Freitag, 18. April 2025

Das lief dieses Jahr schlechter als erwartet

 Also schlechter als im Vorjahr, wo zum ersten Mal eine Mannschaft aus Griechenland einen Europapokal gewinnen konnte. Denn dieses Jahr scheinen die großen Ligen die Conference League doch halbwegs ernst zunehmen. Deswegen spielen da plötzlich doch Mannschaften aus England, Spanien und Italien gegeneinander. Wir hatten wenigstens den Anstand, Heidenheim zu schicken und frühzeitig auszuscheiden, wie sich das eigentlich gehört.

Aber zum einen gibt es Djurgardens IF aus Schweden. Das dürfte die erste Halbfinal-Teilnahme einer schwedischen Mannschaft seit 1987 sein, als der IFK Göteborg den UEFA Cup zum 2. Mal gewinnen konnte. Das ist als fast 40 Jahre her. Und wie immer sage ich an der Stelle: Genau darum geht es. Dass kleinere Nationen auch im Frühjahr am Europacup teilnehmen können, ist etwas wunderbares. 

Wenn man sich aber das Viertelfinale anguckt, ist die Bilanz schon gar nicht mehr soo schlimm. Mit Legia Warschau und Jagiellonia Bialystok kämpften 2 Mannschaften um den Einzug ins Halbfinale. Ich werfe mal die dreiste These in den Raum, dass noch nie 2 polnische Mannschaften gleichzeitig in einem europäischen Viertelfinale standen. Legia Warschau stand zuletzt 95/96 unter den letzten 8. Das ist also auch schon wieder fast 30 Jahre her. 

Dazu spielte NK Celje aus Slowenien auch noch mit. Bisher war für Mannschaften aus diesem Land die Europacup-Saison Ende Februar beendet. Also zumindest war dieses Duell zwischen dem FC Sevilla und NK Maribor das späteste Europacup-Spiel, dass ich auch die Schnelle finden konnte. Jetzt durften die auch im April noch mitspielen.

Und über allem steht Bodö/Glimt. Der nördlichste Verein, der jemals in ein europäisches Halbfinale eingezogen ist. Die ersten Norgweger, denen dieses Kunststück gelang. Das weiß ich, weil HITC Seven nach dem Hinspiel eine 40-minütige Dokumentation über diesen Verein rausgehauen hat. Titel: The World's Best Run Football Club.

Das ist eine wunderschöne Geschichte. Quasi Heidenheim auf Speed. Aber es zeigt auch, wie absurd der europäische Wettbewerb mittlerweile ist. Denn auch das Europa League Halbfinale ist eine beinah geschlossene Gesellschaft. Die meisten Vertreter kommen aus den 5 großen Ligen. Glasgow Rangers waren da die eine Ausnahme. Und jetzt halt die Norweger. Das waren die 2 Halbfinalteilnehmer der letzten 5 Jahre, die nicht aus Deutschland, England, Spanien, Italien oder Frankreich kamen. Nur um zu verdeutlichen, dass auch dieser Wettbewerb immer elitärer wird, weil der Abstand zwischen den 4 großen Ligen und Paris St. Germain stetig weiter am Wachsen ist. 

Um da reinzugrätschen, muss man schon der am besten geführte Klub der Welt sein... und seine Lage hoch im Norden ausnutzen. Denn auswärts hat man alle K.O. Spiele am Ende verloren. Aber im Winter im heimischen Stadion ist man unantastbar. Nur Qarabağ Ağdam konnte einen Auswärtssieg in Norwegen feiern.

In der Champions League ist alles wie immer. Der letzte Halbfinalteilnehmer, die nicht aus den großen 5 Ligen kamen, war Ajax Amsterdam im Jahr 2019. Dazu kommt technisch gesehen Olympique Lyon, die als nicht Paris St. Germain auch zu den kleinen gehören und es ins Final-Turnier geschafft haben. Aber das erste Pandemiejahr muss halt mit einem Sternchen versehen werden. 

Und mit dem jetzt eingeführten neuen System wird das alles nur noch viel krasser werden. Denn diese Liga ist ja eingeführt worden, damit die Reichen noch reicher werden und die Schere noch weiter auseinander geht. Dazu kommt die Klub-WM, von der die Conference Teilnehmer nicht mal träumen dürfen. 

Genau deswegen ist die Einführung der Conference League als quasi Gegengewicht zu dieser Monotonie. Zumindest für die nächsten 5 Jahre, bis die Schere dann so weit auseinandergegangen ist, dass auch die C-Elf der 7. besten Mannschaften aus England und Spanien die besten Mannschaften all dieser kleinen Nationen besiegen. Die 5 Jahre sollten wir genießen. Falls es dafür nicht doch schon zu spät ist.

Aber um das nochmal mit Zahlen zu verdeutlichen: Seit der Einführung der Conference League kamen in allen anderen Wettbewerben 2 von 32 Mannschaften nicht aus einer der großen 5 Ligen. Die schon erwähnten Rangers und Bodö/Glimt. In der Conference League spielten auch Mannschaften aus diesen 5 Ligen. Aber eben auch Feynoord Rotterdamm und AZ Alkmaar aus den Niederlanden. Club Brügge aus Belgien. Olympiakos Piräus aus Griechenland. Und jetzt Djurgardens IF aus Schweden. Wir sind also bei 5 von 16. Gut, dafür gab es aber noch keine Deutsche Mannschaft. Trotzdem sind wir jetzt schon bei Teilnehmern aus 8 verschiedenen Nationen, während die Champions League nur auf 5 kommt. Und während es in der Königsklasse keine realistische Hoffnung darauf gibt, dass sich dieser Kreis irgendwie erweitert, dürfte er in der Conference League quasi jährlich erweitert werden.

Donnerstag, 17. April 2025

Vor 5 Jahren hätte er den gemacht.

 Muss man mal so festhalten. Das steht gar nicht zur Debatte. Vor 5 Jahren wäre Thomas Müller auch in der Nachspielzeit noch die nötigen 3 Zentimeter höher gesprungen und hätte Druck auf den Ball ausüben können. So gab es eher ein tragisches "Es sollte halt nicht sein" Ende.

Aber die Szene verdeutlicht halt auch, wie alt Müller mittlerweile ist. Wie auch das gesamte Spiel. Dabei war er in der ersten Halbzeit nicht mal schlecht. Der Pass in der ersten Halbzeit war schon richtig stark. Er hatte auch einige Abschlussmöglichkeiten... das Problem hierbei: Bis auf den Kopfball in der Nachspielzeit brachte er keinen Ball aufs Tor. Und es ist schwer, ein Tor zu erzielen, wenn man den Ball nicht aufs Tor bringt. Die allgemeine Zusammenfassung der Müller-Chancen im Kicker Ticker war schon ein: "Da war mehr drin." Kritisch könnte man behaupten, dass ein Stürmer auf diesem Niveau den Ball in der 55. Minute aufs Tor bringen MUSS.

Viel Schlimmer: Von der 55. bis zur 95. Minute gab es nichts von ihm zu sehen. Das sah wieder wie der Müller aus, den ich aus den letzten Champions League Jahren kenne. Und das war ja im Kern genau die Phase, in der die Bayern verzweifelt anrannten. Da einen frischen Müller auf dem Platz zu haben. Also die Kompany-Kritiker aus dem Hinspiel müssten jetzt eigentlich fragen, warum der den Müller nicht später gebracht hat, damit er in der entscheidenden Phase nochmal entscheidende Impulse setzen kann. Und sie müssten anerkennen, dass Müller in diesem Spiel endgültig bewies, dass es für 90 Minuten nicht mehr wirklich reicht. Damit müssten sie aber ihre eigenen, komplett Pro-Müller ausgelegte Berichtserstattung hinterfragen und das wird nicht passieren.

Der Kicker schreibt plötzlich davon, dass "die Spieler, die für die Misserfolge der vergangenen Jahre verantwortlich waren, auch diesmal nicht übers Viertelfinale hinauskamen." Das stimmt sogar. In 4 von 5 zuletzt in genau dieser Runde Feierabend. Das Problem: Derselbe Kicker will uns seit Jahren einreden, dass ein Joshua Kimmich gut genug für das Halbfinale ist. Oder dass ein Thomas Müller hier immer noch den Unterschied ausmachen könnte. Sie warten immer bis nach dem Ausscheiden, um uns dann zu sagen, dass sie das ja schon vorher wussten. Das macht doch echten Qualitätsjournalismus aus.

Nebenbei muss man auch nochmal festhalten: 5 Jahre infolge zu den 8 besten Mannschaften in Europa zu gehören, ist kein "Misserfolg". Genauso wenig sind es 4 Meisterschaften in 5 Jahren. Und natürlich braucht die Mannschaft noch gewisse Impulse, um in die Top 4 aufzusteigen. Aber darauf hätte man auch hinweisen können, bevor der Vertrag von Joshua Kimmich verlängert worden ist. Doch dass Kimmich nur als Rechtsverteidiger allerhöchsten Ansprüchen genügt und er im Zentrum in den wichtigsten Spielen nur ein Mitläufer ist, erfährt man nicht beim Kicker, sondern eher hier bei mir.

Denn Kritik an den Bayern ist auch beim Kicker selbst unerwünscht. Zumindest ich habe keine kritische Einordnung der letzten Vertragsverlängerungen gelesen. Anscheinend planen die Bayern bis 2029 mit Kimmich als zentralen Mittelfeldspieler. Damit planen sie in meinen Augen auch bis 2029 nicht mit einem Erreichen eines Champions League Finales. Das Halbfinale ist mit viel Losglück drin, aber mehr halt nicht.

Nebenbei bewies Kimmich vor dem 1:1 ja auch, dass die Leute von absoluter internationaler Spitze im Kopf einfach die Millisekunde schneller sind. Er ist der Spieler, der den Ausgleich verhindern kann, ist aber zu langsam, um einzugreifen. Natürlich reden wir hier vom allerhöchstem Niveau, aber genau da wird für ihn die Luft seit Jahren dünn. Trotzdem nannte genau der Kicker, der jetzt Veränderungen fordert, diese Verlängerung eine vernünftige Entscheidung.

Am anderen Ende des Emotionsspektrums hat Dortmund tatsächlich die 4 nötigen Tore für die Verlängerung erzielt... nur halt nicht alle in das richtige Tor. Es ist schon faszinierend, was die alles leisten können, wenn die wirklich wollen. Darauf kann sich der FC Augsburg jetzt freuen. Also hauptsächlich darauf, dass der BvB sich am Wochenende nicht mehr an dieses Spiel erinnern können und ganz anders auftreten wird.

Wobei man eigentlich eine Schicht tiefer schauen muss. Denn Barcelona und Paris St. Germain wirkten eigentlich in diesem Jahr deutlich besser, als der Rest. Barca war schon in der Gruppenphase verdammt dominant. Nach der Auftaktniederlage gab es 10 Spiele ohne eine Niederlage. Bei einem einzigen Unentschieden. Paris brauchte nach dem Abgang von Kylian Mbappé ein Weilchen um ins Laufen zu kommen. Aber sie gewannen die letzten 3 Vorrundenspiele. Sie fertigten Stade Brest mit 10:0 Toren ab. Sie kamen gegen Liverpool, der drittbesten Mannschaft Europas, am Ende weiter. Und ja, wenn sie das Elfmeterschießen verloren hätten, wäre Liverpool jetzt der Top-Favorit. Und sie waren auf einem Weg zu einem 5+X:1 gegen Aston Villa. Dann kassierten diese beiden Mannschaften plötzlich jeweils 3 Tore und mussten ums Weiterkommen zittern. 

Die eigentliche Lektion zeigt uns, wie krass das Niveau in der Champions League wirklich ist. Denn wenn diese beiden richtig guten Mannschaften gegen im besten Fall gehobenen Durchschnitt den Fuß auch nur minimal vom Gas nehmen, bekommen sie sofort 3 Tore eingeschenkt. Das ist schon krass. 

Die optimistischen Fans beider Lager werden sich jetzt einreden, dass sie ihren einen Fehltritt, den man in so einer Saison halt immer drin hat, jetzt abgearbeitet haben und trotzdem weiter sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide noch mal solche Nachlässigkeiten zeigen, ist eher gering.

Freitag, 11. April 2025

Wenigstens hat Thomas Müller getroffen

 Denn ansonsten wäre das, aus rein deutscher Sicht, ja nur traurig gewesen. Denn das andere Highlight war der Fakt, dass ein deutscher Nationaltorhüter endgültig seinen Stammplatz an ein brasilianisches Talent verloren hat.

Wie schlimm war diese Woche? Nun ja... Norwegen hat in dieser Woche mehr Siege errungen, als die Bundesliga. Und das noch nicht mal in der Conference League, sondern Bodö/Glimt könnte tatsächlich ins Halbfinale der Europa League einziehen. Aber da geht es den Norwegern wie den Arsenal-Fans: Man sollte sich da nicht vor dem Rückspiel zurücklehnen. 

Aber ja: Thomas Müller hat mein Skript gelesen und ein Tor erzielt. Nur ob das Tor auch wichtig war, müssen wir noch sehen, denn Inter hat ja direkt nachgelegt... Und jetzt zeigt sich der andere Teil meiner Prognose: Das ist jetzt alles gar nicht so gut für den Thomas.

Denn überall liest man ja jetzt, dass Müller doch hätte mehr spielen müssen. Obwohl Vincent Kompany offensichtlich genau den Sweet Spot getroffen hat, in der Müller die Stimmung im Stadion belebt und ein wichtiges Tor erzielt. Und obwohl wirklich allen bewusst ist, dass es bei Müller nicht mehr für die 90 Minuten reicht. Aber er hätte ihn ja 5 Minuten früher bringen können... dann wäre das 1:2 nicht gefallen.

Kurze Korrektur eurer kurzsichtigen Logik: Kompany hat Müller deutlich zu früh gebracht. Wenn er den 5 Minuten später bringt, erzielt er das Tor in der 90. Minute und die Bayern haben keine Zeit mehr, um naiv weiter nach vorne zu rennen. Aber genau diese unnötig emotionale Debatte wollen sich die Bayern nächste Saison anscheinend einfach sparen. Wenn jetzt alle den Moment genossen hätten und Kompanys Entscheidung gelobt hätten... aber das wird bei einem Müller nie passieren.

Genauso albern ist die "fatale Einwechslung" von Sacha Boey. Denn da zeigt sich das eigentliche Problem der Bayern: Denen fehlt es nach den Verletzungen von Jamal Musiala, Manuel Neuer, Alphonso Davies, Hiroki Ito, Dayot Upamecano, Aleksandar Pavlović und Kingsley Coman einfach an der nötigen Substanz, um auf diesem Level noch zu reagieren. Was auch sachlich gesehen gar nicht so schlimm ist. Er musste deswegen halt auf verdammt viele Spieler in ungewohnten Positionen und Rollen setzen.

Kompany kann auch wenig dafür, dass Harry Kane in der ersten Halbzeit in den "Gomez der Woche" Modus schaltet, anstatt das eigentlich sichere 1:0 zu erzielen. Oder dass Min-Jae Kim kurz vor einem Platzverweis stand. Und dann sitzt halt einfach nur ein Karl auf der Bank. Wenn man das in Betracht zieht, hat Kompany verdammt viel richtig gemacht. Aber es ist halt einfacher, rumzuheulen, weil Müller zu wenig gespielt hat.

Also um mal so ein Alternativszenario aufzustellen: Wenn Kompany Leon Goretzka zurückzieht und dann das Gegentor fängt, heulen alle rum, warum er das an sich stabile Mittelfeld aufgebrochen und deswegen Unruhe reingebracht hat. Dann wäre wieder die "Überfordern Trainer ihre Spieler, wenn sie von denen verlangen, dass sie alle Rollen gleichzeitig spielen können?" Debatte losgegangen. Weil aber alle die Entscheidung nicht in dem Moment, in dem sie getroffen wird, beurteilen, sondern über ihre Auswirkungen richten, kann man Kompany an der Stelle nur verlieren.

Dienstag, 8. April 2025

Nun trifft der Bannstrahl also doch auch Müller

 Es scheint tatsächlich zu passieren: Thomas Müller kann sich entweder nochmal ein anderes Trikot suchen, oder unfreiwillig in den Vorruhestand gehen. Einen würdigen Abschied nach seinen Vorstellungen wird es nicht geben. Und alle sind schockiert!

Hier ist der Beitrag von NTV. Für die Podcastfans unter euch verlinke ich demonstrativ die Bohndesliga. Den englischsprachigen Markt deckt RabonaTV ab. Müller selber hält bewusst fest, dass der Verein "sich bewusst dafür entschieden" hat. Also dagegen. Er hätte gerne noch weiter gemacht. 

Und ja, ich bin auch ein wenig überrascht. Denn ich selbst schrieb ja vor wenigen Wochen, dass der FC Bayern sich die paar Millionen, die ein Mentor Müller kosten würde, doch einfach leisten kann. Das war naiv von mir. Das hätte ich besser wissen können.

Denn jetzt behaupten natürlich viele, dass Müller als wichtigster Bayern-Spieler der Geschichte einen Sonderstatus genießt. Aber er ist aber höchstens der Zweitwichtigste. Und wenn selbst ein Franz Beckenbauer seine Karriere beim Hamburger SV beendet hat, gibt es keinen Grund zur Annahme, dass es für einen Müller, der sich in Beckenbauers gemachtes Bett gelegt hat, anders ausgeht. 

Das "Mia san Mia" besteht halt auch daraus, Vereinslegenden eiskalt fortzuschicken. Was hier bereits 2020 festgestellt wurde. Die Ausnahmen sind Torhüter und Phillip Lahm. Uli Hoeneß ist halt doch eher Pate als fürsorglicher Familienvater... auch wenn er öffentlich gerne so tut, als würde er das anders handhaben.

Wobei man auch an der Stelle erwähnen muss: Nach der Karriere hat sich Hoeneß durchaus um die eine oder andere Bayern-Legende gekümmert und ihnen Jobs in der 2. oder 3. Reihe verschafft. Aber wenn du auf dem Platz nicht mehr helfen kannst, und das mit einigen Jahren Verzug auch offensichtlich wird, schickt er dich einfach fort. Da kennt er keine Gnade.

Das war bei Bastian Schweinsteiger so. Bei Franck Ribéry und Arjen Robben. Und bei Miroslav Klose. Gut, nur Schweinsteiger war wirklich auf dem Weg zum ewigen Bayern, aber er ist auch der lebende Beweis, dass selbst das nicht hilft. Wenn man bei den Bayern in den Ruhestand gehen will, muss man mit 34 aufhören... Wenn man das nicht will, wird diese Entscheidung irgendwann für einen getroffen. Das ist ja auch irgendwie fair, weil am Ende alle gleich behandelt werden.

Nur sollte es endgültig niemanden mehr überraschen. Vor allem sollte jetzt niemand Max Eberl einen Vorwurf machen. Denn der hat jetzt ja die Arschkarte, dass er diese Entscheidung verkaufen muss. Eine Entscheidung, die mit ziemlicher Sicherheit eine Etage höher getroffen wurde. Also ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass seine jetzt so kritisch gesehene Aussage aus dem Januar damals ehrlich gemeint war. Als er nach den auch ganz schön teuren Verlängerungen mit Kimmich, Musiala und Davies hat er sich mit dem Vorstand abgestimmt, was er jetzt noch dem Müller anbieten kann. Und die so "nix". Und viel Spaß dabei, das dem Müller zu vermitteln. Aber in den Pressemeldungen immer schön vom "wir" sprechen...

Also ich gehe davon aus, weil es bei all den anderen Leuten, die im Spätherbst ihrer Karriere mit Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Herbert Hainer verhandeln mussten, so ergangen ist. Und Eberl war ja für all diese Verhandlungen mit den oben erwähnten Legenden in Gladbach. Für ihn ist diese Situation also neu, für Hoeneß nicht. Deswegen ging er davon aus, dass man sich mit Müller schon einigen wird. Das ist der Nachteil, wenn man den Verein in der B-Jugend verlässt, da bekommt man solche Details nicht wirklich mit.

Jetzt versuchen natürlich alle das Traumszenario zu erstellen: als Jamal Musiala Ersatz führt Müller die Bayern jetzt ins "Finale Dahoam" und erzielt das entscheidende Tor. In der 93. Minute. Mit dem Schienbein. Aber der Lack ist mittlerweile so ab, dass allen irgendwie bewusst ist, wie unrealistisch das ist. Also nur wegen Musialas Verletzung ist eine Startelf-Nominierung überhaupt eine Option und allen ist bewusst, dass dies eine krasse Schwächung für das Team ist.

Nur wegen Musialas Verletzung die "Muss Müller in die Startelf" Debatte überhaupt auf. Denn still und heimlich saß der zuletzt in der heißen Phase meistens auf der Bank. Also in 5 von 6 Duellen mit der absoluten Elite. Mittlerweile sorgt das auch nicht mehr für "Unruhe", sondern wird allgemein als "vernünftig" einsortiert.

Jetzt stehen halt diese Viertelfinale an, in denen Müller mittlerweile meistens auf der Bank sitzt. Zuletzt hat Müller 2021 auf diesem Niveau getroffen. Das war jetzt nicht "vorgestern", sondern mehr so "Während Corona"... Auch für Müller ist Musialas Verletzung damit wahrscheinlich ein Worst-Case-Szenario. Gerade WEIL seine Chance auf Einsatzzeiten jetzt steigen. Denn der Idealfall für ihn hätte ja so ausgesehen: Er macht als Einwechselspieler den entscheidenden Treffer. Das ist sowieso schon das realistischere Szenario, denn für 90 Minuten reicht es einfach nicht mehr. Oder er hilft am Ende mit einer beherzten Grätsche, den Sieg über die Zeit zu retten. Genau so könnte er nachweisen, dass er als Mentor und Ergänzungsspieler weiterhin verdammt wichtig sein kann. Und das würde ihm eher in Sachen "Vertragsverlängerung" helfen, als der nächste Beweis, dass es für die erste Reihe nicht mehr reicht.

Und natürlich wird er jetzt die Bayern ins Halbfinale schießen, nur um mich zu widerlegen...

Montag, 7. April 2025

Hall of Shame: Ich habe den "Abstiegskämpfern" unrecht getan.

 #PassivesAbseitsLeserwissenesexklusiv.

Die sind gar nicht, wie ich die ganze Zeit annahm, historisch schlecht. Sie sind einfach nur ganz normal schlecht. Also was mittlerweile als "Normal" gilt.

Holstein Kiel ist jetzt schon bei 18 Punkten! Die waren in einer Blitztabelle schon bei 20! Wenn die noch irgendwo, zum Beispiel gegen St. Pauli einen Sieg einsammeln, sind die bei 21 Punkten! Das ist doch mal richtig viel für einen Tabellenletzten.

Also erschreckenderweise stimmt genau das. Schließlich haben die Kieler jetzt schon mehr Punkte, als ihr "Vorgänger" aus Darmstadt in der Vorsaison.  Und 6 Spiele haben sie ja noch. Das ist schon... richtig stark.

Es könnten also tatsächlich alle Mannschaften mehr als 20 Punkte sammeln. Das gab es zuletzt 2022/23. Das klingt jetzt nicht nach so verdammt lange her... aber hier ist der viel wichtigere Punkt: 2023 war die einzige Saison innerhalb der letzten 6 Jahre, in der alle Mannschaften mindestens 21 Punkte gesammelt haben. Paderborn kam immerhin auf "respektable" 20 Punkte. Aber in 90 Prozent der Fälle fällt mindestens eine Mannschaft komplett ab und ist einfach mal nicht bundesligatauglich. Und abgesehen von im Jahr 2021 Schalke 04 war es einer dieser "Überraschungsaufsteiger".

Also nur um ganz praktisch aufzuzeigen, dass die Schere einfach weiter auseinander geht. Und das nicht nur zwischen den Bayern und dem Pöbel. Auch der Pöbel distanziert sich immer weiter von dem "dreckigen Rest". Es wird immer deutlicher: Wer keinen Investor in der Hinterhand hat, schafft es nicht mehr, sich in dieser Liga ernsthaft zu etablieren. Der 1. FC Heidenheim könnte jetzt die große Ausnahme bilden, wenn sie tatsächlich als eingetragener Verein 2 Jahre infolge in der Liga halten. Aber wenn man mal so guckt, was dieses Jahr so von unten hochkommen dürfte, wird es für die verdammt schwer, sich wirklich auf Dauer zu etablieren. 

Dass sie überhaupt ein 2. Jahr infolge die Chance auf den Klassenerhalt haben, zeigt uns allen nur, wie absurd gut Frank Schmidt ist. Es ist fast schon ein bisschen schade, dass wir nie erfahren werden, was der Mann unter besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen aus einer Mannschaft herausholen würde. Stellt euch einfach mal vor, Borussia Dortmund hätte den anstelle von Nuri Şahin verpflichtet...

So was wie den FSV Mainz 05, die seit 16 Jahren in der Bundesliga spielen, gibt es einfach nicht mehr. Obwohl Christian Heidel 2015 natürlich auch ein Deal mit einem externen Investor abgeschlossen hat. Nur halt aus der Position der Stärke und in weiter Voraussicht, nicht als letzte Verzweiflungstat, um Etatlöcher zu stopfen.

Natürlich wollen die Union Fans uns allen einreden, dass IHR Verein das ja geschafft hat, nur ist das halt gelogen. Die würden ohne die Kölmel-Millionen in der 3. Liga rumkrebsen. Natürlich haben sie das Geld des Investors supergut angelegt, aber trotzdem haben sie einen externen Investor gebraucht, um sich in der Bundesliga zu etablieren.

Da muss man auch mal festhalten, dass das "früher" tatsächlich noch ging. Der SC Freiburg stieg 1993 erstmals in die Bundesliga auf. Mainz kam 2004 dazu. Der FC Augsburg dann 2011. Alle 3 sind mittlerweile etablierte Bundesligisten, die dadurch natürlich auch für wirtschaftliche Partner interessant wurden. Aber etabliert haben sie sich, bevor die Investoren kamen. Und sie sind der ehemaligen Konkurrenz aus der 2. Liga so weit entwachsen, dass sie im Falle eines ja durchaus möglichen Abstieges sofort der Top-Favorit auf den Wiederaufstieg wären. Vor den Traditionsvereinen aus Hamburg, Berlin, Düsseldorf oder Kaiserslautern. Und das, obwohl diese Vereine dank der riesigen Fanszene ganz andere Voraussetzungen haben. Nur fehlt es ihnen, abgesehen vom HSV und der Hertha, halt an Investoren. Was auch nur nochmal verdeutlicht, wie unfähig diese beiden Vereine sind.

Man kann das nebenbei tatsächlich auch an der Bundesligatabelle festmachen. Der 1. FC Nürnberg war 2018/19 die erste Mannschaft, die daran scheiterte, die 20-Punkte-Marke zu knacken. Das ist halt einer dieser Vereine, die rein wirtschaftlich den Anschluss verpasst haben. Das ist einer dieser Vereine, der nur noch in der 2. Liga mithalten kann. Unter anderem, weil die 3 erwähnten Mannschaften an ihnen vorbeigezogen sind. Aber eben auch, weil mit RB und VW einige Schwergewichte in diese Liga wollten.

Wie bereits etabliert wurde, werden diese 20 Punkte mittlerweile erschreckend regelmäßig unterboten. Jetzt ratet aber mal für euch, wer Nürnbergs "Vorbild" und Vorgänger im Geiste war. Da kommt ihr garantiert nie drauf. Also erstens nicht auf den Verein, zweitens nicht auf das Jahr.

Denn der offensichtliche Kandidat ist ja Greuther Fürth. Die "Hall of Shamer" haben es ja geschafft, kein einziges Heimspiel zu gewinnen. Was eine historisch einmalige Leistung ist. Sie kamen dank einer ordentlichen Auswärtsbilanz trotzdem auf 21 Punkte.

Um euch nicht länger auf die Folter zu spannen: Es war der SC Freiburg in der Saison 2004/05. Und Freiburg war die erste Mannschaft, die sich dieses Wunderwerk des Versagens im Zeitalter der Dreipunkte Regel zusammen gestochert hat.

Oder um es deutlicher auszudrücken: Was früher alle 20 Jahre mal passiert ist, kommt mittlerweile in 3 von 4 Jahren vor. Dass der Fußball mittlerweile völlig kaputt ist, merkt man halt nicht nur an der Tabellenspitze, in der in 9 von 10 Jahren die Bayern einsam ihre Kreise ziehen. Es zeigt sich auch daran, dass der Klassenunterschied zwischen Erster und Zweiter Liga einfach nicht mehr aufzuholen ist. 

Und nur um mal zu verdeutlichen, wie krass das inzwischen abwärts gehen kann: Schalke 04 habe ich bei den "großen Vereinen" in der 2. Liga gar nicht mehr aufgezählt. Die schaffen es ja auch dieses Jahr nicht, in das Aufstiegsrennen einzugreifen. Und das, obwohl 9 Mannschaften noch in diesem Rennen sind. Auch wenn es nicht mehr ganz so krass ist, wie zur Winterpause: Tabellenplatz 9 und der Relegationsrang trennen immer noch nur 5 Punkte. Das kann man aufholen. Schalke verbringt aber plötzlich 4 von 5 Jahren in der Zweitklassigkeit. Selbst wenn der Aufstieg irgendwann gelingen sollte, ist der Rückstand, den man sich da erarbeitet hat, so heftig, dass man als krasser Außenseiter in diese ja eh nur theoretische Bundesligasaison gehen würde. Das ist ein Verein, der fast 60.000 Menschen ins Stadion zieht und vor 7 Jahren noch Champions League gespielt hat. Aber es ist auch ein Verein, der lieber auf "Fördergenossenschaften" als auf richtige Investoren setzt. Und das reicht im modernen Spitzensport einfach nicht mehr.

Traurigerweise fällt mir dabei dann auf, dass es plötzlich erschreckend egal ist, wie dieses an sich so spannende Aufstiegsrennen ausgeht. Der HSV scheint es dieses Jahr echt nicht verhindern zu können. Da muss man sich schon einen richtigen Fluch herbeireden, wenn die 6 Punkte auf Magdeburg nicht reichen sollten.  Köln spielt als Nächstes gegen Greuther Fürth und Preußen Münster. Dazu kommt ein Date mit den quasi sicheren Absteigern aus Regensburg. Die Hälfte ihrer Spiele finden gegen Kellerkinder statt. Da wird es auch schon richtig schwer, die 4 Punkte Vorsprung zu verspielen. Auch wenn sie natürlich direkt erstmal gegen die Hertha verloren haben. Aber da der direkte Verfolger auch verloren hat, sind es weiterhin 4 Punkte. Trotzdem sind auch die auf einem sehr guten Weg.

Damit haben wir dann ein Hauen und Stechen um Platz 3. Um diesen ominösen Relegationsplatz, der in 9 von 10 Fällen eben nicht zum Aufstieg reicht. Aber selbst wenn Magdeburg, Kaiserslautern, Paderborn, Elversberg, Düsseldorf, Hannover oder Nürnberg das Wunder in der Relegation schaffen sollten: dann wissen wir als neutrale Zuschauer am Ende nur, wer nächste Saison an der 20-Punkte-Marke scheitern wird. Keine dieser Mannschaften hätte die wirtschaftlichen Möglichkeiten, um in der Bundesliga mitzuhalten.

Aber um das Ganze völlig ad absurdum zu führen: die haben St. Pauli oder Heidenheim ja auch nicht... Also die beiden Mannschaften, für die es auf die Relegation hinauslaufen dürfte. Damit steht es jetzt schon beinah fest, dass auch nächste Saison wieder eine Mannschaft an der 20-Punkte-Marke nagen wird. 

Und ja, ich hoffe wirklich, dass ich damit daneben liege. Dass Frank Schmidt wirklich den Anstoss 3 Cheat Code geknackt hat und aufs wirkliche Leben anwendet. Das wäre für die Liga als Ganzes und für die Traditionsfans etwas Großartiges. Der ultimative Beweis, dass man eben doch noch mit harter Arbeit und verdammt viel Kompetenz nach Oben kommen kann. In der Realität klingt das aber eher nach einem Drehbuch, dass selbst in Hollywood als "zu kitschig und unglaubwürdig" abgelehnt wird. 

Aber ich packe da mal jetzt schon ein "PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher" drauf: Auch im Sommer 2026 wird eine Mannschaft keine 20 Punkte auf dem Konto haben.

Donnerstag, 27. März 2025

80 Millionen der ehrenamtlichen deutschen Bundestrainer sind unfähig.

 Schockierend, ich weiß. Obwohl... da auch 8 von 10 bezahlten Bundestrainern eher scheiße sind, passt das statistisch sogar: Warum sollen die ehrenamtlichen besser sein, als die Profis? Das Absurdeste an der Nations League Woche: Man braucht nur eine viral gehende Szene, um diesen Fakt zu beweisen. Nehmen wir Antonio Rüdigers Aktion gegen Italien. Als er plötzlich bis zum gegnerischen Torwart durchpresste

Fangen wir da erstmal mit den richtig dummen an: den Rassisten. Die sehen hier einen wild gewordenen Affen, der planlos losstürmt und damit das Land in Gefahr bringt. Die Verlogenheit dieser Rassisten kann man ganz einfach offen legen: Wenn Nico Schlotterbeck diese Aktion bringen würde, würden sie das solidarisch feiern: "Der zerreißt sich richtig für die Deutsche Nationalmannschaft! Der setzt bei Rückstand ein Zeichen und rüttelt seine Mitspieler wach und versucht diese mitzureißen! Genau das wollen wir sehen!" Nur halt nicht von einem Schwarzen. Aber prinzipiell wollen wir genau das sehen.

Aber auch die vernünftigen Menschen bekommen Angst, wenn sie diese Pressingsszene sehen: "Jedes Mal, wenn ich so was sehe, rutscht mir das Herz in die Hose!" Denn wenn man keine Ahnung von Fußball hat, sieht man eine potenzielle Gefahrensituation, wenn ein Verteidiger hoch anläuft.

Dabei muss ich an der Stelle zugeben: Mir macht diese Szene auch Angst. Aber hauptsächlich, weil ich offen dazu stehe, ein Anti-Fan zu sein. Ich sehe diese Mannschaft halt gerne verlieren. Dass die jetzt schon solche Aktionen drauf haben, macht mir Sorgen. Denn das beweist, dass sie gut trainiert werden. Und wenn eine talentierte Mannschaft auf einen guten Trainer trifft, verspricht das meistens große Erfolge.

Denn das Wichtigste an dieser Szene ist, dass die deutsche Mannschaft kollektiv auf den Ausflug von Rüdiger reagiert. Leon Goretzka lässt sich direkt ein wenig zurückfallen. Der Rest schiebt mit hoch, sodass hinter Rüdiger kein freier Raum entsteht, der bespielt werden kann. Vor allem dieser Fakt spricht dafür, dass es kein "wilder Ausflug" war, sondern eine abgesprochene Aktion. Denn nur, wenn es vorher Absprachen gab, kann eine derartige Reaktion folgen.

Es gab also das Signal "Jetzt hoch pressen" und Rüdiger war in diesem Moment der "freie Spieler", der dieses Pressing auslösen konnte. Das wurde dann einwandfrei durchgezogen, aber die Italiener konnten sich trotzdem befreien. Sie konnten aber keinen ruhigen Angriff einleiten, deswegen gab es praktisch das "Worst-Case-Szenario": Einen Einwurf tief in der italienischen Hälfte.

Also ich verlinke hier mal demonstrativ einen scheinbar sichereren, aber realistisch viel gefährlicheren Pressing-Versuch: beim Spiel Dortmund läufen gegen Leverkusen hoch an. Aber Julian Brandt geht nur halbherzig drauf, der Raum hinter der Pressinglinie ist schlecht besetzt und ein einziger Pass reicht, damit Bayer plötzlich mit viel Raum auf die Viererkette zulaufen kann. In fast schon logischer Konsequenz fällt das 3:1. 

Obwohl das Pressing von den Angreifern initiiert wird, ist es wesentlich gefährlicher als der Ausflug von Rüdiger, weil eben nicht konsequent und kollektiv gepresst wird. 

Natürlich lässt Deutschland mir noch genügend Hoffnungsschimmer, schließlich haben sie gerade 3 Tore gegen Italien bekommen. Aber der erste Gegentreffer entstand aus einem krassen Fehler um Aufbauspiel. Beim dritten produzierte man einen Elfmeter nach einer Ecke. Lediglich der 2. Treffer wurde tatsächlich von den Italienern heraus gespielt.  Und dort zeigte sich dann: Es ist eher gefährlich, wenn man nicht presst.

Denn in der 2. Halbzeit begann man ja, sich zu schonen. Diese Schonung zeigte sich einerseits in den Wechseln im zentralen Mittelfeld, die eher semigut verkraftet wurden. Aber sie zeigte sich eben auch darin, dass man nicht mehr all die Meter in letzter Konsequenz ging, die man braucht, um ein effektives Pressing aufzuziehen. Das wichtigste hier ist aber: Während der WM wird sich niemand schonen.

Wen man mal bedenkt, wie oft in den letzten 10 Jahren das Wort "Restverteidigung" benutzt wurde, um Gegentore der deutschen Nationalelf zu erklären, ist diese Pressingssituation ein deutlicher Fortschritt.

Montag, 24. März 2025

Wie man das freie Zeitfenster geschickt nutzt

 Denn wenn sich die "Ultras" angeblich nicht für die Nations League interessieren, muss man das ja ausnutzen... und eine Gegendemonstration in die Nische bringen.

Da der Herren-Fußball ja so unfassbar dominant in unserem Programm ist, dass er beinah alles platt macht, ist das unfassbar schwierig. Aber der Frauen-Fußball hat diese Chance tatsächlich ergriffen. Sie haben der "Warum spielt dann nicht wenigstens die 2. und 3. Liga" Fraktion eine andere Option gegeben.

Die Antwort auf diese dämliche Frage lautet nebenbei: Weil auch diese Vereine Nationalspieler haben, die sie abstellen müssen. Du willst doch nicht, dass dieses verdammt enge Aufstiegsrennen dadurch entschieden wird, dass ein wichtiger Spieler auf Reisen ist?

Wenn man diesen Leuten dann mit einem "Dann guck doch Frauen-Fußball, die haben richtig interessante Spiele im Kalender" kommt, lachen die einen natürlich aus. Da kann man dann aber elegant mit einem "Die heulen und simulieren dir wahrscheinlich zu wenig..." kontern. Aber dass Ultras eigentlich Frauen-Fußball gucken müssten, weil es dort all das gibt, was sie ständig fordern, belegt ja nur ihre Bigotterie...

Dabei haben die echt richtig gute Spiele in die Lücke platziert. Bayern und Wolfsburg hatten ihre Heimspiele im Champions League Viertelfinale. In Wolfsburg kamen 13.000 Zuschauer ins Stadion, obwohl die eigentlich im Werk sein mussten... Also das war ja immer die Ausrede, warum die Champions League Spiele der Herren so schlecht besucht sind. 

Die Bayern-Damen müssen derweil auch im Champions League Viertelfinale weiterhin auf dem Campus vor 2.500 Zuschauern spielen. Das ist halt auch der Unterschied zwischen Bayern und Wolfsburg, da ist ein Viertelfinale nur die Pflichterfüllung und die Feiertage beginnen ab dem Halbfinale.

Vor allem zeigte sich tatsächlich ein anderes Problem: Beide Mannschaften waren in ihren Heimspielen weitestgehend chancenlos. Während man die ersten Jahre in diesem Wettbewerb noch krass dominiert hat, wurde man mittlerweile von den Engländerinnen und Spanierinnen überholt. Und Turbine Potsdam, die den Wettbewerb 2 Jahre infolge gewinnen konnten, stehen sieglos am Ende der Tabelle.

Die Bundesliga-Tabelle zeigt nebenbei wahrscheinlich den einen Fehler, der dort gerade gemacht wird. Denn man hat sich ja für eine Aufstockung auf 14 Mannschaften entschieden. Deswegen steigt dieses Jahr nur eine Mannschaft ab. Aber das könnte dazu führen, dass Carl Zeiss Jena ohne einen einzigen Sieg den Klassenerhalt feiern kann.  Und das Ende der Tabelle ist ja regelmäßig völlig absurd. Letzte Saison holte der MSV Duisburg 4 Punkte. Den absoluten Tiefpunkt lieferte Borussia Mönchengladbach 2018/19 mit einem einzigen Punkt.

So schön das Wachstum des Frauen-Fußballs ist, es findet ausschließlich an der Spitze statt. In der Breite schafft man es konstant nicht, 12 wettbewerbsfähige Teams zusammenzustellen. Deswegen versucht man es jetzt mit 14 Mannschaften. Das klingt sinnvoll.

Einer dieser potenziell 14 Mannschaften spielte dann am Sonntag im Volkspark vor 57.000 Zuschauern. Denn der DFB zog direkt mit dem Pokal-Halbfinale nach. Man bekam dort ein klassisches Nordderby geschenkt: Hamburger SV - Werder Bremen. Und das war direkt eine Pokal-Klassikerin. Also ein Spiel, über das man noch Monate reden würde, wenn es die Herren ausgetragen hätten:

Die auch bei den Damen höherklassigen Bremerinnen dezimierten sich unmotiviert selbst. Der HSV kämpfte aufopferungsvoll und warf alles in die Wagschale, konnte der Vereins-DNA aber nicht komplett aus dem Weg gehen: Ein krasser Patzer der Torhüterin in einer Pressing-Situation schenkte dem Favoriten die Führung. Aber der Ausgleich von Sarah Stöckmann in der 90. Minute brachte das Stadion zum Explodieren. Direkt hätte Hamburg fast das nächste, diesmal wirkliche Eigentor produziert, aber Inga Schuldt bekam tatsächlich die Chance, ihren krassen Fehler vor dem 0:1 wieder gutzumachen. In der Verlängerung vergab Lisa Baum die große Chance den HSV tatsächlich in Führung zu bringen, bevor der Kommentator feststellte, dass ein Treffer jetzt wohl die Entscheidung bringen könnte... also nicht nur die Dramatik, sondern sogar die völlig bescheuerten Kommentare waren auf Herren-Niveau. Diesen Treffer erzielte Sophie Weidauer nach einer starken Kombination. Und gegen nun alles verzweifelt nach vorne werfende Hamburgerinnen gelang ihnen noch das 3:1. 

Aber ganz ehrlich und trotz all der Verlängerungen in der Nations League: Dieses Pokal-Halbfinale war das eine Spiel, welches man als deutscher Fußball Fan gesehen haben sollte. Also bevor man verzweifelt im Kalender guckt, ob die Dritte Liga vielleicht doch spielt. Es lieferte all das, was einen guten Pokal-Fight ausmacht.

Und der DFB hat das tatsächlich bewusst und langfristig geplant. Denn eigentlich sollte der HSV an diesem Wochenende in der 2. Liga gegen den SV Weinberg spielen. Das Spiel wurde aber auf Mittwoch, den 5.3. vorverlegt. Anstoß 12 Uhr... Da kommen dann nur die wirklichen Ultras. Alle 160. Dass der HSV während des Pokal-Wochenendes dann Platz 3 wieder an den SV Meppen abgeben musste, ist dem richtig seriösen Kommentator natürlich auch nicht aufgefallen. Das ist der Qualitätsjournalismus, den an den uns Béla Réthy so gewöhnt hat.

Jetzt könnten Kritiker natürlich anmerken, dass ich selbst, wenn ich den Frauen-Fußball so richtig ernst nehmen würde, auch wissen muss, dass die HSV-Damen durchaus in der Lage sind, aufzusteigen. Also noch nicht in die Bundesliga, aber die sind 2023 in die 2. Liga aufgestiegen. Stimmt. Und das mache ich jetzt auch nur bedingt besser, wenn ich jetzt behaupte, dass ja "sogar die Frauen" das mit dem Aufstieg schonmal hinbekommen haben, da kann das ja alles nicht so schwer sein... Ja, der HSV ist "nur" der einzige Verein in Deutschland, dessen Herren-Mannschaft noch nie aufgestiegen ist. 

Im 2. Pokal-Halbfinale war die TSG 1899 Hoffenheim auf dem Weg, den Titelfavoriten aus München aus dem Wettbewerb zu werfen, bevor auch hier ein Fehler der Torhüterin den Weg zum Comeback öffnete. Und das ist dann wahrscheinlich die eine Szene, die ihr mit sexistischen Kommentaren in den sozialen Medien zu sehen bekommen habt. Was dabei aber total unfair ist: Der Kontext wird komplett ignoriert. Denn die 21-jährige Laura Dick musste in der 51. Minute eingewechselt werden, weil sich Stammtorhüterin Martina Tufekovic in der 49. Minute verletzt hat. Sie konnte sich also 2 Minuten lang "warm" machen. Dann wurde sie direkt und aus der völligen Kalten in eine unangenehme Situation geschickt, in der sie dann verkackt hat. Das ist eben nicht "typisch Frau", sondern etwas, dass jungen Menschen passiert, wenn sie unerwartet und unvorbereitet in eine extreme Stresssituation geschickt werden.

Es gäbe genügend Ansätze, diesen Aussetzer zu erklären, ohne irgendwie das Geschlecht ins Gespräch zu bringen. Aber dann wäre Mann ja kein sexistisches Arschloch....