Donnerstag, 16. März 2023

Eintracht Frankfurt wird zurückkommen

 Was eine schlechte Nachricht für die Behörden in Italien ist. Und gar nicht soo selbstverständlich. Aber es sollte funktionieren.

Wenn man mal ganz sachlich darüber nachdenkt, hat die Bundesliga ja ein grundlegendes Problem: Mit Schalke 04, Werder Bremen und dem Hamburger SV haben sich in den letzten 15 Jahren drei Mannschaften freiwillig aus dem Europacup-Pool entfernt. Also alle drei spielten sogar in gewisser Regelmäßigkeit in der Champions League. Dadurch hatte man mit den Bayern, Dortmund und Leverkusen 6 Mannschaften, die nach Europa wollten oder mussten. 

Sachlich gesehen wurden diese 3 Mannschaften durch RB Leipzig ersetzt. Was ja auch nachvollziehbar ist: Es ist halt verdammt schwierig, auf organische Weise in diese Liga hineinzuwachsen. Die meisten Vereine kommen bei Bundesliga Mittelmaß an ihre Grenzen. Am praktischen erklärt man dies natürlich an dem Beispiel SC Freiburg: Dort hat man mit Christian Streich eigentlich einen unfairen Wettbewerbsvorteil: Der beste Trainer der Liga kann im stabilsten Umfeld arbeiten. Und dieser Trainer hat ja auch kein wirkliches Interesse, zu anderen Vereinen zu gehen. Trotzdem liegt man halt im beschaulichen Freiburg, einem eher kleinen Markt und hat deshalb ein relativ kleines Stadion.

Mainz hat von der Arbeit, die sie leisten, ebenfalls das Potenzial, die Lücke zu schließen, aber sie liegen zwischen so vielen Traditionsvereinen, dass sie selbst ihr relativ kleines Stadion nicht voll kriegen.

Wolfsburg sollte eigentlich die finanziellen Möglichkeiten haben, hat aber anscheinend einfach nicht die Strahlkraft, um wirklich gute Spieler anzuziehen und zu halten. 

Borussia Mönchengladbach fehlt seit Jahren genau die Konstanz, wie sie in dieser Saison als Mikrokosmos eindrucksvoll beweisen.

Union Berlin ist der absolute Wahnsinn, aber eigentlich auch eine Nummer zu klein, um dauerhaft im Konzert der ganz Großen mitzuspielen... zumindest so lange, bis sie sich ein Europacup taugliches Stadion bauen. 

Köln arbeitet sich noch aus den Chaos-Jahren heraus und wird erstmal damit zufrieden sein, einen stabilen Bundesligisten zu stellen. Die spannende Frage ist, wie lange ein Steffen Baumgart sich damit zufriedengibt.

All diese Mannschaften hatten oder haben theoretisch das Potenzial in die entstandene Lücke zu preschen. Sie hatten sogar einzelne Saisons, in denen sie sich für den Europacup qualifizierten. Selbst Hoffenheim hat dies ja zwischenzeitlich geschafft... was nebenbei auch nur zeigt, wie schwierig es ist, selbst mit externen Geldgebern in diesen Kreis aufzusteigen. Denn selbst mit den Hopp Millionen spielt man am Ende meistens "nur" in der Bundesliga mit.

Aber es war halt auch oft im "Irgendjemand muss doch" Modus.

Frankfurt hat dagegen, stand jetzt, alle Möglichkeiten dauerhaft in diesen Kreis einzuziehen. Sie haben schon ein Stadion, in dem eine gewisse Beyoncé Knowles auftreten kann, das also den allerhöchsten Ansprüchen genügt.
Scary Fun Fact: Seitdem Beyoncé am 29. Juli 2016 die Commerzbank-Arena mit einer wahnsinnig guten Solo-Show gesegnet hat, die Eintracht den DFB-Pokal als ersten nationalen Titel seit 30 Jahren gewonnen, sie die Europa League Krone aufgesetzt (als erster deutscher Verein, seit dem das Ding so heißt) und das Achtelfinale der Champions League erreicht. So weit, so lustig. Jetzt der beängstigende Teil: Die spielt im Sommer im Volksparkstadion. Falls irgendetwas den HSV retten kann, dann der Segen einer Heiligkeit. Boycott Beyoncé!!! Also wenn das mit deren Aufstieg dieses Jahr klappen sollte, ist das schon die erste Auswirkung der Konzertankündigung.

Das habe ich jetzt natürlich nur eingeführt, um darauf hinzuweisen, dass auch äußere Einflüsse auf so einen Verein wirken. Und dass selbst The Caters einer Hertha nicht helfen können, ignorieren wir einfach. Das liegt wahrscheinlich am negativen Karma von Jay-Z.

Vor allem wollte ich aber mal verdeutlichen, dass dies keine kurzfristige Erfolgswelle ist, sondern eher ein konstanter, seit Jahren anhaltender Anstieg ist. Etwas, was wir sonst so nur bei Union Berlin erleben durften.

Frankfurt ist halt auch nicht mehr in der ersten Generation der neuen Erfolgswelle. Also weder auf, noch neben dem Platz. Das ganze ging ja mit der "Büffel-Herde" um Sébastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic los. Die beiden hat man für 117 Millionen Euro verkauft. Frankfurt hat aber genau das geschafft, woran all die anderen Vereine immer scheitern: Sie haben diese Spieler durch mindestens ähnlich gute, wenn nicht sogar bessere, Spieler ersetzt. Also aus Haller wurde zunächst Andre Silva, dann Randal Kolo Muani. Aus Jovic wurde erst Filip Kostić, dann Philipp Max

Und klar, es funktioniert nicht jeder Transfer. Aber es funktionieren genügend, dass man die stetigen Abgänge kompensieren kann. Das hat in der Form sonst keiner geschafft.
Das passierte nebenbei auch abseits des Platzes. Also die Grundlagen für den Erfolg haben ja Niko Kovac und Fredi Bobic gelegt. Beide wurden inzwischen von ihrem nächsten Verein entlassen. Man fand aber zunächst Adi Hütter und dann Oliver Glasner. Statt Bobic hat jetzt Markus Krösche die Fäden in der Hand. Man ist im Gegensatz zu Freiburg oder Köln halt nicht von einem Trainer abhängig und wenn der geht, bricht alles zusammen.

Die wirklichen Konstanten sind Präsident Peter Fischer, der seit 2000 im Amt ist, was mich wirklich verwundert, weil er damit für 2 Abstiege verantwortlich war. So was überlebt man doch eigentlich nicht. Und Oliver Frankenbach, der laut Transfermarkt.de seit 2007 als Geschäftsführer fungiert und seit 1997 im Verein ist. Da könnte ich mich jetzt fragen, wie viele Frankfurt Fans diesen Namen kennen... vielleicht antwortet Phil ja...

Frankfurt hat nebenbei auch einen ganz geheimen Standort-Vorteil: Sie kommen halt aus einer der reichsten Gegenden Deutschlands. Zumindest noch, angeblich ist ja die nächste Bankenkrise im Anmarsch. Man sitzt ja direkt neben dem deutschen Bankenzentrum und quasi an der Börse, ohne da notiert zu sein. Der örtliche Flughafen ist der größte in Deutschland und der viertgrößte in Europa. Da sitzt halt haufenweise Geld. Damit ist es für Frankfurt wesentlich einfacher in der Spitze und in der Breite Sponsoren zu finden, als dies in Mainz oder Freiburg der Fall ist. Es ist halt kein Zufall, dass deren Stadion von "Commerzbank Arena" zu "Deutsche Bank Park" umbenannt wurde. 

Die gesamte Region ist halt in der Lage, dieses Wachstum mitzutragen. Und man zieht ja auch genügend Fans an, man ist jetzt bereits in den Top 20 der internationalen Zuschauertabelle. Das ist einerseits schlecht, weil man hinter dem HSV liegt... andererseits ist man vor Paris Saint Germain. Was mich an der Stelle ein wenig überrascht: Laut Transfermarkt.de waren nur 3 Spiele ausverkauft, obwohl man eine Auslastung von 97 % hat. Man hat also Stand jetzt genau die richtige Stadiongröße, aber wenn der Verein weiter wächst, wird man im Metroplex Frankfurt Möglichkeiten finden, dieses Stadion zu erweitern...

Alles in allem würde es mich wirklich überraschen, wenn Frankfurt zukünftig nicht in 8 von 10 Jahren international vertreten ist. Was für alle eine gute Nachricht ist... außer für die italienischen Behörden.

Dienstag, 14. März 2023

Das zeigt sich schon wieder die Verlogenheit der europäischen Vereine

 Damit muss man auch mal das Grundproblem von Gianni Infantino festhalten: Er richtet seine Politik nicht nach den europäischen Verbänden und Vereinen aus. Was für ein Arschloch! Wie kann der nur als Fifa den Fußball auf anderen Kontinenten in den Fokus nehmen! Das dürfen doch nur wir Europäer. WIR entscheiden, wann wir da hinfliegen und welche Brotkrümel die abbekommen.

Also kurz der Reihe nach: Die Fifa hat gerade etwas Unfassbares herausgefunden. Ein derart gut verstecktes Geheimnis, dass das eigentlich nur der CIA herausbekommen kann: Bei Dreiergruppen kann es zu Ergebnisabsprachen kommen. NO SHIT SHERLOCK! Das logische und eigentlich immer feststehende Ergebnis: Wir steigen doch wieder auf Vierergruppen und ein Sechzehntelfinale um. 

Also jetzt mal ganz ehrlich: Spätestens 2030 wäre das eh gekommen, weil alle gemerkt hätten, wie beschissen Dreiergruppen sind. Es ist gut, dass ihnen das jetzt schon aufgefallen ist. Es war immer klar, dass es wieder auf Vierergruppen hinauslaufen würde. Das ist einfach der praktikabelste und fairste Turniermodus.

Jetzt kommen aber schon die ersten und warnen vor der Zusatzbelastung. Diese eine furchtbare Spiel mehr, welches man jetzt absolvieren muss, um Weltmeister zu werden. Das betrifft jetzt sogar uns Deutsche, obwohl wir in der Vorrunde ausscheiden! Das geht gar nicht.

Ähm.. warum? Also, mit welchem Recht regen sich die europäischen Vereine, die gerade die Anzahl der Gruppenspiele in der Champions League von 6 auf 8 erhöht haben, über dieses eine Spiel auf? Mal eine ganz einfache Mathematik: Dies ist die erste Erweiterung des WM-Spielplanes seit 1998. Damals gab es zwar schon eine Vorrunde in der Champions League, aber kein Achtelfinale. Man brauchte als 11 Spiele, um das Finale dramatisch zu verlieren. Danach wurde eine (immerhin wieder abgeschaffte) Zwischenrunde eingeführt und es wurden 17 Spiele, die ohne großes Jammern ausgetragen wurden. Dann hatte man sich auf 13 Spiele geeinigt, aber die werden jetzt, obwohl das eigentlich ein wirklich gesundes Maß war, auf 15 erweitert. Einfach so und ohne, dass darüber groß gejammert wird. 

In der Champions League kamen also in diesem Zeitrahmen 4 Spiele dazu, bei der WM ist es ein Einziges. Was ist jetzt schlimmer? Nebenbei müsste man auch mal herauskriegen, ob die Erweiterung des Teilnehmerfeldes vielleicht sogar die Qualifikation verkürzt. Das ist nebenbei etwas, was ich als Fifa und UEFA immer als Kompromiss anbieten würde: Hey, wir vergrößern das Turnier im Sommer, dafür kürzen wir die Qualifikation auf 4er- anstatt den 6er-Gruppen und wir schaffen dadurch mehr Freiraum. Aber man muss ja auch fair sein, dass auch die Fifa nur bedingt kompromissbereit ist.

Der nächste "lustige" Fakt ist ja die "Zusatzbelastung". Aber hier muss die Frage gestellt werden: Stimmt das wirklich, wenn das Turnier auf 40 Tage gestreckt wird. Nur um das mal durchzurechnen: Die letzte WM wurde in 28 Tagen durchgeprügelt. Vom 20.11. bis 18.12.. In diesen 28 Tagen absolvierte Argentinien seine 7 Spiele. Genau genommen waren es sogar nur 26 Tage, weil man erst am dritten Turniertag einsteigen durfte. Man spielte also alle 3,7 Tage. Für den Gastgeber wären es alle 4 Tage gewesen. Wenn man das Turnier jetzt auf 40 Tage streckt. Dann bedeutet das, dass man im Durchschnitt alle 5 Tage ein Spiel hat. Oder, wenn man später einsteigt, alle 4,3 Tage. Also ja, man hat ein zusätzliches Spiel, aber man hat auch mehr Zeit zum Regenerieren. 

Nun muss man natürlich erst auf den finalen Spielplan warten, um wirklich durchzugehen, ob die Zeit zwischen den Spielen signifikant länger ist. Aber theoretisch wird es dadurch machbar, den Spielern längere Pausen zu geben. Praktisch sollte zwischen jedem Gruppenspiel ein Ruhetag mehr liegen. Das ist doch etwas Gutes.

Mal so als Einschub an der Stelle: Der Plan der neuen Champions League ist es ja, die zusätzlichen Termine in den Dezember und Januar zu legen. Was auch nur bedeutet: Deren Plan ist es (hoffentlich sehr sehr bald, Fuck Putin) unsere jungen Männer im Januar und Februar nach Russland zu schicken. Oder nach Skandinavien. Ihr wisst schon: All diese Länder, in denen man im Januar eigentlich kein Fußball spielen kann, weshalb die Mannschaften aus diesen Regionen schon derzeit am 6. Spieltag der Gruppenphase ein Auswärtsspiel haben.

Nebenbei wird sich über das Reisen durch die Zeitzonen aufgeregt. Wenn aber ein Profi im Januar von Porto nach Moskau fliegen muss, sind die +4 Stunden und das komplett andere Klima auch egal. Wenn das für die Profivereine eingeführt wird, ist das alles kein Problem. Aber wehe, die Fifa will ein Spiel mehr haben!!! Da profitieren dann halt hauptsächlich die kleinen Verbände dran, da haben wir nichts von. Das geht so nicht.

Und ja, die Fifa ist und bleibt ein korrupter Haufen. Ich will die auf keinen Fall entlasten. Ich will nur mal feststellen, dass die nicht die einzigen Bösewichte, die den Fußball kaputt machen, sind. Das würden die europäischen Spitzenvereine auch ganz alleine hinbekommen. Sie bekommen es sogar viel besser hin.

Da kann man ja auch wunderbar das Beispiel Klub-WM nutzen: Für die europäischen Vereine ist das eine furchtbare Idee, weil es ein zusätzlicher Wettbewerb ist. Da muss man dann dran teilnehmen. Für alle anderen Vereine von den anderen Kontinenten ist es eine Möglichkeit sich mit den größten Vereinen der Welt in einem Pflichtspiel zu messen. Also etwas, was sie derzeit einfach nicht haben. 

Nur mal so als Frage: Wann gab es zuletzt das Duell Boca Juniors gegen Real Madrid? Das war im Jahr 2000. Es war ja auch das einzige Aufeinandertreffen dieser beiden Traditionsvereine.
Wir jammern ja sonst immer, dass es immer dieselben Duelle gibt, die ewig recycelt werden. Genau das könnte dieser Wettbewerb aufbrechen. Und klar, uns Europäern sind diese Ansetzungen egal. Aber kurzer Spoiler: Wir sind global gesehen eine Minderheit. Dementsprechend muss nicht jede Entscheidung nach unserem Gusto gefällt werden.

Dazu schießen sich die Europäer halt weiter argumentativ in den Fuß, wenn sie den ganzen Sommer lang eh durch die Welt fliegen. Also selbst ein Thomas Tuchel muss sich jetzt ja von Graham Potter vorwerfen lassen, dass er die Mannschaft dank einer katastrophalen Vorbereitung in einem dürftigen Zustand hinterlassen hat. Das liegt aber auch definitiv daran, dass Tuchel im Sommer Freundschaftsspiele gegen America durchführen lassen musste. Um 4 Uhr morgens MEZ. Um nochmal darauf hinzuweisen, wie absurd das Zeitzonen-Argument ist...

Was spricht jetzt dagegen, diese Klub-WM als Vorbereitungsturnier zu betrachten? Klar, für die anderen ist es DAS HIGHLIGHT des Jahres. Aber für einen selber ist es halt nur die Promotour, die man im Sommer eh plant. Man hat halt dieses Mal nur selber nicht die Planung in der Hand. Dafür fährt man dann aber gemeinsam an einen Ort, kann sich also theoretisch in der Vorbereitung mit besserer Konkurrenz messen. Und das Spotlight dürfte auch etwas größer werden.

Da fällt einem aber wieder auf, wie kolonialistisch die Politik der europäischen Vereine ist: wenn wir Europäer nach unseren Bedingungen und zu unseren Konditionen nach Asien oder Amerika fliegen, um unseren Umsatz zu steigern, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das möglich zu machen. Und wenn man als Zeche in der Premiere League nur 10. wird, dann ist das halt so. Wenn diese Länder sich dann aber erdreisten UNS einzuladen und zu sagen "Ihr kommt jetzt zu unserer Veranstaltung, von der wir etwas haben", dann ist das ein Problem und leider nicht umsetzbar.

Aber das kommt jetzt halt auf uns zurück: Die Beliebtheit dieses Sports ist in den anderen Kontinenten jetzt so weit gestiegen, dass dies auch ein ernst zunehmender Markt ist. Und dieser Markt will jetzt halt auch an den Spielen teilnehmen. Deswegen muss man auf ein Mal über eine Klub-WM reden. Das ist natürlich ein logistisches Problem, aber halt auch eine logische Konsequenz. Denn natürlich wollen sich die Vereine aus diesen wachsenden Regionen dann auch mit den Besten der Besten in Pflichtspielen messen.

Aber wie immer wird bei jeglicher Berichtserstattung nur auf uns und unsere Bedürfnisse geschaut. Niemand fragt sich, wie geil es für die anderen wäre, wenn dieses Turnier stattfindet. Oder wenn sie an einer Weltmeisterschaft teilnehmen können.

Montag, 13. März 2023

Worst of des "Wenn beide das Derby verlieren" Wochenendes

 Sein wir mal ganz kurz ehrlich: Borussia Dortmund musste dieses Spiel gewinnen, wenn sie Meister werden wollen. Ein Unentschieden bei einem Abstiegskandidaten ist einfach zu wenig. Und Schalke wusste vorher, dass die Konkurrenz (also natürlich abgesehen von Hoffenheim, aber die machen halt ihr eigenes Ding) gepunktet hat. Bochum sogar dreifach, weil Köln halt auch zu diesen inkonstanten Mittelfeldmannschaften, die plötzlich und unmotiviert ein Spiel verlieren, gehört. Damit ist auch für Schalke am Ende ein Punkt... nun ja... vielleicht nicht genug. Drücken wir es so aus.

Und klar, rein emotional nehmen die mehr als nur den einen Punkt mit. Und es kann auch durchaus sein, dass es genau der Punkt ist, der sie am Ende in die Relegation rettet. Es kann aber auch sein, dass die Schalker dieses Unentschieden am Ende zu heftig gefeiert haben.

Gerade wie sie als Tabellensiebzehnter diesen Derby-Nicht-Sieg gemeinsam mit den Fans zelebriert haben, beweist nebenbei auch nur, wie weit die Ansprüche mittlerweile gesunken sind. Früher hätten die Schalker Fans die Mannschaft nach so einem Spiel ausgepfiffen. Und bei der Tabellensituation allgemein eher ein "Wir wollen euch kämpfen sehen" skandiert. Das sind schließlich die Fans, die unruhig wurden, wenn man auf Platz 4 stand.
Diese angepasste Erwartungshaltung soll gar kein Vorwurf sein. Ich finde es aber einfach nur faszinierend, dass ein derart emotionales Umfeld wie in Gelsenkirchen diesen Umschwung hinbekommen hat. Jetzt wäre es natürlich spannend zu sehen, was dort passiert, wenn die mal im Mittelfeld landen. Und dass die Schalker Fans geschlossen hinter ihrer Mannschaft stehen, könnte am Ende den Unterschied ausmachen.

Bayern München schaltete nebenbei in den Über-Arroganz-Modus. Also die wollten Paris mal demonstrativ zeigen, dass es echt gar nicht so schwierig ist, 3 Tore gegen sie zu erzielen. Da muss man nur halbwegs engagiert und konsequent nach vorne spielen. Es wäre also so was von machbar gewesen, aber ihr wolltet ja nicht. Und nebenbei bewies man, dass man gegen seinen Angstgegner um Mergin Berisha, der jetzt 5 Treffer in 4 Spielen gegen die Bayern erzielt hat, einfach genügend Tore erzielen kann, dass einem die Gegentore egal sind. Manchmal geht es halt um wichtigere Dinge als das reine Ergebnis...

Wo ist eigentlich diese Woche Lutz Wagner? Findet der jetzt gerade kein Mikro, in das er sich erbrechen kann? Unter der Woche ging es doch auch. Da hat er eindeutig gesagt, dass das Eingreifen der VAR falsch war. Wenn es dann einen Elfmeter für die Hertha gibt, weil der VAR in der Superslowmo und mit Zeitlupe ein Handspiel erkennt... dann schweigt Wagner natürlich. Wie ich schon am Freitag gesagt habe: Es ist halt wesentlich leichter Stellung zu beziehen, wenn es nicht sein eigener Verantwortungsbereich ist. Und von DFB Seite gibt es ja wieder das totale Schweigen zu diesem fragwürdigem VAR Eingriff.

Nebenbei lässt sich da wieder eines festhalten: Das sind alles Dinge, die ein Challenge System verhindern würde. Denn dann wäre diese Szene einfach durchgelaufen und niemanden aufgefallen. All die anderen kritischen, aber korrigierten Momente (zum Beispiel der Elfmeter für Werder) wären dann auf Anfrage überprüft worden. Und wenn dann tatsächlich mal eine Fehlentscheidung nicht "gechallenged" wird, dann ist der Trainer der Depp, der sich nicht dazu durchringen konnte, die "rote Flagge" zu werfen. Aber wir verweigern ja die einfachen und praktikablen Lösungen, und kritisieren dann lieber die UEFA, wenn es da mal nicht läuft.

Für mich gibt es echt nur noch 2 Lösungen: VAR abgesehen von Abseitsentscheidungen (wo er nebenbei einwandfrei und schnell funktioniert) abschaffen oder eben Challenges einführen. Alles andere ist einfach sinnlos.

Uli Hoeneß, Vollidiot der Woche. Ja, Hoeneß hat sich mal wieder in ein Mikro erbrochen. Und er hat da mal wieder bewiesen, dass er es mit der Freiheit und der Demokratie nicht so genau nimmt. Denn die Pressefreiheit ist einer der Grundpfeiler unserer Demokratie. Jetzt ist er der Meinung, dass ARD und ZDF die Übertragungsrechte der Weltmeisterschaft entzogen werden, weil sie zu kritisch über die Zustände in Qatar berichtet haben. Das ist nebenbei derselbe Mensch, der einem Journalisten mit Hausverbot gedroht hat, weil er zu kritische Fragen gestellt hat, diese Haltung sollte uns also nicht überraschen. Wer nicht nach unserer Pfeife tanzt, wird halt schikaniert und ausgeladen.

Und natürlich war es anstrengend, dass die in den Öffentlich Rechtlichen auch immer wieder über Menschenrechte geredet haben. Aber genau das ist guter Journalismus halt auch: Anstrengend und unangenehm.
Nebenbei können wir jetzt ja festhalten, dass genau das eingetreten ist, was sich die Ölscheiche erhofft und ich befürchtet habe: Es guckt jetzt niemand mehr da hin. Die haben jetzt ihren Image-Gewinn eingestrichen und können jetzt wunderbar weiter auf die Menschenrechte scheißen. Wir sind dagegen weitergezogen und beschäftigen uns halbherzig mit dem nächsten Problem.

Freitag, 10. März 2023

Da war ja noch was: Dieser fragwürdige Elfmeter

 Und damit ein kleiner Exkurs in die Empörungskultur. In der Hauptrolle: Lutz Wagner als Vollidiot der Woche.

Also ihr werdet es ja alle mitbekommen haben: Dortmund ist unter anderem wegen eines fragwürdigen und wiederholten Elfmeters ausgeschieden. Gut, eigentlich sind sie ausgeschieden, weil sie sich gegen den Tabellenzehnten der Premiere League zu wenige Chancen erspielt haben. Aber das wird ja ignoriert, weil Chelsea theoretisch gut sein sollte. Nur um das mal festzuhalten: Diese Mannschaft liegt 29 Punkte hinter dem Tabellenführer Arsenal London. So viel Abstand liegt sonst nicht mal zwischen Dortmund und Bayern. Die sind nicht wirklich gut.

Fairerweise muss man auch anerkennen, dass Dortmund im Großen und Ganzen zugibt, dass sie nicht nur wegen der fragwürdigen Entscheidung ausgeschieden sind, sondern dass der Gegner insgesamt einfach besser war. 

Aber das ehemalige Fachmagazin der Kicker schwingt sich dann zum Verteidiger der Dortmunder Ehre auf und kommentiert ausführlich über diesen Vorfall. Also als das führende Magazin aus dem Land der betroffenen Mannschaft.

Nur so als Vergleich: Der an sich eher als sachlich einzustufende "The Guardian" gibt zu, dass der VAR bei der Rettung von Coach Potter geholfen hat. Aber einen Fehler wollen die nicht gesehen haben. ESPN als theoretisch neutrale Amerikaner zitieren Jude Bellingham, ringen sich aber auch nicht zu einer eindeutigen Bewertung der Szene durch. In dem Video lobt Frank Leboeuf Kai Havertz dafür, dass er nochmal antritt und sich nicht vor der Verantwortung drückt. Die französische L'Equipe erwähnt auch nur, dass der Elfmeter wiederholt wurde.

Aber ob es überhaupt korrekt war, den Elfer zu wiederholen, diskutieren nur wir Deutschen. Und das bringt uns dann zu Lutz Wagner, Regelexperte und Mitglied der Schiedsrichter-Kommission Amateure beim DFB. Damit ist er technisch gesehen nicht direkt für die Profis verantwortlich, aber nicht so weit weg. Er wird im Kicker Kommentar als "DFB-Regelexperte" vorgestellt. Und der sagt jetzt tatsächlich eindeutig, wie und warum der Eingriff des VARs falsch war

Das ist an sich sehr schön. Das Problem ist doch aber: Eine derartige, auch kritische, Einordnung von offizieller Seite müsste doch eigentlich jedes Wochenende kommen. Denn an jedem Montag fragt sich der gemeine Fußballfan, warum der VAR in der einen Situation eingegriffen hat, in der anderen aber stumm blieb. Vom DFB hört man aber meistens Rechtfertigungen. Wenn überhaupt.

Also stellt euch einfach mal vor, das Spitzenspiel am ersten April wird durch so einen wiederholten Elfmeter entschieden. Glaubt wirklich irgendjemand, dass sich jemand vom DFB dann hinstellen und den Fehler zugeben würde? Das macht man nur, wenn man selber unbeteiligt ist. Natürlich. Genau so führt man einen Diskurs und verbessert sich selbst. Herzlichen Glückwunsch.

Und klar, diese Szene beweist uns auch nur, dass der VAR auch woanders beschissen läuft. Dass all die Debatten gar nicht nur in der Bundesliga geführt werden. Aber als DFB sollte ich meinen gesamten Fokus darauf legen, dass es in der Bundesliga besser wird. Wenn man da dann vorzeigbare Ergebnisse hat, von denen wir immer noch weit entfernt sind, dann kann diese mit den anderen Teilen. Bis dahin sollte man vor seiner eigenen Tür kehren.

Nebenbei sollte dieser Vorfall ganz realistisch zu einer Regeländerung führen. Denn das, was Bellingham da sagt, stimmt ja vollkommen: In dem Moment, wo der Schütze den Anlauf verzögert, ist es quasi unmöglich, dass die anderen Spieler nicht in den Strafraum laufen.

Es ist sowieso schon fragwürdig, dass der Schütze das überhaupt darf. Aber wenn er auf derartige Sperenzchen setzt, sollte die anderen Spieler wenigstens nicht dafür bestraft werden. Ein einfacher "Wenn der Schütze seinen Anlauf verzögert, dürfen andere Spieler den Strafraum betreten" würde hier alle Probleme lösen. Nur so als Idee, die man eigentlich nach dieser Szene diskutieren könnte.

Donnerstag, 9. März 2023

Der Weltmeistertitel wird überschätzt

 Gnadenlos.

Aber erstmal.... Champions League. Denn... was soll ich sagen... selbst Thomas Müller hatte einen positiven Einfluss auf das Spiel, schließlich gewann er den wichtigen Zweikampf vor dem 1:0. Es ist ja nicht so, dass ich es ignoriere, wenn Müller was beiträgt, es passiert halt nur selten.

Oh und Yann Sommer gab uns seine beste Manuel Neuer Imitation. Also Neuer gegen Südkorea, was mir zum zweiten Mal in einer Woche die Gelegenheit gibt, ein deutsches Scheitern in der Gruppenphase zu verlinken... Aber ja, der Sommer-Transfer hat sich jetzt rentiert, denn in den wichtigen Situationen war er halt da.

Aber eigentlich muss es hier halt um Paris St. Germain gehen. Die machen nämlich das, was die immer machen: Sie scheitern im Achtelfinale. Das war der Ausgang in 5 der letzten 7 Saisons. Nur in den Jahren mit Thomas Tuchel kamen sie weiter. Das ist halt das Problem, wenn man Spielern wie Kylian Mbappé zu viel Macht gibt, damit sie doch bleiben. Und wenn man im Jahr 2023 auf Lionel Messi als Stammspieler setzt.

Denn auch Messi machte das, was er in den letzten Jahren immer machte: Er tauchte im Rückspiel komplett ab. 2019 stand Messi zuletzt im Halbfinale der Champions League. Das ist ein Niveau, welches er früher regelmäßig erreicht hat. Damals wurde er und sein Barca von Liverpool aus dem Stadion und Wettbewerb geschossen. Das waren nebenbei auch schon die Jahre, in denen Barca seine Auswärtsspiele regelmäßig mit 4:0 oder 3:0 verloren haben. Hier ist eine faszinierende Statistik: Seit dem letzten Titelgewinn im Jahr 2015, was auch schon 8 Jahre her ist, haben Messi's Team in der K.O. Phase 2 Auswärtsspiele gewonnen: 2016 bei Arsenal und 2019 bei Manchster United. Die Gesamtbilanz seit 2015 steht bei 2 Siegen, 3 Unentschieden gegen Lyon, Paris und Neapel (also nur bedingt die Creme de la Creme) und 6 Niederlagen. Die 6 Niederlagen kamen mit einem Torverhältnis von 0:18 Toren. Also wenn ihr kontrollieren wollt, ob ich was übersehen habe, hier ist der Link zu Fussballdaten.de. Das ist richtig schlecht. Gerade wenn man bedenkt, dass Messi in diesen Jahren 2-mal den "Ballon d'Or" gewonnen hat. Anscheinend ist es keine Bedingung, dass man in den wichtigen Auswärtsspielen abliefert, um diesen Titel zu gewinnen.

Dass Messi als Stammspieler nebenbei keine Rolle mehr spielt, habe ich bereits 2021 prognostiziert. Weil ich Messi halt sehr gerne spielen sehe, hätte ich gerne unrecht behalten. Aber man kann diesen Wettbewerb einfach nicht gewinnen, wenn jemand so wenig am Spiel teilnimmt, wie Messi das grundlegend seit 2016 macht. Er ist halt seit dem im Zlatan Ibrahimović Modus: Gegen schlechtere Gegner sieht das alles überragend aus, aber wenn es um die Wurst geht, kommt zu wenig.

Denn machen wir uns nichts vor: Die einzelnen Statistiken sehen immer noch richtig gut aus. 8 Scorerpunkte in 7 Spielen. De facto in 5, weil er ja im Achtelfinale nichts geliefert hat. 9 Tore in 2 Jahren Königsklasse für Paris. Und es spricht auch für Messi, dass er selbst im hohen Alter noch so trifft. Aber man kann es sich halt einfach nicht leisten, einen Spieler gegen den Ball so mit durchzuschleppen. Und das, obwohl es im Rückspiel besser war, als im Hinspiel.

Von daher ist es doch gar nicht so überraschend, dass Paris ausgeschieden ist... ich habe das halt nur alles ignoriert. Und jetzt spielen die Bayern als Nächstes gegen Sporting Lissabon und können sich hinterher einreden, dass sie doch zur absoluten Elite gehören.

Was mich nebenbei zu dem eigentlichen Titel bringt: Warum reagieren alle so über, nur weil Messi im Dezember den Weltmeistertitel geholt hat? Also klar, für ihn persönlich ist das geil. Für Argentinien ebenfalls. Gerade wenn man Messis Fehlschuss aus dem Finale 2014 in Betracht zieht: Eigentlich hätte er diesen Pokal schon 8 Jahre früher holen müssen. (Und ja, WM Spiele von 2014 werden nicht verlinkt...) Aber für die Bewertung der sportlichen Karriere dieses absoluten Überspielers sollte es doch egal sein. Denn da wird am Ende auch wieder nur eines deutlich: Die WM ist, was das fußballerische Niveau betrifft, höchstens ein zweitklassiges Turnier. Was auch in der Natur der Sache liegt, denn man kann halt die Schwachstellen in seinem Kader nicht mit Transfers beheben und hat nur ein sehr kurzes Zeitfenster, um alles einzustudieren.

Aber es wird halt auch endgültig deutlich, dass man mit einem alten Messi diesen Titel holen kann. Man kann halt auch mit 10 Mann recht souverän verteidigen. Das Narrativ war ja, dass Messi jetzt Cristiano Ronaldo überholt hat, weil er den einzigen Titel hat, der seinem direkten Konkurrenten fehlt. Und Ronaldo hat ja auch keine Chance mehr zu kontern. Dabei sollte es eigentlich viel relevanter sein, dass Ronaldo 3-mal in Folge die Königsklasse gewonnen hat. Mit 31-33 Jahren. Während Messi auf dem allerhöchstem Niveau mit Anfang 30 anfing abzufallen und in den entscheidenden Momenten immer wieder abtauchte. 

Ganz sachlich gesehen ist das alles egal. Denn die Frage, ob Messi oder Ronaldo der "GOAT" ist, liegt am Ende an den persönlichen Vorlieben des Betrachters. 

Das wirklich spannende ist ja, was diesen Sommer passiert, denn Messis Vertrag läuft ja aus. Will PSG überhaupt mit ihm verlängern, oder sehen sie ein, dass Mbappé und Neymar plus 8 einem die besseren Chancen gibt? Es ist Paris, wo Entscheidungen noch nie nach sportlicher Vernunft getroffen worden sind. Über eine Vertragsverlängerung wird jedenfalls schon seit Monaten geredet. Realistisch bedeutet das aber nur, dass man auch 2024 nicht um den Titel mitspielen wird. Andererseits steht die Rückkehr nach Barcelona auch immer wieder im Raum. Für die wäre es natürlich gerade ein Fortschritt, im Achtelfinale der Champions League auszuscheiden... aber bringt es sie wirklich wieder nach vorne? Aber auch Barca wird diese Entscheidung nicht aufgrund von sachlichen Fakten treffen. Das ist bei einer Überpersönlichkeit wie Messi halt auch schwierig, da will sich niemand eingestehen, dass seine ganz große Zeit einfach vorbei ist.

Und wahrscheinlich ist der Weltmeistertitel bei dieser Beurteilung eher schädlich, schließlich werden alle auf den Dezember 2021 verweisen und behaupten, dass der doch noch was im Tank hat. Dabei sollte man sich eigentlich auf Messi vs Ronaldo Teil 37 einstellen.

Montag, 6. März 2023

Eine existenzielle Bedrohung für diesen Blog!!!

 Wie soll man ein Worst of schreiben, wenn die Liga... nun ja... auf jeden Fall spannend, vielleicht sogar gut ist? Normalerweise ist das doch der Zeitpunkt, an dem die Bayern den Titel festmachen und sich mindestens eine Mannschaft praktisch aus dem Abstiegskampf verabschiedet. Aber selbst Schalke 04 hat beschlossen, dass die sich einfach mal wehren werden. Die sind ganz plötzlich von der Mannschaft mit der lächerlichen 0:0 Serie zur "In der Rückrunde noch ungeschlagenen Mannschaft" gemausert. Und klar, man stellt eine der schwächsten Offensiven der Liga. Aber man hat halt irgendwie nur ein einziges Gegentor kassiert. Nach einem Patzer des Torwarts.

Nebenbei hat diese Woche nachgewiesen, dass die zuletzt beschriebene Ralf Fährmann Rolle gar nicht so ungewöhnlich ist. Fabian Bredlow pendelte souverän zwischen "Hält seine Mannschaft mit Wahnsinnsparaden im Spiel" und "Winkt einen haltbaren Ball durch, und bringt seine Mannschaft dadurch ins Hintertreffen." Manuel Riemann ließ sich von Namensvetter Neuer inspirieren. Also leider vom Slapstick Neuer aus dem Costa Rica Spiel, aber ansonsten gibt es schlechtere Vorbilder. Aber genau der Riemann, der dem VfL Bochum dieses Wochenende die Punkte gekostet hat, hält ihm die sonst fest. Also zumindest gelegentlich. Vielleicht ist das, was Fährmann da anbietet, am Ende auch nur Bundesliga-Durchschnitt. Was ja für Schalke gar nicht sooo schlecht ist.

Bochum muss allgemein irgendwie befürchten, dass ihr Dead Coach Bounce halt vorbei ist. Also ja, die hatten unter Thomas Letsch erstmal eine richtig gute Phase. Ungefähr so gut, wie die Schalker sie jetzt gerade haben. Und die hohe Kunst des Abstiegskampfes besteht es ja, in diesen guten Phasen so viele Punkte zu holen, dass man sich den Rest irgendwie zusammen hamstern kann. Das könnte dieses Jahr aber plötzlich nicht funktionieren, weil die Konkurrenz halt... nun ja... sich wirklich bemüht. Ich will jetzt das Wort "gut" nicht in den Mund nehmen.

Vor allem ist das irgendwie auch mehr eine gefühlte Wirklichkeit, denn in der Summe haben, abgesehen vom Tabellenletzten, ja alle weniger Punkte als im Vorjahr zum selben Zeitpunkt. Der Zyniker in mir könnte einfach behaupten, dass es nur so spannend ist, weil alle noch schlechter sind. Aber dadurch, dass sich alle wehren, ist halt eine ganz andere Spannung drin.

Wobei dieses "Alle" natürlich relativiert werden muss... denn die TSG Hoffenheim bemüht sich ja irgendwie nur gegen die Dortmunder. Dass dieselbe Mannschaft, die letzte Woche beim Vizekandidaten so einen couragierten Auftritt hingelegt hat, diese Woche so uninspiriert und ungefährlich auftritt. Wobei auch das ja relativ normal ist, denn der Unterschied zwischen der Leistung der Stuttgarter gegen Schalke und der gegen die Bayern war ebenfalls gravierend. Wenn die immer so auftreten würden...

Aber die stehen ja alle da unten drin, weil sie genau das nicht hinbekommen. Hertha hat zuletzt in 3 von 4 Spielen 4:1 gespielt. Das klingt richtig gut, bis einem bewusst wird, dass nur eines davon ein Heimspiel war. Zu Hause sah es zuletzt aber richtig gut aus. Auswärts wäre man dagegen schon zufrieden, wenn man nicht mit 3 Toren Unterschied verliert. Da es als Nächstes gegen quasi gerettete Mainzer geht, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Aber die Woche darauf geht es dann nach Hoffenheim und DA muss dann was passieren.

Aber allein schon, dass ich als neutraler Zuschauer jetzt schon vorausschaue, wer wann im Abstiegskampf aufeinander trifft. Da ist eine ganz andere Spannung drin, als wir es gewohnt sind.

Nebenbei möchte ich an der Stelle mal 2 Mannschaften loben, die damit wahrscheinlich nichts zu tun haben: Wie hat es Augsburg eigentlich schon wieder geschafft, sie da rauszuhalten? Also gerade, weil der Auftritt gegen Bremen ja alles andere als souverän war (man kann auch Rafal Gikiewicz zu diesen Bundesligatorhütern einsortieren...). Trotzdem holt man irgendwie die 3 Punkte.

Und wo hat Köln so viele Punkte Abstand her? Also 3 davon kommen aus den Duellen gegen Bayern, RB Leipzig und Union Berlin. Falls ihr wirklich wissen wollt, gegen wen die Dortmunder ihre Serie verkacken. Und dann verliert man 0:3 gegen Stuttgart... Trotzdem ist doch genau das eingetreten, was ich in der Rückrundenvorschau vorhergesagt habe: Die werden sich ohne die Zusatzbelastung Europacup stabilisieren und sich im Mittelfeld einreihen.

Welches nebenbei, als heimliches Problem, wirklich von Platz 13 bis Platz 7 reicht. Dies werden nebenbei die Mannschaften sein, die am Ende den Abstiegskampf entscheiden. Also in den "Die eine Mannschaft kämpft um ihr Leben" vs "Für uns geht es am Ende um nichts" Duellen werden am Ende die Punkte geholt, die den Klassenerhalt sichern.

Mein Kandidat Nummer 1 für so eine sinnlose Niederlage bleibt Bayer Leverkusen. Ja, wenn deren rechte Seite ins Laufen kommt, sind die richtig gut. Eine der 4 besten Mannschaften der Liga. Dazu kommt Florian Wirtz wieder in Form. Aber das passiert in der Summe halt zu selten. Dazu könnten sie zu der Erkenntnis gelangen, dass die Europa League die einzige realistische Chance ist, den Wirtz zu halten. Also dass sie alles auf einen Sieg in diesem Wettbewerb auslegen und die Liga vernachlässigen. 

Im "Fast ganz oben" ist Eintracht Frankfurt die wichtigste Mannschaft. Also die werden ja wahrscheinlich aus der Champions League ausscheiden. Und ihnen fehlt derzeit definitiv die Konstanz über 90 Minuten. Aber vielleicht finden sie die ja, wenn es nur noch in einem Wettbewerb zur Sache geht. Wenn dies passiert, wird es noch ein richtiges Hauen und Stechen um den 4. Startplatz in der Königsklasse geben.

Und ganz nebenbei haben wir ja noch dieses spannende Meisterschaftsrennen. Nicht, weil die Borussia besser ist als in der letzten Saison, sie holen genau so viele Punkte wie quasi immer. Aber die Bayern haben halt 5 Punkte weniger auf dem Konto.
Natürlich hat der gemeine Fußballfan so gar kein Vertrauen in diese Mannschaft. Aber jetzt, wo Schalke nicht als Tabellenletzter ins große Derby geht, bin ich sogar leicht optimistisch, dass Dortmund auch dieses Heimspiel gewinnt. Eigentlich hatte ich ja die Niederlage beim Tabellenletzten fest eingeplant. Vor allem müssen wir mal festhalten, dass selbst RB Leipzig die eine Gelegenheit, sich bei der gesamten Fanwelt unbeliebt zu machen, ausgelassen haben. Das machen die doch sonst nicht.

Es ist halt echt ein Gefühl, dass ich seit Jahren nicht mehr hatte: Man guckt am Freitag gespannt auf den Spielplan und markiert sich die interessanten Spiele. Man plant seinen Freitag um eine "die Bayern spielen nicht mal" Ansetzung. Und selbst wenn es einem relativ egal sein kann, ob der Arschlochverein oder die Kommanditengesellschaft auf Aktien den Titel holt, so ist man doch gespannt, wie es ausgeht. Das hatten wir seit Jahren in der Form nicht mehr.

Dass es weiterhin hauptsächlich daran liegt, dass die Bayern nicht so gut und dominant sind, wie sonst, ist dabei fast egal. Es liegt einfach eine ganz andere Spannung in der Luft. Hoffen wir, dass die uns möglichst lange erhalten bleibt.

Mittwoch, 1. März 2023

Eine kurze Motivationsrede für den HSV

 Ha... "kurz"... als ob.

Wer diesen Blog regelmäßig verfolgt, wird es ja bereits wissen: Der HSV hat ein Alleinstellungsmerkmal in diesem Land. Und auch dieses Frühjahr erweckt der Verein den Anschein, als würde er dieses Merkmal gerne abgeben und doch einfach mal aufsteigen. Zumindest tut man so. Wie ernst man das wirklich meint, wird der April zeigen,

Nebenbei zeigt sich da nochmal die moralische Flexibilität, sobald es gegen ein Feindbild geht: Ich bin plötzlich für den 1. FC Heidenheim. Ich checke deren Ergebnisse aus und hoffe, dass die den HSV noch einholen, obwohl ich mir vollkommen bewusst bin, dass die für die Bundesliga... drücken wir es optimistisch aus... keine Bereicherung sein werden. Nächste Saison jammere ich dann die ganze Zeit, wie krass überfordert dieser Dorfverein ist. Schlimmer als Paderborn und Fürth.
Was die Arbeit des Vereins gar nicht schmälern soll. Gerade was der Trainer Frank Schmidt da abreißt, ist absolut faszinierend. Und man ist in 6 von 8 Zweitligajahren in der oberen Tabellenhälfte gelandet. Man wurde in aufeinander folgenden Jahren Fünfter und Dritter. Das ist eine Konstanz, die sonst nur Union Berlin an den Tag gelegt hat. Damit ist die realistische Frage nicht "Ob", sondern nur "Wann steigt der 1. FC Heidenheim auf?" Und dann doch bitte in einem Jahr, in dem sie es dem HSV versauen.

Nebenbei... gehört die 2007 gegründete Fußballabteilung zu diesen Vereinen, die noch nie abgestiegen sind. Ihr wisst schon: das angebliche ehemalige Alleinstellungsmerkmal des letzten Bundesligadinos. Nur um mal zu verdeutlichen, dass das gar nicht so besonders ist: Damit hatte man etwas mit RB Leipzig gemeinsam. Das kann ja keiner gewollt haben.

Random Fun Fact: Der "große FC Bayern ist 1954/55 aus der Oberliga abgestiegen. Selbst dieser arrogante Schnöselverein hat es frühzeitig geschafft, sich von RB zu distanzieren. Aber bei den Unabsteigbaren gibt es bestimmt auch in den Niederungen des Fußballs irgendwelche Dorfvereine, für die es noch nie bergab ging. 

Und ja, eventuell gibt es auch neu gegründete Vereine, die noch nie aufgestiegen sind. In Leipzig finde ich da gerade den FC Mohajer Leipzig, der 2020 als Integrationprojekt gestartet wurde und seinen Durchmarsch in die erste Kreisklasse noch aufgeschoben hat. Aber jeder Verein, der 10 Jahre überlebt, wird doch irgendwann zumindest ein Mal aufsteigen.

Wir haben in Deutschland über 24.000 registrierte Fußballvereine. Der einzige Verein von denen, der älter als 10 Jahre ist und niemals aufsteigen konnte, ist und bleibt der HSV. Selbst wenn wir grob festlegen, dass es mit all den Neugründungen 10 Vereine gibt, die noch nie aufgestiegen sind... dann sollte man die anderen Vereine im Sommer zu einem großen Turnier einladen und sich gegenseitig feiern. Und festhalten, dass man zur absoluten Ausnahme gehörte. Das können dann nur 0,04 % aller Vereine von sich behaupten.

Aber der nationale Vergleich ist ja nie der Anspruch des Hamburgers gewesen. Und weil HITC Sevens dieses Video weiterhin verweigert, stelle ich die Frage jetzt hier: Wie sieht es eigentlich im restlichen Europa aus?

Fangen wir mal in Italien an. Dort spielt einzig Inter Mailand ununterbrochen in der Serie A. Gut, das liegt auch daran, dass Juventus Turin zu einem Zwangsabstieg verurteilt worden ist. Aber Juve stieg trotz 9 Punkten Abzug sofort wieder auf. Die anderen Gründungsmitglieder der Serie A stiegen hinterher hin und wieder mal auf und ab. In ganz Italien kann also nur Inter den "Unaufsteigbar" Status bewahren.

In Spanien haben wir den FC Barcelona und Real Madrid. Der eine Verein war der absolute Stolz Kataloniens, der andere wurde von einem Diktator gestützt. Also zumindest in der "grauen Vorzeit" war dies so und bei den meisten ganz großen Vereinen waren das ja die Jahre, in denen man überhaupt aufsteigen konnte. Dass diese "Graue Vorzeit" in Spanien bis in die 70er Jahre reichte und Johann Cruyff sich wegen Franco weigerte zu den Königlichen zu wechseln, verschweigen wir Europäer lieber.
Atletico Madrid war eigentlich auf einem richtig guten Weg, bis sie in der Saison 99/00 plötzlich abstiegen. Dann überlegten sie sich ein Jahr lang, ob den Unaufsteigbar Status beibehalten wollten und realisierten, dass sie das mit Real vereint... und kehrten in die Primera Division zurück. Damit hat man einen Aufstieg in der Chronik stehen.

Arenas Club war als weiteres Gründungsmitglied auf einem richtig guten Weg. Also die stiegen von 1929 bis 1975 ausschließlich ab. Das ist doch genau der Weg, den der HSV einschlagen sollte. Dann verkackten sie es aber und stiegen von der "Regional Preferenta" in die "Tercera Division" auf. Also von der 5. in die 4. Liga. Mittlerweile gurkt man in der Dritten Liga rum und die Wikipedia Seite gibt es nur auf Spanisch. Wenn die nie aufgestiegen wären und weiterhin in Liga 5 spielen würden, gäbe es garantiert auch deutsche Wikipedia Artikel... weil ich ihn dann anlegen würde.

Dieser ganze Beitrag wäre so viel einfacher, wenn es einen "Unaufsteigbare Vereine" Artikel bei Wikipedia geben würde. Aber dieser Begriff kommt nur 5 Mal vor... unter anderem bei Union Berlin.

Egal, auf nach Frankreich. Der französische Fußball ist überraschend chaotisch. Oder halt wie die Bundesliga ohne Bayern. Also die eine Dekade lang dominierende Mannschaft kämpft als Nächstes um den Abstieg. Deswegen darf sich noch der AS Saint Etienne Rekordmeister nennen. Gemeinsam mit Paris Saint-Germain. Saint Etienne ist am ehesten mit dem 1. FC Nürnberg zu vergleichen, die es ebenfalls geschafft haben, als amtierender Rekordmeister abzusteigen. Paris Saint-Germain wurde erst 1970 gegründet und etablierte sich erst in den 80ern als Stammgast in der oberen Tabellenhälfte. Technisch gesehen ist man nie abgestiegen, weil man wegen Verletzungen der Auflagen in die Dritte Liga musste. Trotzdem hat man es 2-mal geschafft, in die erste Liga aufzusteigen. Das macht diesen Verein dann wiederum einzigartig, das kann sonst keiner von sich behaupten. Also außer Juve muss nochmal Zwangsabsteigen.

Kommen wir zum ältesten Verband der Welt: Der FA in England. Der englische Fußball ist halt kompliziert, weil er genau genommen schon immer von den Launen der Investoren abhängig war. So ist für überraschend viele Vereine alles von 4. bis 1. Liga drin. Also Leeds United spielte zum Anfang des Jahrtausends in der Champions League (gemeinsam, also eher gegen 1860 München) nur um 2006/07 in die dritte Liga abzusteigen. In der Saison 19/20 stieg man dann plötzlich wieder in die Premiere League auf. Chelsea war vor der Übernahme durch den ersten russischen Oligarchen eher eine durchschnittliche Premiere League Mannschaft. Immerhin spielte man seit 1985/85 konstant in der höchsten Spielklasse, man war aber halt vorher auch ein paar Jahre zweitklassig. Dank der riesigen Geldsummen sind die Bewegungen halt auch extremer. Und die haben halt auch einfach ein paar Jahre mehr an Geschichte auf dem Buckel.

Durch all diese Bewegungen gibt es aber praktisch überhaupt nur 2 Kandidaten, die man überhaupt in Betracht ziehen muss: Manchester United und der FC Liverpool. Wenn es in England 2 Vereine gab, die schon immer dabei waren, dann sind es diese beiden. Liverpool startete 1893 in der 2. Liga, stieg direkt auf und wieder ab... nur um im Jahr darauf an Manchester City zu scheitern, damit haben wir die auch gleich abgearbeitet. Und dann fällt einem auf, dass Liverpool von 1954 bis 1962 zweitklassig war. Damn. Auch United stieg in den Anfangsjahren mehrmals auf und ab und etablierte sich "erst" 1938 in der First Division. 1974/75 stieg man dann das letzte Mal auf. Ich hätte nicht gedacht, dass selbst diese beiden Vereine auf mehrere Aufstiege kommen, aber so sieht es halt aus.

Fun Fact, den ich nicht habe kommen sehen: Der FC Everton hat weniger Jahre in der Zweitklassigkeit verbracht, als Liverpool und United. Man stieg aber 1930/31 und 1953/54 auf. Insgesamt war man nur 4 Jahre nicht in der höchsten Liga unterwegs.

Bleiben halt die "relativ kleinen" Ligen mit Portugal und Holland. Da wird die Datenlage auch echt schwierig. Auf den ersten Blick hat Portugal mit Porto, Benfica und Sporting direkt 3 Vereine, die immer in der höchstmöglichen Spielklasse angetreten sind. Zumindest so weit ich das nachvollziehen kann. PSV Einhoven spielt erst seit 1926 durchgängig in der ersten Liga, Feyenoord Rotterdam stieg 1917 auf. Ajax schaffte dies 1911.

Bleibt wahrscheinlich Celitc Glasgow. Und Austria Wien, die nach 11 Siegen in 17 Spielen in die Erste Klasse eingeteilt wurden. Und das war's dann... es sei denn, wir gehen nach Luxemburg und Liechtenstein... vielleicht nächstes Jahr.

Oder nach Osteuropa, wo es halt doch sehr unübersichtlich wird, weil viele der Ligen halt erst 1990 gegründet worden sind. Obwohl man das anhand der ewigen Tabelle der Wysschaja Liga doch gut nachvollziehen kann: Dynamo Moskau und Dynamo Kiew sind die einzigen Vereine, die "stets in der höchsten Spielklasse" antraten. Moskau stieg 2015/16 ab und danach dann wieder auf, muss also gestrichen werden. Kiew ist damit Gründungsmitglied in der sowjetischen und der ukrainischen Liga. Und da sie noch nie abgestiegen sind, können sie auch nicht aufsteigen.

Das ist dann die Liste: 3 Vereine aus Portugal, 2 aus Spanien und je einer aus der Ukraine und Österreich. Und der HSV. Der hat jetzt noch das absolute Alleinstellungsmerkmal, dass er nicht mehr erstklassig spielt, aber aus Prinzip trotzdem nicht aufsteigt.

Man hat jetzt ja die freie Wahl: Sortiert man sich in die (sowohl national als auch international) riesige Anzahl von schlecht geführten Traditionsvereinen, die nie ihr volles Potenzial ausreizen, ein? Also will man wirklich mehr wie Schalke werden? Oder macht man einfach sein eigenes Ding und bewahrt sich seine Nische.