Mittwoch, 8. Juni 2022

Warum läuft Thomas Müllers Nationalmannschaftskarriere so bescheiden?

Scheiße sagt man ja nicht... zumindest nicht in der Überschrift.

Aber vorher noch ein paar Gedanken zum Deutschland - England Spiel: ich fand es faszinierend, wie zufrieden alle mit einem Unentschieden in München war. In einem Heimspiel. Sowohl Hansi Flick, als auch Christoph Kramer, der explizit den tollen Spielaufbau anpries... weil der englische Torhüter den Ball nur lang nach vorne gedroschen hat. Und dann noch dieses toll heraus gespielte Tor.

Eine toll heraus gespielte Chance war es. Aber halten wir mal eines ganz kurz fest: Manuel Neuer hält diesen Ball, Jordan Pickford halt nicht. Und Neuer ist auch der Hauptverantwortliche für den Spielaufbau. Er erinnerte uns mal kurz daran, dass er halt mit einer gewissen Selbstverständlichkeit unhaltbare Bälle abwehrt. Das war früher die Norm, ist aber in den letzten 2 Jahren ein wenig in Vergessenheit geraten.

Und ich will hier auch nicht von einem Torwartfehler sprechen. Aber auch während der WM wird man auf den einen oder anderen Torhüter treffen, der solche Bälle halt hält. Thibaut Courtois zum Beispiel, wie man gerade im Champions League Finale gesehen hat.

Halten wir mal ganz sachlich fest: Wenn wir die Torhüter austauschen, gewinnt England das Spiel mit 2:0. Neuer hält dann den Hofmann Schuss, Pickford vereitelt die Kane Großchance nicht... Aber wir strahlen gerade wieder diese arrogante Selbstgefälligkeit aus, die die letzten 3 Löw-Turniere geprägt haben. Und wie die ausgehen, werden wir uns gleich nochmal anschauen. Fakt ist halt auch, dass der immer noch ungeschlagene Flick keines seiner Spiele gegen die "Großen" gewonnen hat. "Groß" heißt hier auch die Niederlande und Italien, die 2022 nicht wirklich um den Titel mitspielen werden. Und wenn es nicht wieder so läuft, wie 2002, wird man derartige Mannschaften schlagen müssen, wenn man ins Halbfinale einziehen will. Aber hey, Thomas Müller wird dann schon in Form sein und uns den Arsch retten...

Das bringt uns dann... zu der Frage, warum der seit 2014 so Scheiße spielt. Denn dass der im Bayern-Dress immer noch wichtig ist, stelle ich ja gar nicht infrage. Aber auf der anderen Seite stehen halt diese 13 Turnierspiele mit einem Scorerpunkt...

Das ist halt ganz sachlich eine Bilanz, mit der jeder andere Offensivspieler wie die arme Sau durchs Dorf getrieben wird... glaubt ihr nicht? Dann fragt euch mal, wer seit 2014 bei Welt- und Europameisterschaften mehr Scorerpunkte gesammelt hat: Mesut Özil oder Müller? Einer der beiden hat mal ein Führungstor in einem Halbfinale gegen Italien erzielt, der andere ist Thomas Müller.

Aber einer der beiden hatte halt die Chance, seine Bilanz mit tollen Spielen in der EM-Qualifikation gegen Schottland aufzuwerten... deswegen sieht die Gesamtbilanz immer noch toll aus.

Nebenbei können wir mal an einem ganz sachlichen Diskurs festmachen, dass Müller einfach nicht mehr auf dem Niveau von 2014 ist. Ich hab mal gegenüber einem Bayern- und Deutschland-Fan vorgeschlagen, dass man Müller ja von mir aus auf die weniger wichtige Position Rechtsaußen stellen kann und dann (im aktuellen Fall) Jonas Hofmann oder Serge Gnabry auf die Bank setzt. Solange man Platz für İlkay Gündoğan oder Kai Havertz schafft, ist das immer noch besser. Dann sagt mir dieser Mensch dann: "Das ist ja nicht seine Rolle, das kann nicht funktionieren"... und dann erwähne ich sofort: Der ist als Rechtsaußen Weltmeister und Torschützenkönig geworden. Wenn er diese Rolle nicht mehr ausfüllen kann, dann ist er einfach nicht mehr so gut, wie er damals war. Dann sieht man es hinter den Augen rattern, weil er ja weiß, dass ich sachlich gesehen recht habe, aber das kann halt nicht als die Wahrheit akzeptiert werden, weil Müller halt immer noch Weltklasse sein muss... wenn er das wirklich noch wäre, könnte er problemlos nach rechts ausweichen und damit viele Probleme lösen.

Das führt halt zum ersten Punkt: Müller ist gar nicht schlechter, er spielt halt nur gegen schlechte Gegner extrem gut... und davon gibt es in der Bundesliga extrem viele. Wenn die Konkurrenz dann aber seriös wird, ist Müller nur ein viel erzählender Mitläufer. Also selbst beim Champions League Triumph waren die Schlüsselspieler halt Neuer, Alaba, Kimmich, Gnabry, und Lewandowski. Müller spielte nur gegen ein völlig überfordertes Barcelona überragend... In einem Spiel, in dem selbst Coutinho 2 Treffer erzielte... aber niemand wäre auf die Idee gekommen, die Bewertung des Brasilianers grundlegend zu überdenken, weil er da auch mal effektiv war. Dass es quasi das einzige wirklich gute Spiel auf diesem Niveau von Müller war, ist dagegen egal.

Auf der anderen Seite stehen dann aber doch gute Leistungen gegen Dortmund und Leipzig. Und die 10 Meisterschaften, bei denen er ja schon irgendwie eine Schlüsselrolle gespielt hat.

Also um das nochmal festzuhalten: Ich zweifle wirklich nicht daran, dass Müller den Bayern hilft. Dass der bei denen durchaus eine wichtige Rolle einnimmt, auch wenn er am Ende an seiner Grenzen stößt. Der hat schon einen Bärenanteil an dieser unfassbaren Serie. Einerseits natürlich, weil er dieses "Mia san Mia" und diese Gier nach dem nächsten Titel wie kein Zweiter lebt. Aber sollte sich genau diese Gier nicht auch bei den Nationalmannschaftsturnieren bemerkbar machen.

Vor allem aber auch, weil er seine Mitspieler wirklich besser macht. Vor allem einen: Robert Lewandowksi. Halten wir mal eines fest: Ohne Thomas hätte der Pole Gerd's Rekord nie geknackt. 43 direkte Assists für Lewandowski hat der mittlerweile auf dem Konto stehen. Und als der Raumdeuter dann in der Rückrunde den Dienst auf Teilzeit stellt, hatte der Rekordtorjäger auf einmal keine Chance mehr, die 40 Tore Marke wieder zu knacken. Und ja, Müller hat mit 6 Torvorlagen eine für ihn unterirdische Rückrunde gespielt. Auch Lewandowskis Quote fiel deswegen auf "nur 15 Rückrundentore"... Nachdem er im Winter noch auf Kurs lag... Es gibt schon einen direkten Zusammenhang zwischen Müllers Form und Lewandowskis Bilanz.
Nebenbei fand ich es faszinierend, dass selbst der sonst gerade bei seinen Lieblingsnationalspielern so unkritische Kicker in seiner Rangliste den Satz "in einigen Spielen war der Sieger der Winter-Rangliste derartig unsichtbar, dass Julian Nagelsmann eigentlich hätte durchgreifen müssen." schreibt. Das ist ein vernichtendes Urteil... welches natürlich keine Auswirkungen auf seine Rolle in der Nationalmannschaft hat.

Denn Müller ist die perfekte Inkarnation des "Martin Harnik Angreifers". Er ist die perfekte Ergänzung, die um einen klassischen Mittelstürmer herumspielt und auch arbeitet. Der die Räume, die so ein Stürmer kreiert, so eng sie im 16er auch sein mögen, findet und nutzt. Und der auch immer wieder Wege findet, diesen Mittelstürmer in Szene zu setzen. Damit ist er auch immer wieder der Spieler, der die engmaschigen Verteidigungen knackt. Und er ist halt auch der Spieler, der mit seinem Einsatz dafür sorgt, dass der Pole am wenigsten laufen muss... Und pro Spiel ungefähr so oft am Ball ist, wie Teilzeitarbeiter Marcel Sabitzer. Oder seltener als Sven Ulreich... Auch dank der Arbeit von Müller kann Lewandowski sich wirklich voll auf den Abschluss im Strafraum konzentrieren und muss am restlichen Spiel fast nicht teilnehmen.

Aber hier fängt auch das Problem an: Ein Martin Harnik Angreifer bekommt immer dann Probleme, wenn er selber zum sprichwörtlichen Fixpunkt der Offensive aufsteigt. Wenn er nicht um jemand anderes herum spielen kann. Und in der Nationalmannschaft... haben wir diesen Mittelstürmer, um den ein Müller herum agieren kann, einfach nicht mehr.

Wir hatten die früher mit Miroslav Klose und auch Mario Gomez. Allerdings entschied sich Löw dann im EM Halbfinale dafür, Müller ins Zentrum zustellen und Gomez auf die Bank zu setzen... der Mann findet halt immer wieder brillante Lösungen für nicht existierende Probleme... Oh und auch gegen Südkorea saß Gomez trotz Tor gegen die Schweden im Spiel davor anfangs nur auf der Bank... Immerhin neben Müller.

Das Problem in der Gegenwart ist aber: Die "Mittelstürmer" heißen Timo Werner und Kai Havertz. Zumindest, wenn man seine besten Spieler aufstellen würde. Und ja, für "Doppelspitze Havertz - Werner" würde ich meine "Gündoğan muss auf die 10" Haltung überdenken. Das Problem ist halt: Keiner der beiden ist dieser klassische Mittelstürmer, um den ein Müller herum arbeiten kann. Die sind individuell besser als es Klose und Gomez je waren, aber sie spielen halt eine andere Rolle. Und wenn das Spiel nicht um einen festen Mittelstürmer angelegt wird, findet Müller auch die Räume nicht mehr, die dieser Mittelstürmer kreiert. Deswegen sinkt dann auch sein Wert für diese Mannschaft.

Deutschland wird bis zur WM keinen herausragenden Mittelstürmer mehr zeugen. Ok, zeugen vielleicht schon, aber der braucht dann noch nen paar Monate bis zur Geburt. All die Mittelstürmer sind "nett"... Lukas Nmecha ist als offensichtlicher Name gut genug für die Bundesliga, aber halt auch nicht mehr. Der ist aber auch die einzige wirkliche Hoffnung auf jemanden, der vielleicht mal halbwegs gehobenes Niveau repräsentieren könnte. Die Bayern beschäftigen sich ja bewusst nur mit ausländischen Angreifern, wenn es um die Lewandowski Nachfolge geht. (Nebenbei wird es auch spannend, wie es sich auf Müllers Rolle auswirkt, falls Sadio Mané wirklich kommt, der, so weit ich weiß, auch nicht der klassische Mittelstürmer ist...)

Damit ist dann folgender individueller Verlauf für die WM zu erwarten: Müller wird genau so spielen, wie bei der letzten EM: Er wird engagiert auftreten. Hoch motiviert und mit vollem Einsatz das Pressing antreiben. Er wird sogar gegen Costa Rica oder Neuseeland und Japan 3 Tore und 2 Vorlagen sammeln. Dann werden alle die Auferstehung des Nationalhelden feiern und komplett ignorieren, dass er gegen Spanien unsichtbar war... und dann wird man ab dem Viertelfinale nichts mehr von ihm sehen. Das ist die ganz sachliche Analyse anhand der letzten 3 Turniere. Aber das wird uns vorher keiner erklären. Und dann sind alle wieder schockiert, wenn es gegen England nicht zum Sieg reicht... Obwohl man das vorher in nem Testspiel gut beobachten konnte...

Dienstag, 7. Juni 2022

Warum läuft Ilkay Gündogans Nationalmannschafts-Karriere so bescheiden?

 Scheiße sagt man ja nicht. Zumindest nicht in der Überschrift. Und viel wichtiger: Warum analysieren die echten Experten diese Fragen nicht mal in der Tiefe, sondern überlassen das mir?

Lasst uns erstmal eines festhalten: Nach Toni Kroos's Rücktritt ist İlkay Gündoğan der beste verfügbare Deutsche Mittelfeldspieler. Zumindest, wenn man sich die Leistungen im internationalen Vergleich anguckt. Natürlich ist sein Trainer dieses absolute Übergenie, welches es trotzdem immer wieder schafft die K.O. Phase der Champions League zu vercoachen, deswegen bekommt Kroos diese Titel.

Aber Gündogan ist bei einer der besten Mannschaften der Welt einer der wichtigeren Spieler. Also er führt die Mannschaft teilweise als Kapitän aufs Feld. Und jetzt erzielte er die entscheidenden Tore im aktuellen Meisterrennen.

Und natürlich gibt es keine absolute Stammelfe bei Pep Guardiola, deswegen saß er zum Beispiel im Champions League Halbfinale im Hinspiel nur auf der Bank... oder beim Duell gegen den FC Liverpool. Aber Pep... also lasst es mich mal so sagen: Die letzten 4 Premiere-League-Spiele, bei denen Gündoğan "Ohne Einsatz im Kader war", endeten alle unentschieden... sprich: Der Trainer wollte die Saison unbedingt nochmal spannend machen. Ist ihm gelungen, aber er wurde ja trotzdem noch gerade so gerettet.

In der Summe stehen da 28 Einsätze in einem der best besetzen Mittelfeldabteilungen der Welt. Überlegt einfach mal, wie viele aktuelle Nationalspieler auf diese Bilanz kommen würden... Joshua Kimmich. Aber das war's.

Nur mal so zum Vergleich: Das ist genau das Niveau, auf dem Leroy Sané am Ende gescheitert ist. Und jetzt könnt ihr behaupten, dass der ja einen Kreuzbandriss hatte... nun, den hatte Gündoğan auch, er hat sich trotzdem hinterher durchgesetzt... und über einen Wechsel zu den Bayern wurde vorher schon verhandelt. Ich bezweifle, dass die Gündoğan zu den Bayern gehen lassen würden.

Trotzdem wird Sané am Ende den Klub der 100er erreichen und Gündoğan nicht. Denn obwohl er deutlich jünger ist, hat er jetzt schon "nur" 14 Länderspiele Rückstand auf den 31-jährigen. 

Zunächst mal muss man da natürlich auf das immer wiederkehrende Verletzungspech verweisen. Wenn er sich im August 2013 bei einem bedeutungslosen Testspiel gegen Paraguay nicht verletzt hätte, weswegen eine 586-tägige Länderspielpause einlegen musste, wäre er heute Weltmeister. Auch die darauffolgende Europameisterschaft verpasste er verletzungsbedingt. Bleiben also die beiden größten Enttäuschungen der deutschen Turniergeschichte in seinem Lebenslauf... und ein Turnier als Jüngling auf der Ersatzbank. Allein schon deswegen fehlen bei ihm zwangsweise die großen Momente mit dem Adler auf der Brust. 

Aber selbst bei diesen Turnieren... kam er halt nie wirklich an den Platzhirschen vorbei. Also wenn es einen Spieler gab, der darunter litt, dass Jogi Löw einen notwendigen Neuaufbau zunächst verweigerte, dann war es er. So hängt das WM-Turnier 2018 (auch wegen des Erdogan-Fotos vor dem Turnier) in seinen Klamotten, obwohl er nur 59 Minuten spielen durfte... wenn er gleich anstelle von Sebastian Rudy gespielt hätte. Also um das mal festzuhalten: Irgendwie hat es Rudy damals geschafft in der Hierarchie vor dem Deutsch-Türken zu stehen...

Aber da Gündoğan nur bei den "Scheiß-Turnieren" auf dem Platz stand, hat er natürlich auch eine Scheiß-Lobby. Da wird es einfach ignoriert, dass er 4 Premiere League Meisterschaften in der Vita stehen hat. Oder in Deutschland das Double holte, obwohl er nie für die Bayern gespielt hat.

Das "Nie für die Bayern spielen" ist halt auch das nächste Problem. Denn es wird halt immer wieder auf Blockbildung gesetzt, was auch irgendwie vernünftig ist. Aber muss man diese Blockbildung übertreiben? Also ganz praktisch: Der von mir an sich sehr geschätzte Manu Thiele setzt, stand jetzt, in der Innenverteidigung auf das Duo Schlotterbeck und Süle bei der WM. Weil sich die beiden bei Borussia Dortmund einspielen können... Blockbildung ist halt wichtig. Was eigentlich totaler Wahnsinn ist. Denn ich muss meine Einschätzung vom Anfang revidieren (da stand ursprünglich nicht "Mittelfeldspieler"): Gündoğan ist nur der 2. beste verfügbare Deutsche Nationalspieler. Der beste ist Antonio Rüdiger. Seines Zeichens Champions League Sieger 2021. Und designierter Champions League Sieger 2023 oder 24. Um das mal festzuhalten: Rüdiger konnte sich gerade seinen nächsten Arbeitgeber frei aussuchen. Er wechselte vom amtierenden zum aktuellen Champions League Sieger, um dort jetzt mit David Alaba als Bollwerk den nächsten Anlauf auf den nächsten Titel zu nehmen. Und so, wie Real die sammelt, ist es nur die Frage, ob Kroos da noch dabei ist, oder ob das 3 Jahre dauert, bis sie den Henkelpott wieder gewinnen. Aber wenn er, um sich für die WM einzuspielen, nach Dortmund gegangen wäre, würde er dort sofort den Abwehrchef geben und einen der beiden "Neuzugänge" auf die Bank verdrängen. Aber weil die beiden sich ein halbes Jahr lang kennen, soll er jetzt bei der WM auf der Bank sitzen? Und ja, wenn es die Bayern-Innenverteidigung wäre, könnte man sich das vielleicht einreden... aber wir reden von Borussia Dortmund, einer Mannschaft, die mit internationalen Finalen nichts zu tun haben wird. Und auf der anderen Seite von Rüdiger, der noch weitere Champions League Finale erleben wird. Wir sind wahrscheinlich die einzigen, die so dumm sind, da auf die Dortmunder zu setzen... aber wir sind halt auch diejenigen, die nicht einsehen wollen, dass unsere eigene Liga einfach nicht mehr sooo gut ist...

Gündoğan hat praktisch dasselbe Problem: Wenn der vor Jahren zu den Bayern und nicht ins Ausland gewechselt wäre, hätten die den Goretzka nicht (oder nur für die Bank) geholt und er würde jetzt das Herzstück der Nationalmannschaft bilden. Aber er hatte halt höhere Ansprüche an seine Karriere... oder ans Gehalt.

Wir reden uns halt seit Jahren ein, dass es vernünftig ist, auf ein beinah komplettes Bayern-Mittelfeld zu setzen. Goretzka - Kimmich - Gnabry - Müller - Sané ist eine realistische Aufstellung für die WM. Und dann stellen wir vor Ort entsetzt fest, dass dieses Mittelfeld zwar die Bundesliga dominiert, aber abgesehen von dem einen Pandemie-Turnier auf internationalem Paket regelmäßig... nun ja... versagt. Mittlerweile sogar gegen Villarreal. Und in der Nationalmannschaft bei der EM, WM und EM. Trotzdem versuchen wir es in nem halben Jahr wieder... und werden uns dann wieder überrascht umgucken, wenn Müller, nach 3 Toren in der Vorrunde, im Viertelfinale komplett abtaucht, weil es dann halt gegen Frankreich geht.

Aber Gündoğan hat halt keine realistische Chance den Nationalhelden aus der Stammelf zu verdrängen, obwohl es wahrscheinlich das sinnvollste wäre. Denn selbst die Bayern-Fans werden am Ende zugeben, dass Stand Sommer 2022 der Manchester Profi individuell der bessere Fußballer ist. Die reden sich halt nur ein, dass Müller doch so wichtig für das System ist. Auch wenn seine Bilanz in den letzten 3 Turnieren mit 13 Spiele, 0 Tore und eine Vorlage mehr als mager aussieht. 

Das ist nebenbei so ein allgemeines Problem in der Bewertung "Unserer Stars" im Ausland. Also auch Kai Havertz sollte sich nicht zwingend hinter Müller anstellen müssen, aber weil er seinen Siegtreffer halt für Chelsea erzielt hat, ignorieren wir das einfach. Hey, Leute, der Mann hat mal so nebenbei ein Champions League Finale entschieden. Müller fällt auf diesem Niveau nur noch durch kurze Querpässe auf. Und zu Kroos habe ich ja letzte Woche alles gesagt. Warum schaffen wir es nicht, die Leistungen dieser Spieler angemessen zu würdigen und einzuordnen? Dann könnte man auch mal die entsprechenden Konsequenzen für die Nationalmannschaft ziehen.

Man stelle sich mal vor, man hätte die letzte WM mit Gündoğan in der Müller Rolle gespielt. Also praktisch die zentrale Rolle im 4-2-3-1. Das könnte der. Und eigentlich wäre das auch die Lösung für die WM. Am meisten Sorge würde es mir bereiten, wenn Hansi Flick jetzt sagen würde: Wenn alles nach Plan läuft, übernimmt Ilkay die 10 bei der WM. Wenn er denn fit ist, spielt er auch, denn er spielt diese Rolle häufiger bei Man City. Wir werden die Nations League Spiele nutzen, um genau diese Rolle einzuüben und wenigstens ein paar Automatismen zu entwickeln. Thomas Müller ist hier nur der Herausforderer.

Aber das würde ja für einen riesigen Aufschrei sorgen: Wie kann man nur Müller auf die Bank setzen! Der ist doch sooo gut. Obwohl das ganz realistische Limit einer von Müller im Zentrum lautet: Sobald es gegen die richtig guten Mannschaften geht, scheidet man aus. Die eine Ausnahme müsste eigentlich mit einem Sternchen versehen werden, das machen wir aber nicht, weil es um die Bayern und Müller geht... Und eigentlich müssten wir uns ja auch mal mit den Leistungen von Müller im Nationalmannschaftstrikot angucken und nicht das, was er bei den Bayern macht... hey, das gibt uns einen nahtlosen Übergang zum morgigen Beitrag... geil.

Donnerstag, 2. Juni 2022

Was mich an dem Kroos Interview ja echt stört

 Also gut, ich hab es dann wirklich gemacht. Ich hab mir dieses ominöse Interview wirklich mal angeguckt. Auch wenn ich sonst gar nicht zum Champions League Finale kam. Aber bei dem Shitstorm, den er da ausgelöst hat, muss es ja extrem sein, was er da gemacht. Schließlich springen dem Nils Kaben jetzt alle beiseite. Vom Sportbuzzer bis Sport1.

Lasst uns mal eines kurz klären: Reagiert Toni Kroos dünnhäutig und genervt? Bestimmt. Aber wir reden halt von einem Fußballer, dessen Leistungen in Deutschland nicht annähernd angemessen gewürdigt wird, weil er den Bayern halt den Rücken zugekehrt hat. Das macht man halt nicht. Und dann ist man halt auch der Hauptschuldige, wenn Thomas Müller den Ball am Tor vorbeischießt. 

Nur um das mal festzuhalten: Wir reden hier nicht nur von einem der erfolgreichsten Fußballer der deutschen Geschichte. Wir reden von einem der erfolgreichsten Fußballer aller Zeiten. Kurze Frage: Wie viele Fußballer haben mehr Champions League Titel gewonnen, als Kroos? Die Antwort lautet: Paco Gento. Das war's. Und da hieß das Ding noch "Pokal der Landesmeister"...

Dazu kommt halt dieser ominöse Weltmeistertitel. Wir reden also von einem Spieler, der erfolgreicher ist, als Lionel Messi. Wenn er all diese Erfolge mit den Bayern errungen hätte, würde ihm niemand eine annähernd kritische Frage stellen. Als Beweis bringe ich nochmal den Müller an, den man seit Jahren zumindest im Nationalteam kritisch hinterfragen könnte... Trotzdem reden wir uns ein, dass wir Müller im Winter brauchen, es aber gut ist, dass der "Querpass Toni" endlich weg ist... obwohl Kroos derjenige ist, der im Champions League Finale auf dem Platz stand. Zum 6. Mal in seiner Karriere... 

Aber zum Interview an sich: Als ich die Berichtserstattung über die Berichtserstattung gesehen habe, dachte ich mir: Das muss ja richtig eskaliert sein... Stattdessen hat Kroos schon über eine Minute "geredet", seinen Soll also mehr als erfüllt. Dann hatte er keinen Bock auf kritische Fragen. Das kann man nach einem Triumph durchaus so handhaben. Und anhand der jahrelangen Vorgeschichte kann ich es nachvollziehen. Vor allem ist es auch einfach keine große Nummer.

Da ist absolut nichts passiert, worüber man sich jetzt groß echauffieren muss. Wo man seinem Kollegen beiseite springen und ihn verteidigen muss. Kaben hat, wie alle Journalisten, nach dem Spiel eine dumme Frage gestellt. 90 % dieser Fragen sind dumm. Er hatte das Pech, dass er diese Frage einer Persönlichkeit gestellt hat, die es sich leisten kann, auf die Etiketten zu scheißen. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass sich relativ viele Fußballer dieses "Du hattest 90 Minuten Zeit dir eine gute Frage auszudenken und dann kommst du mit so einem Scheiß" auch gerne mal sagen würden. Sie trauen es sich halt nur nicht. 

Das ist nebenbei keine Kritik an der Arbeit der Journalisten. Sie haben die eigentlich unangenehme Aufgabe aus nach 90 Minuten abgekämpften und emotional aufgeladenen Athleten halbwegs brauchbare Antworten herauszukitzeln... dabei können sie gar nicht so sehr ins Detail gehen, dass es wirklich spannende Interviews geben kann, weil sie auch nur 90 Sekunden Zeit haben. Und in dieser Routine sind dann die Sportler und die Schreiberlinge gefangen. Deswegen hört man immer dieselben Floskeln.

Was mich aber wirklich zu diesem Beitrag bewegt: Warum kriegt Kroos diesen Shitstorm von der Medienseite ab? Warum muss Kroos sich dafür rechtfertigen? Warum wird Kaben von der Bild interviewt? Warum gibt es überhaupt den Versuch einer Versöhnung? Wenn wir doch an ganz anderer Stelle einen viel schlimmeren Vorfall hatten, bei dem alle peinlich berührt weggucken?

Denn eigentlich hätten sich alle so auf den Uli Hoeneß stürzen müssen, als er einem Journalisten mit Hausverbot gedroht hat, weil dieser zu viele kritische Fragen stellt. Aber den FC Bayern zu kritisieren, geht halt nicht, das könnte ja Folgen haben. Da stürzt man sich lieber auf den Spieler, der wahrscheinlich eh nie wieder für eine deutsche Mannschaft spielen wird. Da muss man keine Konsequenzen befürchten.

Und verglichen mit dem Hausverbot, welches dem Bild Reporter angedroht wurde, ist dieses nach 1:30 abgebrochene Interview eine lächerliche Kleinigkeit. Aber mit Kroos kann man's ja machen, der war schon immer eine Projektionsfläche für unangebrachte Kritik.

Dienstag, 31. Mai 2022

Die wichtigste Frage in Gladbach gerade: Was wäre schlimmer?

 Also zunächst mal große Anerkennung an Lucien Favre. Das ist ein absoluter Überzeugungstäter. Es hätte echt keine weiteren Beweise mehr gebraucht, der wäre auch so als größter Zögerer und Zauderer in die Fußballgeschichte eingegangen. Aber er entschied sich dann nach 2-wöchigen Verhandlungen doch dafür, dass er nicht mehr in Deutschland arbeiten will. Also nicht nur nicht mehr für Gladbach, sondern allgemein nicht mehr in diesem Land. Da geht es ihm ein bisschen wie Toni Kroos oder Mesut Özil... 

Aber ihn kann es ja auch egal sein, dass er Gladbach jetzt in einer wirklich beschissenen Situation hinterlässt... obwohl er doch gleich gewusst haben muss, dass er eigentlich kein Bock mehr auf dieses Land hat. Denn Gladbach muss jetzt mit der Trainersuche von vorne anfangen, obwohl sie eigentlich schon längst mit dem Neuen an den Stellschrauben des Kaders drehen sollten. Das ist richtig schlecht für die.

Es ist natürlich auch richtig schlecht, dass der eine oder andere begehrte Kandidat schon weg ist. Niko Kovac als nicht nur Meistertrainer, sondern nebenbei auch als Pokalsieger mit Eintracht Frankfurt. Also klar, der kam bei seinen letzten beiden Stationen am Ende nicht so wirklich gut weg. Aber er hat nachgewiesen, dass er in Deutschland Titel gegen die Bayern holen kann. Überlegt euch einfach mal, wie klein dieser Kandidatenkreis ist... Also Julian Nagelsmann steht nicht auf dieser Liste. Jürgen Klopp und Thomas Tuchel natürlich. Aber die zu verpflichten, dürfte schwierig werden. Dann bleiben auch nur noch Dieter Hecking, Felix Magath, Edin Terzic und Domenico Tedesco übrig. Und eben Kovac. Wenn ich also als Verein wie Gladbach mal auf einen Titel spekuliere, hätte statistisch gesehen Kovac mehr Sinn ergeben als Favre. Der holt nämlich bekannterweise keine Titel.

Hecking und Magath sind im Jahr 2022 keine realistischen Kandidaten mehr und Tedesco sitzt fest im Sattel und Dortmund hat gerade sichergestellt, dass ihnen niemand den Terzic wegnimmt... was macht man also als Gladbach, wo man jetzt zur ungünstigsten Zeit einen Trainer suchen muss?

Nun ja, es gibt da halt 2 Kandidaten, die verfügbar wären. Beide haben durchaus einen guten Ruf. Und beide lassen angeblich tollen Offenisvfußball spielen. Einer würde sogar in die "Hat ohne die Bayern einen Titel geholt" Kategorie fallen... aber beide wären eine Katastrophe.

Der erste Kandidat ist offensichtlich Florian Kohfeldt. Obwohl, jetzt hat ja das letzte halbe Jahr nachgewiesen, dass selbst Max Kruse dem nur bedingt hilft. Dessen Lack hat ganz schön gelitten, seit dem er vor 3 Jahren als das größte Trainertalent der neusten Generation galt. 

Ich wollte mal so ganz nebenbei erwähnen, dass der "Trainerpreis des deutschen Fußballs" nicht mehr vergeben wird, seitdem Kohfeldt den bekommen hat. Falls das ein Wanderpokal war, steht der immer noch bei ihm im Regal. Es gibt da auch keinerlei Informationen zu. Der DFB verschweigt einfach, dass er diesen Preis jemals vergeben hat. Das hat nicht mal Barack Obama geschafft, obwohl er sich alle Mühe gegeben hat den "Friedensnobelpreis" ins Lächerliche zu ziehen...

Aber machen wir uns nichts vor: Nur weil ich hier seit Jahren auf dem armen Jungen rumhacke, bedeutet dies nicht, dass sich der eine oder andere Bundesliga-Manager in ihn verlieben wird. Also dass sich der Max Eberl Nachfolger (wer ist das eigentlich?) einredet, dass er zusammen mit diesem eine neue Ära einleiten wird. Der wird dann einfach sagen, dass er in Wolfsburg ja nur als Feuerwehrmann im Einsatz war und auch gar nicht wirklich gescheitert ist... und dass das alles viel besser wird, wenn man gleich die ganze Saison mit ihm plant und ihm den richtigen Kader zusammenbastelt. Da muss er nur noch rauskriegen, wie viel Ablöse Max Kruse gerade kostet...

Kohfeldt wird noch eine weitere Chance in der 1. Liga bekommen. Es wird immer noch nicht bei allen angekommen sein, dass der nur eine einzige gute Saison in seiner Trainerkarriere erlebt hat...

Aber es gibt noch einen anderen Kandidaten mit einem viel besseren Resümee. Jemanden, der bei all den Trainerposten überhaupt nicht auf dem Radar war, bis der Kicker ihn dann plötzlich in Gespräch gebracht hat. Dem einzigen Trainer auf der Welt, der DFB Pokalsieger und Weltmeister wurde. Ok, das behaupte ich jetzt so, aber wenn man bedenkt, wie wenige Titel unser Nationalmannschaftstrainer im Allgemeinen sonst so geholt haben....

Die Rede ist ganz offensichtlich von Jogi Löw. Wem auch sonst. Und für mich gibt es ja 2 Varianten, warum Löw nirgendwo im Gespräch ist:

1.) Er sucht sich seinen nächsten Job sehr gezielt aus und sagt selber direkt nein. Und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Löw einen riskanten Job wie bei der Hertha annehmen würde... auch wenn Bild das irgendwann mal behauptet hat. (Ihr könnt da ruhig draufklicken, der Link führt nicht zur Bild). Da müsste Löw ja mal so wirklich arbeiten und genaugenommen könnte er nur verlieren. Also gerade bei der Hertha kann man ja derzeit nur zurücktreten. Die sind 2 Tage nach Beendigung der Mitgliederversammlung immer noch nicht mit allen Rücktritten durch. 

Aber ganz ehrlich, selbst im Idealfall... so ein "Projekt", bei dem man vielleicht in 4 bis 5 Jahren Titel holen kann, wird sich Löw nicht antun. Also da bin ich persönlich überzeugt von. Damit bleiben in Deutschland ja nur Bayern, Dortmund und RB übrig. Da wird er sich einen interessanten Job im Ausland suchen müssen.

2.) Er ist wirklich nirgends im Gespräch, weil niemand Interesse an ihm hat. Dann würde es ihm richtig auf die Füße fallen, dass er nicht früher zurückgetreten ist. Klarer Fall von "Den Zeitpunkt zum Absprung verpasst." Denn mittlerweile ist er halt nicht mehr der Weltmeistertrainer, sondern hat halt seinen letzten Titel vor 8 Jahren geholt... Sein letzter Titel als Vereinstrainer ist 19 Jahre her, sein einziger Titel in Deutschland 25. Das ist ein Vierteljahrhundert ohne Trophäe... 

Es ist halt faszinierend, weil ihm nach 2014 definitiv alle Türen offen standen. Da hätte er es sich echt aussuchen können, welchen Champions League Aspiranten in Bayern oder im Ausland er übernimmt. Damals glaubten wir alle halt, dass dieser Titel wirklich was mit ihm als Trainer zu tun hatte... mittlerweile wissen wir, dass eher die ganzen vercoachten Titelchancen auf ihn zurückzuführen waren.

Für mich persönlich ist das natürlich schade. Ich hätte gerne gesehen, wie Löw eine deutsche Vereinsmannschaft übernimmt und dann allen auffällt, dass der nur ein Scharlatan ist. Und nie mehr gewesen ist. Das würde nicht so dramatisch eskalieren, wie der Versuch mit Jürgen Klinsmann bei den Bayern... aber auch ein langsamer, aber unaufhaltsamer Zerfall kann doch etwas sehr Schönes sein. Also zumindest als Unbeteiligter, alle Werder Fans werden berechtigterweise das Gegenteil behaupten.

Es ist aber schon bezeichnend: Das ist ja die 2. große Trainerrotation in Folge. Und klar, direkt nach der EM war es unwahrscheinlich, dass Löw sofort was macht. Aber, dass er diesen Sommer nirgends ernsthaft im Gespräch ist... Er muss fast schon darauf hoffen, dass Gladbach mal bei ihm anruft, sonst könnte der Zug endgültig abgefahren sein.

Donnerstag, 26. Mai 2022

Die wichtigste Nachricht der Woche

 Die US-Frauennationalmannschaft wird endlich angemessen bezahlt. Also wie sich das gehört. Deswegen hier jetzt pünktlich zum Herrentag alles, was ihr zum Thema "Equal Pay im Fußball" wissen müsst, damit ihr eine ordentliche Argumentationsgrundlage habt.

Dabei muss man dieses Thema natürlich auf mehreren Ebenen betrachten. Wer hätte das gedacht. Die Lage in Deutschland ist eine ganz andere als die in Amerika. Kommen wir dabei also direkt zu dem ersten dummen Gegenargument: Jeder sollte nach dem, was er erwirtschaftet, bezahlt werden.

Das stimmt... Da sind sich alle einig. Hier kommt das Problem: Genau darum haben die US-Frauen doch jahrelang gekämpft. Also hier sind ein paar ganz absurde Umsatzzahlen: 24,5 Millionen gegenüber 18,5 Millionen. Die größere Zahl gehört zu den Frauen, auch wenn die ein paar Spiele mehr absolviert haben und der "Pro Spiel Umsatz" dann annähernd gleich ausfällt. Aber obwohl die Frauen bei jedem Spiel mehr Geld umgesetzt haben, bekamen sie 4.000 Dollar weniger pro Auftritt. Da kommen dann ganz schön große Zahlen zusammen.

Für uns Deutsche ist es natürlich unvorstellbar, dass eine Frauenmannschaft ähnliche Umsätze generiert, wie die Männer. Aber da sollte man sich einfach mal die Bilder von der Siegesparade 2019 in Erinnerung rufen und sie mit den Eindrücken aus dem 1:2 gegen Trinidad und Tobago vergleichen. Dann ergibt das auf einmal Sinn. Aber selbst als Weltmeisterinnen bekommen die weniger Geld, als "ihre Männer", die sich nicht mal fürs Turnier qualifizieren...

Und ja, dass Frauen, die gleiche oder ähnliche Umsätze generieren wie die Männer, jahrelang dafür kämpfen müssen, dass sie auch gleich bezahlt werden, sollte jedem deutlich machen, wie schlimm die Lage ist. Denn selbst in den wenigen Fällen, in denen das der Fall ist, wird die Frau schlechter behandelt.

Ein weiteres wichtiges Thema ist da ja auch, dass beide Mannschaften gleich behandelt werden. Und da kann man noch so oft behaupten, dass die doch auch in tollen Hotels wohnen. Fakt bleibt halt; Megan Rapinoe hat sich auf einem Platz, den sie Christian Pulisic nie betreten lassen würden, das Kreuzband gerissen. Also auf einem dieser hässlichen amerikanischen Kunstrasenplätze, die zum Fußballspielen echt ungeeignet sind.

Nebenbei muss ich hier noch einen kurzen Einschub, der nur bedingt was mit Fußball zu tun hat, aber sehr viel mit dem Umgang amerikanischer Athletinnen aussagt. Ich bin letztens völlig random über die GoFundMe Kampagne von Sedona Prince gestolpert. Die hat sich bei einem Jugendturnier für die Nationalmannschaft das Bein böse gebrochen und blieb hinterher auf den Kosten der Folgebehandlungen sitzen. 22.000 US-Dollar. Und all das zu einer Zeit, wo sie als "College Athlete" 0 Cent mit dem Basketball spielen verdienen durfte. Und ja, vielleicht ist sogar das College Schuld an der Infektion, weil sie die Dame mit Antibiotika vollgepumpt haben, damit sie so schnell wie möglich wieder spielen kann. Deswegen hat Price dann auch das College gewechselt, was als Nächstes dazu führte, dass sie von der NCAA gesperrt wurde... denn man kann ja nicht einfach das College wechseln, wenn man medizinisch schlecht behandelt wird... Aber wie kaputt ist es eigentlich, dass man auf den medizinischen Rechnungen sitzen bleibt, wenn man sich im patriotischen Dienst verletzt? Wie kann man nicht mal annähernd ordentlich versichert sein, während man als Amateur für ein großes, Millionen Umsätze generierendes College spielt?

Aber zurück zum Equal Pay: Den Amerikanerinnen geht es immer nur darum, dass sie an den Umsätzen, die sie generieren, genauso beteiligt werden, wie die Männer. Also das ist ja auch der ewige Kampf der WNBA. Es geht nie darum, dass Megan Rapinoe so viel Geld bekommt, wie Lionel Messi. Oder dass Elena Della Donne einen 200 Millionen Vertrag unterschreibt, wie LeBron James ihn angeboten bekommt. Es geht ausschließlich darum, dass auch die Frauen 50 % von dem Betrag X, den sie erwirtschaften, ausgezahlt bekommen. So wie es bei den Männern im Tarifvertrag festgeschrieben ist. Bei den Frauen wird es an der Stelle aber richtig kompliziert. Aber dass der Betrag X bei den Frauen wesentlich geringer ausfällt, als bei den Männern, ist allen Beteiligten bewusst. Es geht also wirklich nur darum, dass sie das bekommen, was sie auch erwirtschaften. Also genau das, was alle Equal Pay Kritiker auch wollen...

Was uns dann zu der Lage in Deutschland bringt. Denn auch da fordern die Frauen keine direkte Anpassung der Gehälter ans Männerniveau. Bei den deutschen Frauen haben wir ein ganz anderes Problem: mangelnde Sichtbarkeit.

Nun muss ich direkt zugeben, dass ich einen Aspekt davon nicht nachvollziehen kann: die Anstoßzeit der Nationalmannschaft. Damit ihr euch auch für beide Gesprächsoptionen für beide Parteien gebe. Also eine der prägenden Fragen ist ja: Wer soll sich das denn angucken, wenn am Freitag um 16 Uhr angepfiffen wird? Und wer kommt da ins Stadion? Und meine spontane Antwort lautet: Kinder und Schulklassen? All diejenigen, die vom Stadionbesuch der Männermannschaft ausgeschlossen sind, weil Mittwoch Abend 21 Uhr für sie einfach eine ungünstige Zeit ist? Also die Fans der Männernationalmannschaft haben sich jahrelang darüber aufgeregt, dass die Anstoßzeit so fanfeindlich ist. Und die Frauen sagen jetzt "Da wollen wir auch hin!"? Warum versucht man nicht mal, diese Fans mit einem "Kommen sie bitte zu uns!" abzuholen? Und klar, dann wird man immer noch nicht in der Allianz-Arena spielen... aber vielleicht kommen doch ein paar mehr junge Leute ins Stadion. Und wenn man die abholen könnte und früh eine Bindung aufbaut...

Das ist ja eines der Grundprobleme: Der Frauenfußball bietet eigentlich genau den Sport, den all die Traditionsfans, die sich von der Bundesliga wegen Red Bull und Aktiengesellschaften angewidert abwenden, so gerne sehen würden. Keine übertriebene Kommerzialisierung. Seltenere Schauspieleinlagen. Kinderfreundlichere Anstosszeiten. Mehr Fußball. Trotzdem gehen diese Fans dann lieber zur Regionalliga als zur Frauenbundesliga. Die eigentliche Frage lautet also: Wie überzeugt man diejenigen, die eigentlich nur ordentlichen Fußball sehen wollen und auf das ganze drumherum keinen Bock haben, dass die Frauenbundesliga eine Option wäre?

Aber im Großen und Ganzen haben die Frauen doch recht: Die mangelnde Sichtbarkeit ist ein riesiges Problem. Und andere Nationen haben "uns" da gerade einfach mal überholt, obwohl es nach der WM in Deutschland 2011 doch so aussah, als würde es Fortschritte geben. Aber die Zuschauerrekorde werden in Wembley und im Camp Nou aufgestellt. Barcelona schafft es 90.000 Fans zu ihren Champions League Spielen zu locken, Wolfsburg nur 10.000. Wobei, es ist der VfL Wolfsburg, die kriegen auch bei den Männern das Stadion nicht voll...

Und nur so nebenbei: 2019 wollten 60.000 Fans das Ligaspiel zwischen Atletico Madrid und Barca sehen. Klar, beide Spiele sind Ausnahmeveranstaltungen. Aber es zeigt doch, dass da mehr gehen würde. Dass man sich dann als deutsche Nationalspielerin fragt, warum solche Festtage in Deutschland nicht möglich sind, ist doch nachvollziehbar.

Natürlich leiden die am Ende an dem einen Problem, welches alle haben: Der Männerfußball ist in diesem Land so dominant, dass er alles andere platt macht. Man muss irgendwie die Lücken im viel zu vollen Spielplan finden, wenn man mit seiner Nischensportart Erfolg haben will. Und abgesehen von der Formel 1 sind das alles Nischensportarten. Faszinierender Weise hat ja ausgerechnet die größte Sportliga der Welt genau diesen Sweetspot gefunden: Also die pfeifen genau dann an, wenn der gemeine Fußballfan nicht vom Fernseher sitzt, weil es am Sonntagabend keine Bundesligaspiele gibt... Schade für alle anderen Sportarten, dass sie diese Lücke nicht gefunden haben.

Mittwoch, 25. Mai 2022

Passives Abseits Leser wissen es früher: Die Conference League ist etwas Gutes

 Es hat auch nur ein Jahr gedauert, bis auch der Kicker das bemerkt hat. Welch ein Wunder, wo die sich sonst nie mit Fußball beschäftigen. Aber das einzige, was an meinem Artikel vom März 21 nicht gut gealtert ist, ist der Spruch zur russischen Invasion der Ukraine... durch als Fans getarnte Soldaten. Aber im Wesentlichen ist alles eingetreten. Ok, bei der naiven Hoffnung, dass wirklich andere Nationen am Halbfinale teilnehmen, lag ich ein wenig daneben, weil es am Ende doch wieder England, Italien, Frankreich und Holland untereinander austragen, wer den Titel holt. Aber hey, wenigstens Holland. Und José Mourinho. Natürlich Mourinho... wenn es einen Titel gibt, den er noch nicht geholt hat, dann ändert er das so schnell wie möglich und zieht im ersten Jahr ins Finale ein.

Nebenbei... ist es das erste Finale für AS Rom seit 1991. Das letzte Mal, als Gegner Feynoord an einem europäischen Finale teilnahm, hieß das Ding noch "Uefa Cup"... Das sind zwar schon große Namen, aber eben nicht die Namen, die um den Champions League Titel mitspielen. Genau genommen sind es sogar Länder, die nicht um den Champions League Titel mitspielen, weil selbst Italien ja in den letzten 10 Jahren ein wenig den Anschluss verloren hat. Ajax hat diesen Titel zuletzt 1996 geholt... und machen wir uns nichts vor: Sie werden diesen Titel nie wieder gewinnen.

Aber gucken wir uns nochmal die Viertelfinale an. Also zumindest auf dem Papier. Da nahmen Slavia Prag, FK Bodö/Glimt und PAOK Saloniki teil. Nun muss ich zu meinem eigenen Entsetzen feststellen, dass dies Slavia Prags 3. Viertelfinalteilnahme in 4 Jahren ist... Solange man nicht zufällig in die Gruppenphase der Champions League einzieht, kommen die echt weit... Damit hätte ich nicht gerechnet. Und die haben unterwegs sogar mal den FC Sevilla geschlagen... als gefühlt einzige Mannschaft in der Europa League in diesem Jahrtausend. Ich bin wirklich überrascht.

Aber Bodö/Glimt und Saloniki? Die Norweger standen 1979 ein mal in einem Achtelfinale. Saloniki stand 74 im Viertelfinale des mittlerweile abgeschafften Europapokal der Pokalsieger... Und das kann man ja sogar noch eine Ebene höher ansetzen: Seit dem es die Europa League gibt, hat es noch nie eine Mannschaft aus Griechenland oder Norwegen ins Viertelfinale geschafft... aber Hannover 96. Die letzte Viertelfinalteilnahme von Panathinaikos Athen ist aus dem Jahr 2003. Olympiakos Piräus hat tatsächlich ein Mal das Viertelfinale der Champions League erreicht... im letzten Jahrtausend. Rosenborg Trondheim spielte 1997 ebenfalls gegen Juventus Turin. Und das war's. Wenn ich nicht irgendwas verpasst habe, waren das alle Viertelfinalteilnahmen dieser Länder seit 1990. Das sind also 3 in 30 Jahren. Und ja, "früher" ist so was regelmäßiger passiert. Also Panathinaikos erreicht 71 sogar das Finale des Europapokals der Landesmeister. Damals, als Ajax noch diesen Wettbewerb dominierte. Und 85 war am erneut im Halbfinale... Dazu kommt ein Viertelfinale im Europacup aus dem Jahr 1988. Was aber auch nur bedeutet: Dieser eine Verein hat in den 20 Jahren vor 1990 mehr Viertelfinalteilnahmen erreicht, als das gesamte Land seit dem zusammen.

Und jetzt hat man einen Wettbewerb, in dem das, was Slavia Prag absurderweise als einzige Mannschaft schafft, wieder die Regel werden könnte. Jetzt können die Nationen, die sonst das Viertelfinale immer nur am Fernseher verfolgen, wirklich mal ins Stadion gehen. Und genau das wollte die UEFA erreichen.

Dienstag, 24. Mai 2022

Am Ende machen sie es wirklich

 Auch wenn sie sich alle Mühe gegeben haben um Anstand zu beweisen... ganz im Gegensatz zur Hertha, die plötzlich von S&M Vorlieben sprachen... wobei ich da echt verwirrt bin... Warum steht Fredi Bobic bei Mitgliederversammlungen auf den harten Scheiß, in der Relegation aber nicht? Kann man da selektiv sein? Oder muss man da nicht grundlegend drauf stehen.

Das eigentliche Highlight kam aber von Felix "Unabsteigbar" Magath, der direkt sagte "Das kann ich dann in einem halben Jahr nochmal versuchen..." Großes Kino. Und ich sag mal: Bei der Ruhe, die er während des ganzen Abenteuers ausgestrahlt hat, ist es gar nicht soo unwahrscheinlich, dass der "Wir rutschen überraschend unten rein" Verein, nennen wir ihn Schalke 04, im März wieder bei Magath anruft.

Aber zum eigentlichen: Tim Walter hat es dann wirklich getan. Der sagte nach dem Spiel tatsächlich folgendes: "Die Jungs haben das nicht verdient, der Verein hat das nicht verdient und die Stadt hat das nicht verdient." Wie kurzsichtig kann man sein? Wie egal kann einem die jüngere Vereinsgeschichte sein? Wie wenig Anstand kann man haben?

Also um das mal festzuhalten: Selbst als jemand, der die Relegation grundlegend ablehnt, weil sie zulasten des Zweitligisten geht, sage ganz offen: Wenn es ein Verein verdient hat, an der Relegation zu scheitern, dann dieser HSV. Aber so was von. Schließlich haben sie als Bundesligist 2 Mal von diesem Scheiß profitiert. Unter anderem von einer Fehlentscheidung in allerletzter Sekunde in Karlsruhe. Wer sich ein Mal in Leben auf so etwas berufen muss, hat jegliches "Das haben wir nicht verdient" verspielt. 

Ohne diesen Scheiß würde die nicht ins 5., sondern in ihr 9. Zweitligajahr gehen. Und als Trainer dieses Vereins muss es einem doch bewusst sein, dass dieser Verein diese Vergangenheit hat. Also der wird ja vorher bestimmt auch gesagt haben, dass man in der Relegation bis jetzt ja immer besser war. Wenn nicht extern, dann intern.

Es ist schon faszinierend, dass dieser absolut unfaire Scheiß mit 9 Jahren Verzögerung mal für so etwas wie "Gerechtigkeit" sorgt. Auch wenn natürlich auch die Hertha den Abstieg verdient gehabt hätte. Am Ende gibt es nur eine konsequente Lösung: Abschaffen.

Oder, was Manu Thiele letztens ins Gespräch gebracht hat: Liga interne Playoffs. Also Hertha gegen Stuttgart und Hamburg gegen Darmstadt... wenn der DFL dann auffällt, dass man dadurch 8 Spiele statt 4 ansetzen könnte, machen die das sofort. Aber leider reden die nicht mit Menschen, die gute Ideen haben... Aber immerhin laufen solche Ansagen mittlerweile offiziell auf dem ZDZ Sportstudio Kanal...

Nebenbei ist es, um den Bogen zu Bobic zu schlagen, echt faszinierend, wie masochistisch wir alle angelegt sind. Also es hat wohl noch nie ein qualitativ gutes Relegationsspiel gegeben. Also wo mindestens eine, im besten Falle aber beide, Mannschaften so richtig attraktiven Fußball spielen. Das ist jedes Jahr ein absoluter Grottenkick... trotzdem zahlen die Fernsehstationen dafür Millionen... und wir fressen das ja auch fleißig. 

So, und jetzt soll dieser Drecksverein endlich sein "Unaufsteigbar" Merch drucken. Macht es, ihr habt es euch verdient.