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Freitag, 19. August 2022

Barca ist tot! Lang lebe Barca!

 Also ja, auf den ersten Blick ist das ja schon sehr enttäuschend. Im ersten Moment hatte ich ja schon die Hoffnung, dass mit Joan Laporta das alte Barca zurückkehrt. Der Verein, der 6 Weltmeister und Lionel Messi ausgebildet hat. Die ihre eigene Jugendabteilung nur gezielt und punktuell verstärken mussten, weil sie halt keine Außenverteidiger und keine Mittelstürmer ausbilden.

Das war ja auch der Verein, der allen nicht Real Madrid Fans sympathisch war. Der unter Pep Guardiola auch für einen einzigartigen, attraktiven und faszinierenden Fußball stand. Aber dieser Verein ist halt tot. Auch Laporta bringt ihn nicht zurück.

Aber eine offene Frage steht ja doch gerade im Raum: Ist das, was Laporta gerade macht, wirklich Wahnsinn? Also das ist ja die Meinung, die man sonst überall hört. Barca verkauft seine Zukunft, damit die Gegenwart besser wird. Das hat Borussia Dortmund auch schonmal gemacht und da ging es richtig schief. Barca ist der einzige Verein der Welt, der kein Geld hat und trotzdem alle Spieler kauft. Ihr habt die Sätze garantiert auch alle irgendwo gelesen. Aber stimmt das?

Also zunächst mal empfehle ich euch, wie immer, erst mal das HITC Seven Video zu dem Thema. Da wird dann wirklich mal aus einer halbwegs neutralen Sicht auf diesen Transfersommer und dieses "Wie geht das" geguckt. Mit der Randnotiz, dass Betis Sevilla über eine ähnliche Finanzspritze nachdenken muss. 

Da muss man auch mal direkt mit einer Falschaussage aufräumen: Dortmund ist nicht der einzige deutsche Verein, der zukünftige Fernsehgelder veräußert hat. Also Michael Kölmel bekam zwischenzeitlich 13,75 % der TV-Einnahmen von... natürlich... Union Berlin. Diese Zahl wurde mittlerweile prozentual verringert, aber wahrscheinlich bekommt Kölmel praktisch mehr Geld, weil die 13 % ja noch für Zweitligaverträge ausgerechnet wurde. Aber wenn Union mit solchen Finanzspritzen den Aufstieg am Reißbrett plant, ist das Kult. Wenn Barca das macht, ist es Wahnsinn...

Und an der Stelle muss man eine Sache festhalten: Barca hat lediglich die nationalen TV-Rechte verscherbelt. Es geht immer nur um das Geld, welches in La Liga erwirtschaftet wird. Sie machen das ganz praktisch, damit sie weiterhin an die großen Geldtöpfe der Champions League kommen, was sie zwingend müssen. Und solange sie in 8 der nächsten 10 Jahre ins Viertelfinale plus X kommen, ist das auch ein gutes Geschäft.

Natürlich könnte Barca jetzt ein paar Jahre zum Konsolidieren einlegen und einen wirklichen Neuaufbau um die Talente Pedri und Ansu Fati wagen. Sie würden sich mit diesem Kader wahrscheinlich auch noch für die Champions League qualifizieren. Aber die internationale Saison würde halt ungefähr so verlaufen, wie die Letzte: Man droht in der Gruppenphase auszuscheiden. Und spätestens im Achtelfinale wäre definitiv Schluss. Man würde sich also zielgerichtet in die, wie ich es zu nennen pflege, Arsenal-Falle bewegen. Einem Verein, der jahrelang zur europäischen Spitze gehörte, bis er dann irgendwann nur noch gut genug war, um am Achtelfinale teilzunehmen. Das funktionierte 7 Jahre am Stück... bis man plötzlich nicht mal mehr an der Champions League teilnahm, weil andere, die mehr investierten, an einem vorbeigezogen sind. Und jetzt stehen sie vor der unlösbaren Aufgabe, dass sie irgendwie zurück in die internationale Spitze kommen wollen, in der es aber verdammt eng ist. Gerade für englische Vereine, die haben halt 6 Kandidaten für 4 Champions League Plätze.

Das ist ja die grundlegende Perversion des Fußballs: Wir haben 10 Vereine, die ins Champions League Viertelfinale einziehen müssen, damit ihre Bilanz nicht völlig aus den Fugen gerät. Diese Vereine müssen alle weiter hochrüsten, weil sie sonst nie wieder auf dieses Niveau kommen. Und gleichzeitig drohen "von unten" neureiche Klubs mit moralisch fragwürdigen Investoren nachzurücken. 

Damit kommt Laporta halt zu dem Schluss: Die einzige Chance Barca zu retten, ist halt diese Risikoinvestition. Denn das ist der einzige Weg, wie man weiterhin zu den Top 10 gehört. Da rauszufallen kann man sich halt auf keinen Fall leisten, dann geht man eh zugrunde. Da kommen halt die 1,3 Milliarden Euro Schulden, die er geerbt hat. Noch sind die Investoren gewillt, kurzfristige Schulden in langfristige Darlehen umzuwandeln, aber wenn Barca sich aus dem Kreis der Riesen verabschiedet, dürften die ungeduldig werden. 

Dazu kommt, dass Barca halt noch diese Strahlkraft hat, dass Spieler da unbedingt hinwollen. Also der eine oder andere Neuzugang hat ja auf Geld verzichtet, damit er für diesen Mythos spielen darf. Pedri hat seinen Vertrag verlängert. Aber dieser Mythos wird nicht ewig halten. Wenn Pedri dann irgendwann feststellt, dass es bei Barca halt nur noch ums Erreichen des Achtelfinales geht, zieht er halt doch unter Tränen weiter.

Man hat sich also in eine Falle manövriert, in der weiter investieren die einzige Möglichkeit ist. Also zumindest bis irgendwann die ganze Bubble platzt. Wenn einem das verstanden hat, wird einem bewusst, dass Laporta überraschend vernünftig handelt. Also so weit man im Rahmen des europäischen Spitzenfußballs vernünftig handeln kann.

Mittwoch, 28. April 2021

Super League Gedanken V: Die Superste Liga

Es gibt da dieses unausgesprochene Problem mit der Super League, dass mich fast am meisten an der ganzen Idee stört: Sie würde den Superreichen nicht wirklich helfen. Also klar, kurzfristig würde man verhindern, dass die Vereine pleitegehen. Aber in 15 Jahren würden die doch wieder an dem Punkt stehen, dass das Geld nicht mehr ausreicht und man "neue Märkte" erschließen müsste. Und dann würden Vereine aus New York, Los Angeles und Shanghai als nächste logischer Schritt in die Liga aufgenommen werden. Im Zweifelsfall auch mit Vereinen, die nur für diese Liga gegründet werden. 

Denn es ist ja nicht so, dass nicht genügend Geld da ist. Wenn die UEFA die Vermarktung des europäischen Wettbewerbes verschlafen hätte und der Fußball deswegen eine herausragende Stellung in Europa an die NBA verlieren könnte, dann würde ich den Impuls der Superreichen nachvollziehen können. Aber das Gegenteil ist ja der Fall, der europäische Wettbewerb wird so gut vermarktet, dass man immer mehr finanzielle Mittel bekommt und neue Märkte erschließt.

Das Problem ist halt, dass sich die Superreichen in einem sinnlosen finanziellen Wettbewerb verrannt haben und nicht mehr mit Geld umgehen können. Und nur weil noch mehr Geld da ist, wird diese Spirale ja nicht plötzlich gestoppt werden.

Das sieht man ja ganz deutlich an den Transfers in der Pandemie. Also klar, David Alaba ablösefrei zu verpflichten, ist prinzipiell eine gute Idee. Aber ihm die Gehaltswünsche, die die Bayern abgelehnt haben, zu erfüllen... und das bis ins Jahr 2026. Obwohl laut Florentino Perez gar nicht klar ist, wie man überhaupt bis 2024 durchhalten soll, ohne pleite zu gehen. Wie man solche Verträge abschließen kann, wenn man kurz vor dem "tot" steht, erschließt sich mir einfach nicht.

Und Real Madrid ist da ja nicht alleine. Barcelona hat offiziell 119 Millionen Euro ablöse bezahlt. Sie mussten ja "damals" den Tausch von Pjanic und Arthur mit Juventus Turin inszenieren, damit sich beide Vereine 60 Millionen Euro in die Bilanz schreiben konnten. Wie man überhaupt eine Lizenz bekommen kann, wenn man derartige Tricks anwenden muss, ist mir schleierhaft. Und warum das Financial Fair Play da nicht greift, ist auch nicht ganz klar.

Natürlich hat die Pandemie die Probleme der Vereine beschleunigt. Aber die haben doch schon vorher mit Vollgas auf den Abgrund zugehalten. Deswegen lagen die Super League Pläne ja schon in der Schublade: Die Vereine wussten alle, dass es so nicht ewig weitergehen kann, aber anstatt seine eigenen Handlungsweisen zu überdenken, spekuliert man lieber auf eine Super League.

Selbiges gilt auch für die Reform der Champions League. Auch darüber wurde schon vor der Pandemie, immer mit der Drohkulisse Super League, diskutiert und sie wäre auch ohne Pandemie gekommen. 

Die Vereine müssten halt auch einfach mal sagen: Können wir uns nicht leisten. Wenn die Berater und Spitzenspieler das nächste Mal an der Gehaltsschraube drehen wollen, muss man denen halt sagen: Das geht halt nicht mehr. Wir können das nicht bezahlen, suche dir jemanden, der es kann oder gehe auf unser Angebot ein.

Und der FC Bayern zeigt ja im Fall Alaba, dass dies durchaus möglich ist. Dass sich die Welt trotzdem weiterdreht. Natürlich kommen dann die Finanz-gedopten Vereine aus Paris und Manchester und zahlen das. Aber das ist dann halt so. Man wird ja als Real Madrid trotzdem noch sehr gute Spieler finden wird, die auch für etwas weniger Geld als man von den Scheichen bekommt, spielen werden. 

Dann gibt es halt nicht mehr 3 Champions League Siege in Folge, dafür steht man auf einem stabileren Fundament. Aber stattdessen wir nur weiter versucht noch ein Stockwerk auf das Hochhaus draufzusetzen, anstatt sich um genau dieses Fundament zu kümmern. Aber dadurch löst man die Probleme nicht, sondern verschiebt sie nur.

Dienstag, 27. April 2021

Superleague Gedanken Teil IV: Krieg der Fans

Fügt die Star Wars Melodie hier ein. Und den Lauftext: Es herrscht Aufruhr im Galaktischen Senat. Die Fans in den Stadien werden durch eine neue, dunkle Macht bedroht. etc. pp.

Derzeit wird ja überall behauptet, dass die Fans die Super League mit ihren Protesten verhindert haben. Und dann wurde immer davon gesprochen, dass aus Fans keine Kunden werden dürfen. Also als Unterstützung von der Vereinsseite. Selbst RB Leipzig glaubt daran, dass sie Fans und keine Kunden haben.

Ich halte das für unfassbar arrogant. Also in einer globalisierten Welt haben wir halt auch einen globalisierten Fan. Da hat der FC Bayern dann 30 Millionen Anhänger in den USA. Und natürlich kommt bei genaueren Umfragen raus, dass die Bayern Fans geworden sind, weil ihre Lieblingsspieler dort auflaufen. Aber sind diese Fans wirklich weniger wert, als die in München? Vor allem, wenn man bedenkt, dass die meisten Bayern Fans ja auch nur an dem Verein hängen, weil sie die besten Spieler haben?

Vor allem wenn man bedenkt, dass es ja im wesentlichen reiner Zufall ist, ob der 14-jährige fußballbegeisterte Jan oder Yan aus einem Loch in Deutschland oder in Asien geschlüpft ist. Aber es gibt halt diese unausgesprochene Vorqualifikation, die man mitbringen muss, um als vollwertiger Fan eines Deutschen Vereins sein will: Man muss auch Deutscher sein. Selbiges gilt natürlich auch für englische und spanische Fans.

Dass Yan sich nur keine Dauerkarte fürs Dortmunder Stadion kaufen kann, weil es für ihn schlicht nicht praktikabel ist alle 14 Tage nach Europa zu fliegen. Dafür spart er all sein Geld, damit er sich diesen für die doch ach so treuen Fans selbstverständlichen Traum ein Mal im Leben erfüllen kann. 

Aber Yan hat halt ein Problem: Er hat natürlich keinerlei Bindung zu Arminia Bielefeld. Er will, wie genau genommen überraschend viele Fans, hauptsächlich guten Fußball sehen. Mit möglichst vielen guten Spielern auf dem Platz. Diese Schützenfeste in der nationalen Liga langweilen ihn aber irgendwie. Deswegen denkt Yan sich: Geil, Super League. Da wird es für mich einfacher die wirklich hochwertigen Spiele zu verfolgen. Und die gibt es dann auch jede Woche. Perfekt, da bin ich Fan von!

Ist seine Haltung als Fan jetzt wirklich weniger wert, nur weil sie von weiter weg kommt? Eigentlich nicht.

Aber dieser Interessenskonflikt zwischen dem einen und dem anderen Fanlager lässt sich nur ganz schwer lösen. Und die einen sind viele, aber die anderen sind mehr. Noch setzen sich die einen durch, weil sie behaupten können, dass sie ja schon immer da waren.

Wenn dann in 15 Jahren Yin auch Dortmund Fan wird, weil sein Vater Yan ihn das von klein auf beigebracht und ihn so erzogen hat, wird es schon irgendwie schwieriger.

Und die Begeisterung für den Fußball ist ja global gesehen eher am Steigen. Diese ganzen Debatten über Korruption und Kommerzialisierung sind ja ein europäisches Phänomen. Dem Rest der Welt ist dies schlicht egal.

Man kann diese Emotionalität ja wirklich sehen, wenn die "großen europäischen Teams" und Schalke 04 in der Sommervorbereitung Weltreisen veranstalten. Wer sind wir, dass wir diese Fans zu "Kunden" deklarieren und festlegen, dass deren Emotionen nicht relevant sind?

Deswegen wird nebenbei auch, wenn es irgendwann ein Final 4 Turnier in der Champions League gibt, Finalspiele in New York, Los Angeles oder Shanghai geben. Und dann werden die europäischen Fans wieder aufschreien, dass das ja die reine Kommerzialisierung ist und gar nicht geht. Dass dies aber wahrscheinlich die einmalige Gelegenheit für die Fans vor Ort wäre, relevanten und hochwertigen Fußball im Stadion zu sehen, wird einfach ignoriert. Etwas, was die europäischen Fans aber halt im Monatsrhythmus geboten bekommen. 

Auch auf dieser Seite der Debatte gibt es nicht das eindeutig Gute und die definitiv Bösen. Deswegen ist es auch absurd zu sagen, dass die Super League nicht im Sinne der Fans wäre. Es wäre nicht im Sinne der europäischen Fans, das stimmt. Und das wird auch weiterhin so bleiben. Aber die globalen Fans dürften das anders sehen und könnten sich irgendwann mit ihren Wünschen durchsetzen. Das wäre dann halt auch nur der nächste Schritt der Globalisierung des Sportes.

Etwas, wovon der europäische Fan ja am Ende auch profitiert. Also wenn die Fernsehgelder es den Vereinen ermöglicht, tolle Spieler zu verpflichten und Fußballtempel zu errichten, ist man voll dafür, dass es diese "Kundschaft" gibt. Wenn diese Kundschaft dann doch auch ihre Ansprüche stellt, guckt man aber überrascht und will sie nicht mehr haben. Man will aber die tollen Spieler behalten und hofft deswegen trotzdem, dass die Kunden dabei bleiben. Ein ewiges Dilemma.

Ich habe da auch gar keinen Lösungsansatz für. Ich kann die Haltung der europäischen Fans ja auch verstehen und bin durchaus auch auf ihrer Linie, dass wir keine Super League brauchen. Aber der moralische Hügel, auf dem sie es sich bequem gemacht haben, ist genau genommen aus Arroganz gebaut.

Freitag, 23. April 2021

Super League Gedanken Teil III: Wir müssen eine neue Art des Abstieges bedenken

Eines der absurdesten Argumente für die Super League ist ja, dass der sportliche Wettbewerb eh schon ausgehebelt wurde. Es gibt halt in den europäischen Ligen keinen fairen Wettbewerb mehr. Deswegen ist die einzige Hoffnung für die Bundesliga ja, dass die Bayern einen richtig inkompetenten Trainer wie Jogi Löw verpflichten. Wobei ja selbst der ein wenig überforderte Niko Kovac das Double holte... und Carlo Ancelotti hat auch mehr seinen Vertrag abgesessen als wirkliche Trainerarbeit gemacht und trotzdem mehrere Titel geholt. Also selbst Löw dürfte die Dominanz der Bayern nicht sofort beenden... so unfassbar groß ist deren Vorsprung.

Wahrscheinlich könnten die Bayern ihre Aufstellungen in der Liga ein Jahr lang auswürfeln und sie würden trotzdem Meister werden... also zumindest, solange die Spieler die Herausforderung annehmen. 

Dennoch haben selbst die Bayern Angst vor einem Abstieg. Was völlig absurd erscheint, es gibt kein realistisches Szenario, in denen einer der 12 Superteams oder Bayern und Paris absteigen. Eine andere Bedrohung gibt es aber schon: Dass es richtig Scheiße läuft und man die Champions League verpasst. Und das würde schon ein richtig heftiges Problem auslösen. Deswegen wird man in München ja auch sofort entlassen, wenn man auf Platz 4 abrutscht. Die reagieren dann halt genauso panisch wie ein Kellerkind im Abstiegskampf... weil die Auswirkungen für die Bayern genauso drastisch wären, wie ein Abstieg für eines dieser Kellerkinder.

Das zeigt ja, wie krank das System Spitzenfußball mittlerweile ist: Die Millionen aus dem Europapokal sollten eigentlich ein netter Zuverdienst sein... aber mittlerweile sind sie der Sauerstoff, den die Mannschaften zum Überleben brauchen.

Also es gibt genügend Beispiele von Vereinen, die überraschend die Qualifikation und dann extrem eingebrochen sind. Schalke 04 ist das aktuell drastischste Beispiel, weil da der Niedergang im Zeitraffer verlief. Und für Schalke gibt es Leeds United als historisches Beispiel, wie weit bergab es noch gehen kann: Die wurden nach dem Verpassen der Champions League bis in die Dritte Liga durchgereicht, bevor sie jetzt langsam wieder auf die Beine kommen.

Manch einer erinnert sich vielleicht noch an die Beinah-Insolvenz von Borussia Dortmund, die im Wesentlichen durch das einmalige überraschende Ausscheiden in der Champions League Qualifikation ausgelöst worden ist. Nun werden die Dortmunder jetzt sagen: Wir haben ja daraus gelernt! Aber wenn sie ganz ehrlich sind, wollen sie nicht wirklich ausprobieren, wie viel besser man derzeit wirtschaftet und ob man sich einen 5. oder 6. Platz wirklich leisten kann...

Vor allem steht eines fest: Dauerhaft kann man sich das nicht leisten. Vielleicht kann man Erlin Haaland ein Jahr ohne Champions League halten, danach muss man ihn dann aber verkaufen. Und man wird nur bedingt in der Lage sein sich weiterhin herausragende Talente zu verpflichten. Sprich: Wenn man jetzt nur Platz 5 erreicht, wird einen das auf Jahre zurückwerfen.

Das sind auch Dinge, die man bei der Gründung dieser Super League bedenken muss. Denn das an sich Absurdeste war ja, dass die Premiere League bei dieser Idee so stark vertreten war. Das ist doch die reichste Liga der Welt. Einer Eier legende Wollmilchsau. Die können doch gar keine finanziellen Probleme haben.

Und dann fängt man an zu zählen... Und wenn man nicht beim DFB angestellt ist, kann man wahrscheinlich bis 6 Zählen: Manchester City und United, Liverpool, Chelsea, Arsenal und Tottenham sind 6 Vereine, die in ihren Plänen beinahe zwingend auf die Champions League Millionen angewiesen sind. Es gibt aber "nur" 4 Startplätze. 

Also gab. Denn still und heimlich kommt die neue Champions League Reform mit zwei weiteren Tickets, "die über eine Koeffizientenregel an Klubs vergeben, die die Qualifikation über den nationalen Wettbewerb verpasst haben, allerdings den höchsten UEFA-Klub-Koeffizienten aus den vergangenen fünf Jahren aufweisen." Und zumindest einer dieser beiden Plätze wird garantiert an den 5. Premiere League Klub gehen. Wahrscheinlich gehen sogar beide nach England.

Gerade Arsenal ist ja DAS Paradebeispiel für den schleichenden Abstieg eines Champions League Teilnehmer: 2006 stand man noch im Finale. Dann begann der schleichende Abstieg. Bis 2010 war es noch die Ausnahme, wenn man vorm Viertelfinale ausschied. Danach wurde das Aus im Achtelfinale plötzlich die Norm. 7 Jahre in Folge scheiterte man dort. Bis ein mal überraschend die Qualifikation komplett verpasste. Damals dachte man sich noch: Kann bei 5 Kandidaten ja ausnahmsweise mal passieren. Damals hat man allerdings auch noch jährlich St Totteringham's Day gefeiert. Aber sobald die Einnahmen aus der Champions League einmalig ausblieben, blieb auch dieser Feiertag aus. 

Mittlerweile ist man Tabellenneunter... und um Weihnachten rum drohte ein Absturz in die Abstiegszone. Die realistischste Hoffnung auf eine Rückkehr in die Champions League stellt die Europa League dar, die man dieses Jahr gewinnen könnte. Nebenbei muss sich die Vereinsführung mit der Frage beschäftigen, wo die Reise langfristig hingeht, wenn man nicht schnell wieder an der ganz großen Tafel speist. 

Und Arsenal ist ja nur die Mannschaft, die am weitesten ins Hintertreffen geraten ist. Auch Manchester United hatte zuletzt immer wieder Probleme sich für die Champions League zu qualifizieren... Selbst beim ehemals reichsten Klub der Welt erlebt man gerade den Wandel von "Finalteilnehmer 2011" zu "Es reicht nur noch fürs Achtelfinale... wenn überhaupt". Seit 2011 scheiterte man 3 Mal in der Gruppenphase und verpasste 2014/15 und 2019/20 sogar diese. Dagegen erreichte man nur 2 Mal das Viertelfinale. Für eine Mannschaft, die vorher 3 von 4 Jahren im Finale stand, ist dieses Viertelfinale auf ein Mal das Limit. Und es sieht ja nicht so aus, als würde sich das zeitnah ändern.

Arsene Wenger wurde früher belächelt, als er von der "Wenger Trophy" sprach. Aber genau genommen war er nur viel zu optimistisch. Für die Stammgäste in der Champions League ist Platz 5 in der Liga genauso schlimm, wie für Mainz, Freiburg oder Augsburg ein Abstieg in die 2. Liga: Wenn man diesen Betriebsunfall nicht innerhalb eines Jahres korrigieren kann, wird er sehr schnell lebensbedrohlich. Eine oder 2 Saisons im Unterhaus kann man vielleicht noch verkraften, danach wird es sehr schnell finster. Realistisch gesehen sind Freiburg und Mainz sogar wesentlich robuster aufgestellt, als die angeblich Superreichen...

Wenn man sich dessen aber bewusst wird, versteht man auch, warum gerade plötzlich so viele Engländer an dieser Revolution teilnehmen: Sie haben sich in eine Situation manövriert, in der sie teilnehmen mussten, weil die Premiere League alleine nicht mehr allen 6 die Überlebensgrundlage bieten kann.

Und es zeigt halt auch wieder, wie kaputt das System ist. Denn ursprünglich war der Europacup mal eine Möglichkeit sich international in einem sportlichen Wettkampf zu messen. Also in den 60er Jahren dürfte es sich finanziell echt nur bedingt gelohnt haben, da ging es wirklich ums Prestige. Und dann wurde es ein sportlicher Vergleich mit angenehmen finanziellen Vorteilen. Mittlerweile ist der sportliche Vergleich sekundär und völlig verwässert, das Geld dafür aber überlebenswichtig.

Wirklich pervers wird es, wenn man sich bewusst macht, dass selbst die Teilnahme an der Gruppenphase nicht wirklich ausreicht um den Lebensstandard zu sichern. Arsenal beweist doch, dass selbst regelmäßige Teilnahmen im Achtelfinale nur zu einem schleichenden Niedergang führen. Man muss halt am Ende ins Viertelfinale, damit man sein Niveau halten kann. Und da setzt dann die Mathematik endgültig aus, weil 12 Vereine ihre Lebensplanung auf ein Festmahl auslegen, an dem es nur 8 Teilnehmer geben kann. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Und das wissen die auch. Deswegen haben sie ja diesen fast schon verzweifelten Versuch gestartet. Denen ist halt auch bewusst, dass das derzeitige System so nicht weiter funktionieren kann. 

Aber anstatt sich zurückzunehmen und die eigenen Ausgaben zu senken, sucht man lieber nach Möglichkeiten noch mehr Umsätze zu generieren, damit man selber noch ein paar Jahre weiterfeiern kann... Denn das ist ja das eigentliche Problem, womit wir uns als nächste beschäftigen... Also Dienstag oder so...

Mittwoch, 21. April 2021

Super League Gedanken Teil II: Dass Karlheinz Rummenigge sich jetzt als der "Gute" profilieren kann

 Dabei ist der Mann nur cleverer.

Hier wurde Karl-Heinz Rummenigge ja immer als das bezeichnet, was er ist: Ein Populist, der ausschließlich an die Vorteile seiner Bayern denkt, sich aber gerne als Moralapostel aufführt. Er ist dadurch auch zum Lieblingsfeindbild dieses Blogs geworden. Gerade, weil seine Aussagen so selten kritisiert worden sind. Und jetzt... steht dieser Mann auf ein Mal für das Gute im Fußball? Wie hat er denn das hinbekommen?

Nun ja... wahrscheinlich mit ein wenig Weitsicht. Also dass Kalle von der Super League nichts gewusst hat und von diesem Vorschlag überrumpelt wurde, kann mir keiner erzählen. Schließlich kennt er Florentino Perez seit Jahren "gut, er ist ein ausgesprochen seriöser Kaufmann." Er hat ja genau diese "Super League Drohkulisse" immer genutzt um seine Reformagenda in Sachen Champions League zu pushen.

Ihr erinnert euch noch? Diese Reform mit den "Schweizer System"? Mit den 10er Gruppen und den im Idealfall 100 zusätzlichen Spielen? Wogegen die Fans eigentlich in dieser Woche auf die Barrikaden gehen wollten? Genau diese Reform ist am Montag im Windschatten der Empörung durchgedrückt worden. Und sie wirkt ja auf ein Mal auch wie die bestmögliche Lösung.

Diese Champions League Reform wurde ja der UEFA mehr oder weniger von der ECA diktiert worden ist. Und wer soll der neue ECA Präsident werden? Da kommt ihr nie drauf: Der Kalle! Der hat nicht mal den Anstand ein paar Monate zu warten, bis sich die Wogen geglättet haben, sondern übernimmt direkt auf dem Höhepunkt der Eskalation das Ruder. Und wird uns, wenn dieser Schreck dann hoffentlich bald vorbei ist, erzählen, wie toll und im Sinne der Fans doch diese Reform ist. 

Was Rummenigge einfach besser abschätzen konnte als Perez, war das negative Feedback, was diese Idee auslösen würde. Das mag daran liegen, dass er sich in der Deutschen Fußballkultur ständig mit Protesten gegen das 50 + 1 beschäftigen muss. Und das die Fans hier gerade erfolgreich die Montagsspiele abgeschafft haben, während ja in England, Spanien und Italien seit Jahren hemmungslos an der Stellschraube "Mehr Einzelspiele" gedreht worden ist. Die Premiere League hat ja die Pandemie direkt genutzt um wirklich jedem Spiel seine individuelle Anstoßzeit zu geben. Und gerade in England wurden Investoren und die Ausrichtung am internationalen Markt von den Fans bisher immer geschluckt. Das war halt der Preis für den Titel "Beste Liga der Welt". Und still und heimlich wollen wir halt doch alle die Besten der Besten der Besten möglichst oft sehen.

Das ist halt auch die hässliche Wahrheit hinter diesem an sich sehr schönen "We wan't our cold nights in Stoke" Schild, welches ein Chelsea Fan zu den Demonstrationen brachte. Denn die bittere Wahrheit lautet: We wan't to see all those shiny Stars on that cold night and those are expensive...

Das eigentlich faszinierende an dieser Woche ist doch, wie überrascht die Bosse der 12 Super League Vereine über das allgemeine Feedback sind. Die werden mit dem Widerstand der UEFA gerechnet haben. Mit einem leisen Murren der Fans, wie die halt immer leise Murren, wenn was Neues kommt. Aber das die Fans laut aufschreien? Dass sich Jürgen Klopp und James Milner mit ihnen solidarisieren? Dass Jordan Henderson eine Krisensitzung seiner Kollegen einberuft? Dass Gary Neville fordert diesen Vereinen Punkte abzuziehen? Dass die Fans von Liverpool vor Ort ihren Verein zu Grabe tragen? DAMIT haben sie in der Heftigkeit garantiert nicht gerechnet. 

Und auch nicht damit, dass die Bayern, Paris St.Germain und Dortmund einfach nein sagen. Die werden schon mit genau diesen 3 Vereinen als "zusätzliche Gründungsmitglieder" gerechnet haben. Wobei... man muss ja etwas genauer hingucken... Während das Dosenprodukt RB Leipzig, die doch auf genau solche Projekte gewartet haben, werden plötzlich zum Verfechter des sportlichen Wettbewerbes. Während Dortmund genau genommen sagt: "Wir müssen erst Mal warten, was unsere Aktionäre dazu sagen und dann können wir die Meinung der Fans in Betracht ziehen"... Das trifft genau meinen Komiknerv. Das muss diese Wahre Liebe sein, von denen die Dortmunder immer reden.

Rummenigge hat genau damit gerechnet und sich deswegen aus diesen Planungen rausgehalten. Wohl wissend, dass seine Bayern am meisten profitieren, wenn dieses Vorpreschen kläglich scheitert, die Champions League Reform aber genau deswegen plötzlich sympathisch aussieht und durchgedrückt werden kann. Und wenn dann doch Widersprüche gegen "seine Ideen" kommen, zeigt er mit dem Finger auf diese Tage und sagt: Ich hab euch doch schonmal gewarnt, dass genau so was kommen wird! Hört auf mich! Ich und meine Reformen können so eine Eskalation verhindern.

Und das, obwohl auch Rummenigges Ideen den Fußball nur noch kaputter machen. Sie machen es nur etwas langsamer und weniger drastisch als es die Super League. Aber er lässt es halt in genau dem Tempo geschehen, in dem es den Bayern am meisten bringt.

Das ist wie immer auch gar kein Vorwurf an den Bayern Präsidenten. Sein einziger Job besteht darin die Überlegenheit der Bayern zu sichern. Und diesen Job macht er herausragend gut. Aber man sollte ihn halt nicht mit einem Samariter verwechseln, der das Beste für die Bundesliga im Auge hat. Oder sich wirklich um den kleinen, gemeinen Fan kümmert.

Mein absolutes Lieblingsszenario wäre es ja, wenn Chelsea, Real und Man City jetzt wirklich sofort aus der Champions League ausgeschlossen werden und dann durch den FC Bayern ersetzt werden, die wieder in den Wettbewerb integriert werden. Denn auf die Einnahmen wird man ja nicht verzichten wollen und das Stadion fürs Finale ist ja schon gebucht. Dieses Finale Bayern - Paris wird als Treffen der Retter der Champions League vermarktet: der ultimative Gipfel der ehrenvollen Ritter des europäischen Fußballs. Und Kalle guckt sich dann die Enthauptungsvideos von Systemkritikern oder Schwulen auf dem Handy von seines Logennachbarn aus dem Qatar an und lächelt gemeinsam mit diesem. Schöne neue Fußballwelt.

Dienstag, 20. April 2021

Super League Reaktionen Teil 1: Jetzt zeigt sich das Problem mit der UEFA und FIFA

Es wäre halt echt geil, wenn man eine moralische Instanz im Fußball hätte. Eine Organisation, die nicht durch Vetternwirtschaft und Korruption geprägt und nur auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Und eine Organisation, die nicht auf die Menschenrechte scheißt. Das wäre unbezahlbar.

Denn dann könnte man sich jetzt als moralische Instanz aufspielen. Sich zum heiligen Hüter des wunderschönen Spieles erklären. Und darauf verweisen, dass man selber ja auch verzichtet hat. Stattdessen hat man ja selber ständig an Plänen zur weiteren Eskalation der Umsätze geschmiedet. Auch wenn man das natürlich als "Wir wollten genau das Verhindern" verkauft hat. Aber man hat halt auch das Teilnehmerfeld bei der Europameisterschaft vollkommen unnötig aufgestockt, weil es dann wahrscheinlich mehr Geld gibt. Und auch wenn ich die Nations League offensiv verteidigt habe, so fällt sie am Ende doch in die "Damit machen wir halt mehr Umsätze" Kategorie. Machen wir uns nichts vor: Wenn es ein Zuschussgeschäft wäre, welches wirklich nur etabliert wird, damit die kleinen Nationen sich untereinander messen, würde die UEFA das nie machen.

Und damit manövriert sich die UEFA mit ihren Reaktionen in eine sehr ungünstige Position. Denn im Wesentlichen ist ihr einziges Argument: "DAS DÜRFEN NUR WIR! IHR HABT KEIN RECHT DAZU!" Aber warum sollte das Kommerzialisierungsmonopol wirklich bei der UEFA liegen? Weil sie die ersten waren, die es gemacht haben? Gibt es dafür ein Patent? Ich glaube nicht.

Im Wesentlichen sagen die 12 Verrätervereine ja nur: "Eure Champions League Reform geht uns nicht weit genug." "Ihr wollt bis 2024 warten? So viel Zeit haben wir nicht!" Und natürlich ein "Am Ende generieren wir die Umsätze für euch, also sollten wir auch die Regeln bestimmen."

Und auf die Frage, warum das nicht geht, sagt die UEFA nur "na, weil das eben nicht geht." Dabei hat man doch mit seiner Selbstgefälligkeit, seinen Skandalen und dem vorantreiben der Kommerzialisierung selber den Nährboden für diese Bewegung gegeben. Und jetzt sind sie vollkommen überrascht, dass sie nicht die Einzigen sind, deren Gier unendlich ist.

Wie kaputt der Fußball als ganzes ist, verdeutlicht sich ja daran, dass Paris St.Germain plötzlich die Guten sind. Eine dieser Mannschaften, die ganz offensichtlich aufs Financial Fair Play scheißen... oder zumindest beim Kylian Mbappé Transfer tricksen mussten, damit der nicht im selben Jahr in den Büchern steht, wie der Neymar Transfer, obwohl beide seit Sommer 2018 für die Scheichs spielen.

Die Ansetzung Manchester City gegen Paris war ja vorher schon das Duell "Bad vs Evil". Die Frage, ob nicht irgendwie beide ausscheiden können? Jetzt ist Paris auf ein Mal der eine Verein, der keinen Ausschluss befürchten muss und automatisch zum Sieger erklärt werden könnte... Weil die anderen Vereine sich als noch böser geoutet haben. Zumindest aus der Sicht der UEFA.

Die Standpunkte der UEFA wären allesamt überzeugender zu vertreten, wenn sie behaupten könnten: Wir haben bei der Europameisterschaft einerseits auf eine Aufstockung verzichtet, anderseits die kompetitive Integrität gewahrt. Da aber niemand genau nachvollziehen kann, wie sich Nordmazedonien für die EM qualifiziert hat und warum wir unbedingt 24 Teilnehmer brauchen, bricht dieses Fundament zusammen. Und das den jüngsten Deutschland-Bezwinger gar nicht abwerten, aber ich habe bis heute halt nicht verstanden, wie sich die Nations League auf das Teilnehmerfeld der EM auswirkt. Und warum das geschlossene System "Eine Qualifikation, ein Turnier" aufgebrochen werden musste. 

Der Moderne Fußball ist seit Jahren kaputt. Und das auf allen Ebenen. Wem das erst jetzt auffällt, sollte sich fragen, welchen Sport er die letzten 20 Jahre gesehen hat. Und es sollte niemanden wirklich überraschen, wenn auch die Vereine weiter an der Eskalationsschraube drehen. Die sind halt auch nicht besser oder schlechter als die UEFA oder die FIFA.