Montag, 12. Dezember 2022

War das Brasiliens letzte Chance den Titel zu holen?

 Und wo wir schon dabei sind: Wird es Argentiniens letzte Chance sein? Und Marokkos, also Afrikas einzige?

Klingt übertrieben? Vielleicht, den Afrikanern gebe ich zukünftig noch Chancen. Lasst mich das erklären:

Es gibt ja zwei durchaus entscheidende Faktoren, die einen WM Titel eigentlich entscheiden. Der erste ist die taktische Disziplin. Klar, es gibt immer diese Mannschaften, die buchstäblich bis ins Viertelfinale tanzen. Das werden, wie wir auch gerade wieder gesehen, meistens die Brasilianer sein. Aber diese Mannschaft trifft dann immer früher oder später auf eine Mannschaft, die humorlos und konsequent verteidigt. Kroatien als Bösewicht halt. Oder als nicht-Bösewicht, weil das ja eine sympathische, kleine, europäische Nation ist. 

2018 war es Belgien, die mit 43 % und 3:9 Toren eiskalt gewannen. Das 2014er-Spiel will ich nicht wirklich verlinken, das passt halt nicht in mein Konzept. 2010 waren die Niederländer dran. Also die Bert van Marwijk, Mark van Bommel, Nigel Jong Holländer. 2006 verlor man 0:1 gegen Frankreich. Das sind dann schon 20 Jahre seit dem letzten Titel und jedes Mal scheiterte man, sobald man auf eine große europäische Nation trifft. Für Ghana, Mexiko (2-mal), Kolumbien und Südkorea reicht es noch, für mehr halt nicht. Aber seit 2002 hat man halt keine europäische Mannschaft in einem K.O. Spiel besiegen können. Wenn man Weltmeister werden will, muss man so eine Mannschaft irgendwann mal schlagen. Jetzt ist man aber bei, um es auf Englisch auszudrücken, 20 years of hurt. Wo die Briten natürlich sagen: nur 20? Eure Sorgen möchte ich haben. Bei uns sind es 26 Jahre, seit dem wir das erste Mal darüber gesungen haben, wie wir immer verkacken. Hey, England, wenn es auch aufbaut: Wir Deutschen haben dafür keinen annähernd so geilen Turniersong... Nicht nur wir, niemand hat den.

Aber zurück zu den Brasilianern: Wenn man immer wieder auf dieselbe Art und Weise scheitert, ist das irgendwann ein strukturelles Problem. Und das andere Problem ist: Die Brasilianer sind selber hinten nur selten annähernd so gut besetzt. Die werden immer Angreifer haben, aber werden sie auch die dringend benötigten Verteidiger ausbilden? Klar, dieses Mal kamen sie mit Thiago Silva, Marquinhos uns Casemiro. Aber 2 von denen sind auf der falschen Seite der 30. Silva ist dichter an der 40 als an der 30. Ob die jemals wieder eine derartige Defensive stellen werden?


Aber das 2. Problem ist ja noch viel schlimmer: Denn der andere entscheidende Faktor der WM ist ja die Tiefe im Kader. Also früher hat es halt gereicht, 15 richtig gute Spiele zu haben, um Weltmeister zu werden. Dann füllt man den Kader mit Talenten und Bankdrückern auf und lässt diese richtig guten Spieler zocken. Mittlerweile ist die Bank während eines Turniers wesentlich wichtiger. 

Noch viel wichtiger: Man muss mittlerweile leider davon ausgehen, dass dir wichtige Leistungsträger wegbrechen, weil der internationale Rahmenspielplan für Superstars halt so extrem brutal ist. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass die Lazarett-Mannschaft locker Weltmeister werden könnte. Allein den Franzosen fehlen mittlerweile Kimpembe, Hernandez, Pogba, Kanté, Benzema und Nkunku. Das wäre eine Grundlage für eine richtig geile Elf. Also wenn Paul Pogba gerade Bock hat, was er im Nationalmannschaftstrikot immer hatte. Und wenn es menschlich mit Benzema funktioniert, der ja anscheinend das exakte Gegenteil ist: Im Verein ein großartiger Mannschaftsspieler, im Nationalmannschaftstrikot eine Diva.
Brasilien fehlten dagegen nur Arthur Melo und Coutinho. Letzterer spielt mittlerweile bei Aston Villa, weil es für ihn auf allerhöchstem Niveau nicht reicht.

In dem Sinne war diese WM eigentlich ein perfekter Sturm für die Brasilianer: Sie waren fast komplett fit und kamen sogar relativ gut durch das Turnier. Die Konkurrenz war völlig überspielt und musste haufenweise Ausfälle kompensieren. Trotzdem reichte es wieder nicht, um auch nur eine europäische Mannschaft zu schlagen.


Hier kommt jetzt die eigentlich spannende These: Sie haben ein strukturelles Problem in der Ausbildung. Und man hat praktisch keine Chance, dieses Problem zu lösen. Denn die Europäer haben halt seit 2002 nochmal entscheidende Fortschritte in der Jugendausbildung gemacht. Zum Beispiel mit der Einführung der UEFA Youth League in der Saison 2013/14. Man qualifiziert sich mittlerweile nicht mehr nur für die Champions League, man sorgt auch dafür, dass seine Jugendabteilung Spiele auf höchstem Niveau bekommt. Und halt nicht nur für die Bayern und Barca, sondern auch für Zagreb, Glasgow, Donezk, Kopenhagen und Pilsen. Die Meister der kleineren Ligen halt. Die fast schon logische Konsequenz: Josko Gvardiol gibt den unfassbar souveränen Innenverteidiger. Der verteidigt mit 20 schon technisch und taktisch unfassbar sauber. Der wurde aber auch in Zagreb auf höchstem Niveau gefordert und gefördert.

Die Brasilianer kommen dagegen vielleicht mit 18 erste nach Europa. Also Marqhuinhos kam in diesem Alter. Danilo kam erst mit 21. Eder Militao mit 20. Aber selbst wenn sie in diesem jungen Alter nach Europa gehen, so haben sie doch schon einen Nachteil mit der gleichaltrigen Konkurrenz.

Die europäischen Talente werden halt immer besser ausgebildet. Sie werden immer früher gefordert und logischerweise auch immer früher Stammspieler. Und so kann Spanien dann auf Pedri und Gavi im zentralen Mittelfeld setzen. Der eine ist 18 und der andere 20. Und bei allen Problemen der Spanier: Das taktische Verhalten im Zentrum war nicht das Problem.

Nur um da ganz konkret den Fortschritt zu belegen: Früher hat man solche Talente durchaus auch spielen lassen, aber nicht im Zentralen Mittelfeld. Ich nenne mal demonstrativ Bastian Schweinsteiger als Beispiel für eine ganz normale Fußballbiografie der Jahrtausendwende: In jungen Jahren Flügelflitzer, obwohl er dafür eigentlich immer zu langsam war, erarbeitete er sich über die Jahre die taktische Disziplin und den nötigen Respekt, um als Führungsspieler in die Mitte zu ziehen. Heutzutage würde man ihn, wie man bei Jamal Musiala sieht, direkt ins Zentrum stellen.

Das sieht man ja absurderweise am deutlichsten an Neymar. Das bisschen, was ich von Brasilien gesehen hat, hat mich gerade bei ihm echt überrascht: Der spielt mittlerweile im zentralen Mittelfeld. Und seine Aktionen waren technisch perfekt, aber auch schnörkellos. Keine ziellosen Übersteiger, sondern ein schneller Harken und dann der Antritt. Gefolgt von einem Doppelpass oder zwei. Und dann lässt er sich im Strafraum nicht fallen, sondern sucht den Abschluss. Oder anders ausgedrückt: Er macht jetzt das, was Lionel Messi seit über 10 Jahren macht. Nur musste Neymar dafür erst 30 werden. Den Ruf als schauspielernde Diva wird er auch nie wieder loswerden.

Dass er diesen Entwicklungsschritt genommen hat, ist großartig. Aber vielleicht hat er ihn einfach ein wenig zu spät genommen und Weltmeister zu werden. Oder die jungen Spieler um ihn herum haben ein wenig zu lange gebraucht, um ihn auch zu nehmen. Und dieses Problem wird Brasilien in der Breite immer haben.

Denn sie haben ja auch keine Chance eine vergleichbare Institution wie die Youth League zu installieren. Der Weg nach Europa ist gerade für Teenager richtig weit. Also werden sie in der taktischen Jugendausbildung immer weiter zurückfallen. Damit wird es immer schwerer, den Titel zu holen.

Sonntag, 11. Dezember 2022

Zum Glück sind das die Guten

 Und ja, ich gebe es zu, ich habe die Viertelfinale gesehen. Und könnte direkt zu einem Bela Rethy Rant ausholen, der tatsächlich an dem Tag, nachdem in der 100. Minute der regulären Spielzeit der Ausgleich erzielt wurde, behauptet hat, dass das mit den episch langen Nachspielzeiten ja nachgelassen hat. Wieso darf jemand, der offensichtlich keinen Fußball guckt, diese Spiele kommentieren.

Aber hey, nachdem mein Vater sich über die Eröffnungsfeier aufgeregt hat, bei der Bela einfach mal dreist ignoriert hat, dass auch die Eröffnungsfeier in Deutschland 36 Minuten dauerte, habe ich nur gesagt "Wer dem zuhört, ist selber Schuld". Aber was interessiert mich mein Gelaber von gestern? Die Feier in Deutschland 2006 hat Rethy sogar persönlich kommentiert. Nur um mal festzuhalten, wie senil der Mann ist. Aber das ist ein bisschen wie beim aktuellen Korruptionsskandal in der EU: Wenn wir Europäer Geld für Reden im Parlament bezahlen (oder halt unsere Kultur bei einer Eröffnungsfeier präsentieren), dann ist das fair und transparent. Wenn die Katarer das machen, ist es ein Verbrechen. Nur um festzuhalten, dass es politische bleibt, wenn ich über die WM berichte.

Nebenbei ist Rethy der einzige, der die Hilfe von echten Experten anscheinend verweigert. Also bei vielen anderen sitzt mittlerweile ein Ex-Profi wie Sandro Wagner, Hanno Balitsch oder Thomas Broich, die so alle doch noch zu ihrer WM kommen. Gerade bei Wagner wollte Jogi Löw das doch unbedingt verhindern. Aber sowohl deren Perspektive, als auch die Interaktion mit den Kommentatoren, heben die Berichtserstattung auf ein neues, angenehmeres Niveau. Da macht ein Rethy natürlich nicht mit.

 

Aber genug der Albernheiten, hin zu den wichtigen Dingen: National Profiling. 

Es gibt ja gerade keine Nation, deren jüngere WM Geschichte so faszinierend ist, wie die der Kroaten. Die haben sich darauf spezialisiert, sich in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen zu retten. Spezialisiert ist dabei noch eine Untertreibung, perfektioniert ist korrekter. Denn abgesehen von dem Finale vor 4 1/2 Jahren endete jedes K.O. Spiel seit 2018 in der Verlängerung. JEDES FUCKING SPIEL. Bei der Weltmeisterschaft 2018 schlug man so Dänemark, Gastgeber Russland und England. Bei der Europameisterschaft verlor man tatsächlich das Achtelfinale gegen Spanien. Und jetzt ging es schon wieder gegen Japan und Brasilien ins Elfmeterschießen.

Und das wirklich bekloppte ist: Die konnten in der Verlängerung gegen Brasilien trotz der zusätzlichen Belastung noch das rettende Tor fürs Elfmeterschießen erzielen. Klar, das war ihr einziger Torschuss, aber sie hatten halt trotzdem schon 115 Minuten kompaktes Verteidigen in den Beinen. Und das harte Spiel gegen die Japaner, während die Brasilianer sich durchs Achtelfinale tanzten. Dass man mit der Vorgeschichte noch zurückkommt, ist absoluter Wahnsinn.

Aber das wird halt nicht hinterfragt. Also nicht, wenn man zu den Guten gehört. Ist es nicht schön, zu den Guten zu gehören? Also nur für Kontext, weil ich das "damals" auch schon so erwähnt haben: Die Russen mussten sich 2018 aus unseren Medien permanent Dopingvorwürfe machen lassen. So viel wie die kann man nur laufen, wenn man nachhilft... oder Joshua Kimmich heißt, als richtiger Deutscher geht das auch so. Aber die Kroaten galten schon 2018 als überaus sympathisch, weil sie destruktiven Antifußball gespielt haben.

Um es diplomatisch auszudrücken: Die Kroaten sind zu fit. Das ist nicht mehr normal. Deren Fitnesstrainer sollte mal ein Buch veröffentlichen, welches dann automatisch DER TRAININGSSTANDART für die Moderne wird.

Wenn ihr mal nachvollziehen wollt, wie das eigentlich laufen sollte, dann guckt euch mal das Spiel von Marokko an. Oder lasst es, denn auch die spielen eher Antifußball. Aber die kämpfen halt auch aufopferungsvoll. Ernsthaft, ein Finale Marokko gegen Kroatien wäre absolut faszinierend, denn da spielen dann 2 Mannschaften furchtbaren Fußball, der hauptsächlich aufs Zerstören ausgelegt ist, aber der Kommentator wird uns erklären, wie unfassbar sympathisch das ist.

Jedenfalls musste Noussair Mazraoui bereits nach der Schlacht gegen Spanien die Segel streichen. "Probleme mit dem Hüftbeuger" ist die Transfermarkt.de Diagnose. Rückkehr unbekannt. Das sind halt Verschleißerscheinungen. Kapitän und Fels in der Brandung Romain Saiss musste in der 57. Minute ausgewechselt werden, weil er einfach nicht mehr konnte. Hakim Ziyech gab in der 82. Minute auf. Marokko ging buchstäblich auf dem Zahnfleisch. Wenn Portugal eine der durchaus vorhandenen Chancen zum Ausgleich genutzt hätten, wären die komplett eingebrochen. Das ergibt ja auch Sinn, die haben ja auch diese schwere Verlängerung in den Beinen.

Nun kann man natürlich behaupten, dass das halt Afrikaner sind und wir Europäer sind halt fitter. Also nur, weil wir besser austrainiert sind. Das fällt ein wenig in sich zusammen, wenn Mazraoui und Ziyech bei Bayern und Chelsea spielen. Klar, beides sind keine Stammspieler, aber das sollte doch eher ein gutes Argument für ihre Verfassung sein. Denn beide sind an die europäischen Fitnessstandarts gewöhnt, aber sie sind nicht annähernd so überspielt wie ein Luca Modric.

Also nur um das mal festzuhalten: Luca Modric hat in dieser Saison schon 1259 Minuten in den Vereinsknochen. Er ist 37 Jahre alt. In seiner Zweitidentität besetzt er nebenbei einen Posten im Europäischen Parlament. Lustigerweise gibt er, als eigentlich zentraler Mittelfeldspieler da die Rechtsaußen. Aber in dem Kasperletheater muss man halt seine Rolle übernehmen.

Und jetzt springt der bei der WM 120 Minuten lang über den Rasen? Und klar, im Achtelfinale musste er nach 99 Minuten (106, wenn man die Nachspielzeit einberechnet) runter. Aber gegen Brasilien hielt er dann bis zum Elfmeterschießen durch. Da ging es dann besser, obwohl es eigentlich schlechter laufen sollte.

Nun will ich damit explizit nicht behaupten, dass Modric mehr dopt als Ziyech. Oder als ein x-beliebiger Russe. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass gerade in der Vorbereitungen und beim Muskelaufbau garantiert nachgeholfen wird, aber dass das alle machen. Und auch in der Regeneration wird alles ausgereizt werden. Wir haben halt nur kollektiv beschlossen, dass wir das ignorieren. Ich weise nur darauf hin, dass Modric's fantastische Leistungen anders kommentiert werden würden, wenn er die als 37-jähriger Russe abliefern würde.

Oder, um es mal wirklich extrem zu machen, man stelle sich vor Katars Nationalmannschaft hätte sich gerade so in 2 Elfmeterschießen in Folge gerettet. Geht einfach mal für euch dieses Szenario durch und fragt euch, wie über diese unmenschliche Leistung berichtet werden würde. Aber bereitet euch schon mal moralisch darauf vor, dass es im Halbfinale dann heißt: "Der wird halt nicht müde". Ist halt so.

Freitag, 9. Dezember 2022

Kurzer Blick auf die Viertelfinale

 Und dann stellt man fest: Spanien und Japan sind ja auch schon raus. Also falls sich irgendjemand einreden wollte, dass man ja in einer richtig guten Gruppe mit der Überraschungsmannschaft und dem Titelfavoriten ausgeschieden ist.

Damit ist die "deutsche" Gruppe die einzige, die im Viertelfinale einfach nicht vertreten ist. Man ist also nicht nur ausgeschieden, man ist an der nach den Leistungen schlechtesten Gruppe ausgeschieden. Nun ist das natürlich nicht so einfach zu pauschalisieren, schließlich hat es auch etwas mit "Losglück" zu tun, dann Spanien die absolute Übermannschaft aus Marokko als Gegner bekam. Oh, warte, das haben die sich quasi selber ausgesucht. 

Aber hier ist die wirkliche statistische Absurdität: Das ist gar keine Ausnahme. 2021 spielte man in einer "Todesgruppe" mit Portugal, Frankreich und Ungarn. Und stand ja auch nach 80 Minuten auf Platz 4 lag, weil Puskas Erben in Führung lagen. Und von dieser ja ach so starken Gruppe qualifizierte sich niemand fürs Viertelfinale. Deutschland schied immerhin gegen den späteren Finalisten England aus. Portugal schied gegen die doch gar nicht so goldene und nie ein Finale erreichende Generation aus Belgien aus. Und Frankreich verspielte eine sichere Führung gegen die Schweiz.

Aber selbst bei der Uraufführung dieses Klassikers der Neuzeit... Scheiterte Mexiko wie eigentlich immer im Achtelfinale. Still und heimlich sind die Mexikaner doch froh, dass sie diesen Fluch dieses Jahr besiegt haben, indem sie schon in der Vorrunde ausgeschieden sind. Schweden kam tatsächlich als einziger Gruppengegner der Deutschen ins Viertelfinale, war da aber gegen England chancenlos.

Das ist natürlich alles völlig willkürlich und ziemlich nichts sagend. Aber es relativiert die Leistungen der Deutschen halt weiter: Man ist bei den letzten 3 Turnieren nur auf eine wirklich erfolgreiche Mannschaft getroffen, die im weiteren Turnierverlauf auch etwas gerissen hat. Gegen diese Mannschaft hatte man praktisch nur eine Chance und die hatte Thomas Müller der im Nationalmannschaftstrikot seit Jahren aus Prinzip nicht mehr aufs Tor schießt. All die anderen Gegner, an denen man hauptsächlich gescheitert ist, waren auch einfach nicht wirklich gut. 

Diese Perspektive muss man auch nochmal bemühen, um das ach so tolle Spiel gegen Spanien richtig einzuordnen. Wo alle sich einreden wollten, dass man gegen die Spanier ja richtig gut mitgehalten hat. Die hat man ja richtig unter Druck gesetzt. Man hatte am Ende deutlich mehr und die besseren Abschlüsse. Toll, all das kann Marokko, natürlich mit einer anderen Spielanlage, auch von sich behaupten. 

Und klar, Deutschland war in allen 3 Gruppenspielen die bessere Mannschaft. Dass die sich da nicht durchsetzen, ist schon ein wenig unglücklich. Obwohl man hier festhalten muss: Wenn Können im Wesentlichen die Wiederholung von Glück ist, dann ist das permanente Wiederholen von Pech halt Unfähigkeit. 

Das wirkliche Problem ist aber: Selbst wenn man sich gegen diese im Großen und Ganzen auch enttäuschenden Gegner durchgesetzt hätte, wäre das kein Freifahrtschein für den Rest des Turniers gewesen. Das soll auch nur verdeutlichen, wie weit weg von der "Weltspitze" man gerade ist.

Donnerstag, 8. Dezember 2022

Warum von Gareth Southgate lernen

 Wenn man denselben Fehler doch auch begehen kann? Es ist viel sinnvoller, diese Schmerzen und Verzweiflung selber auf der Bank zu erfahren! Das muss man als Trainer doch mal durchgemacht haben!

Das ungefähr muss sich Luis Enrique gedacht haben, als er Spanien ganz souverän ins Elfmeterschießen gecoacht hat. 

Klar, es hat nicht nur der extra eingewechselte Pablo Sarabia verschossen, sondern alle anderen auch. Und Badr Banoun, womit die letzten 4 (VIER!) Spieler, die nur fürs Elfmeterschießen eingewechselt wurden, allesamt verschossen haben. Also falls der mittlerweile eingeführte Experte das nächste Mal gefragt wird, ob er diesen Wechsel mag, kann er mit dieser Statistik prahlen. Und man kann allen Trainern einfach mal mitteilen, dass sie das lassen sollten. Am besten in dem man diejenigen, die so was machen, einfach entlässt.

Die Lage für Marokko war halt eine ganz andere. Die sind halt der krasse Außenseiter und da ist es legitim, wenn man sich irgendwie ins Elfmeterschießen retten will. Das macht mal halt am besten, in dem man so viel wie möglich an der Uhr dreht und den Spielfluss unterbricht. Aber als haushoher Favorit? Und man hatte mit eben Sarabia ja noch einen Stürmer, den man bringen konnte.

Dazu kam ja, dass das offensichtliche Problem gerade nach der Einwechslung von Nico Williams die Besetzung im Strafraum war. Denn wenn der sich auf den Außen im 1 gegen 1 durchsetzen konnte, hatte er einen einzigen Zielspieler im Sechzehner. So machte man es den Tunesiern relativ leicht, die entscheidenden Situationen zu verteidigen. Am Ende hatte Spanien sogar Glück, denn die besseren Chancen in der Verlängerung hatten die Nordafrikaner. Aber letztendlich fehlte Luis Enrique der Mut um einen Mittelfeldspieler für einen weiteren Angreifer zu opfern. 

Nebenbei haben Japan und Kroatien anscheinend nachgewiesen, dass andere Trainer dies verstanden haben. Dort wurden die letzten Auswechslungen in der letzten Pause vorgenommen. Kroatien wechselte sogar doppelt... nur damit Marko Livaja ebenfalls verschießt. 

Also klar, die eingewechselten Spieler hatten nur bedingt einen positiven Einfluss auf das Geschehen. Wenigstens haben die Trainer dort alles versucht, um ein Elfmeterschießen zu verhindern. Das wäre alles nicht so traurig, hätte man bei den letzten beiden Turnieren nicht genau sehen können, wie das am Ende ausgeht. Also bei der einen Europameisterschaft negativ, bei der anderen positiv.

Aber um das zu begreifen, hätte man ja ernsthaft die Europameisterschaft der Frauen sehen und sich dann fragen müssen "Was kann ich für mich aus diesem Turnier lernen?" Das kann man doch von keinem Mann erwarten. Guckt mal, am Ende habe ich doch noch einen richtigen politischen Ansatz gefunden, der diesen Beitrag rechtfertigt...

Dienstag, 6. Dezember 2022

Zurück zum alten Konzept

 Auch wenn das Konzept Scheiße war. Frei nach Aaliyah: If at first you don't succed, try again. Und das ist genau genommen wirklich schade.

Es geht ganz offensichtlich um den VfB Stuttgart und seine Rolle Rückwärts. Der VfB war ja auf dem Weg zu einem der interessantesten Projekte in Europa zu werden. Und das Konzept war dabei eigentlich ganz einfach: Wir installieren einen der besten Talentscouts Europas als wichtigsten Entscheider. Wir erschaffen uns so eine neue Ära. Und wie wichtig so ein Manager für so eine Ära sein könnte, habe ich hier vor Jahren mal erörtert. Auf was für einem an sich guten Weg Stuttgart war, wurde hier ausgeführt.

Jetzt... weiß keiner so ganz genau, warum Sven Mislintat weg ist. Also ja, der VfB wollte mit ihm verlängern, wollte aber auch seinen Handlungsspielraum als alleiniger Macher einschränken. Da hat er dann halt abgesagt, was vielleicht auch das eigentliche Verhandlungsziel des VfBs war.

Aber die eigentlichen Probleme beim VfB liegen doch so viel tiefer. Das fängt halt mit dem Fakt an, dass Thomas Hitzlsperger jetzt bei der ARD auf der Couch sitzt und nicht im Vorstand des VfBs. Niemand hat bis heute so wirklich verstanden, was eigentlich das Problem zwischen ihn und Claus Vogt war. Nur dass es dann eskaliert ist und Hitzlsperger den Machtkampf am Ende verloren hat. Und damit war auch eine der Persönlichkeiten, die Mislintat geholt haben, plötzlich weg.

Stattdessen wurden Vereinslegenden geholt, um Mislintat zu beraten. Also eine dieser "Vereinslegenden" ist Philipp Lahm, der 2 Jahre für den VfB spielte und eigentlich eine Bayern-Legende ist. Aber das waren schon 2 schöne Azubi-Jahre damals. Der gesammelte Arbeitsnachweis von Lahm, Gentner und Khedira lautet nebenbei: Der eine hat sich um die erfolgreiche EM-Bewerbung gekümmert. Und das war's. 

Man kehrt halt zurück zum "Alte, verdiente Spieler wissen schon, wie es im Fußball läuft." Das war in den 90ern das ultimative Erfolgskonzept. Aber mittlerweile gibt es halt Manager-Ausbildungen.
Mislintat war halt das komplette Gegenteil: Er hat nie hochklassig gespielt, sondern stattdessen Sportwissenschaften studiert. Er hat sich bei Borussia Dortmund über Jahrzehnte hochgearbeitet, weil er immer wieder wunderbare Diamanten gefunden hat. Danach hat er Auslandserfahrung bei Arsenal London gesammelt, bevor er nach 13 Jahren im relativen Hintergrund endlich eine Führungsrolle übernehmen sollte.

Und diese Rolle funktionierte ja zunächst auch richtig gut: Er fand mehrere sehr spannende Talente und sicherte den Aufstieg und den Klassenerhalt. Aber leider kam dann der nächste Schritt, dass man nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hat und zumindest im sicheren Mittelfeld ankommt, nicht schnell genug. So musste man Mislintats Arbeit hinterfragen und ihm diese "tollen Experten" beiseite stellen.

Natürlich hat er auch seine Fehler gemacht. Dass er so lange gebraucht hat, um zu merken, dass Michael Wimmer noch nicht in der Lage ist eine Bundesligamannschaft zu führen. Was kein Vorwurf gegen Wimmer sein soll, weil das NOCH da entscheidend ist: Wenn der jetzt bei seinen nächsten wahrscheinlich nicht in der Bundesliga stattfindenden Station erfolgreich aussieht, kann er durchaus in diese Rolle wachsen. 

Aber nach einigen mutigen Entscheidungen bei den Trainern, also ganz praktisch das Finden und Festhalten an Pellegrino Materazzo, entscheidet sich der neue Expertenrat für... die konservativste aller möglichen Entscheidungen: Bruno Labbadia. Was in der Isolation betrachtet vielleicht gar nicht verkehrt ist.

Labbadia hat ja seinen durchaus ramponierten Ruf in Wolfsburg halbwegs repariert, weil... er dieses Mal selber gegangen ist, bevor er entlassen werden konnte. Und er wird zumindest kurzfristig die Probleme der Stuttgarter lösen und die Mannschaft zum Klassenerhalt führen. Da bin ich absolut überzeugt von, das hat er bisher immer hinbekommen. Aber seine durchschnittliche Amtszeit dauert halt auch genau 1,35 Jahre. Denn das ist halt auch nur ein Trainer, der dir kurzfristig deine Probleme löst und keiner, der dir langfristige Lösungen anbietet. Das ist, wenn es gerade halt um den Klassenerhalt geht, auch nicht verkehrt. Aber man hatte es unter Mislintat gerade geschafft, aus diesem ewig währenden Kreislauf auszubrechen und tatsächlich auch in der Trainerfrage perspektivische Antworten zu suchen.

Jetzt kann man sich darauf einstellen, dass man im Winter 2024 wieder einen Trainer suchen wird. Man ist zurück in dem Modus, der einem die letzte Labbadia Verpflichtung gebracht hat. Und der war ja immerhin der erfolgreichste Trainer in den Jahren zwischen Armin Veh und Materazzo. Aber halt auch nicht wirklich gut

Nebenbei fällt mir da dann auf, wie albern das legendäre Peter Neururer Meme ist, der ja angeblich bei jeder freien Stelle sofort mit dem Porsche vorfährt. Genau jetzt vor der DFB Zentrale... In der Realität fährt diese Luxuskarosserie schon vor, aber es steigt halt Labbadia aus...

Samstag, 3. Dezember 2022

Die "Wir haben den Urlaub schon gebucht" Mannschaft

 Oder die Reha. Ich wollte das ja eigentlich nicht, weil ich mich mit dem sportlichen Teil gar nicht so wirklich befasse. Wenn man kaum was gesehen hat, ist es schwierig eine Elf von Versagern zusammenzustellen. Aber dann kam mir eine Frage in den Sinn:

Kann ich eine Vorrundenaus Elf nur aus Bayern Profis zusammenstellen? 

Für Neuer, Kimmich, Gnabry, Goretzka, Sané, Müller, Musiala, Hernandez (auch wenn der wirklich nichts dafür kann), Pavard (der anscheinend auch nicht mehr auf den Platz zurückkehren wird), Davies und Choupo-Moting ist das Turnier bereits beendet. Das ist eine beeindruckende Liste.

Weiter dabei sind dafür Jopip Stanisic, der aber noch auf seinen ersten Einsatz wartet. Also echt mehr dabei als mitten drin ist. Und Mathijs de Light, der aber wie Pavard nach dem ersten Spiel seinen Platz räumen musste. Dayot Upamecano gehört dagegen tatsächlich zu den im 2. Spiel geschonten Stammspielern. Kingsley Coman ist so unersetzlich, dass er selbst in dem bedeutungslosen Spiel auflaufen musste. Und Noussair Mazraoui vom Überraschungsgruppensieger Marokko. Die dafür dann jetzt gegen Spanien antreten dürfen. Der kann "uns" jetzt also rächen.

Das Absurde daran ist ja, dass man vorher behaupten konnte, mit Manchester City auf Augenhöhe zu sein. Beide Mannschaften haben halt 16 Spieler abgestellt. Nur Barca hat mehr. Aber der feine Unterschied ist, dass 9 Bayern Spieler bereits ausgeschieden sind. Bei City haben dies "nur" İlkay Gündoğan und Kevin de Bruyne "geschafft". Bei Barca sind es immerhin 3: Ronald Araujo, Marc Andre ter Stegen und Andreas Christensen

Für die Bundesliga ist das jetzt natürlich doppelt schlecht. Einerseits wird einem bewusst gemacht, dass die Bayern Stars gar nicht so überragend sind. Andererseits haben diese Bayern-Stars jetzt viel Urlaub und können relativ früh in die Vorbereitung einsteigen. Als hätten die nicht schon genug Vorsprung...

Freitag, 2. Dezember 2022

Wir müssen über den Querpass-Toni reden.

Nebenbei... war ich gestern bei der wunderbaren Catt, die ungelogen auf die Bühne ging, als der Kicker-Ticker die 86. Minute angezeigt hat. Mehr Konzerte statt Katar geht gar nicht... Aber zum eigentlichen.

 Klar, Toni Kroos ist jetzt nicht das Erste, woran man denkt. Aber es ist halt schon so, dass man daran die grundlegenden Probleme festmachen kann. Wir sollten vielleicht mal darüber nachdenken, ob wir unsere Legionäre endlich mal ordentlich wertschätzen. Und damit meine ich wirklich das "wir", weil ich da auch über Journalisten und Experten reden. 

Es wurde jetzt halt, wie Joshua Kimmich richtig anmerkt, das dritte Turnier in Folge in den Sand gesetzt. Und ganz realistisch gibt es bei diesen 3 Turnieren 2 Konstanten: Manuel Neuer und natürlich Thomas Müller. Die standen halt in jedem Spiel dieser Desaster auf dem Platz. Und wir haben uns alle eingeredet, dass die ja Weltklasse sein müssen, weil... ähm... die mit den Bayern die sonst eher durchschnittliche Bundesliga dominieren? Ja, genau.

International haben sie aber nur im Pandemiejahr etwas gerissen. Also als sie gegen 2 französische Mannschaften antreten durften, die jeweils seit Monaten kein Pflichtspiel absolvieren konnten. Und ein Barca im Selbstzerstörungsmodus. Man hatte einen extremen Wettbewerbsvorteil, weil die Bundesliga halt der Vorreiter in der Wiederaufnahme des Leistungssports war. Aber ganz sachlich gesehen muss dieser Titel mit einem Sternchen versehen werden.

Ansonsten verliefen die internationalen Vergleiche mit den ganz Großen eher enttäuschend. Also ja, es reicht immer noch, um Barca zu dominieren, aber was gibt den Bayern denn wirklich Hoffnung, dass man sich in diesem Frühjahr gegen Paris weiterkommen? Was macht diese Mannschaft jetzt besser als letzte Saison?

Gleichzeitig hätten wir zumindest in der Offensive alternativen. Bei Neuer ist es ein bisschen komplizierter, weil Marc Andre ter Stegens Leistungsnachweis auf der internationalen Bühne auch nicht besser ist. Aber vor der EM 2021 war İlkay Gündoğan im zentralen Mittelfeld besser als Müller. 2022 war Kai Havertz besser als Angreifer. Immerhin haben wir mittlerweile eine dieser beiden Wahrheiten begriffen. 

Aber anstatt darüber zu reden, wie wir um diese beiden eine Offensive aufbauen und da konstant und bei jeder Gelegenheit hinarbeiten... fragen wir uns, ob Niclas Füllkrug vielleicht die bessere Alternative ist. Weil der in der Bundesliga einen Lauf hat!!! 

Hey, hier mal ein kurzes Update aus dieser Realität: Havertz ist Stammspieler bei Chelsea London. Einer Spitzenmannschaft der Premiere League. Gündoğan kann bei Manchester City dasselbe von sich behaupten. Die beiden standen sich in einem Champions League Finale gegenüber und Havertz hat dieses Spiel entschieden. Der hat also nachgewiesen, dass er es auf allerhöchstem Niveau kann.

Und was machen wir mit diesen beiden? Nun ja, wir wechseln den einen in der 69. Minute aus und den anderen in der 70. Minute ein. Während der Nations League ist das 2 Mal passiert. Wirklich gemeinsam stand man vor der WM nur gegen England auf dem Platz. Und 65. Minuten lang gegen den Oman. Und das war es. Das waren die gesamten Minuten, die die beiden besten Spieler dieser Mannschaft zum Einspielen bekommen haben. Effektiver kann man die rare Zeit doch gar nicht nutzen. Und dann wundern wir uns, dass die beiden gegen Japan keine Synergie entwickeln. 

Nachdem der Havertz dann ein mal ein schlechtes Länderspiel gemacht hat, vergraben wir ihn direkt für 178 Minuten (ohne Nachspielzeit) auf der Bank. Nur damit er das letzte Spiel dann doch noch dreht.

Aber das grundlegende Problem ist ja, dass wir alle ignorieren, wie gut Havertz ist. Dass wir lieber auf einen "eingespielten Bayern Block" setzen, auch wenn Havertz in einer Mannschaft spielt, in der Müller mittlerweile nicht mal mittrainieren dürfte. 

Das würde komplett anders aussehen, wäre Havertz zu den Bayern gegangen. Auch wenn er dann wahrscheinlich wegen der chronischen Unterforderung im Alltag ein schlechterer Fußballer wäre. Havertz hat genau das gemacht, was wir von unseren Stars immer fordern: Er ist den mutigen Schritt in die beste Liga der Welt gegangen und hat sich da (im Gegensatz zu einem Timo Werner) auch komplett durchgesetzt. Aber dass er dies geschafft hat, ignorieren wir einfach.

Und das ist ja, deswegen die Toni Kroos Referenz in der Überschrift, keine neue Entwicklung, sondern unser ganz normale Umgang mit den Legionären. Denn das, was ein Kroos bei Real Madrid geschafft hat, wurde hier auch nie wirklich anerkennt. Genau so erging es natürlich Mesut Özil. Das Ganze wurde hier schonmal von mir angerissen.

Es wurde jetzt das dritte Turnier in Folge vergeigt, weil die besten Spieler der Mannschaft für einen überalterten und im Nationalmannschaftstrikot seit 8 Jahren nur enttäuschenden Müller weichen mussten. Genau darauf lässt es sich am Ende herunterbrechen. Und so "wichtig" Müller als erster Verteidiger war: Am Ende hat man effektiv zu 10. angegriffen. Man kann es sich halt nicht leisten, mit einem derartigen Nullfaktor im Angriff zu spielen.

An der Stelle ist aber wieder das eigentliche Grundproblem, dass Sportjournalisten am Ende Verkäufer und keine Berichterstatter sind. Und sie verkaufen uns ihre eigene Relevanz. Deswegen können sie vorher nicht darauf hinweisen, dass Müller genaugenommen "nur" in der Bundesliga gut ist. Denn dann könnte man ja zu dem Schluss kommen, dass die Bundesliga gar nicht soo gut ist. Und damit würde man sich dann eingestehen, dass die eigene Arbeit gar nicht soo relevant ist. Da hält man lieber die Illusion aufrecht, dass Müller das schon richten wird, weil der ja so gut ist.

Und wenn Müller vielleicht doch auf die Bank muss, dann nur für Niclas Füllkrug, einen anderen Bundesligaspieler, der international noch gar keine Leistungsnachweise in der Vita hat. Den auf die Bank zu setzen, um einen Premiere League Profi zu bringen... auf diese Idee kommt keiner.

Ich habe in den Vorberichten vorgestern echt den Satz gehört, dass Müller ja nur ein Mal treffen muss, dann wird der Knoten schon platzen. Dass wir bei Turnieren seit dem Halbfinale 2014 darauf warten, dass dieser Knoten platzt. Also seit 17 Spielen. SIEBZEHN. Oder um es anders auszurücken: Müller stand seit dem 1:0 gegen Brasilien bei Turnieren 1473 Minuten (ohne Nachspielzeit) auf dem Platz, ohne ein Tor zu erzielen. Und ja, natürlich ist es ein wenig unfair die Minuten vom 7:1 und die 120 Minuten vom WM Finale mit einzurechnen, denn da war er ja noch ohne Zweifel Weltklasse und wichtig. Aber auch ohne diese beiden Spiele wären es immer noch deutlich über 1000 Minuten. Und nur der Vollständigkeit halber: Er kommt in dieser Zeit auf 2 Torvorlagen. Es durfte noch nie jemand über einen so langen Zeitraum einen derartigen Scheißdreck im Nationalmannschaftstrikot spielen... und er wird dafür noch nicht mal kritisiert.

An derselben Stelle wurde nebenbei gefragt, ob das Ausscheiden vor 4 Jahren vielleicht doch gut war, weil man daraus ja lernen konnte und Costa Rica nicht auf die leichte Schulter nimmt. Das waren die Dinge, die diskutiert worden sind. Nicht die Frage, warum Müllers Bilanz in den Turnieren so grausam ist.