Montag, 27. Juli 2020

Passives Abseits Leser wissen es exklusiv: Es wird mehr Corona Fälle geben

Normalerweise wird hier ja gerne darauf hingewiesen, wie oft ich mit mehr oder weniger extremen Thesen Recht behalten habe. Dann mach ich mir nen Bier auf und beweihräuchere mich an meiner Weitsicht. Aber hin und wieder greift man auch daneben. Und dann greift man im Fall von Pal Dardai bei der Anerkennung des Fehlers wieder ins Klo... ups.

Und genau so einen Fall hatten wir auch gerade wieder. Es war ja meine persönliche Überzeugung, dass wir vor Saisonende über einen erneuten Abbruch reden müssen, weil es weitere Covid-19 Fälle geben wird. Weil das Hygienekonzept viel zu optimistisch angelegt wurde und es keinerlei Pläne gab, was passiert, wenn es einen positiven Fall gibt. Und die Fälle bei Dynamo Dresden gaben mir ja recht. Dass die DFL vorher nicht mit den örtlichen Behörden darüber geredet hat, was passiert, wenn es positive Fälle gibt, war unfassbar naiv. Und deswegen versucht Dresden jetzt zu klagen. Das hätten die gleich machen sollen... oder auf ein Aussetzen der Relegation pochen... aber Weitsicht war noch nie Dresdens Stärke. Die können halt nur so weit gucken, wie das Dynamo Licht gibt... und jeder, der sein Fahrradlicht noch mit so einem Teil betrieben hat, weiß, dass das nicht sonderlich viel Licht gibt...

Aber abgesehen von diesem einen wirklich unfairen Fall... kamen wir perfekt durch den Re-Start. Die Fans haben sich weitestgehend (also bis auf den Klassenerhalt bei Union Berlin) vorbildlich verhalten. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Bayern-Fans eine Meisterschaft nicht mehr wirklich auf der Straße feiern, ist halt Buisness as usual... Und ja, ich habe irgendwie auch befürchtet, dass die Ultras einen Abbruch herbeiführen werden und das dann als wichtigen Protest gegen die Kommerzialisierung auslegen. Das hätten die auch gekonnt. Aber sie haben halt doch drauf verzichtet und stattdessen "nur" Plakate im Stadion aufgehangen.

Aber bevor ihr verächtlich nach Liverpool guckt, sollte euch eines bewusst werden: Wenn Borussia Dortmund Meister geworden wären, hätte es dieselben Schlagzeilen auch im Ruhrgebiet gegeben. Und wenn Bielefeld wirklich existieren würde, hätten die da auch den Aufstieg entsprechend gefeiert.

Aber selbst wenn... wären diese Fälle ja für die geschlossene Leistungsgesellschaft egal gewesen. Also in Berlin wurde ja gefeiert, weil das Saisonziel sicher war. Und man raffte sich trotzdem zu einer ordentlichen Leistung am letzten Spieltag auf. Ein wirkliches Eingreifen in die in die Tabelle gab es deswegen nicht.

Hier ist halt meine Frage: Lag das wirklich am Hygienekonzept der DFL, oder war das einfach nur "Glück"? Also das Vorreiterprojekt aus Deutschland ist ja von vielen anderen Nationen dann so übernommen worden. Also bei unseren Nachbarn aus der Schweiz wurde vor 2 Wochen über einen erneuten Abbruch diskutiert, weil es beim FC Zürich 10 Coronafälle gab und sie deswegen mit ihrer Reservemannschaft antreten mussten. Der FC Zürich hat wenig überraschend die letzten 4 Spiele allesamt verloren. Immerhin verspielt man so "nur" die Europa League und nicht gleich den Klassenerhalt.

In Russland durfte der FK Rostow ein Mal ausschließlich mit Jugendspielern antreten, weil die eigene Profimannschaft noch in Quarantäne war und die Show halt wieder losgehen musste. Man verlor 1:10. Auch wenn deren weiterer Saisonverlauf die Frage mit sich bringt: Hätte Dynamo Dresden vielleicht auch einfach ein Spiel mit der Jugendmannschaft abschenken sollen und dadurch den Terminkalender entspannen?
Nebenbei, als kleiner Fun Fact, rettete der FK Sotchi, also der Gegner der Jugendmannschaft, sich praktisch mit genau diesem Spiel. Wenn die da nur Unentschieden spielen, fehlen ihnen Plus 9 Tore und 2 Punkte, dann sind sie hinter Samara. Nur um mal zu erwähnen, wie krass die Corona Auswirkungen auf die Erstliga Tabellen im Ausland sind.

Oh und die Aufstiegsfrage in Spanien kann gerade schlecht geklärt werden, weil CF Fuenlabrada gerade in einem Hotel in La Coruna in Quarantäne sitzt... 

Die hatten ja auch alle ein Hygienekonzept. Ob das jetzt nicht so gut umgesetzt worden ist... oder ob wir in Deutschland als gesamte Gesellschaft und unabhängig von der DFL dafür gesorgt haben, dass das bei uns "gut" ging... das ist halt die Frage nach dem Huhn und dem Ei.

Also unser derzeitig größtes Corona Problem ist ja, dass wird auf Grund der dann irgendwann ergriffenen Maßnahmen zu gut durch die Krise kamen... und die Regierung sich deswegen jetzt Vorwürfe von Verschwörungstheoretikern machen lassen muss. Ich bin schon 2 Mal über solche Demos gestolpert und musste dann unbedingt sicher stellen, dass die mich nicht heimlich als Demonstrant mit zählen... Aber man kann ja an anderen Ländern gut erkennen, wie sich die Krise entwickelt hätte, wenn die Gesundheit nicht an erste Stelle steht, sondern die Wiederwahl... Und ja, in den USA verläuft der Start der MLS wesentlich schlechter als die Bundesliga. Da wurden direkt einige Mannschaften komplett ausgeschlossen, weil sie zu viele Corona Fälle hatten.

In erster Instanz sollten wir alle froh sein, dass es bei "uns" so glatt gelaufen ist. Und wir sollten nur wegen der "Erfolge" im Land nicht leichtsinnig werden. Also ehrlicher Weise muss man ja sagen "noch leichtsinniger"...
Dass die deutsche Fußballsaison vernünftig durchgezogen werden konnte, ist ein Grund zum Durchatmen, aber es ist kein Anlass seine Masken wegzuwerfen und exzessiv zu feiern.

Bleibt gesund und nehmt Rücksicht auf andere. So als motivierende Botschaft am Ende...

Donnerstag, 23. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Bayern München

Bringen wir es zu Ende. Und gucken wir mal, wie viel Neues wir bei den Bayern finden.

Als aller erstes müssen die Bayern halt aufhören Spieler zu verpflichten, um die Konkurrenz zu schwächen... und sich in der Breite zu verstärken. Natürlich behauptet ein Karl-Heinz Rummenigge, dass man das noch nie gemacht hätte. Aber das ist derselbe Typ, der euch auch eiskalt anlügt, wenn er behauptet, dass die Bayern die Allianz-Arena ohne staatliche Fördergelder gestemmt haben, obwohl man für den Stadionneubau auch mal eine U-Bahn Station ausbauen und verlegen musste... woran sich dann doch wieder Stadt und Land beteiligt haben... Also ja, Rummenigge ist gut darin, die eigenen "Leistungen" zu verklären und beschönigen. Der will ja auch bis heute nicht einsehen, dass die Bayern von den Leistungen ihrer Nationalspieler bei den großen Turnieren profitieren und die Millionenumsätze in der Bundesliga durchaus durch die immer günstig getimten Weltmeistertitel beeinflusst worden sind.

Nehmen wir mal als Paradebeispiel Michael Cuisance. Den holte man sich aus Gladbach um... also.. nun ja... die 2. Mannschaft zu verstärken? Die Bank zu wärmen? Auf die Frage, ob Bayern Meister wird, hatte Cuisance jedenfalls 0 Einfluss... aber er hätte die Borussia auf Platz 3 führen können. Das ist einer der klassischen "Wir bedienen uns in der Liga, um uns in der Breite zu verstärken" Transfers. Und genau die Schaden der Liga. Und erfahrungsgemäß hilft das den Spielern auch nur bedingt, siehe Baumjohann oder Schlaudraff.

Nebenbei habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn sich die Bayern Spitzentalente wie Mario Götze unter den Nagel reißen, auch wenn das am Ende auch nur nicht funktioniert hat. Oder halt jetzt die beiden jungen Talente aus Hoffenheim für die Jugend. Aber man holt sich halt zu viele Talente als "Risikoanlage". Wobei es ja eigentlich für sie eine "Risikolose Anlage" ist, denn im schlimmsten Fall schwächen sie halt die Konkurrenz, verlieren aber selber nichts. Der Anspruch bei der Talentverpflichtung muss "Supertalente holen" heißen. Alles andere kann sich auch woanders entwickeln und man kann es sich dann für 15 Millionen mehr an Ablöse holen. Das ist aber auch ein alter Schuh.

Das neue und eigentlich spannende Projekt in München ist ja Jochen Sauer. Also die Bayern haben anscheinend genau den Schritt gemacht, den die Dortmunder dringend machen müssen: Sie haben erkannt, dass die Jugendarbeit nicht die Arbeit macht, die sie muss und sich entsprechend neu aufgestellt. Jetzt sind sie nebenbei auch Drittliga Meister. Und das ist ein gutes Zeichen für die gesamte Liga.

Denn sein wir mal realistisch: Dass die Bayern-Talente direkt beim Rekordmeister durchstarten, ist eher unwahrscheinlich. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Man kann die ja, wie man es früher auch gemacht hat, für 2 Lehrjahre verleihen. Möglichst in die Bundesliga. Die Beispiele Philipp Lahm und Toni Kroos beweisen ja, dass davon alle Beteiligten profitieren. Also wenn die Bayern für jeden Cuisance, den sie aus dem Talentpool rausziehen, 2 andere brauchbare Spieler in die Bundesliga abgeben, gewinnen am Ende alle. Und der Anspruch der Bayern muss nicht zwingend sein, dass man jedes Jahr einen Spieler für die eigene Mannschaft ausbildet. Der Anspruch muss sein, dass ein Kroos oder ein Lahm bei ihnen die beste Ausbildung in einem hochwertigen Umfeld genießt, während man nebenbei jedes Jahr brauchbare Bundesligaprofis ausbildet.

Der wirklich spannende Name lautet da also Jonathan Meier, den die Bayern an Mainz 05 verkauft haben.

Nebenbei ist es an der Stelle auch völlig albern über eine 2. Mannschaft in der 2. Liga zu philosophieren, nur weil man nach Jahrzehnten tatsächlich mal einen guten Jahrgang hat. Denn auch für einen Zweitligastar ist der Sprung zu den Bayern nach wie vor zu groß. Das eigentlich sinnvolle wäre dagegen, um im ganz großen Rahmen zu sprechen, eine Reserverunde für alle Bundesligisten. Natürlich müssten das alle Bundesligisten auch entsprechend ernst nehmen und wenn man bedenkt, wie viele ihre 2. Mannschaft komplett abgemeldet haben... Aber gerade für die Bayern wäre das extrem sinnvoll.

Lasst mich das mal an einem anderen Beispiel als Cuisance erklären. Dieser würde aber auch gut funktionieren. Wir nehmen aber Joshua Zirkzee. Zirkzee ist sowieso ein spannendes Studienobjekt, weil er beweist, wie weit weg der Bundesligakader der Bayern vom Rest entfernt ist. Denn Zirkzee, obwohl eigentlich für die 2. Mannschaft eingeplant, hat in der Bundesliga doppelt so oft getroffen wie in Liga 3. Obwohl er mehr als doppelt so viele Minuten in der 3. Liga abgerissen hat.
Das ist nebenbei genau das, was ich mit dem Thomas Müller Effekt immer meine: Die Bayern haben so viele (für die Bundesliga) herausragende Akteure in ihren Reihen, dass es selbst eher durchschnittlichen Mitläufern wie ein überragender Stars aussehen. Wenn man sie dann allerdings in ein normales Umfeld mit gleichstarken Mit- und Gegenspielern aussetzt, kommen sie nicht annähernd so gut klar.
Aber der Fakt, dass selbst recht erfolglose Drittligastürmer in der Bundesliga eine überragende Trefferquote aufweisen, wenn sie neben Robert Lewandowski spielen, sollte doch die Bayern motivieren, ihre eigenen Talente wesentlich aggressiver in die erste Mannschaft einzubauen. Zumindest als Einwechselspieler. Gerade falls die 5 Wechsel erhalten bleiben.

Aber so was ist natürlich wesentlich einfacher zu koordinieren, wenn die Reservemannschaft am Tag vor oder nach dem Bundesligaspiel in derselben Stadt spielt. Dann lautet die Frage nicht mehr "In welchem Kader sollte Zirkzee stehen", sondern "Wie viele Minuten kann er am Wochenende maximal spielen?" Gerade wenn man bedenkt, dass Zirkzee und Cuisance zusammen 30 Mal ohne "Einsatz im Kader" auf der Bank saßen.
Es bleibt natürlich festzuhalten, dass die Bayern ihre Möglichkeiten da schon weitestgehend ausreizen und Zirkzee auch so oftmals in beiden Kadern gestanden hat. Aber anstatt auf 16 Einsätze in Liga 3, würde er dann auf 30 in der Reservemannschaft kommen.

Natürlich ist das Hauptproblem bei dieser Reserverunde das Spielniveau. Also das sollte halt schon regelmäßig mindestens auf Drittliga Niveau bewegen, damit die Idee Sinn ergibt. Das wäre für alle Mannschaften extrem sinnvoll, allein schon weil man dann seine von Verletzungen zurück kommenden Spieler wieder vernünftig an den Wettbewerb heranführen kann, ohne das es in einer tabellarisch relevanten Liga zu Wettbewerbsverzerrungen kommt. Und ja, eigentlich sollten die Bundesligisten auch ein gewisses Interesse daran haben ihre jungen Stars im eigenen Haus an die Bundesliga heranzuführen. Also das Mannschaften wie Bayer Leverkusen lieber verleiht als die 500.000, die so eine Reserve zusätzlich kosten würde, in die Hand zu nehmen, ist mehr als bedenklich. Eintracht Frankfurt hat diesen Schritt so weit bereut, dass sie ihn rückgängig gemacht haben.
Man kann dann an den Leistungen in dieser Liga auch gut abschätzen, wie ernst die Bundesligisten ihre Talentförderung wirklich nehmen. Und die cleveren Talente gehen zu den Vereinen, die ihnen von U19 über die Reserve einen Weg in die erste Liga aufzeigen... und nicht zu den Vereinen, die sagen "Dann schicken wir dich 2 Jahre weg, vielleicht wird da aus dir etwas..."

Und selbst wenn Bayern II dann auch in der Reserveliga so überlegen ist, dass die alles gnadenlos abschießen... vielleicht ist das ja auch für alle die beste Vorbereitung auf die harte Realität "Bundesliga"...

 Es gab ja jahrelang das "Meme", dass Real Madrid sich von ihren eigenen ehemaligen Talente, die aber im eigenen Verein nichts wert waren, abschießen ließ. Und das ist dann immer als Vorwurf formuliert worden, obwohl es auch nur bedeutete, dass Real Madrid auf einem ordentlichen Niveau ausbildet. Selbst wenn viele ihrer Spieler nicht gut genug für einen absoluten Spitzenverein sind, so sind sie immer noch in der Lage, diesen vor Herausforderungen zu stellen.
Den Bayern ist dies verdammt lange nicht mehr passiert, denn die haben halt nur Marco Friedl und Felix Götze ausgebildet. Und ja, Felix Götze dürfte einer der ganz wenigen Bayern-Azubis sein, die in den letzten 10 Jahren gegen die Bayern getroffen haben. Jetzt könnte man langsam in die Position kommen, dass einem so was regelmäßiger passiert. Und das ist ein gutes Zeichen für die Liga.

Dienstag, 21. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Borussia Mönchengladbach

Ups... ich hab nen Benioff und Weiss gebaut... I kind of forgot about Borussia Mönchengladbach.

Aber dann lächelt Max Eberl mich von kicker.de an... und ich so: Verdammt, das könnte der wichtigste Mann der Bundesliga sein. Und bevor ich das lesen konnte, wurde es auch schon wieder runter genommen... Interessant.

Aber ja, die Lösung für Borussia Mönchengladbach ist einfach: Sie müssen Max Eberl halten. Und dafür sollten sie vielleicht mal einen Titel holen. Also praktisch den DFB Pokal oder die Europa League, denn das ist das realistische Ziel. Dafür müsste man natürlich an der Champions League scheitern, aber das kriegen die schon hin...

Denn Max Eberl ist gerade der beste Manager der Bundesliga. Auch wenn Hasan Salihamidžić gerade von allen über den grünen Klee gelobt wird, weil er ein überragendes Talent gefunden hat. Ein Hasan hat aber auch ganz andere Voraussetzungen. Wenn man die Eberl geben würde...

Mir ist dabei gerade etwas aufgefallen: Der Manager (oder wie auch immer man den Posten jetzt bezeichnet) ist die wichtigste Position in einem Verein. Das fängt offensichtlich bei den Bayern an, die halt über 30 Jahre lang von Uli Hoeneß geprägt wurden. Trainer, Spieler, Präsidenten und Platzwärte kamen und gingen. Man hätte sogar Lothar Matthäus zum Greenkeeper machen können und wäre trotzdem weiterhin Meister geworden. Aber ein Hoeneß Abgang in den 90ern und alles hätte zusammenbrechen können. Zum Glück fing der mit dem Steuerhinterziehen erst später an...

Aber auch wenn man sich die Konkurrenten anguckt. Also mit der Ausnahme von Borussia Dortmunds Meisterschaften in den 90ern, für die Michael Meier verantwortlich war... und das ist langfristig ein legendär schlechter Manager... Und klar, der konnte kurzfristige Erfolge einfahren, aber langfristig führte er dich in Richtung Konkurs.

Aber alle anderen "langjährigen Herausforderer" der Bayern wurden immer durch herausragende Manager geprägt. Werder Bremen hatte mit Willi Lemke und Klaus Allofs 2 davon und war dementsprechend 2 Mal Bayern-Jäger Nummer 1. Am Ende ist gar nicht Florian Kohfeldt das Problem in der Hansestadt, sondern Frank Baumann, der halt Stand Jetzt nicht in der Lage ist, Klaus Allofs zu ersetzen.
Und natürlich wurde Allofs am Ende auch alt und verpasste die neusten Entwicklungen. Aber solange der richtig gut war, spielte Werder konstant international.

Bayer Leverkusen hatte jahrzehntelang einen Rainer Callmund. Natürlich eine streitbare Persönlichkeit. Aber Bayer war vor und nach seiner Ära nie annähernd so erfolgreich, wie unter ihm. Und die Ära geht vom DFB Pokal Gewinn 1988 bis zum Vize-Kusen Jahr 2002. Callmund war dabei an 2 Stellen Visionär:
1. Dem Abwerben von Spielern aus der noch existierenden DDR. Wenn sie ihn gelassen hätten, hätte er neben Ulf Kirsten und Andreas Thom auch noch Matthias Sammer geholt... und Spoiler: Dann wäre er auch Meistermanager...
2. Dem scouten und integrieren von Brasilianischen Stars und Talenten. Das mag heute total normal wirken. Aber in den  90ern, wo man eh nur 3 Ausländische Spieler auf dem Platz haben durfte... und wo das Reisen zu Scouting noch nicht mit Google Earth und Youtube zu erledigen war. Das Paradebeispiel wie viel besser als der Rest Bayer beim Integrieren von Südamerikanern war, sie mal Zé Roberto genannt. Der war bei Real Madrid schon gescheitert und wurde dann in Leverkusen zu dem Musterprofi, der später bis Mitte 40 spielen konnte und wollte.

Bei Borussia Dortmund soll die Ära Michael Zorc demnächst zu Ende gehen. Eine Ära mit 3 Meisterschaften, 2 Pokalsiegen und einem Champions League Finale. Und ja, Zorc war nie der lauteste Typ. Den Job des nervigen Außenministers hatte dort immer Joachim Watzke intus. Und viele verbinden den Aufstieg der Borussia mit dem Übertrainer Jürgen Klopp. Aber Zorc hat bei Meier die richtigen Lektionen gelernt, dessen Trümmerhaufen zusammen gekehrt und ein neues Fundament errichtet. Und natürlich hat man sich, wie erst vor kurzem erörtert, in eine Sackgasse manövriert, in der es schwierig wird, weitere Titel zu holen. Aber vielleicht geht Zorc ja auch deswegen in den Ruhestand.
Die eigentlich spannende Frage lautet: Kann Sebastian Kehl die Arbeit seines Mentors fortführen, oder wäre er (wie ein Baumann halt) in der 2. Reihe besser aufgehoben.

Max Eberl, um den Bogen zu schlagen, steht für mich mit all diesen Managern auf einer Stufe. Auch wenn ein Stefan Effenberg, der ihn vor Jahren mal stürzen wollte, nicht glauben wird. Auch wenn seine Erfolge sich noch eher mit Florian Kohfeldt messen, als mit seiner eigentlichen Konkurrenz. Aber zum Glück für die Gladbacher hat der dem Werben der großen Bayern bereits ein Mal widerstanden. Was aber auch alles über die eigentliche Wertschätzung seiner Arbeit sagen sollte: Die Bayern haben den im Visier.

Hoffentlich hat er bis zum Ende der Ära Salihamidžić genügend Titel gesammelt, dass er sagen kann "Ich muss nicht zu den Bayern"... Das ist ja nebenbei das andere faszinierende an Eberl: Der ist "erst" 46 Jahre. Der hat noch 10 gute Jahre vor sich. Mindestens. Also Zorc holte seine erste Meisterschaft in Eigenverantwortung mit 49. Allofs war 2006 48 Jahre alt.
Es wirkt halt schon so, als sei Eberl ein Alter Hase, der seit Ewigkeiten dabei ist. Aber andere werden in dem Alter noch als junges, aufstrebendes Managertalent gehandelt.

Mich bringt das alles aber zu einer anderen Frage: Warum vergibt der Kicker eigentlich keinen Titel "Manager des Jahres", aber den des "Trainer des Jahres"? Als Manager wird man von den 11 Freunden ausgezeichnet... Wenn überhaupt. Dabei wird meistens erst der Manager gefunden und der stellt dann den überragenden Trainer ein... und verpflichtet die Spieler. Trotzdem denken wir bei den Äras (Rehagel, Schaaf, Klopp) immer erst an die Trainer und selten an die Manager. Es sei denn (siehe Callmund und Hoeneß) die Manager holen wirklich mit mehreren unterschiedlichen Trainern ihre Erfolge. Wobei selbst da denkt man bei Vize-Kusen erst an Christoph Daum und Klaus Topmöller...

Nebenbei kann man ja auch an anderen Vereinen oder Situationen erkennen, wie wichtig ein guter Manager ist. Bleiben wir da erst mal in Gladbach: Vor Eberl war das ein Chaosclub, der auf dem Weg zur Fahrstuhlmannschaft war. Die "Sportlichen Leiter" zwischen 2005 und 2008 hießen Christian Hochstätter, Peter Pander und Christian Ziege. Alles Leute, denen heute niemand mehr echte Verantwortung im Profibereich zuschieben würde...
Vorher gab es faszinierender Weise 2 Äras: Helmut Grashoff führte den Verein während der glorreichen 70er, Rolf Rüssmann übernahm danach für immerhin noch ordentliche 80er und 90er Jahre. Unter Rüssmann holte man immerhin noch den DFB Pokal 1995. Oder anders ausgedrückt: Den bis heute letzten Titel der Vereinsgeschichte. Und natürlich ging es auch unter Rüssmann schon bergab, aber richtig finster wurde es halt erst in der experimentellen Phase danach. Und aufwärts ging es erst wieder, als ein fähiger Manager gefunden wurde. Durch Zufall, weil man ja weiterhin auf das "Wir nehmen einfach ehemalige Spieler" Konzept setzte, aber man fand einen.

Hier kommt jetzt etwas schockierendes: Der Name "Grasshoff" taucht im Wikikedia Artikel 1 mal auf, obwohl er von 1966 bis 1991 Manager war: Er kreierte das erste Maskottchen. Das war bestimmt seine einzige relevante Leistung.
Wenn wir an die Ära der 70er Jahre denken, reden wir halt zuerst von Hennes Weisweiler und Günter Netzer. Obwohl Netzer den Verein 73 verließ... Also die 3 Meisterschaften in Folge wurden ohne Netzer geholt... Der Trainer war in der 2. Hälfte des Jahrzehnts Udo Lattek...

Natürlich ist es im Nachhinein schwierig zu beurteilen, wie die Arbeit von Grasshoff im Detail aussah. Aber es ist schon irgendwie auffällig, dass er die einzige Konstante der erfolgreichsten Zeit der Vereinsgeschichte war und dass die Fohlenelf nie wieder auch nur annähernd auf dieses Niveau kam.

Um ein anderes Negativbeispiel zu bringen: Der letzte wirklich gute Spordirektor des Hamburger SVs war... ähm... Günter Netzer? Fest steht: Man hatte seit 1977 18 unterschiedliche Sportvorstände oder Manager. Halt sportliche Hauptverantwortliche. Und zwischenzeitlich war die Position auch offiziell "vakant". Da ist die Frage, warum es mit dem HSV seit den 80er Jahren konstant bergab geht auch leicht beantwortet: Sie haben es nie geschafft einen Manager zu finden, der den Verein und eine Ära prägt. Und beim HSV wird ja auch in schöner Regelmäßigkeit aufgezählt, wie oft dort der Sportdirektor ausgetauscht wird. hsv1887.de hat nach Peter Knäbel einfach aufgehört, weiter mitzuschreiben, weil es eh keinen Sinn mehr macht... Trotzdem kommt kaum jemand auf die Idee, die Äras der einzelnen Vereine an den Managern zu fixieren. Also bis auf ganz wenige Ausnahmen wie Christian Heidel in Mainz.

Nur um mal zu verdeutlichen, wie schlimm es ist: Wenn ich nach "Bundesliga, Manager des Jahres" suche, ist die 2. Antwort eine englischsprachige Auflistung der vom Kicker ausgezeichneten Trainer. Warum ehrt der Kicker nicht auch die Sportdirektoren in einem ähnlichen Stil? Um mal festzuhalten, wer da wirklich die überragende Arbeit abliefert.

Aber ja. Max Eberl könnte das wichtigste Individuum für die Bundesliga sein, wenn es darum geht eine Herausfordernde Liga für den über allem stehenden Rekordmeister zu erschaffen. Und er wird dafür nie die angemessene Anerkennung bekommen, selbst wenn es ihm gelingt...

Donnerstag, 16. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Borussia Dortmund

Kommen wir zu dem eigentlichen Ansatz dieser Serie. Was muss der eigentlich designierte Herausforderer Nummer 1 machen, damit sie ein wirklicher Herausforderer für die Bayern und damit Kandidat für die Deutsche Meisterschaft werden.

Denn als erstes werde ich mal folgende These in den Raum werfen: So, wie es derzeit läuft, wird Borussia Dortmund niemals Meister. Pokalsieger vielleicht, dafür reichen ja so ein paar gute Spieler. Aber konstant auf 34 Spieltage die erforderliche Leistung zu bringen, wird unmöglich sein.

Und das ist keine Mentalitätsfrage. Also nicht vordergründig. Es ist eine Frage der Teamstruktur.
Also Dortmund bezeichnet sich ja gerne als bester Ausbildungsverein in Europa. Sie sind aber genau genommen nur der beste Weiterbildungsverein. Eine Zwischenstation für die Hochtalentierten.

Das sieht man ja auch, wenn man sich die Situation um Jude Bellingham genauer anguckt. Also falls euch der Name, wie mir bis vor kurzen auch, nichts sagt: Das soll das nächste Mega-Talent aus England sein, der sich aber den Schritt direkt in die Premiere League nicht zutraut. Also geht er mit 17 Jahren in die Bundesliga. Und weil der Ruf der Dortmunder so gut ist, stechen die bei solchen Transfers sogar die Bayern aus.

Aber hier ist das Problem: Wenn man Bellingham fragt, warum er nach Dortmund geht, sagt er so was wie "Das ist der beste Schritt für mich. Dortmund ist der Verein, bei dem ich mich am besten weiterentwickeln kann."
Kein "Das ist die legendärste Tribüne Europas, da will ich unbedingt mal vorspielen." Oder "Ich war schon immer Dortmund Fan." Was immerhin bedeutet, dass die Talente ehrlich sind. Das führt aber halt zu dem großen Problem, dass es bei der Borussia seit Jahren hat: Sobald die Talente ihren Zwischenschritt erledigt haben, wollen sie sofort weg.
Das war bei Ousmane Dembele am deutlichsten. Aber auch Christian Pulisic ist mit 21 Jahren schon zu Chelsea gewechselt. Und jetzt ist Jadon Sancho wohl der nächste, der vor einem Abgang steht, bevor er 22 Jahre alt ist. Nächsten Sommer, Spoiler, wird Erling Haaland auf dem Transfermarkt erscheinen. Im Jahr darauf dann Giovanni Reyna und eben Bellingham. Vielleicht bleibt letzterer ein Jahr länger.

Wenn Dortmund es schaffen würde aus dem Quartett Haaland, Sancho, Bellingham und Reyna 3 Mann bis 2022 zu halten, würde ich sie zum Meisterschaftskandidaten Nummer eins in der Übernächsten Saison erklären. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, ist so was von gering, dass sie vernachlässigt werden kann.
So wird Dortmund auch weiterhin phasenweise begeisternden Fußball spielen, aber auch immer unter den Entwicklungsschmerzen der Übertalente leiden. Die sind ja bei Haaland sogar wörtlich zu nehmen, denn anscheinend ist er körperlich noch nicht so weit die Dauerbelastung Profifußball zu verkraften. Und sobald er das über 50 Spiele im Jahr kann, wechselt er zu Real Madrid. Davon hat Dortmund aber wenig. Und ja, das Problem wurde hier schon mal ausführlich erörtert...

Das wirklich schockierende an der besten Talentschmiede Europas ist halt: Keiner von denen kommt wirklich aus der eigenen Jugend oder Region. Damit hat halt auch keiner von denen in Dortmund Bettwäsche geschlafen. Und auch deswegen versucht jeder so schnell wie möglich den für sich persönlich nächsten Schritt zu gehen. Da man es selber nicht schafft solche Spieler grundlegend auszubilden, fehlt es dann halt an entscheidenden Stellen an Identifikation. Und da reicht es ja zu sagen "Ich bleibe noch 2 Jahre, zu Liverpool oder Barca kann ich auch noch mit 24 Jahren wechseln."

Um das mal praktisch zu erklären: Dortmund hat 8 A-Jugendmeisterschaften gewonnen. Das ist praktisch Platz 2 hinter dem VfB Stuttgart. Aber wenn ihr euch den derzeitigen Kader der Deutschen Nationalmannschaft anguckt, haben sie da einen einzigen Spieler für "ausgebildet". Und das "ausgebildet" steht deswegen in Anführungszeichen, weil man Marco Reus mit 16 vom Hof gejagt hat.
Nur so zum Vergleich: Joshua Kimmich, Timo Werner, Segre Gnabry, Bernd Leno und Sebastian Rudy spielten in der U17 für den VfB Stuttgart und wurden hinterher Nationalspieler. Lukas Klostermann und Leon Goertzka spielten in der Nachbarschaft beim VfL Bochum. Man könnte also im Umfeld durchaus brauchbare Talente finden. Genau genommen hat aber ein verdammter Zweitligist eine erfolgreichere Jugendarbeit als Borussia Dortmund.
Und ja, bei der Jugendarbeit geht es nicht vorrangig darum Titel zu sammeln, sondern gehobene Bundesligaspieler auszubilden. Und daran scheitert Dortmund auf eklatante Art und Weise.

Ob Leon Goretzka in Dortmund geblieben wäre, wenn sie in im Alter von 16 Jahren geholt hätten, ist natürlich spekulativ, Aber es ist schon auffällig, dass ein Marco Reus sich gegen einen Wechsel entschieden hat und irgendwann beschloss: Eine Meisterschaft mit meinem Herzensverein ist mehr wert als 4 bei den Bayern. Da versuche ich lieber weiter hier auf Titeljagd zu gehen.
Und wenn man noch 2-3 weitere Talente auf ähnlichem Niveau und mit derselben Einstellung finden würde. Also ich sag mal demonstrativ Benedikt Höwedes auf Schalke. Der hätte gerade nach 2014 zu wesentlich besseren Vereinen wechseln können, musste aber am Ende vertrieben werden, weil... ähm... nun ja, Schalke halt. Aber da findet man solche Spieler.
Jonas Hector und Timo Horn in Köln. Selbst dieser Chaosklub hat es geschafft, seine Leistungsträger emotional so sehr an sich zu binden, dass die in die 2. Liga gegangen sind.Weil man sie halt auch schon als Jugendspieler in ihren Reihen hatte.

Dortmund muss halt seine Jugendarbeit komplett umkrempeln. Weg vom "Wir holen Titel, teilweise mit internationalen `'Stars'." Hin zum "Wir bilden wirklich selber Verstärkungen für unsere 1. Mannschaft aus." Damit die dann mit 23-25 Jahren eine Achse bilden, um die man wirklich was aufbauen kann. Und die selber auch den Anspruch haben: Ich gehe hier erst weg, wenn ich Meister geworden bin. Oder ich versuche es zumindest 5 bis 6 Mal, bevor ich verzweifelt aufgebe.

Und ja, die Dortmunder Führung hat nach dem Fall Dembele viel darüber geredet, dass so etwas nicht mehr passieren wird. Dass man im Zweifelsfall auch mal auf Geld verzichtet und die Spieler auf die Tribüne setzt. Praktisch gesehen hat man Pulisic, Abdou Diallo und Achraf Hakimi trotzdem ziehen lassen. Deswegen gehe ich ja auch davon aus, dass Sancho diesen Sommer den Trend fortsetzt. Praktisch hat sich also nichts verändert.
Und natürlich hatte man bei Hakimi als Leihspieler keinen direkten Einfluss. Aber dass der anscheinend lieber zu Inter Mailand wechselt, wo die Gesamtsituation eher schlechter als in Dortmund ist, zeigt, wie schlimm das Problem genau genommen ist und wie schnell die Talente weiter ziehen.

Solange man nur eine Durchlaufstation für Top-Talente ist, wird es einem immer an der Konstanz fehlen, die man braucht um die Bayern vom Thron zu stürzen.

Aber irgendwie bezweifele ich, dass den Borussen schon aufgefallen ist, dass ihre Jugendarbeit nicht annähernd so gut ist, wie sie selber glauben. Die Beweihräuchern sich an ihrer überragenden Scoutingabteilung (zu recht) und den errungenen Titeln, die aber halt wenig wert sind. wenn dabei keine guten Spieler raus kommen. Jedenfalls habe ich noch keine Stimmen gehört, dass diese Institution mal kritisch durchleuchtet werden müsste. Anders als zum Beispiel bei den Bayern... zu denen kommen wir dann als nächstes.

Mittwoch, 15. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: RB Leipzig

Ruhe bewahren? Kann es so einfach sein? Aber ja, RB Leipzig muss gerade gar nichts ändern und einfach langfristig evaluieren, ob ihr "Wir kaufen nur junge, entwicklungsfähige Spieler" Konzept wirklich bis ganz oben führt oder nicht. Und gerade auf den letzten Metern braucht man einen langen Atem.

Klar, in erster Instanz tut es weh, dass man erst Naiby Keita und dann Timo Werner an die "Elite" der Premiere League verkaufen musste. Aber sachlich gesehen ist es doch ein gutes Zeichen, dass Mannschaften auf gehobenen Verhältnissen ankommen müssen, damit die Topspieler den Verein verlassen. Als konkreten Vergleich würde ich da mal Eintracht Frankfurt anbringen: Die müssen 2 ihrer 3 Spitzenspieler an einen Abstiegskandidaten aus England und ein alterndes Team in einer kaputten Liga au Italien verkaufen. Wenn West Ham United bei einem Leistungsträger anfragt, lacht der die aus und bleibt in Leipzig. Zumindest scheint das derzeit die Entwicklung der Lage zu sein... jetzt wo ich das sage, wird wahrscheinlich als nächstes Yussuf Poulsen zu West Ham wechseln... oh... aber alles zu seiner Zeit.

Wenn man die ganzen "Kommerz ist Kacke" Emotionen mal raus lässt, ist ja das spannendste am Projekt RB, wie schnell man sich aus dem "Nichts" ein Spitzenteam formen kann. Und ja, als Traditionsfan darf man das Scheiße finden, darum geht es nicht. Aber RB ist da gerade auf einem ziemlich guten Weg. Aber genau genommen hat man auch den einfachen Teil des Weges hinter sich, die letzten Meter bis zu den Gifpeln werden die Schwersten.

So steht man nach 4 Jahren in der Bundesliga zum ersten Mal unter den Top 8 in der Champions League. Das ist ja irgendwie das Ziel, welches man langfristig konstant anpeilt. Neben dem einen oder anderen Titel. Aber gerade um von der Top 8 zu einem echten Titelkandidat aufzusteigen, braucht man halt dann doch einen relativ langen Atem.

Also praktisch erklärt kaufte sich ja Roman Abramowitsch sich 2003 bei Chelsea London ein. Danach spielte man eine ganze Weile im Dunstkreis der Titelanwärter mit. Irgendwie war allen klar, dass der ganz große Wurf nicht ewig verhinderbar sein würde. Gedauert hat es trotzdem 9 Jahre. Und klar, man wurde verdammt schnell 2 Mal Meister, man hatte allerdings auch eine ganz andere Grundlage als RB Leipzig.

Dafür kann Leipzig halt von den Fehlern der Anderen lernen... Und es vermeiden sinnlose Ablösesummen in Spieler wie Damien Duff zu stecken. Es gibt halt gerade in der Anfangsphase verdammt viele Spieler, bei denen man sich fragt: War es wirklich nötig 25 Millionen für die zu bezahlen?

Manchester City ist nebenbei in Jahr 8 des großen "Wir erkaufen uns den maximalen Erfolg" Konzepts... und warten immer noch auf ihr erstes Champions Leauge Finale. Aber von denen kann man lernen, dass man sich gute Anwälte für die Prozesse beim CAS leisten sollte... und wenn man die hat, kann man machen, was man will.

Die spannende Frage bleibt halt: Wann wird RB doch die Nerven verlieren und versuchen auf dem Transfermarkt richtig fett zuzuschlagen? Und wird das dann wirklich helfen.

Entscheidend ist dabei dann natürlich die eigene Jugendarbeit. Also RB Leizpig sind ja in einer wirklich angenehmen Position: Sie können den Bereich Mitteldeutschland relativ konkurrenzlos abarbeiten. Ich verdeutliche das gerne am Beispiel Rene Adler: Wenn man vor 20 Jahren als junger, talentierter Leipziger Talent eine Bundesligakarriere anstreben wollte, musste man mit 15 die Stadt verlassen und Richtung Westen ziehen. Es wird dann immer romantisierend erzählt, wie Adler auf dem Dachboden von Rüdiger Vollborn gelebt hat. Obwohl das eigentlich eine grausame Geschichte ist, weil da ein 15 jähriger sein komplettes Soziales Umfeld hinter sich lassen musste...

Mittlerweile kann man da einfach in Sachsen bleiben. Oder als Hallenser endlich mal auf die Gute Seite wechseln. Halle existiert ja de facto nur, damit Leute, die für Leipzig nicht gut genug sind, irgendwo in der Nähe eine Asyl finden und zum Numerus Clauses Flüchtling werden können... aber anderes Thema.

RB Leizpig muss halt auch mal dafür sorgen, dass aus der eigenen Jugendakademie wirklich bundesligataugliche Spieler hervorgebracht werden. Möglichst konstant. Und selbst wenn sie für die Leipziger nicht gut genug sind, können sie mit diesen Talenten immer noch die Liga in der Breite verstärken.

Aber stand Jetzt hat RB Salzburg immer noch mehr Bundesligaspieler ausgebildet als die Leipziger. Und ja, nicht nur wegen den 15 Transfers "innerhalb des Vereins". Das belegt aber auch, dass bei RB Leute am werkeln sind, die wissen, wie man Jugendspieler aus- und weiterbildet. Nur ist von dieser Kernkompetenz wenig in Sachsen angekommen.
Aber dass es in dieser vor RB doch recht karg besetzten Gegend eine 5 Sterne Akademie geben soll, kann kein schlechtes Zeichen für die Bundesliga als ganzes sein.

Das bringt uns dann doch zu... Yussuf Poulsen. Und da muss ich eines vorwegnehmen: Ich mag diese Art Spieler. Sein "Mythos" ist ja, dass er als quasi einziger all die Entwicklungsschritte von Regionalliga bis Champions League mitgemacht hat. Und ich sage seit Jahren: Wenn der irgendwann nochmal den Killerinstinkt vor dem Tor entwickelt...
Aber dann fiel mir auf: Poulsen ist de facto der Thomas Müller von RB Leipzig. Also ein Spieler, der extrem davon profitiert, dass er überqualifizierte Mitspieler neben sich hat. Der von diesen Mitspieler extrem profitiert. Der sich dann aber über Jahre hinweg den Ruf erarbeitet hat, dass es ohne ihn irgendwie nicht geht. Der sich aber auch in der Kabine einen Status erarbeitet hat, der dazu führt, dass es ohne ihn nicht geht...
Also das ist ja, für den etwas größeren Rahmen, das faszinierende am Trainerwechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick: Kovac wollte genau genommen nur einen Thomas Müller langsam aber sicher aussortieren. Was ja auch vernünftig erschien, schließlich hat man ja gerade einen Coutinho für genau die Rolle hinter Robert Lewandowski geholt. Und sich damit zumindest theoretisch ein Upgrade zugelegt. So stand Müller dann bei 5 benoteten Spielen und 4 Torvorlagen, bis es zur, man muss es ja so nennen, großen Meuterei gegen Eintracht Frankfurt kam. In der Thomas Müller ein 6 bekam... Und als Dank dafür von Flick zum bedingungslosen Stammspieler ernannt... und dann löste ein Müller all die Probleme, die sich vorher unter Kovac aufgestaut haben. Aber genau genommen war das die eine wirkliche Veränderung, die Flick vorgenommen hat.
Das Problem daran? Müllers letzter guter Auftritt in einem Champions League Viertel oder Halbfinale ist Jahre her. Die Wahrscheinlichkeit dass er sich plötzlich gegen die hochkarätigere Konkurrenz in den entscheidenden Champions League Spielen durchsetzt... also ich befürchte ja seit Jahren, dass ich da einen Statcurse auslöse, aber bisher ist der nicht wirklich gekommen.

Um den Bogen zu RB zu schlagen: Ich habe das Gefühl, dass Poulsen genau dieselbe Rolle in Leipzig einnimmt. Also er ist eigentlich nicht mehr gut genug für die Ansprüche des Vereins, hat aber eine derart wichtige Rolle als Leader, dass er immer sofort gebracht wird, wenn es mal im Ansatz nicht läuft... was dann aber dazu führt, dass an sich bessere Spieler sich nicht durchsetzen können und das Weite suchen.
Als ganz praktisches Beispiel sei hier der Fakt genannt, dass Matheus Cunha mittlerweile bei der Hertha spielt, obwohl da von den reinen fußballerischen Fähigkeiten eher der Poulsen hingehört. Aber es gab halt kein konstantes Vorbeikommen für Cunha an der Vereinsikone. Auch wenn der zumindest langfristig definitiv der bessere Stürmer sein wird. Falls er es nicht schon ist. Und so hält dann ein Spieler die Weiterentwicklung eines ganzen Vereins aus, weil man emotional zu sehr aneinander hängt... und ja, das passiert einem sogar als Dosenverein...

Ich habe das ungute Gefühl, dass RB die Bayern erst dann herausfordern kann, wenn sie Poulsen aussortiert haben... so leid mir das dann für den tut.

Montag, 13. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: VfL Wolfsburg

Am 34. Spieltag ist etwas außergewöhnliches passiert: Der 7. war richtig sauer und enttäuscht. Und das ist ein verdammt gutes Zeichen.

Also dass der VfL Wolfburg als gefühlt erste Mannschaft seit dem Platz 7 reicht hinterher nicht sagt "Super, wir haben uns für die Europa League qualifiziert, da haben wir jetzt so richtig Bock drauf, auch wenn es die Vorbereitung kompliziert macht... dafür haben wir ja das ganze Jahr hingearbeitet.", sondern mit einem schlechten Gefühl in die Sommerpause geht, ist eine neue und gute Entwicklung... weil halt ihr Anspruch am Ende eigentlich noch höher war. Und Mannschaften mit höheren Ansprüchen sind etwas gutes für die Bundesliga.

Das große Problem daran ist halt, dass sie nicht auf das eigene 0:4 gegen die Bayern sauer sind, sondern darauf, dass Dortmund eine Leistung am Rande der Wettbewerbsverzerrung abgeliefert hat. Und das ist halt das grundlegende Problem, welches sich in der Bundesliga ändern muss: Wenn man selber den Anspruch hat um Platz 5 und 6 mitzuspielen, dann kann man eine 0:4 Heimspielniederlage nicht einfach so hinnehmen. Auch wenn es gegen die Bayern geht. Und klar, knapp verlieren kann man so ein Heimspiel gegen den Meister. Aber eine Hohe Niederlage als Gottgegeben hinnehmen und sich hinterher beim Vizemeister beschweren...

Da sind wir ja beim eigentlichen Grundproblem der Bundesliga: Selbst Mannschaften mit hohen Ansprüchen akzeptieren Heimniederlagen gegen die Bayern einfach so. Damit haben die Bayern dann so 3 wirklich ernst zunehmende Spiele im Jahr. Und das auch nur, wenn Dortmund sich nicht gerade einscheißt, weil es gegen die Bayern geht.

Und genau dieses "Wir werden maximal 3 mal im Jahr wirklich gefordert, es sei denn, wir werden nachlässig" führt dann zu den Problemen, die die Bayern in den letzten Jahren auf der ganz großen Bühne hatten. Damit die Liga wieder spannender und besser wird, muss auch eine Mannschaft wie Wolfsburg im eigenen Stadion eine Herausforderung für die Bayern darstellen.
Und das ist ja keine Corona-Geisterspiele-Ausnahme. Die letzten 4 Heimspiele hat man mit 1:15 Toren verloren. Man hat in diesem Jahrzehnt ein einziges Heimspiel gegen die Bayern gewonnen. Es wurde ja 2015 das "Gastspiel bei den Bayern ist wie ein Zahnarztbesuch" Meme erschaffen. Wolfsburg beweist halt, dass es unwesentlich angenehmer ist, wenn der Zahnarzt zu einem kommt... Und das muss sich dringend ändern, wenn es mit der Bundesliga vorwärts gehen soll.

Freitag, 10. Juli 2020

Quo Vadis, Bundesliga 2020: TSG 1899 Hoffenheim

Auch wenn die jetzt vorgezogen werden und wir mit der tabellarischen Reihenfolge aufhören. Aber weil es so brandakuell ist: Was sollten die Hoffenheimer machen, um das allgemeine Niveau zu steigern.

Schritt eins scheinen sie dabei schon mal erfolgreich absolviert zu haben: Nicht Florian Kohfeldt verpflichten. Manchmal hat man auch Glück. Dummer Weise ist das nach Michael Schiele schon der 2. Trainer, der lieber woanders arbeitet. Das ist nur bedingt ein gutes Zeichen. Gerade weil der Job in Hoffenheim ja schon einer der Interessanteren ist. Weil man halt wirklich in relativer Ruhe mit einigen spannenden Talenten zusammen arbeiten und diese entwickeln darf. Andererseits beweist der Fall Schreuder halt auch, dass man sich nicht davor scheut harte Cuts zu setzen, wenn es nicht passt. Jetzt sucht man den nächsten "mit dem hat keiner gerechnet" Trainer und hofft, dass man wieder richtig liegt. Aber das ist ja die Vereinsphilosophie und von daher haben sie einen gewissen Vertrauensvorschuss verdient.

Die eigentlichen Probleme in Hoffenheim hören auf die Namen Armindo Sieb und Mamin Sanyang. Da muss erst mal eindringender Einschub kommen. Also dass ausgerechnet die Hoppenheimer sich jetzt über das "wildern" der Bayern in ihren Reihen aufregt... genau die Hoffenheimer, die mal gefühlt eine ganze B-Jugend aus Stuttgart verpflichtet haben.
Auch wenn das anscheinend so weit verjährt ist, dass man dazu bei Google nichts mehr findet, so gibt es auch in Hoffenheim "ganz gewöhnliche Vereinswechsel gibt es spätestens in diesen Leistungsklassen U 19 und U 17". Wer ohne Sünde sei, werfe den ersten Stein. Also als praktisches Beispiel: Man holt ja selber einen Stefan Posch für die U19 aus Österreich. Und gräbt damit Admira Wacker das Wasser ab. Dann muss man auch damit Leben, dass andere dies bei einem selbst auch machen.

Und natürlich ist der Transfer der beiden angeblichen Übertalente Armindo Sieb und Mamin Sanyang genau einer dieser problematischen Wechsel, auf die die Bayern meiner Meinung nach verzichten sollten. Denn obwohl man es sich leisten könnte (und es der Bundesliga helfen würde), diese Talente in Hoffenheim reifen zu lassen und dann für eine angemessene Ablöse zu verpflichten, schlägt man lieber jetzt zu... praktisch nur, damit die anderen nichts davon haben. Gute Einstellung.

Aber das Hoffenheimer Problem ist ein anderes: Warum konnte man die beiden nicht sachlich vom Bleiben überzeugen? Oder wenigstens ihre Berater? Warum hat man es nicht geschafft, den eigenen Talenten zu vermitteln, dass in Hoffenheim bleiben für sie das Beste ist?

Und das lässt sich ja sachlich belegen. In Hoffenheim ist die Durchlässigkeit zwischen Jugend und erster Mannschaft doch am höchsten. Also jedes Jahr gibt doch mindestens ein 20-Jähriger sein Debüt... Nebenbei könnte das wirklich Schreuders Problem gewesen sein, denn dieses Jahr gab es nur 3 U20 Spieler: Christoph Baumgartner, Lucas Ribeiro und Ikay Ekmkies. Aber das dürfte echt eine Ausnahmesaison gewesen sein. Und selbst in einem relativ schlechten Jahr hat man immer noch einen 20 jährigen Stammspieler.
Aber ja, reden wir von dem Verein, in dem Dennis Geiger, Philipp Ochs, Nadiem Amiri und Niklas Süle frühzeitig zu verdammt viel Einsatzzeiten kamen. Und der immer wieder Jugendspieler rein wirft.

Auf der anderen Seite stehen halt die Bayern. Und wenn man sich die mal genauer anguckt, war der letzte Spieler, der es direkt aus der Akademie in die erste Mannschaft geschafft hat... Thomas Müller. Das ist verdammt lang her. Der letzte Jugendspieler, der es wenigstens nach ein paar Lehrjahren (ausgerechnet in Hoffenheim) zum Stammspieler geschafft hat, war David Alaba. Der ist jetzt auch schon 28 und überlegt, ob er nochmal was anderes machen will...
Die Generation um Luca Scholl und Gianluca Gaudino muss als komplett gescheitert gelten... Scholl ist komplett in der Versenkung verschwunden und spielte zuletzt in der Regionalliga Bayern...

Und natürlich haben die Bayern das erkannt und wollen ihre Jugendarbeit umstellen. Aber will ich wirklich der 17 jährige sein, der rausbekommt, ob diese Umstellungen funktionieren oder nicht? Lasst das doch andere austesten.
Auch wenn die Drittliga-Meisterschaft ein beeindruckender Ansatz ist, bleibt halt auch festzuhalten: Der Sprung von der 3. Liga zu den Bayern ist größer als der von der Hoffenheimer U19 in die Bundesliga. Aber dazu mache ich mir vielleicht später mal ausführliche Gedanken... Da ist er, der Teaser für die nächsten Ausgaben...

Es bleibt halt festzuhalten, dass das Niveau in der ersten Mannschaft der Bayern verdammt hoch ist. Es ist echt naiv davon auszugehen, dass sich viele Talente da direkt durchsetzen können. Also ja, das wahrscheinlichste Szenario ist, dass Sieb und Sanyang zwischenzeitlich ausgeliehen werden, damit sie in der Bundesliga Spielpraxis bekommen. Das Hoffenheimer Problem ist, dass sie die beiden nicht davon überzeugen konnten, dass diesen Schritt "Bundesliga Spieler werden" bei ihnen am Besten vollzogen werden kann.

Da kann man sich dann in die hilflose Opferrolle ergeben und über die Bayern jammern. Oder man sorgt mit weiterer erfolgreicherer Jugendarbeit dafür, dass sich die nächsten 17 jährigen doch für ihren "Heimatverein" entscheiden, weil sie dann verstanden haben, dass dies für sie selber sinnvoller ist. Die Überzeugungsarbeit muss da aber aus Hoffenheim kommen, sie können nicht davon ausgehen, dass die Bayern sich zurück lehnen und abwarten.