Warum? Nun ja: Der offensiv und aggressiv auftretende Außenseiter wird für diese Spielweise bestraft. Wer denkt sich solche Regeln aus? Die Spielweise von Paderborn sollte vom Regelwerk gefördert werden und nicht das "Wir mauern mit 10 Mann am eigenen Strafraum". Aber wenn Paderborn das macht, kriegen sie zumindest dieses Gegentor nicht.

Und das ist ja das völlig absurde: Die verzweifelte Abwehraktion von Svante Ingelsson stellt eine neue Spielsituation her? Das kann doch nur jemand behaupten, der selber nie gegen einen Ball getreten hat. Also, selbst wenn er mit der Aktion die Flugbahn des Balles verändert hätte, wäre das immer noch...

Kurzes theoretisches Szenario: Spieler X steht 5 Meter im Abseits. Ich gehe in einen Luftzweikampf mit Spieler Y, gewinne diesen gerade so... aber lenke den Ball direkt zu Spieler X. Der schießt den Ball regelkonform ins Tor. Ich werde dafür bestraft, dass ich meinen Zweikampf technisch gesehen gewonnen habe. Der Gegner zieht einen krassen Vorteil aus einer Abseitsstellung. Das kann doch nicht gewollt sein.

Nun ist es einfach über Regeln zu fluchen und schwierig konstruktive Vorschläge zu machen. Moment, ist es nicht. Die Lösung wäre einfach, man schreibt beim Handspiel ab. Ja, wirklich. Also beim Offensiven Handspiel.

An der Stelle muss ich zugeben, dass meine Offensive Handspiel Regel anders aussehen würde: Pfeift einfach sofort ab, sobald jemand den Ball in der gegnerischen Hälfte den Ball an die Hand bekommt. Konsequent und sofort. Aber wie wir vor einigen Wochen festgestellt hat, gibt es ja klare Regeln wie viele Spieler zwischen Handspiel und Torschuss am Ball gewesen sein müssen, damit das Tor zählt. 

Faszinierender Weise kam diese Regel ja letztens in der Bundesliga zur Anwendung. Ich glaube sogar 2 Mal an einem Wochenende. Allerdings finde ich jetzt das entsprechende Spiel nicht mehr. Wenn ich mich richtig erinnere, ist die Zahl 3. Also wenn der 3. Spieler nach dem Handspiel das Tor erzielt, zählt es, wenn schon der 2. den Ball über die Linie schiebt, zählt es nicht. Einfach und nachvollziehbar, weil man es an einer Hand abzählen kann.

Warum nutzt man nicht eine ähnliche Regel beim Abseits. Also die erste Ballberührung stellt noch keine neue Spielsituation dar und der Spieler steht weiterhin im Abseits. Wenn man dem Gegner allerdings mit dem 2. Kontakt in den Lauf legt, gilt das als eigene Inkompetenz und damit muss man dann leben. Einfach und nachvollziehbar. Und man kann dadurch die Debatte sparen, ob Ingelsson am Ball war oder nicht.

Und nur um das nochmal festzuhalten: in die Position einen durchstartenden Spieler mit einer derartigen Grätsche ins Spiel zu bringen kommt man nur, wenn man hoch verteidigt und aktiv am Spiel teilnimmt. Genau das, was wir sehen wollen. Das Regelwerk sollte immer so gestaltet werden, dass es mutiges Spiel nach vorne fördert. Diese einfach und nachvollziehbare Regeländerung würde dies tun, während sie den "Wir stehen mit 9 Mann am eigenen Strafraum und schicken dann unseren einen schnellen Angreifer" Mannschaft das Umschalten erschweren würde.

Da sich Baumgart aber in epischer Weise über den VAR beschwert, geht die Debatte am eigentlichen Problem vorbei. Auch wenn festzuhalten bleibt, dass die Ausführungen von Baumgart echt grandios waren. Das faszinierendste war, wie er dann plötzlich wieder ruhig und sachlich wurde, als er über den Rest des Spiels redete. Bleibt zu hoffen, dass der DFB einsieht, dass er recht hat und auf eine Strafe verzichtet... 

Was mich jetzt ja wirklich interessieren würde, ist Baumgarts Reaktion auf das "Stieler hat korrekt gehandelt"... damit dann mal jemand ausspricht was offensichtlich ist: Wenn das korrekt sein soll, ist die Regel bescheuert.

Dienstag, 30. April 2019

Die andere total bekloppte Regel

Und dasselbe Problem. Wobei, wartet mal, ein viel schlimmeres Problem.

Also ja, es regen sich derzeit alle über die Handspiel-Regel auf... Inklusive der Schiedsrichter, was ja Felix Zwayer ziemlich direkt ausdrückt.
Oh und natürlich zeigt diese ganze Debatte auch auf, dass die Saison eigentlich vorbei ist. Denn die "sportliche" Schlagzeile des Tages lautet "Robben und Ribery droht ein Abschied auf der Bank." Weil der Meisterschaftskampf eigentlich, aber doch noch nicht so richtig, vorbei ist. Genau so wie der Kampf um den Relegationsplatz, der dem VfB Stuttgart quasi nicht mehr zu nehmen ist... und sonst bleibt die letzte spannende Frage ob Eintracht Frankfurt noch Platz 4 verspielt, der Rest der Liga kann machen, was er will... Da hat man auf ein Mal erstaunlich viel Zeit sich mit "echten Problemen" zu beschäftigen.
Ok, viel zu spät, weil die Handregel und ihre Auslegung ja im Sommer wieder geändert wird, so das man dann aus anderen Gründen nicht mehr durch sieht... Diesen Diskurs hätte man eigentlich vor der Winterpause führen müssen, aber da dachten wird noch, die Meisterschaft wird spannend... Hier soll es jedoch um ein Problem gehen, das nicht groß und breit ausdiskutiert wird: Das Passive Abseits. Schockierend, ich weiß...

Und ja, mittlerweile haben wir da Fortschritte gemacht. Aber es gibt immer noch Details. Zum Beispiel beim 1:0 der Leipziger gegen Freiburg. Guckt euch das Ding noch mal an. Und dann wartet auf die Erklärung des Kommentators, dass Mike Frantz den Ball "mit Absicht spielt" und dadurch eine "neue Spielsituation" erschafft, was das Abseits von Vorlagengeber Yussuf Poulsen aufhebt.

Warte was?

Mir fällt eine derartige Situation nebenbei das Zweite Mal in dieser Saison auf, dieses Mal habe ich aber die Bilder und die explizite Erklärung direkt am Start, also noch mal: Warte was?

Also ernsthaft: Eine ungelenke Abwehraktion eines Verteidigers erschafft eine neue Spielsituation und löst das Abseits auf? Wer hat sich das denn ausgedacht?
Lasst uns diese Auslegung mal auf ein Extrembeispiel anwenden: Der Torwart lenkt den Ball mit den Fingerspitzen an den Pfosten, von dort fällt er dem im Abseits stehenden Stürmer vor die Füße, welcher den Ball nur noch einschieben muss. Die logische Konsequenz? Nach der Erklärung von eben: Tor, weil ja die bewusste Abwehraktion des Spielers eine neue Spielsituation herstellt. Und ja, der Torwart gilt in Sachen Abseits als ganz normaler Feldspieler, da gibt es keinerlei "Aber der eine setzt das alles aus" Regel...

Das würde natürlich kein Schiedsrichter machen. Die logische Regelauslegung ist "Abseits". Aber warum kommen wir nicht zu demselben logischen Schluss, wenn ein Abwehrspieler den Ball bei einer bewussten Abwehraktion weiter stolpert?

Und hier wird einem das eigentliche große Problem deutlich: Die Leute, die die Deutungshoheit über den Fußball haben, haben ihn selber nie gespielt. Oder viel zu selten, weil sie ja immer wenn die anderen gekickt haben, pfeifen mussten... oder am Spielfeldrand stehen und drüber reden mussten.

Denn das Problem sind nicht nur die Schiedsrichter und Regelhüter, auch wenn deren Einfluss größer ist. Das Problem sind genau so die professionellen Experten, die ein Spiel schön beschreiben und taktisch auflösen können, aber anscheinend selber nie gegen den Ball getreten haben. Denn das ist für mich die einzige Erklärung, wie man zu dem Schluss kommen kann, dass Mike Frantz in der Situation das Abseits auflöst.
Auch hierfür sein nochmal auf den Umgang der professionellen Experten mit der Handspielregel verwiesen: Keiner von denen kommt auf die Idee das eigentliche "Ein Elfmeter ist eine viel zu harte Strafe, aber irgendwie sanktionieren muss man das, findet man da eine Lösung" Problem anzusprechen. Obwohl das doch so dermaßen offensichtlich ist, dass ein Elfmeter einfach nur eine zu brutale Strafe ist. Aber sich mit solchen Details zu beschäftigen, wenn man dafür bezahlt wird...

Und hey, vielleicht ist die Regelauslegung wirklich so und die Erklärung "richtig". Dann sind wir aber schon wieder (wie beim Handspiel) an dem Punkt, dass die Regelhüter halt keine Ahnung vom Fußball haben und deswegen Auslegungen festlegen, die pragmatisch betrachtet einfach nur unbrauchbar sind. Nur dass bei diesem Abseitsfall, weil er nur 2 Mal in der Saison auftaucht, keiner darüber redet...

Freitag, 17. September 2010

Passives Abseits

Warum nenne ich einen Blog über all den Blödsinn, der so im Fussball passiert, Passives Abseits? Die derzeitige Regelauslegung ist einfach das dümmste, was die Fifa so hervorgebracht hat. Und dabei gibt es einige dämliche Regeln... (nebenbei: bin ich der einzige, dem es aufgefallen ist, dass es den alten Herren da oben bei der WM verdammt wichtig war, dass die ersten Halbzeiten bei den Paralelspielen des 3. Vorrundespieltag gleichzeitig angepfiffen wurden, aber bei der 2. Halbzeit, wo es doch eigentlich viel entscheidender ist, war es ihnen egal?)
Aber aus aktuellem Anlass und sogar mit Videobeweis hier ein paar Gedanken zum Passiven Abseits: die Regelauslegung ist einfach scheiße. Warum? Weil man im 16er nicht passiv im Abseits stehen kann. Wann immer ein Stürmer im Strafraum auftaucht, reagiert die Verteidigung auf ihn und er nimmt somit Einfluss aufs Spiel. Zugegeben, das Higguain Tor ist kein ganz eindeutiges Beispiel für diese Regelauslegung, aber nehmen wir einfach das Abseitstor (hey, kostenlos zugängliche Fussballhighlights... die Entscheidende Szene ist bei 1:07...) der Paraguayer gegen Spanien, dass allgemein als Fehlentscheidung betrachtet wird. Nach Fifaregeln war Oscar Cardozo passiv im Abseits, weil er nicht ins Spielgeschehen eingreift. Aber dennoch zieht er die Aufmerksamkeit von Busquet auf sich und nur deswegen kommt der Ball überhaupt zu Valdez. Wenn man den Passiven Cardozo wirklich aus dem Spielzug ausklammern würde, könnte Busquet den Ball ganz entspannt klären...

Was mich wiederum überrascht: dass die hochbezahlten Trainer diese Lücke im Regelsystem nicht eisklalt ausnutzen. Im Basketball oder American Football, wo die Trainer wirklich Einfluss aufs Spiel nehmen, würden extra Spielzüge angesagt werden um solche Lücken auszunutzen.
Wenn man es genau nimmt kann man mit dem Passiven Abseits jede Abseitsfalle gezielt aushebeln. Man stellt einfach einen Mittelstürmer auf höher der Viererkette, der macht den Schritt raus ins Abseits, sobald die Abwehr rausrückt, der Pass auf ihn wird hoch gespielt, er geht aber nicht zum Ball, sondern bohrt sich demonstrativ in der Nase. Stattdessen geht der aus der 2. Reihe gestartete Offensive Mittelfeldspieler zum Ball und schiebt gegen die auf Abseits reklamierende Abwehr ganz entspannt ein (de facto haben die Bayern mit Robben, Klose und Ribery genau dieses Tor letzte Saison erzielt).
Noch viel schlimmer wird es, wenn man nach einer Ecke konsequent rausrücken will... der Mittelstürmer ignoriert das einfach und bleibt am Elfer stehen, der Ball wird auf den startenden Außen gespielt, der legt quer auf den Stürmer und dann darf gejubelt werden.
Lange Rede kurzer Sinn: man kann im Strafraum nicht passiv im Abseits stehen. Besonders dann nicht, wenn der im Abseits stehende Angreifer mit dem nächsten Pass wieder angespielt werden kann. Ein beschissene Regel, wie sie nur die Fifa machen kann...