Dienstag, 4. August 2020

Ein neuer Trend, oder doch nur Zufall?

Es ist ja schon ein wenig faszinierend: Da gehen im Sommer 2020 2 Weltmeister aus dem Jahr 2014 in den Ruhestand. Und beide in einem relativ jungen Alter. Bein Andre Schürrle steht sogar noch eine 2 vorne, bei Benedikt Höwedes steht die 2 noch hinten, was halt eigentlich auch kein Alter ist um die Schuhe an den Nagel zu hängen.
Ein Rudi Völler wurde an der Stelle behaupten: "Die haben den Fußball nie geliebt"... was wie fast alles, was Völler so von sich gibt, absoluter Blödsinn ist.
Aber der moderne Medizinische Standart hätte bei beiden noch 2-3 Jahre Fußball auf hohem Niveau zugelassen. Also Cristiano Ronaldo hält sich ja mit seinen 35 Jahren immer noch in der Weltspitze. Und ja, ich befürchte seit 2 oder 3 Jahren, dass der Mann einbricht und wir nur noch ein Phantom früherer Tage zu sehen bekommen.
Nebenbei ist Ronaldo laut Transfermarkt.de bei 69.000 Spielminuten angekommen... Und trotzdem ist er noch hoch motiviert.
Also mein erster Gedanke war einfach die Spielminuten von Höwedes zu zählen, der ja im Gegensatz zu Schürrle immer fit und meistens Stammspieler war, und dann rauszukriegen, dass ein Höwedes einfach auf mehr Minuten kommt als ein Franz Beckenbauer, obwohl letzterer erst mit 37 in Rente ging. Um dann pseudomäßig nachzuweisen, dass ein Spieler mit 32 Jahren heute wesentlich älter ist als vor ein paar Jahren. Dann musste ich feststellen, dass Beckenbauer auf 52.000 Minuten kommt, Höwedes nur auf 38.000. Ein Anstieg der Einsatzzeiten ist also nicht das Problem.

Nebenbei überrascht mich die Erkenntnis, dass Beckenbauer auf so viele Minuten kommt. Weil ich ja irgendwie immer noch davon ausgehe, dass dank der Eskalation des internationalen Rahmenterminkalenders einiges an Spielen dazu kam. Also um das praktisch festzumachen: Ein Beckenbauer kam in seiner hoch dekorierten Karriere auf 76 Europacup Einsätze für den FC Bayern und dem HSV. Ein Philipp Lahm kommt dagegen auf 130 Einsätze auf der Internationalen Bühne für die Bayern und den VfB Stuttgart. Und er kommt da auf 4.000 zusätzliche Minuten. Und so kommt ein Lahm dann auch in 16 Jahren "Profikarriere" auf mehr Minuten als Franz Beckenbauer in seinen 19. Und ging dementsprechend auch einiges früher in dem Ruhestand. Da passt das Bild mit dem "Die spielen halt mehr, haben also mit Anfang 30 schon mehr Minuten auf dem Buckel, als die Helden der 70er mit 38"...

Das hilft uns aber halt nur nicht bei Schürrle und Höwedes weiter. Also bei dem Erklärungsversuch, warum die beiden schon so früh in den Ruhestand gegangen sind.

Gehen wir das also mal anders an: Was haben die beiden denn neben dem Karriereende im Jahr 2020 noch gemeinsam? Und da fällt einem halt sofort auf, dass sie beim WM Finale 2014 gemeinsam die linke Seite beackert haben. Dass beide aber formell gesehen keine absoluten Leistungsträger waren. Also Höwedes war eher die Notlösung als Linksverteidiger, weil es in diesem Land anscheinend niemand gibt, der das wirklich gut kann. Also übernahm er diese unangenehme Rolle und erfüllte sie als ehrlicher Arbeiter.
Schürrle war im Finale wie meistens nur Einwechselspieler. Als erste Wechseloption kommt er trotzdem auf 90 gespielte Minuten im WM Finale, für die Startelf reichte es aber trotzdem übers gesamte Turnier nicht.

Und das ist dann die Stelle, an der die Gemeinsamkeiten wirklich interessant werden: Beide waren halt als Rollenspieler Weltmeister, welches der vielleicht wichtigste Titel für alle Fußballer ist. Und nebenbei der einzige relevante Titel, der einem Ronaldo noch fehlt.
Beide verpassten aber hinterher die ganz große "Weltklasse" Karriere. Bei Schürrle gab es mit seinen 23 Jahren noch die Hoffnung auf einen ganz großen Durchbruch... Und es wurden halt auch insgesamt 93 Millionen Euro bewegt, damit er es bei mehreren Vereinen versuchen konnte. Das macht Schürrle zu einem der "Umsatzstärksten" und "Teuersten" deutschen Fußballer aller Zeiten. Also Leroy Sané ist jetzt schon bei 97 Millionen. Kai Havertz wird diese Summen pulverisieren. Aber Schürrle spielte auf dem Transfermarkt in derselben Liga. Das macht ihn halt eher zum deutschen Robbie Keane... also in 15 Jahren wird niemand mehr nachvollziehen können, warum so viel Geld mit diesen Spielern bewegt worden ist... aber es ist halt passiert.

Bei Höwedes war halt gleich abzusehen, dass es bei ihm "nur" zum "Schalke-Idol" reicht. Und das ist noch nicht mal eine Beleidigung. Es ist eher eine Beleidigung für ihn, dass Domenico Tedesco ihn vom Hof gejagt hat. Aber "Leistungsträger bei Juventus" überstieg dann halt doch seinen Horizont.

Und damit dürfte beiden in diesem Sommer eines bewusst geworden sein: Sie könnten noch ein paar Jahre fernab der Heimat vor sich hin kicken... Angebote hätten sie dafür garantiert gefunden. Aber Titelkandidaten werden eher einen großen Bogen um sie machen. Und damit steht auch fest: Das WM Finale 2014 wird ihr absoluter Karrierehöhepunkt bleiben. Das definierende Spiel, mit dem sie jeder in Verbindung bringen wird. Der emotionale Höhepunkt, den man aber nie wieder auch nur annähernd erreichen wird.
Wenn einem das bewusst geworden ist, fällt es einem eventuell schwer sich weiter zu quälen und zu schinden. Und man hat ja als Profi mittlerweile auch garantiert so viel Geld verdient, dass man dann auch einfach aufhören kann, bevor man jedes Jahr einen Schritt langsamer wird.

Das ist halt auch der entscheidende Unterschied zu einem Cristiano Ronaldo: Der spielt weiterhin jedes Jahr um jeden Titel mit. Und um den Titel "Bester Spieler der Welt". Und solange das noch im Rahmen seiner Möglichkeiten liegt, hält halt auch sein Antrieb und das Adrenalin. Aber ich stelle da mal folgende These in den Raum: Sobald es bei ihm "nur" noch für die Europa League reicht, weil er mit 41 dann doch zu alt für den ganz großen Fußball ist, wird er auch in den Ruhestand gehen.

Natürlich ist das "für ganz oben reicht es nicht mehr, also gehe ich in den Ruhestand" Prinzip keine allgemein anwendbare Regel. Also es gibt ja genügend Schweinsteigers, die sich zu ihrem Karriereausklang auf das eine oder andere an sich unnötige Abenteuer einlassen. Und es gab halt immer auch beide Extreme, auch wenn der frühe Ruhestand mittlerweile leichter finanzierbar ist. Aber es fällt mir halt schon auf, dass Höwedes und Schürrle unabhängig voneinander zum selben Schluss kommen. Und reiner Zufall kann das nicht sein.

Aber ein Trend? Das ist eine spannende Frage. Also nehmen wir mal einen weiteren Mitstreiter, der eigentlich seit 2014 in einer leistungstechnischen Abwärtsspirale fest hängt: Mesut Özil. Also seit dem Özil bei Arsenal London Stück für Stück nachließ, wurde deren genau genommen eh schon begonnener Negativlauf weiter beschleunigt. So dass Özil heute meistens auf der Bank sitzt und Arsenal auf günstigste Sternenkonstellationen hoffen muss, um sich für die Champions League zu qualifizieren.
Und auch Özil, der mal einer der besten Vorlagengeber der Welt war, steht jetzt vor der Entscheidung: Tut er sich das noch an? Will er wirklich zu international irrelevanten Vereinen wechseln um dann da noch nen Weilchen vor sich hinzukicken? Oder sagt der sich im nächsten Sommer: Reicht eigentlich...
Ein weiterer Name, der eine ähnliche Entscheidung treffen könnte, ist Mario Götze. Auch da würde mich ein vorzeitiges Karriereende nicht mehr überraschen, weil auch da abzusehen ist, dass er nie wieder auf sein ehemals überragendes Niveau kommen wird.

Freitag, 31. Juli 2020

Worst of des "Es fehlt an einem Sportlichen Konzept" Sommerlochs

Was soll ich sagen... es ist halt gerade wenig los. Also schafft man sich seine Themen selbst.

Was dann häufig dazu führt, dass man sich Mannschaften anguckt, denen es gerade nicht so gut geht und deren Lage analysiert. Worauf dann immer der "es fehlt an einem Sportlichem Konzept" folgt. Ist halt so. Ist auch unleugbar.

Aber sind "Sportliche Konzepte" nicht völlig überbewertet? Gibt es die eigentlich wirklich? Klar, einige wenige Vereine wie der SC Freiburg kann sich das auf die Fahne schreiben. Aber der Rest?

Gehen wir einfach mal den am besten geführten Verein in Deutschland angucken. Und das sind halt immer die Bayern. Wie sieht deren "sportliches Konzept" eigentlich aus?

Und klar, da kommt dann "Mia san Mia!" Das Problem daran ist: Das ist ein arrogantes Selbstverständnis, aber kein wirklicher Plan. Jedenfalls nicht wirklich. Und da kann man auch alles drauf klatschen, was man will. Im wesentlichen läuft alles auf ein "wir wollen Meister werden" hinaus. Immer und immer wieder.

Aber wenn man sich mal anguckt, wie oft im Detail oder sogar in der Groben Ausrichtung dieses Konzept über den Haufen geworfen worden ist. Der Trainer, mit dem man jahrelang zusammen arbeiten wollte, entlassen wurde, weil man ein Mal keinen Titel holte... Und ja, der letzte Trainer, der ohne Titel in München bleiben durfte, war Jupp Heynckes... Ende der 80er. Nur bleiben die Bayern halt selten ohne Titel, deswegen fällt es kaum auf, wie schnell die Trainer weg sind, wenn die Titel in Gefahr geraten. Aber guckt euch einfach mal an, wie schnell Niko Kovac trotz Doublegewinn abgesägt worden ist... das sind eigentlich Moves, die man vom konzeptlosen Hamburger SV erwartet, nicht vom seriös geführten Rekordmeister. Trotzdem machte man es praktisch schon zum 2. Mal in 3 Jahren, denn auch Carlo Ancelotti konnte man gar nicht schnell genug ersetzen...

Gehen wir mal schnell durch, wie oft die Bayern ihren Masterplan über Bord geworfen haben. Alles begann ja mit der Generation Beckenbauer, Müller, Meier. Also als die eigene Jugendarbeit die Bayern an die absolute europäische Spitze führte und man 3 Jahre in Folge die Champions League gewann.
Aber hier ist so ein unschönes Detail: Bereits in den 80ern wurde diese Idee zu "Wir verkaufen unsere Talente um den Verein zu sanieren" "weiterentwickelt". Darüber redet heute natürlich niemand mehr, aber Karl-Heinz Rummenigge musste im Jahr 1984 an Inter Mailand verkauft werden, damit der Verein saniert werden konnte. Dafür reichten damals noch 11 Millionen Mark...

Das lag halt unter anderem daran, dass man mit Jean-Marie Pfaff seinen ersten internationalen Star gekauft hat. Also das war der erste "Wir holen einen großen Spieler" Transfer aus dem Jahre 1982.

Nun muss ich zugeben, dass ich über die 80er Jahre selber wenig sagen kann, weil ich da noch nicht in der Lage war den Fußball so detailiert zu verfolgen. So alt bin ich halt noch nicht. Und eine legendäre Übergeneration wie in den 70ern fehlt da halt. Aber in den 90ern war der neuste heiße Scheiß dann: Wir kaufen unsere Talente vom Karlsruher SC. Alles, was da halbwegs geradeaus laufen kann, kommt zu uns. Oliver Kreuzer, Oliver Kahn, Mehmet Scholl. Michael Tarnat, Michael Sternkopf und Thorsten Fink werden da in einer Ran-Bilderserie aufgezählt. Der eigene Nachwuchs bestand zu der Zeit... aus Markus Babbel. Und wurde sonst weitestgehen vernachlässigt. Und ja, aus dieser Zeit kommt eigentlich die "Bayern kauft die Bundesliga kaputt" Theorie. Und zumindest beim Karlsruher SC kann man das durchaus so sehen. Obwohl all die Spieler natürlich auch woanders hin gewechselt wären.

Hasan Salihamidzic war dann das eine überraschend erfolgreiche Exponat der "Wir holen uns alles, was laufen kann... und das möglichst Ablösefrei" Phase. Also die hat ja nie wirklich aufgehört. Aber da wurden halt auch so Namen wie Jan Schlaudraff ein Mal kurz ausprobiert und mit Gewinn weiter gereicht. Die Liste der derart gescheiterten Talente ist verdammt lang. Bei Karlsruhe konnte man ja noch behaupten, dass 5 von 6 Spielern es in den Stammkader geschafft haben... bei vielen späteren Transfers war das nicht mehr der Fall.
Den Champions League Titel 2001 holte man im Wesentlichen, in dem man gestandene Deutsche Profis aus dem Ausland zurück in die Heimat holte. Also Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Stefan Effenberg sein symbolisch genannt. Eine derartige "Rückholaktion" war für die Bayern auch mal was neues.
Oh und das, was in den 90ern Karlsruhe war, wurde dann zu Bayer Leverkusen, von denen man sich Michael Ballack, Lucio, Paolo Sergio holte. Man kauft halt immer bei der direkten Konkurrenz ein.

Dann kam ganz plötzlich die "Wir über-korrigieren und holen uns internationale Stars." Phase. Also man kann sich das ja kaum noch vorstellen, aber die Bayern wurden in diesem Jahrtausend mal nur Vierter. Und damals bedeutete Platz 4 einen Abstieg in den "Cup der Verlierer." Also holte man für richtig viel Geld Luca Toni und Franck Ribery. 2 Spieler, die sich im Sommer zuvor im WM Finale gegenüber standen. Es war das letzte Mal, dass die Bayern nicht mindestens dritter wurden. Aber das "Konzept" hieß halt "sobald es eng wird, greifen wir mal richtig tief in die Tasche um das zu reparieren". Und dieses "Konzept" hat man sich zwangsweise im Sommer 2007 ausgedacht...

Dazu stolperte man wieder in eine herausragende eigene Generation um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos und Thomas Müller, die den Kern des nächsten Champions League Sieges 2012 stellten. Back to the roots. Obwohl ja auch diese eigene Generation durch Ribery und Arjen Robben erweitert wurde. Darauf ruhte man sich dann so sehr aus, dass kaum noch eigene Talente eine echte Chance bekamen.

Dafür entwickelte man praktisch mit dem Robben Transfer einen neuen Tick: Man kaufte sich jeden Sommer einen Star dazu. Und ab 2012 erweiterte man als neue Idee sein Beuteschema um den internationalen Transfermarkt, anstatt nur (mittlerweile bei) Borussia Dortmund zu plündern. So kamem Javi Martinez, Tiago, Mehdi Benatia, Aturo Vidal, Douglas Costa, Renato Sanchez, Corentin Tolisso, Kingsley Coman, Lucas Hernandez und jetzt Leroy Sané für jeweils mindestens 20 Millionen Mark seit Sommer 2012. Das einzige Jahr, in dem auf einen derartigen Transfer verzichtet wurde, war 2018.
Hier muss man halt auch hervorheben, dass solche Transfers vor Ribery und Toni die absolute Ausnahme darstellten. Was natürlich auch daran lag, dass man nicht beliebig viele ausländische Spieler verpflichten durfte. Aber die "Wir verpflichten jedes Jahr einen Star aus dem Ausland" Strategie aus diesem Jahrzehnt hat mit dem "Wir bauen unseren Erfolg auf unserer eigenen Jugend aus" Idee von den 70er Jahren gar nichts mehr gemeinsam. Nebenbei hat man Real Madrid und seine "Intertgalaktischen" immer dafür ausgelacht, dass sie sich jedes Jahr unbedingt einen Star holen müssen. Mittlerweile macht man das irgendwie selber...

Und das sind nebenbei nur die neuen Konzepte auf dem Transfermarkt. Nebenbei hat man sein Produkt auf dem Rasen auch immer wieder angepasst. Von defensiv strukturiert (oder kontrollierter Offensive, wie man das im Neusprech sagt) unter Trappatoni und Rehagel zu gnadenlosem Offensivfußball unter Pep Guardiola. Von diesem großen Gestalter ging es dann direkt weiter zum reinen Verwalter Ancelotti, der halt praktisch nur auf die individuelle Klasse gesetzt hat. Dazwischen gab es noch Klinsmanns legendäre Budda-Statuen und absolutes Chaos auf dem Platz. Das einzige, was all diese Spielphilosophien geeint hat, war: Solange du damit Titel holst, ist uns der Rest egal.

Was ist also das sportliche Konzept der Bayern? Habe Erfolg und wirtschafte seriös. Das ist auch schon alles. Diese 5 Worte sind die einzigen, die konstant relevant waren, seit dem Uli Hoeneß selber die Stiefel geschnürt hat. Sie blieben erhalten, als er ins Büro gewechselt hat und auch als er in den Knast musste, wurde nach diesen einfachen System weiter gearbeitet.

Und das ist abgesehen vom "habe Erfolg, Geld spielt keine Rolle, im Zweifelsfall gehen wir halt pleite" Konzept das einzige, welches wirklich existiert. Warum funktioniert dieses System bei den Bayern? Nun ja, weil sie, Uli Hoeneß sei dank, immer fähige Entscheidungsträger in ihren Reihen hatten. Also ja, das eigentliche Konzept lautete nur: Habe den besten Manager der Liga.

Wie quasi schon bei meinem Loblied auf Max Eberl festgestellt wurde: Das einzige, was wirklich wichtig ist, ist ein guter Manager/Sportdirektor/Sportvorstand. Wenn man den gefunden hat, werden alle anderen Entscheidungen relativ einfach. Man muss halt nur noch aufpassen, dass man den nicht komplett freidrehen lässt. Und ihn regelmäßig überprüfen, weil es durchaus passieren kann, dass er die neusten Entwicklungen im Sport verpasst und dann einfach irgendwann kein guter Manager mehr ist.

Nehmen wir mal spaßeshalber den Hamburger SV.... also das Paradebeispiel im "Es fehlt an einem Konzept". Seit Jahrzehnten. Aber eigentlich fehlt es ihnen nur an einem guten Manager, der die richtigen Entscheidungen trifft und so den Verein in die Erfolgsspur zurück bringt... und dabei seriös wirtschaftet. Und wofür der dann auch immer steht... das ist dann genau das "Konzept", welches der HSV braucht.

Sportliche Konzepte sind so ein bisschen was wie Diskussionen über Gott. Die können bei einer Flasche Wein unter Akademikern wunderbar und lustig sein. Es hat aber für die praktische Arbeit und eigentliche Entscheidungsfindung keinerlei Relevanz. Die richtigen Leute finden ist das einzige, was wirklich zählt.
Und um nochmal den Bogen zu schlagen: Gerade wenn man bedenkt, wie zufällig die Gladbacher am Ende über Eberl gestolpert sind und wie sie den fast wieder loswerden wollten... Es ist ja nicht so, dass das derzeit in Gladbach so gut funktionierende "Konzept" aus einem langjährigen Plan entstanden ist, sondern man ist im Panikmodus darüber gestolpert.
Auf der Gegenseite hatte man bei Werder Bremen das Gefühl, dass die Übernahme des Vereins von Leuten wie Marco Bode und Frank Baumann langfristig geplant worden ist... was aber nicht bedeutet, dass es kein bescheuertes Konzept ist...

Dienstag, 28. Juli 2020

Kurzes "Ihr wusstes es Exklusiv" Update

Als Nachtrag zum gestrigen Beitrag: Die MLB, also die größte Baseball Liga der Welt und eine der 4 großen Amerikanische Sportsligen, an denen "Soccer" nicht rankommt, hat ganze 4 Tage gebraucht, um ihren ersten Internen Coronaausbruch zu erleben. Und die MLB war die Liga, die sich gegen eine "Bubble-Konstruktion" (also alle Teams treffen sich in Disney World und spielen dort in einem geschlossenen System) und für das Bundesligakonzept mit Heim- und Auswärtsspielen entschieden haben. Also abgesehen von dem Team aus Kanada, das hat de facto nur Auswärtsspiele... Denn Kanadier haben gerade echt besseres zu tun als Amerikaner einreisen zu lassen...

Nun ist es natürlich schwieriger an das Hygienekonzept der MLB zu kommen, aber Dinge wie "nicht auf den Rasen spucken" sollen da auch drin gestanden haben. Und es wird halt geklärt, dass man außerhalb des Spielfeldes immer einen gewissen Abstand halten soll... selbst bei der Nationalhymne, die ja sonst das Heiligtum der Amerikaner ist. Auf dem ersten Blick steht da schon verdammt viel vom DFL Konzept drin...

Trotzdem hat es halt nicht lange gehalten. Und jetzt spekulieren alle, wo sich das Virus innerhalb der Mannschaft so krass ausgebreitet hat? Im Bus? In der Kabine? Am Flughafen? Und es kann halt keiner nachvollziehen, wie das Virus sich in den Mannschaftskreis geschlichen hat.

Oh und auch bei Real Madrid gibt es gerade in der Phase zwischen La Liga und Champions League einen positiven Coronafall. Immerhin so glücklich getimed, dass es keinen Einfluss auf die Spielpläne hat. Aber anscheinend reichen im Zweifelsfall 3 Tage Urlaub, um sich doch zu infizieren.

Das soll halt nur verdeutlichen, wie viel Glück die DFL gehabt hat, dass es hier nicht zu ähnlichen Vorfällen gekommen ist. Und natürlich kann man sein Glück durchaus auch erzwingen. aber das kann man halt auch nicht alleine.

Je mehr ich drüber nachdenke, um so mehr komme ich zu dem Schluss: Dass die Bundesliga so reibungslos funktioniert hat, hat weniger mit deren Hygienekonzept zu tun und verdammt viel damit, dass wir diese Krise als Ganzes relativ gut im Griff haben. Oder hatten, denn die 2. Welle soll ja unterwegs sein.
Das soll auch gar keine Kritik an der DFL und deren Arbeit sein. Man sollte sich aber bewusst sein, dass die Ausbrüche in anderen Sportligen nicht an deren Unfähigkeit liegt... genau so wie unser erfolgreicher Durchlauf nicht nur auf unserer überlegenen Planung liegt. Es gab halt haufenweise Faktoren, die für den Erfolg entscheidend waren, auf den die DFL keinerlei Einfluss hatte.

Also nur als ganz dummes Beispiel: Wenn jetzt die Fleischfabrik vom Tönnies nicht in Gütersloh, sondern in Paderborn gestanden hätte... hätten dann da noch Bundesligaspiele stattfinden dürfen? Dass wir uns mit dieser Frage gar nicht beschäftigen mussten, liegt halt hauptsächlich daran, dass es in Gütersloh keine Bundesligamannschaft gibt. Und das ist wiederum reines Glück. Und nur um mal zu erwähnen, wie knapp wir daran vorbei geschrammt sind: Gütersloh und Paderborn trennen keine 50 km. Und Tönnies hat ja überall seine Schlachthöfe... Dass er da keinen Bundesligaspielort zum Hotspot gemacht hat, war halt auch reines Glück. Und dessen muss man sich halt auch mal bewusst werden.

Montag, 27. Juli 2020

Passives Abseits Leser wissen es exklusiv: Es wird mehr Corona Fälle geben

Normalerweise wird hier ja gerne darauf hingewiesen, wie oft ich mit mehr oder weniger extremen Thesen Recht behalten habe. Dann mach ich mir nen Bier auf und beweihräuchere mich an meiner Weitsicht. Aber hin und wieder greift man auch daneben. Und dann greift man im Fall von Pal Dardai bei der Anerkennung des Fehlers wieder ins Klo... ups.

Und genau so einen Fall hatten wir auch gerade wieder. Es war ja meine persönliche Überzeugung, dass wir vor Saisonende über einen erneuten Abbruch reden müssen, weil es weitere Covid-19 Fälle geben wird. Weil das Hygienekonzept viel zu optimistisch angelegt wurde und es keinerlei Pläne gab, was passiert, wenn es einen positiven Fall gibt. Und die Fälle bei Dynamo Dresden gaben mir ja recht. Dass die DFL vorher nicht mit den örtlichen Behörden darüber geredet hat, was passiert, wenn es positive Fälle gibt, war unfassbar naiv. Und deswegen versucht Dresden jetzt zu klagen. Das hätten die gleich machen sollen... oder auf ein Aussetzen der Relegation pochen... aber Weitsicht war noch nie Dresdens Stärke. Die können halt nur so weit gucken, wie das Dynamo Licht gibt... und jeder, der sein Fahrradlicht noch mit so einem Teil betrieben hat, weiß, dass das nicht sonderlich viel Licht gibt...

Aber abgesehen von diesem einen wirklich unfairen Fall... kamen wir perfekt durch den Re-Start. Die Fans haben sich weitestgehend (also bis auf den Klassenerhalt bei Union Berlin) vorbildlich verhalten. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Bayern-Fans eine Meisterschaft nicht mehr wirklich auf der Straße feiern, ist halt Buisness as usual... Und ja, ich habe irgendwie auch befürchtet, dass die Ultras einen Abbruch herbeiführen werden und das dann als wichtigen Protest gegen die Kommerzialisierung auslegen. Das hätten die auch gekonnt. Aber sie haben halt doch drauf verzichtet und stattdessen "nur" Plakate im Stadion aufgehangen.

Aber bevor ihr verächtlich nach Liverpool guckt, sollte euch eines bewusst werden: Wenn Borussia Dortmund Meister geworden wären, hätte es dieselben Schlagzeilen auch im Ruhrgebiet gegeben. Und wenn Bielefeld wirklich existieren würde, hätten die da auch den Aufstieg entsprechend gefeiert.

Aber selbst wenn... wären diese Fälle ja für die geschlossene Leistungsgesellschaft egal gewesen. Also in Berlin wurde ja gefeiert, weil das Saisonziel sicher war. Und man raffte sich trotzdem zu einer ordentlichen Leistung am letzten Spieltag auf. Ein wirkliches Eingreifen in die in die Tabelle gab es deswegen nicht.

Hier ist halt meine Frage: Lag das wirklich am Hygienekonzept der DFL, oder war das einfach nur "Glück"? Also das Vorreiterprojekt aus Deutschland ist ja von vielen anderen Nationen dann so übernommen worden. Also bei unseren Nachbarn aus der Schweiz wurde vor 2 Wochen über einen erneuten Abbruch diskutiert, weil es beim FC Zürich 10 Coronafälle gab und sie deswegen mit ihrer Reservemannschaft antreten mussten. Der FC Zürich hat wenig überraschend die letzten 4 Spiele allesamt verloren. Immerhin verspielt man so "nur" die Europa League und nicht gleich den Klassenerhalt.

In Russland durfte der FK Rostow ein Mal ausschließlich mit Jugendspielern antreten, weil die eigene Profimannschaft noch in Quarantäne war und die Show halt wieder losgehen musste. Man verlor 1:10. Auch wenn deren weiterer Saisonverlauf die Frage mit sich bringt: Hätte Dynamo Dresden vielleicht auch einfach ein Spiel mit der Jugendmannschaft abschenken sollen und dadurch den Terminkalender entspannen?
Nebenbei, als kleiner Fun Fact, rettete der FK Sotchi, also der Gegner der Jugendmannschaft, sich praktisch mit genau diesem Spiel. Wenn die da nur Unentschieden spielen, fehlen ihnen Plus 9 Tore und 2 Punkte, dann sind sie hinter Samara. Nur um mal zu erwähnen, wie krass die Corona Auswirkungen auf die Erstliga Tabellen im Ausland sind.

Oh und die Aufstiegsfrage in Spanien kann gerade schlecht geklärt werden, weil CF Fuenlabrada gerade in einem Hotel in La Coruna in Quarantäne sitzt... 

Die hatten ja auch alle ein Hygienekonzept. Ob das jetzt nicht so gut umgesetzt worden ist... oder ob wir in Deutschland als gesamte Gesellschaft und unabhängig von der DFL dafür gesorgt haben, dass das bei uns "gut" ging... das ist halt die Frage nach dem Huhn und dem Ei.

Also unser derzeitig größtes Corona Problem ist ja, dass wird auf Grund der dann irgendwann ergriffenen Maßnahmen zu gut durch die Krise kamen... und die Regierung sich deswegen jetzt Vorwürfe von Verschwörungstheoretikern machen lassen muss. Ich bin schon 2 Mal über solche Demos gestolpert und musste dann unbedingt sicher stellen, dass die mich nicht heimlich als Demonstrant mit zählen... Aber man kann ja an anderen Ländern gut erkennen, wie sich die Krise entwickelt hätte, wenn die Gesundheit nicht an erste Stelle steht, sondern die Wiederwahl... Und ja, in den USA verläuft der Start der MLS wesentlich schlechter als die Bundesliga. Da wurden direkt einige Mannschaften komplett ausgeschlossen, weil sie zu viele Corona Fälle hatten.

In erster Instanz sollten wir alle froh sein, dass es bei "uns" so glatt gelaufen ist. Und wir sollten nur wegen der "Erfolge" im Land nicht leichtsinnig werden. Also ehrlicher Weise muss man ja sagen "noch leichtsinniger"...
Dass die deutsche Fußballsaison vernünftig durchgezogen werden konnte, ist ein Grund zum Durchatmen, aber es ist kein Anlass seine Masken wegzuwerfen und exzessiv zu feiern.

Bleibt gesund und nehmt Rücksicht auf andere. So als motivierende Botschaft am Ende...

Donnerstag, 23. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Bayern München

Bringen wir es zu Ende. Und gucken wir mal, wie viel Neues wir bei den Bayern finden.

Als aller erstes müssen die Bayern halt aufhören Spieler zu verpflichten, um die Konkurrenz zu schwächen... und sich in der Breite zu verstärken. Natürlich behauptet ein Karl-Heinz Rummenigge, dass man das noch nie gemacht hätte. Aber das ist derselbe Typ, der euch auch eiskalt anlügt, wenn er behauptet, dass die Bayern die Allianz-Arena ohne staatliche Fördergelder gestemmt haben, obwohl man für den Stadionneubau auch mal eine U-Bahn Station ausbauen und verlegen musste... woran sich dann doch wieder Stadt und Land beteiligt haben... Also ja, Rummenigge ist gut darin, die eigenen "Leistungen" zu verklären und beschönigen. Der will ja auch bis heute nicht einsehen, dass die Bayern von den Leistungen ihrer Nationalspieler bei den großen Turnieren profitieren und die Millionenumsätze in der Bundesliga durchaus durch die immer günstig getimten Weltmeistertitel beeinflusst worden sind.

Nehmen wir mal als Paradebeispiel Michael Cuisance. Den holte man sich aus Gladbach um... also.. nun ja... die 2. Mannschaft zu verstärken? Die Bank zu wärmen? Auf die Frage, ob Bayern Meister wird, hatte Cuisance jedenfalls 0 Einfluss... aber er hätte die Borussia auf Platz 3 führen können. Das ist einer der klassischen "Wir bedienen uns in der Liga, um uns in der Breite zu verstärken" Transfers. Und genau die Schaden der Liga. Und erfahrungsgemäß hilft das den Spielern auch nur bedingt, siehe Baumjohann oder Schlaudraff.

Nebenbei habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn sich die Bayern Spitzentalente wie Mario Götze unter den Nagel reißen, auch wenn das am Ende auch nur nicht funktioniert hat. Oder halt jetzt die beiden jungen Talente aus Hoffenheim für die Jugend. Aber man holt sich halt zu viele Talente als "Risikoanlage". Wobei es ja eigentlich für sie eine "Risikolose Anlage" ist, denn im schlimmsten Fall schwächen sie halt die Konkurrenz, verlieren aber selber nichts. Der Anspruch bei der Talentverpflichtung muss "Supertalente holen" heißen. Alles andere kann sich auch woanders entwickeln und man kann es sich dann für 15 Millionen mehr an Ablöse holen. Das ist aber auch ein alter Schuh.

Das neue und eigentlich spannende Projekt in München ist ja Jochen Sauer. Also die Bayern haben anscheinend genau den Schritt gemacht, den die Dortmunder dringend machen müssen: Sie haben erkannt, dass die Jugendarbeit nicht die Arbeit macht, die sie muss und sich entsprechend neu aufgestellt. Jetzt sind sie nebenbei auch Drittliga Meister. Und das ist ein gutes Zeichen für die gesamte Liga.

Denn sein wir mal realistisch: Dass die Bayern-Talente direkt beim Rekordmeister durchstarten, ist eher unwahrscheinlich. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Man kann die ja, wie man es früher auch gemacht hat, für 2 Lehrjahre verleihen. Möglichst in die Bundesliga. Die Beispiele Philipp Lahm und Toni Kroos beweisen ja, dass davon alle Beteiligten profitieren. Also wenn die Bayern für jeden Cuisance, den sie aus dem Talentpool rausziehen, 2 andere brauchbare Spieler in die Bundesliga abgeben, gewinnen am Ende alle. Und der Anspruch der Bayern muss nicht zwingend sein, dass man jedes Jahr einen Spieler für die eigene Mannschaft ausbildet. Der Anspruch muss sein, dass ein Kroos oder ein Lahm bei ihnen die beste Ausbildung in einem hochwertigen Umfeld genießt, während man nebenbei jedes Jahr brauchbare Bundesligaprofis ausbildet.

Der wirklich spannende Name lautet da also Jonathan Meier, den die Bayern an Mainz 05 verkauft haben.

Nebenbei ist es an der Stelle auch völlig albern über eine 2. Mannschaft in der 2. Liga zu philosophieren, nur weil man nach Jahrzehnten tatsächlich mal einen guten Jahrgang hat. Denn auch für einen Zweitligastar ist der Sprung zu den Bayern nach wie vor zu groß. Das eigentlich sinnvolle wäre dagegen, um im ganz großen Rahmen zu sprechen, eine Reserverunde für alle Bundesligisten. Natürlich müssten das alle Bundesligisten auch entsprechend ernst nehmen und wenn man bedenkt, wie viele ihre 2. Mannschaft komplett abgemeldet haben... Aber gerade für die Bayern wäre das extrem sinnvoll.

Lasst mich das mal an einem anderen Beispiel als Cuisance erklären. Dieser würde aber auch gut funktionieren. Wir nehmen aber Joshua Zirkzee. Zirkzee ist sowieso ein spannendes Studienobjekt, weil er beweist, wie weit weg der Bundesligakader der Bayern vom Rest entfernt ist. Denn Zirkzee, obwohl eigentlich für die 2. Mannschaft eingeplant, hat in der Bundesliga doppelt so oft getroffen wie in Liga 3. Obwohl er mehr als doppelt so viele Minuten in der 3. Liga abgerissen hat.
Das ist nebenbei genau das, was ich mit dem Thomas Müller Effekt immer meine: Die Bayern haben so viele (für die Bundesliga) herausragende Akteure in ihren Reihen, dass es selbst eher durchschnittlichen Mitläufern wie ein überragender Stars aussehen. Wenn man sie dann allerdings in ein normales Umfeld mit gleichstarken Mit- und Gegenspielern aussetzt, kommen sie nicht annähernd so gut klar.
Aber der Fakt, dass selbst recht erfolglose Drittligastürmer in der Bundesliga eine überragende Trefferquote aufweisen, wenn sie neben Robert Lewandowski spielen, sollte doch die Bayern motivieren, ihre eigenen Talente wesentlich aggressiver in die erste Mannschaft einzubauen. Zumindest als Einwechselspieler. Gerade falls die 5 Wechsel erhalten bleiben.

Aber so was ist natürlich wesentlich einfacher zu koordinieren, wenn die Reservemannschaft am Tag vor oder nach dem Bundesligaspiel in derselben Stadt spielt. Dann lautet die Frage nicht mehr "In welchem Kader sollte Zirkzee stehen", sondern "Wie viele Minuten kann er am Wochenende maximal spielen?" Gerade wenn man bedenkt, dass Zirkzee und Cuisance zusammen 30 Mal ohne "Einsatz im Kader" auf der Bank saßen.
Es bleibt natürlich festzuhalten, dass die Bayern ihre Möglichkeiten da schon weitestgehend ausreizen und Zirkzee auch so oftmals in beiden Kadern gestanden hat. Aber anstatt auf 16 Einsätze in Liga 3, würde er dann auf 30 in der Reservemannschaft kommen.

Natürlich ist das Hauptproblem bei dieser Reserverunde das Spielniveau. Also das sollte halt schon regelmäßig mindestens auf Drittliga Niveau bewegen, damit die Idee Sinn ergibt. Das wäre für alle Mannschaften extrem sinnvoll, allein schon weil man dann seine von Verletzungen zurück kommenden Spieler wieder vernünftig an den Wettbewerb heranführen kann, ohne das es in einer tabellarisch relevanten Liga zu Wettbewerbsverzerrungen kommt. Und ja, eigentlich sollten die Bundesligisten auch ein gewisses Interesse daran haben ihre jungen Stars im eigenen Haus an die Bundesliga heranzuführen. Also das Mannschaften wie Bayer Leverkusen lieber verleiht als die 500.000, die so eine Reserve zusätzlich kosten würde, in die Hand zu nehmen, ist mehr als bedenklich. Eintracht Frankfurt hat diesen Schritt so weit bereut, dass sie ihn rückgängig gemacht haben.
Man kann dann an den Leistungen in dieser Liga auch gut abschätzen, wie ernst die Bundesligisten ihre Talentförderung wirklich nehmen. Und die cleveren Talente gehen zu den Vereinen, die ihnen von U19 über die Reserve einen Weg in die erste Liga aufzeigen... und nicht zu den Vereinen, die sagen "Dann schicken wir dich 2 Jahre weg, vielleicht wird da aus dir etwas..."

Und selbst wenn Bayern II dann auch in der Reserveliga so überlegen ist, dass die alles gnadenlos abschießen... vielleicht ist das ja auch für alle die beste Vorbereitung auf die harte Realität "Bundesliga"...

 Es gab ja jahrelang das "Meme", dass Real Madrid sich von ihren eigenen ehemaligen Talente, die aber im eigenen Verein nichts wert waren, abschießen ließ. Und das ist dann immer als Vorwurf formuliert worden, obwohl es auch nur bedeutete, dass Real Madrid auf einem ordentlichen Niveau ausbildet. Selbst wenn viele ihrer Spieler nicht gut genug für einen absoluten Spitzenverein sind, so sind sie immer noch in der Lage, diesen vor Herausforderungen zu stellen.
Den Bayern ist dies verdammt lange nicht mehr passiert, denn die haben halt nur Marco Friedl und Felix Götze ausgebildet. Und ja, Felix Götze dürfte einer der ganz wenigen Bayern-Azubis sein, die in den letzten 10 Jahren gegen die Bayern getroffen haben. Jetzt könnte man langsam in die Position kommen, dass einem so was regelmäßiger passiert. Und das ist ein gutes Zeichen für die Liga.

Dienstag, 21. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Borussia Mönchengladbach

Ups... ich hab nen Benioff und Weiss gebaut... I kind of forgot about Borussia Mönchengladbach.

Aber dann lächelt Max Eberl mich von kicker.de an... und ich so: Verdammt, das könnte der wichtigste Mann der Bundesliga sein. Und bevor ich das lesen konnte, wurde es auch schon wieder runter genommen... Interessant.

Aber ja, die Lösung für Borussia Mönchengladbach ist einfach: Sie müssen Max Eberl halten. Und dafür sollten sie vielleicht mal einen Titel holen. Also praktisch den DFB Pokal oder die Europa League, denn das ist das realistische Ziel. Dafür müsste man natürlich an der Champions League scheitern, aber das kriegen die schon hin...

Denn Max Eberl ist gerade der beste Manager der Bundesliga. Auch wenn Hasan Salihamidžić gerade von allen über den grünen Klee gelobt wird, weil er ein überragendes Talent gefunden hat. Ein Hasan hat aber auch ganz andere Voraussetzungen. Wenn man die Eberl geben würde...

Mir ist dabei gerade etwas aufgefallen: Der Manager (oder wie auch immer man den Posten jetzt bezeichnet) ist die wichtigste Position in einem Verein. Das fängt offensichtlich bei den Bayern an, die halt über 30 Jahre lang von Uli Hoeneß geprägt wurden. Trainer, Spieler, Präsidenten und Platzwärte kamen und gingen. Man hätte sogar Lothar Matthäus zum Greenkeeper machen können und wäre trotzdem weiterhin Meister geworden. Aber ein Hoeneß Abgang in den 90ern und alles hätte zusammenbrechen können. Zum Glück fing der mit dem Steuerhinterziehen erst später an...

Aber auch wenn man sich die Konkurrenten anguckt. Also mit der Ausnahme von Borussia Dortmunds Meisterschaften in den 90ern, für die Michael Meier verantwortlich war... und das ist langfristig ein legendär schlechter Manager... Und klar, der konnte kurzfristige Erfolge einfahren, aber langfristig führte er dich in Richtung Konkurs.

Aber alle anderen "langjährigen Herausforderer" der Bayern wurden immer durch herausragende Manager geprägt. Werder Bremen hatte mit Willi Lemke und Klaus Allofs 2 davon und war dementsprechend 2 Mal Bayern-Jäger Nummer 1. Am Ende ist gar nicht Florian Kohfeldt das Problem in der Hansestadt, sondern Frank Baumann, der halt Stand Jetzt nicht in der Lage ist, Klaus Allofs zu ersetzen.
Und natürlich wurde Allofs am Ende auch alt und verpasste die neusten Entwicklungen. Aber solange der richtig gut war, spielte Werder konstant international.

Bayer Leverkusen hatte jahrzehntelang einen Rainer Callmund. Natürlich eine streitbare Persönlichkeit. Aber Bayer war vor und nach seiner Ära nie annähernd so erfolgreich, wie unter ihm. Und die Ära geht vom DFB Pokal Gewinn 1988 bis zum Vize-Kusen Jahr 2002. Callmund war dabei an 2 Stellen Visionär:
1. Dem Abwerben von Spielern aus der noch existierenden DDR. Wenn sie ihn gelassen hätten, hätte er neben Ulf Kirsten und Andreas Thom auch noch Matthias Sammer geholt... und Spoiler: Dann wäre er auch Meistermanager...
2. Dem scouten und integrieren von Brasilianischen Stars und Talenten. Das mag heute total normal wirken. Aber in den  90ern, wo man eh nur 3 Ausländische Spieler auf dem Platz haben durfte... und wo das Reisen zu Scouting noch nicht mit Google Earth und Youtube zu erledigen war. Das Paradebeispiel wie viel besser als der Rest Bayer beim Integrieren von Südamerikanern war, sie mal Zé Roberto genannt. Der war bei Real Madrid schon gescheitert und wurde dann in Leverkusen zu dem Musterprofi, der später bis Mitte 40 spielen konnte und wollte.

Bei Borussia Dortmund soll die Ära Michael Zorc demnächst zu Ende gehen. Eine Ära mit 3 Meisterschaften, 2 Pokalsiegen und einem Champions League Finale. Und ja, Zorc war nie der lauteste Typ. Den Job des nervigen Außenministers hatte dort immer Joachim Watzke intus. Und viele verbinden den Aufstieg der Borussia mit dem Übertrainer Jürgen Klopp. Aber Zorc hat bei Meier die richtigen Lektionen gelernt, dessen Trümmerhaufen zusammen gekehrt und ein neues Fundament errichtet. Und natürlich hat man sich, wie erst vor kurzem erörtert, in eine Sackgasse manövriert, in der es schwierig wird, weitere Titel zu holen. Aber vielleicht geht Zorc ja auch deswegen in den Ruhestand.
Die eigentlich spannende Frage lautet: Kann Sebastian Kehl die Arbeit seines Mentors fortführen, oder wäre er (wie ein Baumann halt) in der 2. Reihe besser aufgehoben.

Max Eberl, um den Bogen zu schlagen, steht für mich mit all diesen Managern auf einer Stufe. Auch wenn ein Stefan Effenberg, der ihn vor Jahren mal stürzen wollte, nicht glauben wird. Auch wenn seine Erfolge sich noch eher mit Florian Kohfeldt messen, als mit seiner eigentlichen Konkurrenz. Aber zum Glück für die Gladbacher hat der dem Werben der großen Bayern bereits ein Mal widerstanden. Was aber auch alles über die eigentliche Wertschätzung seiner Arbeit sagen sollte: Die Bayern haben den im Visier.

Hoffentlich hat er bis zum Ende der Ära Salihamidžić genügend Titel gesammelt, dass er sagen kann "Ich muss nicht zu den Bayern"... Das ist ja nebenbei das andere faszinierende an Eberl: Der ist "erst" 46 Jahre. Der hat noch 10 gute Jahre vor sich. Mindestens. Also Zorc holte seine erste Meisterschaft in Eigenverantwortung mit 49. Allofs war 2006 48 Jahre alt.
Es wirkt halt schon so, als sei Eberl ein Alter Hase, der seit Ewigkeiten dabei ist. Aber andere werden in dem Alter noch als junges, aufstrebendes Managertalent gehandelt.

Mich bringt das alles aber zu einer anderen Frage: Warum vergibt der Kicker eigentlich keinen Titel "Manager des Jahres", aber den des "Trainer des Jahres"? Als Manager wird man von den 11 Freunden ausgezeichnet... Wenn überhaupt. Dabei wird meistens erst der Manager gefunden und der stellt dann den überragenden Trainer ein... und verpflichtet die Spieler. Trotzdem denken wir bei den Äras (Rehagel, Schaaf, Klopp) immer erst an die Trainer und selten an die Manager. Es sei denn (siehe Callmund und Hoeneß) die Manager holen wirklich mit mehreren unterschiedlichen Trainern ihre Erfolge. Wobei selbst da denkt man bei Vize-Kusen erst an Christoph Daum und Klaus Topmöller...

Nebenbei kann man ja auch an anderen Vereinen oder Situationen erkennen, wie wichtig ein guter Manager ist. Bleiben wir da erst mal in Gladbach: Vor Eberl war das ein Chaosclub, der auf dem Weg zur Fahrstuhlmannschaft war. Die "Sportlichen Leiter" zwischen 2005 und 2008 hießen Christian Hochstätter, Peter Pander und Christian Ziege. Alles Leute, denen heute niemand mehr echte Verantwortung im Profibereich zuschieben würde...
Vorher gab es faszinierender Weise 2 Äras: Helmut Grashoff führte den Verein während der glorreichen 70er, Rolf Rüssmann übernahm danach für immerhin noch ordentliche 80er und 90er Jahre. Unter Rüssmann holte man immerhin noch den DFB Pokal 1995. Oder anders ausgedrückt: Den bis heute letzten Titel der Vereinsgeschichte. Und natürlich ging es auch unter Rüssmann schon bergab, aber richtig finster wurde es halt erst in der experimentellen Phase danach. Und aufwärts ging es erst wieder, als ein fähiger Manager gefunden wurde. Durch Zufall, weil man ja weiterhin auf das "Wir nehmen einfach ehemalige Spieler" Konzept setzte, aber man fand einen.

Hier kommt jetzt etwas schockierendes: Der Name "Grasshoff" taucht im Wikikedia Artikel 1 mal auf, obwohl er von 1966 bis 1991 Manager war: Er kreierte das erste Maskottchen. Das war bestimmt seine einzige relevante Leistung.
Wenn wir an die Ära der 70er Jahre denken, reden wir halt zuerst von Hennes Weisweiler und Günter Netzer. Obwohl Netzer den Verein 73 verließ... Also die 3 Meisterschaften in Folge wurden ohne Netzer geholt... Der Trainer war in der 2. Hälfte des Jahrzehnts Udo Lattek...

Natürlich ist es im Nachhinein schwierig zu beurteilen, wie die Arbeit von Grasshoff im Detail aussah. Aber es ist schon irgendwie auffällig, dass er die einzige Konstante der erfolgreichsten Zeit der Vereinsgeschichte war und dass die Fohlenelf nie wieder auch nur annähernd auf dieses Niveau kam.

Um ein anderes Negativbeispiel zu bringen: Der letzte wirklich gute Spordirektor des Hamburger SVs war... ähm... Günter Netzer? Fest steht: Man hatte seit 1977 18 unterschiedliche Sportvorstände oder Manager. Halt sportliche Hauptverantwortliche. Und zwischenzeitlich war die Position auch offiziell "vakant". Da ist die Frage, warum es mit dem HSV seit den 80er Jahren konstant bergab geht auch leicht beantwortet: Sie haben es nie geschafft einen Manager zu finden, der den Verein und eine Ära prägt. Und beim HSV wird ja auch in schöner Regelmäßigkeit aufgezählt, wie oft dort der Sportdirektor ausgetauscht wird. hsv1887.de hat nach Peter Knäbel einfach aufgehört, weiter mitzuschreiben, weil es eh keinen Sinn mehr macht... Trotzdem kommt kaum jemand auf die Idee, die Äras der einzelnen Vereine an den Managern zu fixieren. Also bis auf ganz wenige Ausnahmen wie Christian Heidel in Mainz.

Nur um mal zu verdeutlichen, wie schlimm es ist: Wenn ich nach "Bundesliga, Manager des Jahres" suche, ist die 2. Antwort eine englischsprachige Auflistung der vom Kicker ausgezeichneten Trainer. Warum ehrt der Kicker nicht auch die Sportdirektoren in einem ähnlichen Stil? Um mal festzuhalten, wer da wirklich die überragende Arbeit abliefert.

Aber ja. Max Eberl könnte das wichtigste Individuum für die Bundesliga sein, wenn es darum geht eine Herausfordernde Liga für den über allem stehenden Rekordmeister zu erschaffen. Und er wird dafür nie die angemessene Anerkennung bekommen, selbst wenn es ihm gelingt...

Donnerstag, 16. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Borussia Dortmund

Kommen wir zu dem eigentlichen Ansatz dieser Serie. Was muss der eigentlich designierte Herausforderer Nummer 1 machen, damit sie ein wirklicher Herausforderer für die Bayern und damit Kandidat für die Deutsche Meisterschaft werden.

Denn als erstes werde ich mal folgende These in den Raum werfen: So, wie es derzeit läuft, wird Borussia Dortmund niemals Meister. Pokalsieger vielleicht, dafür reichen ja so ein paar gute Spieler. Aber konstant auf 34 Spieltage die erforderliche Leistung zu bringen, wird unmöglich sein.

Und das ist keine Mentalitätsfrage. Also nicht vordergründig. Es ist eine Frage der Teamstruktur.
Also Dortmund bezeichnet sich ja gerne als bester Ausbildungsverein in Europa. Sie sind aber genau genommen nur der beste Weiterbildungsverein. Eine Zwischenstation für die Hochtalentierten.

Das sieht man ja auch, wenn man sich die Situation um Jude Bellingham genauer anguckt. Also falls euch der Name, wie mir bis vor kurzen auch, nichts sagt: Das soll das nächste Mega-Talent aus England sein, der sich aber den Schritt direkt in die Premiere League nicht zutraut. Also geht er mit 17 Jahren in die Bundesliga. Und weil der Ruf der Dortmunder so gut ist, stechen die bei solchen Transfers sogar die Bayern aus.

Aber hier ist das Problem: Wenn man Bellingham fragt, warum er nach Dortmund geht, sagt er so was wie "Das ist der beste Schritt für mich. Dortmund ist der Verein, bei dem ich mich am besten weiterentwickeln kann."
Kein "Das ist die legendärste Tribüne Europas, da will ich unbedingt mal vorspielen." Oder "Ich war schon immer Dortmund Fan." Was immerhin bedeutet, dass die Talente ehrlich sind. Das führt aber halt zu dem großen Problem, dass es bei der Borussia seit Jahren hat: Sobald die Talente ihren Zwischenschritt erledigt haben, wollen sie sofort weg.
Das war bei Ousmane Dembele am deutlichsten. Aber auch Christian Pulisic ist mit 21 Jahren schon zu Chelsea gewechselt. Und jetzt ist Jadon Sancho wohl der nächste, der vor einem Abgang steht, bevor er 22 Jahre alt ist. Nächsten Sommer, Spoiler, wird Erling Haaland auf dem Transfermarkt erscheinen. Im Jahr darauf dann Giovanni Reyna und eben Bellingham. Vielleicht bleibt letzterer ein Jahr länger.

Wenn Dortmund es schaffen würde aus dem Quartett Haaland, Sancho, Bellingham und Reyna 3 Mann bis 2022 zu halten, würde ich sie zum Meisterschaftskandidaten Nummer eins in der Übernächsten Saison erklären. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, ist so was von gering, dass sie vernachlässigt werden kann.
So wird Dortmund auch weiterhin phasenweise begeisternden Fußball spielen, aber auch immer unter den Entwicklungsschmerzen der Übertalente leiden. Die sind ja bei Haaland sogar wörtlich zu nehmen, denn anscheinend ist er körperlich noch nicht so weit die Dauerbelastung Profifußball zu verkraften. Und sobald er das über 50 Spiele im Jahr kann, wechselt er zu Real Madrid. Davon hat Dortmund aber wenig. Und ja, das Problem wurde hier schon mal ausführlich erörtert...

Das wirklich schockierende an der besten Talentschmiede Europas ist halt: Keiner von denen kommt wirklich aus der eigenen Jugend oder Region. Damit hat halt auch keiner von denen in Dortmund Bettwäsche geschlafen. Und auch deswegen versucht jeder so schnell wie möglich den für sich persönlich nächsten Schritt zu gehen. Da man es selber nicht schafft solche Spieler grundlegend auszubilden, fehlt es dann halt an entscheidenden Stellen an Identifikation. Und da reicht es ja zu sagen "Ich bleibe noch 2 Jahre, zu Liverpool oder Barca kann ich auch noch mit 24 Jahren wechseln."

Um das mal praktisch zu erklären: Dortmund hat 8 A-Jugendmeisterschaften gewonnen. Das ist praktisch Platz 2 hinter dem VfB Stuttgart. Aber wenn ihr euch den derzeitigen Kader der Deutschen Nationalmannschaft anguckt, haben sie da einen einzigen Spieler für "ausgebildet". Und das "ausgebildet" steht deswegen in Anführungszeichen, weil man Marco Reus mit 16 vom Hof gejagt hat.
Nur so zum Vergleich: Joshua Kimmich, Timo Werner, Segre Gnabry, Bernd Leno und Sebastian Rudy spielten in der U17 für den VfB Stuttgart und wurden hinterher Nationalspieler. Lukas Klostermann und Leon Goertzka spielten in der Nachbarschaft beim VfL Bochum. Man könnte also im Umfeld durchaus brauchbare Talente finden. Genau genommen hat aber ein verdammter Zweitligist eine erfolgreichere Jugendarbeit als Borussia Dortmund.
Und ja, bei der Jugendarbeit geht es nicht vorrangig darum Titel zu sammeln, sondern gehobene Bundesligaspieler auszubilden. Und daran scheitert Dortmund auf eklatante Art und Weise.

Ob Leon Goretzka in Dortmund geblieben wäre, wenn sie in im Alter von 16 Jahren geholt hätten, ist natürlich spekulativ, Aber es ist schon auffällig, dass ein Marco Reus sich gegen einen Wechsel entschieden hat und irgendwann beschloss: Eine Meisterschaft mit meinem Herzensverein ist mehr wert als 4 bei den Bayern. Da versuche ich lieber weiter hier auf Titeljagd zu gehen.
Und wenn man noch 2-3 weitere Talente auf ähnlichem Niveau und mit derselben Einstellung finden würde. Also ich sag mal demonstrativ Benedikt Höwedes auf Schalke. Der hätte gerade nach 2014 zu wesentlich besseren Vereinen wechseln können, musste aber am Ende vertrieben werden, weil... ähm... nun ja, Schalke halt. Aber da findet man solche Spieler.
Jonas Hector und Timo Horn in Köln. Selbst dieser Chaosklub hat es geschafft, seine Leistungsträger emotional so sehr an sich zu binden, dass die in die 2. Liga gegangen sind.Weil man sie halt auch schon als Jugendspieler in ihren Reihen hatte.

Dortmund muss halt seine Jugendarbeit komplett umkrempeln. Weg vom "Wir holen Titel, teilweise mit internationalen `'Stars'." Hin zum "Wir bilden wirklich selber Verstärkungen für unsere 1. Mannschaft aus." Damit die dann mit 23-25 Jahren eine Achse bilden, um die man wirklich was aufbauen kann. Und die selber auch den Anspruch haben: Ich gehe hier erst weg, wenn ich Meister geworden bin. Oder ich versuche es zumindest 5 bis 6 Mal, bevor ich verzweifelt aufgebe.

Und ja, die Dortmunder Führung hat nach dem Fall Dembele viel darüber geredet, dass so etwas nicht mehr passieren wird. Dass man im Zweifelsfall auch mal auf Geld verzichtet und die Spieler auf die Tribüne setzt. Praktisch gesehen hat man Pulisic, Abdou Diallo und Achraf Hakimi trotzdem ziehen lassen. Deswegen gehe ich ja auch davon aus, dass Sancho diesen Sommer den Trend fortsetzt. Praktisch hat sich also nichts verändert.
Und natürlich hatte man bei Hakimi als Leihspieler keinen direkten Einfluss. Aber dass der anscheinend lieber zu Inter Mailand wechselt, wo die Gesamtsituation eher schlechter als in Dortmund ist, zeigt, wie schlimm das Problem genau genommen ist und wie schnell die Talente weiter ziehen.

Solange man nur eine Durchlaufstation für Top-Talente ist, wird es einem immer an der Konstanz fehlen, die man braucht um die Bayern vom Thron zu stürzen.

Aber irgendwie bezweifele ich, dass den Borussen schon aufgefallen ist, dass ihre Jugendarbeit nicht annähernd so gut ist, wie sie selber glauben. Die Beweihräuchern sich an ihrer überragenden Scoutingabteilung (zu recht) und den errungenen Titeln, die aber halt wenig wert sind. wenn dabei keine guten Spieler raus kommen. Jedenfalls habe ich noch keine Stimmen gehört, dass diese Institution mal kritisch durchleuchtet werden müsste. Anders als zum Beispiel bei den Bayern... zu denen kommen wir dann als nächstes.