Posts mit dem Label Rassismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rassismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 26. März 2026

Die Rüdiger Debatte ist so dumm

So unfassbar dumm.

Und im Zentrum steht schon wieder... Mario Basler. Der hat es sich anscheinend zum Ziel gesetzt, Didi Hamann vom Thron zu stoßen. Wenn man auf dem Platz alles erreicht hat, muss man sich jetzt absurde Ziele setzen.

Basler hat jetzt seine DFB-Trainerlizenz zurückgegeben, weil der DFB Rüdiger für die Nationalmannschaft nominiert hat, nachdem der, und jetzt kommt es, als Verteidiger ein hartes Foulspiel begangen hat. Und weil er seine Gegner als Verteidiger gerne provoziert. 

Rüdiger hat sich dazu ja auch geäußert. Und er hat da einen verdammt wichtigen Satz gesagt: "Wir müssen wieder dahin kommen, dass es maximal unangenehm ist, gegen Deutschland zu spielen."

Das ist das völlig bekloppte an dieser Situation: Dieselben Leute, die sonst immer heulen, dass es keine Typen mehr gibt und "wir" zu viele brave Chorknaben haben, wollen jetzt den einen Typen, den diese Truppe hat, nicht im Trikot der Nationalmannschaft sehen.

Ja, Rüdiger provoziert mit teilweise übertriebenen Gesten. Er will seine Gegner einschüchtern. Und er schont weder seinen noch deren Körper. Genau das wollen "wir" doch eigentlich sehen. Genau das hat doch zuletzt so oft gefehlt. Er sagt eigentlich in dem Interview genau das, was "wir" sonst immer hören wollen: "Wir müssen als Einheit so unangenehm zu bespielen sein, dass der Gegner schon im Tunnel keinen Bock mehr hat." Wenn Joshua Kimmich diesen Satz sagen würde, gäbe es tosenden Applaus...

Nebenbei würde ich hier mal eine interessante Umfrage unter den Spielern in Spanien einbauen. Da wird auf die Frage "Welcher Spieler in La Liga wird am wahrscheinlichsten vom Platz fliegen?" (oder, um es verständlicher auszudrücken, wer ist euer Dominik Kohr) mit "Jeder Spieler von Getafe" geantwortet. Das ist in dem Moment wichtig, weil das letzte harte Foul von Rüdiger gegen Getafe war. Vielleicht hat "nur" der anscheinend nach einer Umfrage der Spieler unangenehmsten Mannschaft im Land ganz klare Grenzen gesetzt. So einen Spieler willst du in giftigen Duellen auf deiner Seite haben.

Noch viel lustiger: Während wir eine sinnlose Debatte über das "Sicherheitsrisiko" Antonio Rüdiger führen, fehlt sein Name bei der "Dominik Kohr Umfrage" komplett. Den Spielern, die sich ständig mit Rüdiger beschäftigen, fallen 13 Spieler ein, die laut ihrer Meinung ein größeres Sicherheitsrisiko darstellen. Und wir, die die spanische Liga kaum verfolgen, machen uns dann Sorgen über Rüdiger.

Fun Fact: 3,3 % geben zu, dass es wahrscheinlicher ist, dass sie gegen Real Madrid oder Barcelona vom Platz fliegen, als dass es Rüdiger trifft. Womit sie natürlich den Schiedsrichtern eine gewisse Bevorteilung und Einschüchterung vorwerfen. 

Rüdiger selbst ist nebenbei in seiner Karriere in 600 Spielen 7 Mal vom Platz geflogen. Das ist jetzt nicht übermäßig viel. Vor allem, wenn das viele "Jugendsünden" dabei sind: Seit 2017/18 steht plötzlich nur noch ein einziger Platzverweis in der Vita. Im Pokalfinale gegen Barcelona... In der 123. Minute. 12 Minuten nach seiner Auswechslung.

Also ja, er hat die Arschloch-DNA von Real Madrid voll aufgesogen. Er hat in diesem Moment bewiesen, dass er ein schlechter Verlierer ist. Aber ganz sachlich gesehen ist er seit dem 23.02.2017 nicht mehr "vom Platz geflogen". Er hat aber, mit dieser aggressiven Spielweise, 2 Champions League Titel gewonnen. Jeweils als Stammspieler. 2021 mit einer sehr guten Leistung

Nebenbei, nur der Vollständigkeit halber, ist Rüdiger in 81 Länderspielen noch nie vom Platz geflogen. Er kommt auch "nur" auf 14 Verwarnungen. Und ja, gegen Spanien im Viertelfinale hat er seine 2. Gelbe Karte gesehen und wäre deswegen im Halbfinale gesperrt gewesen... weil er 2 Gelbe Karten in 5 Spielen als Stammspieler in der Innenverteidigung gesehen hat. Hier muss man festhalten, dass Rüdiger in der Situation nur verhindert, das Dani Olmo in den Strafraum durchstartet. Kein böses, aber ein wichtiges Foul. Hier gibt es eine etwas bessere Sicht mit arabischen Kommentar. Man könnte quasi von einem Michael Ballack-esquen Einsteigen reden, wenn man Rüdiger wohlgesonnen wäre: Er opfert sich für die Mannschaft, um eine große Chance zu verhindern... auch wenn das eine persönliche Sperre bedeutet.
Dass es die erste Gelbe Karte fürs Meckern gab, ist da natürlich eher ungeschickt. Aber das war die eine EM, bei der die "Kapitänsregel" plötzlich umgesetzt wurde und da wurde dann nicht nur Rüdiger überrascht.

Noch viel wichtiger: Rüdiger verteidigt im Viertelfinale hinterher trotz der Verwarnung gegen die quirligen Spanier weitere 110 Minuten. Als Julian Nagelsmann in der 80. Minute als Ausdruck der Verzweiflung die Viererkette auflöst und Thomas Müller bringt, geht Jonathan Tah runter und nicht das angebliche Sicherheitsrisiko... Aber Rüdiger lässt auch nach der Auflösung der Viererkette und trotz Verwarnung wenig anbrennen. Es gibt verdammt wenige Verteidiger weltweit, denen man so was zutrauen könnte. 

Warum Rüdiger so kritisch gesehen wird, ist auch logisch: Er ist halt früh ins Ausland gewechselt, anstatt es sich bei den Bayern bequem zu machen. Toni Kroos musste sich ja nach seinem Wechsel auch ständig irgendwelchen Bullshit anhören... Oh und Rüdiger ist schwarz und Muslime, das macht es nicht besser.

Das ist auch wieder faszinierend, weil ja gerade eine Doku über Mesut Özil durch die Öffentlich Rechtlichen geht. Die muss ich auf meine To Do Liste setzen. Özil hat sich ja am Ende öffentlich darüber beschwert, dass er immer der dumme Migrant war, wenn es für die Nationalmannschaft nicht lief. Ich habe ja selber damals aufgezeichnet, wie absurd es war, dass alte weiße Männer ihrem ehemaligen Vorbild für Integration die Kompetenz abgesprochen haben, sich zu diesem Thema zu äußern...

Bei Özil konnte man sich ja wenigstens noch einreden, dass es "Schönspieler" in diesem Land immer schwerer hatten und diese kritische Haltung also relativ normal war. Rüdiger wird jetzt vorgeworfen, dass für kompromisslose Härte und konsequente Zweikampfführung steht. Also die deutschesten Tugenden, die man sich vorstellen kann. Auch Rüdiger ist eines dieser offensichtlichen Beispiele, dass Spieler, die nicht wie eine richtige deutsche Kartoffel aussehen, einen schwereren Stand haben, als ein richtiger Treter Deutscher.

Montag, 18. August 2025

Endlich wieder richtiger Fußball!

 Nicht diese Eventscheiße mit dem friedlich zahlenden Publikum. Richtiger Sport, mit richtigen Emotionen und einer richtigen Konferenz. Darauf haben wir doch gewartet. So nett die Frauen-EM war, genau das haben wir doch vermisst.

Leider scheinen die wesentlichen Emotionen Hass und Rassismus zu sein. Das ging praktisch schon los, bevor die Bundesligisten eingreifen. Die Fans von Hannover 96 und Rot-Weiß Essen trafen sich am Bahnhof zu einem kleinen Scharmützel... Das gehört sich halt so, wenn Traditionsfans sich lange nicht gesehen haben.

Die Fans von Hansa Rostock vielen zur Abwechslung mal nur im Zug und noch nicht im Stadion negativ auf. Wir haben den Punkt erreicht, wo Spieler in Testspielen rassistisch beleidigt werden. Und dann wurde am DFB-Pokal Wochenende direkt doppelt nachgelegt. In Potsdam und bei Lok Leipzig wurden Spieler rassistisch beleidigt.

Alles bedauerliche Einzelfälle. Also das kann man sich zumindest als RSV Eintracht Stansdorf einreden, wo der Täter gestellt und aus dem Stadion entfernt wurde, während die Fans Nazis Raus brüllten. In Leipzig... wurde der Betroffene Christopher Antwi-Adjei für den Rest des Spiels konsequent ausgepfiffen. Das ist anscheinend die logische Konsequenz auf eine "unterlasst rassistische Beleidigungen": eine rassistisch motivierte Kollektivstrafe. Also vom Kollektiv ausgeführt.

Und machen wir uns nichts vor: Wenn ein Deutscher mit afrikanischen Wurzeln dafür ausgepfiffen wird, dass er sich über eine rassistische Beleidigung beschwert, ist auch dies Rassismus. Und es beweist, dass dies bei Lok eben kein Einzelfall ist, sondern die ganze Gruppe so denkt. Was mich zu der offensichtlichen Frage bringt: Warum wurde dieses Spiel, in dem ein Spieler konstant rassistisch motiviert angegriffen wird, überhaupt zu Ende gespielt? Die solidarische Reaktion des Lok-Blocks wäre doch ein Anlass gewesen, dieses Elend zu beenden, wenn man wirklich gegen Rassismus wäre und nicht die Konsequenzen fürchten würde. So musste der Spieler da halt durch. War ja auch alles nicht so schlimm, der ist Schalker. Der würde sich wahrscheinlich eher wundern, wenn er nicht unmotiviert ausgepfiffen wird. Oder so.

Die Bundesligasaison hat noch nicht mal angefangen und wir hatten schon genug Vorfälle für das gesamte Jahr. Warum können wir uns da nicht mal an den Trendsetterinnen des Sommers orientieren und Fußball in ein friedliches und stimmungsvolles Familienfest verwandeln?

Stattdessen übernehmen wir die dämlichen Trends des Sommers: das Versagen vom Punkt. Jetzt nehmen die uns auch noch die Grundlage für all die sexistischen Sprüche. Wie fies ist das denn. 
Um das mal nachzuvollziehen: TomiakBux und Bero verschossen ihre Elfmeter "aus dem Spiel heraus". Nur einer von denen ist ein Amateur, die anderen spielen für Hannover und Bochum. Der Fehlschuss in Cottbus besiegelte sogar das Ausscheiden. 
Illertissen und Nürnberg vergaben in der Summe 3 Mal beim Elfmeterschießen. Das ist fast noch gut. Und Eintracht Norderstedt und der FC St. Pauli sammelten 4 Fehlschüsse in den ersten 3 Versuchen. Richtig gelesen: Joel Chima Fujita durfte nach seinem ersten Elfmeter nochmal antreten und verschoss erneut. Das schaffen nicht mal die Frauen.

Maarten Vandevoordt und das Torwortproblem. Der Belgier soll ein guter Torwart sein. Und ein noch besserer Torwart werden. Aber er ist im Moment anscheinend schlechter als Péter Gulácsi, weshalb er jetzt im DFB-Pokal spielt. Ich halte das auf 2 Ebenen für problematisch: Zum einen erschwert man sich selbst unmotiviert das Saisonziel. Und bei RB geht ja alles darum, nächstes Jahr wieder international zu spielen. Und der einfachste, 2 Mal erfolgreich absolvierte Weg, wäre ein Sieg im DFB-Pokal. Dazu holt man auch noch einen Titel, was sich immer gut auf dem Briefkopf macht. Und Arminia Bielefeld hat erst letzte Saison bewiesen, wie man sich in einen Rausch spielen kann. Der VfB Stuttgart hat eine mäßige Saison mit einem Pokalsieg gecrosst. In dem Fall ist es erlaubt, ein mäßiges Graffiti einfach zu übermalen. Aber überraschend viele Bundesligisten entscheiden sich mittlerweile dafür, auf einer sensiblen Position zu rotieren und sich selbst in den Fuß zu schießen, wie es sonst nur der HSV macht.
Das bringt mich zum Übergang: Das HSV-Mitglied Yannick Grieß erzielte das 1:0 für den FK Pirmasens. Die hätten fast die Sensation geschafft. Und genau um diese Geschichten geht es doch.
Aber man sollte diese Geschichten auch als Bundesligist mit dem nötigen Anstand angehen. Also der DFB-Pokal ist ja quasi das Bonuslevel zum Tag der Amateure. So unwahrscheinlich das ist: Es ist die einzige Möglichkeit für Normalsterbliche, ein Pflichtspiel gegen Manuel Neuer zu absolvieren. Und auch wenn dies das Extrembeispiel ist: Genau darum geht es an diesem Wochenende. Nur damit der Torhüter dann sagt "Vielleicht bin ich gar nicht Manuel Neuer"... weil wir uns dafür entschieden haben, im Pokal auf den Ersatztorhüter zu setzen... ist für mich irgendwie ein Vertragsbruch. Macht das von mir aus in den späteren Runden, wenn ihr gegen die Bundesligisten antretet. Aber nicht gegen die Amateure.

Vor allem, wenn der Ersatztorwart ganz realistisch nichts von diesem Spiel haben kann. Er kann dieses Spiel nichjt gewinnen. Im Normalfall hält er 2 Bälle, die er aber auch halten muss. Selbst wenn die Amateure sich überraschend widerspenstig zeigen, wird niemand in deinem Verein jemals das Video zu diesem Spiel wieder auspacken. Und wenn die Kollegen vor dir sich richtig dumm anstellen, hast du den Makel einer epischen Blamage in deinem Lebenslauf stehen... Obwohl die 90 Minuten und 30 Torschüsse Zeit hatten, um deinen Patzer zum 1:0 zu revidieren. Though Luck, jetzt viel Spaß auf der Bank.

Apropos Bonuslevel: VfB Stuttgart - Bayern München: Dass die DFL in Kooperation mit dem DFB diesen Bonustag der Amateure kapert, um seinen völlig irrelevanten Supercup auszutragen, ist ein dreister Arschloch-Move. Dieses Jahr hatte man wenigstens das Losglück, dass beide im Pokal gegen Profimannschaften antreten. Aber Teutonoa Ottensen hat ja schon die Erfahrung machen müssen, wie beschissen es für eine Amateurmannschaft ist, wenn die plötzlich unter der Woche ihr Pokalspiel austragen müssen. Da wird aus dem größten Fest der Vereinsgeschichte ein trostloses Auswärtsspiel. Trotzdem muss der Supercup weiterhin am Pokalwochenende ausgetragen werden. 

Dass der Rahmenterminkalender zu voll ist, um einen vernünftigen Termin zu finden, ist tragisch. Aber daran kann man ja nichts ändern. Und wenn keine Klub-WM gewesen wäre, wären die Bayern freiwillig nach Amerika geflogen, also kann man den Pokal "schlecht" am 10.08. austragen. Aber dann legt doch den irrelevanten Spaß-Wettbewerb auf einen Mittwoch und nicht den einen Berührungspunkt zwischen Amateuren und Profis.

Montag, 3. Juni 2024

Das war ja eine riesige Überraschung

 Also nicht, dass Real Madrid das Ding humorlos mit 2:0 gewinnt. Das war irgendwie abzusehen. Natürlich war Dortmund 60 Minuten lang die bessere Mannschaft... aber so spielt Real halt. Und das nicht erst seit gestern.

Aber die eigentliche Überraschung ist ja, dass in einem Land, in dem zu Gigi d'Agostino rassistische Parolen gesungen werden, 21 % der Menschen eine "arischere Nationalmannschaft" sehen wollen. 

Was nebenbei auch bezeichnend für die Diskussionskultur in diesem Land ist: Das Lied steigt auf Platz 1 in den Charts ein, worüber sich in sozialen Netzwerken unter anderem die AfD freut, während die Doku niemand sieht. Aber trotzdem äußert sich jeder zu dieser einen Statistik. Dabei sollte jeder, der sich dazu jetzt irgendwie äußert, erstmal die Doku sehen.

Nebenbei ist das ja auch nur ein Teil der Vorberichtserstattung zur EM im eigenen Land. Also es ist nicht nur so, dass die beim WDR diese eine Doku zum Thema Rassismus gemacht haben, sondern dass sie gerade dabei sind, die Nationalmannschaft, ihre Rolle und die hoffentlich großartige Heim-EM aus mehreren Perspektiven zu beleuchten.

Und Phillip Awounou hat sich halt mit der integrativen Kraft beschäftigt. Die Doku beginnt deswegen mit der Berufung von Gerald Asamoah und dessen ersten Tor. Und wie der als erster in Afrika geborene deutsche Nationalspieler auch ein Türöffner für eine buntere Generation war. Das, was in Frankreich, England oder den Niederlanden seit Jahrzehnten völlig normal war, kam tatsächlich auch in Deutschland an. Und es wird die wunderschöne Geschichte erzählt, was für Auswirkungen diese Nominierung für Menschen mit Migrationshintergrund hat. Und dann wird erzählt, wie sich diese Geschichte mit Nicole Anyomi bei der EM 2022 wiederholt wurde. Nur dieses Mal halt für junge Mädchen mit Migrationshintergrund. Das ist diese integrative Kraft des Fußballs, von der immer alle schwärmen. Einer der Schlüsselsätze ist "Da sieht man mal, wie wichtig Repräsentation ist."

Die Generation danach hatte einen wesentlich stärkeren Migrationshintergrund, wurde aber trotzdem oder gerade deswegen Weltmeister. Und sie stand damals auch für ein "neues Deutschland". Weil die Integrationsbemühungen, die laut Doku erst in den 90ern ernsthaft angegangen wurden, Früchte trug. Und jetzt haben wir eine Nationalmannschaft, der man das nicht unbedingt ansieht, weil es halt noch ungewohnt ist, die aber komplett aus Deutschland kommt. Die wurden allesamt in Deutschland geboren.

Die 2014er und die jetzige Generation bildet die aktuelle deutsche Gesellschaft wesentlich besser ab, als die 2006er-Generation. Auch wenn gerade die 2014er-Generation um Mesut Özil nachweist, dass Integration auch keine lineare Entwicklung ist. Und ja, es wird in der Doku auch über Özil geredet. Und darüber, dass İlkay Gündoğan auch auf dem ominösen Foto drauf war, damit aber einfach wesentlich besser umgegangen ist.

Nebenbei muss an der Stelle noch ein wichtiger Einschub dazukommen: 2006 wurden 9 der 13 Tore von Spielern erzielt, die nicht in Deutschland geboren wurden: Miroslav Klose, Lukas Podolski und Olivier Neuville. Nur sind das eben Menschen, bei denen man es am Namen raushört und nicht am Gesicht erkennt, dass die nicht in diesem Land geboren worden sind. Da kann man das wesentlich leichter ignorieren. Aber es gibt nach wie vor die Legende, dass Klose und Podolski auf dem Platz auf Polnisch kommuniziert haben. Trotzdem gilt das für einige als die letzte richtige Nationalmannschaft.

Und damit sind wir dann bei der ominösen Umfrage, auf die diese Doku jetzt reduziert wird. Da wurden halt in Thüringen, wo die Deutsche Mannschaft ihr Trainingslager bezieht, Menschen interviewt. Und dabei kamen dann auch die "Du bist ja kein richtiger Deutscher, dazu gehört eine helle Haut" Aussage. Und die "mehr weiße Spieler" Aussage. Wobei hier auch wichtig ist, dass dies nicht die einzige Aussage der Thüringer ist, es gibt auch viele positive Stimmen in der Doku. Der WDR wollte dann halt wissen, ob das ein verwirrter Einzeltäter war, oder ob diese Meinung weiter verbreitet ist, als wir uns eingestehen wollen. Deswegen mussten sie die Umfrage in Auftrag geben. Jetzt kann halt keiner mehr behaupten, dass das ein dummer Ossi war... Ist unangenehm, ist aber auch wichtig.

Nebenbei wird am Ende festgestellt, dass die Gesellschaft viel liberaler geworden ist, aber dass die Ränder dieser Gesellschaft auch dank des Megaphons namens Internet viel lauter geworden ist. Die entlassen uns also mit einem "Es hat sich einiges getan und auch verbessert" Gefühl.

Was ich jetzt ja faszinierend finde: Dass sich Joshua Kimmich und Julian Nagelsmann zur Doku äußern, obwohl sie die offensichtlich nicht gesehen haben. Denn dann hätten sie ja ein kompletteres Bild zur Doku zeichnen können. Das ist vor allem faszinierend, weil sie da einen echten Experten zur Hand hätten. Jemanden, der die Doku nicht nur gesehen hat, sondern der selber für die Doku interviewt worden ist. Denn Jonathan Tah spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle. Der hätte also das komplette Bild besser nachzeichnen können. Und anstatt irgendwas von "Spaltung vor der EM" zu labern, hätte er erklären können, wie wichtig die Doku ist, aber dass sie auch eindeutige Fortschritte darstellt. Und spätestens am 2. Tag hätte man ja ahnen können, dass da nochmal nachgehakt wird.

Dabei ist das Kimmich Statement an vielen Stellen sogar gut. Aber gerade das "Wenn man überlegt, dass wir kurz vor einer Heim-EM stehen, dann finde ich es absurd, überhaupt so eine Frage zu stellen." muss man halt sehr kritisch sehen. Und Nagelsmann stößt ja ins selbe Horn. Als Reporter kannst du die rassistischen Aussagen halt nicht aus deiner Doku streichen, auch wenn das für alle bequemer wäre. Und natürlich sind 21 % schockierend viele. Aber diese Zahl verdeutlicht auch nur, wie wichtig es ist, dass wir darüber diskutieren. Sich da jetzt wegducken und das Problem ignorieren, ist keine Option. Und auch wenn sich in diesem Land einiges getan hat, verdeutlicht die Doku, dass es auch noch einiges zu tun gibt.

Montag, 25. März 2024

Das traurigste ist ja, dass sich der Hass jetzt so offenbart.

 Das alles ohne irgendwelche Hemmungen. Und immer auf Kosten von Minderheiten oder fremden Menschen. Wir sind halt als Nation anscheinend doch homophobe und fremdenfeindliche Arschlöcher. Wer hätte das gedacht?

Wobei man hier natürlich sachlich einschieben muss, dass der sehr laute Teil der Gesellschaft sich jetzt öffentlich demaskiert und als homophobes und ausländerfeindliche Arschlöcher outen. So funktioniert das Internet halt: Es ist ein Katalysator für Hass und alles Schlechte in der Welt. 

Meine beiden "Lieblingsmemes" sind ja folgende: Die Aufstellung der 90er-Mannschaft mit dem Spruch: Das war noch eine richtige deutsche Mannschaft mit deutschen Trikots. Und erfolgreich... obwohl Bodo Illgner ein Trikot getragen hat, welches überraschend dicht am aktuellen Design ist. Andere haben dasselbe Bild, mit Zoom auf den Torhüter, genutzt, um darauf hinzuweisen, dass man "in solchen Trikot" durchaus Weltmeister werden kann.

Das 2. besteht aus dem guten Arier mit griesgrämigen Blick und dem Spruch "Von der 50er bis in die 90er". Daneben dann der Schönling, der sich im pinken Trikot die Haare macht, mit einem "... und heute."

Das zeigt auch einfach nur, wie dumm diese Menschen sind. Und das ist keine Übertreibung. Nehmen wir mal die 72er-Nationalmannschaft, die in diesem Bild zu den "guten Ariern" gezählt wird. Und das ist keine willkürliche Auswahl, weil sie von einigen als "die beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten" betitelt wird. Noch besser, als die 74er-Weltmeisterelf. Was nebenbei beweist, dass es definitiv die erfolgreichste Generation war. 

Aber die 72er-Elf soll noch besser gewesen sein, weil sie den wesentlich schöneren Fußball gespielt haben. Denn die 74er haben sich durchs Turnier gequält. Sie haben gegen die DDR verloren und unterwegs den Trainer entmachtet. Und sie haben gegen bessere Holländer gewonnen. Mit anderen Worten: Sie waren so richtig Deutsch. Aber die 72er-Mannschaft war auf einem anderen Level. Die verzauberten die Fans und den Gegner.

Angeführt wurde sie von Franz Beckenbauer. Den nannte man nicht "den Kaiser", weil er so rustikal zu Werke ging, sondern weil er mit einer einzigartigen Eleganz und Gelassenheit die Außenrisspässe zelebrierte.

Man hatte Günter Netzer im Mittelfeld. Ein Rebell. Eine Stilikone. Der Mann hat nebenbei "Lover's Lane" als Nachtklub betrieben und dicke Schlitten gefahren.

Man hatte den fukking Afro von Paul Breitner. Das waren alles Schönspieler und Stilikonen. Hätte es damals schon sozialen Netzwerke gegeben, wären sie nach jedem Spiel "Schwuchteln" beschimpft worden. Bei einem Sieg durch die gegnerischen Fans... und bei einer Niederlage halt von den eigenen.

Nehmen wir als Nächstes die wehende blonde Mähne, mit der Jürgen Klinsmann die Niederländer durcheinanderwirbelte. "Damals" war genau dieser Haarschnitt halt der neuste Scheiß, deswegen haben die Fußballer sie getragen. Oder es war der heiße Scheiß, weil die Fußballer so aufliefen. Aber auch Klinsmann trug eben nicht den militärisch korrekten 3 mm Schnitt. Und auch der wird sich bewusst dafür entschieden haben, die Haare genau so zu tragen und er wird sie entsprechend gepflegt haben. Nur haben wir uns halt als Gesellschaft weiterentwickelt. Damit sind die rebellischen Haare von damals nichts Besonderes mehr. Das verdeutlicht sich ja nirgends so gut, wie an dem Pilzkopf, den Netzer damals getragen hat. Als Anlehnung an die Beatles, falls das nicht offensichtlich ist. Dass das "damals" als "obszön" gilt, kann man anscheinend niemanden mehr erklären, denn selbst die Leute, die dabei waren, haben es mittlerweile vergessen. Mich würde es ja wirklich freuen, wenn zum Beispiel ein Uli Hoeneß da mal auf den Tisch hauen würde und für alle deutlich feststellt, dass auch die angeblich guten Generationen teilweise aus Rebellen und Stilikonen bestand.

Das ist nebenbei das wirklich faszinierende: Es wird entweder darüber gejammert, dass es keine echten Charaktere mehr gibt und alles so weichgespült wirkt. Die Aussagen werden vom Berater diktiert, alle spielen denselben Stiefel und keiner traut sich mehr was. 5 Minuten später regen sich wahrscheinlich dieselben Menschen darüber auf, dass Fußballer mit bunten Haarschnitten und Tätowierungen ihren Charakter zum Ausdruck bringen. Und wir lachen über das Kurzzeitgedächtnis von Goldfischen...

Die aktuelle Generation an Fußballnationalspielern hat ein einziges Problem: Sie haben 3 Turniere infolge kein einziges K.O. Spiel gewonnen. Eine derart desaströse Bilanz hat es noch nie gegeben. Also um das mal festzuhalten: Die warten seit dem 2.7.2016 auf einen Sieg in der K.O. Phase. Selbst "damals" brauchte man das Elfmeterschießen, statistisch gesehen war das ein Unentschieden... Und ja, ich ignoriere den Confed Cup, weil selbst die Fifa eingesehen hat, dass dieses Turnier belanglos ist.

Die nächste Chance zum Ausmerzen diese Scharte, gibt es planmäßig am 29.06.. Wenn die Humor haben, werden sie "nur" Dritter in der Gruppe und spielen dann am 2.7. gegen den Sieger der Gruppe E. Dann wären es auf den Tag genau 8 Jahre. 2922 Tage. Das hat es in der Nachkriegszeit noch nie gegeben. Also seit wir den Fußball als Kriegsersatzdroge gefunden haben.

Nur deswegen wird die deutsche Mannschaft jetzt für jeden Scheiß angefeindet. Wenn die erfolgreich spielen würden, wäre allen alles egal. Jetzt wird ihnen vorgeworfen, dass sie sich aufs Spielen konzentrieren sollten, anstatt ständig politische Nebenkriegsschauplätze aufzumachen... so als hätten die Spieler dieses Trikot designt. Die Idioten sind es, die hier den Nebenkriegsschauplatz aufmacht, weil ihr politische Bedeutung sucht, wo es keine gibt. Und weil sie sich durch pinke Trikots in eurer Männlichkeit bedroht fühlen.

Der letzte faszinierende Nachtrag für mich ist ja, dass bei diesem ganze "erfolgreiche Ariermannschaften" Gelaber die 2014er-Generation komplett außen vor gelassen werden muss. Und das, obwohl sie eine der erfolgreichsten Generationen aller Zeiten war. Die haben 5 Turniere infolge mindestens im Halbfinale gestanden. Von der Heim-WM 2006 bis zum Titel 2014. Diese Bilanz kann sich mit den 70er Jahren vergleichen. Und die Mannschaft stand für ein neues, modernes Deutschland. Und sie beweist halt nebenbei, dass die ganzen "Migranten" eben nicht das Problem sind. Man kann mit Podolski, Klose, Boateng, Khedira, Gomez, Mustafi und Özil erfolgreichen Fußball spielen.

Die sind nicht das Problem, Oliver Bierhoff war es eher. Und der Fakt, dass die Nationalmannschaft allgemein schlecht gemanagt wird... und das, wohl sie doch ausschließlich von alten, richtig deutschen Männern gemanagt wird. 

Random Fun Fact: Die 2014er-Weltmeister hatten mehr Spieler, die nicht in Deutschland geboren wurden (Klose und Podolski halt), als die aktuelle Generation... Denn selbst Jamal Musiala, der zur Hälfte Engländer ist, wurde in Stuttgart geboren. Und falls das nächste Mal jemand mit einem "Danke Merkel" um die Ecke kommt, weist bitte darauf hin, dass die Eltern der aktuellen (und auch der U-19 Europameister Mannschaft) Generation lange vor Merkel eingewandert ist. Und dass all diese Spieler auf deutschen Boden geboren wurden.

Dass die deutsche Nationalmannschaft nicht mehr so arisch aussieht, wie in den 90ern und vorher, liegt halt an der fortschreitenden Globalisierung. "Wir" haben halt von den zahllosen Gastarbeitern, die wir ins Land geholt haben, profitiert. Ein nicht unwesentlicher Teil unseres Reichtums basiert auf diesen billigeren Arbeitskräften. Teilweise bis heute, denn guckt mal auf die Spargelfelder oder in die private Altenpflege. Ein Sohn italienischer Gastarbeiter hat uns das schon 1992 vorgerechnet... Aber "wir" dachten anscheinend wirklich, dass "die" dann nach getaner Arbeit wieder nach Hause gehen, und nicht, dass die hier Familien gründen. Was erlauben die sich? Das war so nicht abgemacht! Aber genau deswegen ist "unsere Nationalmannschaft" jetzt so "bunt". Das ist einfach nur eine logische Konsequenz aus der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 50 Jahre.

Dienstag, 15. Juni 2021

Heute in der beliebten Seire

 "Ich bin kein Rassist, ich nutze nur rassistische Beleidigungen": Marko Arnautovic. Inklusive des schönen Mottos: "Mein bester Freund kommt aus Dänemark"... 

Das Traurigste daran ist ja, dass Arnautovic sich selber für einen ganz tollen Hecht hält, aber gar nicht bemerkt, dass er sich auf dem geistigen Niveau eines Donald Tumps bewegt... Wobei, er hat ja wenigstens den Anstand sich danach halbherzig zu entschuldigen.

Oh und es ist natürlich wieder ein bedauerlicher Einzelfall, dass ein ansonsten sympathischer Österreicher ein Mal beim Torjubel über die Stränge schlägt, ist kein strukturelles Problem und hat auch nichts mit den rassistischen Beleidigungen in Richtung Nadiem Amiri oder den Entgleisungen von Jens Lehmann zu tun. Es gibt halt kein Problem mit Rassismus, wir sind hier in Sachsen... Ich meine beim offiziellen Kriegsersatz Fußball-Europameisterschaft...

Nebenbei bin ich nicht mal der Meinung, dass Arnautovic jetzt von der UEFA bestraft gehört... der sollte einfach von den Fans mit einem Pfeifkonzert (also das, was die Russen so gut können, wenn es gegen Rassismus geht) begrüßt werden. Dann tritt ihm ein Gegenspieler noch mal so leicht auf den Fuß und gut ist. Und so kann dann jeder seine Meinung dazu äußern, ohne dass Arnautovic gesperrt werden muss...

Ist doch auch schön... also, dass man jetzt ein Feindbild hat, welches man so richtig schön unsympathisch findet. Dumm für die Österreicher, weil der halt aus ihrem Team kommt. War aber abzusehen, schließlich lebt Arnautovic diese Rolle bewusst. Und wenn man seine Mannschaft um solche Charaktere aufbaut, muss man auch damit leben, dass der Rest der Welt darauf reagiert und dann gegen einen ist. 

Aber ich bin ja auch immer dagegen Rassisten wegzusperren. Die werden dadurch nicht zu besseren Menschen, sondern es wird alles nur noch viel schlimmer. Man muss diese Leute damit konfrontieren, dass man ihre Aussagen oder Meinungen Scheiße findet. 

Wenn ihr euch fragt, warum es schon wieder so gar nicht um Fußball geht... nun  ja...

Heute in der beliebten Serie: Wie schlimm ist es? So schlimm: Selbst deutschen Kommentatoren fällt auf, dass der neue Gruppenmodus Scheiße ist. Wenn selbst DENEN das auffällt, was soll ich dann noch sagen?

Freitag, 7. Mai 2021

Jetzt überschlagen sich die Ereignisse

Denn auf ein Mal lässt auch Dennis Aogo seinen Expertenposten ruhen. Denn auch der hat sich "unglücklich ausgedrückt"... 

Die Kernaussagen sind, um sie nur ein Mal wiederzugeben, „Wenn man Familie kriegt, dann hat man immer den Wunsch nach einer festen Bleibe, sodass man nicht immer irgendwie wie ein Zigeuner von A nach B reist.“ und "Trainieren bis zum Vergasen"... Ernsthaft? 

Zunächst muss hier mal grundlegend geklärt werden, warum die Fremdbezeichnung "Zigeuner" nicht mehr verwendet werden sollte: Die Sinti, die damit beschrieben werden, lehnen den Begriff ab. So einfach ist das. Also das "klassische Ethnologen-Beispiel" ist ja "Eskimo - Inuit". Beim Wort Eskimo wurde darüber diskutiert, ob das abwertend und respektlos gegenüber den Inuit ist. Deswegen haben die sich dagegen gewehrt, bis man dann herausbekommen hat, dass Eskimos eine größere Volksgruppe anspricht und keineswegs eine wertende Abgrenzung ist. Also Inuit heißt, wie 90 % aller Selbstbezeichnungen, "Mensch", Eskimo heißt wohl doch nur "Die, die eine andre Sprache sprechen."

Um das Ganze an einem theoretischen Beispiel festzumachen: Wenn wir jetzt (Ich nutze ganz bewusst lieber den Konjunktiv) die Engländer als Inselaffen bezeichnen würden. Wir sagen dann immer: Wir meinen das gar nicht böse, wir wollen nur zum Ausdruck bringen, dass sie sich von der EU abgewendet haben und auf ihrer Insel ihr eigenes Ding machen. Und natürlich nennen wir deren kulinarische Verbrechen dann "Inselaffensoße". Dann würden sich die Engländer darüber übelst aufregen und dafür sorgen, dass wir das wieder lassen. Ähnlich ist es mit den Zigeunern.

Jetzt kommt ja als Nächstes dazu, dass selbst ein "man will nicht wie die Sinti leben" immer noch böse diskriminierend wäre. Weil er sich eben eindeutig abwertend über den historischen Lebenswandel eines Volkes äußert. Wobei es noch schlimmer ist, denn er äußert sich über das Klischee eines Lebenswandels. Je genauer man hinguckt, umso schlimmer wird die Aussage. Vor allem, weil er halt nicht die "Das war doch nur nen Witz" Ausrede bringen kann... 

Und dann kommt noch das "bis zur Vergasung". Wie man als Deutscher in der Öffentlichkeit mit dieser KZ-Referenz leichtfertig umgehen kann. Anscheinend fielen die Trainingseinheiten des SC Freiburg immer genau auf die Geschichtsunterrichtstunden. Da kann man halt nichts machen. Aber hey, immerhin ist die Strafe da schnell festgelegt: ein Besuch in einer KZ-Gedenkstätte. Das Traurige daran: Man findet ganz sicher eine in seiner Nähe... weil es halt überall welche gibt. Da trifft er dann ja vielleicht sogar auf den Keller. Nur um festzuhalten, dass Aogo bei weitem nicht der einzige ist, der sich mal intensiver mit deutscher Geschichte und unangebrachten Vergleichen beschäftigen muss... Warum passiert das eigentlich gerade ausnahmslos ehemaligen Freiburgern? Das waren doch die Guten mit dem Weitblick...

Hier kommt jetzt das wirklich faszinierende: Aogos Zigeuner-Aussagen sind zum einen nicht neu. Und der andere Ausfall ist vom Dienstagabend... übertrieben ausgedrückt: Es war die Aussage, die Jens Lehmann zu seinem Glückwunsch ans Sky Team, dass Aogo ja kompetent ist und tolle Quoten besorgt, inspiriert hat.

Aber nur über einen der beiden Vorfälle wurde auf Kicker.de auf der Startseite berichtet. Zu Aogo's Aussagen gibt es dort kein Satz. Und wo ich schon dabei bin, mitzuzählen: Auch das Friedhelm Funkel sich verbal fast verdribbelt hat, wurde dort nur im Kleingedruckten erwähnt. Frei nach dem Motto: Das geht bestimmt weg, wenn man es ignoriert.

Wobei das ja am Ende nur Teil des Problems ist. Denn der Lehmann Fall ist ja so eskaliert, weil das Opfer sich gemeldet hat. Wenn der Zentralrat der Juden Aogos Aussage am Dienstag gehört und darauf reagiert hätte, wäre die Reaktion ebenfalls heftiger aufgefallen. Selbiges gilt, wenn der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma über das alte Aogo Video gestolpert wäre.

Aber der Aufschrei kommt halt immer erst, wenn sich ein Opfer meldet. Wobei, genau genommen wäre das schon ein Fortschritt, oftmals bekommt das Opfer dann ja nur ein "Jetzt stell dich nicht so an" und "War doch nicht so gemeint" zu hören...

Das kann man ja auch an seinen eigenen Verhaltensweisen fest machen. Aber jetzt wird es halt wirklich unangenehm. Aber wie oft sitzt man in einem homogenen Umfeld und hört Witze über abwesende "skurrile Minderheiten"... Und man sitzt entweder schweigend daneben oder lächelt verkniffen. 

Zeit für 2 im Bus von Dota.

Damit ist dann auch die Frage beantwortet, die ich mir vorgestern gestellt habe: Wenn Lehmann seinen rassistischen Witz an den Programmchef geschickt hätte, hätte es kein Opfer und damit auch keinen Aufschrei gegeben, obwohl der Spruch immer noch genau so Scheiße ist.

Aber genau genommen hat Lehmann auch nur das per WhatsApp geschrieben, was 1000-fach in Deutschen Wohnzimmern gesagt worden wäre, wenn man sich gerade für gemeinsame Fußballabende treffen dürfte.

Um dann an der Stelle mal ganz offen zu reden: Ich schreibe das auch nicht mit erhobenen Zeigefinger. Nach dem Lehmann Vorfall habe ich schon zum 2. Mal in diesem Jahr im Familienkreis darüber diskutiert, welche Witze man eigentlich im engsten Kreis bringen darf und was man doch eher lassen sollte. Wenn wir wirkliche Fortschritte erreichen wollen, dürfen wir halt nicht immer nur darauf warten, dass die Opfer sich beschweren, sondern früher eingreifen, damit es gar nicht erst dazu kommt, dass es diese Opfer gibt.

So, jetzt aber wieder Fußball... es sei denn, der DFB baut nochmal Scheiße... also wohl eher kein Fußball...

Mittwoch, 5. Mai 2021

Das peinlichste an Lehmann ist ja

 sein peinlicher Rettungsversuch. Also wirklich. So was von erbärmlich.

Also selbst ein "Das war die Autokorrektur, ich wollte eigentlich Noten Bester schreiben... was kann ich dafür, dass die rassistisch ist" wäre ein sinnvollerer Ansatz gewesen. Auch wenn das bei genauerem Hinsehen immer noch extrem problematisch wäre, denn deine Autokorrektur lernt ja von dir und ändert das nur, wenn du "Quotenschwarzer" extrem häufig verwendest.

Praktisches Beispiel: Meine Rechtschreibprüfung zeigt mir dieses Wort als "Fehler" an...

Aber ernsthaft: Dennis Aogo "bringt bei Sky Quote", weil er so kompetent ist? Wirklich? So stammelt jemand, der ertappt wurde und sich irgendwie herausreden muss.

Also um das mal auf den Punkt zu bringen: Friedhelm Funkels Aussagen nach dem Leverkusen Spiel waren "unglücklich formuliert". Er hat aber gerade noch so die Kurve bekommen und eben nicht gesagt "Die haben halt nen paar Quotenschwarze, die für extrem hohes Tempo sorgen." Weil ihm irgendwie doch bewusst war, dass derartige Ausdrücke extrem falsch und verletzend sind. Wobei ich zum Thema Funkel auch mal sagen wollte, dass man schon mal auf den Rassismus hinweisen und es ansprechen muss, Funkel deswegen aber nicht sofort entlassen werden sollte. Aber wenn man solchen "kleinen Vergehen" nicht direkt Gegenwind gibt, dann verschiebt man die Grenze des Sagbaren immer weiter nach rechts.

Nebenbei... passiert das der Hertha gerade zum zweiten Mal. Denn auch schon Zsolt Petry wurde ja wegen diskriminierender Aussagen entlassen.

Und wo wir schon dabei sind, ist Nadiem Amiri auf dem Platz von seinen Gegenspielern rassistisch beleidigt worden.

Oh und dann hat Karl-Heinz Rummenigge neulich David Alaba als "schwarzen Beckenbauer" bezeichnet. Das sind auch Vergleiche, die eher unglücklich sind. Und klar, Rummenigge verweist darauf, dass er als erster "wieder auf diesem Niveau wie der Franz damals gespielt hat." Der nicht rassistische Vergleich wäre dann aber "Moderner Beckenbauer", denn das wollte er ja eigentlich sagen. Aber Kalle fängt halt doch sofort wieder mit der Hautfarbe an.

Aber das sind halt nur 5 bedauerliche Einzelfälle. Das sind immer noch weniger, als beim VAR, da gibt es also keine Probleme. Wir sind eine schöne, aufgeschlossene Fußballwelt. Hier gibt es nichts zu sehen. Bitte gehen Sie weiter.

Im Wesentlichen wird die deutsche Fußballwelt halt immer noch von alten, weißen Männern geprägt, da fällt man als Aogo sofort auf. Oder als Claudia Neumann, wenn eine Frau WM-Spiele kommentiert. Also nur um mal festzuhalten, dass sich auch die Basis am Ende nicht so sonderlich von Lehmann unterscheidet.

Denn Lehmann hat seine WhatsApp Nachricht halt nur an den Falschen gesendet. Und ein recht bekanntes Gesicht. Gedacht haben das beim Gucken bestimmt auch einige gemeine Fans vorm Fernseher.

Nebenbei frage ich mich ja, wie der Produktionschef (oder an wem auch immer diese Nachricht gehen sollte... wahrscheinlich war es ein alter, weißer Mann) reagiert hätte, wenn er das gelesen hätte. Wäre er auch an die Öffentlichkeit gegangen um den Rassisten zu entlarven? Hätte er das als dummen Witz abgetan, wie man ihn halt unter Kumpels macht? Oder hätte er mit einem "Stimmt Zwinkersmiley" geantwortet?

Hoffentlich hat sich Lehmann, der ja schon als Corona-Verharmloser aufgefallen ist, endgültig in der "Wir zerren den nie wieder vor eine Kamera" Ecke manövriert. Gemeinsam mit Christoph Metzelder. Das sind einfach hässliche Gesichter, die ich nie wieder als Experte hören will. Oder sonst irgendwie in einer relevanten, öffentlichen Position.

Wo ich Metzelder dann aber doch angesprochen habe, muss ich noch Max Kruse widersprechen. Also Kruse hat ja in einer emotionalen Reaktion gefordert, den lebenslang wegzusperren. Während ich dne Ruf nach einer härteren Strafe nachvollziehen kann, gilt hier absurderweise dasselbe, wie bei Maruc Thuram, für den Marcel Reif ja eine lebenslange Sperre gefordert hat: So was sieht das Deutsche Rechtssystem einfach nicht vor, da es auf die Wiedereingliederung in die Gesellschaft ausgelegt ist.

Also um das nochmal festzuhalten: Der Attentäter von Halle hat keine lebenslange Gefängnisstrafe bekommen. Der Attentäter von Hanau wird es auch nicht kriegen. So was dann für Metzelder zu fordern, ist einfach vollkommen sinnlos.

Dienstag, 2. Juni 2020

"JEIN ZUM RASSISMUS!"

Denn zu einem wirklichen "Nein" können wir uns halt doch nicht durchringen.

Also klar, von der Fifa vorbereitete Botschaften vor einem WM-Halbfinale vorzutragen, ist natürlich wunderbar... wobei die Fifa wahrscheinlich auch mit Sanktionen droht, sobald man nur ein einzelnes Wort umbaut und minimal vom Originaltext abweicht...

Für mich persönlich ist die Lage ja einfach, auch wenn es drastisch wirkt: Wenn der DFB sich jetzt dazu entschließt, Weston McKennie, Marcus Thuram, Jaydon Sancho und Achraf Hakimi in irgendeiner Form zu sanktionieren, können sie sich auch den Werbespott, den sie ein Mal im Jahr drehen lassen, abschaffen.
Denn sobald jemand diesen Werbespott irgendwie mit Leben füllen will, sagen die Sesselfurzer halt doch "Lasst das lieber".

Das sind nebenbei genau die Aktionen, für die wir die Amerikaner immer auslachen. Wie, ihr nutzt eure exponierte Stellung um von eurer Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen und ein wichtiges Thema anzusprechen? Schämt euch! Das gehört sich nicht! SHUT UP AND DRIBBLE!

Und was ist denn das schlimmste, was einem bei so einer Aktion passieren kann? Dass Rassisten nicht mehr einschalten? Dass Donald Trump eine Twitter Sturm loslässt und die DFL als "failing operation" beschimpft? Worauf man dann ganz lässig mit einem "Immerhin kann bei uns schon wieder Profisport betrieben werden, weil wir die Corona Krise halbwegs im Griff haben... wie sieht es dann da bei euch aus" antworten kann.
Ernsthaft, allein schon weil Trump sich dann in den Sozialen Netzwerken über die Bundesliga auslassen könnte, sollte man solche Aktionen fördern. Und den amerikanischen Ligen hat die Gratis-Werbung auch nicht geschadet...

Das faszinierendste ist ja Leute wie Fritz Keller, die sich einerseits mündige Spieler wünschen, aber andererseits dann auch ein Problem damit haben, dass die Spieler sich politisch auf dem Platz äußern... entweder oder.

Das eigentliche Problem ist natürlich dasselbe, wie auch bei den christlichen Botschaften, mit denen man nach dem Torjubel die Gefühle des militanten Hindus verletzten könnte. Oder des Chinesen, wenn man "Free Hongkong" brüllt.

Ich persönlich hätte dafür als DFL und DFB ja eine ganz einfache Lösung: Man sagt seinen Spielern, dass man derartige Jubelarien, solange sie mit dem Grundgesetz vereinbar, nicht homophob oder rassistisch sind, nicht verfolgen werden. Dass teilen wir dann auch den Fernsehstationen mit, durchtrainierte junge Männer lieber nicht oberkörperfrei rumlaufen sehen... und die müssen ihre Spiele dann halt "amerikanisch" gucken...

Falls ihr euch fragt, was ich damit meine: Seit "Nipplegate" werden amerikanische Liveveranstaltungen mit minimaler Verzögerung... weil Amerika das Land der Freiheit ist... Und wenn dann ein Kulturkreis mit unseren Jubelzeremonien ein Problem haben, dann können sie halt das Bild von dem Fanblock mit den entblößten Bierbäuchen einblenden... Jeder, wie er mag. Alles, was die brauchen, ist ein 10 Sekunden Delay und jemand, der einen Knopf bedient der den Fanblock einblendet, sobald irgendwas unpassendes zu sehen ist. Problem gelöst.

Und natürlich darf die Fifa dann bei ihren eigenen weltoffenen Veranstaltungen selber festlegen, welche Form des grenzenlosen Jubels sie erlauben und was nicht. Da hat halt jeder sein eigenes Hausrecht. Aber warum müssen die so was für alle Länder und aller Verbände einheitlich regeln? Gerade wenn man bedenkt wie viele unterschiedliche Kulturkreise man da abdecken muss.

Um nochmal den Bogen zu den Rassismus-Gegnern zu schlagen: Falls die DFL die Spieler wirklich sanktioniert, würde ich mir ja von denen folgende Reaktion erwünschen: Wenn sie das nächste Mal gefragt werden, ob sie sich an einer "Strich durch Vorurteile" Kampagne beteiligen will, sagt man laut und deutlich "Nein Danke, so was machen wir nur mit Leuten, die uns auch unterstützen, wenn wir unsere Position nutzen um Missstände anzusprechen" sagen... und noch fix was eigenes auf die Beine stellen.

Denn wenn man wirklich gegen Rassismus sein will, dann muss man halt die Individuen, die diese Haltung nach außen tragen, unterstützen und nicht abstrafen.

Donnerstag, 6. Februar 2020

Oh Schalke, wie könnt ihr nur?

Ernsthaft, es hätte so eine schöne Pokalwoche sein können. Mit überraschend vielen überraschenden und spannenden Ergebnissen. Aber dann kamen die Vorwürfe gegen die Schalker Fans. Vorwürfe, die man sonst nur aus Italien oder Spanien kennt. So was würde bei uns ja nie passieren. Doch, ist es anscheinend. Also wenn mit Benito Raman ein Schalker Spieler dem Berliner Jordan Toruanigha Mut zusprechen musste, wird irgendwas vorgefallen sein. Irgendwas unschönes und unangebrachtes.

Und gerade die Schalker Fans. Also die Fangruppe, die ihrem eigenen Präsidenten demonstrativ die Rote Karte gezeigt hat. Das wurde aber anscheinend auch schon wieder vergessen.
Jetzt kann Tönnies sich als Chefaufklärer in diesem Rassismus-Eklat aufspielen. Da ist er ja echt der geeignetste Kandidat für.

Dabei haben die Medien den Schalkern im Gemeinen schon einen riesigen Dienst erwiesen. Denn das Tönnies sich genau genommen in einem Sky-Interview schon wieder komplett daneben benommen hatte, wurde flächendeckend ignoriert. Einzig Manu Thiele nahm dies als Anlass um angemessen auszurasten. Digga...

Die Zusammenfassung: Tönnies sieht sich als Opfer der Kampagne und fühlt sich hauptsächlich missverstanden. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schwer die 3 Monate für ihn waren... Deswegen entschuldigt er sich ja auch ganz klassisch nur beim Verein und nicht bei den Menschen, die er grob und verallgemeinernd beleidigt hat. Die müssten sich ja eigentlich bei ihm entschuldigen... Weil er seine Aussagen von Damals immer noch nicht als Beleidigung ansieht und den Rassismus dahinter anscheinend immer noch nicht versteht.

Und dieser ignorante Großwildjäger will jetzt über Affenlaute aus seinem Fanblock urteilen? Die machen doch nur das, was er vorlebt. Auf welcher moralischen Basis will er sich dazu jetzt äußern?

Die Schalke Fans werden jetzt natürlich behaupten, dass das ja nur eine kleine Minderheit war. Und gegen die kann man ja nichts machen. Solche Minderheiten sind ja laut...
Also zunächst mal hätte man den Arsch in der Hose haben und einen "Dre Voigt" bauen können. Also die Leute, die das ausgelöst haben, darauf ansprechen und sie auffordern dies zu unterlassen. Dafür braucht man dann aber wirklich genau die Eier, von denen früher immer nach Spielende gesprochen worden ist.
Aber selbst wenn man sich das nicht traut. Dann holt die aufrechte Mehrheit halt die Anti Rassismus Parolen, die man für die erste Pokalrunde gelernt hat, wieder raus und ist einfach wesentlich lauter als die paar Vollidioten. 

Wobei man hier natürlich auch einschieben muss, dass sich genau an der Stelle der eigentliche Fehler von Harm Osmers zeigt, der die Rassismus Vorwürfe "zur Kenntnis" genommen hat, ohne etwas zu unternehmen. Wenn Osmers das Spiel unterbrochen hätte, wäre das ganze Stadion von den Vorfällen in Kenntnis gesetzt worden und auch der Typ auf der Gegenüberliegenden Kurve hätte nicht mehr behaupten können, er hätte nichts davon mitbekommen. Was ich denjenigen sogar glauben würde, man wird nicht im gesamten Stadion die Affenlaute gehört haben. Und dann hätte sich auch das gesamte Stadion entsprechend positionieren können. Praktisch gesehen geht es ja bei der ersten Unterbrechung wegen rassistischer Vorfälle genau darum: Dass sich die Aufrechte Masse dann entsprechend äußern und gegen lenken kann.

Wie Osmers nicht die Kicker Note 6 bekommen konnte, wenn er das von der Fifa festgelegte "3 Step Procedure" ignoriert... da ist der Platzverweis für David Wagner echt das geringere Problem.

Aber es standen wie immer alle betreten daneben anstatt die Initiative zu ergreifen. Also sowohl die Fangruppen im direkten Umkreis als auch die Angestellten des DFBs. Alle hofften, dass die Geschichte schon unbemerkt vorbei ziehen wird. So wie auch alle gehofft haben, dass das Sky Interview von Tönnies nie wieder irgendwo angesprochen werden wird. Frei nach dem Motto: Das wird schon weg gehen, wenn wir es ignorieren.

Aber das zeigt halt auch nur wieder, wie ernst gemeint die "Nein zu Rassismus" Kampagnen wirklich sind: Beim ersten Härtetest, der einen selbst betrifft, versagt jede Partei komplett. Aber man kann gut darauf hinweisen, wenn andere da Fehler machen.

Das Schöne am Tagesgeschäft Fußball ist ja, dass die Schalker am Wochenende direkt die nächste Gelegenheit bekommen um das Bild wieder etwas gerade zu rücken, in dem man geschlossen Stellung bezieht. Und danach dann vielleicht wirklich den Arsch in der Hose hat und gleich reagiert, weil man sich daran erinnert, dass man eigentlich das ganze Stadion hinter sich hat.

Und in Babelsberg freuen sie sich gerade darüber, dass sie gar nicht die bigottesten sind... so gibt es am Ende doch noch Gewinner bei der ganzen Geschichte...

Dienstag, 6. August 2019

Muss die DFL jetzt Schalke sanktionieren?

Dass man sich im Jahr 2019 mit so einem Scheiß überhaupt befassen muss.

Und um das gleich zu klären: Die Situation in Dortmund ist anders und das aus zweierlei Gründen: Erstens sind Patrick Owomoyela und Norbert Dickel keine Führungspersönlichkeit im Verein. Einen Verein zu bestrafen, weil irgendwo tief im Apparat ein Rassist sitzt, ist absurd. Einen Verein zu bestrafen, weil deren Chef ein Rassist ist, ist etwas anderes.

Ich finde es auch faszinierend, wie jetzt alle die Aussagen relativieren wollen. Die waren "unglücklich und unbedacht"... Tönnies hat beim Tag des Handwerkes vor 1600 Leuten eine Rede gehalten. Wer mir jetzt erzählen will, dass er sich da spontan ein paar lockere Sprüche ausgedacht hat. Also er wird ja vorher gewusst haben, dass er eine Rede über den Klimawandel halten will und das seine Lösung "Mehr Kraftwerke in Afrika" lautet...

Das nächste Problem ist ja, dass Tönnies nicht ausgepfiffen worden ist, sondern Applaus bekommen hat. Und wenn der Mann nicht ganz ignorant ist, wusste er das auch. Er wusste, dass die Aussage provoziert, aber wohlwollend aufgenommen ist.

Kommen wir zum nächsten faszinierenden Ereignis: Tönnies Entschuldigung. Die ist nämlich praktisch keine. Was eine wunderbare Konstante ist.
Ich musste da sofort an die NFL denken, die ja als recht brutale Sportart auch ein Problem mit.. nun ja... gewalttätigen Spielern hat. Und die völlig zusammenhanglos auch regelmäßig Probleme mit Häuslicher Gewalt... Und die Spieler, die bei Gewaltakten gegen Frauen erwischt werden... reagieren genau so wie Tönnies.
Heißt: Sie entschuldigen sich bei ihrem Verein. Bei den Fans. Bei allen. Nur halt nicht bei den Opfern, warum sollten sie auch. So hinterlässt man dann den Eindruck, dass es einem Leid tut, dass man dem Verein geschadet hat und nicht das man richtig Scheiße gebaut hat. Zwar hat Tönnies den Anstand auf seine ursprüngliche Aussage einzugehen und sich damit für die Verunglimpfung der Bevölkerung eines gesamten Kontinentes bei diesem zu entschuldigen. Irgendwie macht sich aber das Gefühl breit, dass er dies nur macht, um Schaden von sich abzuwenden, nicht weil es ihm wirklich Leid tut...

Dass nebenbei raus kommt, dass Tönnies passionierter Großwildjäger ist... macht ihn nur noch unsympathischer, rundet das Bild aber ab.

Kommen wir aber zur entscheidenden neuen Frage (denn all das konntet ihr ja auch woanders lesen): Was machen die DFL und der DFB, wenn Tönnies heute nicht zurücktritt oder seines Amtes enthoben wird. Nur um meine Prognose abzugeben: Er wird sein Amt einige Monate ruhen lassen und danach haben wir dann vergessen, dass der Mann einen gesamten Kontinent beleidigt hat. Dann wird es leisen Protest aus den Fankurven geben und das war's dann. Was aber genau genommen nicht genug ist, wenn man Anti-Diskriminierung-Kampagnen fahren will.

Um das mal kurz mit ein paar anderen Beispielen zu unterfüttern: Die Los Angeles Clippers hatten jahrelang ein rassistisches Arschloch als Besitzer. Das war unter der Hand auch bekannt und wurde auch eine ganze Weile ignoriert. Unter anderem von den Spielern, die dann alle überrascht taten, aber Details. Dann gelangten aber eindeutig rassistische, aber privat getätigte Aussagen an die Öffentlichkeit und die NBA zwang Donald Sterling dazu, seine Franchise zu verkaufen, weil sie sich eindeutig auf die "Solches Gedankengut wollen wir nicht in unseren Führungsetagen sitzen haben" Seite gestellt haben.

Und das zweite Beispiel ist ein wenig kleiner, weil es nur um 30 Millionen geht, dafür aber aktueller: Auch im Esports gab es jetzt den Vorfall, dass einer der Investoren den anderen rassistisch beleidigt hat und diese Nachrichten dann an die Öffentlichkeit kamen. Und Riot zwang dann als Betreiber der Liga das Unternehmen Echo Fox dazu, entweder den Investor rauszuschmeißen oder den Platz in der Liga zu verkaufen,. Letzteres ist dann auch passiert.

Natürlich ist so was in privat geführten Ligen einfacher. Und ein Verkauf von Vereinen ist in Deutschland ja 50+1 sei Dank gar nicht möglich. Aber trotzdem sollten auch DFL und DFB die ganz klare Position vertreten, dass Tönnies als Aufsichtsratsvorsitzender eines Bundesligisten nicht mehr tragbar ist.

Nur um das mal kurz zu vergleichen: Wenn der Schalker Fanblock bei jeder Ballberührung eines afrikanischen Gegenspielers deutlich hörbare Affenlaute von sich geben würde, dürfte es eine ordentliche Geldstrafe von der DFL geben. Wenn diese Affenlaute jetzt von einem Vorstandsmitglied und in einer geplanten Rede kommen, soll dann nichts passieren?

Um mal zu verdeutlichen, dass eine Geldstrafe eigentlich alternativlos ist. Persönlich würde ich ja sogar noch weiter gehen: Wenn die Schalker wirklich versuchen das unter den Teppich zu kehren, würde ich ihnen mit Punktabzug drohen. So zeigt man Rassisten effektiv die Rote Karte...

Dienstag, 31. Juli 2018

Wenn man gedacht hat, der Höhepunkt sei erreicht...

Wird die Mesut Özil-Debatte noch mal absurder. Ja, das geht. Auf einen einzigen Weg:

Jetzt versuchen uns die alten, weißen Männer zu erklären, was Rassismus ist... und noch viel schlimmer: Dass sie das besser beurteilen können als die Spieler mit Migrationshintergrund. Weil sie... Statistiken gelesen haben?

Also hier kurz die "Money Quotes" aus dem Montags-Kicker:
Heribert Bruchhagen, 69 Jahre: "Reinhard Grindel in die Nähe des Rassismus zu bringen, ist absurd." Der Bruchhagen muss es ja wissen, der ist schon so oft Opfer der Alltagsrassismus geworden. Also als HSV Vorstand...
Lothar Matthäus, 57 Jahre: "Sportlich ist Özils Rücktritt kein Verlust." Auch da ist Matthäus echter Experte, weil er ja selber weiß, wie es ist, wenn man eigentlich komplett durch ist und trotzdem noch ein großes Turnier spielt... Gut, Matthäus war damals wesentlich älter als Özil... aber Details...
Rainer Holzschuh, 74 Jahre: "Als ob ein Mensch wie Özil, der, in Deutschland aufgewachsen, als talentierter Fußballer gehegt und gepflegt wurde (...) die Probleme der Migration und des Rassismus glaubwürdig skizzieren könnte." Besser als der Kicker-Cheredakteur. Und nebenbei haben all die Einwände niemanden gestört, als Özil als Paradebeispiel für gelungene Integration galt... Und genau dies ist das Problem, welches Özil hat: Wenn es den Leuten passt, dass er ein Imigrantenkind ist, stellen sie es in den Vordergrund, wenn es ihnen nicht passt, sprechen sie ihm die Kompetenz ab... Und genau das ist auch Rassismus. Entweder Özil war jahrelang Vorbild der Integration, dann kann er sich zu dem Thema äußern und seine Wahrnehmung und sein Urteil muss respektiert werden... oder wir müssen unsere Berichtserstattung der letzten 10 Jahre komplett korrigieren. Beides ist halt verdammt schwierig.

Rassismus ist eben nicht nur ein Nazi Mob, der einen Afrikaner durch die Straßen jagt und tötet. Oder die "Fans", die Schwarze Spieler mit Affengeräuschen begrüßen... Rassismus ist auch, wenn identische Situationen auf Grund des unterschiedlichen Aussehens der handelnden Personen anders beurteilt werden...
Und dass der Kicker das diesen Sommer extrem macht, will er sich halt bis heute nicht eingestehen.

Lasst uns da mal als weiteres Indiz einen Blick auf die Kicker Rangliste werfen... da haben wir gerade 3 Kandidaten: einer heißt Thomas Müller und war durchaus der Beste von den 3. Das will ich nicht in Frage stellen... aber Internationale Klasse? Weil er in einem Freundschaftsspiel gegen Spanien, welches nicht in die Bewertung fallen sollte, ein Traumtor erzielt hat? Da verzeihen wir ihm natürlich die bescheidene WM... Und den Fakt, dass er gegen Real Madrid und den FC Sevilla genau so effektiv war, wie Robert Lewandowski. Aber nur einer der beiden muss sich Vorwürfe gefallen lassen, dass er in den entscheidenden Spielen nichts gerissen hat... Das ist natürlich nicht der vorbildlichste aller Deutschen. Der kann ja nichts dafür... Da sind wir halt solidarisch...
(Und ja, ich verstehe nicht, wie Müller und Franck Ribery, der seit 3 Jahren auf ein Tor auf der internationalen Bühne wartet, internationale Klasse darstellen sollen... Der Kicker hat an der Stelle halt sein eigenes "Die Bundesliga ist nicht mehr so gut" Narrativ wieder komplett vergessen... Und ja, ich erwähne Müller hauptsächlich deswegen, weil ich am Ende im großen Bild auf ihn zurück komme.

Aber gut, dass Müller der beste dieser Kandidaten ist, sehe ich sofort ein. Aber danach... wird es völlig absurd:
Denn dann behauptet der Kicker tatsächlich, dass Julian Draxler eine genau so gute (also im Blickfeld endende) Halbserie wie Mesut Özil gespielt hat. Warte, was? Der Ersatzspieler in einer Gurkenliga war genau so gut wie der Stammspieler in der Premiere League, der mit seinen Leistungen in der K.O. Phase einen entscheidenden Anteil an der Halbfinal-Teilnahme in der Europa League hatte? Kann mir das jemand erklären? Der eine spielte in der K.O. Phase insgesamt 20 Minuten, der andere sammelte derweil (wenn auch im schlechteren Wettbewerb) 5 Torvorlagen... Und brachte bis zu seiner Verletzung in der besseren Liga die besseren Leistungen... Oh und eine bessere WM hat er auch noch gespielt... auch wenn das keiner wahrnehmen will.
Natürlich habe ich auch behauptet, dass das Nachlassen von Özil, welches keiner in Frage stellen will, einer der Gründe ist, warum Arsenal London nur noch in der Europa League spielt, weil der Mann halt keine internationale Klasse mehr liefert. Aber sachlich betrachtet gehört der Mann (was nebenbei auch Bodo Illgner so sieht) in den weiteren Kreis. Genau so wie er gegen Südkorea keine 5 verdient gehabt hat...
Und mal wieder schafft es der Kicker nicht, die persönlichen Geschehnisse abseits des Fußballs (also den Fakt, dass der Junge halt Deutsch-Türke ist) auszublenden... dafür blenden sie lieber die Leistungen in der Europa League aus. Das ist einfacher... Und dann kann man sich eine Erklärung zusammen basteln...
Oder um einen deutlicheren Rahmen aufzumachen: Will mir wirklich jemand erzählen, dass Özil im letzten Halbjahr schlechter war als Lewis Holtby, Kai Havertz und Maximilian Eggestein? Ja, der Kicker will das... 

Aber es gibt hier ja keinen Rassismus. Hat es nie gegeben. Zumindest nicht im Wahrnehmungskreis der greisen, weißen Männer, die ja die Deutungshoheit für sich beanspruchen... Deswegen (jetzt kommt der Bogen) muss sich Thomas Müller jetzt ja aus reinen Leistungsgründen die selben Urteile über sich ergehen lassen, wie wie Mesut Özil. Oh, warte... nur einer von denen wird als überflüssig und nutzlos betrachtet... von allen Seiten... (also Uli Hoeneß, dem Kicker und Lothar Matthäus).

Stellen wir uns mal vor, ein Müller würde über einen Rücktritt nachdenken... Dann würden alle mit einem "Tu's nicht!" um die Ecke kommen. Das Abstimmungsergebnis im Kicker würde bei 90% pro Müller ausfallen...
Oder es wäre vor der WM (wie im Fall Özil im Kicker geschehen) davon geschrieben worden, dass dies seine Abschiedsvorstellung sein könnte, weil er zuletzt einfach nicht die Leistung gebracht hat, die eine weitere Nominierung rechtfertigt. Der Journalist wäre sofort entlassen worden... (Ok, der Stern hat es sich erlaubt vom Problemkind Müller zu schreiben... als einzige und erst nach dem 2. Spiel) Dabei hat Müller vor 2 Jahren eine schlechtere EM gespielt... und mindestens eine genau so beschissene Weltmeisterschaft. Trotzdem würde niemand die Bedeutung von Müller für die Nationalmannschaft in Frage stellen. Im Gegensatz: Im großen "Wer könnte zurücktreten" Gemurmel ist sein Name nie gefallen... obwohl es leistungstechnisch mehr als angebracht wäre... Aber der ist halt der sympathische Deutsche...
Und genau das ist auch Rassismus: 2 Spieler bringen dieselbe Leistung, werden aber völlig unterschiedlich beurteilt.

Guckt euch einfach mal die Liste mit den Nationalspielern, die mehr als 90 Länderspiele absolviert haben, an. Und dann fragt euch wer von denen die meiste Kritik über all die Jahre einstecken musste. Wessen Leistungen immer wieder in Frage gestellt wurden, weil einem "die Körpersprache" nicht gefällt. Erinnert euch einfach an die Public Viewing Abende in eurer Stadt und fragt euch, wer dringend ausgewechselt werden sollte, weil er "heute nichts bringt" und "mal wieder abtaucht"... Fragt euch wer all die Jahre am häufigsten hinterfragt worden ist... (also während der Karriere, nicht danach... Und wegen ihrer fußballerischen Leistungen und nicht wegen ihres Privatlebens...)
Die Antwort lautet. Der einzige muslimische Migrant auf dieser Liste. Der einzige, den man definitiv ansieht, dass kein arisches Blut in seinen Adern fließt... Das ist kein Zufall. Und ich nehme mich selbst da ja auch nicht aus... Ich gebe durchaus zu, dass ich Özil stellenweise und unbewusst kritischer betrachtet habe als andere Spieler.

Und genau deswegen kann sich Özil zu diesem Thema äußern. Denn selbst als gehegter und gepflegter Fußballer wird man in der Öffentlichkeit anders beurteilt, wenn man Deutsch-Türke ist.
Auch wenn keiner in Frage stellen sollte, dass er über das Ziel hinaus geschossen hat. Das kann man durchaus erwähnen und kritisieren. Ihm aber jegliche Kompetenz zu dem Thema abzusprechen und dadurch zu versuchen, seine Vorwürfe komplett lächerlich zu machen... oder man schiebt die Aussagen seinen Berater zu, der eine völlig absurde Agenda haben soll... nur damit man sich selber nicht hinterfragen muss... Das ist kein Lösungsansatz, sonder bestätigt Özils Aussagen nur.

Und ja, der Kicker hat sich bis heute nicht im Ansatz hinterfragt, ob er nicht selber seinen Beitrag dazu geleistet hat, dass der Özil sich so fühlt, wie er sich fühlt. Obwohl er das über all die Jahre definitiv gemacht hat. Aber wie immer hat keiner Bock drauf sich mal an die eigene Nase zu fassen. Aber die sind ja derzeit intensiv damit beschäftigt die Schuld auf Özil zu schieben, denn dann sehen sie selber besser aus.