Montag, 10. Mai 2021

Worst of des "Die Formalität ist erledigt." Wochenendes

Die Bayern sind Meister. Große Überraschung. Ganz stilecht wurden sie es natürlich vor dem eigenen Anpfiff, quasi beim Aufwärmen. Wenn das keine wunderbare Symbolik ist, weil ja die Bundesliga mittlerweile nicht mehr als ein Aufwärmprogramm für die Champions League ist.

Wobei ich an der Stelle schon mal das erstren WTF an den Kicker schicken muss. Denn die schreiben von einem frühen Aus in der Champions League. Ähm... hallo? Ernsthaft, die Bayern waren mal wieder unter den Top 8 Europas und sind dann knapp gescheitert. Wer da wirklich von einem frühen Ausscheiden spricht, legt die Messlatte so hoch, dass die Saison meistens in Enttäuschungen enden muss.

Aber das spiegelt ja auch nur das Grundproblem, welches ich hier dargelegt habe wieder: Mit Chelsea, Manchester City, Manchester United, dem FC Liverpool, Juventus Turin, Barca, Real Madrid und eben den Bayern gibt es 8 Vereine, die quasi das Halbfinale der höchsten Liga erreichen müssen. Bei einigen von denen ist es sogar finanziell Notwendig. Es gibt aber nur 4 Plätze. Deswegen brauchen die ja auch die Super League

Man könnte natürlich auch so Wirtschaften und Kommunizieren, dass schon das Erreichen der Top 8 als ordentliches Ergebnis dargestellt wird. Aber wer will das schon...

Der Rest der Liga... nun ja... eigentlich sollte Platz 4 ja vergeben sein, aber es ist Borussia Dortmund. Zum gefühlt 5. Mal in dieser Saison lese ich, dass die jetzt "endlich den Fußball spielen, den man erwarten konnte"... Bis jetzt war das immer genau der Moment, in dem sie rückfällig geworden sind. Es würde mich also nicht überraschen, wenn Eintracht Frankfurt mit 2 Unentschieden in die Champions League einzieht. Das wäre auch die deutscheste Art in der "besten Liga" Vierter zu werden.

Gleichzeitig versucht Borussia Mönchengladbach krampfhaft die Teilnahme an der Europa Conference League zu vermeiden. Da sollen doch die Osteuropäer scheinen, also schicken wir doch lieber Union Berlin... Gerade an diesem Wochenende lieferten die Gladbacher beeindruckende Argumente für die "Gerd Müller würde heute 80 Tore erzielen" These. Was auch nur bedeutet, dass es eine Frage gibt, in der ich mit Franz Beckenbauer übereinstimme. Gladbach hat also so kolossal versagt, dass ich einer Meinung mit dem Kaiser bin. DAS muss man erst Mal schaffen.

Wirklich spannend ist aber tatsächlich der Abstiegskampf. Auch wenn hier festzuhalten gilt: Es wäre wesentlich spannender, wenn der Tabellen-15. in die Relegation müsste. Dann würde nur das Torverhältnis den direkten Abstiegsplatz und das rettende Ufer trennen... und für den 1.FC Köln würde sich wenig ändern.

Ganz stilecht "plant" Werder Bremen anscheinend, mit 12 sieglosen Spielen in Folge über die Relegation den Klassenerhalt einzufahren. Es ist echt faszinierend, wie sie sich in Bremen für Selbstverständlichkeiten feiern und ihre Leistungen im luftleeren Raum beurteilen. Also schon das DFB-Pokal-Halbfinale: Das bisher alle Mannschaften nach der Bekanntgabe des Trainerwechsels eine Niederlage einstecken mussten und Werder die einzige Mannschaft war, die diese Unruhe nicht ausnutzen konnte, wird vollkommen ignoriert.

Jetzt feiert Florian Kohfeldt nach einem torlosen Unentschieden gegen Leverkusen "die kämpferische Leistung und die Mentalität, die an den Tag gelegt wurde." Sollte das nicht selbstverständlich sein? Vor allem wirkt man schon viel zu zufrieden, weil man in einem Heimspiel gegen Bayer wenig bis nichts zugelassen hat. Obwohl Bayer seit dem Hannes Wolf den Trainerposten übernommen hat, die Angriffsbemühungen weitestgehend eingestellt hat und nur noch mit 4 Offensivspielern auftritt. Aber hey, gegen eine Safety First Mannschaft steht man hinten gut, das ist doch schon mal ein Fortschritt.

Aber in Bremen sieht man halt nur den Tabellenplatz des Gegners und denkt sich "Geil, gegen eine Spitzenmannschaft einen Punkt geholt." Wenn man aber genauer hinguckt und bemerkt, dass die Werkserlf 2021 erst 3 Auswärtstore erzielt hat. Seit 4 Auswärtsspielen ist man schon ohne Treffer. Und ja, die Frage, wie man so Platz 6 hält, darf gestellt und mit "beste Liga" beantwortet werden. 

Dass Werder schon fast stolz darauf ist gegen eine derart inkompetente Mannschaft "nur" 4 Torchancen zuzulassen, zeigt halt das Grundproblem dieses Vereins: Man gibt sich nach wie vor mit viel zu wenig zufrieden und schraubt die Ansprüche so weit runter, dass irgendwann der Klassenerhalt als Sensation gefeiert wird. Ich habe letztens irgendwo (ich glaube auf Facebook) einen Kommentar gelesen, dass der Klassenerhalt für Werder ja "keine Selbstverständlichkeit" sei. Doch, ist er. Also Freiburg, Mainz, Augsburg, Köln, Bielefeld, Suttgart als Aufsteiger und Union Berlin haben alle wesentlich schlechtere Voraussetzungen als Werder. Von diesen 7 Mannschaften sollte man 5 locker hinter sich lassen. Das muss eigentlich der Anspruch in der Hansestadt sein. Ist es aber nicht.

Aber hey, am Ende hilft ihnen ja... der bedauerliche Einzelfall des Wochenendes. Dieses Mal kein Rassismus. Hey, Fußballdeutschland hat es geschafft 6 Tage ohne dämlich-rassistische Aussage auszukommen! Und es gibt auch keinen neuen Skandal aus dem DFB-Präsidium. Das muss man doch mal feiern dürfen. Am besten, in dem man zu den eigentlichen bedauerlichen Einzelfällen zurückkehrt:

Denn eines bleibt festzuhalten: Marco Fritz hat auf skandalöse Art und Weise in den Abstiegskampf eingegriffen. Unterstützt von Sören Storks. Während ich denen beim Elfmeter noch gönne. Also das kann man als eine dieser Stellen auslegen, wo die Entscheidung auf dem Platz stehen bleibt. Den muss man natürlich nur geben, wenn man durch die Köln Brille guckt, aber immerhin kann man ihn genau dann geben. Aber warum das Handspiel von Jonas Hector beim Stand von 1:2 nicht überprüft worden ist. Holy Shit. Genau diese Inkonsequenz ist doch der Grund, warum der VAR keine Akzeptanz findet. Es ist das Gegenbeispiel zur kontroversen, aber regel technisch richtigen, Entscheidung im DFB Pokal gegen Paderborn: An der einen Stelle wird so lange gesucht, bis man etwas findet, an der anderen wird die Review Area nicht mal betreten.

Und klar, am Ende ist es verdammt eng. Aber das ist halt wieder eine dieser Stellen, wo die Schiedsrichter eine exklusive Sicht auf das Regelwerk haben und als einzige ein Handspiel sehen. Und wir haben doch genau für solche Fehlentscheidungen im Saisonfinale den VAR eingeführt. Warum kommt er dann, wenn er am dringendsten gebrauch wird, nicht zum Einsatz?

Schalke 04: Ach, ich werde sie vermissen. DIE sinnloseste Debatte der letzten Woche war ja, ob es nicht Wettbewerbsverzerrung sein könnte, wenn Schalke sich jetzt gehen lässt und abschenkt. Da frage ich mich ja immer: Gucken die eine andere Bundesliga als ich? Also, wenn Schalke sich plötzlich zusammenreißen und ordentlichen Fußball spielen würde... DAS wäre Wettbewerbsverzerrung, denn das haben sie ja bisher konsequent vermieden. Und man muss die Saison schon in diesem Modus Anti-Operandi zu Ende bringen. Alles andere wäre unfair.

Und ja, was die in der ersten Halbzeit gegen Hoffenheim abgeliefert haben, war ein Skandal: Die Andeutung, dass es ja doch gegangen wäre, wenn man sich richtig bemüht hätte. Zum Glück war das nach 45 Minuten vorbei. Andererseits ging es gegen Hoffenheim. Stand jetzt hat Schalke 30 % seiner Tore gegen den Dorfverein erzielt. 6 von 20. Wenn die jede Woche gegen die spielen dürften, wäre sogar die Champions League drin.

Noch absurder wird es ja, wenn man die bayrische Provinz aus Augburg dazu zählt. Also gegen diese beiden Vereine erzielte man 9 seiner 20 Tore und holte damit 7 seiner 13 Punkte. Und wo ich schon dabei bin: Man lag ja als Schalke so gut wie nie in Führung. Also gegen Stuttgart von der 30. bis zur 56. Minute das 1:0 zu halten war ja schon fast DAS Saisonhighlight. Gegen (natürlich, die waren ja am Ende stolz gegen Schalke überhaupt was geholt zu haben) Werder führte man von der 38. bis zur 77. Minute. Und das war es schon. 65 Minuten.

Also außer man rechnet die Spiele gegen Hoffenheim und Augsburg mit ein, da führte man in Augsburg von der 52. bis zur 93. Minute. Und im Rückspiel seit der 4. Minute bis zum Abpfiff in der 94.. Und gegen Hoffenheim ging man beim historisches verhindernden Hinspielsieg in der 42. Minute in Führung. Und auch im Rückspiel sah es von der 12. bis zur 51. Minute gar nicht schlecht aus. Sprich: gegen diese beiden Mannschaften lag man insgesamt 208 Minuten lang in Führung. Das ist Stand jetzt 3,2-mal so lang, wie gegen den gesamten Rest der Liga.

Das ist eine dieser "Fußball ist mit Logik nicht zu erklären" Statistiken. Also es ist völlig absurd, wie schlecht Schalke im Vergleich mit dem Rest der Liga ist. Wenn es Augsburg und Hoffenheim nicht gegeben hätte, hätten die Schalker wirklich ALLE Tasmania Berlin Rekorde gebrochen. Aber gegen diese beiden Mannschaften sieht diese Trümmertruppe dann plötzlich zumindest statistisch wie eine kompetente Bundesligamannschaft aus... eine Mannschaft, die im 57 % ihrer Spielzeit in Führung liegt. Um diese 57 % weiter in Relationen zu setzen: In den restlichen 27 Spielen lag man 2,67 % der Spielzeit vorne. Da fehlen einem echt die Worte...

Aber dann fällt einem auf, dass Schalke im Jahr 2021 schon 6 Auswärtstore erzielt hat. Das sind, kurz hochgescrollt, DOPPELT so viele wie der Tabellensechste.

Freitag, 7. Mai 2021

Jetzt überschlagen sich die Ereignisse

Denn auf ein Mal lässt auch Dennis Aogo seinen Expertenposten ruhen. Denn auch der hat sich "unglücklich ausgedrückt"... 

Die Kernaussagen sind, um sie nur ein Mal wiederzugeben, „Wenn man Familie kriegt, dann hat man immer den Wunsch nach einer festen Bleibe, sodass man nicht immer irgendwie wie ein Zigeuner von A nach B reist.“ und "Trainieren bis zum Vergasen"... Ernsthaft? 

Zunächst muss hier mal grundlegend geklärt werden, warum die Fremdbezeichnung "Zigeuner" nicht mehr verwendet werden sollte: Die Sinti, die damit beschrieben werden, lehnen den Begriff ab. So einfach ist das. Also das "klassische Ethnologen-Beispiel" ist ja "Eskimo - Inuit". Beim Wort Eskimo wurde darüber diskutiert, ob das abwertend und respektlos gegenüber den Inuit ist. Deswegen haben die sich dagegen gewehrt, bis man dann herausbekommen hat, dass Eskimos eine größere Volksgruppe anspricht und keineswegs eine wertende Abgrenzung ist. Also Inuit heißt, wie 90 % aller Selbstbezeichnungen, "Mensch", Eskimo heißt wohl doch nur "Die, die eine andre Sprache sprechen."

Um das Ganze an einem theoretischen Beispiel festzumachen: Wenn wir jetzt (Ich nutze ganz bewusst lieber den Konjunktiv) die Engländer als Inselaffen bezeichnen würden. Wir sagen dann immer: Wir meinen das gar nicht böse, wir wollen nur zum Ausdruck bringen, dass sie sich von der EU abgewendet haben und auf ihrer Insel ihr eigenes Ding machen. Und natürlich nennen wir deren kulinarische Verbrechen dann "Inselaffensoße". Dann würden sich die Engländer darüber übelst aufregen und dafür sorgen, dass wir das wieder lassen. Ähnlich ist es mit den Zigeunern.

Jetzt kommt ja als Nächstes dazu, dass selbst ein "man will nicht wie die Sinti leben" immer noch böse diskriminierend wäre. Weil er sich eben eindeutig abwertend über den historischen Lebenswandel eines Volkes äußert. Wobei es noch schlimmer ist, denn er äußert sich über das Klischee eines Lebenswandels. Je genauer man hinguckt, umso schlimmer wird die Aussage. Vor allem, weil er halt nicht die "Das war doch nur nen Witz" Ausrede bringen kann... 

Und dann kommt noch das "bis zur Vergasung". Wie man als Deutscher in der Öffentlichkeit mit dieser KZ-Referenz leichtfertig umgehen kann. Anscheinend fielen die Trainingseinheiten des SC Freiburg immer genau auf die Geschichtsunterrichtstunden. Da kann man halt nichts machen. Aber hey, immerhin ist die Strafe da schnell festgelegt: ein Besuch in einer KZ-Gedenkstätte. Das Traurige daran: Man findet ganz sicher eine in seiner Nähe... weil es halt überall welche gibt. Da trifft er dann ja vielleicht sogar auf den Keller. Nur um festzuhalten, dass Aogo bei weitem nicht der einzige ist, der sich mal intensiver mit deutscher Geschichte und unangebrachten Vergleichen beschäftigen muss... Warum passiert das eigentlich gerade ausnahmslos ehemaligen Freiburgern? Das waren doch die Guten mit dem Weitblick...

Hier kommt jetzt das wirklich faszinierende: Aogos Zigeuner-Aussagen sind zum einen nicht neu. Und der andere Ausfall ist vom Dienstagabend... übertrieben ausgedrückt: Es war die Aussage, die Jens Lehmann zu seinem Glückwunsch ans Sky Team, dass Aogo ja kompetent ist und tolle Quoten besorgt, inspiriert hat.

Aber nur über einen der beiden Vorfälle wurde auf Kicker.de auf der Startseite berichtet. Zu Aogo's Aussagen gibt es dort kein Satz. Und wo ich schon dabei bin, mitzuzählen: Auch das Friedhelm Funkel sich verbal fast verdribbelt hat, wurde dort nur im Kleingedruckten erwähnt. Frei nach dem Motto: Das geht bestimmt weg, wenn man es ignoriert.

Wobei das ja am Ende nur Teil des Problems ist. Denn der Lehmann Fall ist ja so eskaliert, weil das Opfer sich gemeldet hat. Wenn der Zentralrat der Juden Aogos Aussage am Dienstag gehört und darauf reagiert hätte, wäre die Reaktion ebenfalls heftiger aufgefallen. Selbiges gilt, wenn der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma über das alte Aogo Video gestolpert wäre.

Aber der Aufschrei kommt halt immer erst, wenn sich ein Opfer meldet. Wobei, genau genommen wäre das schon ein Fortschritt, oftmals bekommt das Opfer dann ja nur ein "Jetzt stell dich nicht so an" und "War doch nicht so gemeint" zu hören...

Das kann man ja auch an seinen eigenen Verhaltensweisen fest machen. Aber jetzt wird es halt wirklich unangenehm. Aber wie oft sitzt man in einem homogenen Umfeld und hört Witze über abwesende "skurrile Minderheiten"... Und man sitzt entweder schweigend daneben oder lächelt verkniffen. 

Zeit für 2 im Bus von Dota.

Damit ist dann auch die Frage beantwortet, die ich mir vorgestern gestellt habe: Wenn Lehmann seinen rassistischen Witz an den Programmchef geschickt hätte, hätte es kein Opfer und damit auch keinen Aufschrei gegeben, obwohl der Spruch immer noch genau so Scheiße ist.

Aber genau genommen hat Lehmann auch nur das per WhatsApp geschrieben, was 1000-fach in Deutschen Wohnzimmern gesagt worden wäre, wenn man sich gerade für gemeinsame Fußballabende treffen dürfte.

Um dann an der Stelle mal ganz offen zu reden: Ich schreibe das auch nicht mit erhobenen Zeigefinger. Nach dem Lehmann Vorfall habe ich schon zum 2. Mal in diesem Jahr im Familienkreis darüber diskutiert, welche Witze man eigentlich im engsten Kreis bringen darf und was man doch eher lassen sollte. Wenn wir wirkliche Fortschritte erreichen wollen, dürfen wir halt nicht immer nur darauf warten, dass die Opfer sich beschweren, sondern früher eingreifen, damit es gar nicht erst dazu kommt, dass es diese Opfer gibt.

So, jetzt aber wieder Fußball... es sei denn, der DFB baut nochmal Scheiße... also wohl eher kein Fußball...

Donnerstag, 6. Mai 2021

Der Nächste Punktsieg für Salihamidzic

 Für den er auch wieder keinen Applaus bekommt. Aber still und heimlich. Also eigentlich.

DIE BAYERN KAUFEN DIE BUNDESLIGA KAPUTT!!!!1ELF!!!

Sein wir mal ganz kurz ehrlich: Es gab ein realistisches Szenario, wie die Vormachtstellung der Bayern aufgebrochen wird: Julian Nagelsmann formt mit ordentlichen finanziellen Mitteln eine Mannschaft, die ein wirklicher Herausforderer wird. Denn Nagelsmann macht seine Spieler offensichtlich besser. Nicht alle und nicht sofort, (siehe Hee-chan Hwang), aber doch meistens und nachhaltig. 

Also ich habe echt nicht verstanden, warum RB Leipzig ernsthaft darüber nachgedacht hat, Hwang zu verleihen, wenn es nichts Ungewöhnliches ist, dass junge Talente eine gewisse Anlaufzeit unter Nagelsmann brauchen UND sein Jahr in besonderen Maßen durch Covid ruiniert wurde. Da wäre meine Reaktion doch ein "Lasst den Jungen erst Mal eine ordentliche, komplette Vorbereitung unter Nagelsmann machen"...

Aber zurück zum Thema. Wenn Nagelsmann in Leipzig geblieben wäre, wäre er trotzdem vor 2025 ein Mal Meister geworden. Mindestens. Und das, ohne dass die Bayern großartig einbrechen würden. Auch wenn RB weiterhin 2 Starspieler pro Jahr abgeben müssen. Einfach, weil der Verein genügend großartige Talente findet und Nagelsmann die zu einer Mannschaft formen würde.

Das lässt sich ja auch ganz praktisch an dieser Saison ablesen. Denn obwohl man Timo Werner ersetzen musste und das praktisch nicht geschafft hat (RB wird doch deswegen dieses Jahr nicht Meister, weil ihnen ein Mittelstürmer von internationalem Format, der 20 Tore erzielt, fehlt), wird RB die beste Saison ihrer "Vereins"-Geschichte spielen und mehr als die 66 Punkte aus den letzten beiden Jahren holen.

An der Stelle wollte ich mal erwähnen, dass es Bayern-Fans gibt, die Leserbriefe an den Kicker schreiben, in dem sie die behaupten, dass die Bayern "in Nivaulosigkeit versinken", weil dieser Trainer "durch nichts bewiesen hat, dass er eine Mannschaft wie die des FC Bayern trainieren kann"... Ähm... ja genau.

Ob Jesse March das auch schaffen wird, steht in den Sternen. Genauso wie die Frage, ob Marco Rose wirklich gut genug ist um mit Dortmund die Meisterschaft zu holen. Und damit will ich nicht mal die Fähigkeiten von Rose infrage stellen. Der ist ein richtig guter Trainer. Nur: Das war Thomas Tuchel auch. Aber genau genommen haben nur die Trainer-Gottheiten Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp die Borussia zur Meisterschaft geführt. Und Matthias Sammer, dem die ganz große Trainerkarriere verwehrt blieb, der aber trotzdem eine absolute Ausnahmeerscheinung ist, die aber an ihrer übertriebenen Intensität gescheitert sein könnte

Was ich damit sagen will: Als "guter Trainer" wird man in Dortmund halt nicht Meister. Wenn die einen Trainer wie Nagelsmann hätten, würden sich die Bayern Sorgen machen. Ob Rose das ist, muss sich erst noch zeigen.

Aber praktisch haben die Bayern, und damit Hasan Salihamidžić, genau den einen Transfer getätigt, der ihre Vormachtstellung auf weitere Jahre sichern dürfte. Sie haben nicht mal mit der Wimper gezuckt, als RB 25 Millionen Ablöse aufgerufen hat, weil das einer dieser perfekten Bayern-Transfers ist: Man stärkt sich selbst und schwächt die direkte Konkurrenz. Immerhin stärkt man auch sich selbst und schwächt nicht nur die Konkurrenz. 

Man kann diesen Coup wohl am ehesten mit der Verpflichtung vom schon erwähnten Ottmar Hitzfeld im Jahr 1998 vergleichen. Denn 5 Meisterschaften und ein Champions League Titel unter Nagelsmann würden mich weniger überraschen als ein Scheitern dieses Projektes.

Und damit, um den Bogen zur Überschrift zu schlagen, beweist Salihamidžić halt, dass er das Bayern-Gen wenig überraschend wirklich besitzt. Denn sobald sich ihm eine derartige Möglichkeit bietet, schlägt er eiskalt zu. Ihm sind dann auch bestehende Verträge komplett egal, es wird offen und ehrlich mit Nagelsmann geflirtet. Und da ihm auch voll bewusst ist, dass sich RB für kein Geld der Welt einen wirklichen Ersatzmann verpflichten können, weil Jürgen Klopp halt kein Interesse hat, war er auch gewillt jede Ablöseforderung zu erfüllen.

Das ist jetzt auch alles kein Vorwurf an die Bayern. Sie haben sich diese Position hart erarbeitet, da ist es auch nur ihr gutes Recht hart daran zu arbeiten, in dieser Position zu bleiben. Man sollte aber auch anerkennen, wer da gerade die Arbeit macht, anstatt Petitionen zu unterschreiben, dass dieser Mann entlassen werden muss...

Aber diejenigen, die diese Petition unterschrieben haben, werden jetzt ja auch glauben, dass Oliver Kahn die Verhandlungen geführt haben wird... Obwohl es extrem unwahrscheinlich ist, dass Nagelsmanns direkter Vorgesetzter nicht auch der Verhandlungsführer war...

Mittwoch, 5. Mai 2021

Das peinlichste an Lehmann ist ja

 sein peinlicher Rettungsversuch. Also wirklich. So was von erbärmlich.

Also selbst ein "Das war die Autokorrektur, ich wollte eigentlich Noten Bester schreiben... was kann ich dafür, dass die rassistisch ist" wäre ein sinnvollerer Ansatz gewesen. Auch wenn das bei genauerem Hinsehen immer noch extrem problematisch wäre, denn deine Autokorrektur lernt ja von dir und ändert das nur, wenn du "Quotenschwarzer" extrem häufig verwendest.

Praktisches Beispiel: Meine Rechtschreibprüfung zeigt mir dieses Wort als "Fehler" an...

Aber ernsthaft: Dennis Aogo "bringt bei Sky Quote", weil er so kompetent ist? Wirklich? So stammelt jemand, der ertappt wurde und sich irgendwie herausreden muss.

Also um das mal auf den Punkt zu bringen: Friedhelm Funkels Aussagen nach dem Leverkusen Spiel waren "unglücklich formuliert". Er hat aber gerade noch so die Kurve bekommen und eben nicht gesagt "Die haben halt nen paar Quotenschwarze, die für extrem hohes Tempo sorgen." Weil ihm irgendwie doch bewusst war, dass derartige Ausdrücke extrem falsch und verletzend sind. Wobei ich zum Thema Funkel auch mal sagen wollte, dass man schon mal auf den Rassismus hinweisen und es ansprechen muss, Funkel deswegen aber nicht sofort entlassen werden sollte. Aber wenn man solchen "kleinen Vergehen" nicht direkt Gegenwind gibt, dann verschiebt man die Grenze des Sagbaren immer weiter nach rechts.

Nebenbei... passiert das der Hertha gerade zum zweiten Mal. Denn auch schon Zsolt Petry wurde ja wegen diskriminierender Aussagen entlassen.

Und wo wir schon dabei sind, ist Nadiem Amiri auf dem Platz von seinen Gegenspielern rassistisch beleidigt worden.

Oh und dann hat Karl-Heinz Rummenigge neulich David Alaba als "schwarzen Beckenbauer" bezeichnet. Das sind auch Vergleiche, die eher unglücklich sind. Und klar, Rummenigge verweist darauf, dass er als erster "wieder auf diesem Niveau wie der Franz damals gespielt hat." Der nicht rassistische Vergleich wäre dann aber "Moderner Beckenbauer", denn das wollte er ja eigentlich sagen. Aber Kalle fängt halt doch sofort wieder mit der Hautfarbe an.

Aber das sind halt nur 5 bedauerliche Einzelfälle. Das sind immer noch weniger, als beim VAR, da gibt es also keine Probleme. Wir sind eine schöne, aufgeschlossene Fußballwelt. Hier gibt es nichts zu sehen. Bitte gehen Sie weiter.

Im Wesentlichen wird die deutsche Fußballwelt halt immer noch von alten, weißen Männern geprägt, da fällt man als Aogo sofort auf. Oder als Claudia Neumann, wenn eine Frau WM-Spiele kommentiert. Also nur um mal festzuhalten, dass sich auch die Basis am Ende nicht so sonderlich von Lehmann unterscheidet.

Denn Lehmann hat seine WhatsApp Nachricht halt nur an den Falschen gesendet. Und ein recht bekanntes Gesicht. Gedacht haben das beim Gucken bestimmt auch einige gemeine Fans vorm Fernseher.

Nebenbei frage ich mich ja, wie der Produktionschef (oder an wem auch immer diese Nachricht gehen sollte... wahrscheinlich war es ein alter, weißer Mann) reagiert hätte, wenn er das gelesen hätte. Wäre er auch an die Öffentlichkeit gegangen um den Rassisten zu entlarven? Hätte er das als dummen Witz abgetan, wie man ihn halt unter Kumpels macht? Oder hätte er mit einem "Stimmt Zwinkersmiley" geantwortet?

Hoffentlich hat sich Lehmann, der ja schon als Corona-Verharmloser aufgefallen ist, endgültig in der "Wir zerren den nie wieder vor eine Kamera" Ecke manövriert. Gemeinsam mit Christoph Metzelder. Das sind einfach hässliche Gesichter, die ich nie wieder als Experte hören will. Oder sonst irgendwie in einer relevanten, öffentlichen Position.

Wo ich Metzelder dann aber doch angesprochen habe, muss ich noch Max Kruse widersprechen. Also Kruse hat ja in einer emotionalen Reaktion gefordert, den lebenslang wegzusperren. Während ich dne Ruf nach einer härteren Strafe nachvollziehen kann, gilt hier absurderweise dasselbe, wie bei Maruc Thuram, für den Marcel Reif ja eine lebenslange Sperre gefordert hat: So was sieht das Deutsche Rechtssystem einfach nicht vor, da es auf die Wiedereingliederung in die Gesellschaft ausgelegt ist.

Also um das nochmal festzuhalten: Der Attentäter von Halle hat keine lebenslange Gefängnisstrafe bekommen. Der Attentäter von Hanau wird es auch nicht kriegen. So was dann für Metzelder zu fordern, ist einfach vollkommen sinnlos.

Mittwoch, 28. April 2021

Super League Gedanken V: Die Superste Liga

Es gibt da dieses unausgesprochene Problem mit der Super League, dass mich fast am meisten an der ganzen Idee stört: Sie würde den Superreichen nicht wirklich helfen. Also klar, kurzfristig würde man verhindern, dass die Vereine pleitegehen. Aber in 15 Jahren würden die doch wieder an dem Punkt stehen, dass das Geld nicht mehr ausreicht und man "neue Märkte" erschließen müsste. Und dann würden Vereine aus New York, Los Angeles und Shanghai als nächste logischer Schritt in die Liga aufgenommen werden. Im Zweifelsfall auch mit Vereinen, die nur für diese Liga gegründet werden. 

Denn es ist ja nicht so, dass nicht genügend Geld da ist. Wenn die UEFA die Vermarktung des europäischen Wettbewerbes verschlafen hätte und der Fußball deswegen eine herausragende Stellung in Europa an die NBA verlieren könnte, dann würde ich den Impuls der Superreichen nachvollziehen können. Aber das Gegenteil ist ja der Fall, der europäische Wettbewerb wird so gut vermarktet, dass man immer mehr finanzielle Mittel bekommt und neue Märkte erschließt.

Das Problem ist halt, dass sich die Superreichen in einem sinnlosen finanziellen Wettbewerb verrannt haben und nicht mehr mit Geld umgehen können. Und nur weil noch mehr Geld da ist, wird diese Spirale ja nicht plötzlich gestoppt werden.

Das sieht man ja ganz deutlich an den Transfers in der Pandemie. Also klar, David Alaba ablösefrei zu verpflichten, ist prinzipiell eine gute Idee. Aber ihm die Gehaltswünsche, die die Bayern abgelehnt haben, zu erfüllen... und das bis ins Jahr 2026. Obwohl laut Florentino Perez gar nicht klar ist, wie man überhaupt bis 2024 durchhalten soll, ohne pleite zu gehen. Wie man solche Verträge abschließen kann, wenn man kurz vor dem "tot" steht, erschließt sich mir einfach nicht.

Und Real Madrid ist da ja nicht alleine. Barcelona hat offiziell 119 Millionen Euro ablöse bezahlt. Sie mussten ja "damals" den Tausch von Pjanic und Arthur mit Juventus Turin inszenieren, damit sich beide Vereine 60 Millionen Euro in die Bilanz schreiben konnten. Wie man überhaupt eine Lizenz bekommen kann, wenn man derartige Tricks anwenden muss, ist mir schleierhaft. Und warum das Financial Fair Play da nicht greift, ist auch nicht ganz klar.

Natürlich hat die Pandemie die Probleme der Vereine beschleunigt. Aber die haben doch schon vorher mit Vollgas auf den Abgrund zugehalten. Deswegen lagen die Super League Pläne ja schon in der Schublade: Die Vereine wussten alle, dass es so nicht ewig weitergehen kann, aber anstatt seine eigenen Handlungsweisen zu überdenken, spekuliert man lieber auf eine Super League.

Selbiges gilt auch für die Reform der Champions League. Auch darüber wurde schon vor der Pandemie, immer mit der Drohkulisse Super League, diskutiert und sie wäre auch ohne Pandemie gekommen. 

Die Vereine müssten halt auch einfach mal sagen: Können wir uns nicht leisten. Wenn die Berater und Spitzenspieler das nächste Mal an der Gehaltsschraube drehen wollen, muss man denen halt sagen: Das geht halt nicht mehr. Wir können das nicht bezahlen, suche dir jemanden, der es kann oder gehe auf unser Angebot ein.

Und der FC Bayern zeigt ja im Fall Alaba, dass dies durchaus möglich ist. Dass sich die Welt trotzdem weiterdreht. Natürlich kommen dann die Finanz-gedopten Vereine aus Paris und Manchester und zahlen das. Aber das ist dann halt so. Man wird ja als Real Madrid trotzdem noch sehr gute Spieler finden wird, die auch für etwas weniger Geld als man von den Scheichen bekommt, spielen werden. 

Dann gibt es halt nicht mehr 3 Champions League Siege in Folge, dafür steht man auf einem stabileren Fundament. Aber stattdessen wir nur weiter versucht noch ein Stockwerk auf das Hochhaus draufzusetzen, anstatt sich um genau dieses Fundament zu kümmern. Aber dadurch löst man die Probleme nicht, sondern verschiebt sie nur.

Dienstag, 27. April 2021

Superleague Gedanken Teil IV: Krieg der Fans

Fügt die Star Wars Melodie hier ein. Und den Lauftext: Es herrscht Aufruhr im Galaktischen Senat. Die Fans in den Stadien werden durch eine neue, dunkle Macht bedroht. etc. pp.

Derzeit wird ja überall behauptet, dass die Fans die Super League mit ihren Protesten verhindert haben. Und dann wurde immer davon gesprochen, dass aus Fans keine Kunden werden dürfen. Also als Unterstützung von der Vereinsseite. Selbst RB Leipzig glaubt daran, dass sie Fans und keine Kunden haben.

Ich halte das für unfassbar arrogant. Also in einer globalisierten Welt haben wir halt auch einen globalisierten Fan. Da hat der FC Bayern dann 30 Millionen Anhänger in den USA. Und natürlich kommt bei genaueren Umfragen raus, dass die Bayern Fans geworden sind, weil ihre Lieblingsspieler dort auflaufen. Aber sind diese Fans wirklich weniger wert, als die in München? Vor allem, wenn man bedenkt, dass die meisten Bayern Fans ja auch nur an dem Verein hängen, weil sie die besten Spieler haben?

Vor allem wenn man bedenkt, dass es ja im wesentlichen reiner Zufall ist, ob der 14-jährige fußballbegeisterte Jan oder Yan aus einem Loch in Deutschland oder in Asien geschlüpft ist. Aber es gibt halt diese unausgesprochene Vorqualifikation, die man mitbringen muss, um als vollwertiger Fan eines Deutschen Vereins sein will: Man muss auch Deutscher sein. Selbiges gilt natürlich auch für englische und spanische Fans.

Dass Yan sich nur keine Dauerkarte fürs Dortmunder Stadion kaufen kann, weil es für ihn schlicht nicht praktikabel ist alle 14 Tage nach Europa zu fliegen. Dafür spart er all sein Geld, damit er sich diesen für die doch ach so treuen Fans selbstverständlichen Traum ein Mal im Leben erfüllen kann. 

Aber Yan hat halt ein Problem: Er hat natürlich keinerlei Bindung zu Arminia Bielefeld. Er will, wie genau genommen überraschend viele Fans, hauptsächlich guten Fußball sehen. Mit möglichst vielen guten Spielern auf dem Platz. Diese Schützenfeste in der nationalen Liga langweilen ihn aber irgendwie. Deswegen denkt Yan sich: Geil, Super League. Da wird es für mich einfacher die wirklich hochwertigen Spiele zu verfolgen. Und die gibt es dann auch jede Woche. Perfekt, da bin ich Fan von!

Ist seine Haltung als Fan jetzt wirklich weniger wert, nur weil sie von weiter weg kommt? Eigentlich nicht.

Aber dieser Interessenskonflikt zwischen dem einen und dem anderen Fanlager lässt sich nur ganz schwer lösen. Und die einen sind viele, aber die anderen sind mehr. Noch setzen sich die einen durch, weil sie behaupten können, dass sie ja schon immer da waren.

Wenn dann in 15 Jahren Yin auch Dortmund Fan wird, weil sein Vater Yan ihn das von klein auf beigebracht und ihn so erzogen hat, wird es schon irgendwie schwieriger.

Und die Begeisterung für den Fußball ist ja global gesehen eher am Steigen. Diese ganzen Debatten über Korruption und Kommerzialisierung sind ja ein europäisches Phänomen. Dem Rest der Welt ist dies schlicht egal.

Man kann diese Emotionalität ja wirklich sehen, wenn die "großen europäischen Teams" und Schalke 04 in der Sommervorbereitung Weltreisen veranstalten. Wer sind wir, dass wir diese Fans zu "Kunden" deklarieren und festlegen, dass deren Emotionen nicht relevant sind?

Deswegen wird nebenbei auch, wenn es irgendwann ein Final 4 Turnier in der Champions League gibt, Finalspiele in New York, Los Angeles oder Shanghai geben. Und dann werden die europäischen Fans wieder aufschreien, dass das ja die reine Kommerzialisierung ist und gar nicht geht. Dass dies aber wahrscheinlich die einmalige Gelegenheit für die Fans vor Ort wäre, relevanten und hochwertigen Fußball im Stadion zu sehen, wird einfach ignoriert. Etwas, was die europäischen Fans aber halt im Monatsrhythmus geboten bekommen. 

Auch auf dieser Seite der Debatte gibt es nicht das eindeutig Gute und die definitiv Bösen. Deswegen ist es auch absurd zu sagen, dass die Super League nicht im Sinne der Fans wäre. Es wäre nicht im Sinne der europäischen Fans, das stimmt. Und das wird auch weiterhin so bleiben. Aber die globalen Fans dürften das anders sehen und könnten sich irgendwann mit ihren Wünschen durchsetzen. Das wäre dann halt auch nur der nächste Schritt der Globalisierung des Sportes.

Etwas, wovon der europäische Fan ja am Ende auch profitiert. Also wenn die Fernsehgelder es den Vereinen ermöglicht, tolle Spieler zu verpflichten und Fußballtempel zu errichten, ist man voll dafür, dass es diese "Kundschaft" gibt. Wenn diese Kundschaft dann doch auch ihre Ansprüche stellt, guckt man aber überrascht und will sie nicht mehr haben. Man will aber die tollen Spieler behalten und hofft deswegen trotzdem, dass die Kunden dabei bleiben. Ein ewiges Dilemma.

Ich habe da auch gar keinen Lösungsansatz für. Ich kann die Haltung der europäischen Fans ja auch verstehen und bin durchaus auch auf ihrer Linie, dass wir keine Super League brauchen. Aber der moralische Hügel, auf dem sie es sich bequem gemacht haben, ist genau genommen aus Arroganz gebaut.

Freitag, 23. April 2021

Super League Gedanken Teil III: Wir müssen eine neue Art des Abstieges bedenken

Eines der absurdesten Argumente für die Super League ist ja, dass der sportliche Wettbewerb eh schon ausgehebelt wurde. Es gibt halt in den europäischen Ligen keinen fairen Wettbewerb mehr. Deswegen ist die einzige Hoffnung für die Bundesliga ja, dass die Bayern einen richtig inkompetenten Trainer wie Jogi Löw verpflichten. Wobei ja selbst der ein wenig überforderte Niko Kovac das Double holte... und Carlo Ancelotti hat auch mehr seinen Vertrag abgesessen als wirkliche Trainerarbeit gemacht und trotzdem mehrere Titel geholt. Also selbst Löw dürfte die Dominanz der Bayern nicht sofort beenden... so unfassbar groß ist deren Vorsprung.

Wahrscheinlich könnten die Bayern ihre Aufstellungen in der Liga ein Jahr lang auswürfeln und sie würden trotzdem Meister werden... also zumindest, solange die Spieler die Herausforderung annehmen. 

Dennoch haben selbst die Bayern Angst vor einem Abstieg. Was völlig absurd erscheint, es gibt kein realistisches Szenario, in denen einer der 12 Superteams oder Bayern und Paris absteigen. Eine andere Bedrohung gibt es aber schon: Dass es richtig Scheiße läuft und man die Champions League verpasst. Und das würde schon ein richtig heftiges Problem auslösen. Deswegen wird man in München ja auch sofort entlassen, wenn man auf Platz 4 abrutscht. Die reagieren dann halt genauso panisch wie ein Kellerkind im Abstiegskampf... weil die Auswirkungen für die Bayern genauso drastisch wären, wie ein Abstieg für eines dieser Kellerkinder.

Das zeigt ja, wie krank das System Spitzenfußball mittlerweile ist: Die Millionen aus dem Europapokal sollten eigentlich ein netter Zuverdienst sein... aber mittlerweile sind sie der Sauerstoff, den die Mannschaften zum Überleben brauchen.

Also es gibt genügend Beispiele von Vereinen, die überraschend die Qualifikation und dann extrem eingebrochen sind. Schalke 04 ist das aktuell drastischste Beispiel, weil da der Niedergang im Zeitraffer verlief. Und für Schalke gibt es Leeds United als historisches Beispiel, wie weit bergab es noch gehen kann: Die wurden nach dem Verpassen der Champions League bis in die Dritte Liga durchgereicht, bevor sie jetzt langsam wieder auf die Beine kommen.

Manch einer erinnert sich vielleicht noch an die Beinah-Insolvenz von Borussia Dortmund, die im Wesentlichen durch das einmalige überraschende Ausscheiden in der Champions League Qualifikation ausgelöst worden ist. Nun werden die Dortmunder jetzt sagen: Wir haben ja daraus gelernt! Aber wenn sie ganz ehrlich sind, wollen sie nicht wirklich ausprobieren, wie viel besser man derzeit wirtschaftet und ob man sich einen 5. oder 6. Platz wirklich leisten kann...

Vor allem steht eines fest: Dauerhaft kann man sich das nicht leisten. Vielleicht kann man Erlin Haaland ein Jahr ohne Champions League halten, danach muss man ihn dann aber verkaufen. Und man wird nur bedingt in der Lage sein sich weiterhin herausragende Talente zu verpflichten. Sprich: Wenn man jetzt nur Platz 5 erreicht, wird einen das auf Jahre zurückwerfen.

Das sind auch Dinge, die man bei der Gründung dieser Super League bedenken muss. Denn das an sich Absurdeste war ja, dass die Premiere League bei dieser Idee so stark vertreten war. Das ist doch die reichste Liga der Welt. Einer Eier legende Wollmilchsau. Die können doch gar keine finanziellen Probleme haben.

Und dann fängt man an zu zählen... Und wenn man nicht beim DFB angestellt ist, kann man wahrscheinlich bis 6 Zählen: Manchester City und United, Liverpool, Chelsea, Arsenal und Tottenham sind 6 Vereine, die in ihren Plänen beinahe zwingend auf die Champions League Millionen angewiesen sind. Es gibt aber "nur" 4 Startplätze. 

Also gab. Denn still und heimlich kommt die neue Champions League Reform mit zwei weiteren Tickets, "die über eine Koeffizientenregel an Klubs vergeben, die die Qualifikation über den nationalen Wettbewerb verpasst haben, allerdings den höchsten UEFA-Klub-Koeffizienten aus den vergangenen fünf Jahren aufweisen." Und zumindest einer dieser beiden Plätze wird garantiert an den 5. Premiere League Klub gehen. Wahrscheinlich gehen sogar beide nach England.

Gerade Arsenal ist ja DAS Paradebeispiel für den schleichenden Abstieg eines Champions League Teilnehmer: 2006 stand man noch im Finale. Dann begann der schleichende Abstieg. Bis 2010 war es noch die Ausnahme, wenn man vorm Viertelfinale ausschied. Danach wurde das Aus im Achtelfinale plötzlich die Norm. 7 Jahre in Folge scheiterte man dort. Bis ein mal überraschend die Qualifikation komplett verpasste. Damals dachte man sich noch: Kann bei 5 Kandidaten ja ausnahmsweise mal passieren. Damals hat man allerdings auch noch jährlich St Totteringham's Day gefeiert. Aber sobald die Einnahmen aus der Champions League einmalig ausblieben, blieb auch dieser Feiertag aus. 

Mittlerweile ist man Tabellenneunter... und um Weihnachten rum drohte ein Absturz in die Abstiegszone. Die realistischste Hoffnung auf eine Rückkehr in die Champions League stellt die Europa League dar, die man dieses Jahr gewinnen könnte. Nebenbei muss sich die Vereinsführung mit der Frage beschäftigen, wo die Reise langfristig hingeht, wenn man nicht schnell wieder an der ganz großen Tafel speist. 

Und Arsenal ist ja nur die Mannschaft, die am weitesten ins Hintertreffen geraten ist. Auch Manchester United hatte zuletzt immer wieder Probleme sich für die Champions League zu qualifizieren... Selbst beim ehemals reichsten Klub der Welt erlebt man gerade den Wandel von "Finalteilnehmer 2011" zu "Es reicht nur noch fürs Achtelfinale... wenn überhaupt". Seit 2011 scheiterte man 3 Mal in der Gruppenphase und verpasste 2014/15 und 2019/20 sogar diese. Dagegen erreichte man nur 2 Mal das Viertelfinale. Für eine Mannschaft, die vorher 3 von 4 Jahren im Finale stand, ist dieses Viertelfinale auf ein Mal das Limit. Und es sieht ja nicht so aus, als würde sich das zeitnah ändern.

Arsene Wenger wurde früher belächelt, als er von der "Wenger Trophy" sprach. Aber genau genommen war er nur viel zu optimistisch. Für die Stammgäste in der Champions League ist Platz 5 in der Liga genauso schlimm, wie für Mainz, Freiburg oder Augsburg ein Abstieg in die 2. Liga: Wenn man diesen Betriebsunfall nicht innerhalb eines Jahres korrigieren kann, wird er sehr schnell lebensbedrohlich. Eine oder 2 Saisons im Unterhaus kann man vielleicht noch verkraften, danach wird es sehr schnell finster. Realistisch gesehen sind Freiburg und Mainz sogar wesentlich robuster aufgestellt, als die angeblich Superreichen...

Wenn man sich dessen aber bewusst wird, versteht man auch, warum gerade plötzlich so viele Engländer an dieser Revolution teilnehmen: Sie haben sich in eine Situation manövriert, in der sie teilnehmen mussten, weil die Premiere League alleine nicht mehr allen 6 die Überlebensgrundlage bieten kann.

Und es zeigt halt auch wieder, wie kaputt das System ist. Denn ursprünglich war der Europacup mal eine Möglichkeit sich international in einem sportlichen Wettkampf zu messen. Also in den 60er Jahren dürfte es sich finanziell echt nur bedingt gelohnt haben, da ging es wirklich ums Prestige. Und dann wurde es ein sportlicher Vergleich mit angenehmen finanziellen Vorteilen. Mittlerweile ist der sportliche Vergleich sekundär und völlig verwässert, das Geld dafür aber überlebenswichtig.

Wirklich pervers wird es, wenn man sich bewusst macht, dass selbst die Teilnahme an der Gruppenphase nicht wirklich ausreicht um den Lebensstandard zu sichern. Arsenal beweist doch, dass selbst regelmäßige Teilnahmen im Achtelfinale nur zu einem schleichenden Niedergang führen. Man muss halt am Ende ins Viertelfinale, damit man sein Niveau halten kann. Und da setzt dann die Mathematik endgültig aus, weil 12 Vereine ihre Lebensplanung auf ein Festmahl auslegen, an dem es nur 8 Teilnehmer geben kann. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Und das wissen die auch. Deswegen haben sie ja diesen fast schon verzweifelten Versuch gestartet. Denen ist halt auch bewusst, dass das derzeitige System so nicht weiter funktionieren kann. 

Aber anstatt sich zurückzunehmen und die eigenen Ausgaben zu senken, sucht man lieber nach Möglichkeiten noch mehr Umsätze zu generieren, damit man selber noch ein paar Jahre weiterfeiern kann... Denn das ist ja das eigentliche Problem, womit wir uns als nächste beschäftigen... Also Dienstag oder so...