Mittwoch, 15. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: RB Leipzig

Ruhe bewahren? Kann es so einfach sein? Aber ja, RB Leipzig muss gerade gar nichts ändern und einfach langfristig evaluieren, ob ihr "Wir kaufen nur junge, entwicklungsfähige Spieler" Konzept wirklich bis ganz oben führt oder nicht. Und gerade auf den letzten Metern braucht man einen langen Atem.

Klar, in erster Instanz tut es weh, dass man erst Naiby Keita und dann Timo Werner an die "Elite" der Premiere League verkaufen musste. Aber sachlich gesehen ist es doch ein gutes Zeichen, dass Mannschaften auf gehobenen Verhältnissen ankommen müssen, damit die Topspieler den Verein verlassen. Als konkreten Vergleich würde ich da mal Eintracht Frankfurt anbringen: Die müssen 2 ihrer 3 Spitzenspieler an einen Abstiegskandidaten aus England und ein alterndes Team in einer kaputten Liga au Italien verkaufen. Wenn West Ham United bei einem Leistungsträger anfragt, lacht der die aus und bleibt in Leipzig. Zumindest scheint das derzeit die Entwicklung der Lage zu sein... jetzt wo ich das sage, wird wahrscheinlich als nächstes Yussuf Poulsen zu West Ham wechseln... oh... aber alles zu seiner Zeit.

Wenn man die ganzen "Kommerz ist Kacke" Emotionen mal raus lässt, ist ja das spannendste am Projekt RB, wie schnell man sich aus dem "Nichts" ein Spitzenteam formen kann. Und ja, als Traditionsfan darf man das Scheiße finden, darum geht es nicht. Aber RB ist da gerade auf einem ziemlich guten Weg. Aber genau genommen hat man auch den einfachen Teil des Weges hinter sich, die letzten Meter bis zu den Gifpeln werden die Schwersten.

So steht man nach 4 Jahren in der Bundesliga zum ersten Mal unter den Top 8 in der Champions League. Das ist ja irgendwie das Ziel, welches man langfristig konstant anpeilt. Neben dem einen oder anderen Titel. Aber gerade um von der Top 8 zu einem echten Titelkandidat aufzusteigen, braucht man halt dann doch einen relativ langen Atem.

Also praktisch erklärt kaufte sich ja Roman Abramowitsch sich 2003 bei Chelsea London ein. Danach spielte man eine ganze Weile im Dunstkreis der Titelanwärter mit. Irgendwie war allen klar, dass der ganz große Wurf nicht ewig verhinderbar sein würde. Gedauert hat es trotzdem 9 Jahre. Und klar, man wurde verdammt schnell 2 Mal Meister, man hatte allerdings auch eine ganz andere Grundlage als RB Leipzig.

Dafür kann Leipzig halt von den Fehlern der Anderen lernen... Und es vermeiden sinnlose Ablösesummen in Spieler wie Damien Duff zu stecken. Es gibt halt gerade in der Anfangsphase verdammt viele Spieler, bei denen man sich fragt: War es wirklich nötig 25 Millionen für die zu bezahlen?

Manchester City ist nebenbei in Jahr 8 des großen "Wir erkaufen uns den maximalen Erfolg" Konzepts... und warten immer noch auf ihr erstes Champions Leauge Finale. Aber von denen kann man lernen, dass man sich gute Anwälte für die Prozesse beim CAS leisten sollte... und wenn man die hat, kann man machen, was man will.

Die spannende Frage bleibt halt: Wann wird RB doch die Nerven verlieren und versuchen auf dem Transfermarkt richtig fett zuzuschlagen? Und wird das dann wirklich helfen.

Entscheidend ist dabei dann natürlich die eigene Jugendarbeit. Also RB Leizpig sind ja in einer wirklich angenehmen Position: Sie können den Bereich Mitteldeutschland relativ konkurrenzlos abarbeiten. Ich verdeutliche das gerne am Beispiel Rene Adler: Wenn man vor 20 Jahren als junger, talentierter Leipziger Talent eine Bundesligakarriere anstreben wollte, musste man mit 15 die Stadt verlassen und Richtung Westen ziehen. Es wird dann immer romantisierend erzählt, wie Adler auf dem Dachboden von Rüdiger Vollborn gelebt hat. Obwohl das eigentlich eine grausame Geschichte ist, weil da ein 15 jähriger sein komplettes Soziales Umfeld hinter sich lassen musste...

Mittlerweile kann man da einfach in Sachsen bleiben. Oder als Hallenser endlich mal auf die Gute Seite wechseln. Halle existiert ja de facto nur, damit Leute, die für Leipzig nicht gut genug sind, irgendwo in der Nähe eine Asyl finden und zum Numerus Clauses Flüchtling werden können... aber anderes Thema.

RB Leizpig muss halt auch mal dafür sorgen, dass aus der eigenen Jugendakademie wirklich bundesligataugliche Spieler hervorgebracht werden. Möglichst konstant. Und selbst wenn sie für die Leipziger nicht gut genug sind, können sie mit diesen Talenten immer noch die Liga in der Breite verstärken.

Aber stand Jetzt hat RB Salzburg immer noch mehr Bundesligaspieler ausgebildet als die Leipziger. Und ja, nicht nur wegen den 15 Transfers "innerhalb des Vereins". Das belegt aber auch, dass bei RB Leute am werkeln sind, die wissen, wie man Jugendspieler aus- und weiterbildet. Nur ist von dieser Kernkompetenz wenig in Sachsen angekommen.
Aber dass es in dieser vor RB doch recht karg besetzten Gegend eine 5 Sterne Akademie geben soll, kann kein schlechtes Zeichen für die Bundesliga als ganzes sein.

Das bringt uns dann doch zu... Yussuf Poulsen. Und da muss ich eines vorwegnehmen: Ich mag diese Art Spieler. Sein "Mythos" ist ja, dass er als quasi einziger all die Entwicklungsschritte von Regionalliga bis Champions League mitgemacht hat. Und ich sage seit Jahren: Wenn der irgendwann nochmal den Killerinstinkt vor dem Tor entwickelt...
Aber dann fiel mir auf: Poulsen ist de facto der Thomas Müller von RB Leipzig. Also ein Spieler, der extrem davon profitiert, dass er überqualifizierte Mitspieler neben sich hat. Der von diesen Mitspieler extrem profitiert. Der sich dann aber über Jahre hinweg den Ruf erarbeitet hat, dass es ohne ihn irgendwie nicht geht. Der sich aber auch in der Kabine einen Status erarbeitet hat, der dazu führt, dass es ohne ihn nicht geht...
Also das ist ja, für den etwas größeren Rahmen, das faszinierende am Trainerwechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick: Kovac wollte genau genommen nur einen Thomas Müller langsam aber sicher aussortieren. Was ja auch vernünftig erschien, schließlich hat man ja gerade einen Coutinho für genau die Rolle hinter Robert Lewandowski geholt. Und sich damit zumindest theoretisch ein Upgrade zugelegt. So stand Müller dann bei 5 benoteten Spielen und 4 Torvorlagen, bis es zur, man muss es ja so nennen, großen Meuterei gegen Eintracht Frankfurt kam. In der Thomas Müller ein 6 bekam... Und als Dank dafür von Flick zum bedingungslosen Stammspieler ernannt... und dann löste ein Müller all die Probleme, die sich vorher unter Kovac aufgestaut haben. Aber genau genommen war das die eine wirkliche Veränderung, die Flick vorgenommen hat.
Das Problem daran? Müllers letzter guter Auftritt in einem Champions League Viertel oder Halbfinale ist Jahre her. Die Wahrscheinlichkeit dass er sich plötzlich gegen die hochkarätigere Konkurrenz in den entscheidenden Champions League Spielen durchsetzt... also ich befürchte ja seit Jahren, dass ich da einen Statcurse auslöse, aber bisher ist der nicht wirklich gekommen.

Um den Bogen zu RB zu schlagen: Ich habe das Gefühl, dass Poulsen genau dieselbe Rolle in Leipzig einnimmt. Also er ist eigentlich nicht mehr gut genug für die Ansprüche des Vereins, hat aber eine derart wichtige Rolle als Leader, dass er immer sofort gebracht wird, wenn es mal im Ansatz nicht läuft... was dann aber dazu führt, dass an sich bessere Spieler sich nicht durchsetzen können und das Weite suchen.
Als ganz praktisches Beispiel sei hier der Fakt genannt, dass Matheus Cunha mittlerweile bei der Hertha spielt, obwohl da von den reinen fußballerischen Fähigkeiten eher der Poulsen hingehört. Aber es gab halt kein konstantes Vorbeikommen für Cunha an der Vereinsikone. Auch wenn der zumindest langfristig definitiv der bessere Stürmer sein wird. Falls er es nicht schon ist. Und so hält dann ein Spieler die Weiterentwicklung eines ganzen Vereins aus, weil man emotional zu sehr aneinander hängt... und ja, das passiert einem sogar als Dosenverein...

Ich habe das ungute Gefühl, dass RB die Bayern erst dann herausfordern kann, wenn sie Poulsen aussortiert haben... so leid mir das dann für den tut.

Montag, 13. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: VfL Wolfsburg

Am 34. Spieltag ist etwas außergewöhnliches passiert: Der 7. war richtig sauer und enttäuscht. Und das ist ein verdammt gutes Zeichen.

Also dass der VfL Wolfburg als gefühlt erste Mannschaft seit dem Platz 7 reicht hinterher nicht sagt "Super, wir haben uns für die Europa League qualifiziert, da haben wir jetzt so richtig Bock drauf, auch wenn es die Vorbereitung kompliziert macht... dafür haben wir ja das ganze Jahr hingearbeitet.", sondern mit einem schlechten Gefühl in die Sommerpause geht, ist eine neue und gute Entwicklung... weil halt ihr Anspruch am Ende eigentlich noch höher war. Und Mannschaften mit höheren Ansprüchen sind etwas gutes für die Bundesliga.

Das große Problem daran ist halt, dass sie nicht auf das eigene 0:4 gegen die Bayern sauer sind, sondern darauf, dass Dortmund eine Leistung am Rande der Wettbewerbsverzerrung abgeliefert hat. Und das ist halt das grundlegende Problem, welches sich in der Bundesliga ändern muss: Wenn man selber den Anspruch hat um Platz 5 und 6 mitzuspielen, dann kann man eine 0:4 Heimspielniederlage nicht einfach so hinnehmen. Auch wenn es gegen die Bayern geht. Und klar, knapp verlieren kann man so ein Heimspiel gegen den Meister. Aber eine Hohe Niederlage als Gottgegeben hinnehmen und sich hinterher beim Vizemeister beschweren...

Da sind wir ja beim eigentlichen Grundproblem der Bundesliga: Selbst Mannschaften mit hohen Ansprüchen akzeptieren Heimniederlagen gegen die Bayern einfach so. Damit haben die Bayern dann so 3 wirklich ernst zunehmende Spiele im Jahr. Und das auch nur, wenn Dortmund sich nicht gerade einscheißt, weil es gegen die Bayern geht.

Und genau dieses "Wir werden maximal 3 mal im Jahr wirklich gefordert, es sei denn, wir werden nachlässig" führt dann zu den Problemen, die die Bayern in den letzten Jahren auf der ganz großen Bühne hatten. Damit die Liga wieder spannender und besser wird, muss auch eine Mannschaft wie Wolfsburg im eigenen Stadion eine Herausforderung für die Bayern darstellen.
Und das ist ja keine Corona-Geisterspiele-Ausnahme. Die letzten 4 Heimspiele hat man mit 1:15 Toren verloren. Man hat in diesem Jahrzehnt ein einziges Heimspiel gegen die Bayern gewonnen. Es wurde ja 2015 das "Gastspiel bei den Bayern ist wie ein Zahnarztbesuch" Meme erschaffen. Wolfsburg beweist halt, dass es unwesentlich angenehmer ist, wenn der Zahnarzt zu einem kommt... Und das muss sich dringend ändern, wenn es mit der Bundesliga vorwärts gehen soll.

Freitag, 10. Juli 2020

Quo Vadis, Bundesliga 2020: TSG 1899 Hoffenheim

Auch wenn die jetzt vorgezogen werden und wir mit der tabellarischen Reihenfolge aufhören. Aber weil es so brandakuell ist: Was sollten die Hoffenheimer machen, um das allgemeine Niveau zu steigern.

Schritt eins scheinen sie dabei schon mal erfolgreich absolviert zu haben: Nicht Florian Kohfeldt verpflichten. Manchmal hat man auch Glück. Dummer Weise ist das nach Michael Schiele schon der 2. Trainer, der lieber woanders arbeitet. Das ist nur bedingt ein gutes Zeichen. Gerade weil der Job in Hoffenheim ja schon einer der Interessanteren ist. Weil man halt wirklich in relativer Ruhe mit einigen spannenden Talenten zusammen arbeiten und diese entwickeln darf. Andererseits beweist der Fall Schreuder halt auch, dass man sich nicht davor scheut harte Cuts zu setzen, wenn es nicht passt. Jetzt sucht man den nächsten "mit dem hat keiner gerechnet" Trainer und hofft, dass man wieder richtig liegt. Aber das ist ja die Vereinsphilosophie und von daher haben sie einen gewissen Vertrauensvorschuss verdient.

Die eigentlichen Probleme in Hoffenheim hören auf die Namen Armindo Sieb und Mamin Sanyang. Da muss erst mal eindringender Einschub kommen. Also dass ausgerechnet die Hoppenheimer sich jetzt über das "wildern" der Bayern in ihren Reihen aufregt... genau die Hoffenheimer, die mal gefühlt eine ganze B-Jugend aus Stuttgart verpflichtet haben.
Auch wenn das anscheinend so weit verjährt ist, dass man dazu bei Google nichts mehr findet, so gibt es auch in Hoffenheim "ganz gewöhnliche Vereinswechsel gibt es spätestens in diesen Leistungsklassen U 19 und U 17". Wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein. Also als praktisches Beispiel: Man holt ja selber einen Stefan Posch für die U19 aus Österreich. Und gräbt damit Admira Wacker das Wasser ab. Dann muss man auch damit Leben, dass andere dies bei einem selbst auch machen.

Und natürlich ist der Transfer der beiden angeblichen Übertalente Armindo Sieb und Mamin Sanyang genau einer dieser problematischen Wechsel, auf die die Bayern meiner Meinung nach verzichten sollten. Denn obwohl man es sich leisten könnte (und es der Bundesliga helfen würde), diese Talente in Hoffenheim reifen zu lassen und dann für eine angemessene Ablöse zu verpflichten, schlägt man lieber jetzt zu... praktisch nur, damit die anderen nichts davon haben. Gute Einstellung.

Aber das Hoffenheimer Problem ist ein anderes: Warum konnte man die beiden nicht sachlich vom Bleiben überzeugen? Oder wenigstens ihre Berater? Warum hat man es nicht geschafft, den eigenen Talenten zu vermitteln, dass in Hoffenheim bleiben für sie das Beste ist?

Und das lässt sich ja sachlich belegen. In Hoffenheim ist die Durchlässigkeit zwischen Jugend und erster Mannschaft doch am höchsten. Also jedes Jahr gibt doch mindestens ein 20-Jähriger sein Debüt... Nebenbei könnte das wirklich Schreuders Problem gewesen sein, denn dieses Jahr gab es nur 3 U20 Spieler: Christoph Baumgartner, Lucas Ribeiro und Ikay Ekmkies. Aber das dürfte echt eine Ausnahmesaison gewesen sein. Und selbst in einem relativ schlechten Jahr hat man immer noch einen 20 jährigen Stammspieler.
Aber ja, reden wir von dem Verein, in dem Dennis Geiger, Philipp Ochs, Nadiem Amiri und Niklas Süle frühzeitig zu verdammt viel Einsatzzeiten kamen. Und der immer wieder Jugendspieler rein wirft.

Auf der anderen Seite stehen halt die Bayern. Und wenn man sich die mal genauer anguckt, war der letzte Spieler, der es direkt aus der Akademie in die erste Mannschaft geschafft hat... Thomas Müller. Das ist verdammt lang her. Der letzte Jugendspieler, der es wenigstens nach ein paar Lehrjahren (ausgerechnet in Hoffenheim) zum Stammspieler geschafft hat, war David Alaba. Der ist jetzt auch schon 28 und überlegt, ob er nochmal was anderes machen will...
Die Generation um Luca Scholl und Gianluca Gaudino muss als komplett gescheitert gelten... Scholl ist komplett in der Versenkung verschwunden und spielte zuletzt in der Regionalliga Bayern...

Und natürlich haben die Bayern das erkannt und wollen ihre Jugendarbeit umstellen. Aber will ich wirklich der 17 jährige sein, der rausbekommt, ob diese Umstellungen funktionieren oder nicht? Lasst das doch andere austesten.
Auch wenn die Drittliga-Meisterschaft ein beeindruckender Ansatz ist, bleibt halt auch festzuhalten: Der Sprung von der 3. Liga zu den Bayern ist größer als der von der Hoffenheimer U19 in die Bundesliga. Aber dazu mache ich mir vielleicht später mal ausführliche Gedanken... Da ist er, der Teaser für die nächsten Ausgaben...

Es bleibt halt festzuhalten, dass das Niveau in der ersten Mannschaft der Bayern verdammt hoch ist. Es ist echt naiv davon auszugehen, dass sich viele Talente da direkt durchsetzen können. Also ja, das wahrscheinlichste Szenario ist, dass Sieb und Sanyang zwischenzeitlich ausgeliehen werden, damit sie in der Bundesliga Spielpraxis bekommen. Das Hoffenheimer Problem ist, dass sie die beiden nicht davon überzeugen konnten, dass diesen Schritt "Bundesliga Spieler werden" bei ihnen am Besten vollzogen werden kann.

Da kann man sich dann in die hilflose Opferrolle ergeben und über die Bayern jammern. Oder man sorgt mit weiterer erfolgreicherer Jugendarbeit dafür, dass sich die nächsten 17 jährigen doch für ihren "Heimatverein" entscheiden, weil sie dann verstanden haben, dass dies für sie selber sinnvoller ist. Die Überzeugungsarbeit muss da aber aus Hoffenheim kommen, sie können nicht davon ausgehen, dass die Bayern sich zurück lehnen und abwarten.

Donnerstag, 9. Juli 2020

Positionsbeschreibung: Bundesligatorwart

Wir unterbrechen die Quo Vadis Serie für eine andere, ebenfalls unwichtige Institution: Den Positionsbeschreibungen.
Also weil es sich ja schon in einen Quo Vadis Parts (Sollte Schalke 04 Geld für einen Torwart ausgeben?) hinein geschmuggelt hat und ich den Gedanken schon mehrfach hatte, wollte ich ihn mal festhalten: Wie wichtig sind eigentlich die meisten Bundesligatorhüter? Und dann wollte ich diese Frage mit ein paar "Fakten" hinterlegen.

Meiner Meinung nach ist es in 80% der Fälle ziemlich egal, wer wirklich im Tor steht. Also klar, man sollte keinen absoluten Vollpfosten zwischen den Pfosten stehen haben. Aber den wenigsten Bundesligisten geht es ja so. Das dichteste Beispiel für "Der ist halt nicht gut genug" war Tomas Koubek in Augsburg. Aber selbst da bleibt festzuhalten: Auch mit ihm stand Augsburg seit dem 10. Spieltag über den ominösen Strich. Obwohl man einen Torhüter auf der Linie hatte, der sehr viel Unruhe und Unsicherheit ausgestrahlt hat.
Genau diese Personalie zeigt aber, wie gefährlich es ist 7,5 Millionen Euro in einen Torwart zu investieren. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass man hinterher nicht relevant besser da steht als vorher, ist verdammt hoch.

Und wenn man sich Torhüterleistungen über die Jahre anschaut, fällt einem auf, dass dieselben Spieler dann sehr unterschiedliche Leistungen bringen. Nehmen wir mal spaßeshalber Jiri Pavlenka. Die letzten 2 Jahre war das jemand, der an der internationalen Klasse gekratzt haben soll. Selbst in seinem schlechteren Jahr hatte er noch einen Notenschnitt von 2,85. Dieses Jahr kam er dann auf einen eher grausamen Schnitt von 3,17. Und es wurde darüber diskutiert, ob man den nicht "als Zeichen an die Mannschaft" auf die Bank setzen sollte.
Woran könnte das gelegen haben? Vielleicht daran, dass Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie mittlerweile halt alt geworden sind. Dass man sich mit Ömer Toprak ein eingeplanter Fixpunkt für die Defensive immer wieder verletzungsbedingt passen musste. Und das Davy Klaassen sich eine grausame Halbserie als Stabilisator im Mittelfeld gönnte. Als dies sorgte dafür, dass auch der vorher stabile Pavlenka von der allgemeinen Verunsicherung anstecken lies. Denn er ist halt doch kein Führungsspieler, sondern nur ein Mitläufer: Wenn es gut läuft, sieht er auch gut aus... sonst halt eher nicht so.
Ein anderes offensichtliches Beispiel hier für ist Alexander Nübel: Solange die Abwehr stabil stand, sah er aus wie der designierte Neuer-Nachfolger. Als um ihn herum alles zusammenbrach, ging auch er mit unter. Jetzt wird ihn auf Schalke niemand wirklich vermissen.

Genau so geht das halt bei fest allen Torhütern in unserer ersten Liga. Und das ist nicht mal was ungewöhnliches oder problematisches. Es ist nur etwas, dessen man sich bewusst sein muss. Nehmen wir als letztes Beispiel mal den Kader des SC Freiburgs: Dort teilten sich verletzungsbedingt Alexander Schwolow und Mark Flekken die Position zwischen den Pfosten. Und am Ende hat Flekken, also die eigentliche Nummer 2, sogar den etwas besseren Notenschnitt. Trotzdem wird über einen Wechsel von Schwolow für 8 Millionen Euro spekuliert.
Ich werfe hier mal folgende These in den Raum: Für Freiburg ist es vollkommen egal, wer von den beiden nächste Saison im Kasten steht. Wichtig ist, dass die defensiven Stabilisatoren Heintz, Günter und Koch bleiben. Nebenbei fällt einem dabei auf, wie fies die Notenverteilung im Kicker ist, denn das alle alle drei einen schlechteren Notenschnitt haben als alle Torhüter außer Kubek und Rune Jarstein, erscheint irgendwie unfair. Aber es gibt halt überhaupt nur 3 Verteidiger mit einem 2,X Notenschnitt. Vielleicht sollte man da mal als Kicker drüber nachdenken, ob man die falschen Ansprüche stellt. Gerade wenn man feststellen sollte, dass die Verteidiger am Ende wichtiger sind als die Torhüter.
Jedenfalls wird sowohl Schwolow als auch Flekken nächste Saison wesentlich schlechter aussehen, wenn die 3 erwähnten Verteidiger den Verein verlassen und der SC Freiburg sie nicht adäquat ersetzt bekommt. Denn sowohl Flekken als auch Schwolow sind ganz normale Bundesligatorhüter.

Dessen muss man sich halt bewusst sein, wenn sein Verein gerade einen neuen Torhüter suchen will oder muss: Es gibt da nur verdammt wenige, die wirklich einen Unterschied machen und solange man nicht komplett ins Klo greift, ist es ziemlich egal, wen man dann verpflichtet.

Mittwoch, 8. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Bayer Leverkusen

Als erster halbwegs seriöser Beitrag zu dem Thema, was in der Bundesliga passieren muss, damit die Bayern auch mal wieder gefordert werden. Oder damit es vielleicht mal wieder einen anderen Meister gibt. Und ja Bayer Leverkusen gehört zu genau den Mannschaften, die dies schaffen müssen. Dabei gibt es natürlich kurzfristige und langfristige Ansätze. Der kurzfristige ist einfach: Behaltet Kai Havertz. Also zumindest noch für die eine Saison. Und dann muss man sich entscheiden, ob, so hart das klingt, man den nicht lieber ins Ausland verkauft... was natürlich am Ende Havertz entscheidet, es ist ja ein Transfer und kein Menschenhandel...

Langfristig muss man halt Tom Bartels ignorieren. Ich habe ehrlicher Weise nur die letzten 10 Minuten gesehen, aber dass Bartels den Leverkusenern verkaufen wollte, sie könnten auf ihre Leistung "stolz" sein, hat mich schon wieder aufgeregt. Warum? Weil man sich gegen die Bayern, die einige Gänge runter geschaltet haben einige Torchancen erarbeitet hat? Von denen man jede hätte nutzen müssen um das Spiel zu gewinnen?
Und ja, Kevin Volland bekommt den Titel "Gomez der Woche"... Wobei, so ungeschickt der über den Ball getreten hat, wäre das eine Beleidigung für das Original. Denn den Ball hat Gomez beim Versemmeln von Großchancen schon meistens getroffen.
Aber selbst wenn Volland das 1:2 macht. Also auch nur den Anschluss und nicht den Ausgleich... dann kommt Bayer dadurch nur bedingt zurück ins Spiel. Denn die Bayern haben ja gerade nach dem Re-Start nachgewiesen, dass sie nach ihren eingelegten Ruhephasen durchaus sofort wieder das Tempo anziehen können. Also praktisch hat man das im Halbfinale gesehen, wo Eintracht Frankfurt den Ausgleich erzielt, die Bayern aber humorlos 5. Minuten später wieder in Führung gehen. Wer also glaubt, dass die Bayern wirklich ins schwitzen kommen, wenn der Anschlusstreffer fällt, hat sich in den letzten Monaten so gar nicht mit Fußball beschäftigt. Also ja, Tom Bartels glaubt dies natürlich.

Wobei das Problem ja ein anderes ist: Tom Bartels ist halt mehr Verkäufer als Journalist. Der will den "paar Hanseln, die sich noch für Bayern erdrückende Dominanz interessieren" einreden, dass sie gerade wieder was ganz tolles gesehen haben. Dass Bayer nach einem grandiosen und tapferem Kampf knapp gescheitert ist... und nicht, dass das Finale nach 24 Minuten praktisch entschieden war. Das ist so ein allgemeines Problem bei Sportreportern. Anstatt uns zu erklären, was da wirklich auf dem Rasen passiert, erschaffen sie Szenarien, wie das Spiel nochmal spannend werden könnte. Auch wenn diese Szenarien extrem unrealistisch sind. Denn sie wollen halt, dass wir nicht abschalten.

Nebenbei ist das immer bei den RAN NFL Übertragungen am aller schlimmsten. Da werden ständig "Ein Touchdown, eine 2 Point Conversion und dann ein erfolgreicher Onside Kick, und schon haben wir ein spannendes Spiel" Szenarien in den Raum geworfen. Also für diejenigen, die keine Ahnung vom Football Vokabular haben: Die beschriebene Kombination klappt ein mal in 10.000 Versuchen...


Genug Medienkompetenztraining. Wo waren wir? Ach ja, Quo Vadis Bayer Leverkusen? Bayer muss sich eingestehen, dass sie verdammt weit weg davon waren die Bayern wirklich zu fordern. Man hat am Finale nur teilgenommen... und das auch nur, weil man im Halbfinale gegen einen Regionalligisten antreten durfte. Vorher Paderborn, Stuttgart und Union Berlin. Also ja, der "stärkste" Gegner war eine Mannschaft, die gerade ihre erste Bundesligasaison gespielt hat. Bei all dem Losglück war es echt keine Leistung ins Pokalfinale einzuziehen. Es sollte als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Und im Finale hat man dann versagt.

Genau so wie man in der entscheidenden Saisonphase gegen Schalke und die Hertha versagt hat. Man ist buchstäblich in die Europa League abgestiegen. Und das könnte bei der Personalie Havertz richtig schmerzhaft werden.
Dabei muss man sich damit beschäftigen, warum man nach dem herausragenden Re-Start (11:3 Tore und unter anderem gegen den direkten Konkurrenten Borussia Mönchengladbach) so viel Schwung verloren hat. Und ja, nach dem 28. Spieltag sah Bayer Leverkusen wie der Topkandidat auf Platz 4 aus. Danach kamen aber "nur" noch 3 eher zähe Siege. Jetzt könnte man sich einreden, dass 63 Punkte und ein Torverhältnis von +17 seit 2004 immer für Platz 4 gereicht haben. Und das man ja eine richtig überragende Saison gespielt hat. Aber genau diese Selbstzufriedenheit hilft halt weder Bayer noch der Bundesliga weiter.

Es ist viel wichtiger rauszukriegen, warum man am Ende so eingebrochen ist. Und das war ja nicht nur der "Meine Zukunft beschäftigt mich gerade so sehr, dass ich mich nicht auf die Gegenwart konzentrieren kann" Havertz, der deutlich nachgelassen hat. Es war der gesamte Kader. Und klar, andere Mannschaften haben das noch schlechter hinbekommen. Das bedeutet aber halt nicht, dass man selber gut war.

Genau da muss die kritische Analyse der Saison anfangen. Die guten Nachrichten aus Leverkusen lauten: Wenn man sich die Benders so anhört, haben die das definitiv vor.

Dienstag, 7. Juli 2020

Rapid Relegation Reaction

Immerhin... die allergrößte Peinlichkeit hat Werder Bremen sich in der 94. Minute erspart: Den Klassenerhalt in der Relegation ohne selbst erzieltes Tor zu schaffen. Das wäre auch mehr als passend gewesen, schließlich hat Bremen, wenn man die Spiele gegen hilflose Paderborner und vollkommen unmotiviererte Kölner (aka 2 Spiele am Rande der Wettbewerbsverzerrung) rausrechnet, in der Bundesligasaison 31 Tore erzielt. Das ist ein Wert, der praktisch nie zum Klassenerhalt reicht (außer man ist der Hamburger SV).
Nebenbei passierte einem all das, während man von einem überragenden Trainer, der für ansehnliches Offensivspiel steht, trainiert wurde... Trotzdem erzielte man vor dem Köln Spiel im Jahr 2020 in 8 Heimspielen EIN EINZIGES TOR! Eines.
Und weil das alleine nicht reichte, blieb das vom Offensivgenie Florian Kohfeldt trainierte Team gegen einen aufstrebenden Zweitligisten 180 Minuten lang ohne eigenen Treffer.
Das sind alles Dinge, bei denen man zugeben muss: Nicht mal der HSV hat das geschafft...

Und das bringt mich zu dem eigentlichen Skandal dieser Relegation. Also ja, auch der HSV hat es mal geschafft, nur dank der auswärts erzielten Tore die Klasse zu halten. Aber die haben wenigstens in einem ausverkauften Stadion vor einer hitzigen Kulisse gespielt. Nicht vor kurzzeitig 50 Fans, die wieder aus dem Stadion gebracht werden mussten.

Nur um das mal festzuhalten: Werder Bremen hält auf Grund der Auswärtstore eines Geisterspieles die Klasse. Nachdem die Bundesliga mit im Durchschnitt 2,3 Heimsiegen pro Spieltag eindeutig nachgewiesen haben, dass der Heimvorteil in der Corona Krise vollkommen irrelevant ist.

Ich bin ja praktisch seit Einführung der Relegation dafür, dass der Zweitligist einen relevanten Vorteil bekommt. Einfach als Anerkennung dafür, dass statistisch gesehen 3 von 4 Relegationsteilnehmer (Kiel, Union und Heidenheim definitiv) ihre historisch beste Saison gespielt haben. Dieser Vorteil wäre für mich sehr einfach zu definieren und umzusetzen: Steht es nach Hin- und Rückspiel Unentschieden, steigt der Zweitligist auf. Und ja, die "Europapokal Auswärtstor Regel" wird dafür auch ausgesetzt.

Es wäre auch einfach fairer, wenn der Zweitligist bei 2 torlosen Unentschieden den Aufstieg feiert. Also rein logisch gesehen. Denn der hat ja, wie schon erwähnt, eine herausragende Vorleistung gebracht. Während der Bundesligist meistens die schlechteste Saison seit 50 Jahren spielt. Wenn man dann also dem Bundesligisten eine weitere Chance gibt, sollte man wenigstens auch diesen Verein dazu zwingen, das Spiel aktiv zu gestalten. Das Geschehen selbst in die Hand zu nehmen. Was man auf Grund seiner deutlich besseren finanziellen Möglichkeiten auch eh können sollte.

Fun Fact: Mit dieser Regelung wäre der HSV 2 Mal an der Relegation gescheitert. Und jetzt Werder. Aber ich bin ja der einzige, der glaubt, dass man den Abstieg verdient hat, wenn man die schlechteste Saison seiner Vereinsgeschichte spielt...

Nebenbei wollte ich mal erwähnt haben, dass selbst die Schnarchnasen von der Uefa erkannt haben, dass die Auswärtstorregel nicht mehr zeitgemäß ist. Also selbst wenn Fans im Stadion sind. Ohne ist es vollkommen albern deswegen die Klasse zu erhalten. Wenn selbst die Uefa so was erkennt und ändern will... warum kriegt es dann die DFL nicht hin... Und ja, es wäre kein Problem gewesen beim Re-Start bekannt zu geben, dass die Relegation, wenn sie schon statt finden muss, dieses Mal ohne "Auswärtstor-Regel" kommt und es bei Gleichstand in die Verlängerung geht... weil der Heimvorteil "Fanunterstützung" halt ausfällt. Aber die denken ja mal wieder nur bis zur eigenen Nasenspitze...

Aber hey, immerhin wurde die Leihe von Davie Selke verlängert... und man muss 11 Millionen Euro Ablöse für Bittencourt und Toprak zahlen, hat sein Transferbudget praktisch schon aufgebraucht... Anders ausgedrückt: Wenn Kohfeldt nicht deutliche Fortschritte macht, wird das nächste Saison kaum besser werden.
Oder... die Gerüchte in Hoffenheim Bewahrheiten sich und dort hat man wirklich Interesse an diesem Jahrhunderttalent. Das könnte echt die eleganteste Lösung sein: Man kann den Trainer wegloben, Kohfeldt kann in einem neuen Umfeld und mit einem besseren Kader wirklich nachweisen, ob er so gut ist, wie viele glauben und Bremen kann den Neustart mit sagen wir Markus Weinzierl wagen. Also sie müssen darauf hoffen, dass sie die Augsburger Version von Weinzierl bekommen.

Nebenbei ist es echt lustig, dass die Relegation und das DFB Pokalfinale exakt gleich endeten: Mit einer minutenlangen Diskussion, ob das jetzt für einen Handelfmeter reicht oder nicht. Obwohl die Elfmeter vollkommen irrelevant waren. Ok, Werder hätte sich ein wenig besser fühlen können, wenn sie wenigstens ein Relegationsspiel gewonnen hätten. Das war aber die einzige Auswirkung dieser beiden Elfmeter. Obwohl... angeblich kann Bayer Leverkusen ja "stolz" auf seine Leistung sein, weil man immerhin 2 Tore gegen die Bayern erzielt hat, aber dazu morgen mehr.,.

Und während es in Heidenheim wenigstens nur eine Minute dauerte... vergingen in Berlin zwischen dem Handspiel und der Ausführung des Elfmeters 3 Minuten. Das ist einfach viel zu lange.
Absurder Weise hätte man auch einfach fix die Einstellung, die nachweist, dass die Abseitsentscheidung falsch war, einschieben können, den Vorteil nach dem fragwürdigem Handspiel weiter laufen lassen und dank der Torlinientechnologie den Treffer geben.
Also nur um das nochmal festzuhalten: Die haben 3 Minuten nach der Einstellung gesucht, die ein fragwürdiges Handspiel als Teil einer eh schon komplizierten Regel nachzuweisen... und wenn sie zu dem Schluss gekommen wären "War kein Handspiel", hätten sie dann noch 5 Sekunden gebraucht um die Abseitsstellung zu klären... Da wir in Deutschland sind, hätte man erst den Abstoß ausführen lassen, bevor der Schiedsrichter dann doch nochmal zurück zum Videowürfel geht... Weil wegen beste Liga und so.

Das sind die wirklichen Gründe, warum der VAR immer wieder so schlecht aussieht. Anstatt bei den einfachen und sinnvollen Entscheidungen einzugreifen, wird er bei Grauzonen und Unklarheiten angewendet. Und selten lag beides so dicht beieinander wie in diesen Sekunden.
Das echt keiner der Leute vor den Kameras auf die Idee kam: "Hey, lasst mal fix checken, ob das wirklich Abseits war, das kriegen wir schnell raus." Obwohl das offensichtlich die einfache und praktikablere Lösung war. Aber da landen wir wie immer beim Qualitätsproblem der Schiedsrichter: Ein guter VAR hätte den Schiedsrichter gefragt "Hat die Torlinientechnik angeschlagen? Ja? Dann lasst mal kurz das Abseits klären." Wir haben aber halt keine guten Schiedsrichter mehr.

Sonntag, 5. Juli 2020

Quo Vadis, Bundesliga 202Bluescreen: Hamburger SV

Ernsthaft. Was machen wir mit dir, Lieber HSV? Wie unterhältst du uns weiter? Welche Lösungsansätze für deine schwierige Lage gibt es?

Wie immer gibt es hier einen kreativen Vorschlag. Der natürlich frei von jedem Zynismus ist. Richtig konstruktiv. Und genau deswegen wird er niemals umgesetzt werden.

Also für diejenigen, die es verpasst haben: der Hamburger SV hat zum 2. Mal in Folge den Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Und das auf peinlichste Art und Weise. Also selbst de Diekmeier, der im Trikot des HSVs nie ein Scheunentor getroffen hat, half am Ende bei der Mission Klassenerhalt mit, obwohl er mittlerweile in Sandhausen spielt.

Und als ich dieses Meme das erste Mal sah, wurde es mir bewusst: Der HSV braucht ein Rebranding. Eine komplett neue Identität, die man dann gewinnbringend vermarkten kann. So wie es der 1.FC St.Pauli als "DER LINKE VEREIN IM LAND" schon gemacht hat.

Denn der HSV hatte ja jahrelang das Alleinstellungsmerkmal "Einziger Bundesliga-Dino". Man war die eine Mannschaft, die immer in der Bundesliga gespielt hat. Die noch nie abgestiegen ist. Darauf hat man seinen Mythos aufgebaut. Und auch wenn das am Ende ganz schön erbärmlich war, weil nur absurde Ergebnisse in einer unnötigen Relegation halfen, so war es halt doch ein Fakt.

Aber dieser Fakt ist vor 2 Jahren weggebrochen. Jetzt ist man nur noch ein ganz normaler deutscher Fußballverein.

Es sei denn, man guckt genauer hin. Denn dann ist der HSV auf ein mal doch wieder einzigartig. Also nicht obwohl sie schon wieder den Aufstieg verkackt haben, sondern WEIL sie schon wieder den Aufstieg verkackt haben.

Wenn man sich die HSV Geschichte mal genauer anguckt, ist das nichts ungewöhnliches. Also der Verein wurde 1919 durch den Zusammenschluss 3er Vorgängervereine "gegründet" und man spielte direkt um den Titel "Norddeutscher Meister" mit. Einen Titel, den man von 1921-25 durchgängig hielt.
Das bedeutete auch nur: Der HSV startete direkt in der höchsten Spielklasse.
Danach wurde man als 2-facher Deutscher Meister natürlich in der Gauliga Nordmark einsortiert. Während man jetzt in der Super-Gau-Liga 2 spielt.

Danach ging es dann kurzzeitig in der "Hamburger Liga" und ab 1947 in der "Oberliga Nord". Und dann von 1963-2018 in der Bundesliga. Bis zum berühmten ersten Abstieg.

Das bedeutet praktisch: Von 1920 bis 2018 spielte der HSV immer in der höchstmöglichen Spielklasse. Seit 2018 ist dies vorbei. Aber jetzt kann man faszinierender Weise folgendes behaupten: Man ist als einziger Verein seit 1920...
Drumroll pls...
NIE AUFGESTIEGEN!

Jeder noch so beschissene Dorfverein ist doch irgendwann aufgestiegen. Und sei es nur von der Kreisklasse III in die Kreisklasse II. Oder er hat sich doch irgendwann aufgelöst.
Ich meine allein Arminia Bielefeld kommt auf 8 Bundesliga-Aufstiege. Selbst die Schnarchnasen von der BND Truppe kriegen es anscheinend regelmäßig hin in die Bundesliga aufzusteigen. Das ist echt keine Kunst.
Eine Kunst ist es, niemals aufzusteigen. Das schafft sonst keiner.

Da sollte man doch sofort Kapital daraus schlagen. Merchandise entwickeln. Also dass neben jedem ebenfalls Deutschland weit vertriebenen St.Pauli Merchandise Shirt noch ein "HSV! FÜR IMMER UNAUFSTEIGBAR!" Shirt ausliegt. Also zumindest die St.Pauli Fans würden beides kaufen... Das wäre ein Artikel, den man mindestens deutschlandweit vermarkten könnte. Und ein Image, dass man drum herum aufbauen könnte. Alles nach dem Motto: "Aufsteigen kann doch jeder, nie aufzusteigen ist schwer."
Aus ganz Europa würden all die Ultras nach Hamburg reisen, um die einzige Mannschaft, die noch nie aufgestiegen ist, zu sehen. Und wenn man doch irgendwo noch andere Mannschaften findet, die nie aufgestiegen, aber mindestens 30 Jahre alt sind... dann kann man die im Sommer zum großen "Unaufsteigbarmeister" Turnier einladen. Da findet man garantiert auch einen gut dotierten Fernsehvertrag. Alles unfassbare Möglichkeiten, die einem entgehen, weil man seine neue Realität nicht angemessen feiert.

Man könnte nebenbei auch eine ganze Menge Geld sparen. Also einen Kader zusammenzustellen, der im Wesentlichen einfach nicht absteigen soll, ist wesentlich einfacher, als heimlich für die Rückkehr in die Europa League zu planen. Sagen wir das mal so: Eines davon geht mit Aaron Hunt...
Gut, es wird ein wenig komisch wirken, wenn man den Trainer entlässt, weil man auf Aufstiegskurs liegt... Aber verglichen mit all den anderen komischen Entscheidungen, die in Hamburg getroffen worden sind, steht hinter dieser wenigstens ein Konzept... Sogar ein Einzigartiges...
Das Dümmeste, was man machen könnte, wäre: Völlig unmotiviert aufsteigen und dadurch sein Alleinstellungsmerkmal verlieren. Dabei gewinnt man echt nichts.

Und wenn man irgendwann plötzlich in die 3. Liga absteigt... ist das kein Problem. Man hat ja praktisch noch 10 weitere Ligen unter sich, da ist noch genügend Luft.