Freitag, 26. Februar 2021

Die Auswärtstorregel ist etwas wunderschönes.

 Und ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich früher mal das Gegenteil behauptet habe. Das war aber wahrscheinlich im Rahmen der Relegation. Da gibt es einen entscheidenden Unterschied: Das Ergebnis der Relegation ist oftmals essenziell für den Verein. Ein Abstieg ist ein dramatischer Einschnitt, ein verweigerter Aufstieg ebenfalls. Das Erreichen der nächsten Runde in der K.O. Phase ist, dank der endlos aufgeblähten Gruppenphase reiner Luxus. Sollte es zumindest sein.

Natürlich gibt es mittlerweile Argumente gegen die Auswärtstorregel. Sie ist definitiv in die Jahre gekommen. Denn das Reisen hat halt wesentlich weniger Einfluss auf die Leistung als vor 50 Jahren, weil wir einen extremen Luxusstatus erreicht haben... Und auch eine extrem hohe Sicherheit. Man sollte auch nicht verschweigen, dass Fußballmannschaften schon bei Auswärtsreisen abgestürzt sind. Heute ist das größte Problem, dass man eventuell wegen eines Nachtflugverbotes nicht abheben darf...

Weiterhin ruiniert diese Regel die Hinspiele. Am Ende ist eine 1:0 Auswärtsniederlage ein gutes Ergebnis. Wie oft hört man Leute nach einem 1:2 sagen "Das ist gut für uns, wir haben unser Auswärtstor." Ok, ganz so schlimm ist es nicht, aber bei einem Unentschieden kommt das jedes Mal. Gleichzeitig lohnt es sich für die Gastgebende Mannschaft kaum, noch das 2:1 zu erzielen. Das führt dazu, dass oftmals knappe Ergebnisse von beiden Mannschaften strategisch verteidigt werden.

Natürlich könnte man behaupten, dass das eine Einstellungssache ist und die Heimmannschaft definitiv auf das 3:1 gehen sollte. Allerdings bewies Barca jahrelang, dass es vollkommen irrelevant ist, wie hoch man das Hinspiel gewonnen oder verloren hat.


Was macht die Auswärtstorregel jetzt so wunderschön? Nun ja, ein Tor ändert buchstäblich alles für BEIDE Mannschaften. Mir passiert es relativ oft, dass ich am Donnerstagabend in zufällige Rückspiele in der Europa League rein zappe und dann von den extremen Emotionen beider Mannschaften mitgerissen werde... obwohl ich nicht mal genau wüsste, wo diese Orte liegen und in welcher Liga die spielen. Und so regelmäßig, wie die Deutschen Mannschaften versagen, ist das ja der einzige Grund im März Europa League zu gucken...

Stellt euch einfach mal folgende Frage: Wo sonst wirft Innenverteidiger, der eingewechselt worden ist, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen, plötzlich verzweifelt im gegnerischen Strafraum in jeden langen Ball, weil sein Team auf ein Mal dringend ein Tor braucht.

Nehmen wir mal Arenal - Benfica: Nach einer Stunde sah es nach einem sicheren Weiterkommen für Benfica aus, denn wie wahrscheinlich ist es, dass eine Ansammlung von Arsenal-Stürmern in 30 Minuten 2 Tore schießen? Genau. Aber in der 67. Minute fängt der sichere Vorsprung an zu wackeln. Und in der 87. schießt Arsenal tatsächlich den Treffer, der die nächste Runde bedeuten würde. Und dann köpft Rafa den Ball aus Abseitsposition noch an den Pfosten, das Spiel hätte erneut auf den Kopf gestellt werden können. Vor allem gab es in der 2. Halbzeit keine einzige "Lass mal durchatmen und sortieren" Phase. In der beide Teams durchpusten und sagen "Hey, im schlimmsten Fall geht es halt in die Verlängerung."

Und wenn ihr jetzt denkt: Das ist doch eine Ausnahmesituation. Ähm... nein. Eindhoven ist praktisch in der 88. Minute aus dem Wettbewerb geflogen. In diesem Spiel trifft Kouka kurz vor den Knock Out den Pfosten und nicht danach... Allein in dieser Runde passierte es also 2 Mal.


Ich erkläre den Unterschied zu allen anderen Situationen anhand anderer Situationen. Und Schalker Fans sollten dranbleiben, wir kommen gleich zur "guten, alten Zeit". Aber zunächst:

Paderborn - Dortmund: Wie immer kehren wir zu diesem Spiel zurück und Steffen Baumgart bekommt PTSD. Der wird meinen Blog wohl als nächstes deabonnieren... Aber jetzt stellt euch vor, der Elfmeter in der Nachspielzeit hätte nicht nur die Verlängerung bedeutet, sondern direkt das Weiterkommen besiegelt. Dann liegen sich die Paderborner, trotz Abstandsregeln, 3 Tage am Stück in den Armen und die Dortmunder trauen sich trotz Beherbergungsverbot 3 Tage nicht zurück in den Pott getraut. Damn, ich wollte diesen Post Covid-frei halten, hat mal wieder nicht funktioniert. Stattdessen repariert Dortmund dieses Missgeschick halt einfach in der Verlängerung. Ist ärgerlich, aber nicht wirklich schlimm. Nebenbei fällt mir da eine spontane Regeländerung ein, die den DFB Pokal spannender macht: Wenn es nach 90 Minuten unentschieden steht, kommt die klassentiefere Mannschaft weiter. Verlängerung gibt es nur beim "Bundesliga - Bundesliga" oder "2. Liga gegen 2. Liga" Szenario. Sportlich unfair und willkürlich? Vielleicht. Aber sehr viel interessanter. Ich denke das mal durch.

Kommen wir zur guten, alten Schalker Zeit. Dieses wunderschöne Damals, als man noch geheult hat, weil man in allerletzter Sekunde... nicht Meister wurde. Als könnte es um irgendwas anderes gehen, als um das emotionalste Meisterschaftsfinale aller Zeiten.

Also Patrik Anderssons Tor nach einem indirekten Freistoß ist ja das dichteste, was man an "Auf der einen Seite eskaliert die Freude, auf der anderen Seite brechen die Tränen aus" erleben kann. Und natürlich ist der Rahmen einer Deutschen Meisterschaft viel größer, als die Europa League Zwischenrunde. Aber hier ist halt der Unterschied: Zwischen Volksparkstadion und "Einfach nur" Parkstadion liegen 350 Kilometer. 

In der Bundesliga sehen die Emotionen meistens so aus: Die eine Mannschaft feiert ausgelassen, während die gegnerischen Spieler fragen, wohin sie als Nächstes in den Urlaub fliegen. Hin und wieder gibt es Situationen, wo beide gemeinsam weinen, weil Frankfurt die sicher geglaubte Meisterschaft vergeigt und Hansa trotzdem absteigt.

Ich muss an der Stelle kurz an eine für mich ebenfalls schöne Geschichte denken. Wie mein Kumpel in meiner Kneipe frustriert jammerte, dass die Südkoreaner jetzt groß feiern, weil sie Deutschland besiegt haben... obwohl sie auch ausgeschieden sind. Und ich dann nur sagte: Die feiern, weil sie glauben, dass sie weiter sind... und dann nicht in den Krieg müssen, wenn sie zurück in der Heimat sind. Als sie dann das Ergebnis des Parallelspiels erfahren haben, war es mit dem Jubel sehr schnell vorbei.

Und ja, es herrscht offiziell immer noch Krieg zwischen Nord- und Südkorea, was dazu führt, dass junge Männer dort einen ganz anderen Militärdienst ableisten müssen, als wir hier... Und herausragende sportliche Leistungen können einen von diesem Dienst befreien. Wir kriegen das meistens nur am Rande mit. 

Exkursion beendet. Es ging ja eigentlich auch nur darum zu verdeutlichen, dass diese emotionalen Bilder, wenn sie denn mal jenseits des Europacups auftauchen, auf Ewigkeiten im Gedächtnis bleiben. Im Europacup bekommt man derartige Bilder ein Mal im Monat. Und eine der Grundlagen für die Intensität dieser Bilder ist die sportlich vielleicht fragwürdige Auswärtstorregel. Lasst uns die beibehalten.

Donnerstag, 25. Februar 2021

Die Chance wurde dann direkt vergeben.

Ist aber fairerweise auch schwierig. Und wir wollen mal nicht nur so wirken, als würden wir krampfhaft nach Argumenten suchen, um unser Narrativ zu belegen und alles andere ignorieren.

Denn bei den Leistungen der Schiedsrichter wird wieder eines deutlich: Machen sie ihre Sache gut bis ordentlich, redet keiner darüber. Also als praktisches Beispiel sei hier wieder Dr. Felix Brych und sein Team inklusive VAR. Also in Realgeschwindigkeit wurde auf hauchdünnes Abseits entschieden, der VAR korrigierte dies und das Tor zählte. Hätte der Linienrichter die Fahne nicht gehoben, wäre das Tor auch überprüft worden, weil es halt verdammt eng war. Aber dank VAR zählte das Traumtor. Nur darüber redet hinterher keiner.

Das ist ein bisschen wie in bei Paderborn - Dortmund. Also dass da der VAR in der Nachspielzeit für große Emotionen und mehr Gerechtigkeit gesorgt hat, war nach der Verlängerung, die ohne ihn gar nicht möglich gewesen wäre, schon wieder vergessen. Vielleicht sollten wir uns auch einfach mal die Zeit nehmen und die positiven VAR Eingriffe entsprechend würdigen, anstatt sie als selbstverständlich zu betrachten.

Wo ich gerade im Flow bin: Es wäre wirklich spannend, wenn man Steffen Baumgart im Nachhinein und mit ein wenig Abstand mal zu dem VAR Eingriff beim Elfmeter fragt. Ob er dann vielleicht anerkennt, das der VAR durchaus auch Gutes bewirken kann, ja in diesem Spiel sogar Gutes bewirkt hat.

Jedenfalls ist am Ende nur über eine Schiedsrichterleistung diskutiert worden... der das Spiel angeblich ruiniert hat. Und dieser Schiedsrichter ist natürlich Tobias Stieler

Auch hier fällt dann wieder sofort auf, dass die "Kann man geben" Entscheidung extrem durch die Vereinsbrille von Atalanta Bergamo aufgebauscht wird. Was dann wiederum für Klicks und Umsatzzahlen sorgt, weshalb sich die Medien auf den "Selbstmord für den Sport" stürzen. Faszinierend ist hier auch, wie spitzzüngig der Kicker auf Gasperinis Forderung, Schiedsrichter müssen auch mal gespielt haben, um den Unterschied zwischen einem Tackling und einem Foul zu erkennen. Der Kicker kontert mit einem: "was Gasperini offensichtlich selbst nicht gelang." 

Ich würde solche Spitzen ja lieben... wenn sie auch direkt kommen, wenn sich die Bayern das nächste Mal ungerecht behandelt fühlen. Oder sonst irgendeine deutsche Profimannschaft. Es ist einfach gegen italienische Trainer scharf zu schießen, die das einerseits nicht verstehen und die einem andererseits keine Interviews geben...

Die größere Kritik, die mir aus dem Internet an Stielers Leistung entgegenschlägt, ist dabei ja gar nicht der Platzverweis, sondern die fehlende klare Linie. Was jetzt wirklich sehr spekulativ wird, denn ich habe halt nur die 2:30 Zusammenfassung gesehen und die Kommentare sind halt weit weg von neutral. Es wäre an der Stelle echt schön, wenn der Kicker mal Noten für die Leistungen der Schiedsrichter im Achtelfinale geben würde. Das sind immerhin die 16 besten Teams Europas... da kann man schon von recht wichtigen Spielen reden. Und bei den Spielen mit Deutscher Beteiligung geht das doch auch... 

Aber die Forderung der "klaren Linie" zeigt doch wieder das eigentliche Problem mit dem Regelwerk: Es ist genaugenommen so schwammig formuliert, dass jeder Schiedsrichter für sich festlegen muss, wie eng er dieses Werk jetzt anwendet. Und was wir dann von ihm verlangen, ist, dass er seine eine Linie konsequent durchzieht und nicht nach dem erst strengen Platzverweis immer wieder ein Auge zudrückt. Wichtig ist, dass man die Regeln über 90 Minuten (und idealerweise darüber hinaus, damit man als Spieler vorher eine Ahnung hat, worauf man sich einlässt) konstant anwendet. Auch wenn man es zum Beispiel beim Thema "Meckern" konstant falsch macht.

 Aber es ist halt schon auffällig, dass am Ende über den deutschen Schiedsrichter diskutiert wird. Dass es wieder der Deutsche Schiedsrichter war, dem die nötige Souveränität fehlte. Und natürlich wird die Leistung von Stieler erst langfristig wirklich beurteilt werden... also man kann mal darauf achten, ob der dieses Jahr noch mal Champions League pfeifen darf. Brych wird garantiert dürfen. Aber er ist nach wie vor der einzige, bei dem man davon ausgehen kann, dass er weiter nominiert wird. Da sind wir dann wieder bei dem Problem, was hier gerade ständig diskutiert wird...

Sonntag, 21. Februar 2021

Wie soll man die Bodenhaftung verlieren

Wenn man seit Jahren keine mehr hat?

Ich muss ja zugeben: Das ist jetzt der 3. Versuch etwas zu den "Vorfällen" bei den Bayern und deren Aussagen zu schreiben. Aber irgendwie sind die letzten beiden am Ende nichts geworden. Also frei nach Reinhard Mey: Alle guten Dinge sind drei!

Zunächst mal sollte man sich das Interview von Karl-Heinz Rummenigge im Aktuellen Sportstudio mal angucken. Es ist durchaus lobenswert, dass Kalle sich diesen kritischen Fragen gestellt hat. Und das ASS hat halt genau das gemacht, was ich mir vom Kicker erwünscht hätte. Das Problem ist am Ende, dass Rummenigge davon kam, ohne viel Substanzielles zu sagen.

Am faszinierendsten sind seine "Klarstellungen" zu den Impfungen der Bayern-Stars. Also das ist ganz großes Medienkompetenztraining. Rummenigge behauptet jetzt also, dass er immer von der "Wenn genügend Impfstoff da ist" Situation gesprochen haben wollte. Und das er sich aufgrund der wachsenden Impf-Skepsis so geäußert hat. Hier ist das Problem: Dann hätten seine Aussagen halt komplett anders klingen müssen. Ungefähr so:

Natürlich werden alle Mitarbeiter des FC Bayerns sich so schnell wie möglich impfen lassen. Wir werden uns an der Stelle vorbildlich verhalten. Impfungen sind der einzige Weg diese Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. Alle anderen sollten sich auch impfen lassen, aber natürlich jeder zu seiner Zeit. Deswegen startet der FC B heute eine Impfkampagne.

Dann wird das Video eingespielt, mit Leon Goretzkas "Starke Menschen haben keine Angst vor der Nadel, lasst euch impfen" Statement.

Rummenigge ist letzte Woche nicht falsch verstanden worden, er wollte schon, dass Fußballer so schnell wie möglich geimpft werden. Er hat dann den Gegenwind gespürt und versucht jetzt seine Aussagen so zu drehen, dass sie mit der Mehrheit übereinstimmen.

Genau so faszinierend ist ja, dass er jetzt die Schuld bei der UEFA sucht. Die müssen ja entscheiden. Den Bayern sind die Hände gebunden. Hier sollte ihm jetzt seine Vergangenheit auf die Füße fallen. Denn Rummenigge war ja vorher nie um seine Meinung verlegen. Er hat sich immer als Moralapostel aufgespielt, auch wenn er eigentlich nur Interessenvertreter des FC Bayern war. Anders ausgedrückt: Er ist ein Populist. Und er hat seine Stimme in schöner Regelmäßigkeit erhoben, wenn es um unnötige Reisen geht. Also unnötige Länderspielreisen. Wenn die Bayern reisen müssen, kann man da halt nichts machen.

Wir reden hier von jemanden, der sich jahrelang als moralische Instanz inszeniert hat. Der Vorsitzender der ECA war. Der innerhalb der europäischen Topclubs unfassbar gut vernetzt ist. Wenn der zu all den Ansetzungen der UEFA und Fifa schweigt, dann passiert das bewusst.

Dieser Rummenigge sich gegen den Supercup oder die Klub-WM positioniert hätte, hätte das ein Beben ausgelöst. Vielleicht wäre die UEFA sogar eingeknickt, wenn er eine Absage des europäischen Supercups verlangt hätte. Wenn er dann mit einer "Wir reisen hier nur an, damit es keine Sperren für den deutschen Fußball gibt" Haltung dahin gefahren wäre, hätte das eine ganz andere Resonanz gegeben. Selbiges gilt jetzt für die Klub-WM.

Der Mann, der sonst immer seine Stimme erhoben hat, hat sich jetzt dagegen entschieden. Und dann wundert er sich, warum die Leute ihn fragen, warum er nichts sagt. 

Als 3. wunderbarer Punkt kommen ja die Ablösesummen, die jetzt laut Rummenigge angeblich zurückgehen. Weil man Leroy Sahne, wie er ihn zu nennen pflegt, ein Jahr vor Vertragsende und nach einer schweren Verletzung für nur 45 Millionen Euro bekommen hat. Und weil man jetzt auch Dayot Upamecano für günstige 42,5 Millionen Euro Ablösesumme holt. Doch genau an der Stelle funktioniert die Logik nicht.

Also man bezahlt halt ohne zu jammern die Summe, die RB Leipzig in seiner Vertragsverlängerung mit Upamecano in diesem Sommer festgelegt hat. Was auch nur bedeutet, dass RB nicht den Vertrag verlängert, sondern sich nur mit Dayot drauf geeinigt hat, zu welcher Summe er den Verein verlassen wird. Den nur halbes Jahr nach der Verlängerung macht er von der Klausel gebrauch. Was für beide Parteien ein vernünftiger Kompromiss ist. Bei Timo Werner gab es ja denselben Kompromiss und auch da war an der Stelle der FC Chelsea sofort und ohne Nachverhandlungen bereit die in diesem Fall sogar vor Covid festgelegte Summe zu bezahlen...

Wenn jetzt aber wirklich der große Preisverfall einsetzen würde, von den Rummenigge schwadroniert, hätte er sich mit Oliver Mitzlaff an den Verhandlungstisch gesetzt. Er hätte wenigstens versucht den Preis zu drücken. Mit der offenen Drohnung Upamecano im Zweifelsfall ein Jahr später ablösefrei zu holen. Da die Preise aber nicht wirklich fallen, haben die Bayern gerne die von RB festgelegte Summe bezahlt.

Der FC Bayern ist also immer noch gewillt die willkürlich von anderen festgelegten Ablösen zu zahlen ohne nachzuverhandeln, will uns aber andererseits erzählen, dass die Preise fallen. Netter Versuch.

Dann folgt noch eine Auseinandersetzung über die Sponsorengelder des Katars. Verbunden mit einem "Menschenrechtsverletzungen sind keine Kultur." An der Stelle muss ich sofort widersprechen: Doch sind sie, und sie sind es immer gewesen.

Also historisches Beispiel zu bringen: Die Kultur der Südstaaten in den USA würde über Jahre durch die Sklaverei geprägt. Am Ende haben sie einen Krieg geführt um... ok, es ging da ja nur um die Rechte der einzelnen Staaten. Praktisch nur um das eine Recht auf die Haltung von Sklaven, alle anderen hätten sie behalten dürfen... Details. Aber einzelne Auswirkungen dieses Systems sind in der Kultur dieser Region bis heute bemerkbar. Geht jetzt nicht darum die USA an den Pranger zu stellen, sondern nur darum zu verdeutlichen, dass Menschenrechtsverletzungen durchaus Kultur sind. Denn Kultur heißt ja nichts anderes als "Vom Menschen gemacht". Und praktisch alle Menschenrechtsverletzungen werden vom Menschen gemacht.

Aber zurück zu Rummenigge: Auch hier hätte man sich positionieren können. Die Bayern setzen da auf Dialog. Was vernünftig ist. Aber muss ich unbedingt die Millionen annehmen, um mit denen zu reden? Also macht das Trainingslager dort, nehmt die Frauenabteilung mit und nutzt die Präsenz vor Ort dann um mit denen zu reden. Die Millionen von Quatar Airways nehmt ihr aber erst an, wenn der Dialog zu einem positiven Ergebniss gekommen ist.

Nächster interessanter Gesprächspunkt sind ja die Hygienekonzepte, die so wunderbar funktionieren. Also es sind 3 unterschiedliche von Uefa, Fifa und DFL, aber all die basieren ja im Wesentlichen auf der Arbeit der DFL. Und da gebe ich Rummenigge recht: Dass  die DFL es als erste geschafft haben ein solches Konzept aufzustellen, welches zumindest im nationalen Rahmen weitestgehend funktioniert, ist eine erwähnenswerte Leistung. Deswegen hat ja auch kaum jemand ein Problem damit, dass die Bundesliga stattfindet.

Aber dass die internationalen Hygienekonzepte greifen? Also die Bayern hatten mit Joshua Zirkzee, Leon Goretzka, Javi Martinez, Serge Gnabry, Nicklas Süle Thomas Müller und Benjamin Pavard bereits 6 positive Corona-Tests in ihren Reihen. Von denen waren Gnabrys und Süles "False Positives", trotzdem mussten schon 6 Bayern mindestens kurzfristig in Quarantäne. Und hatte 4 wirklich infizierte. 

Und der FC Bayern ist seit dem Corona Ausbruch am meisten gereist. Champions League Bubble, haufenweise Nationalspieler, DFB Pokal, Supercups und Klub-WM. Um das extreme Gegenbeispiel zu nennen: Arminia Bielefeld hat seit dem Restart 32 Spiele absolviert. Beim FC B sind es 49. Bielefeld ist nur innerhalb von Deutschland gereist, die Bayern bis in den Nahen Osten. Bielefeld hat keinerlei Corona-Fälle zu beklagen. Aber sie mussten sich der erhöhten Gefahr aussetzen, weil sie direkt nach Bayerns Katar-Trip gegen diese antreten mussten. Und machen wir uns nichts vor: Alle nicht Fußballer hätten geschlossen in Quarantäne gemusst, wenn einer von ihrem Team bei einer derartigen Reise mit einem positiven Test zurückgekehrt wären.

Dabei will ich gar nicht infrage stellen, dass die Bayern alles in ihrer Macht stehende unternommen haben, um derartige Fälle zu verhindern. Aber wenn man so viel reist, ist es wahrscheinlich nicht zu verhindern, dass sich Einzelne Anstecken. Einzelne heißt halt 17,39% des Kaders... das sind Prozentzahlen, von denen die SPD gerade träumt...

Um das mal in einen großen Rahmen zu setzen: die 2,3 Millionen Fälle Deutschlandweit entsprechen nur 2,79% aller Bürger. Da kann man sich kurz ausrechnen, wie "hoch" der R-Wert für den FC Bayern ist. Für die Bundesliga insgesamt liegt er wohl bei 481... Und erreicht seine Höhepunkte während der Länderspielreisen.

Natürlich, und das muss an der Stelle zwingend auch erwähnt werden, wird sich bei Fußballprofis extrem darum gekümmert wird, dass sie sonst niemanden anstecken. Und die Reproduktionsrate ist ja das eigentliche Problem dieses Virus. Der R-Wert für die Stadt München ist geringer, als der, der für Bielefeld angegeben wird. Der Fußball ist also anscheinend kein Superspreader. Das wäre ein sinnvolles Argument für den Fußball...

Bleibt ja nur noch die Gesundheit der Spieler. Und da könnte man zu dem Schluss kommen, dass dieses viele Reisen der Bayern trotz Hygienekonzept und Bubble ein verdammt hohes Infektionsrisiko darstellen. Und das nur national reisen ein wesentlich geringeres Risiko ist. Also auch deswegen könnte der FC Bayern daran interessiert sein, seine Reisen möglichst einzuschränken. Schließlich sollte man gerade bei Leistungssportlern mögliche Langzeitfolgen nicht außer acht lassen. Also wenn wir Normalsterblichen nur noch 90% unserer Lungen nutzen können, merken wir das vielleicht beim Rauchen... Bei Sportlern kann dies das Karriereende einläuten. Man sollte also im Interesse der eigenen Angestellten versuchen die Reisen zurückzufahren.

Und natürlich kann ein Rummenigge das nicht alleine entscheiden. Aber er wäre in der Position eine Debatte über ein erneutes kleineres Finalturnier ab dem Viertelfinale anzustoßen. Aber er weist da ja jegliche Verantwortung und alle Möglichkeiten von sich. "Das liegt in der Verantwortung der Uefa" ist sein "Ist nen Softwareproblem"... 

Beeindruckt war ich auch, dass am Ende angesprochen wurde, dass die Stimmung endgültig gegen den Fußball kippen könnte. Dass das Verhalten und die Positionen des FC Bayerns in den letzten Tagen dazu führt, dass sich mehr Menschen vom Fußball abwenden und die Rechnung, die die Bayern für ihre 4 Millionen Euro Preisgeld zahlen, gigantisch sein könnte... Das ist halt so ein Gefühl, welches mich auch schon die ganze Woche über begleitet hat, welches ich aber einfach nicht treffend ausdrücken konnte. Praktisch zu wissen, dass andere dieses Gefühl auch teilen...

Am Ende glaube ich sogar, dass Rummenigge all das, was er da sagt, wirklich glaubt. Vor allen den Punkt mit der Bodenhaftung. Und aus seiner Position stimmt das sogar: Die Bayern Offiziellen haben jetzt nicht weniger Bodenhaftung als vor der Pandemie. Das Problem ist halt: Sie haben jegliche Bodenhaftung vor 20 Jahren verloren, aber dank Corona fällt uns das jetzt auf...

Montag, 15. Februar 2021

Worst of des "Einigen wir uns auf Unentschieden" Wochenendes

Die großen Verlierer des Wochenendes sind dann... all die Mannschaften, die die Patzer der Konkurrenz nicht nutzen konnten. Also 80 % der Bundesliga. So läuft das hier.

Die Frage, ob es jemals einen Bundesliga-Samstag ohne Sieger gegeben hat, kann natürlich nicht beantwortet werden, weil die Statistikabteilungen auf Kicker.de wie immer nicht vorhanden sind. Sportbuzzer.de stellt jedenfalls diese Behauptung auf. Vertrauen wir denen mal. 

Nebenbei kam der beste Witz des Wochenendes von Jessy Wellmers, die behauptete RB Leipzig sei der einzige "ernst zunehmende Verfolger" der Bayern. Daran erkennt man Qualitätsjournalismus: Die erzählen solche Witze, ohne eine Miene zu verziehen.

Wo wir schon bei lustigen Details sind: Die Bundesliga ist die einzige Liga der Welt, in der man darauf hinweisen, dass ein "Champions League Anwärter" wie Bayer Leverkusen "mit hoher Qualität" kommt. In allen anderen Ligen wäre so was eine Selbstverständlichkeit. 

Aber kommen wir zu den eigentlich wichtigen Dingen: Die Bedauerlichen Einzelfälle des Wochenendes. Das lustigste ist ja, dass der Vorfall in Dortmund mal wieder kein VAR Problem ist. Also klar, dass die Situation haarscharf am "Hier darf der VAR eingreifen" vorbeischrammt, ist unglücklich. Aber egal wie man die Regeln da festlegt: Es wird dann immer Szenen im Grenzbereich geben, in denen der VAR dann doch nicht eingreifen darf. Es sei denn man macht einen 5. Offiziellen draus, der ständig mit dem Schiedsrichter kommuniziert.

Aber das eigentliche Problem ist wie immer: Die Schiedsrichter auf dem Platz müssen dieses Foulspiel sehen und ahnden. Dass es überhaupt einen VAR braucht, um solche Situationen zu entscheiden, ist an der Stelle das Problem.

Nebenbei finde ich es faszinierend, wie selbstverständlich der Kicker da keinen Platzverweis gesehen haben will. Also klar, kann man so sehen, wenn man die Hoffenheim-Brille aufhat. Alle Dortmund-Anhänger sehen da eine klare Notbremse. Und nur um mal zu verdeutlichen, wie schwierig das Regelwerk auch ohne VAR ist: Wenn Bastian Dankert da Rot gibt, schreibt der Kicker garantiert "war vertretbar"...

Dass dann als "Bedauerlicher Einzelfall II des Wochenendes" ein klarer Elfmeter für Union Berlin nicht gegeben wurde. Nun muss ich zugeben, dass ich davon nur lese, weil es das nicht in die DAZN Highlights geschafft hat... Und vielleicht war der Elfmeter so klar, wie es keinen Platzverweis in Dortmund geben musste. Aber der Kicker verteilt dafür die Note 5.

Das schöne ist ja, dass diese Bedauerlichen Einzelfälle jetzt tatsächlich zu einer Konsequenz geführt haben. Also nach Nummer 0,5 in der 2. Liga am Freitagabend wurde tatsächlich die Ansetzung für den Bundesliga-Samstag geändert. Natürlich trifft es nicht die bekannten Schiedsrichter wie Bibliana Steinhaus oder Felix Zwayer... aber wenn man sich mit Zwayer mal wirklich kritisch auseinandersetzen würde, könnte sich ja wirklich was ändern... und das will ja keiner.


Und das andere Wesentliche... nun ja. Wen überrascht es... Die selektive Berichtserstattung des Kickers zu den Bayern: Man gibt Hansi Flicks Rant auf Bild-Zeitungs-Niveau wieder. Den ich ja sogar verstehen kann. Also die Unzufriedenheit mit den politischen Entscheidungsträgern teile ich ja irgendwie. Aber ob so was unbedingt in eine Sportzeitung muss...

Vor allem, wenn man Karl-Heinz Rummenigges Ausbrüche vollkommen ignoriert. Der hat mal wieder in ein Mikro erbrochen. Fußballer sollen aufgrund ihrer Vorbildfunktion frühzeitig geimpft werden. Was eher kritische Reaktionen hervorgerufen hat. So nach dem Motto: Vorbildlich wäre es gewesen während einer Pandemie nicht an einem sinnlosen Turnier in einem Land, welches auf Menschenrechte scheißt, zu spielen. Da hielten sich die Bayern allerdings sehr bedeckt. Denn der Katar ist ja nur böse, wenn sie eine Fußball-WM austragen wollen. Sonst sind sie verlässliche Geschäftspartner...

Ein großes Lob geht da direkt an Leonard Bittencourt, der erkannt hat, das Fußballer als letztes geimpft werden sollten... weil sie halt eine der ganz wenigen Berufsgruppen sind, die ihrer Arbeit relativ unproblematisch nachgehen können. Es ist praktisch wesentlich wichtiger die Fans zu impfen, damit die wieder ins Stadion können, als die Spieler, die sowieso dort sind. Also damit auch die Fans wieder ein geregeltes Leben haben dürfen.

Es ist echt unfassbar, wie weit weg von der Realität Rummenigge ist. Und dass der Kicker dazu komplett schweigt, ist einfach nur erbärmlich. 

Oh und das die Bayern dann auch noch praktisch während des Freitags Spieles bekannt geben, dass sie Dayot Upamecano von RB Leipzig holen. Also praktisch direkt in deren Spielvorbereitung... macht den Verein nicht sympathischer. Es hätte niemanden weh getan mit dieser Information bis Samstagmorgen zu warten...

Freitag, 12. Februar 2021

Das ist dann das Worst Case Szenario

 Also vor allem deshalb, weil es ich mich jetzt doch mit der Klub-WM beschäftigen muss, was ich eigentlich aus Prinzip vermeiden wollte. Denn das einzige wirksame Mittel gegen solche Wettbewerbe ist ja sie zu ignorieren. Wenn wir das alle machen würden, würde man sie auch abschaffen.

Was dann aber wieder dazu führt, dass der Kommentar von Karlheinz Wild den entscheidenden Punkt verfehlt. Denn bei der Klub-WM geht es nicht um spannende Spiele und einen sportlich fairen Wettbewerb, sondern darum, dass auch die Vereine aus den sportlichen "Entwicklungskontinenten" den Traum von einem Pflichtspielsieg gegen eine europäische Spitzenmannschaft leben können. Mehr muss man daraus aber auch nicht unbedingt machen.

Und natürlich ist es sportlich mehr als fragwürdig, wenn sich in 13 von 15 Fällen eh der Champions League Sieger durchsetzt. Aber ich sag das mal so: In der Relegation gibt es eine ähnliche Quote und das stört auch keinen, obwohl die Konsequenzen wesentlich gravierender sind.

Das faszinierendste ist aber das Ende des Kommentars. Denn da fällt Wild dann plötzlich auf, dass die "Bedenken, ob dieser marginale Wettbewerb trotz der Pandemie und der aktuellen Virus-Bedrohung in den Jahreskalender gequetscht werden musste, absolut berechtigt" sind. Interessant, dass ihnen das hinterher auffällt. Also nach dem positiven Corona-Test von Thomas Müller... den er sich auf einer absurd sinnlosen Dienstreise eingefangen hat. Wo waren diese Bedenken eigentlich vor dem Turnier?

Wenn der Kicker Eier in der Hose hätte, hätte er vor der Klub-WM ein eindeutiges Statement gegen diese abgegeben: Man werde abgesehen vom nötigen Ergebnisdienst, keinerlei Berichtserstattung zu diesem Turnier machen, da man es in Zeiten der Pandemie mit dem Meister aus Neuseeland hält und solche unnötigen Wettbewerbe einfach absagen sollte. Der Kicker hat aber keine Eier. Er steckt tief im Arsch der Bayern.

So tief, dass niemand Karlheinz Rummenigge daran erinnern wird, was seine Bayern alles während der Pandemie unbedingt ausspielen mussten, wenn er sich das nächste Mal über die Nationalmannschaften echauffiert. Und genau das müsste dann kommen: Kalle, dein Spieler hat sich während der Klub-WM mit Corona infiziert, du hast jegliches recht aufs Jammern über unnötige Reisen, Spielansetzungen oder Turniere auf Lebenszeit verloren. 

Ich meine, stellt euch mal vor, ein Bayern Profi hätte sich während der Nations League infiziert und müsste dann 9 Tage in Quarantäne. Die Bayern würden Schadensersatz fordern. Über die Wettbewerbsverzerrung jammern, falls die Ausfallzeit mit einem Champions League Spiel kollidiert. Und die Gesundheit der Spieler auf ein Mal ganz großschreiben...

Aber wenn es um 4 Millionen Euro Preisgeld für einen selber geht... da kann man dann halt nichts machen. Da muss man dieses Risiko auch in Kauf nehmen. Und das Risiko ist ja kaum höher als bei einem normalen Champions League Spiel, da sagt ja auch keiner was.

Da gibt es aber einen entscheidenden Unterschied: Für die Champions League interessieren sich die Fans. Also praktisch alle europäischen Fußballfans. Selbst die meisten derer, die eigentlich nur noch zu Regionalligaspiele ihrer Traditionsvereine gehen, schalten halt heimlich doch die Champions League ein. Oder ihre Zahl ist im Großen und Ganzen gesehen so gering, dass sie nicht auffallen.

Plus: Ohne die Champions League Fernsehgelder bricht halt das ganze System zusammen und der eine oder andere Verein wie Barcelona geht pleite. Außerdem hängen halt haufenweise Arbeitsplätze an der Champions League und den nationalen Meisterschaften. Damit sind die dann Systemrelevant... und damit ist es auch nachvollziehbar, dass man für solche Wettbewerbe ein höheres Risiko eingehen will.

Auch wenn die Frage, ob man beide Mannschaften dafür reisen lassen muss, weil die Einreise nach Deutschland zu gefährlich ist, noch beantwortet werden muss. Aber dass man dafür Ausnahmen macht, ist halbwegs nachvollziehbar.

Dass aber der reichste Sportverband der Welt, der es sich mit Milliarden in der Hinterhand echt leisten könnte die Verluste ein Mal auszugleichen, unbedingt dieses Turnier durchdrücken muss... In einem Pandemie Risiko Gebiet...

Und wo wir schon bei Eiern in der Hose sind: Wenn das Gesundheitsamt in München diesen hätte, würden sie die gesamte Bayern-Mannschaft in Quarantäne schicken. Mit der Begründung: Wer sich als Konzern bei einer völlig unnötigen Auslandsreise einen Coronafall anlacht, muss damit rechnen. Aber das hätte man natürlich vorher ankündigen müssen.

Aber das könnte man ja mal vor den Champions League Wochen machen: Hey, wenn ihr unbedingt gegen Mannschaften aus Ländern mit Corona Mutation spielen müsst und wir das nicht verhindern können, dann seid euch einer Sache bewusst: Wenn einer von euch sich bei diesen Trips Corona anfängt, geht ihr alle geschlossen für 14 Tage in Quarantäne. So wie man es bei Normalsterblichen auch machen würde.

Wenn die Bayern Eier in der Hose hätten, hätten sie mit Verweis auf die Pandemie, von sich aus verzichtet. Öffentlich gesagt: Wir wissen, dass wir als Fußballer eine Ausnahmestellung genießen. Dass wir verdammt viel machen dürfen, was anderen verboten ist. Aber in dieser Ausnahmestellung muss man halt auch mal eingestehen: Dieses Turnier ist ein vollkommen unnötiges Risiko, welches wir einfach vermeiden wollen. Macht das ohne uns.

Dafür hätte es von europaweit von den Fans Applaus gegeben. Wir hätten uns alle während des Finales zwischen Tigres und Al-Ahly auf den Balkon gestellt und 90 Minuten lang applaudiert... obwohl es gerade bitterkalt und mein Balkon komplett eingeschneit ist. Das Problem daran ist natürlich: Man kann bei den Pflegekräften nachfragen, wie gut man sich von Applaus ernähren kann... Also nehmen die Bayern doch lieber die 4 Millionen Euro Preisgeld.

Nebenbei wird auch offensichtlich, wie bigott unsere Fußballberichterstattung wieder ist. Also wenn einzelne Spieler wie Tolisso mit unnötigen und egoistischen Eskapaden auffallen, wird groß darüber diskutiert, dass die Spieler sich ihres Sonderstatus bewusst sein müssen. Dass sie viel bessere Vorbilder sein müssen. Dass sie mit Anfang 20 keine Dummheiten machen dürfen. 

Aber, wenn dann die Bayern mit als Verein geschlossen durch einen Egotrip auffallen... dann schicken wir unsere Reporter dahin und berichten darüber. Also unkritisch und zu 85 % über das Geschehen auf dem Platz und nicht darüber, wie krass Fehl am Platz das eigentlich gerade ist. Wenn man unnötige Aktionen unbedingt kritisieren will, sollte man dies auch konsequent machen.

Oh und um zu beweisen, dass man durchaus unpopuläre Meinungen gegen den Veranstalter vertreten kann, auch wenn ohne den angeblich gar nichts geht: LeBron James als immer noch bester Basketballer der Welt hat gerade sehr eindeutig Stellung gegen ein geplantes All Star Game der NBA bezogen. Öffentlich bekannt, dass gerade gar keinen Bock auf so einen sinnlosen Scheiß hat. Das ist nicht ganz sein Wortlaut, aber es ist dicht dran. Mehrere NBA Stars haben bereits verlauten lassen, dass sie dort nur auflaufen werden, weil sie sonst Strafen befürchten... Warum hat man aus dem Bayern-Kader keine ähnlichen Ansagen gehört? Ich frag ja nur...

Montag, 8. Februar 2021

Worst of des "Wieder ein bedauerlicher Einzelfall" Wochenendes

 Wer hätte das gedacht... es ist schon wieder passiert. Damit konnte ja keiner rechnen. Ein Schiedsrichter trifft eine glasklare Fehlentscheidung und der Video Assistent Referee greift nicht ein. Wer hätte damit denn rechnen können? 

Da wird dann natürlich auch das nächste Problem deutlich: Wenn alle Schiedsrichter für krasse Fehlentscheidungen 4 Wochen aus dem Verkehr gezogen werden, muss Robert Hoyzer reaktiviert werden...

Das faszinierendste ist ja, dass Peter Bosz und Pellegrino Matarazzo die Regel ändern wollen. Weil ja das ständige Ändern der Regel in den letzten Jahren so viel Klarheit gebracht hat. 

Also ja, eine Regeländerung würde etwas bringen: Gebt für solche Handspiele indirekte Freistöße und für die "Es wird ein Tor verhindert" Handspiele Elfmeter.

Aber weitere Regeländerungen werden nichts bringen, wenn der Schiedsrichter auf dem Feld und der Schiedsrichter im Keller bei eindeutigen Sachlagen diese Regeln nicht anwenden.

Und dieses Mal ist es ja keine Interpretationsfrage. Also Arnd Zeigler hat ja aufgedeckt, dass man wirklich gehört hat, wie der Paderborner Ingelsson den Ball berührt. Da ist dann nur noch die Frage zu klären, warum das eine "Deliberate Play" sein soll und ein wesentlich klarer gespielter Ball am folgetag nicht. Spannender Weise gibt es auch da bei Zeigler eine unbefriedigende aber nachvollziehbare Antwort drauf. Also weil die eine Aktion ein Torschuss gewesen sein soll, die andere nicht, wird der verzweifelte Abwehrversuch anders bewertet. Also ja, da kann man sagen: Die Regel ist Scheiße, macht die einfacher und nachvollziehbarer. Indem der erste Ballkontakt keine neue Spielsituation herstellt. 

Aber die Lage in Stuttgart ist eine komplett andere: Wenn du mit der Hand da oben rumfuchtelst, musst du damit rechnen, dass es Elfmeter gibt, wenn jemand deine Hand anschießt. Das ist eindeutig geklärt.

Die Trainer trauen sich aber halt auch nicht das eigentlich logische auszusprechen... wahrscheinlich, weil sie Angst vor einer Strafe haben. Aber irgendwann werden die merken, dass die Qualität der Schiedsrichter das Problem ist. Hoffentlich bevor die UEFA oder Fifa keinen Schiedsrichter zur EM oder WM nominiert...

Wo wir schon bei alten Kamellen sind: Die Uefa hat eine Lösung für das Einreiseproblem der Engländer gefunden: Man lässt beide Mannschaften einfach in einer Region spielen, wo die Pandemie nicht ganz so ernst genommen wird... Obwohl der R-Wert in Budapest gerade höher ist, als in Leipzig. Das Risiko einer Infektion wird also minimiert, wenn man die potenziell gefährlichen Kontakte in einer Region mit höheren Infektionszahlen trifft. Wenn das Gesundheitsamt in Leipzig Humor hat, ordnen sie hinterher 8 Tage Quarantäne für alle Beteiligten an, nur um zu verdeutlichen wie absurd das ist.

 

Ansonsten muss ich unbedingt das hier mit euch teilen. Die beste Werbung aller Zeiten. Schlangenölfabrikanten werben mit Borussia Dortmund und dem Slogan "Stabiles System"...

Das kann man sich nicht ausdenken...

Wir reden schon von den Dortmundern, bei denen Roman Bürki gerade seinen Stammplatz in Abwesenheit sichert, weil der Konkurrent Marvin Hitz nur noch unsicherer agiert. Bei denen Kapitän Marco Reus derzeit nur nach seinen Auswechslungen auffällt und nicht auf dem Platz. Die 4 Punkte hinter dem essenziell wichtigen Saisonziel Champions League Qualifikation liegen. An genau solchen Systemen richte ich doch meine Internetsicherheit aus.

Freitag, 5. Februar 2021

Ich sag's nur ungern, aber... Passives Abseits Leser wissen es früher

 Also nur um das einmal zu klären. Es ist nicht so, dass mir das Spaß macht. Gerade an dieser Stelle nicht, wo es um eine Pandemie geht. Ich könnte wirklich darauf verzichten, in dieser Situation Recht zu behalten.

Also dass "Es wird Probleme mit dem Rahmenterminkalender geben" Lied wurde hier schon im Oktober gespielt. Und im Dezember neu aufgelegt. Die wesentliche Aussage war damals schon, dass die Uefa ihren Spielplan kürzen muss, um Ausweichmöglichkeiten zu schaffen, falls wegen Covid-19 irgendetwas nicht funktioniert... Die Gesundheitsämter die Einreise der britischen Mannschaften verweigern zum Beispiel. 

Die einfachste Lösung wäre ein Verzichten auf die Gruppenphase und ein reines K.O. Turnier gewesen. Aber dann hätte man ja herauskriegen können, dass die Fans eigentlich gar keinen Bock auf die Gruppenphasen haben und das will ja keiner. Und ja, die gesamten Spiele im Herbst wurden ausschließlich für die Fernsehstationen und die Vereine abgehalten.

Oder man hätte frühzeitig ein Final 8 Bubble Turnier angesetzt, worüber jetzt ja eh nachgedacht wird. Also als langfristiger Plan. Dann spielt man von Freitag bis Sonntag in 8 Tagen ein Turnier aus und streicht somit 2 Termine.

Das mindeste, was man jetzt machen sollte, ist: Den Teams mehr Flexibilität geben. Also wenn man sich die "Lösungsvorschläge" von der Uefa anguckt, denkt man sich nur "Was ziehen die sich eigentlich durch die ganzen Geldscheine?" Den Spieltermin mit Borussia Mönchengladbach tauschen, die dann dasselbe Problem haben? 

Hier ist die pragmatische Problemlösung, was das mindeste sein wollte, was die Uefa RB Leipzig anbieten müsste: Ihr spielt das Hinspiel am 24. März und das Rückspiel eine Woche später zum letztmöglichen Termin. Denn dank der immer noch absurden Streckung der Achtelfinalspiele hat man ja theoretisch genügend Zeit. Und das sollte in dieser Situation problemlos funktionieren. Ohne irgendwelche Probleme. Natürlich gibt es dann Überschneidungen mit den 2 Rückspielen, die gleichzeitig stattfinden. Ja, eventuell muss man dann 3 Spiele gleichzeitig zeigen. Davon wird doch aber die Welt nicht untergehen.

Aber für die Uefa scheint es überlebenswichtig zu sein, dass am 16.02. 2 Hinspiele ausgetragen werden, auch wenn der Wettbewerb dadurch unnötig verzerrt wird. Denn am Ende ist das Einhalten der Verträge wieder wichtiger als die Vernunft... oder die Gesundheit der Spieler.

Und wieder mal kommen wir zu dem Schluss: Wer von einer neuen, veränderten Fußballwelt nach Corona geträumt hat, wird bitter enttäuscht werden. Auch das wurde hier schon vor Ewigkeiten prophezeit.